Die stetige Gleichverteilung, auch Rechteckverteilung, kontinuierliche Gleichverteilung oder Uniformverteilung genannt, ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung. Sie hat auf einem Intervall
eine konstante Wahrscheinlichkeitsdichte. Dies ist gleichbedeutend damit, dass alle Teilintervalle gleicher Länge dieselbe Wahrscheinlichkeit besitzen.
Die Möglichkeit, die stetige Gleichverteilung auf dem Intervall von 0 bis 1 zu simulieren, bildet die Basis zur Erzeugung zahlreicher beliebig verteilter Zufallszahlen mittels der Inversionsmethode oder der Verwerfungsmethode.
Definition
Eine stetige Zufallsvariable
bezeichnet man als gleichverteilt auf dem Intervall
, wenn Dichtefunktion
und Verteilungsfunktion
gegeben sind als
|
|
|
|
Als abkürzende Schreibweise für die stetige Gleichverteilung wird häufig
oder
verwendet. In einigen Formeln sieht man auch
oder
als Bezeichnung für die Verteilung. Die stetige Gleichverteilung ist durch ihre ersten beiden zentralen Momente komplett beschrieben, d. h. alle höheren Momente sind aus Erwartungswert und Varianz berechenbar.
Eigenschaften
Wahrscheinlichkeiten
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine auf
gleichverteilte Zufallsvariable
in einem Teilintervall
liegt, ist gleich dem Verhältnis der Intervalllängen:
.
Der Erwartungswert und der Median der stetigen Gleichverteilung sind gleich der Mitte des Intervalls
:

.
Varianz
Die Varianz der stetigen Gleichverteilung ist

Standardabweichung und weitere Streumaße
Aus der Varianz erhält man die Standardabweichung
.
Die mittlere absolute Abweichung beträgt
, und der Interquartilsabstand
ist genau doppelt so groß.
Die Gleichverteilung ist die einzige symmetrische Verteilung mit monotoner Dichte mit dieser Eigenschaft.
Variationskoeffizient
Für den Variationskoeffizienten ergibt sich:
.
Symmetrie
Die stetige Gleichverteilung ist symmetrisch um
.
Schiefe
Die Schiefe lässt sich darstellen als
.
Wölbung und Exzess
Die Wölbung
und der Exzess
lassen sich ebenfalls geschlossen darstellen als
bzw.
.
Momente
-tes Moment
|
|
-tes zentrales Moment
|
|
Summe gleichverteilter Zufallsvariablen
Die Summe zweier unabhängiger und stetig gleichverteilter Zufallsvariablen ist dreiecksverteilt, falls die Breite der beiden Träger identisch ist. Unterscheiden sich die Trägerbreiten, so ergibt sich eine trapezförmige Verteilung. Genauer:
Zwei Zufallsvariablen seien unabhängig und stetig gleichverteilt, die eine auf dem Intervall
, die andere auf dem Intervall
.
Sei
und
. Dann hat ihre Summe die folgende Trapezverteilung:
![{\displaystyle f\colon \mathbb {R} \to \mathbb {R} ,x\longmapsto {\begin{cases}0&x\not \in [a+c,b+d]\\{\frac {x}{\alpha \beta }}-{\frac {a+c}{\alpha \beta }}&x\in [a+c,a+c+\alpha ]\\{\frac {1}{\beta }}&x\in [a+c+\alpha ,a+c+\beta ]\\{\frac {b+d}{\alpha \beta }}-{\frac {x}{\alpha \beta }}&x\in [a+c+\beta ,b+d]\end{cases}}}](./3873fa7a21bbd83e45689defa7c5dd2cf85458bf.svg)
Die Summe von unabhängigen gleichverteilten Zufallsvariablen auf dem Intervall [0;1] ist eine Irwin-Hall-Verteilung, sie nähert sich der Normalverteilung an (Zentraler Grenzwertsatz).
Eine zuweilen verwendete Methode (Zwölferregel) zur approximativen Erzeugung (standard-)normalverteilter Zufallszahlen funktioniert so: man summiert 12 (unabhängige) auf dem Intervall [0,1] gleichverteilte Zufallszahlen und subtrahiert 6 (das liefert die richtigen Momente, da die Varianz einer U(0,1)-verteilten Zufallsvariablen 1/12 ist und sie den Erwartungswert 1/2 besitzt).
Charakteristische Funktion
Die charakteristische Funktion hat die Form
,
wobei
die imaginäre Einheit darstellt.
Momenterzeugende Funktion
Die momenterzeugende Funktion der stetigen Gleichverteilung ist

und speziell für
und

Beziehung zu anderen Verteilungen
Beziehung zur Dreiecksverteilung
Die Summe von zwei unabhängigen und stetig gleichverteilten Zufallsvariablen hat eine Dreiecksverteilung.
Beziehung zur Betaverteilung
Sind
unabhängige auf
stetig gleichverteilte Zufallsvariable, dann haben die Ordnungsstatistiken
eine Betaverteilung. Genauer gilt

für
.
Simulation von Verteilungen aus der stetigen Gleichverteilung
Mit der Inversionsmethode lassen sich gleichverteilte Zufallszahlen in andere Verteilungen überführen. Wenn
eine gleichverteilte Zufallsvariable ist, dann genügt beispielsweise
der
Exponentialverteilung mit dem Parameter
.
Verallgemeinerung auf höhere Dimensionen
Die stetige Gleichverteilung lässt sich vom Intervall
auf beliebige messbare Teilmengen
des
mit Lebesgue-Maß
verallgemeinern. Man setzt dann

für messbare
.
Diskreter Fall
Die Gleichverteilung ist auch auf endlichen Mengen definiert, dann heißt sie diskrete Gleichverteilung.
Beispiel für das Intervall [0, 1]
Häufig wird
und
angenommen, also
betrachtet. Dann ist die Dichtefunktion
auf dem Intervall
konstant gleich 1 und für die Verteilungsfunktion gilt dort
.
Der Erwartungswert beträgt dementsprechend
, die Varianz
und die Standardabweichung
, wobei die letztgenannten beiden Werte auch für beliebige Intervalle
der Länge 1 gelten. Siehe hierzu auch den obigen Abschnitt Summe gleichverteilter Zufallsvariablen.
Ist
eine
-verteilte Zufallsvariable, dann ist

-verteilt.
Siehe auch
Literatur