Burlington im Staate Iowa

Grace-Church in Newyork Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band (1860) von Friedrich Hofmann
Burlington im Staate Iowa
Galitsch
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BURLINGTON
AM MISSISSIPPI.

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Burlington im Staate Iowa.




Noch heute lebt der erste weiße Mensch, welcher ein paar Jahre vor dem Ausbruche der großen französischen Staatsumwälzung im Norden des Ohioflusses geboren wurde. Damals war in jenem fernen und weiten Westen noch Alles eine große Wildniß, Jagdgebiet der Indianer; aber im Verlaufe eines einzigen Menschenlebens hat sich das große Thalbecken des Mississippi mit Millionen betriebsamer Leute gefüllt, die Einwanderung hat sich in ununterbrochenen Strömen über die weiten, fruchtbaren Gefilde ergossen und den Schwerpunkt der großen nordamerikanischen Union von den atlantischen Gestaden hinweg in diese ehemalige Einöde verlegt. Dort sind, von den Quellen des Mississippi bis zu dessen Mündung und zu beiden Seiten dieses Vaters der Gewässer, dessen wichtigste Punkte und frappanteste Schönheiten der Leser bereits kennen gelernt hat, ein Dutzend Staaten gebildet worden, die sogleich von Anfang an sich zu hoher Blüthe emporschwangen; Fortschritt und Entwickelung waren in einem Jahrzehnt so rasch, wie bei uns in der alten Welt in einem Jahrhundert; denn jetzt schon erheben sich an der Stelle der ersten armseligen Blockhäuser oder Lederzelte Kapitole von Kuppeln überwölbt, Kirchen mit hohen Thürmen, Städte, deren einige schon jetzt nahe an eine Viertelmillion Einwohner zählen.

Vorzugsweise rasch sind im Mississippithale jene Staaten emporgekommen, welche sich eines verhältnißmäßig milden und gemäßigten Klima’s erfreuen. Sie liegen im nördlichen Theile der Region und bilden recht eigentlich die große Getreidekammer des Kontinents. Wisconsin, Iowa und Minnesota gleichen einem unermeßlichen Weizenacker, auf dem Wald und Prairie in kaum erkennbaren Spuren noch erscheinen. Auf diesem Raume [179] leben jetzt über anderthalb Millionen Menschen zerstreut, welche seit lange schon den großen Strom bis zu den Anthonykatarakten mit Dampfern befahren, und ihn mit dem Missouri durch Eisenbahnen verbunden haben. Und noch sind das Alles erst Anfänge, wenn auch sehr großartige. Zu der reichen Ausstattung, mit welcher die Natur jenen Nordwesten bedacht hat, indem sie ihm fruchtbaren Boden, Holz, Kohlen, Metalle und Wasserkraft in unerschöpflicher Menge verlieh, gesellt sich die bevorzugte geographische Lage als Bürgin für die große Zukunft der neuen Staaten. Wasserwege verbinden sie mit dem St. Lorenzstrome, dem Hudson und mit dem mexikanischen Meerbusen, an welchem neben Palmen der Zucker gedeiht, gegen den der Norden sein Pelzwerk und Getreide tauscht. Gleichzeitig spinnt sich von allen Seiten ein Eisenstraßennetz so rasch über jene Zone, daß man noch in unserm Jahrzehnt von den Seen Winipeg und Athabaska bis zur mexikanischen Grenze auf Eisenbahnen fahren wird. In Nordamerika arbeiten überhaupt die Menschen an einer neuen Phase der Kulturentwickelung mit ungeheurem Eifer; Fortschritt, Wachsthum und Gedeihen der Staaten sind derart eigenthümlich, daß die Maßstäbe der alten Welt nicht passen. Das Volk in jenem merkwürdigen Lande hat, weil es für jede Bewegung freien Raum findet, und aus so mancherlei einander ergänzenden Bestandtheilen zusammengesetzt ist, einen schnelleren Uebergang von der wilden Natur zur Reife gesellschaftlicher Ausbildung, eine kürzere Spanne zwischen dem Samenkern und dem ausgewachsenen, Früchte tragenden Baume, als die Nationen Europa’s, deren Kulturfrüchte unter ganz verschiedenen geschichtlichen Bedingungen zwar viel später zeitigen, aber, wie wir uns dünken, um so edler werden.

Jener nordwestliche Garten mit seinen blumigen Wiesenflächen ist allerdings ein herrliches Geschenk, welches die Natur dem Menschen darbietet, aber nutzbar kann dieser ihn nur durch seine Arbeit machen. Die Blüthe der drei obengenannten Staaten ist nur durch gewaltige Anstrengung vieler zusammenwirkenden Kräfte erreicht worden. Da kommt der Einwanderer aus Europa oder der Squatter aus irgend einem Staate auf der östlichen Seite des Alleghanygebirges, um sich im Westen eine neue Heimath zu gründen. Er sucht eine passende Stelle aus und bauet ein Blockhaus, damit er für den langen Winter sein Obdach habe. Im Frühjahr folgen Frau und Kinder nach, und nun ist der Farmer nicht mehr ganz einsam. Aber seine nächsten Nachbarn wohnen, meilenweit von ihm entfernt, zerstreut umher. Er hat sich im westlichen Iowa, etwa auf einer Prairie am des Moines Flusse niedergelassen und findet an einem Sonntage hinlängliche Muße, einem seiner Freunde in den alten Staaten seine Erlebnisse zu schildern. „Wer“, sagt ein solcher vor uns liegender Bericht, „noch nicht in einer neuen Ansiedelung, in einem neuen Lande, gelebt hat, macht sich keine Vorstellung von dem, was man entbehren muß, wenn man auch Geld hat. Ich fing mit geringen Mitteln an, hatte viele kleine Kinder, die mir noch nicht hülfreich zur Hand gehen konnten, und meine letzten 50 Dollars verausgabte ich, um ein Joch Ochsen zu kaufen; weitere 50 Dollars blieb ich schuldig. So fing ich an. Als die Kinder da waren, kaufte ich auf Borg zwei Kühe der Milch wegen; die eine mästete ich, verkaufte sie nebst zwei Kälbern und etwas Heu, und davon konnte [180] ich die eine Kuh, welche mir blieb, bezahlen. Nach und nach hatte ich 17 Morgen Landes urbar gemacht, aber vier Jahre hintereinander war mir das Glück nicht günstig; der eine Sommer war zu naß, der andere zu dürr, in den beiden andern Jahren litt meine Ernte durch Krähen, Eichhörnchen und Schweine. Im fünften Jahre hatte ich eine überschwänglich reiche Ernte, aber nun ist das Getreide spottbillig. Wir sind sehr dürftig mit Kleidung versehen und müssen uns ärmlich behelfen. Meine Frau, Margarethe, hat in den ersten drei Jahren rechtschaffen geflickt, was nur zusammenhalten wollte, aber jetzt hat das ein Ende, und die armen Kinder sind wahrlich schlimm daran. Mein Blockhaus glaubte ich schon nach zwei Jahren mit einem dauerhafteren Gebäude vertauschen zu können, aber mir fehlen die Mittel und so müssen wir uns behelfen. Vor der diesjährigen Ernte (1860) haben wir fünf Monate lang kein Fleisch gegessen, manchmal fehlte auch Brod, und wir begnügten uns mit Mehlsuppe und dem Grünzeug, das in meinem Garten wuchs. Es war ein Jubel im Hause, als die ersten Kartoffeln herausgenommen wurden; jetzt haben wir auch etwas Speck, aber Butter ist uns seit Monaten nicht vor Augen gekommen. Im vorigen Herbst wurden mir die Ochsen ausgepfändet, weil ich nicht bezahlen konnte; die alte Kuh besitze ich noch, aber sie hat vier Monate lang keine Milch gehabt; sie muß hart arbeiten. Nun habe ich jedoch Ferkel und ein paar Dutzend Hühner; aber vier Fünftel aller Eier muß ich zu Markte schicken; die Kinder sollen doch für den Winter etwas auf dem Leibe haben!“

So beschwerlich und voll von Entbehrungen sind die ersten Jahre vieler Tausende von Ansiedlern, und trotzdem gelangen die neuen Gegenden wunderbar rasch zur Blüthe. Kein anderer Staat liefert dafür ein glänzenderes Beispiel als Iowa (sprich Eiouäh), das diesen indianischen Namen von dem eines seiner Flüsse erhielt. Kurz vor Ablauf des 17. Jahrhunderts drangen französische Pelzhändler in jene Gegend, welche als ein Bestandtheil von Louisiana, das ursprünglich alles Land zwischen dem Mississippi und den Felsengebirgen umfaßte, 1803 von Bonaparte an die Vereinigten Staaten verkauft wurde. Iowa gehörte von da an zu dem großen Territorium Michigan, dessen östlicher Theil unter diesem Namen 1836 als besonderer Staat in die Union aufgenommen wurde. Gleichzeitig bildete man aus dem westlichen Theile das Gebiet Wisconsin, dessen Bevölkerung bald so rasch anwuchs, daß schon 1838 der Theil desselben, welcher zwischen dem Michigansee und dem Mississippi liegt, gleichfalls ein besonderer Staat wurde. Was jenseits lag, wurde dann als Territorium Iowa organisirt, welches auch den heutigen Staat Minnesota umfaßte, der seinerseits als Gebiet ausgeschieden wurde, nachdem Iowa schon 1846 in die große Union, als deren 28. Staat, eintrat. Seine Lage ist ungemein vortheilhaft; der ganzen Ostgrenze entlang strömt der Mississippi, welcher ihn von Wisconsin und Illinois scheidet; im Süden stößt er an den Staat Missouri, und der gleichnamige Fluß bildet die Westgrenze, jenseit welcher Kansas und Nebraska sich bis zu den Felsengebirgen ausdehnen. Im Norden reicht das rasch aufblühende Minnesota bis über die Quellen des Mississippi hinaus.

[181] Der erste weiße Ackerbauer in Iowa siedelte sich, – man weiß den Tag genau – am 1. Juni 1833 an. Er schilderte die fruchtbare, von klaren, waldumsäumten Flüssen durchzogene, bis dahin wenig bekannte Gegend, als das „westliche Paradies.“ Fünf Jahre später, im Mai 1838, ergab eine Zählung schon 22,859 Seelen und 1840 war diese Ziffer auf mehr als 43,000 Köpfe gestiegen, so daß sich ein jährlicher Zuwachs von mehr als 44 Procent herausstellte. In gleicher Progression nahm die Bevölkerung bis zum Census von 1850 zu, welcher schon eine Seelenzahl von 192,214 ergibt. Man hat mit Recht gesagt, daß die Nordamerikaner ruhelos wandern, wie die Zigeuner; in ihnen steckt der alte deutsche Hang und Trieb, in die Weite zu gehen. Iowa erhielt seine Ansiedler aus Kentucky und Tennessee, vom mexikanischen Meerbusen, aus Neu York, Pennsylvanien, Neu-Jersey, Delaware und Neu-England, aber mit ihnen kamen beinahe 40 Procent Deutsche, und ihnen verdankt der neue Staat zu nicht geringem Theil seinen zugleich raschen und gediegenen Aufschwung.

Gibt es unter den Angloamerikanern auch Manche, welche die Verdienste der deutschen Einwanderer verkleinern möchten, so werden von einsichtsvollen Leuten dieselben doch willig und unumwunden anerkannt. Im März 1858 hielt der Vorsitzende der geographischen und statistischen Gesellschaft zu Neu York, Dinsmore, einen Vortrag über die Wichtigkeit der Einwanderung, und bemerkte, nachdem er viele Ziffern als Beleg mitgetheilt hatte, Folgendes:

„Den Einwanderern, vorzugsweise den deutschen, sind wir zu Dank verpflichtet für drei Viertheile aller unserer in Anbau genommenen Ländereien, der Anlage der Dörfer, der Hebung des Viehstandes, und auch für drei Viertheile aller Eisenbahnen, welche weit und breit das Land durchziehen. Ich lege besonderes Gewicht darauf, daß ein großer Theil dieser Leute aus nicht reichen Menschen bestand; aber sie brachten Fleiß und Kraft mit, und erzeugten, indem sie arbeiteten. Die Fremden haben das große Werk gethan. Die Eingeborenen, welche das Licht der Welt in unserm Lande erblickten, haben sich als fruges consumere nati betrachtet; denn die sogenannte Arbeit vieler Eingeborenen, die geringschätzig auf Einwanderer herabsehen, besteht darin, daß sie nach Abzug der Zeit, welche sie auf Wettrennen, Branntweintrinken, Besuche und Politik-Machen, Ausstellungen besehen, Spekuliren in allen möglichen Dingen verwenden, höchstens einige Stunden in der Woche zu ihrem Erwerb sich abmühen; der Einwanderer dagegen arbeitet mindestens 50–60 Stunden und schafft Werthe. Veranschlage ich den Geldwerth eines Einwanderers nur so niedrig, wie durchschnittlich jenen der Negersklaven, so stellt sich heraus, daß derselbe für die Einwanderung von 1790 bis 1857 nicht weniger als die ungeheure Summe von 4972 Millionen Dollars beträgt. Dazu kommt, daß nach amtlichen Erhebungen (am Landungsplatze der Einwanderer in Castle-Garden zu New-York) – Jeder durchschnittlich 100 Dollars mitbringt. So viel hat sich aus einem siebenzehnmonatlichen Durchschnitt ergeben. Daß mehr als drei Millionen Köpfe in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, wissen wir mit Sicherheit; sie haben also über 200 Millionen Dollars mitgebracht. Von 1844 bis und mit 1857 wanderten nach demselben Ausweis 3,907,018 Menschen ein.“

[182] Nach Iowa, das unbestritten zu den fruchtbarsten Staaten gehört, sind Hunderttausende derselben eingeströmt, um sich auf den wellenförmigen Wiesenfluren, an Wäldern und in der Nähe von Flüssen anzusiedeln, oder ihre Hütten an den vielen klaren Teichen und kleinen Seen aufzuschlagen.

Wir mögen den Leser nicht mit Zahlen ermüden, wo sie aber so deutlich sprechen und so inhaltreich sind, wie in Bezug auf Iowa, ersetzen sie vollkommen eine ausführliche Erörterung, denn solche Ziffern berichten und enthalten eine Fülle von Thatsachen. Iowa hatte 1830 noch gar keinen weißen Bewohner, 1840 ergab, wie bemerkt, die Zählung etwas über 43,000, 1850 schon 192,214; im Jahre 1856 bereits 509,414, und im Jahre 1859 schon 633,549 Köpfe. Die allgemeine Zählung von 1860, deren Ergebniß uns noch nicht vorliegt, wird annähernd eine Volksmenge von 700,000 Köpfen ausweisen, obwohl die drei vorletzten Jahre für den Nordwesten ungünstige Ernten brachten und erst jene von 1860 wieder ergiebig ausfiel.

Das steuerpflichtige Eigenthum hatte sich (wir geben runde Zahlen) von 22½ Million Dollars im Jahre 1850 auf 210 Millionen im Jahre 1859 gesteigert; die Zahl der angebaueten Acker Landes von 824 auf 3,100,000; der Maisertrag, von 8½ auf 23¼ Millionen Bushels, der Weizenertrag von 1½ auf 3½ Millionen. Aber in den guten Erntejahren 1856 hatte der erstere schon mehr als 31, der zweite nahe an 5 Millionen Bushels betragen. Während in neun Jahren die Bevölkerung sich um das Dreifache vermehrte, stieg der Werth des steuerpflichtigen Eigenthums um das Zehnfache. Allein der Werth der Ländereien, 7¼ Millionen Acker Brachlandes mit eingeschlossen, stieg in derselben Zeit von 16½ auf 104½ Million Dollars.

Iowa ist recht eigentlich ein Ackerbau treibender Staat, dessen Bewohner zumeist, und jetzt noch vorzugsweise, in der östlichen Abtheilung, zerstreut auf einzelnen Gehöften oder in Dörfern wohnen. Die Anzahl der Städte ist noch gering und keine derselben hat einen so raschen Aufschwung genommen wie etwa Milwaukee oder St. Louis. Eigentlich kann man nur zehn Ortschaften als eigentliche Städte bezeichnen, und von diesen liegen vier (Dubuque, Davenport, Burlington und Keokuk) am Mississippi; doch haben nur die beiden erstern mehr als 20,000 Einwohner. Allein diesen Plätzen ist im Fortgange der Zeit ein rascherer Aufschwung sicher, und ohne die große Geldkrisis von 1857, welcher Fehlernten folgten, wäre derselbe viel beträchtlicher als er trotz aller ungünstigen Zeitläufte erscheint. Denn, wie schon bemerkt, Iowa hat eine vortreffliche Lage, schiffbare Ströme und jetzt nahe an 400 englische Meilen Eisenbahnen innerhalb seines Gebietes, welche sich zum Theil in die Prairiegegenden erstrecken, um die Ausfuhr der Ackererzeugnisse zu erleichtern, zum Theil an jene der benachbarten Staaten anschließen und für Iowa die Verbindung mit den großen Bahnnetzen der Union vermitteln.

An Burlington, das nächst Dubuque die wichtigste Stadt bildet, können wir den Aufschwung Iowa’s vortrefflich erläutern. Kaum eine andere Ortschaft ist so tüchtig und gediegen zur Blüthe emporgekommen. Sie liegt sehr anmuthig am rechten Ufer des Mississippi, der hier bereits die Majestät des großen Stromes ahnen läßt, [183] der er 80 Meilen weiter durch seine Verbindung mit dem Missouri erst wird, und überschaut von der Höhe eines Bluffs weithin die gesegneten Gebiete von Iowa und Illinois. Durch eine Bahn ist Burlington mit dem großen Getreidehafen Chicago am Michigansee in Illinois verbunden, und dorthin verfährt es einen Theil der ihm zugeführten Produkte, während ein anderer auf dem Mississippi versandt wird. Die Stadt besitzt also Stromschifffahrt, Schienenwege und Plankroads, letztere nach dem Innern des Staats, und hat sich vermittelst derselben zu einem natürlichen Stapelplatz erhoben, dessen Bedeutung in demselben Verhältnisse steigt, in welchem das Hinterland seine Hülfsquellen entwickelt. Nur in den letzten 18 Monaten nach dem August wurden in Burlington mehr als 1300 neue Häuser gebaut, zwei englische Meilen Plankreads angelegt, nahe an fünf Meilen Gasröhren gelegt, dreizehn Meilen Fußwege geebnet und gebahnt. 1856 zählte die Stadt 12,900 Seelen; Ende 1860 wird sie deren an 20,000 gehabt haben. Der Handelsumsatz betrug schon 1857 fast 14½ Millionen Dolars, wovon 8½ Millionen auf den Wechsel- und Bankverkehr kommen, 2½ Millionen auf den Verkauf von Fabrikaten. Von dem Luxus gibt es Zeugniß, daß für 42,000 Dollars Putzwaaren verkauft wurden; für die gesteigerte Ansiedelung im Innern der Verkauf von Oefen und Kochherden für 125,000 und von Pflügen etc. für mehr als 25,000 Dollars. Burlington verdankt sein Aufblühen dem Handel mit Getreide und überhaupt landwirthschaftlichen Erzeugnissen; seine Mühlen liefern ausgezeichnetes Weizenmehl. Der Platz ist geschäftlich bisher gesund geblieben und zieht mehr und mehr Kapitalien an, welche eine sehr vortheilhafte Verwendung finden. Wahrscheinlich wird Burlington auch bald, nach dem Vorbilde von Pittsburg und Cincinnati eine beträchtliche Gewerbsstadt. Seine Lage ist derart, daß es mit Leichtigkeit die Rohstoffe beziehen kann, Kupfer vom Obern See, Eisen aus Missouri, Bauholz aus Wisconsin und Michigan, Nutzholz aus Indiana, Baumwolle aus dem Süden. Brennstoff ist in Fülle vorhanden. Ansätze zu einer großartigen Fabrikthätigkeit sind bereits vorhanden, z. B. Mühlen, Maschinenbauereien, Gießereien, Fabriken landwirthschaftlicher Geräthe. Alljährlich legen zwischen zwei- und dreitausend Dampfer bei Davenport an. Der Mississippi wird gewöhnlich in der ersten Hälfte des März frei von Eis und ist bis in die zweite Hälfte des Novembers offen.

So ist der hübschen und sehr betriebsamen Stadt durch Lage und Hinterland, durch Strom und Eisenbahnen die Zukunft sicher, einer der blühendsten Plätze am Mississippi zu werden. Ihre tüchtige, kernhafte Bevölkerung besteht reichlich zu einem Drittel aus Deutschen, und scheint es überhaupt, als ob unsere Landsleute in Iowa sehr gut gedeihen. Jedenfalls können wir mit Stolz darauf hinweisen, daß der junge Staat zu nicht geringem Theile durch sie zu Aufschwung und Blüthe gelangt ist.