Tigranes V.

Tigranes V. (griechisch Τιγράνης; geboren wohl um 14 v. Chr. in Judäa; gestorben 36 n. Chr. in Rom) war der Sohn des Alexander, eines Sohnes Herodes’ I., und der Glaphyra, Tochter des kappadokischen Königs Archelaos. Über seine Mutter gehörte er wohl in entfernter Linie dem armenischen Königsgeschlecht an, das seit Tigranes IV. im Mannesstamm erloschen war. Zusammen mit seinem Bruder Alexander wuchs Tigranes am judäischen Königshof auf. Als er etwa sieben Jahre alt war, fiel sein Vater einer Hofintrige zum Opfer. Nach dem Tod des Herodes im Jahr 4 v.Chr. kam er vermutlich in die Obhut des Archelaos. Sowohl Tigranes als auch Alexander gaben früh ihr Judentum auf und übernahmen griechische Sitten.

Nach der Ermordung des Artavasdes IV. ernannte Augustus ihn um 6 n. Chr. zum König von Armenien. Auf seinen Münzen stellte Tigranes V. gezielt eine Verbindung zu seinen artaxidischen Vorgängern her, um seine Herrschaft zu legitimieren. Auf dem Avers seiner Prägungen führte er den Titel basileus megas. Folgt man Torsten Bendschus, belegen die Münzen ferner, dass die Schwester Tigranes’ IV., Erato, seit etwa 7 n. Chr. an seiner Seite herrschte; möglicherweise bestand zwischen beiden eine Ehe. Da die Zuweisung der Emissionen jedoch nicht eindeutig gesichert ist, bleiben auch ihre Deutung sowie die daraus gezogenen historischen Schlussfolgerungen umstritten. Tigranes vermochte sich jedenfalls nicht dauerhaft zu behaupten; spätestens 12 n. Chr. hatte er die Krone bereits wieder verloren. Nach dem Verlust der Herrschaft hielt er sich in Rom auf, wo er im Jahr 36 n. Chr. wegen eines Majestätsverbrechens hingerichtet wurde. Nach Josephus hinterließ er keine Nachkommen.

  1. Zählung nicht einheitlich; vgl. dazu Torsten Bendschus: Tigranes V. und seine Münzen, Armenische Herrscherlegitimation des frühen 1. Jhdts. n. Chr. im Spiegel der numismatischen Zeugnisse. In: Numismatische Zeitschrift 124 (2018), S. 9–54, hier: S. 14, Anm. 20.
  2. Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998, S. 246.
  3. Iosephus, bellum Iudaicum 1,476; 552; antiquitates Iudaicae 17,12; 349–351; 18,140.
  4. Vgl. Res gestae divi Augusti 27; Martin Schottky: Tigranes 6. In: Der Neue Pauly, Bd. 12,1, Stuttgart/Weimar 2002, Sp. 568.
  5. Vgl. Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998, S. 246.
  6. Iosephus, antiquitates Iudaicae 18,141; vgl. Aryeh Kasher: King Herod. A Persecuted Persecutor, A Case Study in Psychohistory and Psychobiography, Berlin/New York 2007, S. 298.
  7. Res gestae divi Augusti 27; Iosephus, bellum Iudaicum 2,222; antiquitates Iudaicae 18,139–140.
  8. Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998, S. 261f.
  9. Zu seiner Münzprägung vgl. Torsten Bendschus: Tigranes V. und seine Münzen, Armenische Herrscherlegitimation des frühen 1. Jhdts. n. Chr. im Spiegel der numismatischen Zeugnisse. In: Numismatische Zeitschrift 124 (2018), S. 9–54.
  10. Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998, S. 262.
  11. Tacitus, annales 6,40; Iosephus, antiquitates Iudaicae 18,140.
  12. Iosephus, antiquitates Iudaicae 18,140.