Theaterhalle der Schule am Meer

Die Theaterhalle der Schule am Meer des stark musisch orientierten reformpädagogischen Landerziehungsheims Schule am Meer auf der ostfriesischen Nordseeinsel Juist war das einzige für diesen Zweck errichtete freistehende Funktionsgebäude einer deutschen Schule. Die 1930/31 errichtete Theaterhalle sollte gemäß Preußischem Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung und dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin als zentrale deutsche Ausbildungsstätte für Laienspielpädagogen dienen.

Während nahezu alle Bauten des Architekten Bruno Ahrends heute unter Denkmalschutz stehen, ein bedeutender Teil davon auch zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, trifft dies für diese Theaterhalle nicht zu, obwohl sie sowohl in der deutschen Pädagogik als auch der deutschen Architektur bis heute ein Unikat darstellt.

Die schulische Theaterhalle im Stil des Neuen Bauens (Moderne) nimmt nicht nur auf der Sandbank Juist zwischen Wattenmeer und Nordsee eine singuläre Stellung ein, sondern in der gesamten überwiegend ländlich geprägten Region Ostfriesland, im damaligen Freistaat Preußen und im heutigen Bundesland Niedersachsen. Zur damaligen Zeit war die Theaterhalle die größte Stahlbeton-Konstruktion Ostfrieslands. Auch heute noch sticht sie signifikant aus ihrem Umfeld heraus.

Ortsgeschichtlich ist sie als pädagogische und musische bzw. kulturelle Wirkungsstätte der beiden überregional bekannten Persönlichkeiten Martin Luserke und Eduard Zuckmayer relevant, die nationale und internationale Beachtung fanden.

Das Gebäude soll ebenso wie der ehemalige Schulbau Arche (Architekt Josef Rings) seitens des Deutschen Jugendherbergswerks bis 2020 abgerissen werden, um an deren Stelle neue Bettenhäuser zu errichten.

  1. Herbert Giffei: Martin Luserke – Reformpädagoge, Dichter, Theatermann – Gründer und Leiter der Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist (1925–1934). K. Neubauer, Lüneburg 1990, ISBN 3-88456-072-7, S. 75.
  2. Martin Luserke: Zum Abschluss – An die Mitglieder unserer Außengemeinde, 15. Oktober 1934. In: Blätter der Außengemeinde der Schule am Meer Juist (Nordsee), o. Jg., o. Nr., November 1934, S. 1–3.
  3. Andrea Benze, Julia Gill, Saskia Hebert: Urbane Lebenswelten – Strategien zur Entwicklung großer Siedlungen (PDF-Datei; 9,5 MB), Studie und Projektrecherche zur IBA Berlin 2020 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin 2013, S. 8, auf: zlb.de
  4. Jochen Büsing: Im Loog... Die wechselvolle Geschichte des anderen Juister Ortsteils. Burchana Verlag, Borkum 2010, ohne ISBN, S. 61–66. [Jochen Büsing ist Dipl.-Ing., Architekt und ehrenamtl. Leiter des Küstenmuseums Juist]
  5. Stefan Erdmann: Gemeinde Juist/Rat und Verwaltung: Die „Arche“ soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. In: JNN :: Juist Net News, 25. Januar 2012, auf: juistnews.de