Demografie Deutschlands

Die Demografie Deutschlands betrachtet die Wirkung natürlicher und künstlicher Veränderungsfaktoren auf die Bevölkerung in Deutschland. In der Wissenschaftsdisziplin Demografie werden die Bevölkerungszusammensetzung und -entwicklung beobachtet, beschrieben, Statistiken auch grafisch aufbereitet und nach Erklärungen für längerfristige Veränderungen gesucht. Nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes beträgt die Einwohnerzahl Deutschlands 83.555.478 (30. September 2023).

Deutschland ist damit nach Russland das zweitbevölkerungsreichste Land Europas und (Stand 2025) an 19. Stelle der Welt.

Mit nur 677.000 Geburten im Jahr 2024 wurde, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der fünftniedrigste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht.

Die Geburtenziffer sinkt jährlich und wurde im Jahr 2023 mit 1,35 angegeben, was weit unter der Ersatzrate von 2,1 liegt. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,23. Zuletzt lag sie 1996 in diesem Bereich, erholte sich dann 2011 auf 1,39 und 2016 auf 1,59. Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,84. Mit Ausnahme des Corona-Jahrs 2021 gehen alle Geburtenraten seit 2017 kontinuierlich zurück. Der mit 8 % stärkste Rückgang erfolgte 2021/22. Seitdem schwächt sich der Rückgang ab.

Der Rückgang der deutschen Geburtenziffer von 2,4 im Jahr 1960 auf 1,35 im Jahr 2024 entspricht dem Trend der OECD-Staaten. Im Zeitraum von 1960 bis 2022 halbierte sich die Geburtenziffer pro Frau in den OECD-Staaten und sank von durchschnittlich 3,3 auf rund 1,5 Kinder pro Frau.

Aufgrund niedriger Geburtenrate gab es in Deutschland seit 1972 in jedem Jahr mehr Sterbefälle als Geburten. Seit 53 Jahren hätte es demnach ohne Zuwanderung ein jährliches Geburtendefizit gegeben. Fast alle europäischen Staaten verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Geburtenraten. Bis auf Montenegro liegen alle anderen europäischen Staaten bei einer Geburtenrate unter 2,1.

Nur durch Zuwanderung konnten Bevölkerungsrückgang und Überalterung der Bevölkerung aufgrund des Geburtendefizits vermieden oder begrenzt werden. 2022 lag der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 28,7 %. Zu dieser Kategorie zählen Ausländer, Eingebürgerte, Spätaussiedler aus Osteuropa und deren Kinder.

Bis zum frühen 20. Jahrhundert war Deutschland selber ein starkes Auswandererland. 5 Millionen Menschen wanderten aus Deutschland in den Grenzen des Kaiserreichs im 19. Jahrhundert in die USA aus und über zwei Millionen im 20. Jahrhundert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Einwanderung die Auswanderung zu überwiegen, da etwa 14 Millionen ethnische Deutsche aus den ehemaligen Ostprovinzen des Reiches und anderen Gebieten Osteuropas vertrieben wurden, von denen etwa 12 Millionen in das heutige Deutschland und mehrere Hunderttausend nach Österreich und in andere Länder gelangten oder starben. Nach 1950 repatriierten weitere 4,5 Millionen ethnische Deutsche aus Osteuropa, insbesondere gegen Ende des Ostblocks aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Rumänien.

Die massive Zuwanderung nach Westdeutschland begann in der Zeit des Wirtschaftswunders von den 1950er bis Anfang der 1970er Jahre, als Deutschland einen Arbeitskräftemangel hatte und Südeuropäer aus Ländern wie der Türkei, Italien und Spanien vorübergehend als Gastarbeiter einließ (dazu wurden Anwerbeabkommen mit der Türkei, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und weiteren Staaten geschlossen). Die Liberalisierung der Gastarbeitergesetzgebung ermöglichte es vielen, in Westdeutschland zu bleiben und sich ein Leben aufzubauen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zerfiel der Ostblock und dann die Sowjetunion; viele deutschstämmige Bürger von Ostblockstaaten (Spätaussiedler) migrierten nach Deutschland. Eine weitere große Einwanderungswelle ereignete sich, als viele Menschen vor den Jugoslawienkriegen und vor dem Bosnienkrieg (alle im ehemaligen Jugoslawien) flohen. Zugleich kamen viele Menschen aus der Türkei und beantragten in Deutschland Asyl.

Die nächste große Einwanderungswelle begann nach der Osterweiterung der Europäischen Union im Jahr 2011, als Osteuropäer nun ohne Visum in Deutschland leben und arbeiten durften. Deutschland hat 2015/16 eine hohe Zahl von Flüchtlingen auf der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg, aber auch anderen Konflikten im Irak und in Afghanistan aufgenommen: 476.649 Asylsuchende im Jahr 2015, 745.545 im Jahr 2016 und danach rückläufig.

Russische Streitkräfte begannen am 24. Februar 2022 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine und verursachten damit eine große Flucht- und Migrationswelle. Deutschland verzeichnete 2022 allein aus der Ukraine eine Nettozuwanderung von 962.000 Menschen.

  1. Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht (Quartalszahlen). Abgerufen am 25. Januar 2024.
  2. Bevölkerungsreichste Länder der Welt 2025. In diesen Ländern leben aktuell die meisten Menschen. Wirtschaftswoche, abgerufen am 27. April 2025.
  3. Im Jahr 2024 wurden 677 000 Kinder geboren. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 27. April 2025.
  4. 1 2 Geburtenziffer 2023 auf 1,35 Kinder je Frau gesunken. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 27. April 2025.
  5. Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt laut Statistikamt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekäme, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweiligen Jahr.
  6. Bevölkerung - Geburten, Statistisches Bundesamt (Destatis) | 2025. In: destatis.de
  7. Geburtenrate sinkt erneut – aber langsamer (17. Juli 2025).
  8. In OECD-Staaten Geburtenrate hat sich innerhalb von 60 Jahren halbiert. Der Spiegel, abgerufen am 26. April 2025.
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  14. Pressemitteilung – 1,1 Millionen Zuzüge von Menschen aus der Ukraine im Jahr 2022. In: DeStatis.de. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 29. April 2023.