MKL1888:Bleioxyd

[21] Bleioxyd PbO entsteht bei anhaltendem Erhitzen von geschmolzenem Blei an der Luft, bleibt als Rückstand, wenn man salpetersaures oder kohlensaures Blei erhitzt, und wird aus einer kochenden Lösung von Bleizucker durch Kalilauge oder Kalkwasser gefällt. Bei hüttenmännischen Prozessen, namentlich beim Abtreiben des Silbers, wird B. als Nebenprodukt gewonnen. Metallisches Blei, auf dem Herd eines Flammofens erhitzt, verwandelt sich zuerst in graue Bleiasche (Bleisuboxyd), welche durch Aufnahme von mehr Sauerstoff bald in gelbes B. übergeht. So dargestellt kam das B. als Massicot in den Handel und wurde früher häufiger als jetzt, wo es durch Chromgelb verdrängt ist, als gelbe Malerfarbe benutzt. Beim Abtreiben des Silbers schmelzt man das Werkblei auf dem Treibherd ein und zieht eine Haut aus schwer schmelzbarem Schwefelblei und andern fremden Metallen ab (Abstrich). Nun beginnt die Oxydation des Bleies und zunächst auch die der noch vorhandenen fremden Metalle (Kupfer), durch welche das entstehende B. schwarz erscheint. Nach Entfernung dieses zweiten Abstrichs wird das Gebläse angelassen, und unter dem Einfluß der auf das flüssige Metall einströmenden Luft verbrennt das letztere schnell zu B., welches schmilzt und durch einen Einschnitt in der Seitenwand des Herdes abfließt. Dies B. bildet die Bleiglätte (Glätte, Lithargyrum), welche meist auf reines Blei (Frischblei) verarbeitet wird, zum Teil aber auch als solche in den Handel kommt. Sie ist nach schnellem Erkalten gelblich (Silberglätte), nach langsamem Erkalten [22] rötlich (Goldglätte, Kaufglätte). Letztere erhält man besonders schön, wenn man die geschmolzene Glätte in konische Eisengefäße gießt und nach langsamem Erkalten die erstarrte obere Schicht durchbricht, damit der noch flüssige Anteil, während er zu roter Glätte erstarrt, hervorquellen kann. Die Glätte bildet dann schöne rote, sanft anzufühlende, leicht zerreibliche Schuppen. Die verschiedenen Produkte sind um so reiner, je sorgfältiger bei der Darstellung die zuerst und die zuletzt gebildete Glätte von der übrigen getrennt wurde. Sie enthält aber stets etwas Kupferoxyd, welches durch Digestion mit einer Lösung von kohlensaurem Ammoniak ausgezogen werden kann; sie löst sich in 7000 Teilen Wasser, in Essigsäure, Salpetersäure und sehr verdünnter Salzsäure, auch in kochender Kali- und Natronlauge und in Kalkmilch. Das spezifische Gewicht des Bleioxyds ist 9,36, es wird beim Erhitzen braunrot, nimmt aber beim Abkühlen die ursprüngliche Farbe wieder an. Aus der Luft absorbiert es Kohlensäure, und mit den Säuren bildet es die Bleisalze; doch tritt es starken Basen gegenüber auch als Säure auf. Beim Schmelzen verbindet es sich leicht mit Kieselsäure, und das entstandene Silikat löst andre Silikate zu glasartigen Massen, daher durchbohrt B. hessische Schmelztiegel; beim Kochen der Öle mit B. werden dieselben verseift, und es entstehen die Pflaster. Beim Erhitzen mit Kohle wird B. leicht reduziert. B. dient zur Darstellung von Kristallglas, Flintglas, Straß, zu Glasuren, als Flußmittel in der Porzellan- und Glasmalerei, zur Bereitung von Firnis, Pflaster, Kitt, Bleizucker, Bleiessig, Bleiweiß und Mennige; die Lösung in Natronlauge (Natronplumbat) dient zur Bereitung von zinnsaurem Natron, zum Schwarzfärben von Horn und Haaren, zur Imitation von Schildpatt und Büffelhorn (mit dem Schwefel der Haar- und Hornmasse bildet sich schwarzes Schwefelblei), zur Erzeugung von Regenbogenfarben auf Messing und Bronze etc.

Bleioxyd, braunes, s. v. w. Bleisuperoxyd; rotes, s. v. w. Mennige.


[141] Bleioxyd. Zur Prüfung der Bleiglätte löst man dieselbe in verdünnter Salpetersäure, ein Rückstand kann aus Bleiantimoniat, Bleisuperoxyd (von zersetzter Mennige), Kieselsäure, Ziegelmehl, Thon bestehen. Man wäscht den Rückstand aus, erwärmt einen Teil mit Salzsäure und Weinsäure, übersättigt mit Ammoniak, digeriert mit Schwefelammonium, filtriert und versetzt das Filtrat mit verdünnter Salzsäure: ein orangeroter Niederschlag zeigt Antimon an. Behandelt man den letzten Filtrationsrückstand mit konzentrierter Salzsäure, so bleiben Kieselsäure, Ziegelmehl, Thon ungelöst zurück. Wird der ursprüngliche Lösungsrückstand mit etwas Zucker und Salpetersäure erwärmt, dann filtriert und das Filtrat mit Schwefelwasserstoff behandelt, so zeigt ein schwarzer Niederschlag Mennigegehalt der Glätte an. Aus dem größern Teil des ersten Filtrats fällt man alles Blei durch verdünnte Schwefelsäure und prüft das Filtrat auf Kupfer, Eisen, Wismut, Zink, wie beim Blei angegeben. Einen andern Teil des ersten Filtrats übersättigt man mit Ammoniak, fügt Schwefelammonium im Überschuß zu, filtriert und versetzt das Filtrat mit oxalsaurem Ammoniak: ein weißer Niederschlag zeigt Kalk an. Zur Bestimmung des Kohlensäuregehalts der Bleiglätte trocknet man 3–4 g im Porzellantiegel bei 100°, glüht vorsichtig und bestimmt den Verlust, welcher dem Kohlensäuregehalt entspricht. Zur Bestimmung des Kupfergehalts digeriert man die Glätte wiederholt mit einer Lösung von kohlensaurem Ammoniak, die sich bei Gegenwart von Kupfer blau färbt. Man verdampft die vereinigten Flüssigkeiten, glüht den Rückstand im Porzellantiegel und wägt das Kupferoxyd.