Wanderhändler
Der Begriff Wanderhändler ist ein Oberbegriff für mobile Höker, also Händler ohne Ladengeschäft.
Für Wanderhändler auf Märkten gibt es auch die Bezeichnungen Markthändler, Marktbeschicker, Marktfahrer oder Fierant (von italienisch: fiera = Jahrmarkt). In Österreich werden Händler, die ihre Waren vom Pferdekarren abverkauften, Pracker/Präckerin genannt (von Prack: Schlag, schlagende Person, benannt nach dem Ruf zum Anpreisen der Ware).
Als Wanderhändler werden und wurden bezeichnet
- Hausierer
- Händler im Reisegewerbe, insoweit sie nicht dem Handwerk zuzurechnen sind
- zahlreiche (meist historische) Krämer- und Trödlerberufe des Fahrenden Volkes
- Kräuter-, Wurzel- und Pulverhändler; siehe Volksmedizin
- Kurzwarenhändler (Bandkrämer, Trödeljuden; siehe Der Trödeljude)
- Lumpenhändler, siehe Lumpensammler
- Ölhändler, siehe Lampenölhändler
- Vogelhändler; siehe auch die Operette Der Vogelhändler
- Wanderbuchhändler; siehe Kolporteur
Im Zuge der Industrialisierung wurden viele Produkte flächendeckend hergestellt, die vorher vorwiegend in bestimmten Regionen hergestellt wurden. Deshalb und durch das Aufkommen der Eisenbahn und anderer Verkehrsmittel nahm die Bedeutung des Wanderhandels ab.
Für den Wanderhandel eigneten sich naturgemäß Waren, die einen hohen Preis pro Kilogramm erzielen konnten und die transportabel waren, z. B. Brüsseler Spitzen, Uhren oder Sensen. Manchmal hatten die Händler Prospekte oder Warenmuster dabei. Wenn jemand etwas bestellte, wurde er bei der nächsten Reise des Wanderhändlers beliefert.
Von der Zwischenkriegszeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg verkauften die Pracker in Wien vom Pritschenwagen herunter vor allem Obst und Gemüse günstiger und frischer als im örtlichen Handel. Um das sogenannte Pracker-Unwesen einzudämmen, durften sie sich an einem Ort nur so lange aufhalten, wie sie Waren verkaufen konnten und mussten dann weiterziehen. Pracker werden als Stilmittel mit zeithistorischem Bezug im Film Der Trafikant mehrfach gezeigt.
- ↑ Erika Kühn: Präcker I. In: Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ). Online im Lexikalischen Informationssystem Österreich (LIÖ)
- ↑ Bockauer Laborantenführer ( vom 14. Februar 2012 im Internet Archive)
- ↑ Die Flämische Straße. Wanderhandel von den Niederlanden und Westfalen und Russland, herausgegeben von Dexia Bank et al., Brüssel 2004
- ↑ Otto Krammer: Wiener Volkstypen. Von Buttenweibern, Zwiefel-Krowoten und anderen Wiener Originalen. Braumüller, Wien 1983, S. 102 f.