Staatsfeiertag (Österreich)

In Österreich ist der Erste Mai in seiner Rolle als Tag der Arbeit seit 1919 offizieller Feiertag und seit 1949 der als solcher benannte Staatsfeiertag. Daneben wird der 1. Mai vor allem durch die Maibaum-Feiern auch als traditionelles Frühlingsfest gefeiert.

Vormals war der Tag in Österreich, zeitweise auch weltweit, schon ab dem Mittelalter ein offizieller katholischer Feiertag. Er wurde unter Maria Theresia in Zusammenarbeit mit den Päpsten abgeschafft, behielt aber seine Bedeutung teilweise als ‚halber Feiertag‘. Der internationale Tag der Arbeit wurde davon unabhängig erstmals 1890 begangen, wobei Österreich eine Vorreiterrolle einnahm. In der Ersten Republik wurde er 1919 per Gesetz zum „allgemeinen Ruhe- und Festtag“ erklärt, zusammen mit dem ersten Staatsfeiertag 12. November (Tag der Ausrufung der Republik 1918).

Der austrofaschistische Ständestaat schaffte 1934 den Staatsfeiertag am 12. November ab und widmete den 1. Mai als neuen Staatsfeiertag zum Gedenken an die Proklamation der autoritären Maiverfassung um; nach dem Anschluss an das Dritte Reich wurde er wiederum durch den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes ersetzt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs belebte die provisorische Staatsregierung Renner den Feiertag im befreiten Wien spontan mit seiner ursprünglichen Bedeutung als Tag der Arbeit. Am 13. Mai wurde dann rückwirkend auf den 1. Mai wieder die Verfassung von vor der Maiverfassung mit einem Übergangsgesetz eingeführt. Im selben Jahr wurde der 1. Mai erneut per Gesetz zum offiziellen Feiertag.

Als der Nationalrat im Jahr 1949 die Wiedereinführung des Feiertages 6. Jänner („Heilige Drei Könige“) beschloss, wurden per Gesetz auch alle anderen Feiertage mit fixem Datum benannt (Neujahr, Weihnachten usw.). Der 1. Mai erhielt die Bezeichnung Staatsfeiertag, da er zu diesem Zeitpunkt der einzige nicht-religiöse Feiertag Österreichs war. Ein Gedenkbezug zu Österreich wurde dem Tag somit aber nicht gewidmet.

Obwohl im ganzen Land schul- und arbeitsfrei und eingetragen unter diesem Namen in den Feiertagskalendern, wird der Staatsfeiertag faktisch nicht als solcher begangen. Die Städte sind geprägt von den Feiern vor allem der Sozialdemokraten zum 1. Mai als Tag der Arbeit, als welcher der Tag auch vor allem bekannt ist. Ländliche Gemeinden pflegen an jenem Tag vor allem die Maibaum-Tradition. Der Staatsfeiertag nimmt im Bewusstsein der Österreicher eine untergeordnete Rolle ein und ist als solcher vielen Menschen gar nicht bekannt – darunter sind auch Staatsvertreter, Zeithistoriker und Journalisten.