Taubenhaus

Taubenhäuser dienen der Haltung von Haustauben. Sie wurden häufig in Sachsen und darüber hinaus, besonders auf Ritter- und Bauerngütern, aufgestellt. Sie werden auch als Taubenpfähle, Taubenpfeiler oder Taubentürme bezeichnet. In Altbayern und Österreich werden sie auch Taubenkobel genannt.

Im nordostbayerischen Raum wurden Taubenräder, aus Stroh geflochtene, auf einem Wagenrad drehbar gelagerte Taubenhäuser, errichtet.

Die landwirtschaftliche Haltung von Tauben war mit wenig Aufwand verbunden, wenn sich die Tauben im Freiflug selbst ernähren konnten. Tauben sind sehr fruchtbare Tiere und können mehrmals im Jahr Nachwuchs liefern. Ihr Fleisch war früher sehr geschätzt, weil Taubenfleisch als gesund und schmackhaft galt und eine Bereicherung des Speisezettels darstellte, die auch in Notzeiten verfügbar war. Außerdem wurde der Taubenmist als nährstoffreicher Dünger verwertet.

Im übertragenen Sinn ist ein Taubenhaus (Columbaria, Genecium, Frauenhaus) nach dem Anthropologen und Sexualforscher Ernest Bornemann auch Folgendes: der Privatharem eines fränkischen Grundherrn des Mittelalters. Das Wort ist eine Übersetzung des lateinischen Spottnamens, den die Grundherren selber ihren Mägdehäusern gegeben haben. Die hörige Magd war die Columba, die „Taube“ des Herrn, mit der er tun konnte, was er wollte.

  1. Tauben - ein landwirtschaftliches Kulturerbe. In: ProSpecieRara. Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, abgerufen am 22. Oktober 2024.
  2. Ernest Bornemann: Sexuallexikon. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main-Wien-Zürich 1968, ISBN 3-7632-1333-3, S. 627.