MKL1888:Sululand
[905] Sululand (Zululand), unter britischem Protektorat stehendes Gebiet in Südafrika, begrenzt im O. vom Indischen Ozean, im N. und NW. von der Südafrikanischen Republik (der ehemaligen, zu S. gehörigen Neuen Republik) und im N. vom Tongaland, 23,050 qkm groß, wovon auf den Santa Luciasee 1761 qkm kommen. Die Bevölkerung wird auf 119,000 Köpfe veranschlagt. Nachdem das Land im Mai 1887 mit Zustimmung der Bewohner von England annektiert worden war, erhob sich Dinizulu, der Sohn des 1884 verstorbenen Ketschwayo, gegen die Engländer, um sich wiederum der Herrschaft zu bemächtigen. Er sammelte schnell ein ansehnliches Heer, namentlich aus Sulus, aus dem an die Südafrikanische Republik stammenden Gebiet, doch wurde dasselbe nach mehreren harten Kämpfen schließlich bei Hlopekulu gänzlich zerstreut. Dinizulu nebst seinem Onkel Undabuko und ein andrer Häuptling wurden nach St. Helena verbannt. Jetzt residiert ein englischer Regierungskommissar, welcher das Land im Auftrage des Gouverneurs von Natal verwaltet, der zugleich Gouverneur von S. ist und als solcher 1000 Pfd. Sterl. bezieht, in Eshowe, das in telegraphischer Verbindung mit Natal steht. Das Land ist in 7 Distrikte eingeteilt: Eshowe, Entonjaneni, Nkhandla, Ngutu, Ndwandere, Unter-Umfolosi und Lubombo. In jedem derselben residiert ein englischer Beamter mit seinem Stabe und eingebornen Polizisten. Die 250 Mann starke Polizeitruppe wird von einem englischen Offizier und fünf Unterinspektoren befehligt. Der Gouverneur erläßt Verordnungen, wo es nötig erscheint; die Gesetze von Natal haben überall Gültigkeit, solange sie nicht mit dem Herkommen der Eingebornen in Konflikt kommen. Den Häuptlingen ist ein großer Teil ihrer Macht ihren Stammesgenossen gegenüber belassen, ebenso die Rechtsprechung, solange nicht Verbrechen in Frage kommen. Hinsichtlich des Zollwesens gilt die Kolonie als Teil von Natal. Die Einkünfte stiegen zwischen 1883 und 1889 von 588 auf 38,759, die Ausgaben von 5240 auf 33,766 Pfd. Sterl. Die Eingebornen zahlen eine Hüttensteuer von 14 Schilling jährlich. Die Sulus bauen Mais und andre Körnerfrüchte und treiben namentlich Viehzucht; gegen diese Produkte tauschen sie von den im Lande mit großen Wagen umherziehenden Händlern europäische Industrieerzeugnisse ein. Ein Verkehr zur See besteht nicht, da die Sulus das Meer weder als Fischer noch als Schiffer aufsuchen und die Küste auch keine Häfen hat. Die ganze Handelsbewegung geht über Port d’Urban in Natal. Der anscheinend bedeutende Mineralreichtum ist bisher noch nicht erschlossen. Gold wurde 1886 bei Mfongosi am Tugela und an andern Plätzen gefunden, doch nicht in lohnendem Maße. Mit den gleichfalls vorhandenen Lagern von Kupfer, Eisen, Kohle u. a. hat man Versuche bisher nicht gemacht. Landerwerb durch Europäer ist nicht gestattet, außer für Missions- und Handelszwecke und für Bergbau, doch gibt es im Distrikt Entonjaneni 70 Farmen von je 1200 Hektar, welche vor der Auseinandersetzung mit der Südafrikanischen Republik im Oktober 1886 von Buren in Besitz genommen waren. Das Unterrichtswesen ist in der Hauptsache in den Händen von Missionsgesellschaften, von denen sich eine norwegische schon vor 40 Jahren hier niederließ. Jetzt besitzen die Norweger 10, die anglikanische Kirche 6 und die Deutschen 4 Missionsstationen. Die anglikanische Kirche hat ein Bistum für S. errichtet, welches die ganze Küste mit Swasiland, Tongaland (s. d.) und Delagoabai bis zur Transvaalgrenze umfaßt. Für Erziehungszwecke bewilligt die Regierung jährlich 250 Pfd. Sterl.