MKL1888:Kapland

[487] Kapland (Kapkolonie, hierzu Karte „Südafrika“), brit. Kolonie, umfaßt den südlichsten Teil von Afrika und wird im W., S. und O. vom Meer, dem Atlantischen und Indischen Ozean, umgeben; Grenzländer im N. sind Lüderitzland, Groß-Namaqualand, das Gebiet der Betschuanen, Transvaal, die Oranjerepublik und Natal. Die Kapkolonie besteht aus folgenden im Lauf der Zeit erworbenen Ländern (s. unten):

  QKilom. QMeil. Bevölkerung
1885
darunter
Weiße
Kapkolonie 516855 9387 914000 328000
Dependenzen:        
Walfischbai 1243 23 800  
Transkai 6565 119 119552 820
Tembuland 10502 191 122638 8320
Ostgriqualand 19373 352 96180 3066
Kapkolonie: 554538 10072 1253170 340186

In nicht politischem Zusammenhang mit der Kapkolonie stehen die angrenzenden direkt von der britischen Krone durch den Gouverneur der Kapkolonie verwalteten Protektorate:

  QKilom. QMeil. Einw.
Basutoland 26655 484 128176
Betschuanenland 477835 8678 478000
Pondoland 9324 169 150000

Vom Betschuanenland, das vom 20.° östl. L. bis zur Grenze von Transvaal und von der Nordgrenze der Kapkolonie bis zum 22.° südl. Br. reicht und zum größten Teil von der Kalahariwüste eingenommen wird, stehen indes nur 120,430 qkm (2187 QM.) unter britischer Verwaltung, der Rest ist reserviert.

[Bodengestaltung und Gewässer.] Die atlantische Küste ist meist niedrig und sandig, die vom Indischen Ozean bespülte dagegen ist felsig und steigt kühn vom Meer auf. Die meisten Baien und Küsteneinschnitte sind ungenügend geschützt, nur die wenig besuchte Saldanhabai an der atlantischen Küste bietet Schiffen zu jeder Jahreszeit eine sichere Zuflucht. Hier sind noch zu nennen: Port Nolloth im N., der Endpunkt einer Eisenbahn von den Kupferminen von Namaqualand, die große, ganz offene St. Helenabai und die Tafelbai, der Hafen der Kapstadt, früher sehr übel berufen, jetzt aber durch großartige Hafendämme gesichert; dann folgen an der Südküste die durch die Halbinsel des Kaps der Guten Hoffnung gebildete Falsebai mit der wohlgeschützten Simonsbai, Station der britischen Marine, ferner Mosselbai, die Knysnamündung, die Algoabai mit Port Elizabeth, dem verkehrsreichsten Hafen der Kolonie, der aber ebenso wie Port Alfred und die Mündung des Buffalo, der Hafen von East London, erst durch kostspielige Arbeiten gesichert werden mußte.

Das K. steigt terrassenförmig vom Meer auf. Diese Terrassenbildung ist schon im Meer in der sogen. Nadelbank erkennbar, die vom Kap her bis Port Natal die Küste umsäumt. Auf dem Land erhebt sich die erste Terrasse in 60–300 m Meereshöhe in verschiedener Ausdehnung. Am breitesten (110 km) ist sie im NW.; südwärts nimmt ihre Breite ab, und um die Kapstadt beträgt sie kaum 15 km. Auf dem Südrand des Kaplandes erscheint die niedrige Küstenzone wieder, die namentlich an der Mossel- und Falsebai durch mehrere an die Küste tretende Gebirgsmassen unterbrochen wird, die hier als 60–900 m hohe Felswände

[Beilage]

[Ξ]

SÜD-AFRIKA.
Maßstab 1 : 10 000 000.
[Nebenkarte:] SÜDWESTDEUTSCHLAND im Maßstab der Hauptkarte.
[Datumsangabe:] VI. 89.

[488] am Meer stehen. Ostwärts, bei Grahamstown, steigt der Küstenstrich bis zu 300 m an. Nördlich und östlich von dem niedrigen Küstenstrich erhebt sich mit mauerförmig ansteigenden Wänden bis zu 900 m absoluter Höhe eine zweite Terrasse, deren oberer Rand mit Höhenzügen besetzt ist, von denen die am Südrand die Großen Schwarzen Berge (Groote Zwarteberge) heißen. Von dem westlichen Beginn derselben zweigt sich ein langer Bergzug in östlicher Richtung ab, die Kleinen Schwarzen Berge (Kleene Zwarteberge). Durch diese Gebirge, welche stufenartig von S. nach N. aufsteigen und zum Teil pralle Wände darbieten, kann man nur mittels enger, schluchtenartiger Querthäler (Kloofs, „Klüfte“) gelangen. Die Ebene der zweiten Terrasse erstreckt sich nördlich von denselben in ca. 150 km Breite und 520–600 km Länge von W. gegen O., etwa in 900 m Meereshöhe, die jedoch im westlichen Teil bis 1500 m sich erhebt. Man nennt diese große Terrassenebene Karroo, was in der Hottentotensprache „hart“ heißt; sie besteht aus rotem, eisenhaltigem Thon, der in der heißen und trocknen Jahreszeit so hart wie gebrannter Ziegelstein wird. Während der Regenzeit verändert sich aber die Karroo gewöhnlich sehr bald in ein schönes Blumen- und Grasmeer, voll von saftigen, alkalireichen Gewächsen, welches während dieser Zeit (etwa drei Monate) als vortreffliches Weideland benutzt wird. An den wenigen Punkten, wo die Terrassenebene beständig fließende Quellen hat, haben sich Oasen mit einer seßhaften ackerbauenden Bevölkerung gebildet. Die dritte Terrasse begrenzend, zieht sich nördlich von der Karroo eine Reihe von Tafelgebirgen hin, welche im wesentlichen von O. nach W. verlaufen. Es sind dies die Roggeveldberge (mit dem 1600 m hohen Komsberg), die Winterberge, die Schneeberge nördlich von Graaff-Reynet (mit dem 2600 m hohen Kompaßberg), an welche sich, nordöstlich verlaufend, die Zuur- und Stormberge anschließen. Die Oberfläche der dritten oder Garipterrasse besteht fast durchweg aus weiten Flächen, aus denen sich einzelne Bergreihen und zahlreiche isolierte Kuppen erheben. Wenige Flüsse nur beleben hin und wieder für wenige Monate im Jahr diese öden, wasserlosen und menschenleeren Distrikte. Was den geologischen Charakter des Kaplandes betrifft, so besteht im W. und in Namaqualand bis zum Olifantfluß im S. der Boden aus Gneis und Schiefer, die an vielen Stellen von neuern Bildungen überdeckt sind; im südlichen Teil dieser Region tritt der darunterliegende Granit zu Tage. Südlich vom Olifantfluß ist letzterer dagegen ganz bedeckt und wird nur an wenigen Stellen sichtbar. Die Kamiesberge bestehen fast nur aus Granit und Gneis. Der Gneis des Namaqualandes führt nicht selten Kupfer und andre Metalle. Die Grundlage des Tafelbergs und des Landes bis zum Olifantfluß bilden sehr geneigte Thonschieferschichten, welche auf Granit liegen, der sie häufig durchdrungen hat. Alle genannten Schichten überlagert an verschiedenen Stellen eine harte Quarzmasse, oben im allgemeinen horizontal liegend, wie auf dem Tafelberg.

Das K. gehört in seinem größten Teil zu den wasserarmen Strichen des afrikanischen Kontinents; nur die östlichern Distrikte sind reicher an Quellen und größern fließenden Gewässern. Dazu bringt die außerordentliche Hitze während mehrerer Monate des Jahrs die Quellen, deren Bildung schon durch den auffallenden Mangel hoher Gebirgszüge des Kontinents außerordentlich erschwert wird, größtenteils zum Versiegen. Die Bäche und Flüsse enthalten meist nur Regenwasser und verschwinden in der trocknen Epoche, während sie in der nassen in der kürzesten Zeit zu einer enormen Höhe anschwellen. Der einzige perennierende und zugleich der bedeutendste Fluß des Kaplandes ist der Oranje oder Kai Garip. Er entsteht aus mehreren großen Quellströmen, die in Transvaal, der Oranjerepublik und dem Basutoland liegen. Nächst ihm ist der Große Fischfluß des östlichen Kaplandes zu nennen, der jedoch nicht perennierend ist. Zu den namhaftesten Küstenflüssen, die in der trocknen Jahreszeit meist versiegen, gehören im W. der Olifant und der Buffalo, im S. der Breedo, Gauritz, Gamtoos und Zondag, im O. der Große Kai und der Umzimkulu. Seen gibt es nicht, nur flache Pfuhle, Vleis, die, wo der Boden nicht salzig ist, im Sommer mit saftigem Grase sich bedecken. Auf den beiden innern Terrassen treten mit Kochsalz, Bittersalz und Schwefelwasserstoffgas geschwängerte kalte Quellen, zu Caledon und Uitenhage einige Thermen, teils schwefel-, eisen- und manganreiche, teils alkalische, zu Tage.

[Klima. Pflanzen- und Tierwelt.] Das Klima ist infolge der großen Ausdehnung und mannigfaltigen Konfiguration des Landes in den einzelnen Teilen sehr verschieden, im allgemeinen zeichnet es sich durch große Trockenheit und Gesundheit aus; in den niedrigen Strichen der Westküste sind indes Fieber nicht ungewöhnlich. Die Niederschläge sind im O. häufiger, nehmen aber, aufgehalten durch scharf abfallende Höhenzüge, nach W. mehr und mehr ab. Das feuchtere Land bildet im S. und SW. einen schmalen Gürtel, der sich nach NO. immer mehr verbreitert. Das Innere ist überaus trocken, völlig dürr aber Namaqualand. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist in Kapstadt 13,47° R. (Sommer 16,97°, Winter 10,48° R.); im Innern sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter weit größer und überall der schnelle Wechsel der Tagestemperatur sehr bedeutend. Schnee tritt nur in hochgelegenen Gegenden auf, in Kapstadt hat man den Tafelberg nur einmal mit Schnee bedeckt gesehen. In den Hochländern ist die Wirkung der Schneestürme auf die organische Natur eine sehr feindliche. Gewitter treten in den Hochsteppen mit außerordentlicher Heftigkeit auf. Stürme, von NW. im Winter, von SO. im Sommer kommend, sind sehr häufig und nicht selten verheerend.

Die Vegetation des Kaplandes ist eine sehr artenreiche und in den hinlänglich mit Wasser versehenen Distrikten eine strotzende und kräftige. Wälder finden sich nur in den Küstengebieten, welche von den höher liegenden Ebenen des Innern mit reichlichem Wasser versorgt werden. Sie beginnen 300 km östlich vom Kap in den Outeniquabergen und ziehen von dort, günstigen Örtlichkeiten folgend, in den Georgedistrikt und von da in den Knysnadistrikt, wo sich von den Bergen bis zur Küste die Zitgikamma über 5000 qkm ausdehnt. Von da ab weiter östlich zeigen die den feuchten Seewinden ausgesetzten Bergabhänge, Flußufer und Thalschluchten wirklichen Hochwald. Weit größere Striche bedeckt der Niederwald, der, höchstens 10, durchschnittlich 3–4 m hoch, sich meist ängstlich an die Flußthäler anschließt, in den Ebenen aber sich in Gehölzgruppen und vereinzelte krüppelhafte Bäumchen auflöst. Waldlos sind dagegen Klein-Namaqualand, das Buschmannland, die Große Karroo, die nördlichen Abhänge des Roggeveld, der Schneeberge, Winter- und Stormberge bis weit jenseit des Oranjeflusses. Von den einheimischen Tieren ist der Löwe nur noch im NO. zu treffen, der Elefant gelegentlich in den Wäldern der Südostküste, das Flußpferd in den [489] Wassern der Küstenflüsse von Britisch-Kaffraria und des Oranje; Rhinozeros und Giraffe sind längst über die Grenzen hinaus verscheucht worden, der Büffel schweift noch im Knysnawald und in den Dickichten des Großen Fischflusses umher, und das Zebra ist noch in den Bergen zu treffen, während Schakale, Wölfe, Hyänen, wilde Hunde und Affen sich noch immer behaupten. Gnu, Hartebeest und Springbock sind noch hier und da in Herden zu treffen, ebenso vereinzelt der Strauß, den man jetzt züchtet. Schlangen, darunter einige sehr giftige, sind zahlreich. Heuschrecken werden namentlich in den nördlichen und östlichen Distrikten oftmals zur empfindlichen Plage. Sehr reich an Fischen aller Art sind die das Land bespülenden Meere.

[Bevölkerung, Erwerbszweige etc.] Die ursprüngliche Bevölkerung des Kaplandes, die Hottentoten, ist zuerst durch von O. her vordringende Kaffern, dann durch die europäische Einwanderung mehr und mehr verdrängt worden und bildet jetzt nur noch einen verhältnismäßig unbedeutenden Teil des Volkes. Die Europäer, ursprünglich Holländer, zu denen in der Folge Engländer und auch Deutsche kamen, führten Malaien und einige Neger ein, so daß diese verschiedenen Völkertypen mit den zwischen ihnen hervorgegangenen Mischlingen in der eigentlichen Kapkolonie eine recht bunte Musterkarte abgeben. Die Gesamtzahl der dortigen Bevölkerung wurde durch den letzten Zensus von 1875 auf 720,984 ermittelt, wie folgt:

Europäer und andre Weiße 236783
Kaffern und Betschuanen 214133
Hottentoten 98561
Mischlinge 87184
Fingu 73506
Malaien 10817

Von dieser Bevölkerung waren 369,628 männlichen und 351,356 weiblichen Geschlechts. Die Bevölkerung des ganzen Kaplandes betrug 1885, wie oben angegeben, 1,253,170 Seelen.

Die Hauptbeschäftigungen der Kolonisten sind Viehzucht, Bergbau und Ackerwirtschaft. Die Viehzucht findet namentlich in den großen zentralen Distrikten günstige Bedingungen, wo das trockne Klima und die salzhaltigen Pflanzen der Karrooebenen den Schafen sehr zusagen, die den Hauptbestand des Viehstapels ausmachen. Nach der letzten Zählung von 1875 gab es in der Kolonie 235,303 Pferde und Esel, 1,111,713 Rinder, 9,986,240 Schafe, 3,960,722 Ziegen und 21,751 Strauße. Die Schafe, das Resultat der Kreuzung der einheimischen Fettschwanzschafe mit importierten Rassen, liefern eine geringere Wolle, deren Exportwert sich 1885 auf 1,426,108 Pfd. Sterl. belief. Ihre Zahl hat, wie die des Viehstandes überhaupt, infolge der zu starken Besetzung der meist nur magern Weiden und deren dadurch erfolgter Verschlechterung bedeutend abgenommen. Die Ausfuhr des Haars der Angoraziegen (1875 zählte man 877,988) ist fortwährend im Steigen und betrug 1885: 204,018 Pfd. Sterl. Die Straußenzucht gehört jetzt zu den bedeutendsten Erwerbsquellen der Kolonie; 1857 wertete die Ausfuhr von Federn erst 10,000, aber 1885 bei sehr gefallenen Preisen 585,278 Pfd. Sterl. Andre wichtige Exportartikel der Viehzucht sind Häute und Felle. Der Ackerbau, welcher vornehmlich in den Küstenstrichen, in der Nachbarschaft der Kapstadt, in Zurburg, Lower Albany und Oliphant’s Hoek, gedeiht, befriedigt die Bedürfnisse keineswegs, so daß jährlich ansehnliche Posten von Getreide und Mehl eingeführt werden müssen. Der Weinbau, schon 1653 begonnen, ermöglichte 1859 einen Export im Wert von 153,000 Pfd. Sterl., der aber seitdem auf ein Zehntel dieses Wertes sank und 1883 ausnahmsweise 21,474 Pfd. Sterl. betrug. Die bekanntesten Sorten sind Constantia, Pontac, Steen, Haniput. Bergbau auf Kupfer wird seit 1852 im Klein-Namaqualand betrieben und das Erz auf einer zu diesem Zweck gebauten Bahn nach Port Nolloth befördert, um dann nach England zur Verschmelzung verschifft zu werden; seit 1852 sind 268,215 Ton. Kupfer exportiert worden. Viel wichtiger ist aber die Gewinnung von Diamanten, deren Existenz 1867 entdeckt wurde. Von 1872 bis 1880 war das Bergwerk von Kimberley Hauptproduzent, seit 1880 traten ihm andre ebenbürtig zur Seite. Behufs Besteuerung schätzte man 1881 die beiden der Regierung gehörigen Minen Kimberley und De Beers zu 2,850,000, resp. 2,065,551 Pfd. Sterl. und die der London and South African Exploration Company gehörigen, Du Toitspan und Bultfontein, auf 10 Mill. Pfd. Sterl. Auf legalem Weg (der Schmuggel ist nicht unbedeutend) verließen bis Ende 1885 die Kolonie Diamanten im Wert von 34,514,997 Pfd. Sterl.; 1885 betrug die Ausbeute in den genannten Minen 2,489,659 Pfd. Sterl., gefördert durch 11,457 Farbige und 1911 Weiße. Dagegen ist die Ausbeute von Kohle in den Divisionen Wodehouse und Albert nach Menge und Wert unbedeutend, daher 1885 für 129,126 Pfd. Sterl. eingeführt wurde; Gold wird zwar nicht im K. gewonnen, aber über dasselbe von Transvaal ausgeführt. Seefischerei wird an der Küste betrieben (Ausfuhr von getrockneten Fischen 22,198 Pfd. Sterl.). Alle sonstigen Industrien stehen in den Anfängen, daher ist die Einfuhr von Industrieprodukten aller Art eine sehr ansehnliche. Dieselbe wertete 1885 bei sehr gedrückten Verhältnissen 4,772,904 Pfd. Sterl. gegen eine Ausfuhr von 5,811,444 Pfd. Sterl., worin aber die nicht genau zu ermittelnde Diamantenausfuhr nicht inbegriffen ist. Deutschlands Anteil ist anscheinend ein geringer, da ein großer Teil des deutschen Handels über London geht. Die Haupthäfen der Kolonie sind Kapstadt, Port Elizabeth und East London, von geringerer Wichtigkeit Mosselbai, Port Nolloth, Simonstown, Port Beaufort, Port Alfred, St. John’s River und Knysna. In der Tafelbai, Algoabai, East London, Mosselbai und Port Alfred sind bedeutende Hafenbauten gemacht worden. In den Häfen der Kolonie klarierten 1885 ein 1175 Schiffe von 1,646,227 Ton. Die Kapstadt besaß 32 Schiffe von 2310 T., Port Elizabeth drei Schiffe von 522 T. Die erste Eisenbahn wurde 1859 eröffnet, 1886 bestanden fünf Staatsbahnen: zwei von Kapstadt, zwei von Port Elizabeth, eine von East London ausgehend, 2575 km lang, u. 2 Privatbahnen, von Port Alfred u. von Port Nolloth ausgehend, 218 km lang; im ganzen 2793 km. Die Telegraphenlinien hatten 1885 eine Länge von 6926 km; durch das von Durban nach Aden gelegte submarine Kabel ist die Kolonie mit dem Mutterland verbunden. Den Postdienst mit England vermitteln die Dampferlinien Union Steamship Co. u. Donald Currie and Co., so daß allwöchentlich ein Dampfer ankommt und abgeht. Münzen, Maße und Gewichte sind die englischen; das Wechselrecht ist aber das niederländische. Es bestehen in der Kolonie elf Banken, von denen die bedeutendsten ihren Hauptsitz in London haben.

Das K. besitzt seit 1853 seine eigne Verfassung, wonach ein Oberhaus (Legislative Council) von 22 und ein Unterhaus (House of Assembly) von 72 Mitgliedern besteht. Die exekutive Gewalt ruht in den Händen des jeweiligen Gouverneurs, welcher von der britischen Regierung für bestimmte Zeit ernannt, aber von der Kolonie besoldet wird, und einem verantwortlichen [490] Ministerium aus sechs Mitgliedern. Die von den beiden Häusern beschlossenen Gesetze bedürfen der Genehmigung des Gouverneurs, eventuell der Königin, bevor sie in Wirksamkeit treten. Die Staatseinnahmen betrugen 1885: 3,327,578, die Ausgaben 4,108,019, die Staatsschulden 21,672,162 Pfd. Sterl. Vorherrschende Religion ist die holländisch-reformierte Kirche; doch gibt es auch viele Anglikaner, Lutheraner, Presbyterianer, Wesleyaner, Independenten, Katholiken. Auch zahlreiche Juden haben sich angesiedelt. In der Kapstadt und Port Elizabeth ist die große Zahl der Malaien fast durchweg mohammedanisch, und es befindet sich bereits eine Moschee in der Kapstadt. Die Kaffern und Hottentoten sind meist Heiden, doch sind unter ihnen zahlreiche Missionsstationen angelegt; die Bastardrassen der Hottentoten sind meist im Christentum unterwiesen. In der eigentlichen Kapkolonie zählte man 1876: 365,089 Protestanten, 9667 Katholiken, 538 Juden, 11,214 Mohammedaner und 334,047 Heiden. Bis 1873 war das K. in zwei Provinzen: eine westliche und eine östliche, geteilt, seitdem aber zerfällt die Kolonie in sieben Provinzen: eine westliche, nordwestliche, südwestliche, mittlere, südöstliche, nordöstliche und östliche Provinz, wozu noch Basutoland, Nomansland, das St. John’s- und das Transkaiterritorium nebst Westgriqualand kommen, im ganzen 52 Divisionen und 7 Native Districts. Hauptstadt der Kolonie ist Kapstadt (Capetown).

Geschichte.

Das K. ward zuerst, nachdem eine Umseglung durch die beiden Genuesen Vivaldi 1291 in Vergessenheit geraten war, 1487 von dem Portugiesen Bartholomeu Dias (s. d.) erreicht und 1497 von Vasco da Gama umschifft. Da es jedoch den Portugiesen nur um den Weg nach Indien zu thun war, so legten sie keine Kolonie im K. an. Erst 1601 ließ es die Holländisch-Ostindische Kompanie mit einer Kolonie besetzen. 1652 gründeten die Holländer an der Stelle der jetzigen Kapstadt das erste Fort. Die Kolonisten (boeren, Buren) hatten anfangs mit den Hottentoten blutige Kämpfe zu bestehen, bis sich diese unterwarfen oder in entferntere Gegenden zurückzogen. Bald drangen die Buren bis an die Grenzen des Kaffernlandes vor, und die Kolonie gedieh zu solcher Blüte, daß, als den Generalstaaten von seiten Ludwigs XIV. ernste Gefahr drohte, die reichsten Holländer nach dem K. und nach Batavia überzusiedeln beabsichtigten. Nachdem 1782 im nordamerikanischen Krieg ein Angriff der Engländer auf das K. mißlungen war, nahmen es diese 16. Sept. 1795 in Besitz. Zwar ward das Land nach dem Frieden von Amiens 1803 den Holländern zurückgegeben, doch schon 1806 eroberten es die Engländer von neuem und begannen es als ihr Eigentum staatlich zu organisieren. Im ersten Pariser Frieden 1814 erhielten sie es definitiv abgetreten. Seitdem nahm das K., namentlich durch den Verkehr mit England und Ostindien, einen raschen Aufschwung. 1820 erhielt die Kolonie 4000 neue Ansiedler aus England. Dagegen erweckte die englische Regierung bei den holländischen Kolonisten große Unzufriedenheit dadurch, daß sie die Missionen in großer Menge zuließ, welche die Hottentoten gegen ihre holländischen Herren aufhetzten, und daß sie 1. Dez. 1834 die Sklaverei aufhob, ohne genügende Entschädigung zu zahlen. Sehr nachteilig waren die Einfälle der Kaffern in die nördlichen Gegenden der Kolonie, indem die nun beginnenden langwierigen Kämpfe mit diesen ganz den Charakter eines Vertilgungskriegs annahmen. Um 1835 wurde ein großer Strich Landes an der nordwestlichen Grenze des Kaplandes jenseit des Oranjeflusses erobert, Adelaide genannt und durch eine Reihe von Forts und Blockhäusern gegen feindliche Einfälle gesichert. Einzelne Kaffernstämme unterwarfen sich nach und nach und erhielten Wohnsitze innerhalb des britischen Gebiets angewiesen.

Die englische Regierung stellte aber bald alle weitern Eroberungskriege ein und unterließ sogar den Schutz der Grenzen, so daß die Buren durch die Einfälle der Kaffern große Verluste erlitten. Daher beschlossen die holländischen Kolonisten 1836, auszuwandern. Wirklich zogen 5000 Mann unter Pieter Retief fort und siedelten sich im Gebiet des Zulufürsten Dingaan und bei Port Natal, einem Hafen südlich vom portugiesischen Gebiet, an, und trotzdem, daß Pieter Retief im Januar 1838 mit 70 der vornehmsten und angesehensten Auswanderer von den Kaffern verräterisch überfallen und erschlagen ward, kehrten die Übriggebliebenen nicht zurück, sondern zogen neue Auswanderer an sich und erklärten sich 11. Nov. 1839, indem sie die Republik Port Natal gründeten, für unabhängig von England, wurden aber 1842 von den Engländern mit Gewalt gezwungen, Natal zu räumen, das 1856 zu einer besondern, vom K. unabhängigen Kolonie erhoben wurde. 1846 brach wieder ein blutiger Krieg mit den Kaffern aus, der endlich Anfang 1848 mit der Unterwerfung derselben und der Besitznahme von Britisch-Kaffraria endete. Nun nahm der Gouverneur auch die von ausgewanderten Buren zwischen dem obern Oranje und Vaal besetzten Gebiete für England in Anspruch. Zwar erhoben sich die Buren unter Anführung ihres freiheitsliebenden und tapfern Generalkommandanten Pretorius, von mehreren Kaffernhäuptlingen unterstützt, zu bewaffnetem Widerstand; sie wurden aber bei Boom Plaats 29. Aug. 1848 geschlagen. Die Mehrzahl wanderte nun über den Vaal und gründete die Transvaalsche Republik (s. d.[WS 1]). 12,000 Buren blieben im englischen Gebiet zurück.

Neue Unruhen begannen, als die englische Regierung trotz Protestes der Bevölkerung Sträflinge im K. ansiedeln wollte. Als 19. Sept. 1849 ein Schiff mit 280 Sträflingen an Bord in der Bucht St. Simon anlangte, stieg die Aufregung fast zur Empörung, und die Regierung hielt es für rätlich, nachzugeben. Am 8. Febr. 1850 erklärte Lord John Russell im Unterhaus, daß den Kolonisten die Sträflinge nicht aufgenötigt und die nach dem K. Deportierten nach Vandiemensland weiter dirigiert werden sollten. Damit waren aber die Kolonisten noch nicht zufrieden; sie verlangten außerdem Entschädigung der Grenzbewohner für die Verluste infolge des Kriegs, Teilung des Landes in eine östliche und westliche Hälfte, Verlegung des Regierungssitzes ins Zentrum des Landes, Eröffnung großer Verkehrslinien, vornehmlich aber eine volkstümliche, nicht bloß der Krone verantwortliche Verwaltung und Rechtspflege. 1850 brach ein neuer Kaffernkrieg aus, der infolge unglücklicher Kämpfe der englischen Truppen sehr gefährlich wurde und auch einen Aufstand der bisher friedlichen Hottentoten zur Folge hatte. Die weiße Bevölkerung, durch Verweigerung der wiederholt erbetenen Verfassung gereizt, beteiligte sich sehr lau an der Verteidigung der Kolonie. Nur die energische Kriegführung des Generals Cathcart, der mit einem ansehnlichen Truppenkorps aus England herbeikam, brachte es dahin, daß mehrere Häuptlinge um Frieden baten, der 9. März 1853 mit ihnen abgeschlossen ward. Nach demselben sollte der Fluß Kai die Grenze zwischen [491] der Kolonie und dem Gebiet der Kaffern bilden. Da es aber der vereinigten Kräfte der weißen Bevölkerung bedurfte, um einer etwanigen neuen Erhebung der Eingebornen schnell und nachdrücklich begegnen zu können, suchte sich der Gouverneur mit den Buren im Oranjeflußgebiet in ein besseres Einvernehmen zu setzen. Am 23. Febr. 1854 kam ein Vertrag mit ihnen zu stande, worin England die Oranjeflußsouveränität (Orange-River Sovereignty) als unabhängigen Freistaat anerkannte, nachdem die Unabhängigkeit Transvaals schon 1852 anerkannt worden war. Dieser Vertrag wurde 10. April in London ratifiziert.

Einen großen Zuwachs an Ansiedlern erhielt der neue Freistaat im Lauf des Jahrs 1854 infolge der an mehreren Stellen des Landes entdeckten Goldlager. Nun wurden auch die Forderungen der Kolonisten in Bezug auf eine freiere Verfassung bewilligt und 1. Juli 1854 das erste Parlament des Kaplandes, das in ein Ober- und Unterhaus (Legislative Council und Assembly) zerfiel, vom Gouverneur eröffnet. Da man den bisherigen Erfahrungen zufolge kein allzu großes Vertrauen auf die friedlichen Gesinnungen der Kaffernstämme setzen durfte, andernteils aber die ungeheuern Kosten, welche ein besoldetes Truppenkorps erforderte, scheute, so beschloß man, die Grenzdistrikte mit militärisch geschulten und organisierten Ansiedlern zu besetzen. Zu diesem Ende wurde der Teil der während des orientalischen Kriegs gebildeten deutschen Legion, welcher das in Geld und Ländereien bestehende Angebot der Regierung annahm, nach dem Kap eingeschifft und im Frühjahr 1857 an den verschiedenen Stationen, welche den Grenzkordon bilden sollten, verteilt. Seitdem traten in den Grenzdistrikten ruhigere Zustände ein, wenn auch Feindseligkeiten von Zeit zu Zeit wieder ausbrachen und eine stete Wachsamkeit auf seiten der Grenzbewohner nötig machen. 1869 wurde das Basutoland der Kapkolonie einverleibt, 1871 das Gebiet der neuentdeckten Diamantfelder, im Herbst 1874 Ostgriqualand in Besitz genommen, 1876 Fingoland, Idutywa Reserve und Nomansland und 1877 Westgriqualand mit dem K. vereinigt. Ein Versuch des Kolonialministers Lord Carnarvon, einen Bund der europäischen Länder am Kap zu stande zu bringen (1877), in den auch die Burenrepubliken eingeschlossen werden sollten, scheiterte. Um einer engern Verbindung Transvaals mit Deutschland zuvorzukommen, ließ England 12. April 1877 Transvaal besetzen und als Provinz der Kapkolonie einverleiben; doch mußte es nach einem unglücklichen Kriege gegen die Buren (s. Transvaal) 1881 die Unabhängigkeit dieser Republik wieder anerkennen. Inzwischen war 1879 ein Krieg mit dem Zulukönig Cetewayo ausgebrochen, in welchem die Engländer anfangs Verluste erlitten (22. Jan. wurden bei Isandlana 1400 Mann überfallen und niedergemetzelt), endlich aber 4. Juli bei Ulundi siegten und den König selbst gefangen nahmen; doch ward das Kaffernland nicht annektiert. Als darauf die Regierung die Entwaffnung der Eingebornen befahl, versuchten die Basuto und Pondo einen Aufstand, der jedoch 1880 unterdrückt wurde. Der 1884 erfolgten Okkupation von Angra Pequena durch Deutschland hätte sich die Regierung von K. gern widersetzt, doch konnte sie es um so weniger, als sie der weißen Bevölkerung durchaus nicht sicher ist und der „Afrikanderbund“, der die holländischen Elemente umfaßt, in einem Gegensatz zu der britischen Einwohnerschaft steht. 1884 wurde Betschuanaland zu einer Kronkolonie gemacht.

Vgl. außer den ältern Reisewerken von Barrow, Burchell, Lichtenstein, Shaw, Chase, Bunbury u. a. Napier, Excursions in Southern Africa, including a history of the Cape Colony (Lond. 1849, 2 Bde.); Fleming, Southern Africa; geography, national history of the colonies (das. 1856); Hall, Manual of South African geography (Kapst. 1859); Moodie, Cape records from 1652 to 1795 (das. 1856–59, 3 Bde.); Noble, Descriptive handbook of the Cape Colony (das. 1875–77); Derselbe, South Africa, past and present (das. 1877); Wilmot u. Chace, History of the colony of the Cape (Lond. 1870); Wilmot, Geography of the Cape Colony (das. 1882); Silver, Handbook to South Africa (das. 1881); Wangemann, Südafrika und seine Bewohner (Berl. 1881); Holub, Die Engländer in Südafrika (Wien 1882); Fritsch, Drei Jahre in Südafrika (Bresl. 1868); Derselbe, Südafrika (Leipz. 1885).


[505] Kapland. Die 5. April 1891 erfolgte Volkszählung ergab eine Bevölkerungsziffer von 1,525,739 Seelen. Davon waren 376,812 (d. h. weniger als ein Viertel) Weiße, 847,542 (d. h. mehr als die Hälfte) Ureinwohner von Afrika und 301,385 andre Farbige, worunter auch die Hottentoten gerechnet sind, die doch, streng genommen, zu den eingebornen Völkern gehören. Die weiße Bevölkerung ist vermutlich noch geringer als oben angegeben, da nicht wenige Mischlinge sich als weiß eintragen ließen. In den übrigen, dem Gouverneur der Kapkolonie als Kommissar für Südafrika und Südostafrika unterstellten Gebieten wird die Bevölkerung wie folgt angegeben: Betschuanenland 60,376, worunter 1600 Weiße, Basutoland 218,903, darunter 469 Weiße, Pondoland 200,000; die Bevölkerung des Sambesigebiets und des Nyassalandes wird auf 1,350,000 Seelen veranschlagt. Der Religion nach ist der größte Teil der Kaffern, Betschuanen u. a. noch immer heidnisch, die Hottentoten sind zum allergrößten Teile dem Namen nach Christen, die Malaien in der Kapstadt und Port Elizabeth sind Mohammedaner. Durch die Arbeiten der Rheinischen und der Berliner Mission, der London Missionary Society der Society for the Propagation of the Gospel, der Wesleyaner, Presbyterianer, Pariser und Amerikaner sind zahlreiche Eingeborne für das protestantische Christentum gewonnen worden. Auch die Katholiken unterhalten hier eine Mission. Die holländische reformierte Kirche, weitaus die stärkste, zählt 196,000 Anhänger, darunter 22,000 Farbige, hat 108 Geistliche für 286 Gemeinden und erhält eine Subvention von 4501 Pfd. Sterl. Die anglikanische Kirche unter zwei Bischöfen (Kapstadt und Grahamstown) zählt 66,000 Anhänger, worunter 34,000 Farbige; sie hat 145 Geistliche für 482 Gemeinden und erhält eine staatliche Subvention von 2698 Pfd. Sterl. jährlich. Die wesleyanischen Methodisten zählen 118,000 Mitglieder, darunter nicht weniger als 96,000 Farbige; sie haben 169 Geistliche für 1544 Gemeinden. Die Kongregationalisten zählen 38,000 Mitglieder, von denen sogar 32,000 Farbige, und haben 30 Geistliche für 116 Kirchen. Die Lutheraner, mit Einschluß der evangelisch-lutherischen, der Berliner und der Rheinischen Mission und der freien evangelischen Kirche, zählen 28,000 Mitglieder, worunter 20,000 Farbige; sie haben 40 Geistliche für 70 Gemeinden und erhalten eine Staatshilfe von 414 Pfd. Sterl. Die Presbyterianer zählen 27,000 Anhänger, darunter 21,000 Farbige, haben 28 Geistliche, 143 Gotteshäuser und erhalten 200 Pfd. Sterl. [506] Staatshilfe. Die übrigen protestantischen Gemeinden (Herrnhuter, französische reformierte Kirche, apostolische Union u. a.) zählen an 3000 weiße und farbige Anhänger in 105 Gemeinden unter 50 Geistlichen. Die Gesamtzahl der Protestanten in der Kolonie schätzt man auf 290,000. Die römisch-katholische Kirche unter drei Bischöfen (von Charadrub, Retimo und Sergiopolis) zählt 10,600 Anhänger, wovon nur 600 Farbige, und erhält 600 Pfd. Sterl. Subvention jährlich. Die Gesamtsumme der von der Regierung der verschiedenen Bekenntnissen gewährten Gelder beträgt 8413 Pfd. Sterl. Diese Summe soll aber nach Gesetz von 1875 mit dem Tode oder der Resignation der jetzigen Empfänger in Wegfall kommen. An der Spitze des Unterrichtswesens steht die Kap-Universität, eine Prüfungsbehörde; die Kolonie hat fünf höhere Schulen mit (1889) 216 und 1477 vom Staat unterstützte Schulen mit 95,391 Schülern, außerdem zahlreiche Privatschulen. Das Kafir-College in Zonnebloom bildet seine Schüler zugleich zu Handwerkern heran. Der Ackerbau nimmt, seitdem die Straußenzucht sich weniger lohnend erwiesen hat, bedeutend zu; 1883 betrug die Einfuhr von Weizen und Mehl 437,200, 1889 noch nicht 30,000 Pfd. Sterl. Bedeutende Summen sind vom Parlament für die Anlage von Werken zur Aufstauung von Wassermassen für die Bewässerung von Feldern bewilligt worden. Infolge der der Schafzucht gewidmeten Sorgfalt für die Bestände ist die Wolle sehr bedeutend verbessert worden; man hat die Angoraziege mit Erfolg eingeführt. 1889 betrug die Ausfuhr von Angorahaar bereits 9,442,213 Pfd. im Werte von 351,544 Pfd. Sterl., der von Schafwolle 68,017,541 Pfd. im Werte von 2,351,375 Pfd. Sterl. Der gesamte Viehstand betrug 1889: 295,370 Pferde, 64,322 Maultiere, 1,502,845 Rinder, 14,408,455 Schafe, 5,137,467 Ziegen und 149,684 Strauße. Die Weinernte ergab einen Ertrag von 25,633 hl. Die Ausfuhr von Diamanten erreichte 1889: 2,961,978 Karat im Werte von 4,325,137 Pfd. Sterl., davon kamen von Kimberley 816,135, De Beers 947,195, Dutoitspan 450,336, Bultfontein 541,301 und von Barkly West 29,492 Karat. Der Kohlenbergbau, dem weite Gebiete offen stehen, nimmt schnell zu und versorgt schon einen großen Teil der Eisenbahnen. Die Hauptwerke sind die Cyphergat-, Farview-, Molteno- und Stormberggruben in der Division Albert und die Jardevegrube in der Division Wodehouse.

Die Eisenbahnen hatten 1889 eine Länge von 2856 km, davon waren 2573 km, drei große, von Kapstadt, Port Elizabeth und East London ausgehende Systeme umfassend, von der Regierung erbaut und 283 km durch Private, nämlich die Linie Port Alfred-Grahamstown und Worcester-Ashton, je 68,8 km, und eine von den Kupferminen in Klein-Namaland bis Port Nolloth (178 km) laufende Trambahn. Somit sind die Eisenbahnen bis an die Grenzen des Oranjefreistaats und der Südafrikanischen Republik geführt. Von Colesberg ist eine Linie in den Oranjefreistaat bis Bloemfontein mit einem Kostenaufwand von 830,000 Pfd. Sterl. vollendet worden, und an der Grenze gegen die Südafrikanische Republik in Britisch-Betschuanenland ist eine Linie über Taungs und Vrijburg nach Mafeking mit einem Kostenaufwand von 1,190,000 Pfd. Sterl. in der Ausführung begriffen und bereits bis Vrijburg vollendet. Die Telegraphenlinien der Kolonie umfassen mit Einschluß der nicht auf denselben Strecken laufenden Telephonlinien 7605 km mit 18,080 km Drähten; eine Kabellinie über Sansibar und Aden erhält von der Kolonie gemeinschaftlich mit England Subsidien. In Kapstadt, Simonstown und Wynberg stehen 1300 Mann britische Truppen (2 Bataillone Infanterie, 2 Batterien Artillerie, 1 Kompanie Ingenieure), für welche England 1888: 128,554 Pfd. Sterl. verausgabte. Außerdem besteht ein Freiwilligenkorps von 4061 Mann und ein 819 Mann starkes Korps berittener Schützen. Jeder fähige Mann zwischen 18 und 50 Jahren kann sowohl innerhalb als außerhalb der Grenzen der Kolonie im Kriegsdienst verwendet werden. Sehr starke Befestigungen werden an der Tafelbai und in der Simonsbai angelegt, die erstern teilweise, die letztern gänzlich auf Kosten der britischen Regierung. In Simonsbai befindet sich eine wichtige, durch die englische Admiralität erhaltene Marinestation mit allen für Ausrüstung, Reparaturen, Proviantierung etc. nötigen Einrichtungen. Die Kolonie besitzt nur zwei natürliche Häfen, Simonsbai und Saldanhabai, während der Ankerplatz bei Kapstadt bei gewissen Winden bisher schutzlos und gefährlich war. Jetzt werden großartige Hafendämme errichtet, um einen Außenhafen und einen Innenhafen mit geräumigen Docks zu schaffen. Der Handel der Kolonie ist in letzter Zeit überraschend gestiegen, doch darf man nicht vergessen, daß sowohl bei der Einfuhr als bei der Ausfuhr (namentlich von Gold, 1890: 1,909,204 Pfd. Sterl.) die Südafrikanische Republik sehr stark beteiligt ist. Es betrug:

    1888   1889   1890    
Einfuhr 5458774 9915011 8239597 Pfd. Sterl.
Ausfuhr 8732601 9391897 10722716

Außerdem wurde 1890 eingeführt: gemünztes Gold im Betrage von 365,000, ausgeführt von 124,355 Pfd. Sterl. Die Ausfuhr setzte sich zusammen 1889 aus Kolonialerzeugnissen (8,545,460 Pfd. Sterl., darunter Diamanten 4,325,135 Pfd. Sterl.), Rohgold (860,495) und gemünztem Gold (238,581 Pfd. Sterl.). In die Häfen der Kolonie (Kapstadt, Port Nolloth, Simonstown, Mosselbai, Knysna, Port Elizabeth, Port Alfred, East London und im St. John’s Territorium) liefen 1889 ein 2265 Schiffe von 3,796,855 Ton., aus 2255 Schiffe von 3,771,345 T. Die Handelsflotte in den drei Häfen: Kapstadt, Port Elizabeth und East London hatte einen Gehalt von nur 2509 T. Die Einkünfte der Kolonie betrugen 1890 bis 1891: 4,147,736 Pfd. Sterl., davon 1,243,941 Pfd. Sterl. Zölle. Die öffentliche Schuld erreichte 22,490,501 Pfd. Sterl. Wegen der dem Gouverneur der Kapkolonie als britischem Oberkommissar unterstellten Kronkolonien Basutoland, Betschuanenland und Sambesia vgl. diese Artikel.

Vgl. Silver, Handbook to South Africa (Lond. 1891); Young, A winter tour in South Africa (das. 1890); H. Muller, Zuid-Afrika (Leiden 1890).

Anmerkungen (Wikisource)