Rush-Hour des Lebens
Der Begriff Rush-Hour des Lebens (abgeleitet von rush hour, Hauptverkehrszeit; engl. rush hour of life) bezeichnet in der Familienpolitik und der Soziologie eine Lebensphase vom Abschluss der Berufsausbildung bis zur Lebensmitte, einschließlich der Phase der Familiengründung. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass durch späteren Berufseinstieg/Karrierebeginn (unter anderem durch vermehrte höhere und damit längere Ausbildungen) einerseits und weitgehend festgelegtes Ende der Zeit für Familiengründung andererseits beides, also Berufseinstieg und -aufstieg und Familiengründung, immer öfter gleichzeitig und in kürzerer Zeitspanne zu bewältigen sind. Insbesondere wird daher auch diejenige Lebensphase dazu gerechnet, in der Kleinkinder im Haushalt zu versorgen sind. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erscheint daher in dieser Lebensphase von besonderer Bedeutung. Die genaue Zeitspanne der Rush-Hour des Lebens wird nicht einheitlich angegeben: zumeist wird von einem Lebensalter von Mitte 20 bis Ende 30 gesprochen; der Begriff wird aber auch für eine längere oder kürzere Zeitspanne verwendet.
Die Verwendung des Begriffs stellt die zeitliche Verdichtung bezüglich der Lebensereignisse junger Erwachsener heraus. Zudem wird das Erfordernis der Koordination der Berufstätigkeit zweier Partner als kennzeichnend für diese Lebensphase genannt.
Größere Bekanntheit erlangte der Begriff in Deutschland mit der Veröffentlichung des Siebten Familienberichts der Bundesregierung, der auf die Verwendung des Begriffs durch Michael Bittman und James Mahmud Rice (2000) Bezug nimmt. In dieser Phase träfen zahlreiche Lebensaufgaben innerhalb weniger Jahre aufeinander; so würden „berufliche Konsolidierung, Beziehungsintensität, Kinder großziehen und die Pflege alter Eltern immer wieder problematisch aufeinanderstoßen“. Der zeitlichen Verdichtung innerhalb einer bestimmten Altersphase wird ein wesentlicher Einfluss auf die demografischen Entwicklung in Deutschland zugeschrieben.
- ↑ H. Lothaller: Die ‚rush hour‘ des Lebens und die Bedeutung der Familienarbeit und ihrer Aufteilung. In: Journal für Generationengerechtigkeit. Thema: Junge Generation unter Druck?, Nr. 3, 2008, ISSN 1617-1799, S. 4 ff. (generationengerechtigkeit.de [PDF; 3,0 MB]).
- ↑ Ute Klammer: Unsicherheiten und Belastungen in frühen Lebensphasen als Herausforderung für die Gestaltung einer lebenslauforientierten, nachhaltigen Sozialpolitik. In: Journal für Generationengerechtigkeit. Thema: Junge Generation unter Druck?, Nr. 3, 2008, ISSN 1617-1799, S. 9 (generationengerechtigkeit.de [PDF; 3,0 MB]).
- ↑ ICTs in the rush hour of life = Les NTIC à l’heure de pointe de la vie. (Abstract). Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2015; abgerufen am 3. April 2009 (englisch, französisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Michael Bittman, James Mahmud Rice: The rush hour: the character of leisure time and gender equity. In: Social Forces. 79(1), S. 165–89, 2000. Zitiert nach: Siebter Familienbericht. S. 34.
- ↑ Siebter Familienbericht. S. 244.
- ↑ Symposium: Flexibilisierung der Rush-Hour des Lebens – Diversität der Lebensläufe im internationalen Vergleich. Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, 2008, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 30. Januar 2009; abgerufen am 3. April 2009. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Thema: Junge Generation unter Druck? In: Journal für Generationengerechtigkeit. Nr. 3, 2008, ISSN 1617-1799 (generationengerechtigkeit.de [PDF; 3,0 MB]).