Soldaten sind Mörder

Die Aussage „Soldaten sind Mörder“ stammt aus der Glosse Der bewachte Kriegsschauplatz, die Kurt Tucholsky 1931 in der Zeitschrift Die Weltbühne publizierte. Unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel schrieb er:

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“

Kurt Tucholsky

Der verantwortliche Redakteur Carl von Ossietzky wurde daraufhin 1932 wegen „Beleidigung der Reichswehr“ angeklagt, jedoch freigesprochen mit der Begründung, dass keine konkreten Personen gemeint gewesen seien und eine unbestimmte Gesamtheit nicht beleidigt werden könne. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Satz zu einer Parole von Pazifisten und Antimilitaristen.

„Soldaten sind Mörder“ - Die Deutschen und der Krieg ist zudem der Titel eines Buches von Gerhard Zwerenz aus dem Jahr 1988, in dem er sich essayistisch mit dem Nachleben des Krieges in Deutschland, der Rolle der Wehrmacht, der Bundeswehr und der individuellen wie kollektiven Kriegsschuld auseinandersetzt. Durch den politisch linken Autor und PDS-Mitglied und den provokanten Buchtitel haben insbesondere konservative Gruppen in der Bundesrepublik die Bundeswehr und Bundeswehrangehörige als verunglimpft empfunden.

Die Aussage „Soldaten sind Mörder“ – vor allem im Zusammenhang mit einer vermeintlich gegen die Bundeswehr gerichteten Einstellung – war somit Anlass für verschiedene Gerichtsverfahren. In letzter Instanz entschied das Bundesverfassungsgericht 1995 wie bereits das Schöffengericht Berlin 1932, dass eine Äußerung wie „Soldaten sind Mörder“ nur dann strafbar ist, wenn sie sich eindeutig auf bestimmte Personen oder Institutionen bezieht und als Herabwürdigung verstanden werden kann: Eine unbestimmte Gruppe wie „Soldaten“ ist danach nicht ohne Weiteres beleidigungsfähig.

  1. Kurt Tucholsky: Der bewachte Kriegsschauplatz. textlog.de, Volltext (erstmals publiziert in Die Weltbühne am 4. August 1931)
  2. Gerhard Zwerenz: Soldaten sind Mörder. Die Deutschen und der Krieg. Knesebeck & Schuler, München 1988, ISBN 978-3-926901-06-4.
  3. Beschluss vom 10. Oktober 1995 – 1 BvR 1476/91. In: Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Band 93, 1995, S. 266–299 (bundesverfassungsgericht.de).
  4. Beschluss des Schöffengerichts Berlin vom 1. Juli 1932 (Aktenzeichen 1 D 1109/31)