MKL1888:Huhn

[775] Huhn (Gallus L., hierzu Tafel „Hühnerrassen“), Gattung aus der Ordnung der Hühnervögel und der Familie der Fasanen (Phasianidae), Vögel mit fleischig-häutigem Kamm und zwei Kinn- oder Kehllappen (an beiden Unterkiefern, selten nur einer in der Mitte des Kinnes). Die Flügel sind kurz und gerundet, der Schwanz ist dachförmig und wird hoch getragen, die Mittelfedern der Hähne sind lang und sichelförmig gekrümmt. Typus der Kammhühner ist das Haus- oder Landhuhn. Man kennt zur Zeit vier Arten und zwei Rassen der Wildhühner, welche sämtlich Indien und dem Malaiischen Archipel angehören. Die weiteste Verbreitung hat das bengalische Bankiva nebst seinen beiden Rassen, dem burmesischen und malaiischen Bankiva (Gallus ferrugineus Gm., Bankiva Temm.). Es erstreckt sich von den Vorbergen des Himalaja durch Vorder- und Hinterindien bis Java. Hier (nur im Hochland jenseit 800 m Meereshöhe) trifft es mit dem Gabel- oder Zwerghuhn (Gallus varius Shaw), welches Java (unterhalb 800 m), Lombok, Sumbawa und Flores bewohnt, zusammen; im Süden Vorderindiens mit dem schönen Sonneratshuhn (G. Sonnerati Temm.). Die vierte Art, das Dschangelhuhn (G. Stanleyi Gray), ist auf die Insel Ceylon beschränkt.

Abstammung des Haushuhns. Rassen.

Die Frage nach der Abstammung der domestizierten Hühner ist kaum noch eine offene zu nennen. Nachdem Darwin die in der That sehr zweifelhafte Annahme zurückgewiesen hat, daß noch unentdeckte oder ausgestorbene Formen die Ureltern gewesen seien, haben wir diese nur noch unter den lebenden Arten zu suchen. Die gewichtigsten Gründe sprechen für die Stammelternschaft des Bankiva: weiteste horizontale und vertikale Verbreitung, Ähnlichkeit mit den Kampfhühnern und ihrem Krähen, Rückschläge, Kreuzungen etc. Von den gegen 40 rezipierten, genau („standardmäßig“) beschriebenen Rassen, deren die meisten mehr oder weniger Farbenschläge zählen, ist eine ziemlich große Anzahl (ca. 10), der Hauptsache nach fertig gezüchtet, aus China, Japan und Indien nach Europa und Nordamerika importiert.

[Beilage]

[Ξ]

HÜHNER.
1. Englischer Kampfhahn. – 2. Malaien. – 3. Jokohama. – 4. Weiße, 5. gelbe, 6. schwarze Kochinchina. – 7. Breda. – 8. Brahmaputra. – 9. Crève-coeur. – 10. La flèche. – 11. Dorking. – 12. Houdan. – 13. Italiener. – 14. Spanier. – 15. Brabanter. – 16. Poland. – 17. Strupphahn. – 18. Goldbantam. – 19. Weiße, 20. Seidenhaar-, 21. bunte englische Zwerghühner. 1/6 der natürlichen Größe.

[776] Weitere 18 oder 19 repräsentieren Züchtungen aus dem ältern, von Osten her eingeführten Material, und etwa ein Dutzend verschiedenen Ursprungs und großer Mannigfaltigkeit (Kaulhuhn, Strupphuhn, Haar-, Woll-, Seiden-, Negerhuhn etc.) gehören oder gehörten noch vor kurzem zu den „nicht klassifizierten“ Rassen, d. h. zu denen, welche für die Liebhaberei wenig oder keine Bedeutung haben. Die Einteilung der Rassen in Luxus- und Wirtschaftshühner hat zwar praktischen Wert, aber die Grenzen beider Abteilungen fließen doch mannigfach durcheinander. Wir führen zur Bequemlichkeit des Lesers die hauptsächlich in Betracht kommenden Rassen nach Reihenfolge der Abbildungen auf.

1) Das englische Kampfhuhn, aus Südostasien stammend und schon seit langer Zeit sportmäßig und in England in mindestens zehn rezipierten Farbenschlägen gezüchtet und zum Kampfe vor- und zubereitet. Eine in Belgien u. Nordostfrankreich seit langem heimische Rasse weicht in plastischen und Farbenverhältnissen von der englischen nicht unbedeutend ab. Normannenhuhn (Poule de combat du Nord). Wirtschaftlich unbedeutend.

2) Malaien, wahrscheinlich Stammrasse der Kampfhühner und (nach Blyth) selber von der burmesischen Rasse des Bankiva abstammend. Die Malaien kennzeichnen sich durch ihre aufrechte, herausfordernde Haltung, welche durch den vorstehenden Augenbrauenknochen, das feurig-trotzige Auge und den hakenförmig gekrümmten Schnabel noch erhöht wird. Wirtschaftlich ohne Bedeutung.

3) Jokohamas, in Japan herausgezüchtet, wie so manche andre auffallende Rasse. In Figur, Haltung und Schwanzbildung des seit einigen Jahren ebenfalls aus Japan eingeführten prachtvollen Phönixhahns mit 6 Fuß langen, schleppenden Schwanzfedern. Beide sind Luxushühner.

4–6) Weiße, gelbe, schwarze Kochinchinas, nebst den Brahmaputras die Riesen der Hühnerwelt. Groß und kompakt gebaut, 8–11 (engl.) Pfd., junge Hühner 7–9 Pfd. schwer, geben sie reichliches, aber nur in der Jugend zartes Fleisch, sind auch gute Leger, Brüter und treue Führer der Jungen. Dasselbe gilt auch von den Brahmaputras oder kurzweg Brahmas genannt (Fig. 8). Beide werden (früher mehr als jetzt) zu Kreuzungen mit andern Rassen verwendet.

7) Bredas, eine belgische Rasse, in Deutschland Krähenschnabel genannt, ausgezeichnet durch Mangel des Kammes, an dessen Stelle eine mit roter Haut überzogene, bis fast zur Mitte des Schädels reichende, flache Vertiefung tritt. Schlechte Brüter, mittelmäßige Eierleger, liefern sie doch ein gutes Fleisch.

9) Crève-coeurs, nebst den Laflèches (Fig. 10) und Houdans (Fig. 12) die geschätztesten französischen Wirtschaftshühner, in Frankreich gute Leger meist großer Eier und vortreffliche Fleischlieferanten (Poularden etc.). In Deutschland zu Wirtschaftsrassen noch nicht genügend akklimatisiert. Dasselbe gilt von den Kreuzungen mit andern französischen Rassen. Die Crève-coeurs und Houdans (jene meist einfarbig schwarz, diese schwarz und weiß gefleckt) sind kompakte, kurzfüßige Gestalten, die Laflèches hochgestellt. Alle drei haben von denen der übrigen Hühnerrassen sehr verschiedene und auch unter sich abweichende Kämme: der des Crève besteht aus zwei fleischigen, roten, nach außen gebogenen „Hörnern“, während die Hörner des Laflèche fast lotrecht aufsteigen und der Kamm des Houdan einige Ähnlichkeit mit den Blättern eines geöffneten Buches aufweist. Von gleich wirtschaftlichem Wert ist das englische Dorkinghuhn (Fig. 11). Von noch kompakterm Wuchs als die französischen Rassen und ein Gewicht von 10–14 (zuweilen 15) engl. Pfd. (alte) und von 8–11 Pfd. (junge Hühner) erreichend, mit mächtigem einfachen oder Rosenkamm und kurzen, stämmigen Beinen, zeigen sie eine erbliche Neigung zur Fleisch- und Fettbildung, sind keine guten Leger, aber vortreffliche Brüter und Mütter. Für Deutschland noch nicht reif. Ihnen im Wert ziemlich nahestehend und härter sind zwei englisch-amerikanische Rassen, die Plymouth Rocks und die Dominics. Eine wahrscheinlich von Hamburg nach England eingeführte und dort Hamburghs genannte Rasse gehört zu den schönsten und typischen Hühnerrassen. Die Farbenschläge (Varietäten) der Gold- und Silbersprenkel sind von überraschender Sauberkeit der Zeichnung und übertreffen hierin nicht nur die Gold- und Silbertupfen (Gold- und Silberlack), sondern auch die gerühmten Sebright-Bantams, nicht aber die mindestens gleich regelmäßige, oft noch feinere mancher deutscher Landhühner, von denen sie vielleicht abstammen.

Italiener (Leghorns, Livorneser) und Spanier (Fig. 13, 14), welche man unter dem Namen Mittelmeerrassen zusammenfaßt, kommen einander, wenn nicht in der Figur etc., so doch in ihren wirtschaftlichen Eigenschaften als äußerst fruchtbare Leger großer Eier, gleich. Das beiden gemeinsame Kennzeichen ist der große, einfache, tief ausgezackte Kamm, welcher bei den Hähnen aufrecht steht, bei den Hühnern seitlich überhängt. Das italienische H., noch heute den Landhühnern der alten Römer gleichend, hat gelben Schnabel und gelbe Beine; bei den Spaniern sind beide dunkelfarbig. Aus der hübschen spanischen Urform (Tscherkessen) hat die Liebhaberei ein schweres Sporthuhn mit riesigen, häßlichen, weißen Ohrlappen gebildet. Beide Rassen kommen in verschiedenen Farbenschlägen vor.

Die Brabanter Rasse (Fig. 15) sowie die Paduaner (Polands, Fig. 16) und Holländer sind Vollhaubenhühner, von denen es gleichfalls viele Farbenschläge gibt, legen zwar ziemlich fleißig, aber die Eier sind klein, die Tiere wenig abgehärtet, die Aufzucht nicht ohne Schwierigkeit; ihr Hauptwert liegt (bei den Paduanern und Brabantern) in der Zartheit des Fleisches und übrigens in der Liebhaberei.

Die noch übrigen Rassen: das Strupphuhn (Fig. 17) und die eingangs genannten Spielarten, ferner die Zwerghühner und Bantams (von letztern gibt es eine Anzahl meist in Japan und England gezüchteter, sehr schöner Zierhühner, zum Teil in hübschen Farbenschlägen), haben kaum ein ernstes wirtschaftliches Interesse. Wir nennen deshalb die schönsten unter ihnen nur der Vollständigkeit halber. Am interessantesten sind wegen der Züchtungskunst die hennenschwänzigen (Hahn) Gold- und Silberbantams (Sebrights), dann die genauen zwerghaften Abbilder der Kämpfer, die Zwergform der Kochins und die prächtigen japanischen Bantams.

Schließlich sind noch die verschiedenen sogen. Landhühnerschläge und -Rassen anerkennend zu erwähnen. Drei der letztern, das Siebenbürger Nackthalshuhn, das Ramelsloher und das russische Bataschow-Huhn, wie es nach seinem Entdecker wohl genannt wird, sind interessante Erscheinungen. Einige Farbenschläge der Landhühner (Hahn und Henne) übertreffen selbst viele der Sportrassen an Farbenpracht und Zeichnung, zugleich aber auch an ökonomischem Wert, sowohl als fleißige Eierleger wie als Fleischhühner. Die steirischen Poularden geben in der That den französischen und italienischen nichts nach. [777] Durch geeignete Kreuzungen mit fruchtbaren italienischen und spanischen Rassen, auch mit den genannten untereinander (weiße Italiener mit weißen Minorcas z. B.) wird ein Material geschaffen, welches allen Anforderungen an ein dauerhaftes, leicht und billig zu erhaltendes, zu züchtendes und produktives Wirtschaftshuhn entspricht.

Produkte der Hühnerzucht.

Nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Produktion der Hauptrassen nach Zahl und Gewicht der Eier und Schwere der Hennen und Hühner und zwar die maximalen des bis jetzt Erreichten, welche den Höhepunkt der Legekraft, das dritte Lebensjahr, bezeichnen. Die dritte Kolumne bezeichnet die schätzbare Eigenschaft des Spätherbst- und Winterlegens (+ bedeutet gute Winterleger).

  Eier Win­ter­leger Hahn Henne Junge Gute Brü­ter
An­zahl bis Ge­wicht bis Kil.
Gewicht bis Kilogr.
Brahma 210 80 + 7,3 5,9 5,0 +
Kochin 170 80 + 6,0 5,0 5,0 +
Houdan 190 85   4,1 3,2 3,2  
Laflèche 180 80   4,2 2,8 2,6  
Crève-coeur 180 90   3,9 3,0 2,9  
Spanier 190 85 + 3,2 2,7 2,4  
Italiener 200 80 + 3,2 2,3 2,0  
Plymouth 180 80 + 5,5 3,6 5,0 +
Paduaner 120 65   3,2 2,2 2,0  
Hamburgh 190 60   2,3 2,0 1,9  
Landhuhn 190 65 + 2,8 2,1 2,0 +

Folgende Tabelle zeigt die vom Geflügelzuchtverein zu Großschönau erhaltenen Resultate über die Beschaffenheit der Eier verschiedener Rassen:

Rasse des Huhns Gew. des Gewicht von
ro­hen Eies ge­koch­ten Eies Eiweiß Dotter Schale
des gekochten Eies
  g g g Proz. g Proz. g Proz.
Kampfbantam 30 28 15 53,6 10 35,7 3 10,7
Silberbantam 30 30 17 57,7 10 33,3 3 10,0
Jokohama 35 35 19 54,4 12 34,2 4 11,4
Perlhühner 39 39 22 66,4 12 30,8 5 12,8
Hamb. Goldsprenkel 44 43 24 55,9 14 32,5 5 11,6
Hamburg. Silberlack 44 45 27,5 62,0 13 29,0 4 9,0
Kaulhühner 48 48 25 52,1 18 37,5 5 10,4
Silberbrabanter 49 49 25 51,0 19 38,8 5 10,2
Breda, scheckig 52 50 30 60,0 15 30,0 5 10,0
Courtes Pattes 52 51 30 58,8 15 29,4 6 11,8
Italiener, kuckuck­farbig 54 54 30 55,6 18 33,3 6 11,1
Crève-coeur 55 55 32 48,2 17 30,9 6 10,9
Kochin 55 56 36 64,3 15 26,8 5 8,9
Paduaner, kuckuck­gesperbert 57 56 34 60,7 16 28,6 6 10,7
Goldbrabanter 58 58 32 55,2 20,5 35,3 5,5 9,5
Brahma 58 59 33 55,8 20 34,0 6 10,2
Italiener, gelb 60 59 38 62,9 15 25,2 7 11,9
Houdan 60 60 35 58,3 19 31,7 6 10,0
Laflèche 62 59 35 59,3 18 30,5 6 10,2
Breda, schwarz 62 61 39 64,0 16 26,2 6 9,8
Dorking 65 64 40 62,5 18 28,1 6 9,4
Paduaner, chamois 65 65 41 63,1 17 26,1 7 10,8
Spanier 67 66 42 63,6 18 27,3 6 9,1
Breda, blau 68 68 41 60,3 20 29,4 7 10,3
Bergische Kräher 72 72 43 59,7 22 30,6 7 9,7

Je größer die Brütlust, desto weniger legen die Hühner. Jene ist indes nicht bei allen Individuen gleich groß und kann ebenso wie die Fruchtbarkeit durch die züchtende Hand gefördert werden. Dies gilt auch von der Eigenschaft des Winterlegens, welche durch Frühbruten gesteigert wird. Das Fleischgewicht der Jungen bezieht sich auf 5–6 Monate alte Hühner. Bei der Auswahl einer Rasse hat man vom wirtschaftlichen Standpunkt aus auch auf die Anpassungsfähigkeit an die klimatischen Verhältnisse, auf den Preis des Futterbedarfs und überhaupt der Ernährung und, wenn man selbst züchten will, auch auf gute Brüterinnen und Führerinnen und Leichtigkeit der Aufzucht Rücksicht zu nehmen. Da die besten Legehühner der Natur der Sache nach wenig oder gar nicht brüten, so ist es vorteilhaft, das Brutgeschäft einer geeigneten Mutter zu übertragen. Es sind seit einer Reihe von Jahren sehr verschiedene Rassen als „wirtschaftliche Zukunftshühner“ angepriesen worden. Als die für Deutschland gewinnbringendsten scheinen sich indes die Italiener und noch mehr deren Kreuzungen mit einigen Schlägen der spanischen Rasse, besonders der Minorcas, bewährt zu haben, ebenso Kreuzungen beider Rassen mit starken Landhühnern.

Hühnerstall. Ernährung. Krankheiten.

Der Hühnerstall, wie einfach er sonst auch hergerichtet sein mag, muß möglichst warm, zugfrei, genügend groß und leicht zu reinigen sein. Peinliche Reinigung und Reinlichkeit ist die sicherste Vorbeuge gegen Krankheiten, welche öfters seuchenhaft auftreten, und trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Insassen bei, besonders im Winter, wo die Tiere mehr auf ihren Stall angewiesen sind. Südliche Lage ist vorzuziehen und dann Thür und Fenster auf der Südseite anzubringen, letzteres, innen vergittert, den Sommer hindurch Tag und Nacht offen zu halten. Die Sitzstangen sind mindestens 45 cm weit voneinander und 50 cm von der Wand entfernt, 60 cm hoch über dem Boden und liegen in Ausschnitten, um abgenommen und wie jene gründlich gereinigt werden zu können. Sie dürfen weder zu schwach noch zu stark sein, so daß die Tiere sie mit ihren Zehen umfassen, und nicht zu glatt, damit sie sich darauf festhalten können. Der Boden wird mit Sand, trockner, mit Asche vermischter Erde, kurzem Stroh, Fichtennadeln u. dgl. bestreut. In einer Ecke ein mit Asche gemischter Sand- oder Erdhaufe zum Trockenbad der Hühner. Eine Verbindung mit dem Viehstall sorgt im Winter für Wärme und reizt zum Legen. Gegen Parasiten helfen regelmäßiges und genaues Reinigen, Besprengen und Bestäuben mit gelöschtem Kalk, Insektenpulver u. dgl. Legekörbe oder Legekasten werden an den Wänden oder am Boden angebracht und mit Gerstenstroh ausgelegt.

Die Nahrung der Hühner ist teils animalischer, teils vegetabilischer Art. Allerlei Insekten und deren Eier und Larven, besonders die der größern Fliegenarten, Würmer, kalt- und warmblütige Wirbeltiere, welche sie zerstückeln oder verschlingen können, rohes, gekochtes und gebratenes Fleisch machen jene aus. An Vegetabilien verzehren sie verschiedene Grünpflanzen, Blätter, Blüten, Samen, besonders Cerealien aller Art. Dies alles in der Freiheit auf Wiesen, Äckern, im Hof, in Wald und Garten. Eifrig sind sie vornehmlich auf den Düngerstätten im Hervorscharren der verschiedenen Larven, in deren Aufsuchen sie bald ihre Jungen unterrichten. In der warmen Jahreszeit finden sie bei freiem Auslauf so viel und vielerlei Nahrung, daß sie höchstens am Abend noch eines Futters bedürfen, kaum des Morgens. In eingefenzten Räumen aber, wie auch im Winter, gibt man ihnen drei Mahlzeiten täglich, zweimal Körner und einmal Weichfutter, dazu stets, solange es möglich, Grünfutter: zartes Gras, Blätter der Latticharten, [778] Kohlarten und Ähnliches. Als Körnerfutter steht obenan die Gerste; dann folgen Weizen, Buchweizen, Hafer, teils gequellt oder gekocht, teils, namentlich der Hafer, mit gebrühter Gersten- oder Weizenkleie vermischt. Als alleiniges Weichfutter sind gekochte und etwas gesalzene Kartoffeln, mit Kleien vermischt und gemengt, im Winter lauwarm, aber nicht heiß, zu empfehlen. Abwechselung im Körnerfutter, jedoch jede Getreideart für sich allein! Schwarz- und Weißbrot, trocken oder in Wasser, Milch etc. geweicht, ist besonders im Winter wohlthätig. Niemals soll man mehr vorwerfen, als die Hühner eben in einer Mahlzeit verzehren können. Während des Brütens füttert man Gerste, allenfalls etwas Brot und Grünes. Auch für verwitterten Kalk, Mörtel, gestoßene Eischalen und Kies muß man sorgen. Den Küchlein gibt man zunächst Buchweizengrütze, Ameisenpuppen, Maden, wenn man solche haben kann; dann ein Gemenge aus hart gekochten, geriebenen Eiern und Brot, dem man fein geschnittenes zartes Gras beimischen mag; später Hirse, kleinen Weizen, gekochten Buchweizen u. dgl.

Von kleinern und mittelgroßen Rassen gibt man einem Hahn 8–10 Hennen, von größern aber nur 3–5. Um Winterleger oder frühreife Junge zu erhalten, setzt man die Hennen frühzeitig im März, legt aber nicht gern die ersten Gelege unter, wenn man mehr Hühnchen als Hähnchen zu erzielen wünscht. Bei solchen Rassen, welche nicht gern oder gar nicht brüten mögen, muß man für brütlustige Hennen, z. B. Brahmas, sorgen. Das Brüten mittels Brutmaschinen ist mindestens bei kleinen Beständen nicht empfehlenswert. Einer mittelgroßen Henne legt man 11–13, einer großen 15 und 16 Eier unter. Die Brutzeit dauert meist 21 Tage, je nach der Temperatur einen oder ein paar Tage länger, selten einen Tag weniger. Die Hauptsache bei der Aufzucht (die Ernährung der Küchlein) ist bereits besprochen. Es ist nur noch hinzuzufügen, daß für stets rein gehaltenes Wasser oder Milch zu sorgen ist. Sonst ist noch zu beachten, daß die Küchlein vor Kälte und Nässe, vor Zugwind, aber auch vor allzu starker Sonnenglut zu wahren sind; alles übrige besorgt die Gluckhenne, wenigstens 6 Wochen lang.

Die Hühner sind mancherlei Krankheiten ausgesetzt, deren Ursachen hauptsächlich in Überfüllung der Stallungen und deren mangelhafter Beschaffenheit und Haltung, verdorbenem Körner- und Weichfutter, schlechtem Trinkwasser etc. zu suchen sind. Wer die vorher angegebenen Winke und Vorschriften über Stallungen und Ernährung, vor allen Dingen über öftere Reinigung der erstern und sämtlicher Gefäße befolgt und seine Hühner stets beobachtet, wird wenig über größere Verluste zu klagen haben. Vorbeuge und Aufmerksamkeit verhindern den Ausbruch der meisten Krankheiten, mindestens die Weiterverbreitung der seuchenartigen, welche zuweilen ganze Bestände wegraffen. Die wichtigsten Krankheiten des Huhns sind: 1) durch Eingeweidewürmer bedingte Affektionen (Bandwürmer, Saugwürmer und Rundwürmer); 2) durch tierische Parasiten verursachte Hautkrankheiten (Krätzmilben, Balgmilben, Vogelmilben, Federmilben und Flöhe); 3) Infektionskrankheiten (Hühnercholera, kruppös-diphtheritische Schleimhautentzündung, infektiöse Herzentzündung, Aphthenseuche, Tuberkulose, Soor und Pneumonomykose); 4) flechtenartige Hautkrankheiten (Grind oder Favus und Sporenflechte); 5) Vergiftungen (durch metallische Substanzen, durch Schierling, bittere Mandeln, grüne Kartoffeln und durch Pilze, resp. verdorbenes Futter; 6) Organkrankheiten (Unverdaulichkeit, Gelbsucht, Gicht, Rhachitis, Tumoren und Frostbeulen).

Nutzen der Hühnerzucht. Geschichtliches etc.

Um die jungen Hähne erfolgreich zu mästen und ein feineres Fleisch zu erzielen, pflegte man sie zu kastrieren. Die sogen. Kapaune zeichnen sich in der That durch große Mastfähigkeit aus und wurden mit größtem Erfolg in Le Mans erzielt. Gegenwärtig ist man aber von diesem Verfahren mehr und mehr zurückgekommen und zieht vor, junge unverschnittene Hähne, die aber noch nicht mit Hennen in Berührung gekommen sein dürfen, zu mästen. Unter der Benennung Poularden sind junge Hennen zu verstehen, welche, ohne irgend eine Operation erduldet zu haben, im Herbst eingesperrt und auf verschiedene Weise gemästet werden. – Die Meinungen und Urteile über den Nutzen der Hühnerzucht sind geteilt. Einige Ökonomen sehen das Halten der Hühner als etwas sehr Vorteilhaftes an und stellen sehr günstige Berechnungen des ansehnlichen Gewinnes, den ein Landwirt daraus ziehen könne, auf. Andre aber leugnen den Nutzen derselben und raten den Landwirten, nicht mehr Hühner zu halten, als sie zu ihrer eignen Haushaltung nötig haben. So viel ist gewiß, daß man die Hühnerzucht mit größerm Vorteil treibt, wenn die Hühner den größten Teil des Jahrs hindurch das, was sie zur Nahrung bedürfen, auf dem Wirtschaftshof, auf den Miststätten, vor den Ställen und Scheunen selbst auffinden, ohne daß sie besonders gefüttert werden müssen. Doch auch, wenn die Hühner das ganze Jahr hindurch besonders gefüttert werden müssen, wirft ihre Zucht noch einigen Gewinn ab. Der Hauptnutzen, den die Hühner gewähren, besteht in ihrem Fleisch und in den Eiern. In Frankreich, wo die Hühnerzucht sehr ausgebildet ist, züchtet man unter Berücksichtigung der Forderungen des Marktes verschiedene Rassen und auf verschiedene Weise für die Fleisch- und für die Eierproduktion. Die Hühnerfedern werden manchmal benutzt, um Betten damit zu füllen; sie müssen indes vor dem Gebrauch recht trocken werden, weil sie sonst unangenehm riechen. Die langen Schwanzfedern werden gefärbt und ungefärbt zu Federbüschen, Kehrbesen und Wedeln gebraucht und die langen Hals- und Bürzelfedern zu Muffen. Der Hühnermist entspricht als Düngung dem Taubenmist, obgleich er nicht so hitzig ist, wirkt auf das Wachstum der Pflanzen schnell und reizend, doch nicht nachhaltig; für Spargelbeete sowie zur Wiesen- und Kleedüngung ist er sehr nutzbar.

Die Domestikation der Stammeltern des Huhns scheint bis zur Kultur menschlicher Seßhaftigkeit hinaufzureichen. Vom östlichen Asien aus schritt sie nach Westen vor, wohl zuerst nach Ägypten, dann durch Kleinasien nach Griechenland, Rom und nach dem übrigen Europa. Hier war zuerst eine aus Ägypten oder Kleinasien überkommene Rasse verbreitet, welche mit unserm gegenwärtigen Landhuhn nahezu übereinstimmt. Man besaß aber auch schon vor 2000 Jahren auf der durch ihre Hühnerzucht berühmten Insel Delos eine Rasse, welche man zum Kampf abrichtete, und die indischen oder malaiischen Ursprungs gewesen zu sein scheint. Beide Rassen, vornehmlich die erstere, wurden jahrhundertelang in Süd- und Mitteleuropa weiter gezüchtet, ohne zu bemerkenswerten Rassenbildungen zu führen, und erst seit der Einführung älterer, im Südosten Indiens ausgebildeter Rassen und ganz besonders seit dem Import des riesigen Kochinchinahuhns nach England, im J. 1843, bekam die Hühnerzucht in Europa [779] und Nordamerika von England aus einen mächtigen Impuls. Geflügelzüchtervereine (der erste in Deutschland 1852 zu Görlitz von Öttel gegründet), deren Anzahl in Deutschland sich jetzt auf nahezu 700 belaufen mag, Klubs für besondere Rassen, Ausstellungen mit Prämiierungen und Verlosungen, kurz der ganze Apparat des Sports hat sich seit etwa 20 Jahren der englischen und deutschen Geflügelzucht bemächtigt, nicht immer zu Nutz und Frommen der angestrebten Veredelung und Verbreitung der für die Volkswirtschaft so hochwichtigen Hühnerzucht.

Die Hahnenkämpfe (Alektryomachien) waren schon im Altertum gebräuchlich. In Athen wurden solche jährlich veranstaltet in der Erinnerung daran, daß die Athener aus dem Anblick zweier kämpfender Hähne eine gute Vorbedeutung für ihren Widerstand gegen die Perser genommen hatten. Auch in andern Städten Griechenlands, Kleinasiens und Siziliens, besonders aber in Rom waren Hahnenkämpfe beliebt. Man machte die Tiere durch Reizmittel kampflustig und versah sie mit eisernen Sporen. Die christliche Kirche eiferte gegen dies Vergnügen, aber durch das ganze Mittelalter und bis in die neueste Zeit waren Hahnenkämpfe in England, den Niederlanden, Italien, Deutschland wie auch in Zentralamerika, in Ostindien und China beliebt. In England wurden die Hahnenkämpfe systematisch geregelt, namentlich unter Heinrich VIII. und Karl II., und ersterer veranstaltete das erste große nationale Hahnengefecht in Westminster, das sich seitdem in dem Royal cockpit erhielt. In neuerer Zeit wurden die Hahnenkämpfe in England gesetzlich verboten, doch finden sie im geheimen noch immer statt.

In der Mythologie nahm der Hahn als besonders wachsames Tier eine vorzügliche Stelle ein. Er war als stets kampffertig dem Ares heilig, und sein Krähen wurde, besonders in Beziehung auf Krieg, für weissagend und siegverkündend gehalten. Zugleich war er aber auch dem Apollon (als Sonnengott), der Athene (als Zeichen der Wachsamkeit), dem Asklepios, dem Hermes, auch der Nacht und den Laren geweiht. Die Griechen opferten, von einer Krankheit genesen, dem Asklepios einen Hahn. Merkwürdig sind die heiligen Hühner (pulli) der Römer, die in einem Verschlag von dem Pullarius behufs der Vornahme der Auspizien (Alektryomantie) gepflegt wurden. Man zog einen Kreis, schrieb die Buchstaben des Alphabets in denselben, legte auf jeden ein Korn und ließ den hineingesetzten Hahn fressen. Die Buchstaben, von denen das Korn weggefressen wurde, stellte man zu der Antwort zusammen. Wegen seiner Verliebtheit erscheint der Hahn in den indischen Mythen als Begünstiger der Liebeshändel. Dieselbe Rolle spielte er bei den Griechen, und bei den Vermählungsfesten der alten Römer bezeichnete er den Bräutigam. Noch heutigestags weist das Sprichwort: „Hahn im Korbe sein“ auf diese Spur. In Rußland führt man einen Hahn in einen Kreis junger Mädchen, von denen jede ein Haferkorn vor sich liegen hat. Diejenige, deren Korn er zuerst aufpickt, hofft sich zuerst zu verheiraten.

Bei den Persern gilt der Hahn als das tröstende Bild der Auferstehung aus der Todesnacht, und auf manchen Abraxasgemmen figuriert er als Hinweis auf die Sonne, wie er ja den Aufgang der Sonne oder den Anbruch des Tags anzuzeigen pflegt (s. Abraxas). Die Brahmanen verboten den Genuß seines Fleisches als unrein. Bei den Juden vertritt er die Stelle des Sündenbocks am Vorabend des Versöhnungsfestes. Im christlichen Volksglauben verscheucht der Hahnruf die bösen Geister (Havelot), weil dem Hahn selbst ein dämonischer Charakter zugeschrieben wurde. Die Völuspa (s. Edda) weist ihm neben dem Höllenhund Garmor seinen Platz in Helheim an, und noch im heutigen Volksglauben ist der Teufel an der Hahnenfeder kenntlich („Faust“). Der Talmud gibt den Nachtgeistern Hahnenfüße. Die kriegerischen Gallier, welche wie die Römer den Mars zum Landesgott erwählten, haben mit demselben auch den Hahn in den Kauf genommen und ihn mit Anspielung auf ihren Namen zum Nationalzeichen gemacht. Bei den Böhmen erscheint der Hahn als Gesellschafter des später in den heil. Vitus umgetauften Sonnen- und Feuergottes Swantewit. Daher das Sprichwort vom „roten Hahn“ (Feuersbrunst). Auf dem Kirchturm erscheint der Hahn als Symbol der Wachsamkeit, auch als Wetterprophet. Seit dem 15. Jahrh. gehört der Hahnenkamm zum Narrenputz, die Narren erhielten einen ausgezackten Streifen roten Tuches, und daher heißt noch heute bei den Engländern ein Narr oder Geck coxcomb. Übrigens stammt der Hahnenkamm auf der Narrenkappe wohl noch aus dem klassischen Altertum (vgl. Lukianos in den „Lapithen“), ein rechter Lustigmacher sollte Keckheit und Streitlust besitzen wie ein Hahn.

Vgl. Temminck, Histoire naturelle générale des Gallinacées (Amsterd. 1815, 3 Bde.); Fitzinger, Arten und Rassen der Hühner (Wien 1877); Drechsler, Die Zuchthühner (3. Aufl., Dresd. 1857); Wegener, Hühnerbuch (Leipz. 1861); Öttel, Der Hühner- oder Geflügelhof (7. Aufl., Weim. 1886); Schlitte, Anleitung zur Fleisch- und Fettproduktion unsers Hausgeflügels (Nordh. 1868); Fries, Die Geflügelzucht in ihrem ganzen Umfang (3. Aufl., Stuttg. 1883); Pribyl, Geflügelzucht (2. Aufl., Berl. 1884); Baldamus, Illustriertes Handbuch der Federviehzucht (2. Aufl., Dresd. 1881, 2 Bde.); Derselbe, Das Hausgeflügel (das. 1882); Völschau, Illustriertes Hühnerbuch (Hamb. 1884); Bungartz, Handbuch zur Beurteilung der Rassen des Haushuhns (Leipz. 1884); Dürigen, Geflügelzucht (Berl. 1885); Klasen, Die Federviehställe (Leipz. 1879); Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels (Weim. 1882); Tegetmeier, Poultry book (neue Ausg., Lond. 1872); Piper, The poultry guide (4. Aufl. 1877); Arbuthnot, The henwife in her poultry yard (neue Ausg. 1879); Wright, Practical poultry-keeper (20. Aufl. 1885; deutsch, Münch. 1880); Derselbe, Illustrated book of poultry (neue Ausg. 1885). Zeitschriften: „Blätter für Geflügelzucht. Zentralorgan sämtlicher deutscher Geflügelzüchtervereine“ (Dresden); „Pfälzische Geflügelzeitung“ (Kaiserslautern); „Der praktische Geflügelzüchter“ (Hannover); „Schleswig-Holsteinische Blätter für Geflügelzucht“ (Kiel).


[434] Huhn. Zu den früher angeführten Rassen kommen noch einige neuere, von denen die Lang-shan- und Orpingtonhühner die wirtschaftlich wichtigsten sind. Die Lang-shan haben ihren Namen von dem Lang-shan-Gebirge im NO. von China; die andern von der Stadt Orpington, wo sie von W. Cook 1887 aus glattbeinigen Lang-shans, Plymouths und Minorkas gezüchtet wurden. Über beide Rassen ist in den Geflügelblättern viel hin und her gestritten worden. Die Lang-shans gehören zu den großen asiatischen Rassen und haben manche Ähnlichkeit mit Kochins, besonders mit den schwarzen Schlägen, mit denen man sie in England mehrfach gekreuzt hat. Die rauhbeinigen Kreuzungsprodukte (Kochin-Lang-shans) gelten für wirtschaftlich geringer, die echten werden, als Zier- und Wirtschaftsgeflügel, als sehr gut bezeichnet. Das Fleisch wird als sehr saftig und wohlschmeckend, die Haut als zart und weiß, der Knochenbau als fein gepriesen. (Jahn.) Die Stammfarbe ist schwarz, weitere Farbenschläge sind weiß, braun und blau. Letztere sollen mehr und größere Eier legen als die schwarzen. (Maar.) Der Typus der Orpingtons soll die Mitte halten zwischen Dorking und schwarzen Hamburgs (Kreuzungsprodukt). Trotz des englischen Standard soll die Rassencharakteristik weniger in äußern Merkmalen als in der Qualität ihrer sonstigen hervorragenden Eigenschaften zu suchen sein. Als solche werden außerordentliche Fruchtbarkeit, Schwere und Mastfähigkeit gerühmt. Die Farbe ist ein glänzendes Schwarz, andre Farbenschläge sind noch nicht bekannt. Eine gleichfalls vielbesprochene neuere Rasse, deren Konstanz aber noch zu erweisen sein dürfte, sind die amerikanischen Wyandottes (Name eines nordamerikanischen Indianerstammes), die als Zierhühner wie als Wirtschaftshühner sehr geschätzt werden. Färbung und Zeichnung brillant weiß und schwarz; als Eierproduzenten zwar mittelmäßig, aber ausnahmslos vorzügliche Brüter, von großer Widerstandsfähigkeit bei der Aufzucht. In Amerika hat man neben dem schönen Stammschlag auch rein weiße, schwarze und Gold-Wyandottes. Als neuestes Sporthuhn wurde kürzlich, gleichfalls aus Nordamerika, das schwarze Javahuhn eingeführt (Karl Huthe, Frankfurt a. M.). Näheres ist noch nicht bekannt. Perlen des ungarischen Tieflandes ist die Reklamespitzmarke gewöhnlicher ungarischer Landhühner, deren Fruchtbarkeit von der Billigkeit ihres Preises jedenfalls noch überholt werden dürfte.

[435] Nutzen der Hühnerzucht. Trotz oder vielleicht wegen der großen Anzahl von Geflügelzuchtvereinen in Deutschland (und England) wird der Konsum von Eiern und Mastgeflügel durch eigne Produktion längst nicht gedeckt. Nach statistischen Erhebungen des deutschen landwirtschaftlichen Ministeriums überstieg in den 3 Jahren 1881–83 die Einfuhr von Geflügel und Eiern die Ausfuhr um nicht weniger als 447,088 Doppelzentner; es gehen demnach immer noch durchschnittlich 2,5 Mill. Mk. jährlich ins Ausland. Nur eine gründliche Reform des Vereinswesens, die Trennung des Sportes von den landwirtschaftlichen und nationalökonomischen Zwecken dienenden Vereinen, wie sie zum Teil sich bereits vollzogen hat, und die alleinige Zuwendung staatlicher Beihilfe an die letztgenannten Vereine (Geldprämien etc.) dürften ein rascheres Tempo in die Hebung der deutschen Geflügelzucht und damit einen nicht unbedeutenden Nationalgewinn herbeiführen. Auch die allgemeine Einführung des Eierverkaufs nach Gewicht wird voraussichtlich einigen Einfluß auf die Hebung des landwirtschaftlichen Betriebs der Hühnerzucht üben: überall, wo man ihn bisher eingeführt, hat er sich fördernd gezeigt.