RE:Halieis
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Seestadt der Argolis | |||
| Band VII,2 (1912) S. 2246–2252 | |||
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Halieis, Seestadt der Argolis. Die Stadt heißt Ἀλιεῖς IG I 433, 3. IV 952, 70. Herod. VII 137. Thuc. I 105, 1. Xen. hell. VI 2, 3. Strab. VII! 373. Steph. Byz. s. Ἀλιεῖς und Tiρυῦς (daraus Eust. 286, 28, wo Ἀλιεῖς statt Ἀληίς zu lesen ist); Aha Pseudoskyl. peripl. 50; Ἄλη Steph. Byz. s. W; Ἄλικη Paus. II 36, 1. Ἄλυκος Kallimachos bei Steph. Byz, (vgl. Schol. Aristoph.Lysistr.403) – Schneider Callimachea II 442 frg. 186; vgl. Dittenberger Herm. XLII 3, 1. Die Einwohner heißen Ἀλιεῖς Xen. hell. 30IV 2, 16. VII 2, 2. Diod. XI 78, 2. Antigonos von Karystos περὶ λεξέως (Wilamowitz 174) bei Hes. οὓς Ἀφροδίτης co Athen. III 88 a (wo hsl. Αἰολεων) und bei Athen. VII 297e. Strab. VIII 373. Hes. s. Aha; der einzelne Bürger heißt Ἀλικός IG IV 951, 120. 952, 19. 69. Paus. II 36, 1. Das Gebiet heißt Ἀλιάς Thuc. II 56, 5. IV 45, 2; Ἄλικη Steph. Byz. s. Ἀλαί (zur Textge-staltung s. Gurlitt 457); Ἀλία Hes. Die Bevölkerung von H. stammte aus Tiryns (Herod. 40 VII 137 Ἀλιεῖς οἱ ἐκ Τίρννθος). Als die Argeier ihrer Sklaven Herr geworden waren, die nach der großen Katastrophe im Haine des Argos die Oberhand in der Stadt bekommen hatten, zogen die Sklaven nach Tiryns; daraus entstand der Krieg zwischen Argos und dieser Stadt, der zu ihrer Zerstörung führte (Herod. VI 83. Busolt Griech. Gesch. III 1, 122). Der Zeitpunkt dieses Ereignisses ist nicht überliefert; wahrscheinlich erfolgte es einige Jahre vor der Zerstörung von Mykene 50 (Diod. XI 65. Busolt 244. E. Meyer Forschungen I 103, 3; Gesch. d. Alt. III 514f.), also etwa 465, mit Rücksicht auf die Schicksale der Vertriebenen eher früher als später. Die vertriebene Bevölkerung fand Aufnahme bei den Hermioneern (Eph. frg. 98 bei Steph. Byz. s. Ἀλιεῖς und Tiρυῦς). Strab. VIII 373 (= Apollod.) οἱ δὲ οἰκητορες οἱ μὲν ἐκ [τῆς] Τίρυνθος ἄπηλθον εἰς Ἐπίδαυρον, οἱ δὲ ἔ[κ τῆς Μ ἰδέας, Meineke Vind. Strab. 120] εἰς τοὺς Ἀλιεῖς καλούμενους widerstreitet der gesamten sonstigen Überlieferung; Svoronos’ (20) Versuch, den Wortlaut der Quelle wiederherzustellen, überschreitet die Grenzen des Erreichbaren. Die Hermioneer nahmen die Ankömmlinge nicht in ihre Stadt auf, sondern erlaubten ihnen, sich an der Küste ihres Landes eine selbständige Stadt zu erbauen. Sie haben dabei offenbar auf eine Vermehrung ihrer Widerstandskraft gegen die Eroberungspolitik von Argos [2247] gerechnet. Die Ansiedlung muß aber auch im Einvernehmen mit Argos erfolgt sein, denn zu Beginn des ersten Peloponnesischen Krieges befand sich die Stadt im Besitz der Argeier (Herod. VII 137, s. Stein z. d. St.; Svoronos 21). Daraus würde es sich auch erklären, daß die Bevölkerung nicht den Namen Tirynthier beibehielt, wie man es erwarten sollte, sondern einen neuen Namen empfing. Der Name 'Ἀλιεῖς deutet auf die Hauptnahrungsquelle der Bevölkerung, 1( sie waren Fischer; so verstand Ephoros den Namen (ἔλεγοντο δὲ ὄντως διά. τὸ πολλοὺς τῶν Ἐρμιονέων ἀλιευομένους κατὰ τοντὸ τὸ μέρος οἰκεῖν τῆς χωράς), so Apollodor (θαλαττονργοὶ τινες ἄνδρες); darauf deutet auch die Kamm-Muschel auf ihren Münzen (Svoronos 21), sie beweist aber nichts für den Fang der Purpurschnecke, an den Svoronos wegen der πορφυρὰ Ἔρμιονικη Plut. Alex; 36 denkt. Hierher gehören auch die beiden Fragmente des Antigonos (s. o.); das eine berichtet 20 von dem Erstlingsopfer an Poseidon in der Thunfischfangsaison; das andere erwähnt eine lokale Benennung einer Art Meerschnecke. Mit der Salzgewinnung, wie Bursian II 98 und Hitzig-Blümner III 650 meinen, hat der Name Ἀλιεῖς nichts zu tun (Dittenberger 5, 1). Nachdem der Spartaner Aneristos durch einen kühnen Handstreich die Stadt den Argeiern entrissen hatte (ὀλκάδι καταπλώσας πλήρεῖ ἀνδρῶν Herod.), blieb sie zusammen mit Epidauros, Trozen und Her- 30 mione dem Bunde mit Sparta treu. 459/8 erlitten die Athener bei einer Landung im Gebiet von H. eine Niederlage durch die Korinther und Epidau-rier (Thuc. I 105, 1. Diod. XI 78. Busolt III 1, 303ff.), die Verlustliste der erochtheischen Phyle verzeichnet IG I 433, 3 = Sylt² 9 (s. Dittenberger A. 8 über die Zeit des Ereignisses). 430 erfolgte wieder eine Landung der Athener (Thuc. II 56), weitere Verwüstungen 425 (Thuc. IV 45, 2). 394 kämpfte das Kontingent von H. 40 am Nemeabach auf Seiten der Lakedaimonier (Xen. hell. IV 2, 16). Auch zur spartanischen Flotte stellen sie Schiffe 373 (Xen. hell. VI 2, 3). 369 kommen sie den Spartanern zu Hilfe (ebd. VII 2, 2). In allen drei Fällen handeln sie gemeinsam mit den andern drei argolischen Seestädten; Xenophon nennt sie immer in fester Reihenfolge Epidauros, Trozen, Hermione, H. Ob der Spott der athenischen Komödie dieser Zeit über die Trunksucht der Tirynthier und ihre 50 Neigung zu albernem Gelächter auf die Bewohner von H. gemünzt ist (Svoronos 26f.), bleibt mindestens zweifelhaft (Ephippos bei Athen. X 442 d = Frg. Com. II 251 Kock. Theophr. bei Athen. VI 261 d). Dem Ende des 4. Jhdts. (Fränkel, Svoronos 26; nach Dittenberger dem 3. Jhdt.) gehören die He ilungswunder an Einwohnern von H. an, die die Inschriften aus dem Hieron von Epidauros berichten (IG IV 951, 120. 952, 19. 69 = SyU.2 802. 803); vgl. Paus. II 36, 60 1, wo Ἄλικος λόγος überliefert ist; v. Wilamo-witz Herm. XIX 449, 2 wollte Ἀλικο[υ τινο]ς λόγος lesen; probabler wegen des Plurals ὀτήλαις Gurlitt 439 Ἄλικων λόγος. Gegen Ende des 4. Jhdts. hat H., wahrscheinlich gemeinsam mit Hermione, Aigina und Korinth (Svoronos 32f.), Münzen. schlagen lassen, von denen besonders durch einen Fond in der Gegend von Kranidi [2248] viele vorzüglich erhaltene Exemplare bekannt geworden sind. Daß die Münzen nach H. gehören, hat Svoronos erkannt (21ff. Head HN² 448); Tiryns ist nach der Eroberung durch Argos nie wieder autonom gewesen. Die Legenden TIPYNΘΙΏΝ usw. zeigen, daß die Bewohner von II. damals den Anspruch erhoben, Tirynthier zu sein-Die Haupttypen sind Herakles, Apollon, ein weiblicher Kopf; rechts Harpe lind Keule, Palm-)baum; unter den Beizeichen sind bemerkenswert Muschel und Traube. Von den weiteren Schicksalen der Stadt erfahren wir nichts. Die gewundene Erklärung Apollodors (Strab. Vin 378 Ἐρμιόνη ... ἤς τὴν παραλίαν ἔχουσιν 'ἌλιεΙς λεγόμενοι Φαλαττονργοὶ τινες ἄνδρες) klingt genau, so, als sei sie aus dem Namen herausgesponnen; und die grenzenlose Verwirrung in den Artikeln Ἀλαί, Ἀλιεῖς, Ἰίρυῦς des Stephanos läßt darauf schließen, daß schon seine Quellen (vgl. Herodian. I 240. 316 Lentz) die Stadt nicht mehr kannten und durch das eigenartige System der Benennungen nicht hindurchzufinden vermochten. Zu Pausanias’ Zeiten (II 36, 1) war die Stadt jedenfalls verlassen, die Gegend hieß 'Ἄλικη seil, χάραθ was Pausanias als Stadtnamen auffaßt (Ditten-beiger4f.). Seine eigene Erklärung beweist, daß ihm entweder der Name 'Ἄλπεις unbekannt war, oder daß auch er die Zusammengehörigkeit von 'Ἀλιεῖς und 'Ἄλικος nicht erkannt hat.
Der Versuch, die Lage von H. zu bestimmen, muß von Pausanias ausgehen (vgl. die Karte). Er kommt von Trozen nach Hermione und geht über· Mases weiter nach Asine bei Nauplia; in die Route Hermione-Mases ist die Erwähnung von H. eingeschoben, es lag also westlich von Hermione. In dieser Gegend finden sich an drei Stellen Reste antiker Ansiedlungen, während wir nur zwei antike Namen kennen, eben H. und Mases. Letzteres wird erwähnt Hom. Il. II 562 und deshalb von antiken Geographen besprochen, Apollodor bei Strab. VIII 376 und Steph. Byz. Sonst begegnet es nur noch bei Paus. II 36, 2, zu dessen Zeit die Bewohner von Hermione es als Hafenplatz (ἐπίνειον) benutzten. Die erste antike Siedlung findet sich südlich von Kastri, dem alten Hermione, etwa 5 km westlich von Kap Musäki gegenüber der kleinen Insel Guridétit (soMiliarakis auf seiner Karte und S. 253, dagegen 242 und im Index Gari-tétit). Hier hatte de Vaudrimey (Boblaye 61) die Ruinen einer hellenischen Festung festgestellt. Auf der englischen Seekarte 1525 ist an dem Südostabhang des kleinen Berges gegenüber der Insel eine Mauer eingezeichnet, die zu dem Gipfelplateau emporsteigt und dessen Nordseite umzieht. Miliar akis endlich erwähnt (242. 253) Reste einer antiken Mauer, Reste einer Mole unter dem Wasser und einen aus großen Blöcken erbauten viereckigen Ziehbrunnen. Bedeutender und besser bekannt sind die Reste einer zweiten antiken Siedlung an der Südwestseite des Hafens von Chidi, einer elliptischen Wasserfläche von fast 1,5 km größter Länge, die durch eine schmale etwa ebenso lange Einfahrt mit dem Meere verbunden ist. Südöstlich von dem inneren Ende der Einfahrt ist der Mauerring einer antiken Stadt fast vollständig erhalten. Gute große Brecciaquadern bilden die Fassaden, im Innern Füllwerk nach Frickenhaus und W. Müller 38, denen die Mauertechnik. [2249] zu einer Entstehung im J. 465 zu passen scheint. Ihre Aufnahme wird den Plan der englischen Seekarte 1502 wesentlich berichtigen. Auch im Wasser am Ufer sind Mauern zu erkennen nach [2250] Miliarakis 253 and Adelpheus 182. Dieser erwähnt außerdem zahlreiche prächtige Gräber des 5. und 4. Jhdts. in Kósta und Phlàmbura. Ganz spärlich sind die Angaben über die dritte
Karte zu ergänzen
[2251] Ansiedlung an der Bucht Kiládia. Die französische Karte verzeichnet antike Ruinen an der Nordostecke; nach Boblaye 62 hat de Vaudri-mey nur verschiedene antike Trümmer gesehen und einen Damm oder Deich. Noch unbestimmter äußert sich Miliarakis 252. Während nun die Franzosen und die englische Seekarte H. nach Guridétit und Mas es nach Chéli verlegten, haben alle andere Forscher mit Recht H. nach Chéli und Mases nach Kiladia verlegt (Leake, Curtius, Bursian, Miliarakis, Frazer, Fricken-haus und W. Müller). Für die Lage von Mases entscheidet Pausanias, dessen Route sich auf der Karte mit vollkommener Sicherheit verfolgen läßt; Leakes und Miliarakis Deutungen der Stelle zu widerlegen, erscheint nicht nötig; über die Gegend Miliarakis 246. 248. 252. Pausanias verläßt Hermione II 35, 11 vermutlich durch das Tor, das Frickenhaus und W. Müller 37 festgestellt haben (vgl, deren Plan auf Taf. I), und ί schlägt die direkte Straße nach Mases ein (36, 1), d. h. er folgt der antiken Straße am Nordabhang des Berges, an dessen Ostende Kastri liegt, des antiken Fron (Paus. II 35, 11); diese Straße hat Philadelpheu8 179ff. nachgewiesen. Nach etwa 7 Stadien zweigt links der Weg nach H. ab (zum Ausdruck vgl. X 35, 1), und zwar führt dieser zwischen Pron und Thornax-Kokkygion hindurch. Genau in entsprechender Entfernung von etwa 1300 m von Kastri trennt eine tiefe Einsenkung 8 den Pron von seiner östlichen Fortsetzung, dem Prophitis Ilias; dieser ist also der Thornax/ Durch diese Einsenkung gelangt man in die Gegend Kappari an der Bucht Hag. Anargyri. Irgendwo am Thornax-Kokkygion (πρὸς τοῖς περααί) befindet sich ein verfallener Apollontempel; an diesem vorbei führt ein Weg nach Mases für die, die von der direkten Straße abgebogen sind (36, 2 mit Rückverweisung auf den Anfang von § 1). Die direkte Straße kann nur durch den AvlönA zwischen Prophitis Ilias und Aspro Vunö nach dem heutigen Städtchen Kranidi geführt haben, in gerader Fortsetzung des ersten Stücks am Nordfuß des Pron. Wer von dieser Straße abbiegt und zwischen Pron und Prophitis Ilias (Thornax) hindurch nach Kappari geht, gelangt durch das Tal der Quelle Pikrodäphni, zwischen Prophitis Ilias und den Disküria ebenfalls nach Kranidi. An diesem Wege muß der Apollontempel gelegen haben. Führt aber der direkte 5C Weg nach Mases zunächst in die Gegend von Kranidi, so muß Mases an der Bucht von Kilädia gelegen haben. Durch den Ἀνίόη kann nie ein direkter Weg nach dem Hafen von Chéli geführt haben; dieser ging immer durch das Tal der Pikrodäphni-Quelle. H. lag nach Pausanias links von dem Wege nach Mases, seine Angaben führen uns nur bis in die Gegend Kappari; einen direkten Anhalt, um zwischen Chéli und Guridétit zu entscheiden, gibt er nicht. Unbedingt für Chéli 60 spricht Pseudskyl. peripl. 50 (nach der Erwähnung des epidaurischen Gebiets am Argolischen Meerbusen): ἌΖλα καὶ λιμὴν αὐτὴ ἐστιν ἐπὶ τῷ στόματι τὸν Ἀργολικου κόλπον (dann folgt Hermione). Und die antiken Reste, die sich bei Chéli finden, passen nach ihrer Bedeutung und ihrem Alter vortrefflich zu der Geschichte von H. Hat also H. am Hafen von Chéli gelegen, so bleiben die [2252] Ruinen von, Guridétit unbenannt. Es muß aber ausdrücklich betont werden, daß eine Anzahl von Schwierigkeiten bleiben, die wir nicht erklären können. Die Notiz bei Steph. Byz. äia/: ἔστι καὶ ἐτέρα καταντίον Μάσητος paßt nur auf die gegenseitige Lage von Chéli und Guridétit. Ferner - die λίμνη Μάθεις (Steph. Byz. s. Μάνης) ist bei Kiladia nieht nachzuweisen; die einzige λίμνη dieser Gegend ist der Salzsee von Ververönda bei 10 bei Chéli. Endlich müssen wir annehmen, daß Rausanias nicht bemerkt, daß der Nebenweg nach Mases und der Weg nach H. von Kappari bis-zur Pikrodaphni zusammenfallen. Dagegen würde wieder νῆσος Μασήτις (Steph. Byz.) bei Chéli nicht unterzubringen sein (vgl. den Art. Ha-Hussa), während wir sie andernfalls mit der Insel Koronis (einheimisch Koron, Miliar akis 229. 256) gleichsetzen würden, die vor der Bucht von Kiladia liegt. – Über den Namen: Ditten-20 b er ge r Herm. XLII 2ff. Geschichte: 8 vor ὁ ἡ o s
Journal international d’archéol. numism. X 1907, 13ff. Ruinen: BoblayeRecherches 61f. Milia-r akis Γεωγραφία Ἀργόλιδος καὶ Κορινθίας. Adel-P;heus Πρακτικὰ τὸν ἔτους 1909. Frickenhaus-und W. Müller Ath. Mitt. XXXVI 1911. Curtius Pelop. H 461 ff. Bursian Geogr. II 96ff. Frazer Paus. III 297f. Der Weg des Pausanias: Leake Pelop. 286f. Miliarakis 252, Heberdey Die Reisen des Pausanias 49. Robert Pausanias Oals Schriftsteller 229. Karten: Carte la Grèce. Admiralty Charts 1525 und 1502. Miliarakis.