Verlagssystem
Verlagssystem ist ein historischer Begriff für Formen der dezentralen Arbeitsorganisation wie die heutige Heimarbeit. Das Bestimmungswort „Verlag“ hat vom Begriffsinhalt nichts mit dem heute verwendeten Begriff des Verlags und des davon abgeleiteten Nomen Agentis des Verlegers zu tun, sondern ist darauf zurückzuführen, dass früher ein Unternehmer einem Heimarbeiter den Kauf von Rohstoffen vorfinanzierte („vorlegte“ oder „verlegte“), damit der Heimarbeiter bestimmte Waren in seiner eigenen Wohnung herstellen konnte. Das Verb „verlegen“ bedeutete im Mittelhochdeutschen „Geld ausgeben“ oder „etwas auf seine Rechnung nehmen“; „Verleger“ war also derjenige, der „anderen das Rohmaterial … so lange vorschießt, bis es an den Konsumenten gelangt ist“. „Verlegen“ war mithin die Vorfinanzierung der Rohstoffe durch den Unternehmer, die durch den Heimarbeiter zu Produkten weiterverarbeitet wurden, welche der Unternehmer dann auf eigenes Unternehmerrisiko verkaufte.
- ↑ Gerhard Köbler: Etymologisches Rechtswörterbuch. 1995, S. 434.
- ↑ Karl Bücher: Verlagssystem. In: Johannes Conrad, Ludwig Elster, Wilhelm Hector, Richard Albrecht Lexis, Edgar Loening (Hrsg.): Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Band 3, 1892, S. 940 (books.google.de).