Der Triumphbogen de l’Etoile in Paris

CCCCLXXXIV. Die St. Michaelskirche in Velay (Frankreich.) Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band (1844) von Joseph Meyer
CCCCLXXXV. Der Triumphbogen de l’Etoile in Paris
CCCCLXXXVI. Der Raggozzi-Brunnen in Kissingen
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DER TRIUMPFBOGEN DE L’ ETOILE
in Paris.

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CCCCLXXXV. Der Triumphbogen de l’Etoile in Paris.




Im endlosen Raume des Universums weht der Geist der Liebe. Sie wärmt in den Strahlen der Sonne, sie spiegelt sich wieder auf des Mondes Antlitz, sie kleidet die Berge, füllt die Schatzkammern der Erde und schmückt ihre Spalten mit Krystall und Erz. Der rollende Donner verkündigt sie den lechzenden Fluren, das Murmeln der Quelle dem durstigen Wild. Im Sturm, der die Lüfte reinigt, braust sie durch die Wälder, die Jahrzeiten sind ihre Boten und die Nacht, die Ruhe spendende, ist ihre Zeugin. Sie wacht über den Zufall, schirmt gegen tausend Gefahren, lächelt in der Hoffnung und reicht noch im Tode ihre schönsten Gaben: – Wandlung, Unsterblichkeit. Die ganze Schöpfung ist von ihrem Hauche beseelt, und glücklich zu machen alle Wesen ihres endlosen Reichs ist ihr Streben ohne Ende. –

Gottes Liebe erkennen – das ist Alles, was die Menschen zum Erdenglück bedürfen. Hätten alle Menschen diese Erkenntniß, so würden sie alle milder, besser, glücklicher seyn. Sie würden alle einig werden in ihren Zwecken, und in dem einigen Streben nach gleichen Zielen würden sie sich als Kinder einer großen Familie betrachten lernen, deren symbolisches Haupt die Liebe selbst ist, welche im Universum waltet. Brudermörderischer Haß würde keine Stätte mehr finden unter den Völkern, er würde begraben seyn in der Brust der Gewaltigen. –

Warum ist’s nicht so auf der Erde? Sechstausend Jahre hallt nun schon diese Frage wieder, und mit Hohngelächter schreibt die Geschichte ihre Antwort auf Schlachtfeldern und Brandstätten hin.

Auch dieser Bogen spottet der Liebe Gottes und höhnt die Gutmüthigkeit der Menschenfreunde, welche den Riesengang der Welt, den Strom der Ereignisse, nach dem Spruche des weisen Nazareners lenken möchten, der die Friedfertigen am meisten glücklich preist. Die stumpfsinnige Menge, die sich von ihren Treibern und Herren an einander hetzen läßt zu Mord und Raub, lacht sie als Thoren aus und zollt den Denkmälern zur Ehre der Schlächtereien von Millionen mit eben der Stirn Bewunderung, mit der sie immer und überall bereit ist, entschlossenen Menschen, die auf ihr Verderben sinnen, das Recht, sie zu verderben, zuzuerkennen. Wehe Denen, die das ungestüm anders machen, und der Welt, welche man auf den Kopf gestellt hat, behülflich seyn [49] wollen, daß sie auf einmal wieder auf die Beine komme. Schon die Gracchen haben es erfahren, und noch in unsern Tagen sahen wir Völker, welche das Blut ihrer treuesten Freunde vergossen.

Triumphbögen hatten ursprünglich den nämlichen Zweck, den sie heute noch haben: sie galten der Verherrlichung der Gewalt, des Kriegsglücks, des Länderraubs. Rom, das große Volk, dessen Geschichtsbücher des Motto der Diebe: „Nimm so viel als du kannst!“ auf dem Titelblatt haben, erfand sie zur Verherrlichung seiner Feldherren, welchen vom Senate, nach erfochtenem Siege, bei ihrer Heimkehr die Ehre eines Triumphzugs zuerkannt wurde. Anfänglich blos dem vorübergehenden Zweck dienend, waren sie, wie die Ehrenpforten, nach welchen man bei besondern Anlässen den Fürsten die Liebe ihrer Unterthanen bemessen läßt, hohle, schlechte Breterbuden, staffirt mit Trophäen, Laub- und Kranzwerk. Oben, auf der Plattform, befanden sich Musikanten und Schreier, welche ex officio den Ausbruch der Volksbegeisterung im rechten, schicklichen Moment zu signalisiren hatten.

Als man später den Triumphbögen eine höhere Bedeutung geben, als man sie zu einem bleibenden Denkmal des Ruhms des Gefeierten und zu einem Geschichtsbuche machen wollte, das der Nachwelt die Erzählung großer Heldenthaten überliefern sollte, ward das Holz durch Stein, der Pappendeckel durch Marmor und Erz verdrängt, und die Künste verschwendeten ihre reichsten Hülfsmittel, sie würdig zu gestalten. Später, als die Zeit der großen Thaten und Eroberungen vorüber gegangen war und in Rom nur der Knechtsinn noch eine Glorie trug, machte sie die Schmeichelei zum Fußgestell der Kaiserbilder.

Der größte Triumphbogen des Alterthums, den wir kennen, ist der des Constantin zu Rom. Er hat 66 Fuß Höhe, 76 Fuß Breite und eine Dicke von 20 Fuß. Der des Septimius Severus ist etwas kleiner. Hadrians Bogen schmückt noch jetzt ein Thor von Athen. Der Bogen des Marius in Orange ist das schönste Denkmal des Alterthums in Frankreich.

Der eitelste, prunksüchtigste unter allen Monarchen der neuern Zeit, Ludwig XIV., errichtete sich in Paris den Triumphbogen der Porte St. Denis zur Apotheose seines Raubzugs an den Rhein. Es ist ein Bauwerk im edelsten Styl, welches an Masse dem größten in Rom nicht nachsteht. Ein anderer, die Porte St. Martin, auf Geheiß desselben Fürsten errichtet, ist dagegen ein Muster des Ungeschmacks. Unter den hyperbolischen Siegergestalten, die seine Wände bedecken, prangt der „große König“ als Herkules mit der Allongeperücke im Vorgrunde. Außer den genannten hatte das alte Paris noch ein drittes Ehrenthor in der Vorstadt St. Antoine. Dasselbe wurde, bei Erweiterung des Bastillenplatzes, weggeräumt.

Vor dem Triumphbogen de l'Etoile tritt alles Gleichartige, sowohl der alten als der jüngern Zeiten, in den Schatten. Man bedenke, daß seine Masse nicht weniger als das Zehnfache des größten Triumphbogens [50] des alten Roms beträgt. Er ist 153 Fuß hoch bei einer Breite von 158 Fuß und einer Dicke von 69 Fuß. Der Hauptbogen hat 90 Fuß Höhe und 54 Fuß Breite. Die Nebenbögen sind 58 Fuß hoch bei einer Breite von 26 Fuß.

In diesem Werke ist ein großer Gedanke Napoleons verkörpert. Der Kaiser selbst hat auch die Zeichnung zu diesem Ehrendenkmal der französischen Heere entworfen. Sein Bau begann im Jahre 1806. Dreißig Jahre kostete er und 10 Millionen. Die Werkleute an demselben sahen das Kaiserreich stürzen, die Restauration kommen und verschwinden; sie sahen die Vindikation der Volkssouveräinität in den Julitagen und ihr letztes Werklohn zahlte, 1836, der glückliche Erbe Aller, Ludwig Philipp. Glücklich? Millionen Zeugen strafen mich Lügen. Wer sind sie? Die Pflastersteine. Sie machten ihn zum Könige und – haben seinen Erstgebornen zerschmettert.

Als Bauwerk ist der Triumphbogen unbestritten das nobelste der ganzen neuern Zeit. Die Arbeit daran ist so gewaltig, als der Gedanke; sie scheint unzerstörbar. Alles an ihm ist Wahrheit, in dem Werke selbst, wie in seiner Bedeutung: ungeheuere Kriegsthaten, vollständige Siege, entschiedene Feldherrengröße, Welteroberung. Hier ist – ein einziges Bildwerk ausgenommen – kein falscher Aufputz, kein eitles Spiel.

Die vier Mauerflächen zeigen in ihren untern Theilen Gruppen von Bildhauerarbeit im kolossalsten Maßstabe. Jede Gruppe mißt nämlich 36 Fuß Höhe, jede Figur ist 15 Fuß hoch.

Betrachten wir zuerst die Façade rechts des Thorwegs, auf der Seite, die nach den Tuillerien weist. Es ist der Prolog im ungeheuern Drama des Kriegs, welcher die alte Welt zusammen warf, um eine neue zu gestalten. Man sieht den Auszug der begeisterten Schaaren der jungen Republik von 1792 gegen die verbündeten Könige; die plastische Versinnlichung des berühmten Schlußverses des Marseiller Marsches:

Aux armes citoyens! Formez vos Bataillons;
Marchons! Marchons!

Im Vorgrunde schreitet der Kriegsgenius, den Waffenruf erhebend; ihm folgt ein bejahrter Krieger im Feldherrnkleide, der den Helm schwingt. Ein herrlicher Jüngling hält ihn mit seinen Armen umschlungen und zieht ihn ungestüm vorwärts. Rechts gürtet ein alternder Mann sich mit dem Schwerte und ein Greis, zu schwach, die Waffen zur Schlacht zu tragen, nimmt Abschied von den Forteilenden mit verklärtem, begeistertem Antlitz. Links ist ein Krieger, den Bogen spannend; hinter diesem ein anderer, der sein Panzerhemd anthut und die Trompete faßt; den Hintergrund füllen Krieger zu Roß; die Tricolore aber entfaltet sich über die ganze Gruppe.

Gegenüber, auf der nämlichen Façade, links vom Thorwege, prangt das Basrelief des Triumphs (1810). Es ist die vollständige Siegerglorie Frankreichs. Ihre Personifikation ist nothwendig der Kaiser selbst. Er wird [51] von der Viktoria gekrönt; Fama verkündet seine Thaten und die Geschichte schreibt sie nieder. Die überwundenen Nationen unterwerfen sich. An einer Palme prangen Kriegstrophäen; im Hintergrunde stehen Gefangene vieler Völker.

Die andere Façade des Bogens ist gegen Neuilly gerichtet. Hier sieht man, rechts vom Thorwege, die Gruppe der Vertheidigung (1814). Alle Völker stürmen gegen Frankreich an: – ein junger Krieger kämpft heldenmüthig an der Seite seines verwundeten Vaters, der sterbend seine Kniee umfaßt hält. Seine Frau hebt jammernd ihr erschlagenes Kind empor. Hinter ihm stürzt ein verwundeter Reiter nieder. Ueber der Gruppe schwebt der Genius der Zukunft: er scheint die Vertheidiger ermuthigen zu wollen, die Angreifer zu besänftigen.

Die Gruppe des Friedens ziert die linke Seite jener Façade. Man erblickt einen Krieger, welcher zufrieden sein Schwert in die Scheide stößt. Links hält ihm eine Frau ein lächelndes Kind vor, das die Arme verlangend gegen ihn ausstreckt. Rechts ist ein Mann, der eine Pflugschaar ausbessert; im Hintergrunde ein Soldat als Ackersmann, mit muthigen Stieren, die er bändigt. Ueber der Gruppe ragt Minerva mit Schild und Lanze; – daneben der Oelbaum.

Der Raum zwischen diesen reichen, allegorischen Gruppen und dem Gesimse des großen Bogens ist auf beiden Façaden ebenfalls mit Basreliefs bedeckt. Das eine, nach den Tuillerien zu, stellt das Leichenbegängniß des Generals Marceau dar (1796). Beide Armeen, die französische und die österreichische (diese unter dem Erzherzog Karl), haben sich vereinigt, um jenem bei Freund und Feind gleich hochgeachteten Führer die letzte Ehre zu erweisen. Er wird bestattet unter dem Donner der beiderseitigen Artillerie. Das war ein Tag großer Gefühle und einer solchen Aufzeichnung werth.

Das andere Bildwerk zeigt uns den Kampf vor Abukir (1799). Der gefangene Oberbefehlshaber des türkisch-ägyptischen Heers, Mustapha, Pascha von Rumelien, welcher von Murat eigenhändig gefangen genommen war, wird vor Bonaparte gebracht. Es ist unter den Bildwerken in der Ausführung wohl das schwächste.

Von zwei Basreliefs auf der Façade nach Neuilly zu schildert das eine den berühmten Uebergang der Franzosen über die Brücke bei Arcole (1796). Bonaparte, der Held, ergreift in dem Augenblicke, wo seine Truppen, von den Kartätschen zerschmettert, zurückweichen wollen, eine Fahne und stürzt den feindlichen Feuerschlünden entgegen. – Im andern erblickt man den verwundeten Marschall Kleber mit seinen Schaaren auf den Wällen der erstürmten Alexandria (1798). Diese Komposition gehört zu den schönsten.

Auch die Seitenfaçaden sind mit Basreliefs geziert. Die nördliche rückt uns den blutigen, gewaltigen Sieg von Austerlitz (1805) vor’s Auge. Die Schlacht ist gewonnen; Napoleon hält den Ungestüm seiner [52] Garde zurück. Die feindlichen Armeen stürzen in wilder Flucht über einen gefrornen See; die Decke bricht – Infanterie und Kavallerie sinken unter und verschwinden. Gräßliches, schauerliches Ringen um Lebensrettung ist hier mit ergreifender Wahrheit dargestellt worden. –

Gegenüber dieser, das Schicksal eines Welttheils entscheidenden, Groß-Schlacht hat leider! die Hofschmeichelei das verhältnißmäßig so unbedeutende Treffen von Jemappes (1792) eingeschwärzt. Es ist ein hors d’oeuvre ganz und gar; denn selbst der große Fürst des Friedens, Ludwig Philipp, erscheint hier, als Unterbefehlshaber, gar klein und am unrechtesten Ort von der Welt. Man denkt bei diesem albernen Pendant von Austerlitz unwillkürlich an die Parallele der neuafrikanischen Siegbülletins mit denen der großen Armee, eines Herzogs von Isly mit einem Fürsten von der Moskwa, und der Regenschirm-Trophäe mit jenen, welche zu der Vendome-Säule das Erz lieferten.

In dem Fries unter dem Hauptgesims läuft ein Basrelief um das ganze Monument. – Es stellt den Triumphzug der französischen Heere dar, begleitet von dem Ruhm, gefolgt von den Segnungen des Friedens.

Die freien Räume der innern Bogengewölbe sind dazu benutzt worden, die Namen von 96 gewonnenen Feldschlachten und Belagerungen aufzunehmen, welche, mit 30 andern auf so viel Schilden, die Summe von 126 Siegen ergeben.

Sie sind:

Fleurus. Ulm. Ligny. Colberg. Günzburg. Landshut. Roveredo. Montebello. Valis.
Montenotto. Austerlitz. Sagunt. Tourcoing. Elchingen. Eckmühl. Bassano. Mincio. Medelin.
Lodi. Jena. Lille. Neresheim. Dürenstein. Regensburg. St. Georges. Caldiero. Maria-Belchite.
Castiglione. Friedland. Hondschoote. Bamberg. Hall. Raab. Mantua. Castel-Franco. Almonacid.
Arcole. Somosierrä. Wattignies. Amberg. Saalfeld. Mohilew. Tagliamento. Ragusa. Ocanna.
Rivoli. Eßlingen. Arlon. Friedberg. Valenzia. Smolensk. Sediman. Gaeta. Alba de Tormes.
Pyramiden. Wagram. Courtray. Biberach. Halle. Valontina. Mont Tabor. St. Bastan. Vigne.
Abukir. Moskwa. Tournay. Altenkirchen. Prenzlau. Polotzk. Chebreisse. La Boulon. Lerida.
Alkmaar. Lützen. Altenhoven. Schliengen. Lübeck. Krasnoe. Castiglione. Burgos. Ciudad-Rodrigo.
Zürich. Bautzen. Maastricht. Kehl. Pultusk. Wurschen. St. Giuliana. Espinosa. Almeida.
Heliopolis. Dresden. Weissenburg. Engen. Eylau. Loano. Ditikon. Tudela. Tortosa.
Marengo. Hanau. Landau. Mooskirch. Ostrolenka. Millesimo. Muttathal. Uelez. Gebora.
Hohenlinden. Montmirail. Neuwied. Höchstädt. Danzig. Tajo. Genua. Corunna. Badajoz.
Jemappes. Monteran. Rastadt. Wertingen. Heilsberg. Mondovi. Le Var. Saragossa. Tarragona.


[53] Was knüpft sich an diese Nomenclatur, zu der drei Welttheile steuerten? Das Andenken an 5 Millionen Erschlagener, welche die Blüthe der Völker waren, die Erinnerung an die Brandstätten von mehr als tausend Städten und Dörfern und an Jammer und Elend ohne Maß und Ende. Würde die Summe der Thränen, welche jene Namen erpreßten, in eine Fluth vereinigt, sie würde diesen Steinkoloß zertrümmern, den der Fürst der Schlachten für die Ewigkeit gebaut hat.

Das Unglück der Erde während der Herrschaft eines Eroberers ist stets gewesen, daß Einer den Krieg beschließen konnte, welchen viele Millionen auszustehen hatten. – Für Jetzt ist im europäischen Herrscherkreise doch mindestens so viel gewonnen, daß mehre für Krieg stimmen müssen, ehe er möglich wird. Eine dauerhaftere Bürgschaft des Friedens wird aber durch die neuen Kulturelemente, Eisenbahnen und Dampfschiffe, erlangt werden, welche die Völker mit einander bekannt machen, Freundschaften zwischen ihnen stiften und die dummen Begriffe von erblichen Nationalfeindschaften in die Rumpelkammer verweisen.

Ja, es tagt eine bessere Zeit. Die Völker werden allmählich klüger und sie achten die schönen Fruchtkörbe des Friedens höher, als Lorbeerkränze mit Pechkränzen erkauft. Sie fangen an, zu erkennen, daß eine Staatserhöhung für sie gemeinlich auf eine Kreuzeserhöhung hinausläuft und daß mit der Größe der Adlersklauen auch die Gefräßigkeit des Raubthiers wächst. Sie sehen auf die kleinen Republiken und manchen Staat hin, der nur wenige Quadratmeilen zählt, und fragen sich, ob denn das Leichter- und Besser-Regiertwerden mit der Zahl der Millionen wächst, und ob ein Fürstenarm um so beglückender das Scepter führe, je länger er geworden? Und die Fürsten selbst – auch sie sind von den mildern und vernünftigern Begriffen der Zeit besiegt worden, auch sie sind, der Mehrzahl nach, zur Einsicht gekommen, daß in der Mordlotterie des Kriegs für eingesetztes Gut und Blut und Volksglück fast immer blos Nieten gezogen werden und daß selbst im glücklichsten Fall der Gewinn des Einsatzes nicht werth sey. Sie sehen ein, und was mehr sagen will, fangen an, es offen zu bekennen: daß eine weise, die Bedürfnisse der Zeit befriedigende und fördernde Gesetzgebung im Frieden die Völker höher entwickelt, als eine Reihe von Schlachtenjahren, und jeder Fürst – als Gesetzgeber und als Regent – im Stande ist, sein Volk größer zu machen und seine Macht zu potenziren, ohne nöthig zu haben, ein anderes anzuketten. – Die Beweise liegen vor Augen. Der Orient lebt in ewigem Kriege und ist in ewiger Ohnmacht, Armuth und Barbarei, und dreißig Jahre Friede haben der Macht und Kraft Frankreichs eine größere Entwickelung gegeben, als vorhergegangene dreißig Jahre voller Eroberungen und Siege.


[54] Noch einen Blick auf unsern Bogen des Kriegs! Als monumentales Kunstwerk verdient er die höchste Bewunderung. Seine hohe Schönheit verdankt nichts der Dekoration oder der Kostbarkeit des Stoffs; sie liegt im Ganzen, in dem Ebenmaß seiner Theile, in seinem großartigen Charakter. So wie der Triumphbogen dasteht, ist er nicht ein Denkmal, eine Vergötterung eines Einzelnen: sondern er ist ein imposantes Gesammtbild des ganzen Kriegsruhms, der sich über Republik und Kaiserthum entfaltet hatte. Kein einziges Individuum, auch nicht die hervorragende Gestalt des Kaisers, erdrückt die übrigen. Die Zeit der Republik hat ihre republikanischen Insignien, die des Kaiserreichs ihre Adler; die Titel selbst, welche die Generale auf den Schlachtfeldern des Auslandes erwarben, haben hier ihre blutig-erworbene Stelle. In Allem ist der Ausdruck der Achtung vor historischer Wahrheit.

Den herrlichsten Eindruck macht der Triumphbogen vom Eintrachtsplatze her, besonders dann, wenn ihn die Morgensonne beleuchtet. Die mächtig-langen Alleen dienen ihm als dunkler Grund, von dem er sich abhebt in unbeschreiblicher Majestät.

Der Aufsatz fehlt ihm noch. Napoleon hatte, im Geiste des Eroberers, die Kolossalstatue Frankreich, auf einem Globus sitzend, dazu bestimmt; aber die spätern Begebenheiten haben diese Krönung des Denkmals als unschicklich verworfen. Was wird sie ersetzen? Man frage das Schicksal!