Standpunkttheorie
Eine Standpunkttheorie sieht eine Abhängigkeit der Erkenntnisgewinnung von der Position innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Demnach bestimme die soziale Situiertheit einer Person, welche sich z. B. aus Geschlecht, Klasse, Behinderung, Ethnie zusammensetzt, zu welchem Wissen sie gelangen kann und welches Wissen für sie unzugänglich oder unverständlich bleibt. Standpunkttheorien gehen davon aus, dass sich Objektivität in der Wissenschaft nur angenähert werden kann. Hierzu sei es notwendig, möglichst viele verschiedene Standpunkte in die Produktion von Wissen miteinzubeziehen.
Erste Standpunkttheorien entstanden ca. ab den 1920er Jahren und waren stark am Marxismus orientiert. Dementsprechend fokussierten sich diese auf den Standpunkt von Arbeitern. In den 1980er Jahren entwickelten sich zusätzlich dazu auch feministische Standpunkttheorien. Diese setzten sich zunächst vor allem mit dem Standpunkt von Frauen auseinander, wurden aber nach und nach auch um eine intersektionale Komponente ergänzt.