Rupertiwinkel

Der Rupertiwinkel (auch: Bayerischer Rupertiwinkel genannt sowie, wenn auch strittig, zuweilen gleichgesetzt mit Rupertigau) bezeichnet eine Region, die sich im äußersten Südosten von Oberbayern in Nord-Süd-Richtung über Teile der Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land erstreckt.

Der Landschaftsbegriff Rupertiwinkel bezeichnet die ehemals salzburgischen Gebiete im Königreich bzw. Freistaat Bayern. Ohne eigene Gebiets- bzw. Regionenbezeichnung gehörte der Rupertiwinkel bis 1803 zum Außergebirg des Erzstifts Salzburg. 1810 kam das gesamte Gebiet dieses Fürstentums zum Königreich Bayern. Nachdem 1816 zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich der Vertrag von München geschlossen wurde, verblieb im Gegensatz zum übrigen ehemals Salzburger Territorium die Region des Rupertiwinkels weiterhin bei Bayern. Der Bezeichnung dieser Region vorausgegangen war das 1814 den hiesigen römisch-katholischen Pfarreien trotz ihrer Zugehörigkeit zu Bayern seitens des Bistums Salzburg erteilte liturgische Privileg, den Feiertag des Salzburger Schutzpatrons Rupert von Salzburg (ausschließlich) während einer Messfeier wieder begehen zu können. Jedoch erst im Zuge der Heimatbewegung ab Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fand die Gebietsbezeichnung „Rupertiwinkel“ auch schriftliche Erwähnung und hebt damit seither die historisch-kulturellen Wurzeln mit z. T. noch salzburgerisch entlehnter Brauchtumspflege hervor, wie u. a. das Aperschnalzen sich bis heute als mit dem Salzburger Flachgau gemeinsamer, die regionale Eigenheit bewahrender Brauch erhalten hat.

Geographisch ist die Region geprägt von den beiden größeren Stillgewässern Waginger See und Tachinger See und dem Högl als markanter Erhebung. Sie wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt seit 2011 bzw. 2013 als Kulturlandschaftseinheit mit zwei bedeutsamen Kulturlandschaften eingestuft.

  1. Hans Roth (1938–2016), u. a. Vorsitzender des Historischen Vereins Rupertiwinkel, bezeichnete den Ausdruck „Rupertigau“ als vorrangig von der Tourismuswerbung verwendeten, historisch falschen Begriff. Siehe: Hans Roth: Rupertiwinkel, nicht Rupertigau. Salzfass 15/3, 1981, S. 93.
    Friederike Zaisberger (1940–2019), Salzburger Archivarin, trat für die Bezeichnung „Rupertigau“ ein, da sie durch das „Winkel“ das ehemalige salzburgische Gebiet herabgewürdigt sieht. Außerdem würde „Gau“ besser zu den Salzburger Gauen passen. Zaisberger bedauerte den Verlust des Gebiets und hielt eine Rückkehr desselben an Salzburg bis zuletzt für geboten. Siehe Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1998, ISBN 3-7028-0354-8, S. 11 ff., 150, 249, 284.
    Laut den Historikern Heinz Dopsch (1942–2014), Peter F. Kramml und Erich Marx wiederum vermittelt Zaisbergers Geschichte Salzburgs ein „in wesentlichen Details nicht korrektes Bild der Salzburger Geschichte.“ Siehe: Zum Salzburger Schrifttum. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 140, 2000, S. 422 (zobodat.at [PDF]).
  2. Helga Reindel-Schedl: Laufen an der Salzach, die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging. In: Historischer Atlas für Bayern. München 1989, S. 3.
  3. Max Wieser (Heimatpfleger des Landkreises Berchtesgadener Land): Der Rupertiwinkel, online unter prangerschuetzen.de (für ganzen Absatz)
  4. Hans Roth: Geographische Begrenzung und Begriffsbildung, in: Paul Werner: Bäuerliche Baukultur im Berchtesgadener Land: Dokumentation eines Landkreises, Plenk, 1984, S. 104.
  5. Hans Roth: Der Rupertiwinkel. Eine salzburger Kulturlandchaft im heutigen Bayern, in: Unser Bayern, Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung, 27, 1978, S. 75–77.
  6. Bayerisches Landesamt für Umwelt: 60 Rupertiwinkel (2011), im Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität, PDF-Datei, online unter lfu.bayern.de