Westraum
Der Begriff Westraum bezeichnete im völkischen und nationalsozialistischen Kontext eine Reihe von Regionen unterschiedlicher staatlicher und ethnischer Zugehörigkeit zwischen der Nordsee- und Kanalküste und den Alpen. Diese Regionen wurden als deutscher „Volks- und Kulturboden“ oder als ein deutscher „Grenzraum“ begriffen. Als politisch motiviertes, jedoch wissenschaftlich legitimiertes Raumkonzept bildete der „Westraum“ ein Paradigma der so genannten Westforschung. In seiner strategischen Funktion zielte er auf eine kulturelle Durchdringung, politische Infiltration bzw. militärische Aneignung dieser Gebiete. Abweichend von älteren Raumkonzepten beschränkte sich der „Westraum“ weder auf die im Friedensvertrag von Versailles abgetretenen deutschen Grenzgebiete, noch auf das Gebiet zwischen der Staats- und der Sprachgrenze. Er gehörte vielmehr einer Gruppe von Raumkonzepten an, die sämtliche Abschnitte der deutschen Reichsgrenze als Räume begriffen, die weit in die benachbarten Staaten übergriffen (z. B. „Ostraum“, „Südostraum“, „Nordmark“).
- ↑ Wolfgang Freund/Thomas Müller: „Westforschung“, in: Info Haar u. Michael Fahlbusch (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Saur, München 2008, S. 751–760.