Neufchatel
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NEUFCHATEL
in der Schweiz
An dem zwischen zwei Ketten des schweizerischen Jura eingeklemmten, über 400 Fuß tiefen und an 6 deutsche Meilen langen Neuenburger See, am westlichen Ufer desselben, liegt Neufchatel. Klein zwar (es hat nur 600 Häuser und 6000 Einwohner), ist es doch in der ganzen Welt bekannt und berühmt, denn es ist, nebst den Nachbarstädtchen Locle und Chaux de Fonds, der Hauptsitz jener bewundernswürdigen Industrie, welche die ganze Welt mit dem versieht, was unsere rechnende, geschäftvolle Zeit am wenigsten entbehren mag: – einer Taschenuhr. – Die Uhrenfabrikation, deren Anfänge in diesen Thälern kaum 70 Jahre alt sind, hat hier unermeßliche Fortschritte gemacht. Die frühere Dürftigkeit hat sie in allgemeinen Wohlstand verwandelt, die
[71] Bevölkerung verfünffacht und bei den Hauptbesitzern des Gewerbs kolossale Reichthümer angehäuft. Im Kanton Neufchatel allein sind jetzt 25,000 Personen durch die Uhrenfabriken beschäftigt, und der Werth ihrer jährlichen Erzeugnisse (etwa 45,000 goldene und 110,000 silberne Taschenuhren, wozu sich noch an 10,000 Stück Spieldosen gesellen,) übersteigt die Summe von 9 Millionen Franken! Und doch ist diese Fabrikation in den meisten Ländern der Erde mit Einfuhrverboten und hohen Steuern belastet, so daß der Bertrieb großentheils auf dem Schmuggelhandel beruht.
Neufchatel ist in Form eines Amphitheaters gebaut, in dessen Hintergrund sich der hohe Jura erhebt, den oben Tannenwälder, unten Weinberge bedecken. Der schönste Theil der Stadt kehrt seine Fronte dem See zu. Dort ist alles Glanz und Reichthum. Hinter den palastähnlichen Wohnungen der Kaufherren und Fabrikanten strecken sich reizende Gartenanlagen aus. Letztere öffnen sich gegen die höchsten Punkte des Gebirgs, das eine reiche Aussicht über den dunkelgrünen See hat, auf das jenseitige, mit Ortschaften bedeckte Ufer und auf die Alpenkette von Solothurn an bis zu der von Faucigny.