Stiftung Luwian Studies
Die Stiftung Luwian Studies ist eine gemeinnützige Einrichtung, die 2014 in Zürich, Schweiz, von dem Geoarchäologen und Kommunikationsberater Eberhard Zangger gegründet wurde und sich der Erforschung der spätbronzezeitlichen Kulturen Westanatoliens widmet, und dabei insbesondere die Träger der luwischen Sprache in den Mittelpunkt stellt. Das Luwische ist in den Keilschriftarchiven von Ḫattuša als eigenständige Sprachform belegt; sie erscheint dort unter der hethitischen Fremdbezeichnung luwili („auf Luwisch“), deren Ableitung vom geographischen Terminus Luwiya – einem offenbar dem Machtbereich von Ḫattuša zugeordneten Gebiet – wahrscheinlich ist, ohne Rückschlüsse auf eine endonyme Selbstbenennung zu erlauben. Seit der Erkenntnis, dass die anatolischen Hieroglyphen primär mit dem Luwischen verbunden waren und das Schriftsystem den Untergang der hethitischen Keilschrift überdauerte, gilt Luwisch als maßgebliche Amtssprache der späthethitischen Staaten.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die Stiftung das Ziel, bislang unzureichend erforschte Fundplätze systematisch zu untersuchen und die luwischen Gemeinwesen in die politischen und kulturellen Gefüge der Spätbronzezeit einzuordnen. Dabei verfolgt sie interdisziplinäre Ansätze, insbesondere in den Bereichen Archäologie, Philologie und Geoarchäologie, um Siedlungsstrukturen, politische Entwicklungen und kulturelle Zusammenhänge zu rekonstruieren.
Den Vorsitz des Stiftungsrats führt der Gründer selbst; die Finanzierung erfolgt aus privaten Mitteln, die gezielt in Projekte zur Besiedlungs- und Kulturgeschichte Westanatoliens fließen. Zudem betreibt sie auf ihrer Website eine frei zugängliche Datenbank mit rund 500 bronzezeitlichen Siedlungen der Region, ergänzt durch eine interaktive Karte. Das System integriert dabei externe Ressourcen wie Pleiades (ein Verzeichnis archäologischer Fundstätten) und Wikidata.
Die Stiftung ist in der Fraumünsterstrasse in Zürich, unweit des Brückliplatzes, ansässig und teilt die Räumlichkeiten mit der Science Communications GmbH, der Kommunikationsagentur des Stiftungspräsidenten und Gründers. In den dortigen Räumlichkeiten befindet sich auch eine kleine, thematisch geordnete Fachbibliothek mit Materialien zur Archäologie und Sprachgeschichte des Mittelmeerraums, überwiegend vermacht von Frederik C. Woudhuizen, ergänzt durch historische Raritäten wie die Trojakarte von Guillaume Sanson von 1665. Zudem verwahrt die Stiftungsbibliothek Teile des Nachlasses von James Mellaart.
- ↑ Stiftung Luwian Studies: Wer wir sind; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 14. März 2026].
- ↑ Zum Luwischen und den sog. Luwiern vgl. insbes. Frank Starke: Luwisch. In: Der Neue Pauly, Bd. 7, Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 528–534; Alice Mouton u. a. (Hrsg.): Luwian Identities Culture, Language and Religion Between Anatolia and the Aegean, Leiden/Boston 2013.
- ↑ Stiftung Luwian Studies: Wer wir sind; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 14. März 2026].
- ↑ Zu diesem vgl. Stiftung Luwian Studies: Der Stiftungsrat; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 14. März 2026].
- ↑ Stiftung Luwian Studies: Wer wir sind; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 14. März 2026].
- ↑ Die LuwianSiteMap; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 14. März 2026].; Alper Aşınmaz u. a.: An interoperable catalogue of Middle and Late Bronze Age settlements in western Anatolia (c. 2000–1200 BCE). In: Scientific Data 12/1804 (2025), S. 1–9. Zumindest vereinzelt weist, bzw. wies die Karte dabei auch Fehler auf; Mark Weeden/Lee Z. Ullmann: Introduction. In: dies. (Hrsg.): Hittite Landscape and Geography, Berlin/Boston 2017, S. 1–13, hier: S. 7, Anm. 30.
- ↑ CHE-364.060.070, Zentraler Firmenindex der Schweizerischen Eidgenossenschaft; online unter uid.admin.ch [abgerufen am 14. März 2026].
- ↑ Stiftung Luwian Studies: Die Luwian-Studies-Bibliothek im Zentrum von Zürich, April 2022; online unter Luwianstudies.org [abgerufen am 7. Februar 2026]; Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 309.