Battina in Ungarn
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BATTINA AN DER DONAU
in Ungarn
Die Donaufahrt von Peterwardein nach Pesth führt durch das Herz Ungarns. Der Strom macht auf dieser Strecke viele Windungen; sie verlängern die Entfernung auf 60 Meilen, welche der Dampfer in einem Tag zurücklegt. Landschafts- und Uferformen wechseln auf dieser Fahrt mit grellen Contrasten. Bald blickt man auf weite, lachende, wohlangebaute Fluren, besäet mit Städten und Ortschaften; bald rauscht der verengte Strom zwischen waldbewachsenen Bergen oder anmuthigen Rebengeländen hin; bald verirrt sich der Dampfer zwischen mit haushohem Schilf, oder dunkelm Eichenwald, bewachsenen Inseln, bald flachen sich die Ufer in unabsehbare Sümpfe aus, überwachsen mit Riedgras und Heide, langweilig und menschenleer, wie die Prairien am Arkansas und Missouri. Einige Stunden oberhalb der Festung Essek, bei Monasterzeg, einem nahrhaften Städtchen, mündet der Franzenskanal, welcher die Verbindung von Theiß und Donau für den Gütertransport von Millionen Zentnern um 42 Meilen abkürzt. Von da aufwärts geht die Sumpfgegend allmählig in ein fruchtbares, weinreiches Hügelland über. Städte, Dörfer, Schlösser, Klöster und die Ruinen von Burgen, Warten, und türkischen und römischen Kastellen eilen wie die Bilder im Guckkasten vorüber. Der Juwel in dieser reizenden Gegend ist ein Gebirgsstock von mäßiger Höhe, welcher mit anmuthigen Hügelformen aus der Ebene aufsteigt und viele liebliche Thäler und Gründe einschließt. Alle Gelände tragen Reben, alle Gipfel sind mit Obsthainen bepflanzt oder mit schattigen Holzungen gekrönt, und eine dankbare Natur lohnt jeden Fleiß und jede Mühe mit überschwenglicher Fülle. Mitten in diesem Paradiese liegt der Flecken Battina, dessen freundliche Kirche den Reisenden von ihrem Hügel herüber anschaut wie ein weißgewandeter Priester Gottes. Jenseits der Kirche ragen 3 hohe Kreuze und zeigen den Gläubigen, welche oft von weither zum heiligen Calvaryberge pilgern, schon von fern das Ziel ihrer Wallfahrt. Bei Battina legt der Dampfer an; mancher Reisende bleibt zurück und erwartet die nächste Gelegenheit zur Weiterreise. Ihn fesselt die Herrlichkeit der Gegend, oder ihr historisches Interesse: denn er steht auf dem klassischen Boden der Geschichte. Von der Höhe oberhalb Battina überschaut man die Ebene von Mohaks, wo die Riesenkämpfe geschlagen wurden zwischen Christen- und Prophetenthum, zwischen den Heeren des Kreuzes und des Halbmonds, zwischen des Orient und des Occidents Herrschaft. Dort war es, wo 1526 der heldenmüthige Jüngling, Ludwig II., mit seinen Ungarn gegen die dreimal stärkeren Türkenheere
[114] unter Soliman dem Großen die blutigste Schlacht focht und sie mit Krone, Leben und Reich verlor. 14,000 Ungarn und 10,000 Türken blieben todt auf der Wahlstatt und noch nach hundert Jahren bleichten die Christengebeine auf der Ebene, die ihr Herzblut getrunken hatte; denn bei Todesstrafe war es vom Sieger verboten, sie zu begraben. – Etwa 160 Jahre später (so lange trug Ungarn die türkischen Ketten) wurde auf dem nämlichen Felde die Befreiungsschlacht gekämpft (1686). Karl von Lothringen führte in derselben die verbündeten Deutschen und Ungarn. Ueber 20,000 Türken, der Kern ihrer Macht, wurden erschlagen, und ganz Ungarn schüttelte das Joch von seinem Nacken. Auch frühere Fehden zwischen Hunnen und Römern, zwischen Slavenund Magyarenthum sind in diesen Ebenen vielfach ausgefochten worden. Die ganze Gegend ist ein Cyklus von Schlachtfeldern und Schädelstätten des Wahns und des Hasses zwischen Brüdern, und mancher Altar ist zu schauen, wo man dem Moloch mit den zwei Kronenhäuptern – Hab- und Herrschsucht – Volker opferte. Den verhärtetsten Tyrannen darf man fragen: was ist ein Raubmord? und er wird sagen: das scheußlichste Verbrechen. Fragt aber Jemand: wie viele Millionen Raubmorde haben die Capetinger, die Carolinger u. s. w. begangen? dann ruft der ganze Chor: „an’s Kreuz mit dem Frager, dem gotteslästerlichen Zweifler am höchsten Herrscherrechte, dem Kriegsrecht.“ Und wenn es die Welt durchmordet hätte und nur Einer übrig bliebe, und dieser Eine das Recht anzuzweifeln wagte: er würde verurtheit werden, sich aufzuhängen mit eigener Hand. Welche Macht auf Erden kann lösen den Bann und welche den Fluch von ihr nehmen? Nur das Eine: Die Humanität. – Ohne sie – „ewig Herren, ewig Sclaven!“