Kunsthütte. Stiftungs-Fest am 24. Januar 1880
Die Räder brausen, es raucht der Schlot,
Die mächtigen Hämmer dröhnen,
Und Alles jagt, dem strengen Gebot
Des Kampfes um’s Dasein zu fröhnen.
Der Eine erntet, der Andere sät;
Doch Alle sorgen sich früh und spät.
Der Kaufmann späht nach dem rechten Moment
Für des Vortheils Wetten und Wagen,
Und sinnend eilt der flinke Agent,
Das flüchtige Glück zu erjagen. –
So geht es rastlos in unserer Stadt,
Wo Mammon, der schlimme, das Scepter hat.
Und dennoch, – in all’ dem Lärm und Dunst,
Der Stadt zum Preis und zum Ruhme,
Ist fröhlich aufgegangen die Kunst,
Eine liebliche Wunderblume.
Gepflegt von Wenigen, still und treu,
Erblühte sie langsam in schüchterner Scheu.
Man grub sie aus mit sorglicher Müh,
Ihr weiteren Raum zu geben,
Daß sie in Luft und Licht nun erblüh’
Zu immer schönerem Leben.
Und Freunde und Gönner ohne Zahl
Erstanden und hegten sie allzumal.
Und selbst Gott Mammons stolze Macht
War ihr in Gnaden gewogen;
In’s eigene Heim in strahlender Pracht
Ist längst sie schon eingezogen.
Und Tausende strömen wohl aus und ein,
An der Wunderblume sich zu erfreu’n.
Und daß sie fröhlich gedeih’ und blüh’,
Und wuchre zu üppigem Kranze,
Das Schaffen und Walten der Industrie
Verklärend mit lichtem Glanze,
So bringet der Kunst in unserer Stadt
Ein Vivat, Crescat und Floreat!
E. W.