Die Roeskilder Cathedrale in Dänemark
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DIE ROESKILDE CATHEDRALE
Die Insel Seeland ist wie ein Garten, oder vielmehr wie ein Park, in welchem die Kultur nur dazu gedient hat, die Reize der Natur bemerklicher zu machen. Grüne Hügel und üppige Wiesengründe wechseln mit reichen Getreidefeldern ab; Städte und Dörfer sind selten und gewöhnlich hinter dichtem Laubgehölz verborgen; weit häufiger sieht man einzelne Gehöfte, die Sitze bäuerlicher Unabhängigkeit. Der Hauptschmuck des Landes sind aber die Wälder. Sie bestehen fast durchgehends aus Buchen, und dieser Baum wächst nicht, wie in unsern Hochwäldern, in einem einzelnen Stamme schlank empor, sondern vielstämmig treibt er aus der gemeinsamen Wurzel seine Kronen und jede
[43] solche Gruppe wölbt sich zu einem Laubdom von majestätischer Pracht. Die Forsten, die der größte Reichthum des Landes sind, dehnen sich viele Meilen weit aus, und ihr Dunkel wird dann und wann durch lichte Wiesengründe unterbrochen, auf welchen läutende Heerden der benachbarten Gehöfte weiden. Vortreffliche Chausseen durchkreuzen die Insel in verschiedenen Richtungen und verknüpfen die Ortschaften. Ein mäßiger Wohlstand unter dem Landvolk ist allgemein. Er wird genährt durch die Hauptstadt, welche dem Bauer die leichte und gute Verwerthung seiner Erzeugnisse möglich macht, und durch eine große Fruchtbarkeit des Bodens.
In der Mitte der Insel liegt Roeskilde, die uralte Hauptstadt des Dänenreichs. Sie glänzte schon im Zwielicht der nordischen Sagenzeit und Barden und Dichter haben sie besungen. Roe, König der Dänen im 6ten Jahrhundert, erbaute sie und gab ihr den Namen. Ihr größter Flor fällt in das 14te Jahrhundert; damals besaß sie 27 Kirchen und Klöster und ihre Einwohnerzahl überstieg 40,000. Als jedoch Kopenhagen zur Hauptstadt des Landes erhoben wurde, sank sie schnell, und jetzt ist sie nichts mehr, als eine kleine Landstadt, deren einstige Größe in der Geschichte und in ihren Denkmälern fortlebt.
Das lebende Königsgeschlecht ist der alten Königsburg entflohen; die Todten hingegen blieben ihrer uralten Wohnung treu. Die Roeskilder Cathedrale enthält die Gräber und Grabmäler aller Glieder der dänischen Herrscherfamilie seit etwa 9 Jahrhunderten.
Der Bau dieser Kirche wurde an der Stelle einer ältern im Jahre 1050, unter der Regierung Kanut’s des Großen, angefangen und um 1090 vollendet. Das Material dazu ist, wie bei fast allen öffentlichen Bauwerken Seeland’s, Backstein. Aufgeführt im gothischen Styl, ist ihr Inneres mit den Grabmonumenten guter und weiser, böser und thörichter Fürsten angefüllt, und Kunst- und Geschichtsforschung können hier eine reiche Ausbeute machen.
In der Königsgruft sind die Särge in chronologischer Ordnung aufgeschichtet, und man hört mit Interesse viele Namen nennen, die durch die nordischen Heldensagen ziehen, oder sich furchtbar machen in der mittelalterlichen Geschichte als Eroberer und Länderstürmer. Aber am liebsten weilt der Freund des Lichts und des Rechts an dem Sarge Christian’s IV., des besten und weisesten aller Könige Dänemarks.