Spätmittelalterliche Agrarkrise
Unter dem Begriff der spätmittelalterlichen Agrarkrise wird im Allgemeinen die im 14. und 15. Jahrhundert vorherrschende Depression der Landwirtschaft in Europa verstanden. Die dazugehörige Agrarkrisentheorie fußt größtenteils auf den Überlegungen des deutschen Wirtschaftshistorikers Wilhelm Abel und dessen Veröffentlichungen in den 1930er Jahren. Abel definiert die spätmittelalterliche Agrarkrise als Häufung von ländlich-landwirtschaftlichen Notständen. Diese äußern sich laut Abel in Form von verlassenen Höfen und Häusern, rückgängigem Getreideanbau, abfallenden Grundrenten und in dem langfristigen Missverhältnis zwischen Erlös- und Kostenpreisen des Landbaues.
Der Kern dieser Theorie besitzt nach Ansicht vieler Forscher bis heute Gültigkeit. Allerdings wird in der aktuellen Forschung auch an mehreren Schlussfolgerungen Abels Kritik geäußert, wobei neue wissenschaftliche Erkenntnisse und neuere Quellenbefunde eine Rolle spielen.
- ↑ Vgl. Werner Rösener: Die Krise des Spätmittelalters in neuer Perspektive. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 189–208.