MKL1888:Positīv
[271] Positīv (auch affirmativ, lat.), bejahend, im Gegensatz zum Negativen (s. Negation), z. B. positiver Begriff, positives Urteil etc.; dann im Gegensatz zu dem durch das Denken Gefundenen und im Denken verschiedener Auffassung Unterliegenden das faktisch Gegebene oder durch äußere Autorität Festgesetzte. So versteht man unter positivem Rechte den Inbegriff der auf äußerer Autorität beruhenden Gesetze, im Gegensatz zum sogen. Natur- oder Vernunftrecht; unter positiver Religion eine solche, welche auf äußere Offenbarung sich stützt. In der Philosophie ist p. alles, was an sich Gegenstand der Vorstellung ist, sei es Verstandesbegriff oder Realität. Durch das Positive und seine Aufhebung, das Negative, bildet sich das logische Verhältnis von Satz und Gegensatz. In der Mathematik nennt man positive und negative Größen solche, die sich beim Addieren aufheben; welche davon man als p. betrachtet, ist willkürlich. In der Photographie heißt P. das vom Negativ gewonnene Bild, auf welchem Licht und Schatten der Wirklichkeit entsprechen.
[272] Positīv (Positivus gradus), in der Grammatik die einfache oder Grundform des Adjektivs oder Adverbs im Gegensatz zu den Steigerungen des Komparativs und Superlativs (s. Komparation).
Positīv, kleine Zimmerorgel ohne Pedal oder mit angehängtem Pedal; hat in der Regel nur Labialstimmen, während das alte Regal (s. d.) nur Zungenstimmen hatte.