RE:Κόσκινον

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Koskinon, Sieb für Mehl, aus Binsen
Band XI,2 (1922) S. 14831484
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Κόσκινον, die gewöhnliche griechische Bezeichnung für das Sieb, das ursprünglich aus Binsen geflochten war und hauptsächlich zum Sieben des Mehles diente ‘(Poll. VI 74. X 114. Horap. hier. I 38), Demin. κοακίνιον. Athen. XIV 647 F. Daher auch κοσκινεύειν für sieben (S. Emp. adv. dogm. VII 117. Plut. plac. phii. IV 19 p. 902d. Galen. VI 553), während sonst das Sieben bei den Griechen gewöhnlich ὀήθειν, διαοήθειν heißt (Poll. VI 74 u. a.), auch διατταν, διάττειν als speziell attischer Ausdruck. Vgl. Blümner Technol. I² 50, 2., Daneben unterscheidet man das Sieb aus Leinwand, mit dem man die feineren Mehle siebte, ἀλευρότησις (Poll. VI 74. Hesych. s. v. Etym. Magn. 60, 25, Zonar. 125. Bekker Anecd. 382, 24), das Sieb aus Wolle, κρησέρα (Poll ebd. Aristoph. Eccles. 991. Phot. 177, 26 s. v.), das nach Galen. XIX 115 auch aus Leinwand sein konnte, Demin. κρηοέριον Poll. X 114. Zum Sieben des feinsten Mehls diente das γνοιστήριον. Gloss. II 265, 51. III 197, 48. 269, 64. Vereinzelt bedeutet τηλία, das sonst Siebrand heißt, auch Sieb, Aristoph. Plut. 1037, vgl. Schol. ebd. Hesych. s. v. ‘Bei den Römern ist der gewöhnliche Name cribrum, Demin. cribellum (Pallad. VII 1). Das Mehlsieb heißt cribrum farinarium, Plin. XVIII 115. Nach Plin. XVIII 108 unterschied man cribra excussoria und cribra pollinaria aus Leinwand, die in Spanien erfunden wurden, während Gallien Siebe aus Pferdehaaren. Ägypten solche aus Papyrus und Binsen lieferte. Das cribrum pollinarium zum Sieben des feinsten Mehls (Plaut. Poen. 513) entspricht dem griech. γυριστήριον, Gloss. II 265, 51. Außerdem findet sich die Bezeichnung incerniculum (Cato r. r. XIII 1. Lucilius 681 = Non. 88, 26 cribrum incerni-culum), das sonst ein viereckiges Gestell war, auf dem dip Mehlhändler Mehl und Graupen feilhielten. Plin. VIII 175. Außer den genannten Sieben aus Flechtwerk, Leinwand usw. gab es auch solche aus den Blättern des Mastixbaumes (Scribon. com. 6), aus Häuten (Apul. met. III 29. Geop. V 33, 7. 8. II 19, 5), aus Eichenholz (Plin. XXXIV 95), aus Bronze (Paul. Fest. p. 106. Plin. XVII 73), teils mit großen Löchern. Es haben sich solche erhalten, vielfach versehen mit Handgriff und mit Sieb-lochern, die in hübschen geometrischen Mustern angeordnet sind. Rousse und Barré VI 68. Overbeck Pompeji 445 Fig. 242. Jacobi Saalb. Taf. 48. 5ff.: Rhein. Jahrb. LXJV 78. Pernice Arch. Anz. 1900, 191 Fig. 19. Vgl. Friederichs Berl. ant. Bildw. II 142 nr. 585Π. Auf dem Denkmal des Eurysakes schütteln zwei Arbeiter kreisrunde Siebe, Daremberg-Saglio I 1568 Fig. 2070. Auf einem Relief im Museo civico in Bologna hält ein Sklave ein großes, kreisrundes Sieb in vertikaler Lage, Blümner Technol. I² 44 Fig. 19 S. 51. Von derselben Form und sehr hoch ist der Rand des Siebes auf der Traianssäule, so daß es einem Tympanum gleicht. Fröhner Col. Trajane Taf. 36 = Daremberg-Saglio ebd. Fig. 2071. Es gab auch antike Siebe, wo der Rand nach innen gekrümmt war, so daß man sie [1484] nach Belieben hin und her schütteln konnte, ohne daß etwas herausfiel, Pernice Arch. Jahrb. 1899, 67. Auf einem Grabstein im Museo Chiaro-monti hängt ein Sieb neben andern Müllergeräten an einem Handgriff an der Wand, Jahn Ber. d. sächs. Ges, 1861, 346 Taf. XII 3. Blümner Technol. I² 42f. Fig. 17 b. Siebe brauchte man hauptsächlich bei der Mehl- und Brotbereitung (Cato r. r, 76, 3. Pers. III 112 und Schot Verg.Moret. 40. Plin. XVIII 105 u. a.) und zum Reinigen der Getreidearten (Plin. XVIII 115) und zur Gewinnung der Graupe (Plin. ebd. Geop. III 7, 1). Dabei verwendete man stufenweise engere und feinere Siebe. Außerdem fand das Sieb bei mannigfachen landwirtschaftlichen und häuslichen Verrichtungen Verwendung. Man siebte Mörtel (Cato r. r. 18, 7), Erde beim Anpfianzen (Cato ebd. 48, 2. Plin. XVII 73), Dünger (Plin. XVII 33), Wicke, Lolch, Quendel (Colum. VII 8, 7. VIII 5, 16) und SO viele andere zerkleinerte oder zerstoßene Dinge, Cato 107, 1. Colum. V 6, 6. Plin. XVI 54. Scrib. Larg. 10. 61. 75. 90. 156. 269. Plin. XVI 54. XXXIII 87. XXXIV 95 u. a. Mit einem Sieb schöpfen galt sprichwörtlich als mühevolle, endlose Arbeit wie z. B. in der Danaidensage (Plat. rep. II 363 d), oder überhaupt für eine unmögliche Leistung. Lucian. Demon. 28, 386. Daher wurde das Wassertragen im Sieb auch als Gottesurteil angewendet. Plin. XXVIII 12. Val. Max. VIII 1, 5. Augustin. civ. Dei X 16. Das Sieb stand auch im Dienste des Aberglaubens. Man benutzte es beim Besprechen des Viehs, Philostrat. Apoll. VI 11. Lobeck Agi. 640a, vgl. Geop. V 33, 7. 8. II 19, 5. o. Bd. I S. 91 5ff., ferner beim Wahrsagen; s. Art. Koskino manteia. Um solche, die im Verdacht eines Diebstahls oder eines Verbrechens standen, zu entdecken, befestigte man ein Sieb an einem Faden oder legte es auf eine Spitze. Derjenige galt als schuldig, bei dessen Namennennung) das Sieb sich im Kreise drehte oder überhaupt bewegte. Ein solcher Wahrsager hieß κοσκινόμανης. Artemid. II 69. Poll. VII 188. Theokr. III 31 und Schol. Bekker Anecd. III 1193. Bouché-Leclercq Hist. de la divin. I 183. Gruppe Myth. Lex. II 726, 1. - Darem-berg-Saglio IV 1568. II 301, 123. Blümner Technol. u. Term, der Gewerbe u. Künste I² 495. 57.

[Hug. ]