MKL1888:Akka
[254] Akka, ein von dem Reisenden G. Schweinfurth in Innerafrika entdecktes zwerghaftes Negervolk, das von den Niam-Niam Tiki-Tiki genannt wird. Ihr Gebiet beginnt zwei Tagereisen südlich von Munsas, des Monbuttukönigs, Residenz, liegt also ungefähr unter 3° nördl. Br. und 29° östl. L. v. Gr., etwa 148 km nordwestlich von dem Nilquellsee Mwutan (Albert Nyanza). Die mittlere Höhe der Männer wird auf 1,5 m angegeben. Die A. üben die Beschneidung aus, welche zur Zeit der Pubertät vorgenommen wird. Nach Schweinfurths Beschreibung haben die A. mit den Negern nichts gemein und sind eher als Verwandte der Buschmänner zu betrachten. Schweinfurth bringt die A. mit den Bakka-Bakka der ältern portugiesischen Reisenden zusammen. Vgl. Zwergvölker und Tafel „Afrikanische Völker“, Fig. 24.
Akka (in der Bibel Akko, im Mittelalter St. Jean d’Acre), uralte Hafenstadt in Syrien, an einer weiten Bucht des Mittelmeers, dem Karmelvorgebirge gegenüber, ist Sitz eines griechischen Erzbischofs, hat verfallene Befestigungen, 6 Moscheen (darunter die große Djezzarmoschee), einen wohlversehenen Bazar und etwa 8000 Einw. (darunter 2400 Christen). A. ist ursprünglich eine Niederlassung der Phöniker und blühte schon als bedeutende Handelsstadt zur Zeit der Eroberung des Landes durch die Hebräer, die sie zum Stammgebiet Ascher schlugen. Unter der Herrschaft der Ptolemäer erhielt die Stadt den Namen Ptolemais und kommt bereits im 2. Jahrh. n. Chr. als Bischofsitz vor. Beim Verfall des römischen Ostreichs teilte A. dessen Schicksale; zur Zeit der Kreuzzüge erhob es sich aber von neuem zu Glanz und Reichtum und wurde, 1104 von den Kreuzfahrern erobert, der gewöhnliche Sammelplatz der fränkischen Flotten. Es erhielt damals den Namen St.-Jean d’Acre von einer jetzt verfallenen Hauptkirche des heil. Johannes. Nachdem A. 83 Jahre unter christlicher Herrschaft gestanden, ward es 1187 von Saladin wieder genommen, 1191 von den Deutschen und Engländern abermals erstürmt, wobei sich der bekannte Streit zwischen Richard Löwenherz von England und Herzog Leopold von Österreich entspann, der erstern auf der Rückkehr durch Deutschland in die Gefangenschaft führte. Seit jener Zeit war A. Hauptsitz und letzter Halt der Johanniter, bis 1291 der ägyptische Sultan Melik el Aschraf die Stadt eroberte und verwüstete. Mit ihrem Fall und dem Tod ihrer 60,000 christlichen Bewohner hatte die Frankenmacht in Palästina ein Ende. Im J. 1517 fiel A. in die Hände der Türken. Vor Akkas Mauern (1799) erbleichte zum erstenmal Bonapartes Glücksstern. Vergeblich erschöpfte er alle Mittel der Belagerungskunst; an dem Widerstand, welchen Djezzar Pascha mit Hilfe der Engländer unter Sidney Smith 61 Tage lang leistete, scheiterte sein Plan der Eroberung Syriens. Glücklicher als Bonaparte war 33 Jahre später Ibrahim Pascha, der Sohn des Vizekönigs von Ägypten; er eroberte A. 27. Mai 1832 mit Sturm, und durch den Frieden von Kutahia (14. Mai 1833) blieb die Stadt in den Händen des Vizekönigs. Infolge des Vertrags vom Juli 1840 aber ward sie von der vereinigten englisch-österreichisch-türkischen Flotte zwei Tage lang bombardiert und 4. Nov. zur Übergabe gezwungen. A. ist gegenwärtig der Hafen- und Ausfuhrplatz für das fruchtbare Gebiet im W. des Hauran, das auf Tausenden von Kamelen dorthin seinen trefflichen Weizen sendet. Die Ausfuhr (17–18 Mill. Mk.) besteht vornehmlich in Weizen, in Dari (zur Spiritus- und Stärkefabrikation), Sesam, Olivenöl und Gerste, die Einfuhr (ca. 1 Mill. Mk.) in Kaffee, Reis und Petroleum.
[8] Akka. Über die Bevölkerung des palästinensischen Liwa A. hat Ingenieur G. Schumacher („Palestine Exploration Fund“, 1887) eine, wie es scheint, zuverlässige Bevölkerungsliste aufgestellt, welche auf Verzeichnissen aller zu Fronarbeiten Pflichtigen von 16–60 Jahren beruht. Danach hatte das ganze Liwa im J. 1887, abgesehen von Beamten und Soldaten, 153,740 Einw. Die größten Städte sind folgende: Akka 9800 Einw. (8000 Mohammedaner, der Rest Christen verschiedener Sekten, wenige Juden); Schefa Amr 2750 meist christl. Einwohner; Haifa 7165 Einw. (über 3000 einheimische Christen verschiedener Sekten, über 3000 Mohammedaner, 765 Ausländer, davon 330 Deutsche); Nazareth 6575 Einw. (meist Christen, 1620 Mohammedaner); Tiberias 3640 Einw. (etwa 2000 Juden, 250 Christen, der Rest Mohammedaner); Safed 24,615 Einw. (über 13,200 Juden, 10,600 Mohammedaner, 720 Katholiken).