MKL1888:Portŭgal
[250] Portŭgal, europäisches Königreich (s. Karte „Spanien und Portugal“), erstreckt sich im W. der Pyrenäischen Halbinsel zwischen 36°59′–42°8′ nördl. Br. und 6°10′–9°31′ westl. L. v. Gr. und bildet ein längliches Viereck, dessen größte Länge 558 km und dessen Breite 107–220 km beträgt (die Diagonale von der Mündung des Minho bis zu der des Guadiana mißt 535 km). Das Königreich wird im N. und O. von Spanien, im W. und S. vom Atlantischen Ozean begrenzt. Außer dem kontinentalen Gebiet gehören zum europäischen Mutterland noch mehrere Inseln im Atlantischen Ozean, nämlich die Azoren und Madeira (s. die betreffenden Artikel).
[Bodenbeschaffenheit, Klima.] P. wird von zahlreichen Gebirgen (Serras) durchzogen, welche sich zu drei Gebirgssystemen zusammenfassen lassen, nämlich die Gebirge von Traz os Montes, die Gebirge von Beira und die Gebirge südlich vom Tejo. Zur ersten Gruppe gehören die Bergzüge nördlich vom Douro, darunter Serra Gerez (1442 m) und Serra Peneda (1446 m) in der Provinz Minho und die Serras Larouco (1580 m), Marão (1422 m), Nogueira (1320 m) und Bornes (1202 m) in Traz os Montes. Alle diese Bergzüge bilden gewissermaßen Fortsetzungen des galicischen Berglandes, hängen durch die Serra de San Mamede mit dem Kantabrischen Gebirge zusammen und enden teils westlich in der Küstenebene, teils südlich im Dourothal. Das Bergsystem von Beira umfaßt die Gebirgszüge zwischen Douro und Tejo, welche sich im wesentlichen als Fortsetzung des kastilischen Scheidegebirges (Sierra de Guadarrama und Sierra de Gata) darstellen. Der Zug beginnt an der spanischen Grenze mit der Serra de las Mezas (1200 m). Von dieser zweigt südwestlich die Serra Gardunha (1224 m) ab, deren Fortsetzung, die Serra de Muradal, zwischen Zezere und Tejo ausläuft. Nordwestlich von der Serra de las Mezas beginnt der Hauptgebirgszug Portugals, die Serra da Estrella (s. d.), 1993 m, ein breiter, in südwestlicher Richtung streichender Kamm, dessen Fortsetzung die Serras Açor (1330 m) und Louzã (1202 m) bilden, und welcher schließlich in der Hochebene von Aire und in einem 500–600 m hohen, parallel mit dem Lauf des Tejo streichenden Bergrücken im Cabo da Roca endigt. Im nördlichen Teil von Beira, zwischen Mondego und Douro, liegt noch eine größere Zahl von Gebirgszügen, wie Serra da Senhora da Lapa (940 m), Montemuro (1380 m), Serra Gralheira (1122 m), Serra do Caramullo (1070 m), Bussaco (630 m) u. a. Das transtejanische Bergsystem besteht aus vereinzelten, untereinander nur durch Hügel und Ebenen zusammenhängenden Bergzügen und steht mit den spanischen Gebirgen durch die Serra de San Mamede (1025 m) in Verbindung. Hervorragendere Gruppen dieses Systems sind: die Serra d’Ossa (649 m), Serra Mendro (406 m), Serra Caldeirão (388 m) in Alemtejo, die Serra da Arrabida (499 m) in Estremadura, dann in Algarve die Serra do Malhão (575 m), Serra de Monchique (903 m), Espinhaço de Cão (253 m), welche mit dem Kap San Vincent ins Meer ausläuft. Im S. von Algarve breitet sich das fruchtbare Hügelland Barrocal aus. In geologischer Beziehung waltet im N. und in der Mitte der Granit vor. Von Traz os Montes besteht der größte Teil aus paläozoischen Gebilden (Schiefer etc.). Dieselben sind auch im S. von Beira, in Alemtejo und Algarve sehr ausgedehnt. Die tertiäre Formation ist besonders in Estremadura vertreten. Sekundäre Lagerungen kommen zwischen Aveiro und Lissabon und im S. von Algarve vor, Porphyr nur in Alemtejo, Basalt bei Lissabon.
Die Hauptflüsse von P. sind: 1) Minho, der, die Grenze bildend, oberhalb Melgaço in P. eintritt und 40 km schiffbar ist (Nebenfluß Coura); 2) Lima, oberhalb Lindoso in P. eintretend, 37 km weit schiffbar (Nebenfluß Vez); 3) Cávado, auf der Serra de Larouco entspringend, 12 km weit schiffbar (Nebenflüsse Rabagão und Homem); 4) Ave, von der Serra da Cabreira (Nebenflüsse Vizella und Deste); 5) Douro, bildet von oberhalb Miranda do Douro die Grenze gegen Spanien, tritt bei Barca da Alva ganz in P. ein, schiffbar für kleine Fahrzeuge gleich beim Eintritt (Nebenflüsse links: Cõa, Teja, Torto, Tavora, Paiva; rechts: Sabor, Tua, Tamega); 6) Vouga, von der Serra da Senhora da Lapa, 42 km weit schiffbar (Nebenflüsse Agueda und Caima); 7) Mondego, von der Serra da Estrella, 84 km schiffbar (Nebenflüsse links: Alva, Ceira, Arunca; rechts: Dão); 8) Tejo, aus Spanien (Tajo) kommend, bildet erst die Grenze zwischen P. und Spanien, tritt, vor Villa Velha bereits schiffbar, in P. ein, bildet bei Lissabon einen großartigen Hafen (Nebenflüsse links: Sever, Niza, Sorraia; rechts: Erjes, Ponsul, Ocreza, Zezere); 9) Sado, von der Serra de Caldeirão, 61 km weit schiffbar (Nebenflüsse Roxo, Xarrama, Diege); 10) Küstenfluß Mira, 20 km schiffbar; 11) Guadiana, aus Spanien kommend, bildet unterhalb Badajoz bis Monsaraz die Grenze zwischen P. und Spanien, durchfließt den östlichen Teil von Alemtejo bis Pomarão, von wo an er wieder die Grenze bildet bis zu seiner Mündung (Nebenflüsse links: Ardilla, Chança; rechts: Degebe, Vascão, Foupana). P. hat großen Reichtum an Mineralquellen. Dieselben sind vorwiegend schwefelhaltig; doch gibt es auch kohlensäure-, salz-, kupfer-, arsenikhaltige. Man kennt deren 108, und ihre Temperatur variiert zwischen 20–69° C. Zu Heilzwecken sind jedoch nur sieben Quellen mit den erforderlichen Einrichtungen versehen.
[251] Das Klima ist gemäßigt, im Sommer oft heiß. An den Küsten mildert die Seeluft die Hitze. Selbstverständlich ist die Bodenhöhe von großem Einfluß. Auf den Höhen der Serra da Estrella liegt die Hälfte des Jahrs über Schnee, am Alto Douro dagegen ist es warm genug für das Gedeihen herrlicher Weine. In Algarve herrscht oft nordafrikanisches Klima. Gewitter sind im ganzen selten und kommen nur um die Zeit der Äquinoktien und im Winter vor. Die angestellten meteorologischen Beobachtungen ergaben:
| Ort | Jahrestemperatur in Graden Celsius | Regentage | ||
| mittlere | höchste | niedrigste | ||
| Guarda (Beira) | 10,90 | 34,6 | −7,1 | 116,1 |
| Porto | 15,66 | 37,4 | −0,8 | 114,7 |
| Lissabon | 15,75 | 37,4 | −0,5 | 136,2 |
| Coimbra | 15,22 | 40,4 | −2,1 | 130,5 |
| Campo major (Alemtejo) | 16,28 | 44,3 | −3,6 | 95,3 |
| Evora | 16,25 | 39,9 | +0,2 | 114,9 |
| Lagos (Algarve) | 17,45 | 38,3 | +0,4 | 76,5 |
Die Flora Portugals ist die des gemäßigten Europa. Es gedeihen unsre sämtlichen Obst- und Waldbäume. Besonders zu erwähnen sind: die Korkeiche, die echte Kastanie (sehr zahlreich), der Ölbaum, Feigenbaum, Orangen, viele Palmen, in Algarve selbst die Banane, der Johannisbrotbaum, Mandelbaum, Maulbeerbaum etc. Auch mancherlei subtropische Pflanzen gedeihen in P. Überall finden sich die Agave americana und Cactus opuntia. Viel verwendet werden auch die Tomatos (Solanum lycopersicum). Die Fauna ist ebenfalls ganz die des gemäßigten Europa. Es werden 32 Arten Säugetiere und 326 Spezies der Vögel gezählt. Meer und Flüsse bieten großen Reichtum von Fischen, Krustaceen und Mollusken. Von Fischen sollen 252 Spezies existieren.
[Areal und Bevölkerung.] Der Flächenraum, die absolute und relative Bevölkerung sowie die Einteilung des Landes in die ehemaligen Provinzen und gegenwärtigen Distrikte ist aus nachfolgender Tabelle zu ersehen:
| Provinzen und Distrikte | QKilometer | QMeilen | Einw. 1878 | Einw. auf 1 QKil. |
| Minho: | ||||
| Vianna do Castello | 2243 | 40,7 | 201390 | 94 |
| Braga | 2738 | 49,7 | 319464 | 123 |
| Porto | 2292 | 41,6 | 461881 | 204 |
| Traz os Montes: | ||||
| Braganza | 6669 | 121,1 | 168651 | 26 |
| Villa Real | 4447 | 80,8 | 224628 | 51 |
| Beira: | ||||
| Aveiro | 2909 | 52,8 | 257049 | 93 |
| Vizeu | 4973 | 90,3 | 371571 | 78 |
| Coimbra | 3383 | 61,4 | 292037 | 90 |
| Guarda | 5557 | 100,9 | 228494 | 42 |
| Castello Branco | 6621 | 120,3 | 173983 | 27 |
| Estremadura: | ||||
| Leiria | 3478 | 63,2 | 192982 | 58 |
| Santarem | 6862 | 124,6 | 220881 | 33 |
| Lissabon | 7460 | 135,5 | 498059 | 70 |
| Alemtejo: | ||||
| Portalegre | 6431 | 116,8 | 101126 | 16 |
| Evora | 7088 | 128,7 | 106858 | 16 |
| Beja | 10871 | 197,5 | 142119 | 14 |
| Algarve: | ||||
| Faro | 4850 | 88,1 | 199142 | 42 |
| Festland: | 88872 | 1614,0 | 4160315 | 48 |
| Dazu die Inseln: | ||||
| Azoren | 2388 | 43,4 | 259880 | 113 |
| Madeira | 815 | 14,8 | 130584 | 162 |
| Zusammen: | 92075 | 1672,2 | 4550779 | 51 |
Für das Jahr 1881 ergab eine offizielle Berechnung eine Einwohnerzahl von 4,708,178 Seelen. Die Zunahme der Bevölkerung von P. ist eine stetige und ziemlich ansehnliche. 1835 zählte man im kontinentalen P. (ohne die Inseln) 3,076,000, 1851: 3,487,000, 1864: 3,986,558 und 1874: 4,160,315 Einw., wonach sich eine durchschnittliche jährliche Bevölkerungszunahme um ca. 0,8 Proz. ergibt. Dabei spielt aber die Auswanderung eine große Rolle. Im Dezennium 1872–81 sind im ganzen 133,008 Personen ausgewandert, welche sich hauptsächlich auf die Provinz Minho (51,531) und Beira alta (30,766) verteilten. Am geringsten ist hieran Alemtejo (42) und Algarve (225) beteiligt. Das gewöhnliche Reiseziel ist Amerika (129,549 Auswanderer), speziell Brasilien, wo die Emigranten ihre Muttersprache und bisher auch günstige Erwerbsgelegenheit fanden. Auch in den Jahren 1882–84 blieb die jährliche Auswanderung ziemlich gleich (durchschnittlich 12,000 Emigranten). Die Bevölkerung von P. verteilte sich 1878 mit 2,175,829 auf das männliche und mit 2,374,870 auf das weibliche Geschlecht. Das Übergewicht des weiblichen über das männliche Geschlecht ist hiernach in P. auffallend stark, indem auf 1000 männliche Personen 1091 weibliche kommen (die höchste Verhältniszahl unter den europäischen Staaten). Was die Bevölkerungsbewegung betrifft, so kommen auf 10,000 Bewohner im Jahresdurchschnitt 65 Trauungen, 310 Geburten und 230 Sterbefälle. Der Überschuß der Geburten über die Sterbefälle ist daher ein sehr beträchtlicher und erklärt die regelmäßige Zunahme der portugiesischen Bevölkerung trotz der großen Auswanderung. An größern Wohnorten besitzt das Land außer der Hauptstadt Lissabon (243,010 Einw.) und Porto (105,838 Einw.) 13 Städte mit einer Bevölkerung von 10,000 bis 20,000 Einw. Der Nationalität nach gehören die Bewohner fast durchweg dem portugiesischen Stamm an. Derselbe ist aus der Verschmelzung suevischer und romanischer Elemente entstanden; auch Araber und Israeliten haben sich damit vermischt. Zu bemerken ist trotz der nahen Verwandtschaft der beiden Nationen die geringe Sympathie zwischen Portugiesen und Spaniern. Die Charakterschilderungen des portugiesischen Volkes gehen sehr auseinander; darin dürften aber alle übereinstimmen, daß der Portugiese höflich (namentlich gegen Fremde), gelehrig, mäßig, voll Vaterlandsliebe und Anhänglichkeit an die römisch-katholische Religion ist. In P. gibt es auch Zigeuner, und aus den überseeischen Provinzen kommen Farbige aller Art nach dem Festland. Die römisch-katholische Religion ist Staatsreligion; doch ist die Ausübung andrer Kulte in besondern Gebäuden, die aber nicht das Äußere von Kirchen haben dürfen, gestattet. Die Geistlichkeit teilt sich in die hohe und niedere; zu ersterer gehören der Patriarch von Lissabon, dessen Großvikar, die 2 Erzbischöfe von Braga und Evora und 16 Bischöfe. Die hohe Geistlichkeit empfängt Subsidien vom Staat, während die niedere aus den kirchlichen Einkünften besoldet wird. Die Ausbildung von Geistlichen geschieht in Priesterseminaren (12 auf dem Kontinent), die höhere Ausbildung durch die theologische Fakultät in Coimbra. 1833 wurden die 380 Mönchsklöster aufgehoben; die Nonnenklöster erlöschen allmählich. Das Klostergut ist Staatseigentum geworden.
Für den Elementarunterricht gab es 1884: 5316 Schulen, deren Besuch obligatorisch ist. Für die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen sorgen die Normalschulen (4 für Lehrer, eine für Lehrerinnen). Dem Unterricht für die gereiftere Jugend dienen die [252] Lyceen (21), außerdem Privatschulen, welche vorzugsweise die realistischen Fächer betreiben, zusammen mit über 9000 Schülern. Für den höhern Unterricht ist in erster Linie die Universität von Coimbra (s. d.) bestimmt, ferner die polytechnische Schule in Lissabon, die polytechnische Akademie in Porto, die medizinisch-chirurgischen Schulen in Lissabon und Porto (auch in Funchal) und der höhere wissenschaftliche Kurs in Lissabon. An Fachlehranstalten bestehen: die Akademien der schönen Künste in Lissabon und Porto, das Konservatorium für Musik in Lissabon, die Gewerbeschulen in Lissabon und Porto, das landwirtschaftliche Institut, die Armee- und die Seeschule sowie das Militärkollegium in Lissabon. An sonstigen wissenschaftlichen Instituten sind zu erwähnen: die königliche Akademie der Wissenschaften in Lissabon, die astronomischen und meteorologischen Observatorien in Lissabon und Coimbra. In den beiden letztgenannten Orten sind auch naturwissenschaftliche Museen. Anzuführen sind noch das archäologische Museum und das Museum der Akademie der Wissenschaften mit einer reichen numismatischen Sammlung in Lissabon, die königliche und mehrere andre Bibliotheken in Lissabon, die Universitätsbibliothek und die vom Kloster Santa Cruz in Coimbra. In P. herrscht jetzt vollständige Preßfreiheit, doch ist die Tageslitteratur noch nicht von großer Bedeutung.
Für Hebung der Landwirtschaft ist in P. in diesem Jahrhundert manches geschehen. Insbesondere ging das Bestreben dahin, die Zahl der Grundbesitzer zu vermehren, so durch Veräußerung von Nationalgütern, Erleichterung des Übergangs von der Pachtung zum Eigentum von Kirchengütern etc. Doch befindet sich der größte Teil des Bodens in den Händen des höhern Adels, während die Bauern meist Pachter sind. Auch steht die landwirtschaftliche Kultur trotz der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens noch auf niederer Stufe. Beinahe die Hälfte des gesamten Areals (48,2 Proz.) ist unproduktiver Boden. Auf Ackerland und Gärten kommen 22,6, auf Weinland 2,2, auf Olivenpflanzungen 2,3, auf Grasland 16,7, auf Wald 8 Proz. der Gesamtfläche. Die Cerealienproduktion reicht für den Bedarf nicht aus; sie liefert bei einer Mittelernte 3,4 Mill. hl Weizen, 2,5 Mill. hl Roggen, 1,2 Mill. hl Gerste und Hafer, 7,8 Mill. hl Mais, 3,2 Mill. hl Kartoffeln, 65,000 metr. Ztr. Reis und 600,000 metr. Ztr. Hülsenfrüchte. Andre landwirtschaftliche Produkte sind: Gemüse (darunter Zwiebeln), Flachs (100,000 metr. Ztr.), Esparto, Obst, insbesondere Südfrüchte (Orangen, Zitronen, Feigen, Mandeln etc.), Kastanien, Oliven (Ertrag an Öl ca. 230,000 metr. Ztr.) und Wein. Der Ertrag an letzterm beläuft sich bei einer Anbaufläche von 2040 qkm bis zu 4 Mill. hl. Die wichtigste Gegend für die Weinkultur ist am Douro, woher der berühmte Portwein kommt. Doch ist der Weinbau auch auf den wellenförmigen Ebenen von Estremadura und in Alemtejo vertreten. Mehr als zwei Drittel der Produktion kommen auf Rotwein. In letzter Zeit hat auch in P. die Reblaus große Verheerungen angerichtet. Das Grasland besteht hauptsächlich aus Weiden, nur im N. finden sich gute Wiesen.
Der Viehstand war nach der letzten Zählung (von 1870) folgender:
| Pferde | 88000 | Stück |
| Maultiere | 50690 | „ |
| Esel | 137950 | „ |
| Rindvieh | 624568 | „ |
| Schafe | 2977454 | „ |
| Ziegen | 936869 | „ |
| Schweine | 971085 | „ |
Die Pferdezucht zeigt zwei Typen, das kleine und kräftige galicische Pferd und das allgemein verbreitete bätisch-lusitanische Pferd. Beim Rindvieh werden acht Rassen unterschieden, die von den Gegenden, in denen sie gezogen werden, ihre Benennung erhalten. Von Ribatejo kommen zumeist die zu den noch üblichen, aber in P. durchaus ungefährlichen Stiergefechten verwandten Ochsen. Auf die Schafzucht wird wegen der Wolle großer Wert gelegt. Die Produktion an letzterer beläuft sich auf jährlich 50,000 metr. Ztr. Bedeutend ist auch die Seidenraupenzucht, welche jährlich ca. 15,000 kg Rohseide liefert, und die Seefischerei (auf Sardinen, Thunfische etc.), welche 4000 Fahrzeuge beschäftigt. Neuerdings ist man auch auf die zahlreichen Austernbänke aufmerksam geworden. Der Waldstand ist in P. sehr klein; Forstkultur wird wenig betrieben. Erwähnenswert ist der Staatsforst von Leiria, der ca. 9000 Hektar Waldung (vorherrschend Strandkiefern) hat. Die übrigen Forsten gehören meist zu alten Klostergütern; der hauptsächlichste davon ist der prächtige Wald von Bussaco.
Der Bergbau ist ziemlich ausgedehnt, wäre aber bei dem Reichtum des Landes an Mineralschätzen einer größern Entwickelung fähig. Er liefert namentlich Kupfererz (150,000 metr. Ton.), Manganerz (14,000 metr. T.), Eisen-, Blei- und andre Erze, ferner Kohle (16,000 metr. T.). Aus dem Meerwasser wird in 1200 Salzteichen an der Seeküste Salz gewonnen, jährlich ca. 250,000 metr. T., wovon bedeutende Mengen zum Export gelangen. An Baumaterial ist großer Reichtum; besondere Erwähnung verdient der häufige und mannigfaltige Marmor. Umfangreich sind auch die Thon-, Mergel- und Sandlager (selbst Porzellanerde bei Porto). In der Serra Estrella finden sich Granaten und Hyacinthe, bei Batalha Achate, in der Serra Gerez Amethyste.
Die Industrie ist in mehreren Zweigen entwickelt, doch deckt sie bisher nur einen Teil des einheimischen Bedarfs und steht hinsichtlich der Güte der Erzeugnisse der ausländischen Produktion nach. Ihre Hauptsitze sind Lissabon und Porto. Bemerkenswert ist die Webindustrie, insbesondere die Schafwollweberei (zu Covilhão, Portalegre etc.), die Leinweberei (zu Guimaraes), die Baumwollmanufaktur (zu Porto, Lissabon, Penafiel, Vizella) und die Seidenfabrikation. Die früher noch bedeutendere Lederfabrikation ragt auch gegenwärtig durch die Erzeugung von Saffian und Korduan hervor und liefert ebenso wie die Schuhwaren- und Hutfabrikation Exportartikel. Sehr anerkennenswert sind die Gold- und Silberarbeiten, von Silber namentlich Filigranarbeiten. In der keramischen Industrie verdienen die Fabriken in Marinha grande (für Glaswaren), in Vista Alegre (für Porzellan), in Lissabon und Porto (für Steingut und Schmelztiegel) genannt zu werden. Für Buchdruckerei ist namentlich die Imprenta nacional in Lissabon wichtig. Papierfabriken gibt es ohne die kleinen Papiermühlen 18. Endlich ist noch die Eisenwaren- und Maschinenindustrie, die Branntweinbrennerei, Zuckerraffinerie und Schokoladefabrikation, die Fabrikation von Seife, Kerzen, Tabak, die Verfertigung von Spitzen (zu Peniche) und Korkwaren sowie der Schiffbau zu erwähnen. Im J. 1884 wurde durch eine Erhebung bei der gesamten Industrie die Zahl der Etablissements mit 1299, die der Arbeiter mit 90,144 und der Wert der Fabrikate mit 27 Mill. Milreis festgestellt. Auf die Wollindustrie allein kamen 97 Etablissements mit 39,597 Arbeitern.
Im Welthandel nimmt P. nicht die Stelle ein, die ihm nach seiner Lage u. seiner Einwohnerzahl zukommt; [253] es wird von den weniger bevölkerten Niederlanden, Dänemark und Norwegen überflügelt. Im J. 1886 belief sich der Wert des auswärtigen Warenverkehrs von P. in der Einfuhr auf 37,362,000, in der Ausfuhr auf 25,327,000 Milreis. Davon kamen auf die einzelnen Warengruppen (in Tausenden Milreis):
| Einfuhr | Ausfuhr | |
| Lebende Tiere | 1322 | 812 |
| Animalische Produkte | 2067 | 410 |
| Fische | 1922 | 997 |
| Wolle und Wollengewebe | 3292 | 193 |
| Seide und Seidengewebe | 1178 | 33 |
| Baumwolle, Garne und Gewebe | 4383 | 85 |
| Flachs und Leinenwaren | 801 | 14 |
| Holz und Kork | 1200 | 2786 |
| Getreide etc. | 5992 | 253 |
| Kolonialwaren | 3346 | 93 |
| Früchte, Olivenöl u. andre Pflanzenstoffe | 1013 | 1583 |
| Metalle | 2316 | 152 |
| Mineralien und Petroleum | 2698 | 214 |
| Wein und andre Getränke | 167 | 16956 |
| Glas- und Thonwaren | 345 | 16 |
| Papier | 535 | 53 |
| Chemische Produkte | 382 | 387 |
| Verschiedene Fabrikate (Maschinen, Spielwaren, Hüte, musikal. Instrumente etc.) | 4185 | 312 |
Der Schiffsverkehr in sämtlichen Häfen Portugals betrug 1886:
| 11304 | eingelaufene | Schiffe | mit | 4356000 | Ton. | und |
| 11359 | ausgelaufene | „ | „ | 4315000 | „ |
Hiervon kamen auf die lange Fahrt (im Gegensatz zur Küstenschiffahrt):
| 5672 | eingelaufene | Schiffe | mit | 3476000 | Ton. | und |
| 5798 | ausgelaufene | „ | „ | 3449000 | „ |
Auf den Dampferverkehr entfielen:
| 4394 | eingelaufene | Schiffe | mit | 3609000 | Ton. | und |
| 4348 | ausgelaufene | „ | „ | 3561000 | „ |
Der größte Verkehr findet mit Großbritannien, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Nordamerika statt. Die Handelsflotte bestand Anfang 1886 aus 469 Schiffen mit 84,097 cbm, darunter 36 Dampfer mit 16,583 cbm. Als Kommunikationsmittel zu Lande dienen die Eisenbahnen, welche 1887 in einer Gesamtlänge von 1819 km (darunter 144 km schmalspurige) im Betrieb waren. 453 km blieben noch im Bau. Die Länge der Telegraphenlinien betrug Anfang 1885: 4978 km. Die Menge der im Jahr beförderten Telegramme belief sich auf 1,2, die der Postsendungen auf 38,7 Mill. Stück. An Kreditinstituten gibt es 42, darunter die Bank von P., eine Notenbank mit einem Aktienkapital von 44,444,000 Frank (weiteres vgl. im Art. „Banken“, S. 338). – Münzeinheit ist der Real (Plural Reis); größere Summen berechnet man nach Milreis (1000 Reis = 4,45 Mk.) und nach Contos (1000 Milreis). Für Maße und Gewichte ist seit 1852 das metrisch-dezimale System eingeführt.
Die Zahl der Wohlthätigkeitsanstalten ist in P. sehr groß; die wichtigsten sind: die Santa Casa da Misericordia zu Lissabon, verbunden mit einem großartigen Findel- und Waisenhaus; das Hospital São José daselbst, eins der größten und besten Spitäler Europas; die Casa pia im ehemaligen Kloster San Jeronymo in Belem; eine großartige Waisen- und Erziehungsanstalt zu Porto. In dem ehemaligen Kloster Rilhafolles zu Lissabon besteht eine trefflich eingerichtete Irrenanstalt.
Die Staatsverfassung Portugals ist die repräsentativ-monarchische und beruht auf der Carta constitucional Pedros IV. von P. vom 29. April 1826, dem Acto addicional der Königin Maria II. vom 5. Juli 1852, dem Wahlgesetz vom 23. Nov. 1859 und dem Gesetz vom 24. Juli 1885. Hiernach ist die königliche Würde in der männlichen und weiblichen Linie des Hauses Braganza erblich; der König wird mit zurückgelegtem 18. Lebensjahr volljährig; während seiner Minderjährigkeit regiert eine von den Cortes eingesetzt Regentschaft. Die gesetzgebende Gewalt üben die Cortes, die Sanktion der Gesetze ist der Krone vorbehalten. Die Cortes sind zusammengesetzt aus der Pairskammer und aus der Deputiertenkammer. Die Pairskammer besteht aus dem Kronprinzen und seinen Brüdern, den Erzbischöfen und Bischöfen, aus 100 vom König auf Lebenszeit ernannten und aus 50 durch Delegierte der Distrikte, der Universität und andrer wissenschaftlicher Institute gewählten Mitgliedern. Die Pairs der beiden letztern Kategorien müssen mindestens 35 Jahre alt sein und bestimmte andre Qualifikationen besitzen, teilweise auch den Höchstbesteuerten angehören. Die Deputiertenkammer besteht aus 173 Abgeordneten, welche in direkter Weise auf vier Jahre gewählt werden. Die Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechts ist von der Staatsbürgerschaft, dem Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, der Großjährigkeit und dem Besitz eines Jahreseinkommens abhängig, welches für die Wähler mindestens 100 und für die Abgeordneten mindestens 400 Milreis beträgt. Offiziere, Priester, Doktoren und jene, welche höhere Studien zurückgelegt haben, sind jedoch von diesem Zensus ausgenommen. Die Cortes werden jährlich einberufen. Die Deputiertenkammer ist berechtigt, die Minister und Staatsräte in Anklagestand zu versetzen; für dieselben sowie für die Mitglieder des königlichen Hauses, die Pairs und Abgeordneten fungiert die Pairskammer als Staatsgerichtshof. Für die Selbstverwaltung sind errichtet: die Generaljunta im Distrikt, die Munizipalkammer in der Gemeinde und die Parochialjunta in jedem Kirchspiel. Die Mitglieder der erstgenannten werden von den Munizipalkammern gewählt.
Für die Staatsverwaltung sind als oberste Behörden sieben Ministerien bestellt: für die innern Angelegenheiten (einschließlich Unterricht), für die Justiz (nebst Kultus), für die Finanzen, für den Krieg, für die Marine u. die Kolonien, für die auswärtigen Angelegenheiten, für öffentliche Arbeiten, Handel u. Industrie. Der Staatsrat hat bloß beratende Befugnisse. P. mit den Azoren und Madeira zerfällt in 21 Kreise (Distrikte, s. Tabelle, S. 251); diese sind in 292 Concelhos (Gemeindebezirke) u. diese wieder in Kirchspiele eingeteilt. In jedem Kreis ist mit der Leitung der Verwaltung der Zivilgouverneur betraut, der gleichzeitig dem Verwaltungsgerichtshof in dem Kreis vorsteht. In den Gemeindebezirken sind die Verwalter mit Regierungsgeschäften betraut, neben welchen die Regedores in den Kirchspielen als Polizeibeamte erscheinen. Die Rechtspflege wird ausgeübt von dem obersten Justiztribunal in Lissabon, von 3 Berufungsgerichtshöfen, den Geschwornengerichten, 146 Gerichtshöfen erster Instanz in den Comarcas, den ordentlichen Einzelrichtern und den Friedensrichtern.
Der Staatshaushalt bot in P. immer ein ungünstiges Bild und zeigt auch gegenwärtig trotz eingetretener Besserung ein jährliches Defizit und infolgedessen ein stetiges Anschwellen der Staatsschuld. Das Budget für das Finanzjahr 1887/88 bezifferte die
| Einnahmen mit | 34409891 | Milreis |
| Ausgaben mit | 39327366 | „ |
| so daß sich ein Defizit von: | 4917475 | Milreis |
[254] ergab. Unter den Einnahmen befinden sich direkte Steuern 6,290,410 Milreis, Registrierung und Stempel 3,341,700 Milreis, indirekte Steuern 18,173,110 Milreis, Staatsgüter, Post, Telegraph und Eisenbahnen 3,528,613 Milreis. Unter den Ausgaben sind die Hauptposten: Staatsschuld 14,886,963 Milreis, Finanzministerium 8,087,717, Kriegsministerium 4,963,583, Ministerium der öffentlichen Arbeiten 4,094,631, Ministerium des Innern 2,020,527, Marine und Kolonien 2,013,563 Milreis. Das Budget für die Kolonien ergab außerdem für 1885/86: 2,746,663 Milreis Einnahmen und 3,405,936 Milreis Ausgaben. Die Staatsschuld hatte 30. Juni 1886 einen Stand von 490,301,599 Milreis.
Das Heerwesen ist durch Gesetz vom 23. Juni 1864, modifiziert durch spätere Dekrete, organisiert. Hiernach besteht allgemeine Wehrpflicht, indem jeder Portugiese vom erreichten 21. Jahr an zum Militärdienst verpflichtet ist. Doch ist Stellvertretung gestattet. Die Dienstzeit dauert zwölf Jahre, davon drei unter den Fahnen, fünf in der ersten und vier in der zweiten Reserve. Das Heer besteht aus der europäischen Armee und den Kolonialtruppen. Erstere hat folgende Formation: 24 Infanterie- und 12 Jägerregimenter (à 3 Bataillone zu 4 Kompanien), 10 Kavallerieregimenter (2 Ulanen- und 8 Jägerregimenter à 6 Kompanien), 3 Regimenter Feldartillerie (à 12 Batterien), ein Regiment Gebirgsartillerie, 2 Regimenter und 4 Kompanien Garnisonartillerie, ein Genieregiment (3 Bataillone, eine Kompanie Torpedosoldaten); die Munizipalgarde (Gendarmerie), die Zoll- und Grenzwache etc. Der Friedens- und Kriegsstand der portugiesischen Armee ist folgendermaßen festgestellt:
| Frieden | Krieg | |||
| Infanterie | 23258 | Mann | 99588 | Mann |
| Kavallerie | 4054 | „ | 6803 | „ |
| Artillerie | 2933 | „ | 10241 | „ |
| Genie | 833 | „ | 2200 | „ |
| Andre Formationen | 7589 | „ | 7661 | „ |
| Zusammen: | 38667 | Mann, | 126493 | Mann. |
Der Kriegsstand umfaßt außerdem 7821 Pferde, 4870 Maultiere und 264 Kanonen.
Die Kriegsflotte umfaßte 1887: 39 Dampfer mit 4691 Pferdekräften und 139 Kanonen und 15 Segler mit 42 Geschützen. Die Dampfer teilen sich ein in: eine Panzerkorvette mit 7 Geschützen, 6 Korvetten mit 60 Geschützen, 17 Kanonenboote mit 52 Geschützen, 2 Transportschiffe mit 4 Geschützen, 7 Schraubendampfer mit 13 Geschützen, 2 Torpedofahrzeuge und 2 Bugsierdampfer; die Segelschiffe in eine Fregatte mit 19 Geschützen, 2 Korvetten mit 11 Geschützen, 11 Schoner und Kutter mit 11 Geschützen. Das Personal der Kriegsmarine beläuft sich auf 3136 Mann.
Die außereuropäischen Kolonien Portugals sind:
| A. In Afrika: | QKilom. | Einwohner |
| Kapverdische Inseln | 3851 | 109299 |
| In Senegambien | 69 | 6518 |
| St. Thomas und Principe | 1081 | 20888 |
| Fort Ajuda | 35 | 700 |
| Angola, Benguela, Mossamedes | 809400 | 2000000 |
| Congodistrikt | 79513 | 276300 |
| Mosambik, Sofala | 991150 | 2000000 |
| B. In Asien: | ||
| Provinz Goa in Indien | 3270 | 419993 |
| Damao | 80 | 48883 |
| Diu | 5 | 12636 |
| Macao | 12 | 68086 |
| Timor | 16300 | 300000 |
| Zusammen: | 1904766 | 5263303 |
Das Wappen Portugals besteht aus einem silbernen Schild, auf welchem 5 kleine blaue Schildchen in Form eines Kreuzes angebracht sind, von denen jedes 5 Silbermünzen zeigt. Der Wappenschild ist von einem breiten roten Rand mit 7 goldenen Kastellen (Algarve) umgeben. Um den Schild hängt die Kette des Christusordens (s. Tafel „Wappen“). Die Flagge Portugals ist der Quere nach in ein blaues und ein weißes Feld geteilt (s. Tafel „Flaggen“). Die Landesfarben sind Blau und Weiß. Die Residenz ist Lissabon. P. hat folgende Orden: den Christusorden (s. Tafel „Orden“), die Militärorden von San Jago und São Bento de Aviz, den Orden da Torre e Espada, den Orden de Nossa Senhora da Conceição de Villa Viçosa und den der heil. Isabella.
Vgl. Minutoli, P. und seine Kolonien (Stuttg. 1855, 2 Bde.); A. de Figueiredo, Le P. (Lissab. 1873); Pery, Geographia e estatistica geral de P. e colonias (das. 1875); de La Saigne, Le P. historique, commercial et industriel (Par. 1876); Rouffeyroux, Le P. (das. 1880); Aldama-Ayala, Compendio geographico-estatistico de P. e sus posesiones ultramarinas (Madr. 1880); Crawfurd, P., old and new (Lond. 1880); Lavigne, L’Espagne et le P. (Par. 1883); Murray, Handbook for travellers in P. (4. Aufl., Lond. 1887); Passarge, Aus dem heutigen Spanien und P. (Leipz. 1883, 2 Bde.); Müller-Beeck, Reise durch P. (Hamb. 1883); Willkomm, Pyrenäische Halbinsel, Bd. 1 (Prag 1884); Eschwege, P., ein Staats- und Sittengemälde (Hamb. 1837); Ribeiro, Historia dos estabelecimentos scientificos, litterarios e artisticos de P. (Lissab. 1871–72, 2 Bde.); Braga, Ethnographia portugueza (das. 1885, 2 Bde.); Bonança, Historia da Lusitania e da Iberia (das. 1886, 3 Bde.); ferner die amtlichen Werke: „Annuario estatistico de P. 1884“ (das. 1886); „Estatistica de P., População“ (das. 1881); „Estatistica geral do commercio de P.“; „Boletin official“ etc. Karten: Carta corographica dos Reinos de P. e Algarve in 37 Blättern (1 : 100,000, noch unvollendet); Folque, Carta geographica de P. (1 : 500,000, 1870).
Portugal umfaßt ungefähr das Gebiet der alten Lusitanier, die erst nach zehnjährigem hartnäckigen Widerstand unter dem tapfern Viriathus von den Römern besiegt wurden (138 v. Chr.), sich später aber nochmals unter Führung des Sertorius erhoben. Nach dessen Untergang (72) wurde Lusitanien ein Teil der römischen Provinz Hispania ulterior, 27 v. Chr. aber eine besondere kaiserliche Provinz mit der Hauptstadt Augusta Emerita (Merida). Zur Zeit der Völkerwanderung wurde das Land im Anfang des 5. Jahrh. von den Alanen und Sueven in Besitz genommen; nach der Vernichtung der Alanen durch die Westgoten kam es unter deren Herrschaft bis auf den kleinen suevischen Teil, der erst 585 mit dem Westgotenreich vereinigt wurde. Mit dem Sturz des Westgotenreichs fiel P. 711 an die Araber.
Die Wiedereroberung des Landes durch die Christen begann im 11. Jahrh. unter der Herrschaft Ferdinands von Kastilien (1037–1067), der nach der Eroberung von Coimbra die Grenzen seines Landes in P. bis zum Fluß Mondego ausdehnte und das eroberte Land als Markgrafschaft P. (von der alten Hafenstadt Portus Cale, dem heutigen Porto) durch einen kastilischen Statthalter verwalten ließ, während der südliche Teil unter dem Namen Algarve unter arabischer Herrschaft blieb. Alfons VI. (1072 [255] bis 1109) verlieh 1093 die Markgrafschaft zuerst seinem Schwiegersohn Raimund von Hochburgund dann dessen Verwandten, dem Grafen Heinrich, dem er seine natürliche Tochter Theresia zur Gemahlin gab. Schon dieser machte sich von Kastilien unabhängig und nannte sich „von Gottes Gnaden Graf und Herr von ganz P.“, und sein Sohn Alfons I. Henriquez (1112–85) wurde nach dem glänzenden Sieg über die Araber bei Ourique (1139) von seinen Truppen als König von P. ausgerufen, welchen Titel der Reichstag von Lamego (1143) und dann auch der Papst bestätigten. Mit Hilfe deutscher Kreuzfahrer, welche auf dem Seeweg nach Palästina fuhren, um am zweiten Kreuzzug teilzunehmen, eroberte Alfons 25. Okt. 1147 Lissabon und schlug hier seine Residenz auf, die bisher in Coimbra gewesen war. Sancho I. (1185–1211) erwarb sich den Beinamen „der Bauernfreund“ durch seine Fürsorge für den Ackerbau; aber auch für die Hebung der Städte, welche er mit christlichen Ansiedlern bevölkerte und mit Rechten und Freiheiten ausstattete, war er bemüht. Sein Sohn Alfons II. (1211–23), „der Dicke“, der in demselben Geist regierte, geriet in Konflikt mit dem Klerus, der sich unter Sancho II. (1223–45), obwohl dieser in dem Konkordat von Coimbra dem Klerus weitgehende Rechte und Immunitäten einräumte und den Arabern Elvas entriß, so verschärfte, daß der Papst den König absetzte; derselbe floh nach Toledo, wo er 1248 starb. Sein Bruder Alfons III. (1248–79), welcher Algarve eroberte und sich „König von P. und Algarve“ nannte, wurde anfangs von der Kirche begünstigt, aber als er sich von ihr unabhängig machen wollte, 1277 mit dem Bannfluch belegt, der nebst Interdikt auch über seinen Sohn Dionysius (Diniz, 1279–1325) verhängt wurde. Als dieser 1289 ein Konkordat mit der Kirche schloß, vereinbarte er gleichzeitig mit den Reichsständen zu Coimbra ein „Amortisationsgesetz“, welches den Erwerb von Grundstücken durch die Tote Hand verbot, und verlieh bei der Aufhebung des Templerordens den größten Teil der Güter desselben dem neugestifteten Christusorden (1319); auch gründete er eine Universität zu Lissabon (1290), die 1307 nach Coimbra verlegt wurde. In den letzten Jahren seiner Herrschaft hatte Dionysius, der seinen natürlichen Sohn Alfons Sanchez, Herzog von Albuquerque, begünstigte, mit einem Aufruhr seines Sohns Alfons zu kämpfen, der ihm als Alfons IV. (1325–57) folgte. Derselbe hielt auf strenge Rechtspflege, ließ aber die Ermordung der Gemahlin seines Sohns Pedro, Ines de Castro, zu (1355). Pedro I. (1357–67), „der Strenge“ genannt wegen der blutigen Rache, die er an den Urhebern jener That nahm (1360), vollzog die Gesetze ohne Rücksicht auf Rang und Stand zum Schutz der niedern Stände, so daß seine Regierung lange in gutem Andenken war, während sein Sohn Ferdinand I. (1367–83) durch einen unglücklichen Krieg mit Kastilien, in welchem Lissabon eingeäschert (1372) und die portugiesische Flotte besiegt wurde, das Land zerrüttete.
Auf Ferdinand I., mit welchem 22. Okt. 1383 das echte burgundische Haus erlosch, folgte mit Pedros I. unechtem Sohn Johann I. (1385–1433) das unechte burgundische Haus, das bis 1580 den portugiesischen Thron innehatte. Durch den Sieg bei Aljubarrota (14. Aug. 1385) über den kastilischen König Johann I., welcher als Gemahl einer Tochter Ferdinands I. Ansprüche auf P. machte, sicherte Johann seine Herrschaft und eroberte Ceuta. Unter ihm begannen mit der Fahrt nach Porto Santo (1418) und der nach Madeira (1419) die Entdeckungen der Portugiesen, welche besonders der dritte Sohn des Königs, Heinrich der Seefahrer, beförderte; ein von diesem ausgerüstetes Schiff umfuhr 1432 das Kap Bojador. Nach der kurzen Regierung Eduards (1433–38), der einen unglücklichen Krieg gegen Marokko führte, in welchem Ceuta wieder verloren ging und des Königs Bruder Ferdinand („der standhafte Prinz“) in lebenslängliche Gefangenschaft fiel, kam Alfons V. (1438–81) zur Regierung. Derselbe stand zuerst (bis 1448) unter Vormundschaft seines Oheims Dom Pedro, des Schöpfers der unter dem Namen „Ordonnanzen des Königs Alfons V.“ bekannten Gesetzsammlung. Alfons V., der mit Johanna, der Tochter Heinrichs IV. von Kastilien, verlobt war, wollte dies Reich erobern, mußte aber nach der Niederlage von Toro (1476) im Frieden von Alcantara (24. Sept. 1479) auf seine Ansprüche verzichten. Dagegen eroberte er die Städte Alkazar (1458), Arzilla (1470) und Tanger (1471) in Afrika, wodurch er den Beinamen des „Afrikaners“ erwarb, und auf den vom Infanten Heinrich geleiteten Entdeckungsfahrten wurden 1447 die Azoren, 1455 die Inseln des Grünen Vorgebirges erreicht. Unter Alfons’ Sohn und Nachfolger Johann II. (1481–95) entdeckte Bartholomeu Diaz 1486 das Kap der Guten Hoffnung. Hierauf schloß P. mit Spanien, das 1492 die Unternehmung des Kolumbus ausgerüstet hatte, 7. Juni 1494 einen Vergleich, wonach alle entdeckten Länder jenseit des 21.° westlich von den Kapverdischen Inseln den Spaniern, alle diesseit oder östlich den Portugiesen gehören sollten. Gegen den hohen Adel schritt Johann mit schonungsloser Härte ein, ließ den Herzog von Braganza hinrichten (20. Juni 1483), erstach mit eigner Hand den Herzog von Vizeu (22. Aug. 1484), forderte widerrechtlich veräußerte oder angeeignete Krongüter zurück und nahm die höchste Gerichtsbarkeit ausschließlich für die Krone in Anspruch.
Unter Emanuel (1495–1521) dem Großen (oder Glücklichen) erreichte P. seinen höchsten Glanz. Vasco da Gama erreichte endlich das lange erstrebte Ziel durch Umschiffung von Afrika und landete 20. Mai 1498 im Hafen von Kalikat; Cabral, nach Brasilien verschlagen (24. April 1500), nahm dies Land für die Krone von P. in Besitz. Die Macht der Portugiesen in Indien wurde besonders durch Almeida und Albuquerque begründet und von Goa über Ceylon, die Sundainseln und Molukken ausgedehnt; mit China und Japan wurden gewinnreiche Handelsverbindungen angeknüpft. Lissabon war eine Zeitlang der Stapelplatz für die vielbegehrten und wertvollen indischen Waren, und mit dem gesteigerten Wohlstand blühten auch Künste und Wissenschaften auf. König Emanuel ließ auch ein in seinem Todesjahr (1521) erschienenes Gesetzbuch ausarbeiten, den sogen. Manuelschen Kodex, eine Verbesserung und Umgestaltung der Ordonnanzen Alfons’ V. Indes Emanuel selbst trug schon zum Verfall bei, indem er die Mauren und die Juden, von denen 2000 am Ostersonntag 1506 ermordet wurden, verfolgte und zahlreiche fleißige Unterthanen zur Auswanderung zwang. Da die Portugiesen gleich den Spaniern jener Zeit nur im Kriegsdienst und in abenteuerlichen kühnen See- und Entdeckungsfahrten eine ihrer würdige Thätigkeit sahen, erlahmten in P. Industrie und Ackerbau, und auch der geistige Aufschwung wurde durch die Einführung der Inquisition unterdrückt, welche die Jesuiten 1536 unter Johann III. (1521–57) durchsetzten. Auf diesen folgte, da ihm seine sechs Söhne [256] im Tod vorangegangen waren, sein dreijähriger Enkel Sebastian (1557–78), zunächst (bis 1568) unter Vormundschaft seines Großoheims, des Kardinal-Infanten Heinrich. Dieser übertrug die Erziehung des jungen Königs den Jesuiten, welche ihm den Kampf gegen die Ungläubigen als erste Pflicht einprägten. Als ihn daher ein aus Marokko vertriebener Fürst um Hilfe anging, unternahm er einen Feldzug gegen die Mauren, der aber mit der furchtbaren Niederlage bei Alkazar (4. Aug. 1578) endete: 12,000 christliche Streiter, unter ihnen der König und die Blüte des portugiesischen Adels, deckten das Schlachtfeld. Der einzige legitime Sproß des Königshauses, Kardinal Heinrich, der nun als König Heinrich den Thron bestieg, starb schon 31. Jan. 1580.
Ein natürlicher Sohn des Herzogs von Beja, Bruders von Johann III., der Malteserprior Antonio von Crato, erhob nun Anspruch auf die Krone. Gegen ihn trat König Philipp II. von Spanien, Sohn der ältesten Schwester und Gemahl der ältesten Tochter Johanns III., mit Thronansprüchen auf, die bereits von einer durch König Heinrich eingesetzten Kommission als die bestbegründeten anerkannt worden waren, und für welche Philipp einen großen Teil des Adels und des Klerus gewonnen hatte. Als Antonio im Mai 1580 von mehreren Städten zum König ausgerufen wurde, schickte Philipp den Herzog von Alba mit einem Heer nach P., der Antonio mit leichter Mühe besiegte (August 1580) und zur Flucht nach Frankreich zwang. Von den Azoren aus versuchte derselbe P. wiederzuerobern, wurde aber in einer Seeschlacht besiegt und starb 1595 in Frankreich. Inzwischen hatte Philipp, nachdem er von den nach Thomar einberufenen Cortes als König anerkannt worden, 29. Juni 1581 in Lissabon seinen Einzug gehalten und den Kardinal Albrecht, Erzherzog von Österreich, zu seinem Statthalter in P. ernannt. Trotz des Versprechens, das Philipp II. in Thomar gegeben, die Rechte u. Institutionen des Landes zu schonen, arbeiteten die spanischen Könige darauf hin, P. zu einer spanischen Provinz zu machen. Besonders verderblich wurde aber die spanische Herrschaft für den portugiesischen Kolonialbesitz. Die Korruption der spanischen Beamten und die Einführung der Inquisition entfremdeten die eingeborne Bevölkerung. Als daher Philipp II. den Niederländern den Handel mit den Kolonien verbot, 50 niederländische Kauffahrer an der Mündung des Tejo wegnehmen ließ und die Niederländer darauf mit kriegerischen Maßregeln in Indien antworteten, gerieten die Molukken und die Sundainseln sowie Malakka bald in ihre Gewalt und gingen P. für immer verloren; ja, auch den größten Teil Brasiliens hatten die Holländer längere Zeit im Besitz. Diese Verluste sowie der harte Druck, der auf dem Land lastete, erweckten beim Volk den sehnlichsten Wunsch nach der frühern Selbständigkeit und bewirkten, daß die vier falschen Sebastiane, namentlich der letzte, für echt gehalten wurden, obwohl Philipp II. die Leiche des echten Sebastian von Ceuta nach P. hatte bringen und in vaterländischer Erde hatte beisetzen lassen. Schließlich richteten sich die nationalen Hoffnungen auf den Herzog Johann von Braganza, den Enkel Katharinas von Braganza, Tochter des jüngsten Bruders Johanns III., den einzigen Abkömmling des alten Königshauses. Als die Spanier nach der Unterdrückung eines Aufstandsversuchs in Evora (1638) sich der Person Johanns von Braganza zu bemächtigen drohten, sah sich dieser zum Handeln gedrängt. Nachdem er 12. Okt. 1640 von einer Adelspartei als König anerkannt worden, überfiel er 1. Dez. die Regentin, Herzogin Margareta von Mantua, in ihrem Palast in Lissabon und nahm sie gefangen. Auch das Kastell von San Juliano, der Schlüssel von Lissabon, fiel durch Verrat in die Hände der Aufständischen, und 15. Dez. fanden die Huldigung und Krönung Johanns IV. aus dem Haus Braganza statt. 1644 rückte ein spanisches Heer in P. ein, um Johann zu vertreiben, wurde aber 26. Mai von Matthias von Albuquerque geschlagen. Die Eroberung von Villa Viçosa, dem Stammsitz der Braganza, und andre Erfolge konnten die Spanier wegen ihres gleichzeitigen Kriegs mit Frankreich nicht ausbeuten, erlitten 14. Jan. 1659 bei Elvas eine neue Niederlage und schlossen endlich, nachdem sie von dem in portugiesische Dienste getretenen französischen Marschall Schomberg bei Amerial (3. Juni 1663) und bei Montesclaros (17. Juni 1665) besiegt worden waren, 13. Febr. 1668 den Vertrag von Lissabon, in welchem die Unabhängigkeit Portugals anerkannt, Ceuta an Spanien, Tanger an England überlassen wurde.
Unter Johann IV. (1640–56) gelang es, Brasilien den Holländern wieder zu entreißen, während der größte Teil der ostindischen Besitzungen denselben verblieb. Dies bestätigte der Friede zwischen P. und den Niederlanden vom 31. Juli 1669. Johanns IV. ältester Sohn, Alfons VI. (1656–67), der erst von 1660 an selbst regierte, war wegen seiner an Blödsinn grenzenden Schwachheit zur Herrschaft unfähig und machte sich überdies durch sein unsittliches Leben verhaßt. Daher wurde er von seiner Gemahlin Marie Françoise Elisabeth von Savoyen-Nemours und seinem jüngern Bruder, Dom Pedro, 23. Nov. 1667 zum Verzicht gezwungen. Dom Pedro II., mit der geschiedenen Königin vermählt (24. März 1668), führte darauf mit Zustimmung der Cortes als Regent und nach dem Tod seines Bruders (12. Sept. 1683) als König die Regierung (1683–1705). Die während der Wirren im königlichen Haus und während des Kriegs mit Spanien zu großem Einfluß gelangten Cortes wurden nun allmählich zurückgedrängt und immer seltener, unter Johann V. (1705–50) endlich gar nicht mehr einberufen. Im Innern herrschten die Könige absolut und stützten sich auf den Klerus, den sie durch den kostspieligen Bau von Kirchen und Klöstern, so des kolossalen Klosters Mafra, das 45 Mill. Cruzados verschlang, für sich gewannen; dafür erhielten sie vom Papste den Titel „allergetreuester König“ (Rex fidelissimus), und der Bischof von Lissabon wurde zum Patriarchen erhoben. Nach außen hin stellte sich P. ganz unter den Einfluß Englands, gewährte im Methuen-Vertrag (1703) den englischen Wollwaren freie Einfuhr, wodurch der portugiesischen Industrie großer Schade zugefügt wurde, überließ den Engländern ganz den Handel mit seinen Kolonien und ließ sich sogar zur Teilnahme am spanischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich bewegen. Joseph I. (1750–77) überließ die Regierung ganz seinem Minister Sebastian Joseph von Carvalho, Marquis von Pombal, und führte dadurch eine völlige Änderung des bisher herrschenden Systems herbei. Pombal, ein Vertreter des im 18. Jahrh. so mächtigen aufgeklärten Despotismus, suchte durch eine Flut von Verordnungen die Mißbräuche in der Verwaltung zu beseitigen, die zerrütteten Finanzen zu regeln und den Wohlstand des Landes zu heben, welcher durch das Erdbeben von Lissabon (1. Nov. [257] 1755) empfindlich geschädigt worden war. Bei dem Wiederaufbau der Stadt sorgte er für breite Straßen und für die Verschönerung durch prächtige öffentliche Gebäude, wie Börse, Kaufhaus und Arsenal. Dem Handel und Gewerbfleiß half er durch Aus- und Einfuhrverbote auf und förderte den Ackerbau durch Einführung neuer Kulturen; doch verfuhr er gleich andern Staatsmännern seiner Richtung hierbei vielfach übereilt und gewaltthätig, wie er denn eine Menge Weinberge zerstören ließ, um den Getreidebau zu vermehren. Durch Schriften, Verbesserung der Volksschulen und des höhern Unterrichtswesens, durch Herbeiziehung fremder Lehrer, Errichtung einer Akademie etc. wollte Pombal das Volk aus dem geistigen Schlaf aufrütteln und aufklären, rief aber dadurch den heftigsten Widerstand des bisher allmächtigen Klerus, besonders aber der Jesuiten, hervor. Nachdem in mehreren Vorstellungen an den Papst und in öffentlichen Aktenstücken auf die Entartung und Verweltlichung des Ordens, der sich mit Wucher und Sklavenhandel abgab und in Indien große Handelsunternehmungen betrieb, hingewiesen worden war, gab ein Mordversuch auf den König (3. Sept. 1758), der von dem Herzog von Aveiro und dem Marquis von Tavora ausging, an dem die Jesuiten aber beteiligt waren, Veranlassung, den Orden aufzuheben und aus dem Land zu verweisen (1759). Die zahlreichen von Johann V. der Kirche verliehenen Güter wurden zurückgefordert und die Gewalt des Papstes beschränkt. Als während des Siebenjährigen Kriegs das mit England verbündete P. von Spanien bedroht wurde und beim Einrücken eines spanischen Heers (Mai 1762) der erbärmliche Zustand des Heerwesens sich herausstellte, ernannte Pombal den Grafen Wilhelm zur Lippe zum portugiesischen Oberfeldherrn, der die Armee in kurzer Zeit reformierte und das Land gegen Spanien erfolgreich verteidigte. Trotz aller Aufwendungen für das öffentliche Wohl sammelte Pombal infolge seiner trefflichen Finanzverwaltung einen Barschatz von 78 Mill. Cruzados.
Josephs Tochter Maria (1777–1816) stand wieder ganz unter dem Einfluß der Geistlichkeit, entließ Pombal und hob die meisten Einrichtungen desselben wieder auf; nur die Verbannung der Jesuiten wurde nicht zurückgenommen. Da die schwache, abergläubische Königin 1792 in Wahnsinn verfiel, übernahm ihr Sohn Johann VI. die Regierung zuerst als Regent, erst nach Marias Tod (1816) als König (1816–26). Unter ihm wurde P. auch von den Stürmen berührt, welche nach der französischen Revolution Europa erschütterten. 1801 stellte Bonaparte durch Spanien an P. die Forderung, dem Bund mit England zu entsagen und den englischen Schiffen die Häfen des Landes zu verschließen. Die Weigerung, diesem Verlangen nachzukommen, hatte das Einrücken eines spanischen Heers unter Godoy, dem allmächtigen Günstling des spanischen Königspaars, zur Folge (Pomeranzenkrieg), worauf P. im Frieden von Badajoz (6. Juni 1801) die Ausschließung der englischen Schiffe, die Abtretung von Olivenza an Spanien und die Zahlung von 25 Mill. Frank an Frankreich versprach. Als der Regent das weitere Ansinnen, der Kontinentalsperre beizutreten, alle Engländer in P. zu verhaften und alle englischen Güter und Waren einzuziehen, ablehnte, schickte Napoleon 1807 den Marschall Junot mit einem Heer durch Spanien nach P., mit der Aufgabe, dasselbe zu besetzen und gemäß dem mit Spanien abgeschlossenen Vertrag von Fontainebleau (27. Okt. 1807) so zu teilen, daß Godoy Algarve, der König Karl Ludwig von Etrurien den Norden erhalten, der mittlere Teil zur Verfügung Napoleons bleiben sollte. Der Hof wartete jedoch die Ankunft der Franzosen nicht ab, sondern verließ 26. Nov. 1807 das Land und begab sich unter englischem Geleit nach Brasilien, worauf Junot sich der Hauptstadt und des ganzen Landes bemächtigte und im Namen Napoleons erklärte, „das Haus Braganza habe durch seine Flucht der Herrschaft entsagt und zu regieren aufgehört“.
Nach der Erhebung Spaniens 1808 schickten die Engländer Wellington mit Truppen, Geld und Waffen nach P., um die Franzosen zu vertreiben. Derselbe schlug, verstärkt durch portugiesische Freiwillige, Junot bei Vimeiro (21. Aug.) und zwang ihn zur Kapitulation von Cintra (30. Aug.), in der er sich zur Räumung Portugals verpflichtete. Anfang 1809 drangen die Franzosen unter Soult von neuem in P. ein, besiegten die Portugiesen bei Braga und Porto, mußten sich aber aus Mangel an Munition und Lebensmitteln im Mai nach Galicien zurückziehen. Ein dritter Einfall Massénas 1810 scheiterte an dem Widerstand Wellingtons in den Linien von Torres-Vedras. Unter fortwährenden Gefechten mit der ihm folgenden englisch-portugiesischen Armee ging Masséna nach Spanien zurück, und P. war seitdem von den Franzosen befreit. Da jedoch Johann in Brasilien blieb, auch nachdem er durch den Tod seiner Mutter Maria 1816 König geworden war, so stand P. fortan ganz unter der Gewalt der Engländer. An die Spitze der Regentschaft trat dem Namen nach der Patriarch von Lissabon, in Wirklichkeit der englische General Lord Beresford, der zugleich Oberbefehlshaber des portugiesischen Heers war. Ein Drittel der Offizierstellen war mit Engländern besetzt, englische Beamte wurden ins Land gezogen, der Handel befand sich ganz in englischen Händen und wurde nur zum Vorteil Englands ausgebeutet. Dagegen geschah nichts, um das Land zu heben sowie das Bedürfnis nach Freiheit und politischen Rechten zu befriedigen. Eine Verschwörung gegen die englische Herrschaft, an deren Spitze der General Dom Gomez Freyre und angesehene Edelleute standen, wurde rechtzeitig entdeckt und die Häupter derselben auf schimpfliche Weise hingerichtet (19. Okt. 1817). Während Beresford nach Brasilien abgereist war, ermutigte die Revolution in Spanien 1820 die Portugiesen zu einer Erhebung, und 24. Aug. brach der Aufstand in Porto aus; andre Städte, auch Lissabon, schlossen sich an, die Soldaten verweigerten den englischen Offizieren den Gehorsam, und die Landung des aus Rio de Janeiro zurückgekehrten Beresford wurde verhindert. In Lissabon wurde Mitte September eine der spanischen nachgebildete radikale Konstitution ausgerufen und eine Generaljunta eingesetzt, welche sofort für Anfang 1821 die Cortes einberief; diese genehmigten die Septemberkonstitution 9. März 1821.
Im April 1821 schiffte sich König Johann in Rio de Janeiro zur Rückkehr nach P. ein, wo er im Juli landete. Dieser Schritt des Königs hatte die Losreißung Brasiliens zur Folge, indem die Brasilier, welche sich P. nicht wieder unterordnen wollten, den als Regenten zurückgelassenen Sohn Johanns, Dom Pedro, 12. Okt. 1822 zum konstitutionellen Kaiser von Brasilien ausriefen. Mit leichter Mühe wurden die portugiesischen Garnisonen und Schiffe aus Brasilien vertrieben, und 29. Aug. 1825 kam unter englischer Vermittelung zwischen P. und Brasilien ein Vertrag zu stande, kraft dessen letzteres eine Schuld [258] von 2 Mill. Pfd. Sterl. von P. übernahm und dafür als selbständig anerkannt wurde. P. war um so weniger im stande gewesen, eine Unterwerfung Brasiliens zu versuchen, als es durch innere Wirren zerrüttet war. Dom Miguel, Johanns zweiter Sohn, und seine Mutter Carlotta, eine Schwester König Ferdinands VII. von Spanien, hatten Johann VI. schon 1821 von der Beschwörung der radikalen Septemberverfassung, freilich vergeblich, abhalten wollen. Als nun 1823 in Spanien durch die Franzosen das absolute Königtum hergestellt wurde, erklärte sich Dom Miguel zu Villafranca gegen die Konstitution von 1820, gewann die Truppen für sich, bemächtigte sich der Person des Königs und ließ durch diesen die Cortes auflösen (2. Juni 1823). Damit nicht zufrieden, versuchte Dom Miguel im Mai 1824 einen Staatsstreich zur Errichtung eines absoluten Königtums, den aber der englische Gesandte vereitelte, indem er König Johann bewog, sich auf ein englisches Schiff zu begeben, von hier aus das Unternehmen seines Sohns zu verurteilen und ihn zu verbannen.
König Johann VI. starb 10. März 1826, und da sein ältester Sohn, Pedro I. von Brasilien, nicht zugleich König von P. sein konnte, übertrug er die portugiesische Krone 2. Mai 1826 auf seine erst siebenjährige Tochter Maria II. da Gloria unter der Bedingung, daß sie sich mit Dom Miguel vermähle und das Land nach einer von ihm gegebenen freisinnigen Verfassung regiere. Diese neue Verfassung, welche eine Menge alter Gewohnheiten und Interessen verletzte, ohne einen dem Volk verständlichen Vorteil zu bieten, stieß nicht bloß bei den Absolutisten auf Widerstand, und eine Erhebung derselben unter dem Marquis von Chaves (1826) konnte nur mit Hilfe englischer Truppen, welche Ende 1826 unter General Clinton in Lissabon landeten, 1827 niedergeschlagen werden. Als die englischen Truppen im Frühjahr 1828 wieder abgezogen waren, berief Dom Miguel, der inzwischen nach P. zurückgekehrt war und den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, die alten Cortes von Lamego zusammen (23. Juni 1828), sagte sich von jeder Verpflichtung gegen Dom Pedro und dessen Tochter Maria los und ließ sich zum König ausrufen (14. Juli). Die Konstitutionellen, die sich in Porto für die Verfassung erhoben, wurden geschlagen und zur Flucht ins Ausland genötigt und mit Hilfe der Truppen und einer starken Polizei eine unumschränkte Herrschaft errichtet: eine große Zahl Liberaler wurde hingerichtet, andre endeten in den überfüllten schrecklichen Gefängnissen, den Entflohenen wurde ihr Vermögen entrissen.
Zahlreiche verfassungstreue Flüchtlinge sammelten sich auf der Azoreninsel Terceira und errichteten unter Palmella und Villaflor eine Regentschaft. Hierher kam im Februar 1832 auch Dom Pedro, der 1831 auf den Thron von Brasilien verzichtet hatte und für die Rechte seiner Tochter und die liberale Sache einzutreten entschlossen war; in Paris und London hatte er Unterstützung gefunden und ein kleines Heer geworben. Unter seiner Führung landeten die Liberalen mit einer 12,000 Mann starken Armee 7. Juli 1832 bei Porto, das schon am nächsten Tag in ihre Hände fiel, wo sie aber bis zum Juli 1833 von Dom Miguel eingeschlossen und belagert wurden. Endlich schifften sich der englische Kapitän Napier und der zum Herzog von Terceira erhobene General Villaflor nach Algarve ein, wo sie unerwarteten Beistand fanden. Während darauf Terceira zu Land auf Lissabon marschierte, segelte Napier mit einer Flotte dahin, besiegte diejenige Miguels beim Kap St. Vincent (5. Juli 1833) und erzwang 24. Juli mit Terceira den Einzug in Lissabon. Dennoch würde die vom französischen Marschall Bourmont befehligte und durch französische und spanische Legitimisten verstärkte Armee Dom Miguels noch länger haben Widerstand leisten können, wenn nicht der Thronwechsel in Spanien eingetreten wäre (29. Sept. 1833). Dom Miguel erkannte den Bruder Ferdinands VII., Don Karlos, als König an und gewährte ihm Aufnahme und Beistand. Deswegen schlossen England und Frankreich mit Isabella von Spanien und Maria von P. die Quadrupelallianz vom 22. April 1834 und leisteten gegen die Kronprätendenten wirksamen Beistand. Nachdem Dom Miguel von der spanisch-portugiesischen Armee unter Rodil und Dom Pedro bei Thomar 15. Mai 1834 besiegt worden war, verzichtete er in dem Vertrag von Evora (26. Mai) gegen einen Jahrgehalt von 375,000 Frank auf die Krone und begab sich in das Ausland, wo er 1866 starb.
Dom Pedro starb schon 24. Sept. 1834, und seine Tochter Maria, die für diesen Fall volljährig erklärt worden war, übernahm nun selbst die Regierung; sie vermählte sich mit dem Prinzen von Leuchtenberg und nach dessen frühem Tod mit dem Prinzen Ferdinand von Sachsen-Koburg, der den Titel König, aber keine Machtbefugnisse, nicht einmal den Oberbefehl über das Heer erhielt. 1836 wurde sie durch einen Volksauflauf gezwungen, ein aus „Septembristen“, d. h. Anhängern der Verfassung von 1820, bestehendes Ministerium zu berufen und einer konstituierenden Cortesversammlung die Konstitution von 1820 vorzulegen, welche, gemäßigt durch die Einführung des Zweikammersystems und des absoluten Vetos der Krone, zum Staatsgrundgesetz erhoben wurde. Die Gegner derselben, die Moderados oder Chartisten, d. h. die Anhänger der Charte Dom Pedros, der gemäßigt liberalen Verfassung, erlangten 1842 unter Führung Costa Cabrals, Grafen von Thomas, die Oberhand und setzten ein Ministerium unter Terceira ein, das nach der Verfassung Dom Pedros regierte. Durch einen Aufstand im Norden wurde Terceira 1846 gestürzt und durch den volkstümlichen Palmella ersetzt, der aber schon 1847 durch eine Palastrevolution beseitigt wurde. Erst 1857 erlangten die Septembristen unter Saldanha wieder die Oberhand und behaupteten sich auch nach Maria da Glorias Tod (15. Nov. 1853) unter der Regierung ihres ältesten Sohns, Pedros V. (1853–61), der bis 1855 unter der Vormundschaft seines Vaters, des Königs Ferdinand, stand. 1857 endlich bildete der Marquis Loulé ein die verschiedenen Parteien vertretendes Kabinett, welches die Parteileidenschaften für einige Zeit beschwichtigte. Überdies nahm das schwere Unglück, welches die Königsfamilie betraf, die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch, indem erst die junge Gemahlin des Königs, Stephanie von Hohenzollern, dann er selbst (6. Nov. 1861) und noch zwei seiner Brüder von einem hitzigen Fieber hinweggerafft wurden. König wurde Pedros zweiter Bruder, Ludwig I.
Die Krone hatte infolge der Ereignisse seit Beginn des Jahrhunderts an Macht und Ansehen sehr verloren und war ganz von den Cortes abhängig. In diesen waltete ein gemäßigt freisinniger Geist, so daß manche den Zeitverhältnissen entsprechende Gesetze erlassen, religiöse Toleranz proklamiert, die Majorate und die Erblichkeit der Pairswürde abgeschafft wurde u. dgl. m. Doch gründliche Reformen wurden nicht unternommen, wie sich auch das Volk selbst nicht aus einem Zustand von Erschlaffung herauszureißen vermochte. [259] 1870 erzwang Saldanha durch eine Militärrevolte die Entlassung des Ministeriums Loulé (19. Mai), konnte sich aber selbst nur bis zum Herbst 1871 behaupten, worauf das Haupt der Gemäßigten (Regeneradores), Fontes Pereira de Mello, ein Kabinett bildete, das mit kurzen Unterbrechungen (1877 und 1879–81) die Mehrheit in den Cortes besaß und sich bis 1886 behauptete. Fontes Pereira führte 1885 eine Verfassungsreform durch, welche das Wahlrecht für die Zweite Kammer erweiterte und die Pairskammer in der Weise umgestaltete, daß sie fortan aus teils vom König ernannten, teils vom Volk gewählten Mitgliedern bestand. Bekämpft wurde Fontes Pereira von den radikalen Reformisten und den Progressisten, deren Führer de Castro 1886 an die Spitze der Regierung trat. Vor allem die Zerrüttung der Finanzen, das fortwährende Defizit und die stark angewachsene Staatsschuld machen eine energische Umgestaltung der Staatsverwaltung und der Besteuerung notwendig. Auch der Handel bedarf eines Aufschwungs. Um diesen zu ermöglichen, wahrte P. seit der Ausbreitung andrer Nationen in Afrika seine dortigen Besitzanrechte mit Eifersucht, schickte Reisende zur Erforschung und Aufschließung des Innern aus und schloß 26. Febr. 1884 einen Vertrag mit England, der den untern Congo in seine und Englands Hände bringen sollte. Doch mußte es sich 1885 den Beschlüssen der Congokonferenz (s. d.) fügen.
Vgl. Serra, Colleçao de livros ineditos de historia portugueza (Lissab. 1790–93, 3 Bde.); Sousa, Bibliotheca historica (das. 1801); Derselbe, Documentos arabicos para a hist. port. (das. 1790); da Costa, Historia de P. (Lond. 1809, 3 Bde.); Schäfer, Geschichte von P. (Hamb. u. Gotha 1836–54, 5 Bde.); Herculano, Historia de P. (Lissab. 1845–52, 4 Bde.); Barbosa de Pinho Leal, P. antigo e moderno (das. 1873–77, 7 Bde.); Latino Coelho, Historia politica e militar de P. (das. 1874 ff.); Pepper, Le P., ses origines, son histoire etc. (Par. 1879); Mc. Murdo, History of P. bis zur Regierung Alfon’s III. (Lond. 1888); Rebello da Silva, Historia de P. nos seculos 17 e 18 (Lissab. 1860–71, 5 Bde.); Schepeler, Geschichte der Revolutionen Spaniens und Portugals (Berl. 1826–27, 3 Bde.); Bollaert, Wars of succession of P. and Spain (Lond. 1870, 2 Bde.); da Suz Soriano, Historia da guerra civil (Lissab. 1870–76, 5 Bde.); Prince R. Giedroye, Histoire du P. au XIX. siècle (Par. 1876).
[665] Portugal, Geschichte. Das neue progressistische Ministerium de Castro, welches 19. Febr. 1886 gebildet worden war, sah sich Anfang 1887 genötigt, die Kammer aufzulösen, weil sie 4. Jan. ein Mitglied der Opposition zum Präsidenten gewählt hatte. Bei den Neuwahlen, welche 27. Febr. stattfanden, wurden 108 Anhänger der Regierung und nur 36 Konservative, ferner 2 Republikaner gewählt. Dennoch [666] wurden von den Reformen, welche die Progressisten als Opposition immer gefordert und bei ihrer Übernahme der Regierung versprochen hatten, nur wenige wirklich durchgeführt; bloß ein neues Handelsgesetzbuch kam 1888 zu stande sowie eine Reform der Getreide- und Spirituszölle. Die Regierung war schutzzöllnerisch gesinnt und begünstigte das Monopolsystem, besonders bei der Weinausfuhr, was bei den Weinhändlern in Oporto große Unzufriedenheit erregte. Die Hauptaufmerksamkeit der Regierung und des Volkes wendete sich den Kolonien zu, welche P. sich in dem Wettkampf der Nationen um den Besitz der Länder in Asien und Afrika zu sichern suchte. Ein Vertrag mit China vom 26. März 1887 erkannte P. den Besitz von Macao zu und gab ihm das Recht, dieses Gebiet ohne Erlaubnis Chinas abzutreten. Ein Konkordat mit dem Papst regelte die kirchlichen Verhältnisse in den portugiesischen Besitzungen in Ostindien. Mit Deutschland ward 30. Dez. 1886 eine Übereinkunft über die Grenzen der beiderseitigen Besitzungen in West- und Ostafrika abgeschlossen. Die bisher gänzlich vernachlässigte Kolonie Angola wurde durch Errichtung einer eingebornen Truppe und durch Anlage von Eisenbahnen gehoben, während das Protektorat über die Küste von Dahomé 1887 wieder aufgegeben wurde. Im Osten Afrikas wahrte P. seine Rechte gegen Sansibar und beteiligte sich an der von Deutschland und England zur Unterdrückung des Sklavenhandels unternommenen Blockade der Ostküste von Afrika. Gegenüber dem Plan Englands, durch einen einer Gesellschaft erteilten Freibrief das ganze innere Afrika vom Kapland bis zu den Nilquellen unter englische Hoheit zu bringen und so die besonders im Gebiet des Sambesi wichtige Verbindung zwischen den portugiesischen Besitzungen Mosambik und Angola zu unterbrechen, wahrten die Kammern im Juni 1889 die portugiesischen Rechte und forderten die Regierung zur energischen Verteidigung derselben auf. Diese nahm, da die Gesellschaft, welche den Bau der Eisenbahn an der Delagoabai bis zur Grenze von Transvaal zu bauen begonnen hatte, diesen nicht in der vertragsmäßigen Zeit vollendete, die Bahn 1889 in Besitz. England wurde durch diese nachdrückliche Wahrung der portugiesischen Ansprüche in Afrika in seinen Plänen gestört und erhob dagegen Einspruch. König Ludwig I. starb 19. Okt. 1889, ihm folgte der Kronprinz als König Karl I. Derselbe erließ eine Proklamation, in welcher er verkündete, daß er dem Beispiel seines Vaters folgen werde und durch strenge Beobachtung der politischen Einrichtungen des Landes sowie durch Förderung seiner Größe und seines Gedeihens sich die Liebe des Volkes zu erwerben suche. Er bestätigte die Minister in ihren Stellungen, und die 20. Okt. erfolgenden Abgeordnetenwahlen ergaben eine starke ministerielle Mehrheit. Anfang Januar 1890 erhielt die englische Regierung aus Mosambik die Kunde, daß der Reisende Major Serpa Pinto (s. d., Bd. 17) am Schire und in Maschonaland die portugiesische Flagge aufgeheißt und den sich widersetzenden Eingebornen vom Stamm der Makalolo in einem Gefecht (8. Nov. 1889) eine englische Flagge weggenommen habe. Sofort sandte sie nach Lissabon ein Ultimatum mit der Forderung der Räumung jener Gebiete, welche englische Gesellschaften beanspruchten, während P. ein altes Recht auf sie zu haben behauptete. Der portugiesische Minister Barros Gomes versprach die Räumung, wenn England ebenfalls Expeditionen nach jenen Ländern unterlasse, bis der Streit entschieden sei. England drohte aber mit dem sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, wenn sich P. nicht füge, und nun gab das Ministerium 12. Jan. mit Vorbehalt der Rechte Portugals nach, reichte aber am nächsten Tag seine Entlassung ein. Auf die Kunde hiervon kam es in Lissabon zu Unruhen, bei denen das Haus des englischen Konsuls angegriffen wurde. Der König entließ das Ministerium de Castro, und der liberal-konservative Serpa Pimentel bildete ein neues. Dasselbe rief die Entscheidung der Mächte in der Streitfrage mit England an, das aber von weitern Verhandlungen nichts wissen wollte, weswegen in P. große Erbitterung gegen das mächtige Inselreich herrschte. Die Republikaner suchten sich die Niederlage der Regierung zu nutze zu machen und zettelten Tumulte an, die jedoch energisch unterdrückt wurden.
[727] Portugal. Der äußere Handel Portugals hat im J. 1889 in der Einfuhr einen Wert von 2201/2 Mill. Mk., in der Ausfuhr einen solchen von 137 Mill. Mk. ergeben. Während die Einfuhr gegen 1888 um 221/4 Mill. Mk. gestiegen ist, betrug die Zunahme der Ausfuhr nicht ganz 6 Mill. Mk. Es ergibt sich hiernach ein bedeutendes, im Jahre 1889 weiter gesteigertes Mißverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr. Eine Zunahme zeigen in der Einfuhr Seiden-, Schafwoll-, Baumwoll- und Leinenwaren; ferner in erheblichem Maße Rindvieh, wovon fast 50,000 Stück gegen 35,000 im Vorjahr eingeführt wurden, Bauholz (7,6 gegen 5 Mill. Mk.), was auf die starke Bauthätigkeit in Lissabon zurückzuführen ist, Steinkohle (559,000 gegen 482,000 Ton.), Metalle und Metallwaren, Maschinen und Instrumente (13,8 gegen 11,4 Mill. Mk., welcher Zuwachs auf Rechnung industrieller Maschinen kommt). Zurückgegangen ist dagegen namentlich die Einfuhr von Weizen (von 2,050,000 auf 1,540,000 metr. Ztr.), für welche Erscheinung der Grund im folgenden liegt: Um die Interessen der Landwirtschaft und des Handels in Einklang zu bringen, war durch das Gesetz vom 15. Juli 1889 verfügt worden, daß der Importeur ausländischen Weizens (meist der Müller selbst) eine bestimmte Quantität davon erst dann aus dem Zollhaus gegen Entrichtung des Eingangszolls beziehen darf, wenn er mittels Certifikats nachweist, daß er bereits zweimal soviel portugiesischen Weizen gekauft habe, während die Einfuhr von Mehl (ausgenommen für Staatsbedarf) gänzlich verboten wurde. Infolge geringer Vorräte an einheimischem Weizen hat die obige Vorschrift bald den Bezug fremden Weizens unmöglich gemacht, die Mühlenindustrie zum Stillstand gebracht und die Gefahr einer Brotkrisis herbeigeführt, während reichliche Mengen fremden Weizens in den Zollämtern lagen, ohne bezogen werden zu dürfen, da die Bedingungen des obigen Gesetzes nicht erfüllt werden konnten. Um dieser Notlage abzuhelfen, wurde mit dem Gesetz vom 27. Febr. 1890 der Einfuhrzoll auf fremden Weizen auf jene Ziffer herabgesetzt, welche die Müller für annehmbar erklärten, um dem Gesetz vom 15. Juli 1889 entsprechen zu können, nämlich von 20 auf 16 Reis das Kilogramm. Auch wurde die Vorschrift der Beibringung des erwähnten Nachweises für die Zeit bis zum 31. Aug. 1890 suspendiert. Es herrscht sonach in der Agrarpolitik Portugals ein Hin- und Herschwanken zwischen Einfuhrverboten und Einfuhrbewilligungen, welches dem Verkehr nur schaden, dem Lande aber keinen Nutzen bringen kann. Der Handel des Mutterlandes mit den Kolonien hat von 1887 auf 1889 eine ansehnliche Steigerung (von 25,6 auf 31,5 Mill. Mk.) erfahren, welche fast ganz auf den Verkehr mit der Provinz Angola kommt. In der Ausfuhr haben zugenommen: Kork und Korkwaren (14 gegen 12 Mill. Mk.), dann Erze (6 gegen 5 Mill. Mk.). Abgenommen hat dagegen die Ausfuhr von Vieh (4 gegen 5 Mill. Mk.) und ganz besonders die von Wein, welche von 1,730,800 hl im Werte von 581/2 Mill. Mk. auf 1,475,800 hl im Werte von 56 Mill. Mk. gesunken ist. [728] Die Ursache dieser Abnahme dürfte in dem starken Wettbewerb spanischer Weine auf dem französischen Markte zu Preisen, bei welchen der portugiesische Weinbauer nicht mehr seine Rechnung findet, liegen. Auch die Ausfuhr von Fischen ist von 51/2 auf 41/2 Mill. Mk. zurückgegangen. Von den eingeführten und wieder ausgeführten Kolonialwaren (zusammen 31,5 Mill. Mk.) ist Kaffee in der Wiederausfuhr von 56,000 metr. Ztr. im Werte von 3 Mill. Mk. auf 110,000 metr. Ztr. im Werte von 61/2 Mill. Mk., Kakao von 39,000 metr. Ztr. im Werte von 11/4 Mill. Mk. auf 45,000 metr. Ztr. im Werte von 2 Mill. Mk. gestiegen. Von Kolonialkaffee sind im Inland selbst etwa 45,000 metr. Ztr. verbraucht worden. Die Differenzen zwischen P. und England hinsichtlich der afrikanischen Machtsphäre (s. unten) haben auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zurückgewirkt. Mit Benutzung der tiefgehenden Erregung der öffentlichen Meinung gegen England hat zu Anfang des Jahres 1890 der portugiesische Handelsverein eine Bewegung eingeleitet, welche auf den Abbruch aller Geschäftsbeziehungen mit England abzielte (der Wert der jährlich aus England nach P. eingeführten Waren beträgt ca. 60 Mill. Mk.). Doch bleibt abzuwarten, ob diese mit südländischer Hitze eingeleitete Bewegung eine nachhaltige sein wird und ob überdies P. zum wirtschaftlichen Kriege gegen das mächtige Britannien kräftig genug ist. Die Eisenbahnen Portugals haben im J. 1888 einen Zuwachs um 84 km erfahren und hatten Ende des Jahres eine Ausdehnung von 1913 km. Um dem wachsenden Defizit der Staatsfinanzen abzuhelfen, wurde durch Gesetz vom 30. Juli 1890 auf die Zölle und die meisten sonstigen Steuern, Abgaben und fiskalischen Einkünfte ein 6proz. Zuschlag eingeführt. Auch hat durch Gesetz vom 6. Juli 1890 noch eine besondere Erhöhung des Einfuhrzolls auf Tabaksfabrikate (um 1000 Reis für 1 kg Zigarren und um 500 Reis für jedes Kilogramm andrer Tabaksfabrikate) stattgefunden.
Geschichte. Die nationale Erregung über das schroffe, rücksichtslose Vorgehen der britischen Regierung gegen P. in Südafrika dauerte 1890 fort. Die progressistische und republikanische Presse bemächtigte sich derselben, um die Regierung zu bekämpfen und ihr Ansehen zu untergraben. Indes das Ministerium Serpa Pimentel zeigte sich entschlossen, seine Herrschaft und die Ruhe im Lande aufrecht zu erhalten. Der Gemeinderat (Camara municipal) von Lissabon, welcher eine Brutstätte republikanischer Bestrebungen war und außerdem durch fahrlässige Finanzverwaltung die Schuldenlast der Stadt übermäßig vermehrt hatte, wurde 11. März aufgelöst und durch eine königliche Kommission ersetzt. Die Festigkeit der Regierung übte einen vorteilhaften Einfluß auf die Wahlen für die Kammer aus, welche 30. März in aller Ruhe stattfanden und zum Vorteil des Ministeriums ausfielen. Die neue Kammer bestand aus 114 Konservativen, 30 Progressisten, 10 Monarchisten andrer Parteistellung und 3 Republikanern. Die Session der Kammer wurde 19. April vom König mit einer Thronrede eröffnet, in welcher er sein Vertrauen auf einen ehrenvollen Abschluß der Verhandlungen mit England aussprach und hervorhob, daß die Einnahmen des Staates dauernd im Zunehmen seien, während es nicht nötig sei, die Ausgaben für den öffentlichen Dienst zu steigern. An Vorlagen wurden die Bildung eines Unterrichtsministeriums, die Reform der Strafrechtspflege, die Gewährung der Preßfreiheit und ein Gesetz über das Versammlungs- und Vereinsrecht angekündigt. Die Streitfrage mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika und England über die Eisenbahn von der Delagoabai ins Innere wurde der Schweiz zum Schiedsspruch übertragen. Durch die voreilige Erteilung der Konzession für diese Eisenbahn an den amerikanischen Unternehmer Mac Murdo hatte P. einen großen Fehler begangen; denn nachdem dieser die Bahn nicht gebaut und P. den Bau übernommen hatte, verlangte Amerika für Mac Murdo 760,000 Pfd. Sterl. Entschädigung. Über das Gebiet in Südostafrika am Sambesi kam es 11. Aug. 1890 zu einem Abkommen mit England, in welchem P. das Hochland des Schire und Blantyre verlor, aber mit seiner Westgrenze an den Congostaat und den obern Sambesi stieß und seine Verbindung mit den Besitzungen in Westafrika wenigstens durch einen schmalen Landstreifen aufrecht erhielt. Ein Artikel des Abkommens, welcher die Zustimmung Englands zu etwanigen Gebietsabtretungen von seiten Portugals vorbehielt, wurde 20. Aug. auf Verlangen Portugals dahin abgeändert, daß England ein Vorzugsrecht bei Erwerbung portugiesischen Gebiets eingeräumt wurde. Gleichwohl erregte das Abkommen, als es der auswärtige Minister Hintze Ribeiro 15. Sept. der Kammer vorlegte, einen Sturm der Entrüstung, so daß der Minister gar nicht zu Worte kommen konnte und sofort seine Entlassung einreichte. Auf den Straßen von Lissabon brachen von neuem Tumulte aus. Das ganze Ministerium Serpa Pimentel fühlte sich dem Sturme nicht gewachsen und verlangte seinen Abschied. Die Bildung eines aus Konservativen und Progressisten zusammengesetzten Ministeriums verzögerte sich, da der König in Cintra krank lag und der in Aussicht genommene neue Ministerpräsident, der Gesandte beim päpstlichen Stuhle, Martens Ferrao, erst von Rom eintreffen mußte. Da es demselben nicht gelang, ein Ministerium zu stande zu bringen, übernahm es der 80jährige General João Chrysostomo de Abreu e Souza. Aber auch dieser vermochte erst Mitte Oktober, nachdem durch das Eindringen englischer Kanonenboote in die Sambesimündung die Lage noch verwickelter geworden war und der König daher dringend zur Einigkeit gemahnt hatte, ein Koalitionsministerium aus den Vertretern der verschiedenen parlamentarischen Parteien zu bilden, in welchem er selbst den Vorsitz und das Portefeuille des Krieges, ein Mitglied der Regeneradores, Barbosa del Bocaye, das Auswärtige und ein Progressist, Ennes, Marine und Kolonien übernahmen. Das neue Ministerium erklärte 16. Okt. 1890 in den Cortes, es könne die Annahme des Abkommens vom 20. Aug. in der vorliegenden Fassung nicht empfehlen, werde sich aber bemühen, das Einvernehmen zwischen P. und seinem frühern Verbündeten wiederherzustellen und zugleich die Würde und die Interessen des Volkes zu wahren; ferner versprach es, der brennenden finanziellen Frage seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen und durch strenge Sparsamkeit und schonungslose Ahndung aller Mißbräuche die Ordnung des Staatshaushalts anzubahnen. Darauf wurde die Tagung der Cortes geschlossen und die Eröffnung der nächsten ordentlichen Tagung auf 2. Jan. 1891 anberaumt. P. schlug nun England die Vereinbarung eines modus vivendi auf 6 Monate vor, durch welches das Abkommen vom 20. Aug. aufgehoben, der status quo ante in Südafrika hergestellt und von P. sofort die Schiffahrt auf dem Sambesi und Schire für frei erklärt wurde. Unter dem Einfluß der freundschaftlichen Vorstellungen verschiedener europäischer Mächte, welche auf die Gefahren hinwiesen, die der Monarchie in P. infolge der nationalen Erregung drohten, [729] nahm die englische Regierung den modus vivendi an und trat in neue Verhandlungen ein, um bis zum Ablauf desselben (Ende Mai 1891) zu einer definitiven Verständigung zu gelangen. Einstweilen schickte die Regierung einige Truppen nach Afrika; auch ein Bataillon portugiesischer Freiwilliger aus Brasilien wurde dahin gesandt. Dies teilte der König 2. Jan. 1891 den Cortes bei der Eröffnung ihrer Sitzungen in der Thronrede mit, nach deren Verlesung die Cortes sofort bis zum März vertagt wurden.
Die Erschütterung des Ansehens des Königtums und der Behörden kam 31. Jan. 1891 zu Tage, indem in Oporto ein Militäraufstand ausbrach, der die Errichtung einer Republik zum Ziele hatte. Doch schlossen sich nur wenige Bürger der Erhebung an, und sie wurde daher von den treu gebliebenen Truppen in wenigen Stunden unterdrückt. Einer Verbreitung des Aufstandes über andre Städte wurde dadurch vorgebeugt. Die Regierung nahm aber den Vorfall zum Anlaß, um gegen die republikanischen Zeitungen mit Strenge einzuschreiten und einige der schlimmsten Hetzblätter zu unterdrücken. Die Cortes wurden 4. März wieder zusammenberufen, um eine Anleihe zur Konsolidierung der schwebenden Schuld und die Einführung des Tabaksmonopols zu genehmigen. Nachdem dies geschehen, wurden die Cortes 21. März wieder geschlossen.
[743] Portugal. Der auswärtige Warenhandel zeigte im J. 1890 ein gegen die Vorjahre noch weiter gesteigertes Mißverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr. Während die Einfuhr (für den Verbrauch des Landes) von 189 auf 200 Mill. Mk., also um 11 Mill. Mk., gestiegen ist, hat die Ausfuhr eine Verminderung von 105,5 auf 96,9, d. h. um 8,6 Mill. Mk., erfahren. Die Mehreinfuhr hätte sich sonach von 83,5 auf 103,1 Mill. Mk. gesteigert, eine Ziffer, die sich allerdings in Wirklichkeit durch den in der Handelsstatistik nicht zum Ausdruck kommenden Gewinn bei wieder ausgeführten Kolonialwaren und mit Berücksichtigung der offenbar zu niedrigen Wertangaben für die Ausfuhrwaren etwas vermindern dürfte. Unter den Einfuhrartikeln zeigen insbesondere eine Zunahme: Nahrungsmittel (hauptsächlich Weizen, nebst Zucker, Reis, Olivenöl) von 47,4 auf 53,3 Mill. Mk.; zollfreie Rohstoffe, darunter rohe Baum- und Schafwolle, dann Steinkohle, von 21,4 auf 26,7 Mill. Mk.; Instrumente und Maschinen von 13,8 auf 15,5 Mill. Mk.; Glas- und Thonwaren von 15,6 auf 17,9 Mill. Mk. Der Export hat namentlich in Nahrungsmitteln eine Einbuße, von 70 auf 64 Mill. Mk., erlitten. Ein bedeutender Ausfall ergibt sich insbesondere für den wichtigsten Ausfuhrartikel, Wein, wovon 1889: 1,475,800 hl im Werte von 56 Mill. Mk., dagegen 1890 nur 913,850 hl im Werte von 49 Mill. Mk. ausgeführt wurden. Zu den Verheerungen der Reblaus und den durch die italienische und spanische Konkurrenz geschaffenen Absatzschwierigkeiten hatte sich noch eine schlechte Ernte gesellt. Eine Zunahme in der Klasse der Nahrungsmittel zeigen nur Fische, sowohl frische als zubereitete (Sardinen in Öl), und zwar von 41/2 auf 53/4 Mill. Mk. Südfrüchte behaupteten mit 3 Mill. Mk. die Höhe der vorjährigen Ausfuhr. Mineralische Produkte, darunter hauptsächlich Salz, haben von 2,4 auf 1,6 Mill. Mk. abgenommen. An Vieh wurde für 1 Mill. Mk. weniger (3 gegen 4 Mill.) ausgeführt. Die Ausfuhr von Korkholz hat von 9,45 auf 10,5 Mill. Mk. zugenommen, dagegen die Ausfuhr von Korkstöpseln von 4 auf 3,5 Mill. Mk. abgenommen. Zu den obigen Verkehrsziffern kommt noch die Einfuhr aus den Kolonien behufs Wiederausfuhr nach dem Ausland und umgekehrt die Einfuhr aus dem Ausland zur Wiederausfuhr nach den Kolonien, welche sich im J. 1889 auf 31,46, 1890 auf 31 Mill. Mk. bezifferte, endlich der Transit, welcher sich von 11,33 auf 18,83 Mill. Mk. steigerte. Mit 1. Febr. 1892 ist in P. ein neuer Zolltarif mit bedeutend erhöhten Einfuhrzollsätzen in Wirksamkeit getreten.
Die Finanzlage Portugals ist seit Jahren sehr ungünstig. Das jährliche Defizit betrug in den letzten Jahren bei einem Einnahmebudget von 168 Mill. Mk. ca. 40 Mill. und wurde durch successive Staatsanleihen gedeckt, welche bis zum Ende des Jahres 1890 die Höhe von 2772 Mill. Mk. erreicht hatten. Der Finanzminister suchte durch Auflage neuer [744] Steuern die Einnahmen im Budgetjahre 1889/90 auf 180 Mill. Mk. zu erhöhen, allein seine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Dasselbe gilt in noch höherm Maße von dem Einnahmebudget pro 1890/91, welches sogar auf 190 Mill. Mk. veranschlagt wurde. Nachdem P. während der letzten 4 Jahre auswärtige Anleihen im Betrage von 204 Mill. Mk. aufgenommen hatte, verhandelte die Regierung im J. 1891 wegen der Verpachtung des Tabaksmonopols, um dadurch den Staatshaushalt auf eine solide Basis zu bringen, und sodann durch Ersparungen in den Ausgaben, wie die Reduktion des Heeres auf 22,000 Mann, und durch neue Auflagen das Gleichgewicht herzustellen. Die Modalitäten der Verpachtung des Tabaksmonopols wurden dahin festgestellt, daß die Unternehmer dem Staate in den ersten 16 Jahren durchschnittlich jährlich 4420 Contos, d. h. 193/4 Mill. Mk., und in den folgenden 19 Jahren durchschnittlich je 4550 Contos, d. h. 201/4 Mill. Mk., zu zahlen haben, daß ferner das Tabaksmonopol nach 16 Jahren von der Regierung wieder an sich gezogen werden kann, und bei Erzielung eines höhern Nutzens als 5150 Contos, d. h. 22,9 Mill. Mk., seitens der Unternehmer vom Überschuß 60 Proz. an den Staat fallen sollen. Nachdem sich die Regierung schon vorher der Hauptkreditanstalt Portugals, der lusitanischen Bank, bedient hatte, um sich aus ihren Geldverlegenheiten mittels der Notenpresse zu helfen, welchem Beispiel die andern neben derselben bestehenden Zettelbanken, insbesondere die Bank von Porto, zu folgen nicht gesäumt hatten, sahen sich die Banken bald wegen Einlösung ihrer Noten bestürmt, und die Regierung war genötigt, der lusitanischen Bank Anfang Mai 1891 ein Moratorium von 60 Tagen zu bewilligen, welches weiterhin auf 6 Monate verlängert wurde. Schon vor der Prolongation des Moratoriums waren von der Regierung Maßregeln zur Ordnung des Geldumlaufes vorgenommen worden, wozu die Aufhebung der Notenausgabe der kleinern Zettelbanken und die Übertragung des Notenprivilegiums an die lusitanische Bank gehört. Hierdurch hat diese Bank die Verpflichtung übernommen, die Noten der übrigen Banken, denen ein Kredit von 10 Mill. Mk. zur leichtern Deckung ihrer Verbindlichkeiten gewährt wurde, bis zum 31. Dez. 1906 einzulösen. Eine sehr bedenkliche Maßregel war aber die durch königliches Dekret ohne parlamentarische Genehmigung erlassene Verordnung vom 8. Mai 1891, durch welche der lusitanischen Bank das Recht eingeräumt wurde, ihre in Gold fälligen Zahlungen in Silber zu leisten. Dadurch war die Stellung aufgegeben, welche P. im Münzwesen durch die im J. 1854 nach dem englischen Münzsystem angenommene reine Goldwährung erlangt hatte. Infolgedessen stieg das Goldagio bis zu 30 Proz. Die portugiesische Regierung ließ nun, da die Goldmünzen rasch verschwanden, neue Silbermünzen, Lusitanos, zu 500 Reis = 21/2 Fr. schlagen, welche nur 900 g Feingehalt hatten. Ehe diese Münzen fertig waren, sah sich die Regierung genötigt, französische 1- und 5-Frankstücke, welche 200 und 1000 Reis gelten sollen, zu importieren und zugleich den Export aller Silbermünzen zu verbieten. Auch war die lusitanische Bank gezwungen, kleinere Noten zu 1000 und 500 Reis (= 5 und 21/2 Fr.), ja sogar zu 100 Reis, als Ersatz für Kupferscheidemünzen auszugeben. Die Folge hiervon war, daß die Silbermünzen, welche für den laufenden Bedarf nicht ausreichten, auch Agio erhielten. Weiterhin hat die Bank beschlossen, alle umlaufenden Noten gegen neue auf der Doppelwährung beruhende umzutauschen. Während der Geldumlauf so in Verwirrung gestürzt war, suchte die Finanzverwaltung nach neuen Einkünften, um das chronische Defizit zu bannen. Man dachte zunächst an die Einführung des Alkohol- und des Zündhölzermonopols. Da diese Projekte aber nicht realisiert werden konnten, sah sich die Regierung endlich gezwungen, offen ihr Unvermögen zur vollen Bezahlung der Koupons der Staatsschuld einzugestehen und eine Reduktion des Kapitals oder, nach Wahl der Gläubiger, der Zinsen auf die Hälfte vorzunehmen, wobei den Gläubigern die Bezahlung ihrer weitern Forderungen für bessere Zeiten versprochen wurde. Auch wurden die Aktien und Obligationen inländischer Unternehmungen einer 10proz. Steuer unterworfen. Vgl. auch die Art. Getreideproduktion, S. 390, Kolonien, S. 538, und Volksvertretung.
Geschichte. Das Abkommen mit England über die Abgrenzung des portugiesischen Besitzes in Südostafrika kam 28. Mai 1891 zu stande und war für P. insofern günstig, als ihm ein ansehnliches Gebiet nördlich vom Sambesi und damit eine Verbindung zwischen seinen östlichen und westlichen Besitzungen eingeräumt wurde. Nachdem ein teilweiser Ministerwechsel stattgefunden hatte, weil der Finanzminister wegen der Schwierigkeiten des Geldmarktes und des geschäftlichen Notstandes zurückgetreten war, wurden 30. Mai die Cortes zusammenberufen, denen das neu konstituierte Ministerium sein Programm vorlegte; dasselbe versprach vor allem Ersparnisse auf allen Gebieten der Staatsverwaltung und erntete allgemeinen Beifall. Der Vertrag mit England wurde 6. Juni genehmigt und darauf das Budget für 1891/92 durchberaten, an dem der neue Finanzminister Mariano de Carvalho bereits einige Ersparungen vorgenommen hatte. Nach Genehmigung des Budgets wurden die Cortes 9. Juli bis zum November vertagt. Die Finanznot des Staates (s. oben) stieg indessen immer höher, und der Finanzminister Carvalho war nicht der Mann, derselben abzuhelfen; im Gegenteil gehörte er zu denjenigen Politikern, welche durch gewissenlose Verschwendung die Erträge der Anleihen vergeudet hatten. Im Januar 1892 kamen große Unordnungen bei der Verwaltung der königlichen Eisenbahngessllschaft zu Tage, und es ergab sich, daß Carvalho, früher Direktor derselben, an ihnen beteiligt war. Er mußte daher seine Entlassung als Minister nehmen. Da der Ministerpräsident d’Abreu e Sousa keinen andern Finanzminister finden konnte, reichte das ganze Kabinett 15. Jan. seine Entlassung ein. José Dias Ferreira übernahm die Bildung eines neuen Ministeriums, in das Oliveira Martins als Finanzminister eintrat. Dasselbe wollte keine Parteiregierung sein, sondern vor allem das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe herstellen, zu welchem Zwecke alle Opfer bringen müßten. Der König überwies 30. Jan. den fünften Teil seiner Zivilliste dem Staatsschatz. Die der Kammer vorgelegten Gesetzentwürfe belegten die Beamtengehalte mit einer Steuer von 5–20 Proz., erhöhten die direkten Steuern um 10–20 Proz. und alle Schuldtitel mit 30 Proz. Hierdurch und durch die Herabsetzung aller Verwaltungsausgaben hoffte man den Fehlbetrag im Budget (10 Mill. Milreis) zu decken und auch zur Abzahlung der schwebenden Schuld (23 Mill.) und der Bankvorschüsse (13 Mill.) allmählich die Mittel zu beschaffen. Die Kammer genehmigte 18. Febr. die Vorschläge der Regierung und ermächtigte sie zu einer Verständigung mit den auswärtigen Staatsgläubigern über die Zinszahlung, lehnte aber einen Antrag auf Verkauf der Kolonien ab.