Zensur in der DDR

Unter Zensur in der DDR, und zuvor in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), werden Maßnahmen zur Kontrolle von Medien, Meinungsäußerungen, Verhalten, Lerninhalten und künstlerischer Produktion bezeichnet. Offiziell gab es in der DDR keine Zensur. Die Wörter Zensur und Verbot waren Tabu und wurden ersetzt mit verharmlosenden Begriffen wie Parteimäßige Führungstätigkeit, Planung, Leitung, Lenkung, um ideologisch motivierte Steuerung und repressive Maßnahmen zu beschreiben. Abweichungen von der Parteilinie führten zu Aufführungs-, Ausstellungs-, Auftritts-, Berufs- und Publikationsverboten sowie zur Entlassung politischer und künstlerischer Amtsträger. Methodisch setzte die Staatssicherheit dabei Observation, Einschüchterung, Inhaftierung sowie die sogenannte „Zersetzung“ als Mittel ein. Die Ausbürgerung war eine der schwerwiegendsten Formen der systematischen Ausschließung von politisch unerwünschten Bürgern der DDR.

Alles, was als systemkritisch, unsozialistisch oder „westliche Dekadenz“ galt, hatte keine Chance auf Veröffentlichung. Die SED und ihre Zensoren stilisierten sich als Kulturförderer und Pädagogen, während Künstler als „nervige Teenager“ dargestellt wurden, die Anleitung benötigten. Fast alle Zensurakten sind erhalten und belegen im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde eine Länge von 130 Regalmetern.

Laura Bradley zeigte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010, dass Zensur in der unmittelbaren Nachkriegszeit als Teil der Entnazifizierung durchaus Akzeptanz fand, nach der Verfassung von 1949 aber nur noch verklausuliert angesprochen werden durfte. Durch penibel eingehaltene Sprachregelungen (siehe Sprachgebrauch in der DDR) sei die sehr weitgehende Kontrolle als positive Förderung dargestellt worden. Ergänzend hierzu war die gesamte Amtssprache durch Euphemismen, Parteijargon und ideologische Vorgaben geprägt. Quelle der euphemistischen Sprache war die Planwirtschaft und die Amtssprache der DDR. In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nannte man das spöttisch „Sowjetdeutsch“ oder „Parteichinesisch“.

Das Zensur- und Überwachungssystem der DDR war ein komplexes Netz aus Tätern, Opfern, Mitläufern und Profiteuren, dessen Akteure in fließenden Rollen agierten und dessen allgegenwärtige Durchdringung der Gesellschaft maßgeblich von politischer Überzeugung, Angst, Druck, Opportunismus, Karrierechancen, finanziellen Vorteilen und patriotischer Pflicht geprägt war. Sie war tief in allen Bereichen der Gesellschaft verwurzelt, weit über Medien und Kultur hinaus, und wurde von zentralen bürokratischen Institutionen und ihren Spitzenfunktionären maßgeblich geplant und umgesetzt. Diese Akteure, insbesondere die ideologischen Hardliner an der Spitze der Partei, sahen die Zensur als eine marxistisch-leninistische und dialektische Notwendigkeit (z. B. Schutz vor „negativen“ Einflüssen oder zur „Erziehung“ der Bürger) auf dem Weg zum Kommunismus. Für sie war sie kein Übel im herkömmlichen Sinne, sondern ein unverzichtbares Instrument zum Schutz und zur Stärkung des „realsozialistischen“ Staates.

  1. Ernest Wichner, Herbert Wiesner: Literaturentwicklungsprozesse – die Zensur der Literatur in der DDR. Suhrkamp, Frankfurt 1993.
  2. Andreas Malycha: Geschichte der DDR. Im Zeichen von Reform und Modernisierung (1961 bis 1971). 31. Oktober 2011.
  3. Katrin Schoelkopf, Stefan Schulz: Erinnerung an den Terror der Stasi. In: Die Welt. 5. Dezember 2005. Abgerufen am 1. August 2016.
  4. Susanne Leinemann: Stasi-Terror werktags von 9 bis 18 Uhr. In: Die Welt. 8. November 1999. Abgerufen am 1. August 2016.
  5. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12.
  6. Druckgenehmigung Zensur in der DDR. In: mediengeschichte.dnb.de. Abgerufen am 29. Mai 2025.
  7. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 13.
  8. Parteijargon (1985)(in: DDR Handbuch. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1985: S. 967). In: www.kommunismusgeschichte.de. Abgerufen am 10. Februar 2026.
  9. Vgl. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 11.
  10. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12.
  11. Dieter Viehweger: Sprachliche Veränderungen des Deutschen nach der Wende (in: Grazer Linguistische Studien, Jahrgang (1992), Heft, Seiten 127-134). In: https://unipub.uni-graz.at/. S. 128, abgerufen am 10. Februar 2026.
  12. Otto Langels: Vertrauen und Verrat. In: www.deutschlandfunkkultur.de. 9. September 2009, abgerufen am 7. Juni 2025.
  13. Marxismus-Leninismus. In: www.verfassungsschutz.bayern.de. Abgerufen am 17. Juli 2025.