Äquinoktium

Äquinoktium (Plural Äquinoktien, von lateinisch aequus gleich und nox Nacht) oder Tagundnachtgleiche (auch Tag-und-Nacht-Gleiche) werden die beiden Kalendertage eines Jahres genannt, an denen die Dauer des lichten Tags und jene der Nacht den geringsten Unterschied aufweisen, d. h. wie immer in Äquatornähe nahezu gleich lang sind. Sie gelten als astronomischer Frühlings- bzw. Herbstanfang.

Die Äquinoktien liegen zeitlich in der Mitte zwischen den Sonnenwenden, während die Dauer des lichten Tags südlich und nördlich des Äquators kontinuierlich ab- bzw. zunimmt, was sich erst an den Sonnenwenden umkehrt. Die Tagundnachtgleiche gilt nur annähernd, da sich die Erde während ihrer 24-Stunden-Drehung weiter auf der Planetenbahn bewegt, aber in jeder betroffenen Zone wird mit diesem Datum der lichte Tag länger bzw. kürzer als die Nacht.

Das geschieht an jedem Ort der Erde am selben Tag, die unmittelbare Umgebung der Pole ausgenommen. Die Sonne geht an diesen Tagen überall auf der Erde fast genau im Osten auf und im Westen unter. Die genauen Zeitpunkte der wahren Äquinoktien sind die Momente, in denen sich die Sonne auf dem Himmelsäquator befindet. Die Deklination hat dann den Wert δ = 0°. Die Querung von Süd nach Nord erfolgt dabei Ende März (Frühlingsäquinoktium), die Querung von Nord nach Süd Ende September (Herbstäquinoktium, siehe rechts stehende Abbildung). Weil sich die Deklination während der Länge eines Tages schon geringfügig ändert, sind Tag und Nacht auch an den Äquinoktien nicht exakt gleich lang. Es gibt lediglich Orte mit genau gleichzeitigem Moment des Sonnenaufgangs und andere Orte mit genau gleichzeitigem Moment des Sonnenuntergangs. Sie liegen auf jeweils demselben Längengrad. Es ist ein und derselbe Moment: die Zeit des (astronomischen) Äquinoktiums. Auf- und Untergangsmomente betreffen die Sonnenmitte im mathematischen Horizont, und die Lichtablenkung in der Erdatmosphäre ist vernachlässigt.

Dass es nur zwei Tage im Jahr mit dieser besonderen Eigenschaft gibt, liegt daran, dass die Erdachse die Bahnebene der Erde nicht senkrecht schneidet (siehe rechts stehende Abbildung), sondern ihre Richtung im All beibehält und deshalb zweimal pro Jahr senkrecht auf der Richtung zur Sonne steht. Von der Sonne aus gesehen scheint die Erdachse relativ zur Bahnebene zu taumeln.

Die Tagundnachtgleichen fallen auf den 19., 20. oder 21. März (Frühlings- oder Primäräquinoktium) und auf den 22., 23. oder 24. September (Herbst- oder Sekundäräquinoktium). Sie markieren den kalendarischen Anfang der astronomisch definierten Jahreszeiten Frühling beziehungsweise Herbst. Im Jahr 2025 waren die Momente der wahren Äquinoktien 10:01 MEZ am 20. März und 20:19 MESZ am 22. September.

Auch auf anderen Planeten gibt es Tagundnachtgleichen und folglich auch Jahreszeiten. Beim Saturn ist die Achsenneigung ε = 26,7°. Bei einer Umlaufzeit um die Sonne von rund 30 Erdenjahren tritt ein Äquinoktium dort nur etwa alle 15 Erdenjahre auf.

Die Tagundnachtgleichen wurden von vielen Völkern im Lauf der Menschheitsgeschichte gefeiert. Die Maya errichteten beispielsweise die Stufenpyramide des Kukulcán (von den Spaniern El Castillo genannt) in Chichén Itzá in Mexiko. Deren Architektur ist so konzipiert, dass das Sonnenlicht an den Tagundnachtgleichen die Treppenstufen der Nordseite zu Mittag streift, während die Bereiche neben der Treppe im Schatten bleiben.

  1. Christoph Neumüller: Frühlingsanfang von 1900 bis 2100. Bei: dasinternet.net. Abgerufen am 25. September 2025.
  2. Christoph Neumüller: Herbstanfang von 1900 bis 2100. Bei: dasinternet.net. Abgerufen am 25. September 2025.
  3. Saisons. In: ssp.imcce.fr. Institut de Mecanique Celeste et de Calcul des Ephemerides (IMCCE), abgerufen am 1. März 2025.
  4. Rachel A. Becker: Das Äquinoktium ist da! Aber was ist das eigentlich? Bei: NationalGeographic.de. Abgerufen am 7. Januar 2021.