Zentralismus

Der Begriff Zentralismus bezeichnet ein Strukturprinzip zur Kennzeichnung einer gesellschaftlichen Raumordnung, die zentral organisiert ist. In diesem allgemeinen Verständnis wird Zentralismus in einem Gegensatz oder als ein komplementäres Prinzip zum Regionalismus aufgefasst. In der Politik bedeutet Zentralismus das Streben, alle Kompetenzen im Staat bei einer zentralen obersten Instanz zu konzentrieren. Wird dieses Streben gesellschaftliche Wirklichkeit, so wird der Begriff ebenso zur Kennzeichnung von charakteristischen Strukturen eines politischen Systems, insbesondere bei Regimen, verwendet. Eine Ausdrucksform findet der Zentralismus in einem zentralistisch organisierten Einheitsstaat (Zentralstaat), der durch eine ausschließliche Konzentration der politischen Souveränität auf der nationalen Ebene gekennzeichnet ist. In der Religion wird der Begriff zur Beschreibung zentralistischer Strukturen der Organisation von Kirchensystemen verwendet; in der Wirtschaft zur Kennzeichnung von Planwirtschaften sowie zentralistischen Konzernstrukturen.

  1. Günther Ammon, Michael Hartmaier: Zentralismus und Föderalismus – die zwei prägenden Strukturprinzipien der europäischen Raumordnung. In: Günther Ammon, Matthias Fischer u. a. (Hrsg.): Föderalismus und Zentralismus. Europas Zukunft zwischen dem deutschen und dem französischen Modell. Baden-Baden 1996, S. 11–26, ISBN 3-7890-4446-6.
  2. Christof Dipper: Deutschland und Italien 1860-1960. Politische und kulturelle Aspekte im Vergleich. München / Oldenbourg 2005, S. 37, ISBN 3-486-20015-1; Winfried Böttcher (Hrsg.): Subsidiarität - Regionalismus - Föderalismus. Münster 2004, S. 178, ISBN 3-8258-6752-8; Manfred Kittel: Provinz zwischen Reich und Republik. München / Oldenbourg 2000, S. 322, ISBN 3-486-56501-X.
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