Galitsch

Burlington im Staate Iowa Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band (1860) von Friedrich Hofmann
Galitsch
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GALITSCH
(GOVT KOSTROMA)

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Galitsch.




Wir hätten es leicht gehabt, uns von Uglitsch, dessen Kreml wir vor Kurzem betrachteten, sogleich nach Galitsch zu begeben, das in demselben Gouvernement, Kostroma, liegt und das der Leser etwa zwölf deutsche Meilen nordöstlich von der Hauptstadt Kostroma zu suchen hat. Indeß trägt uns dasselbe Roß, das uns damals trug, auch heute wieder dieselbe Bahn, und abermals durchwandeln wir das anmuthige Hügelland des nördlichen Wolgagebiets, um in so fremder Ferne den Menschen zu beobachten und die Spuren alter Kultur zu finden.

Wenn wir Galitsch nach dem Bilde schätzen, daß es uns von dem Standpunkt, den unser Künstler einnahm, bietet, so täuschen wir uns leicht über seine Bedeutung. Die vielen Thürme seiner dreizehn Kirchen, seine Klöster und seine beiden alten Forts geben ihm ein sehr stattliches Ansehen, und dazu hat es sich so gemächlich an den Ufern eines schönen Sees hingelagert, daß wir auch über seine Größe irre geführt werden. Die Stadt zählt nur etwa 5–6000 Einwohner, aber rührige Leute, die eine blühende Leinwandmanufaktur unterhalten, im Fischfang eine ergiebige Erwerbsquelle besitzen und ihre Waldungen nicht bloß zu Brenn- und Bauholz, sondern auch zur Entfaltung einer lebhaften Holzwaarenindustrie benutzen. Das Klima um den See von Galitsch, einem 15 Werste langen und 8 Werste breiten Wasserbecken, ist im Ganzen ein rauhes und zeichnet sich durch viele dunstvolle Sommertage aus. Der See steht durch die Weksa mit der Kostroma und durch diese mit der Wolga in Verbindung.

Wir sagten oben, daß wir auch hier die Spuren alter Kultur finden. Wie sehr viele der jetzigen Gouvernements- und Kreisstädte des heutigen Rußlands hatte auch Galitsch in ältester Zeit seine eigenen Fürsten, über welche die Nachrichten bis auf das Jahr 1208 zurückgehen. Ueber diese. kleinen Herren wurden später die von Rostow Herr, bis auch über sie ein Stärkerer kam. Am meisten litt die Stadt durch die Kriege des 15. Jahrhunderts; sie wurde 1432 durch die Tataren verheert und war 1450 Zeuge eines Siegs des Großfürsten Wasilij über die Mongolen; im Jahre 1502 erlag sie dem tapfern Woiwoden und Hospodar Stephan VI. (auch der Große und der Gute genannt) von der Moldau. Erst seitdem das russische Reich seine Alleinherrschaft über diese Gegenden ausstreckt, ist den Bewohnern die äußere Ruhe gesichert.