Exsudat (Medizin)
Als Exsudat (zu lateinisch exsudare, „ausschwitzen“, „abfließen“) bezeichnet man in der Medizin entzündlich bedingte Absonderungen, im Gegensatz zu nichtentzündlichen Transsudaten. Die Absonderung der Flüssigkeit wird Exsudation genannt.
Bei oberflächlichen Wunden (zum Beispiel Schürfwunden) führt geronnenes Exsudat und dessen Vertrocknung zur Bildung einer Kruste, volkstümlich auch Grind, Borke, Bratze, (Wund-)Schorf, Raue oder Rufe (älter Ruffe) genannt. Es ist damit Teil der Wundheilung. Schwer heilende oberflächliche Wunden sowie chronische Wunden, die ständig viel Exsudat absondern, werden auch als nässende Wunden bezeichnet. Auf ihnen kann sich keine vollständige Kruste (Wundschorf) bilden.
Sammelt sich das Exsudat im Körperinneren in einer nicht präformierten (d. h. nicht zuvor vorhandenen) Höhle, wird dies nicht-eitrig als Serom und eitrig als Abszess bezeichnet, wenn dem Körper eine Abkapselung gelingt. Eine schrankenlose eitrige Ausbreitung wird Phlegmone genannt. Fließt das Exsudat dagegen in bestehende Körperhöhlen, wird von einem Erguss gesprochen, ein eitriges Exsudat heißt dann Empyem.
- ↑ Reinhard Büttner, Carlos Thomas: Allgemeine Pathologie. 3., erweiterte Auflage. Schattauer, Stuttgart 2003, ISBN 3-7945-2229-X, S. 142 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. November 2014]).
- ↑ Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 452 (ruffe: Schorf, Borke, die sich von Sekreten bei Geschwüren (ulcus) und Hautentzündungen bildet) und 458 (zu schurffsalb, von schurff ‚Borke‘; Salbe gegen borkenbilden Hautkrankheiten, Salbe gegen Borken).
- ↑ Werner Böcker (Hrsg.): Pathologie. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München/Jena 2008, ISBN 3-437-42382-7, S. 132 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. November 2014]).
- ↑ Duden online: Rufe