Unsinn
Unsinn (von mittelhochdeutsch/althochdeutsch unsinnig/unsinnec: nicht bei Verstand, nicht bei Sinnen, ohnmächtig, bewusstlos, wahnsinnig, geisteskrank, verrückt, wütend, verblendet, töricht, delirant) ist ein von Substanz, Sinn und Logik gelöster Satz, Ausdruck oder Begriff zu einem Sachverhalt oder einer Meinung. Unsinn ist etwas anderes als Sinnlosigkeit und Aussichtslosigkeit.
Im Mittelalter gab es unter anderem den Begriff der „Unsinnigkeit“, der etwa für Manie oder Delirum stehen konnte. Mittellateinische Bezeichnungen waren amentia, dementia und frenesis, wobei dementia und delirium auch für Wahnsinn und „Wahnwitz“ (von althochdeutsch uuanawizzi) stehen konnten. Um 1790 unterschied der Würzburger Mediziner Meinolph Wilhelm verschiedene Klassen von Geisteskranken: „Tollsinnige“, „Wahnsinnige“, „Trübsinnige“ und „Blödsinnige“.
Teilweise synonym verwendete, oft aus Dialekten stammende Ausdrücke sind heute: Absurdität, Firlefanz, Hafenkäse, Humbug, Käse, Kappes (eigentlich Weißkohl), Kladderadatsch, Kokolores, Larifari, Mumpitz, Nonsens, Pipifax, Quatsch, Schmarrn, Schmonzes, Schwachsinn. Zusätzlich verwegene Kühnheit drücken Aberwitz und Irrwitz aus. Wird der Akzent auf als unsinnig oder ungehörig empfundenes Handeln gelegt, spricht man von Unfug. Die verschiedenen, synonymen Ausdrücke haben teils leichte Unterschiede in Bedeutung und wertender Konnotationen (Untertönen).
- ↑ Max Höfler: Deutsches Krankheitsnamen-Buch. München 1899, S. 651 und 919.
- ↑ Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 806.
- ↑ Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 479 (vnsynnigkeyt) und 482 (wanwitz).
- ↑ Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 65.
- ↑ Ulrich Ammon u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 323 (online bei Google Books).
- ↑ Eintrag Käse, Duden. Abgerufen am 14. Juni 2015.
- ↑ Kappes in duden.de; abgerufen am 3. März 2017
- ↑ Gesellschaft für deutsche Sprache, abgerufen am 27. März 2012.
- ↑ Pipifax in Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache; abgerufen am 28. November 2022.
- ↑ Martin Hock: Steuern auf Termingeschäfte: Das ist Unfug. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. März 2024, abgerufen am 16. Januar 2025.