Die Weihe

« Die Vermählte Gedichte (1822) Die Bergstimme »
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Die Weihe.


Einsam in der Waldkapelle,
Vor dem Bild der Himmelsjungfrau,
Lag ein frommer, bleicher Knabe
Demuthsvoll dahingesunken.

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O Madonna! laß mich ewig

Hier auf dieser Schwelle knien,
Wollest nimmer mich verstoßen
In die Welt so kalt und sündig.

O Madonna! sonnig wallen

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Deines Hauptes Stralenlocken;

Süßes Lächeln mild umspielet
Deines Mundes heil’ge Rosen.


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O Madonna! deine Augen
Leuchten mir wie Sternenlichter;

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Lebensschifflein treibet irre,

Sternlein leiten ewig sicher.

O Madonna! sonder Wanken
Trug ich deine Schmerzenprüfung,
Frommer Minne blind vertrauend,

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Nur in deinen Gluten glühend.


O Madonna! hör mich heute,
Gnadenvolle, Wunderreiche,
Spende mir ein Huldeszeichen,
Nur ein leises Huldeszeichen.

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Da thät sich ein schauerlich Wunder bekunden,

Wald und Kapell sind auf einmahl verschwunden;
Knabe nicht wußte wie ihm geschehn,
Hat Alles auf einmahl umwandelt gesehn.

Und staunend stand er im schmucken Saale,

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Da saß Madonna, doch ohne Stralen;

Sie hat sich verwandelt in liebliche Maid,
Und grüßet und lächelt mit kindlicher Freud’.


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Und sieh! vom blonden Lockenhaupte
Sie selber sich eine Locke raubte,

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Und sprach zum Knaben mit himmlischem Ton:

Nimm hin deinen besten Erdenlohn!

Sprich nun, wer bezeugt die Weihe?
Sahst du nicht die Farben wogen
Flammig an der Himmelsbläue?

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Menschen nennen’s Regenbogen.


Englein steigen auf und nieder,
Schlagen rauschend mit den Schwingen,
Flüstern wundersame Lieder,
Süßer Harmonien Klingen.

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Knabe hat es wohl verstanden,

Was mit Sehnsuchtglut ihn ziehet
Fort und fort nach jenen Landen,
Wo die Myrte ewig blühet.