Schiefer

Schiefer (althochdeutsch scivaro; mittelhochdeutsch schiver(e) „Steinsplitter“, „Holzsplitter“, auch „Schuppen am Kopf“; mittelniederdeutsch schiver „Schiefer“, „Schindel“) ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Gesteine, die sich durch Spaltbarkeit entlang engständiger paralleler Flächen auszeichnen, wodurch das Gestein in relativ (mehrere Millimeter) dünne Platten spaltbar ist.

In der modernen Petrographie wird die Bezeichnung Schiefer nur noch für metamorphe oder zumindest tektonisch deformierte (gefaltete) Gesteine verwendet, wobei die entsprechenden Spaltflächen als Schieferungsflächen bezeichnet werden. Die Ausgangsgesteine sind zumeist feinkörnige Sediment- oder Vulkangesteine.

Die traditionelle Bezeichnung einiger undeformierter, meist feinkörniger Sedimentgesteine mit auffälliger Spaltbarkeit als „Schiefer“ hat sich jedoch bis heute in der wissenschaftlichen Literatur gehalten, meist in Form lithostratigraphischer Namen, wie Posidonienschiefer oder Kupferschiefer. Diese Gesteine spalten allerdings entlang ihrer primären Schichtflächen. Von dieser umfassenderen traditionellen Bezeichnung leiten sich auch die Begriffe Ölschiefer oder Schiefergas ab, die im streng petrographischen Sinne für einen kohlenstoffreichen Tonstein bzw. das noch in seinem Muttergestein (vorwiegend ein solcher kohlenstoffreicher Tonstein) eingeschlossene Erdgas stehen.

  1. Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 397 (schiver).