Stevia
Stevia ist ein aus der Pflanze Stevia rebaudiana („Süßkraut“, auch „Honigkraut“) gewonnenes Stoffgemisch, das als Süßstoff verwendet wird. Es besteht hauptsächlich aus Steviolglycosiden, wie dem Diterpenglycosid Steviosid (ungefähr 10 % der Trockenmasse der Blätter), Rebaudiosid A (2 bis 4 %) und sieben bis zehn weiteren Steviolglycosiden. Die Anteile der enthaltenen Steviolglycoside unterscheiden sich nach Anbaugebiet und Pflanzensorte. Weitere Anteilsabweichungen entstehen, da Hersteller von Tafelsüße auf Steviolglycosid-Basis meist den Rebaudiosid-A-Anteil wegen des zuckerähnlichen Geschmacks erhöhen. Dem lakritzartigen Geschmack der Pflanze wird bei der Herstellung des Süßstoffgemisches durch Isolierung der süßenden Bestandteile und anschließende Neukomposition entgegengewirkt. Steviaprodukte können – als reines Rebaudiosid A – eine bis zu 450-fache Süßkraft von Zucker haben, sind nicht kariogen und für Diabetiker geeignet.
Steviolglycoside sind unter der E-Nummer E 960 in der EU seit dem 2. Dezember 2011 als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Ein Jahr vor der Zulassung konnte aus Studien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Stevia weder eine Genotoxizität noch eine krebserregende Wirkung nachgewiesen werden. Auch negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und Fortpflanzungsorgane des Menschen konnten nicht festgestellt werden, was die Voraussetzung zur EU-Zulassung war. Vorausgegangen war ein gemeinsamer Antrag der Morita Kagaku Kōgyō K.K. (Japan), der Cargill Incorporated (USA) und der EUSTAS (European Stevia Association, Spanien).
- ↑ Eintrag zu Steviosid. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 16. November 2011.
- 1 2 Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu „Stevia rebaudiana“ im Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, abgerufen am 16. November 2011.
- ↑ Venkata Sai Prakash Chaturvedula, John F. Clos, Joshua Rhea, Dennis Milanowski, Ulla Mocek, Grant E. DuBois, Indra Prakash: Minor diterpenoidglycosides from the leaves of Stevia rebaudiana. In: Phytochemistry Letters. Vol. 4 (3), September 2011, S. 209–212, doi:10.1016/j.phytol.2011.01.002
- ↑ Ichiro Takazoe, Takashi Matsukubo: Sucrose substitutes and their role in caries prevention. In: International Dental Journal. Band 56, Nr. 3, 2006, S. 119–130, doi:10.1111/j.1875-595X.2006.tb00083.x, PMID 16826877.
- ↑ Verordnung (EU) Nr. 1131/2011 der Kommission vom 11. November 2011 zur Änderung von Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Steviolglycosiden. (PDF) Amtsblatt der Europäischen Union, L 295/205, 12. November 2011.
- ↑ Mehr Transparenz bei Lebensmittelzusätzen. Europäische Kommission, abgerufen am 14. November 2011.
- ↑ EFSA bewertet die Sicherheit von Steviolglycosiden. Webnachricht vom 14. April 2010 der EFSA.
- ↑ Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides for the proposed uses as a food additive. EFSA Journal 8(4), 2010, S. 1537 (84 Seiten). doi:10.2903/j.efsa.2010.1537.
- ↑ Sonja Böhm: Etablierung von in-vitro Methoden zur Bestimmung des endokrinen Potentials von Fremdstoffen. (PDF; 2,5 MB). Dissertation. Kaiserslautern 2002.