Stationäre Wirtschaft

In der Wirtschafts- und Sozialgeschichte wird von statischer Wirtschaft oder stationärer Wirtschaft gesprochen, wenn über längere Zeiträume kein (quantitatives) Wirtschaftswachstum eingeplant wurde oder nicht zu spüren war. Während für die meisten Volkswirte eine stationäre Wirtschaft als unerwünschte Stagnation wahrgenommen wird und die ökologischen Probleme mit grünem Wachstum gelöst werden sollen, wird sie von Vertretern der Wachstumskritik und der wachstumskritischen Bewegung eingefordert. Im deutschsprachigen Raum werden die Begriffe Postwachstumsökonomie (ab 2006 von Niko Paech etabliert), Postwachstumsgesellschaft (seit 2009) oder kurz Postwachstum verwendet.

Das theoretische Konzept einer stationären Wirtschaft dient in den Wirtschaftswissenschaften als Modell, bei dem alle gesamtwirtschaftlichen Faktoren in einem langfristigen Gleichgewicht sind und sich nur noch selbst reproduzieren, also weder Bevölkerungswachstum, Kapitalakkumulation noch technischer Fortschritt vorliegt. In Modellen der Wachstumstheorie lassen sich die Bedingungen untersuchen, welche Veränderungen dieser Faktoren zusammen genommen wieder zu Nullwachstum führen.

  1. Murray Milgate, Shannon C. Stimson: After Adam Smith. A Century of Transformation in Politics and Political Economy. Princeton University Press, ISBN 978-0-691-14037-7. Seiten 186–216.
  2. z. B. „Sein Ideal ist statische Gesellschaft und statische Wirtschaft.“ in: Richard Newald: Nachleben des antiken Geistes im Abendland bis zum Beginn des Humanismus: eine Überschau. 1960, S. 389 oder „Angesichts einer meist statischen Wirtschaft ist auch nach oben gerichtete strukturelle Mobilität nie beobachtet worden.“ in: Sozialgeschichte der frühen Neuzeit im Überblick, Prof. Dr. Ulrich Pfister, Wintersemester 1999/2000, 3. Mobilität und Statuserwerb, online (Memento vom 4. März 2014 im Internet Archive)
  3. André Reichel: Strategische Handlungsoptionen für Unternehmen in der Postwachstumsökonomie. In: Hans Christoph Binswanger u. a. (Hrsg.): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2013/2014. Im Brennpunkt: Nachhaltigkeitsmanagement. Metropolis, Marburg 2013, ISBN 978-3-7316-1043-4.
  4. Dirk Posse: Zukunftsfähige Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft. Eine theoretische und empirische Untersuchung. Vereinigung für Ökologische Ökonomie, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-9811006-2-4 (hdl:10419/110257).
  5. Jana Gebauer, Steffen Lange, Dirk Posse: Wirtschaftspolitik für Postwachstum auf Unternehmensebene. Drei Ansätze zur Gestaltung. In: Frank Adler, Ulrich Schachtschneider (Hrsg.): Postwachstumspolitiken: Wege zur wachstumsunabhängigen Gesellschaft. Oekom, München 2017, ISBN 978-3-86581-823-2, S. 239–253.
  6. Matthias Schmelzer, Alexis Passadakis: Postwachstum: Krise, ökologische Grenzen und soziale Rechte. AttacBasisTexte 36, VSA-Verlag, 2011, ISBN 978-3-89965-429-5.