Thorner Blutgericht

Thorner Blutgericht (polnisch tumult toruński) ist die historische Bezeichnung für die Hinrichtung von zehn lutherischen Bürgern in Thorn in Polnisch Preußen am 7. Dezember 1724 nach vorangegangenen Ausschreitungen gegen das dortige Jesuitenkloster. Die Begriffsprägung als „Blutgericht“ geschah im protestantischen Deutschland. Das Ereignis führte zu einem starken Ansehensverlust Polen-Litauens bei vielen Gebildeten in Mittel- und Westeuropa. Polen erschien diesen zunehmend als ein rückständiges Land, das sich den aufklärerischen Ideen der religiösen Toleranz anhaltend verweigerte.

  1. Hans-Jürgen Bömelburg: Jenseits von »Blutgericht« und »Tumult«. Zuschreibungen von »deutsch« und »polnisch« unter Thorner Stadtbürgern im 18. Jahrhundert. In: Jürgen Heyde, Karsten Holste, Dietlind Hüchtker, Yvonne Kleinmann, Katrin Steffen (Hrsg.): Dekonstruieren und doch erzählen – Polnische und andere Geschichten (= Yvonne Kleinmann, Achim Rabus [Hrsg.]: Polen: Kultur – Geschichte – Gesellschaft. Band 2). S. 166–172 (uni-giessen.de [PDF]).
  2. Stefan Hartmann: Die Polenpolitik König Friedrich Wilhelms I. von Preußen zur Zeit des „Thorner Blutgerichtes“ (1724–1725), S. 37.