Theorienpluralismus
Theorienpluralismus oder theoretischer Pluralismus ist in der Wissenschaftstheorie die Methodologie, welche in der Wissenschaft eine Vielzahl theoretischer Alternativen fordert, um durch deren gegenseitige kritische Prüfung den Erkenntnisfortschritt zu fördern. Im Gegensatz hierzu steht der Theoretische Monismus, welcher indes meist nur implizit vertreten wird.
Der Theorienpluralismus wurde von Paul Feyerabend in Zusammenhang mit seiner Kritik des Empirismus entwickelt. Hans Albert und Helmut Spinner haben ihn mit der erkenntnistheoretischen Position des Fallibilismus verbunden. Hingegen wird der theoretische Monismus oft verknüpft mit der methodologischen Position des Certismus bzw. der Forderung nach einer Letztbegründung der behaupteten theoretischen Aussagen.
Mit analogen erkenntnistheoretischen Argumenten kann neben Theorienpluralismus ebenfalls ein Methodenpluralismus gefordert werden. Beispiele hierfür sind Karl Poppers Methodenpluralismus (Logik der Forschung) oder der Methodenanarchismus Paul Feyerabends (Wider den Methodenzwang und Erkenntnis für freie Menschen).
Laut Karl Popper hat Thales mit der dogmatischen Tradition gebrochen, die lediglich eine Schulmeinung erlaubt, und die kritische Tradition begründet, die eine Vielfalt von Lehrmeinungen zuließ, die alle versuchen, sich der Wahrheit mittels kritischer Diskussion zu nähern.
- ↑ Paul K. Feyerabend: Problems of Empiricism. In: R. G. Colodny (Hrsg.): Beyond the Edge of Certainty. Essays in Contemporary Science and Philosophy. Band II, Englewood Cliffs, N.J. 1965; How to Be a good Empiricist. In: Philosophy of Science, The Delaware Seminar. Band II, 1963.
- ↑ "Früher hat er sich für den Theorienpluralismus eingesetzt, jetzt setzt er sich für eine Pluralität der Lebensformen ein, weil er Offenheit gegenüber anderen Lebensformen und die Bereitschaft, von ihnen zu lernen, für wünschenswert und geradezu für eine Art des Rationalismus hält." (Gunnar Andersson: Voraussetzungen, Probleme und Erkenntnisfortschritt. In: Gerard Radnitzky, Gunnar Andersson: Voraussetzungen und Grenzen der Wissenschaft. Tübingen 1981, ISBN 3-16-942722-9, S. 6)
- ↑ Karl R. Popper: Die Welt des Parmenides. Der Ursprung des europäischen Denkens. Piper, München/Zürich 2005, ISBN 3-492-24071-2, S. 57.