Denkfabrik

Als Denkfabrik – auch Thinktank oder Think-Tank (englisch think tank) – werden Institute bezeichnet, die durch Erforschung, Entwicklung und Bewertung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konzepten und Strategien Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und sie so im Sinne von Politikberatung fördern. Unterschieden werden forschungsorientierte, akademische Think Tanks und sog. advokatorische bzw. Advocacy Think Tanks, wobei letztere dezidiert politische Ziele verfolgen, oft mit Nicht-Akademikern besetzt sind und sich teils nicht mal bemühen, wissenschaftlich zu wirken. Solche Think Tanks vertreten dabei eine bestimmte politische oder ideologische Linie, die aggressiv beworben wird, um politische Debatten zu beeinflussen.

Eine Denkfabrik kann als Stiftung, Verein, Gesellschaft oder als informelle Gruppe organisiert sein. Beschäftigt werden üblicherweise Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Fachleute aus den Bereichen Werbung und Kommunikation sowie (ehemalige) Politiker, Unternehmer und sogenannte Testimonials.

Eine allgemein anerkannte Definition gibt es jedoch nicht. Der Begriff Denkfabrik umfasst sehr unterschiedliche Institutionen, deren gemeinsame Zielsetzung darin besteht, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Im Sprachgebrauch werden unter dem Begriff aber auch Institutionen subsumiert, die nichtpolitische Ziele verfolgen.

Zu den wichtigsten Funktionen von Denkfabriken zählen die Präsentation von Forschungsergebnissen und das Agenda Setting. Die Forcierung einer öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte und die Beratung von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit sind zentral. In den USA dienen Think-Tanks der Ausbildung eines Pools von Experten, die später durch den Drehtür-Effekt als Regierungsbeamte Teil der Verwaltung werden.

Der Terminus „think tank“ entstand während des Zweiten Weltkriegs. Die Umschreibung galt einem abhörsicheren Ort (tank), an dem zivile und militärische Experten an militärischen Strategien arbeiteten (think). Erst in den 1960er und 1970er Jahren wurden damit praxisorientierte Forschungsinstitutionen auch außerhalb der Sicherheitspolitik etikettiert.

  1. Stephan Bierling: Die Unvereinigten Staaten. Das politische System der USA und die Zukunft der Demokratie. C. H. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-82159-2, S. 67f.
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