Schwermetallvergiftung
Unter einer Schwermetallvergiftung beim Menschen versteht man die Schädigung des Körpers aufgrund der Exposition gegenüber toxischen Mengen von Schwermetallen. Einige Schwermetalle erfüllen wichtige biochemische und physiologische Funktionen, z. B. als Cofaktoren von Enzymen, und sind erst ab gewissen Mengen schädlich für den Organismus. Andere Schwermetalle sind bereits in den geringsten Mengen toxisch. Hinzu kommt, dass einige Schwermetalle erwiesene oder mutmaßliche Karzinogene sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet vier Schwermetalle unter den zehn Chemikalien, die besonders relevant für die globale öffentliche Gesundheit sind.
Seit einigen Jahrzehnten ist die ökologische und gesundheitliche Relevanz der Toxizität von Schwermetallen, z. B. im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und der Belastung von Lebensmitteln, Teil der öffentlichen Debatte. Die Auswirkungen einer potenziellen chronischen Schwermetallbelastung in der Bevölkerung werden u. a. in der Umweltmedizin diskutiert.
Für die Behandlung von Schwermetallvergiftungen stehen Komplexbildner zur Verfügung. Diese chemischen Verbindungen fungieren als Antidot, indem sie mit Metallionen Chelate bilden, die anschließend vom Körper ausgeschieden werden können. Beispiele für solche Komplex- bzw. Chelatbildner sind Ethylendiamintetraacetat (EDTA), Penicillamin und Tiopronin.
Einige Schwermetalle sind zusätzlich zu ihrer chemischen Giftigkeit radioaktiv. Hierbei reicht die Radioaktivität von kaum nachweisbaren Werten, welche gegenüber chemischen Effekten deutlich zurück treten (z. B. 209Bi), über deutlich messbare, aber dennoch gegenüber der chemischen Bedenklichkeit vernachlässigbare Werte (z. B. 238U oder 232Th), bis hin zu derartig hoher Radiotoxizität, dass chemische Effekte nicht mehr ins Gewicht fallen (z. B. 210Po). Unabhängig davon, ob die Gefährlichkeit radioaktiver Schwermetalle hauptsächlich chemische oder radiologische (Alphastrahlung) Ursachen hat, ist die zielführendste Behandlung so weit wie möglich die Entfernung der entsprechenden Substanz aus dem Körper.
- 1 2 Paul B. Tchounwou, Clement G. Yedjou, Anita K. Patlolla, Dwayne J. Sutton: Heavy Metal Toxicity and the Environment. In: Molecular, Clinical and Environmental Toxicology. Band 101. Springer Basel, Basel 2012, ISBN 978-3-7643-8339-8, S. 133–164, doi:10.1007/978-3-7643-8340-4_6, PMID 22945569, PMC 4144270 (freier Volltext) – (springer.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑ Monisha Jaishankar, Tenzin Tseten, Naresh Anbalagan, Blessy B. Mathew, Krishnamurthy N. Beeregowda: Toxicity, mechanism and health effects of some heavy metals. In: Interdisciplinary Toxicology. Band 7, Nr. 2, 1. Juni 2014, ISSN 1337-9569, S. 60–72, doi:10.2478/intox-2014-0009, PMID 26109881, PMC 4427717 (freier Volltext) – (sciendo.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑ 10 chemicals of public health concern. World Health Organization, abgerufen am 30. März 2022 (englisch).
- ↑ Kontaminanten in Lebensmitteln: Gesundheitliche Risiken natürlichen Ursprungs werden oft unterschätzt. Bundesinstitut für Risikobewertung, abgerufen am 30. März 2022.
- 1 2 deutschlandfunk.de: Umweltgifte – Welche Dosis macht das Gift? Deutschlandfunk, abgerufen am 30. März 2022.
- ↑ Karin Lehmphul: Umweltschadstoffe und Alterskrankheiten. Umweltbundesamt, 1. Februar 2016, abgerufen am 30. März 2022.
- ↑ Amalgam: Stellungnahme aus umweltmedizinischer Sicht: Mitteilung der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Band 50, Nr. 10, Oktober 2007, ISSN 1436-9990, S. 1304–1307, doi:10.1007/s00103-007-0338-z (springer.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑ George J. Kontoghiorghes: Advances on Chelation and Chelator Metal Complexes in Medicine. In: International Journal of Molecular Sciences. Band 21, Nr. 7, 3. April 2020, ISSN 1422-0067, S. 2499, doi:10.3390/ijms21072499, PMID 32260293, PMC 7177276 (freier Volltext) – (mdpi.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑ Silvia Baldari, Giuliana Di Rocco, Gabriele Toietta: Current Biomedical Use of Copper Chelation Therapy. In: International Journal of Molecular Sciences. Band 21, Nr. 3, 6. Februar 2020, ISSN 1422-0067, S. 1069, doi:10.3390/ijms21031069, PMID 32041110, PMC 7037088 (freier Volltext) – (mdpi.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑ Chelatbildner. Pschyrembel Online, abgerufen am 30. März 2022.