Die Mountsbay in Cornwallis
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MOUNTSBAY
Die Küste von Cornwallis kämpft um ihr Daseyn unablässig mit den atlantischen Fluthen. Wo diese ein weicheres oder zerklüftetes Gebirg fanden, da haben sie sich tief eingefressen und Golfe und Bayen aus dem Gestade gehöhlt. So ist auch Mountsbay entstanden, der weite, halbzirkelrunde Busen am westlichen Ende der Landzunge, welche England in das atlantische Meer weit hinausstreckt.
Die Ufer von Mountsbay sind sehr malerisch. Sie bestehen größtentheils aus schroff abgerissenen Wänden von Urthonschiefer und Porphyr, welche hoch aus der Brandung ragen. Senkrecht, ja oft überhangend, fallen sie mehre hundert Fuß tief zum Meere hinab, umlagert mit Felstrümmern, die ihnen den Anschein geben, als wären sie mit Pulver gesprengt worden. Zwischen den Felsen bahnen sich kleine Bäche ihren Weg zum Meere, und in ihren Schluchten sieht man die Dörfer und Gehöfte der Fischer mit den Wimpeln ihrer Barken – zerbrechlichen Fahrzeugen, auf denen jene kühnen und fleißigen Menschen allen Schrecknissen des treulosen Elementes trotzen.
Im August und September, wann die Wanderzüge der Makrelen und Sardellen an der Küste erscheinen, entfaltet sich in der Mountsbay ein emsiges Leben. Schon im Juli werden auf den höchsten Punkten Wachtposten ausgestellt, Hewers (Schreier) genannt, welche auf die Ankömmlinge spähen müssen, zu deren [46] Empfang jede Fischergesellschaft ein ungeheueres Netz in Bereitschaft hält, und an dessen Glück sich eben so viel Hoffnungen knüpfen, als bei dem Landmann an die Erndte. Erschallt nun das Heva! Heva! von den Höhen, dann wird die ganze Bevölkerung lebendig, im Nu eilt Jeder an seinen vorher bestimmten Posten, Alles ist Thätigkeit und Erwartung. Zuerst erscheinen kleine abgesonderte Schwärme der Fische; es sind die Vorposten, die Freicorps der Avantgarde; unbelästigt und unverfolgt läßt man diese ziehen. Aber so wie eine eigene Bewegung und trübere Färbung der Gewässer bemerken lassen, daß der Hauptzug sich nähert, dann gibt ein Böllerschuß das Signal zum Angriff und hinaus rudern die großen Boote, auf welchen jeder Fischerverein sein Netz hat, das an 2000 Fuß lang und 140 Fuß breit ist. Auf ein zweites Signal werden nun alle Netze zugleich in’s Meer geworfen, und jede Kameradschaft sucht so viel Fische als nur möglich in ihren Netzraum zu fassen.
Ist dies geschehen, so werden die Enden des Netzes zusammen gebunden und andere Boote eilen herbei, um die ungeheuere Last in seichtes Wasser und an den Strand ziehen zu helfen. War der Fang ein gelungener, dann übersteigt die Menge der erbeuteten Fische jede Vorstellung. Manchmal enthält ein Netz nicht weniger als 5 Millionen Fische, welche, gesalzen, 1200 Tonnen füllen. Noch an demselben Tage werden die Netze entleert, die Fische an’s Ufer gebracht, und Weiber und Kinder beschäftigen sich emsig damit, sie einzusalzen und zu verpacken. Die verdorbenen Fische (denn alle Hände reichen nicht hin, sie in der kurzen Zeit sämmtlich einzusalzen,) werden auf Hürden von Weidengeflecht gebracht, und unterm Drucke ihrer eignen Last träufelt ein Oel aus dem Haufen, welches aufgefangen wird und, als Pilchard-Thran, in den Handel kömmt. Man gewinnt davon in manchen Jahren über 30,000 Zentner! Die Ueberbleibsel der Fische geben, mit Erde und Sand vermengt, ein vortreffliches Düngungsmittel, welches im Lande weit und breit Absatz findet.
Während des großen Fischfangs verlassen die Bergleute in den benachbarten Zinngruben häufig ihre Arbeit und helfen den Fischern; so wie ebenfalls die Fischer im Winter nach den Gruben wandern und da Arbeit nehmen. Diese gegenseitige Unterstützung von so ganz verschiedenen Gewerben ist nur dieser Küste eigen, hat aber das Gute, die Menschen an Fleiß zu gewöhnen und ihr Hauswesen zu verbessern. Die Fischer der Mountsbay sind gut genährt und gekleidet. Mäßiger Wohlstand ist häufig bei ihnen anzutreffen, und das Gefühl der Unabhängigkeit und der Sinn für häusliches Glück gehen in seinem Gefolge.