Srpska dobrovoljačka garda

Die Srpska dobrovoljačka garda (serbisch-kyrillisch Српска добровољачка гарда = Serbische Freiwilligengarde), kurz SDG, war eine 1990 gegründete paramilitärische serbische Freischar, die während der Jugoslawienkriege für die Schaffung eines Großserbien kämpfte. Die SDG war de facto eine Kampftruppe der serbischen Geheimpolizei RDB.

Angehörigen der Einheit sowie ihrem Kommandanten Željko Ražnatović – Arkan wirft der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, wie Vergewaltigungen und Mord an der nicht-serbischen Bevölkerung vor.

Die Angehörigen der SDG wurden als „Arkans Tiger“ (Arkanovi Tigrovi) bezeichnet, da sie von Željko Ražnatović, genannt Arkan, vor allem aus den Reihen der von ihm selbst gegründeten Ultras-Gruppe Delije des Fußballclubs Roter Stern Belgrad rekrutiert und geführt wurden.

Die Bewaffnung der Einheit bestand aus Artillerie, Panzern, Maschinengewehren und Scharfschützenwaffen. Ihre Strategie bestand im Kroatienkrieg vermutlich darin, die serbischen Siedlungsgebiete in Kroatien miteinander zu vereinigen und die kroatische Bevölkerung durch Terror und Einschüchterung zu vertreiben. In ihren Zielen ähnelte die SDG den modernen Tschetnik-Truppen des serbischen Rechtsextremisten Vojislav Šešelj.

  1. Agilolf Keßelring: Die historische Analyse paramilitärischer Verbände als Herausforderung für die Neueste Militärgeschichte am Beispiel der Kommandoverantwortung im zerfallenden Jugoslawien. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift. Band 77, Heft 2. De Gruyter Oldenbourg, München 2018, Ergebnis und Schlussfolgerungen, S. 454, doi:10.1515/mgzs-2018-0082: „Die Untersuchung der Verbindung zwischen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina eingesetzten paramilitärischen Truppen und der serbischen respektive kroatischen Führung in Belgrad bzw. Zagreb anhand der durch den ICTY erschlossenen Quellen zeigt, dass 1. die serbischen »Tiger« Ražnatovićs und Knindže/Crvene Beretke Vasiljkovićs als Truppen des serbischen Geheimdienstes anzusehen sind, […]“
  2. Holger Raschke: Jugoslawien in der Kurve : Repräsentationen des sozialistischen Jugoslawiens als politischer Bestandteil der Fußballfankultur im (post-) jugoslawischen Raum. In: Südosteuropäische Hefte. Nr. 4 (1), 2015, S. 80 f. „Bei Roter Stern Belgrad sorgte der unter dem Spitznamen „Arkan“ bekannte Željko Ražnatović für die Vereinigung der Fans unter einem Dach, indem er mehrere Ultras-Gruppen zusammenbrachte und die Gruppe Delije 1989 gründete. Arkan trug zudem entscheidend dazu bei, dass die interne politische Lagerbildung überwunden wurde. Ein Teil der Roter-Stern Fans hielt zu Slobodan Milošević und ein anderer Teil unterstützte die zwei duellierenden nationalistischen Politiker Vojislav Šešelj und Vuk Drašković. [...] Zu den bekanntesten paramilitärischen Einheiten gehörte etwa die Serbische Freiwilligen-Garde (Srpska dobrovoljačka garda), auch „die Tiger“ genannt, welche von Željko Ražnatović Arkan organisiert wurde und sich vor allem aus Fans von Roter Stern Belgrad zusammensetzte.“
  3. Moore. Question of all Questions. S. 38.