RE:Kosko
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Theban. Maenade aus d. Geschlecht Ino, Stifterin eines bakchischen Kultvereins | |||
| Band XI,2 (1922) S. 1484–1486 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XI,2 | Register kl | ||
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Kosko (Κοσκω ,Siebfrau*, vgl. κόσκινον, Sieb), tthebanische Maenade aus dem Geschlecht der Kadmostochter Ino, welche in Magnesia a. M. einen bakchischen Kultvergin stiftete. Eine von S. Reinach (R. E. G. tll 1890, 349ff.) und Kontoleon (Athen. Mitt. XV 1890, 390) veröffentlichte Inschrift der letzten vorchristlichen Zeit bekundet, daß die Magnesier, als in einer durch einen Windstoß gebrochenen Platane ein ἀφείδρυμα Λοννσο« gefunden wmden war, darüber den delphischen Gott, zu dem sie alte Beziehungen hatten (Reinach a. O. 350), um Auskunft baten. Wie öfters, förderte auch diesmal Delphi die Verbreitung des Dionysoskultes und befahl den Magnesiern, weil sie bisher diesen Gott nicht verehrt hatten, sich aus seiner eigensten Stadt, Theben, Maenaden zu erbitten, welche ihnen ὄρλta xat νόμιμέ ἄλ]λα καὶ Φιάσοῦς Βάκχοιο stiften würden. Es kamen K., Baubo und Thet-tale, und erstere συνήγαγεν τὸν Φίαοον τῶν II λά- [1485] τανιοτηνων, welcher Dionysos natürlich als δενδρίτης oder θδενδρος feierte. Der Vereinsname ist entweder dementsprechend aus der Fundlegende des Idols oder aus dem Kult orte (Reinach a. O. 359 vergleicht den Πλατανιοτάς in Sparta, Paus. III 14, 8) zu erklären (vgl. Reinach a. O. 356. Nilsson Gr. Feste 310). Die Bezeichnung der yon Thettale (spielt das Wort auf die Herkunft der Maenaden an. oder ist cs hier auch nur allgemeiner Zauberinnenname?) gegründeten θίασος τῶν καταιβατῶν will Nilsson auf die Wundererscheinung des Götterbildes beziehen, Reinach (360) wohl richtiger auf die chthonische Seite der Dionysosverehrung, welche in Magnesia manche Anhaltspunkte fand (vgl. auch E. Maass Herm. XXVI 1891, 186ff.). K. wurde nach ihrem Tode auf dem κοοκοβοῦνος begraben.
Daß K. ebenso wie Gello, Karko, Mormo u. dgl. zur Gespenstergattung der Λαμίαι (Rohde Psyche II⁶ 407ff.; s. den Art. Karko) zu rechnen ist, macht außer der Form ihres Namens zunächst die Verbindung mit Baubo, deren Zugehörigkeit zu derselben Rohde (a. O. 408) festgestellt hat, sehr wahrscheinlich. Ferner stimmt die Rolle des Siebes bei manchen germanischen und slavischen Völkern, besonders in den Bänden von Hexen (Grimm Deutsch. Myth. 112 1062ff. Wuttke Deutsch. Volksabergl.³ § 205. 402. 524. 676. 369) und ferner das wenige von der κοσκινομαντεία (s. d.) Bekannte (Theokr. ΠΙ31 nebst Schob Artemidor. II 69. Lukian. Alex. 9, 13. Poll. VII 188. Aelian. hist. an. VIII 5. Lobeck Aglaoph. I 640. Gruppe Gr. Myth. 726. Grimm a. O. 1063) vollkommen zum geheimnisvollen Charakter der Lamiae. Das Alter des Glaubens an des Siebes Zauber verrät außer einer Stelle des großen Pariser Zauberpapyrus (2303), wo die Kraft einer Gebetsformel erhöht wird durch die Beifügung: σκεύος παλαιὸν κὸσκινὸν μοὶ ὄνμβολον, hervor aus Philostr. v. Ap. III 43.131 (I S. 118, 2 Kayser), wo ein barbarischer Anhänger des Wundermannes sich zurückgesetzt fühlt, weil die Griechen ihren, Delphi und Dodona anheimgestellten Zeremonien gegenüber die seinigen betrachteten als diejenigen einer γραός... ἀγνρτρίας μαντευομένης ὑπὲρ προβατίων καὶ τῶν τοιούτων. Diese Stelle, die offenbar ein Zurückdrängen alter Magie durch jüngere Kultformen dartut, bezieht sich auf den VI 11, 24 8 (IS. 222, 28 Kayser) erwähnten Brauch: γράες ἀνημμίναι κόσκινα φοιτώοιν ἰπὶ ποιμένας, δτὲ δὲ καὶ βουκόλους, ἰώμεναι τὰ νοσουντὰ τῶν θρεμμάτων μαντική, ὡς φαοιν' ἄξιουσι δὲ ὄοφαι ὀνομάζεοθαι καὶ σοφώτεραι ἡ οἱ ἄτεχνως μάντεις. Daß diese Weiber mit Sieben' (denn das Medium ἀνάπτομαι bedeutet bei Philostratos nicht mehr als .sich zufügen, nehmen⁴; vgl. v. Ap. IV 36 [I 154, 14 Kayser]), ihrer Mantik höheren Wert beilegen als der gewöhnlichen, bedeutet natürlich, daß sie einen altertümlichen, dem Volke und wohl auch den gewöhnlichen Griechen nicht mehr verständlichen Zauber trieben. Die Bezeichnung der alten Frau als ἀγνρτρία in der ersteren Stelle hat Lobeck (Aglaoph. I 640) veranlaßt, in dieser Lustration einen Kybeleritus zu sehen. Ein weiteres Zeugnis für die Heiligkeit des Siebes liefert der Vestadienst: war die heilige Flamme erloschen, dann sollte die Priesterin durch Holz- [1486] reiben neu erwecktes Feuer in einem ehernen Sieb zum Tempel tragen (Fest. p. 106, 3. Wisse w a Rei. u. Kult, der Römer 160). Gruppe (Gr. Myth. u. Rei. 726, 1) meint, diese Bräuche scharf von der κοσκινομαντεία. welche aus dem Gottesurteil entstanden sei, scheiden zu müssen. Man wird aber im Gegenteil annehmen müssen, daß das Sieb wegen seiner wertvollen und wunderbaren Wirkung zum Zauberinstrument geworden, 10 nachher verschiedenartige sakrle V erwendung gefunden hat.
Von dem λίκνον, dem es Nilsson (a. O. 310( gleichsetzt, ist das κόσκινον durchaus zu unterscheiden. Jenes wird, sei es Wanne oder Fruchtkorb oder Dionysos wiege, immer dargestellt und beschrieben als Behälter von angeschlossenem Flechtwerk, das κόσκινον jedoch war recht eigentlich ein Sieb zum Scheiden (über die Etymologie des Wortes vgl. Boisacq Dict. etym. de 201. langue grecq. s. v. S 500. Prellwitz Etym. Wörterb. ² 239. W älde Lat.-etym. Wörterb.² 177) bestimmt, was eben das Prinzip aller Reinigung ist (Plat. Soph. 226E, vgl. Harrison Prolego-mena 531). Die Iustrative Wirkung des Siebes muß also die ursprüngliche sein; sie geht noch aus der von Philostratos erwähnten Heilkraft hervor. Mit derselben kann aber leicht die befruchtende verbunden worden sein, indem man meinte, daß beim Aussieben des Kornes Fruchtbarkeitsgeister 30 im Siebe zurückblieben, welche auf Menschen übertragbar waren (Gruppe 1424), und diese Auffassung bildet das Bindeglied zwischen κόσκινον und λίκνον. So konnte auch das Sieb, als Korngerät vielmehr dem Demeterkult angehörig, im allgemeinen Fruchtbarkeitszauber Verwendung finden und nachher in das Dionysosritual übergehen, ebenso wie das λίκνον von Kornwanne zu Fruchtkorb und Dionysoswiege wurde, um ferner als mystica vannus Jacchi (Serv. Verg. Georg. 401165) unter orphischem Einfluß seine kathartische Bedeutung (wieder?) zu erhalten (Harrison Joum. hell. stud. XXIII 1903, 292ff. XXIV 1904, 241ff-.; B. S. A. X 1903/04, 144; Prolegomena 401f. 517ff.). Diesem Hergang zufolge trat dann mit ihrem Gerät die .Siebfrau* in den dionysischen Kreis über, in dem sie später allerdings orphischen Einfluß erfahren haben mag (Dieterich Abraxas 149), und wurde natürlich, als ihre eigentümliche Bedeutung verblaßt war, unter die 50Maenaden gerechnet.
Die magnetische Geschichte wurde offenbar veranlaßt durch das Bedürfnis, dem unverständlich gewordenen κοσκοβοῦνος und dem θίασος τῶν Πλατανιστηνῶν ein αἰτιονθΖΜ erdichten. Dabei ist wohl halbverschollene Überlieferung - die Inschrilt bezeugt ausdrücklich, daß es sich hier um einen ἀρχαῖον χρησμόν handle - mit den alten Beziehungen zu Delphi in Einklang gebracht worden.