RE:Komödie

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Lustspiel
Band XI,1 (1921) S. 12071279
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Komödie (griechische).

Literatur.

A. Die antike Forschung.

Die antike Forschung über die K. eröffnet Aristoteles. Das Urkundenmaterial über K.-Aufführungen in Athen sammelte er in den beiden Werken διδασκαλίαι ά und νῖκαι Διονυσιακοί ä (so Diog, Laert. V 26, genauer bei Hesych. νικῶν Διονυσιακῶν ἀστικῶν καὶ Ληναικῶν (ἄθ). Von den Di-daskalien (s. o. Bd. V S. 395ff.) haben wir außer den literarisch erhaltenen Resten (frg. 575–587 der Berliner, frg. 618–630 der Teubnerschen Ausgabe) Bruchstücke einer verkürzten (Jachmann De Arist. didasc., Göttingen 1909, 45) Steinumschrift (Wilhelm Urkunden dram. Auff. in Athen 34ff.), die ein Agonothet im J. 279/8 an einem choregischen Bau anbringen ließ (Reisch Ztschr. f. österr. Gymn. 1907, 289ff.); leider sind die Reste für die K. wenig ergiebig. Die am selben Bauwerk eingehauenen, für die K. besonders wertvollen Siegerlisten habe ich (Class. philol. I 1906, 391; vgl. Jahresber. CLII 225ff.) auf Aristoteles’ νῖκαι zurückgeführt. Reisch (o. Bd. V S. 398ff.) bringt mit den νικαί vielmehr die sog. Fasten (Wilhelm Urk. dram, Auff. 6ff. und österr. Jahresh. X 35) in Zusammenhang, während ich (Class. philol. I 392ff. und Jahresber. CLII 223) in diesen eine mit Aristoteles gleichzeitige und geistesverwandte, aber von keiner seiner Schriften abhängige Aufzeichnung sehe. Einige knappe, aber sehr wertvolle Mitteilungen über Ursprung und Entwicklung der K. gibt Aristoteles im 3.-5. Kapitel der Poetik, die im 6. Kapitel angekündigte (1449 b 21 τιερὶ κωμωδίας ὕστερον ἐροῦμεν) ausführliche Behandlung fehlt. Lange glaubte man in dem sog. tractatus Coislinianus (jetzt am besten bei Kaibel FCG I 50) einen gewissen Ersatz für das Fehlen der K.-Behandlung in der Poetik zu haben; Jakob Bernays (Zwei Abh, über die Arist. Theorie des Drama 135ff.) hielt ihn für im wesentlichen aus Aristoteles exzerpiert, freilich durch fremde Zutaten entstellt, aber nach den Untersuchungen von Kaibel (Abh. der Gött. Ges. d. Wiss. N. F. II 1899, 58) und J. Kayser (De veterum arte poet. quaest. sei., Dies. Leipzig 1906, 5fl.) darf als erwiesen gelten, daß dem Traktat eine des Meisters Lehre erweiternde und variierende Schrift der peripatetischen Schule, vielleicht aus dem 1. Jhdt. v. Chr. zugrunde liegt. [1208] Von Aristoteles’ unmittelbaren Schülern schrieben über die K. Theophrast (Diog. Laert. V 47. Athen. VI 261 d), dessen Definition der K. bei Diomedes (Kaibel CGF I 57) erhalten ist, und Cha-maileon von Pontos (s. o. Bd. III S. 2103f.), von dessen stark anekdotischem Werk zweimal (Athen. IX 374 a. 406 e) das sechste Buch angeführt wird. Auch Dikaiarch berührte in der Schrift περὶ Διονυσιακῶν ἀγώνων (s. o. Bd. V S. 556) die K. betreffende Fragen (Schol. Plat. apol. 19 C. Ar. Frö. hyp. I). Von Theophrasts Schülern widmete Lynkeus von Samos dem Menander ein Werk in mindestens zwei Büchern (Athen. VI 242 b), und Demetrios von Phaleron schrieb ein Buch über Antiphanes (Diog. Laert. V 81; s. o. Bd. IV S. 2835). Zeitlich nicht bestimmbar ist der Peripatetiker Eumelos, dessen drittes Buch περὶ τῆς ἀρχαίας κωμωδίας der Scholiast zu Aischin. I 39 zitiert. Von den Akademikern schrieb Krates Anfang des 3. Jhdts. περὶ κωμωδίας (Diog. Laert. IV 23).

Eine neue Epoche begann für die K.-Forschung mit der Begründung der alexandrinischen Bibliothek (s. o. Bd. III 8. 409f.). Hier übernahm nach dem Bericht des Johannes Tzetzes (s. Kaibel CGF I 19. 24. 31) Lykophron die Ordnung der K. und begann auch ihre wissenschaftliche Erklärung; von seinem Werke περὶ κωμωδίας wird Athen. XI 485 d das neunte Buch angeführt (s. Strecker De Lycophrone, Euphronio, Era-tosthene comic. Interpret., Greifswald 1884).

Fortgesetzt wurde Lykophrons Arbeit an den Komikern in der alexandrinischen Bibliothek von Kallimachos; außer seinem Hauptwerk, den 120 Büchern πίνακες τῶν ἐν πάση παιδείρ διαλαμφάντων καὶ ὧν συνέγραφαν kam der K. auch die Vorarbeit (Nietzsche Rh. Mus. XXIV 189, 2) der πίναξ κατὰ χρόνους τῶν ἄπ' ἀρχῆς γενομένων διδασκάλων zu gute. Daß wir Reste einer Stein-40 Umschrift dieses Werkes in den römischen Inschriften IG XIV 1097. 1098. 1098 a besitzen, habe ich Rh. Mus. LX 443ff. zu erweisen versucht (vgl. Jahresber. CLII 227ff, und Capps Class. philol. I 1906, 201). Die römischen Steine lehren, daß der Bestand an Werken der alten attischen Komiker in der alexandrinischen Bibliothek recht lückenhaft war, und daß sich für die älteste Zeit oft nicht einmal die Namen der von den einzelnen Dichtern aufgeführten K. ermitteln 50 ließen. Die erste Generation der alexandrinischen Gelehrten betrieb auch bereits feinere stilistische Untersuchungen über die K., von dem zur tragischen Pleias gezählten (Schol. A in Hephaist. 140, 12 Consbr. und Choiroboskos ebd. 236, 13) Diony-siades nennt Suid. s. v. ein Werk χαρακτήρες ἡ φιλοκώμωδοι, ἐν ω τοὺς χαρακτήρας ἀπαγγέλλει τῶν ποιητῶν, auf welches letzten Endes der kurze aber gute Traktat des Platonios περὶ διαφοράς χαρακτήρων (Kaibel CGF I 6) zurückgehen 60 wird. In der nächsten Generation steht voran Eratosthenes (s. o. Bd. VI S. 383f.), dessen mindestens zwölf Bücher (s. Phot. s. Εὐκλειά) umfassendes Werk περὶ τῆς ἀρχαίας κωμωδίας sprachliche, sachliche, chronologische und Echtheitsfragen behandelte und viel benutzt worden ist (Strecker De Lycophrone, Euphronio, Erato-sthene comicorum interpretibus. Greifswald 1884). Neben ihm ist zu nennen Euphronios (s. o. Bd. VI [1209] S. 1220f.), dessen besonders in den Aristophane»-schoben oft zitierte Ὑπομνήματα vorwiegend Wort-erklärungen und grammatische Bemerkungen enthalten (Strecker a. a. O.). Da der alexandrinische Komiker Maehon bei Athen. VI 241 f διδάσκαλος τῶν κατὰ κωμφδίαν μερῶν Χρίστοφάνους τοῦ γραμματικου heißt, so ist auch für ihn eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der K. anzunehmen. Von größter Bedeutung auch für die K. ist sodann die Wirksamkeit des Aristophanes 1 von Byzanz (s. o, Bd. II S. 999. v. Wilamowitz Euripides* Herakles I¹ 1375.). Sicher ist, daß er von dem Komiker Aristophanes eine mit kritischen Zeichen versehene Ausgabe veranstaltete (Schob Ar. Frö. 153. 1206; Vög. 1342; Thesm. 162. 917; Wol. 958). Auf diese Ausgabe geht auch der Kern der zu allen Aristophanischen K. mit Ausnahme der Thesmophoriazusen erhaltenen prosaischen Hypotheseis (s. Achelis Philol. LXXII 414. 518, LXXIII 122) zurück, obwohl i gerade bei ihnen der Name des Aristophanes nur einmal (Vög. I) in einer jüngeren Hs. (Urb. 141 saec. XIV) erhalten ist. Nichts mit Aristophanes zu tun haben dagegen die in den Hss. oft seinen Namen tragenden metrischen Hypotheseis zu sieben Aristophanischen K., wenngleich auch diese Gattung bereits in hellenistischer Zeit aufgekommen ist (vgl. Leo Plaut. Forsch.² 21f. W. Michel De fabul. Graec. argum. metr., Gießen 1908). Anzunehmen ist, daß Aristophanes seine kritische « Arbeit nicht auf den Namensvetter beschränkte, sondern allen Klassikern der K. zuwandte, sowie daß er auch bei den Komikern wie bei den Lyrikern und Tragikern die Gliederung der lyrischen Partieen in Kola durchführte (vgl. v. Wilamowitz Herakl. I¹ 145). Dem von ihm besonders geschätzten Menander (s. Syrian. in Hermog. II 23, 8 Rabe und Brunck Anal. III 269) widmete er nach Porphyrios bei Euseb. praep. evang. X 3, 12 eine Schrift παράλληλοι Μενάνδρου τε · καὶ ἄῳ' ὧν ἔκλεψεν ἐκλογαί. Wichtig für die K. sind auch seine Schriften πρὸς τοὺς Καλλιμάχου πίνακας (Athen. IX 408 f; VIII 336 a, Schol. Ar. WoL 967), περὶ προσώπων, περὶ τῶν *Αθήνησιν ἐταιοίδων und seine λέξεις, in deren erhaltenen Auszügen elf Komiker von Kratinos bis Diphilos zitiert werden. Auch Aristarch (s. o. Bd. II S. 874) hat vielleicht eine kritische Ausgabe des Aristophanes verfaßt (s. Schol. Ar. Vög. 76; Frö. 1437). Obwohl er in den Aristophanesscholien viel häufiger genannt wird als Aristophanes von Byzanz, scheint seine Tätigkeit von geringerer Bedeutung, neben guten sprachlichen Bemerkungen finden sich unter seinem Namen arge sachliche Irrtümer, der schlimmste zu Frö. 1422 (vgl. O. Gerhard De Aristarcho Aristophanis interprète, Bonn 1850). Aristarchs Mitschüler und Gegner Kallistratos (eingehend behandelt von Rud. Schmidt hinter Nauck Arist. Byz. frg. 3075.) wird ebenfalls sehr häufig in den Aristophanesscholien zitiert, einen Kommentar zu Kratinos* Thrakerinnen erwähnt Athen. XI 495 a. Von Aristarchs Schülern ist besonders wichtig Ammonios (s. o. Bd. I S. 1865), der die vielbenutzten Listen der κωμψδουμενοί, anlegte (J. Steinhausen Κωμωιδούμενοι Bonn 1910), öfter genannt werden auch Artemi-doros (s. o. Bd. IV 8. 1831) und Demetrios Ixion (s. o. Bd. IV 8. 2845t), seltener Chairis (s o. [1210] Bd. III S. 2031), oft dessen Sohn Apollonios (s. o. Bd. li S. 135 Nr. 78; vgl. Steinhausen 18f.). Anfang des 1. Jhdts. v. Ohr, ist Timachidas von Rhodos tätig, der Aristophanes’ Frösche und Menanders Kolax kommendierte (s. Blinken-berg Die Lindische Tempelchronik S. 9 und 410.). Daß auch Antiochos von Alexandreia (s. o. Bd. I S. 2494 Nr. 67) schon dieser Epoche, nicht erst der Kaiserzeit angehört, ist immer-0 hin wahrscheinlich, Athen, XI 482 c zitiert von ihm ein Werk περὶ ἰῶν ἐν τῆ μέση κωμφδιρ κωμφδουμένων ποιητῶν (s. Steinhausen 49f.). Auch die Pergamener widmeten sich der Erforschung der K. Krates von Mallos (s. Wachsmuth De Cratete Mallota, Leipzig 1860) kannte und benutzte nach Hyp. III zu Arist. Frie, den zweiten Frieden des Aristophanes, den noch Erato-sthenes in Alexandrien nicht besaß, auch die Ari-stophanesscholien nennen Krates einige Male (s. JO O. Schneid er De vet.inArist.schol. font.88). Das Werk des Karystios von Pergamon περὶ διδασκαλιῶν berücksichtigte auch das Aufkommen komischer Typen (Athen. VI 235 e). Herodikos sammelte etwa gleichzeitig mit Ammonios die κωμφδονμενοί in mindestens sechs Büchern (Athen. XIII 586 a. 591 c) und ordnete sie nach sachlichen Kategorien (s. Steinhausen a. a. O. 46ff.).

Für die dorische K. wurde grundlegend die Forscherarbeit des Apollodoros von Athen (s. o. JO Bd. I S. 2863). Er gab die Dramen Epicharms (s. o. Bd. VI S. 340.) in zehn Büchern heraus (Porphyr. vit. Plot. 24), schied von ihnen die ἠθενδεπιχάρμεια (Athen. XIV 648d; Vgl. Kaibel CGF I 133) und schrieb mindestens sechs Bücher περὶ Ἐπιχάρμου (Phot. Suid. s. καρδιώττειν).

Zusammengefaßt und in gewisser Weise abgeschlossen wird die wissenschaftliche Arbeit der hellenistischen Zeit auch für die K. durch Didymos (vgl. die vorzüglichen Ausführungen von Cohn 40 o. Bd. V S. 4550.). In den Aristophanesscholien wird er 64mal zitiert, und wenn auch die Subskriptionen des Venetus zu Wolken, Frieden und Vögeln seinen Namen nicht neben Symmachos und Phaei-nos nennen, so ist doch mit Sicherheit anzunehmen, daß der Kommentar des Symmachos seine gute alte Gelehrsamkeit in der Hauptsache Didymos verdankt. Die eigenen Leistungen des Didymos sind hier wie sonst dürftig, mit Recht polemisieren jüngere Kommentatoren (Symmachos) nicht selten 50 gegen Didymos’ Auslegungen (vgl. z. B. Schol. Thesm. 162). Cohn (a. a. O. 456f.) ist geneigt, Verweise der Aristophanesscholien auf Kommentare zu andern Komikern (so Schol. Wesp. 151 ἐν τοῖς περὶ Κρατίνου, Wesp. 1310 Eupolis¹ Χρυσοῦν γένος, Vög. 1736 ἐν τοῖς Μενανδρείοις) oder verlorenen Stücken des Aristophanes (Schol. Lys. 722 δεδηλωταὶ δὲ περὶ τούτων καὶ ἐν *Ολκάσι) ohne weiteres auf Kommentare des Didymos zu beziehen; das halte ich für bedenklich, weil Be-60 schäftigung des Symmachos mit Kratinos auch von Herodian περὶ μονήρους λέξεως II 945 Lentz bezeugt ist (vgl. Herm. XXXIX 4960.). Sicher ist, daß Didymos seine exegetische Tätigkeit auch über den engeren Kreis der komischen Klassiker hinaus ausdehnte, denn Athen. IX 37 1f. wird sein Kommentar zum Kronos des Phrynichos zitiert. Gesichert ist auch nein Menanderkommentar (Etym. Gud. 338, 25 Sturz), unsicher bleiben Kommentare [1211] (antike Forschung) zu den Δραπέτιδες des Kratinos (Äthen. XI 501 e) und den Βάπται des Eupolis (Schol. Apoll. Arg. I 1139). Das gleiche wissenschaftliche Material wie in den Kommentaren benutzte Didymos in der κωμικὴ λέξις, die Etym. M. 492, 55 und von Hesych im Einleitungsbrief an Eulogios erwähnt wird; an letzterer Stelle wird auch ein gleichnamiges Werk von Didymos’ jüngerem Zeitgenossen Theon genannt, noch etwas jünger ist anscheinend Epitherses (s. o. Bd. VI S. 221), dessen Werk περὶ λέξεων Ἀττικῶν καὶ κωμικῶν καὶ τραγικῶν Steph. Byz. s. Νίκαια und Erotian voc. Hippocr. s. ἄμβην zitiert wird.

In der früheren Kaiserzeit wird für die K. wenig geleistet, am wichtigsten ist wohl der metrische Kommentar des Heliodoros zu Aristo-phanes aus der Mitte des 1. Jhdts. (s. Hense o. Bd. VIII S. 28fi.). Dorotheos von Askalon (s. o. Bd. V S. 1571 Nr. 20) verfaßte etwa unter Tiberius nach Athen. XIV 662f. ein σύγγραμμα περὶ Ἀντιφάνους καὶ περὶ τῆς παρὰ τοῖς νεωτέροις κωμιχοῖς ματτύης. Das Interesse für die alte K. war damals gering, wie die im Auszug erhaltene οὐγκρισις Ἀριατοφάνοῦς καὶ Μενάνδρου Plutarchs und die Spärlichkeit der Papyri alter Κ.Dichter (s. Herm. XLVII 276f.) zeigen; eine Ausnahme bildet Galen. der nach eigener Angabe (περὶ τῶν ἴδ. βιβλ. 17) drei Bücher τῶν παρ’ Εὐπάλιδι πολιτικῶν ὀνομάτων, fünf Bücher τῶν παρ’ Ἀριστοφάνει πολιτικῶν ὀνομάτων, zwei Bücher τῶν παρὰ Κρατίνῳ πολιτικῶν ὀνομάτων, ein Buch τῶν Ἰδίων κωμικῶν ὀνομάτων und eins εἰ χρήσιμον ἀνάγνωσμα τοῖς παιδευομένοις ἡ παλαιὰ κωμωδία verfaßte. Der nach Ausweis der Papyri eifrig gelesenen neuen K. gilt des etwa unter Claudius wirkenden Soteridas von Epidauros ὑπόμνημα εἰς Μένανδρον (Suid. s. Σωτηρίδας), vom selben Verfasser wird a. a. O. auch eine Schrift περὶ κωμφδίας genannt. Auch des Latinus Werk περὶ τῶν οὐκ Ἰδίων Μενάνδρῳ in sechs Büchern (Porphyr. bei Euseb. praep. ev. X 3, 12) wird schon nach dem Namen des Verfassers der Kaiserzeit zuzuweisen sein. In dieselbe Epoche möchte ich die Schriften des Σέλλιος ἡ Σίλλιος ὁ καὶ Ὄμηρος (Suid. s. v.) περὶ τῶν κωμικῶν προσώπων und περιοχαὶ τῶν Μενάνδρου δραμάτων (Suid. S. 'Ὄμηρος Σέλλιος) setzen (s. Berl, philol. Wochen-schr. 1918, 787Ï.). Für sehr wahrscheinlich halte ich es, daß uns in Pap. Oiyr. X 1235 zwei Kolumnen dieses Werks erhalten sind. Dem 2. Jhdt. n. Chr. gehören an die κωμιρδσύμενα des Nikanox von Alexandreia (Suid. s. v.), die βίοι τραγικῶν καὶ κωμικῶν des Telephos von Pergamon (Suid. s. v.) und des Metrikers Hephaistion κωμικῶν ἀπορημάτων λύσεις (Suid. s. Ἠφαιστίων Ἀλεξανδρεύς). Auch Athenaios von Naukratis (s. o. Bd. II S. 2026ff.), dessen zwischen 193 und 197 verfaßten Deipnosophisten (s. Dittenberger Apophore-ton 1Ï.) wir fast alle unsere Fragmente der mittleren K. verdanken, schrieb noch eine selbständige Untersuchung zu einer Stelle in Archippos’ (s. o. Bd. H S. 542) Fischen (Athen. VII 329 c).

Viel wichtiger aber als diese letzten spärlichen Rinnsale des allmählich versandenden Stroms gelehrter Forschung wurde ffir das Fortleben der K. die Tat eines an sich, nicht bedeutenden Grammatikers. Um 100 n. Chr. (s. v. Wilamowitz Eurip. HerakL P 179ft) hat Symmachos [1212] eine Auswahl von den K. der Klassiker veranstaltet und mit reichem für die Schule berechneten Kommentar herausgegeben, diese Auswahl hat allmählich die nicht ausgewählten Stücke aus den Händen der Leser verdrängt und zur Vergessenheit verurteilt. Ganz klar ist das bei Aristophanes. Die elf erhaltenen Stücke sind die von Symmachos ausgewählten, ob seine Auswahl ursprünglich noch mehr Stücke umfaßte, ist zweifelhaft. In den 10 Subskriptionen des Venetus zu "Wolken, Frieden und Vögeln wird Symmachos als Hauptquelle der Scholien genannt, hinzugefügt sind zu seinem Kommentar später die Kolometrie des Heliodor (s. o. S. 1211) und einzelne Notizen (s. v. Wilamowitz 179, 111), dagegen ist natürlich viel von ihm verloren gegangen. Die Symmachos-Auswahl und sein Kommentar haben erst allmählich die Alleinherrschaft errungen, wir besitzen noch aus dem 2.-3. Jhdt. Reste eines Kommentars zu 20 einem der Auswahl nicht angehörigen Stück, vielleicht dem Gerytades, auf Papyrus (Pap. Greco-Egiz. II 1, 9; s. Jahresber. CLII 269ff.) und aus dem 3. Jhdt. Reste eines von Symmachos unabhängigen Kommentars zu den Acharnerh (O. P. VI 856, vgl. Jahreeber. CLII 268f.), aber vom 4. Jhdt. an, wo Aristophanes wieder eifrig in den Schulen gelesen und abgeschrieben wird, begegnen ausschließlich die Stücke der Auswahl (s. Jahresber. CLII 267f., dazu O. P. XI 1402 und 1403). Symmachos hat sich auch mit Kratinos beschäftigt (s. o. S. 1210), und da die auf Papyrus erhaltene (0. P. IV 663) Hypothesis zum Dionysalexandros sich in Ton und in formelhaften Wendungen stark mit einigen zu Aristophanes berührt, ist es sehr wahrscheinlich, daß sie zu einer Ausgabe ausgewählter Stücke des Kratinos von Symmachos gehört (s. Herm. XXXIX 494ff.). Daß auch von Menander im späten Altertum nur eine Auswahl von Stücken verbreitet war, lassen die Papyrusfunde immer deutlicher erkennen (s. v. Wilamowitz N. Jahrb. XXXIII 1914, 244), ob auch sie auf Symmachos zurückgeht, bleibt ungewiß, aber jeden* falls wird sie in die Zeit gehören, wo die verarmende Bildung auf allen Gebieten mit Klassikerauswahlen auskommen zu können meinte (v. Wilamowitz Eurip. Herakl. I¹ 174ff.).

Außer in den Aristophanesscholien und bei Athenaios sind uns Trümmer der antiken K.-Forschung und poetischen Theorie vor allem in einer bunten 50 Reihe sehr verschiedenartiger später Traktate erhalten, die zum größten Teil durch einzelne Aristo-phanes-Hss., zum kleineren durch Scholien zu Dionysios Thrai und lateinische Grammatiker auf uns gekommen sind. Dies ganze Material liegt jetzt vorzüglich ediert vor in vol. I der Comicorum Graecorum fragmenta von G. Kaibel, der es auch literar-historisch behandelt hat Abh. Gött. Ges. N. F. II 4 (1898). Ich führe die einzelnen Stücke kurz in der Reihenfolge der Kaibelschen Ausgabe auf:

I. Ἔκ τῶν Πλατῶν ἴου, in mehreren Aristophanes-Hss. (Estensis HID 8, Vaticanus 1294, Venetus Marc. 475) erhalten (CGF 3f.). Platonios, ein nicht genau datierbarer Grammatiker wohl frühbyzantinischer Zeit, gibt als Einleitung zu einem Aristophaneskommentar zunächst eine Abhandlung πτρὶ διαφοράς κωμφδιῶν, in der er ziemlich ausführlich mit starken Wiederholungen und groben Irrtümern die Arten der grieehiscuen K. und ihre [1213] Entstehung bespricht. Im Grunde werden nur ἀρχαία und μέση behandelt, die νέα ist nur im letzten Paragraphen oberflächlich angeflickt. Wertvoller ist der zweite Abschnitt περὶ διαφοράς χαρακτήρων, eine feine Darlegung der Stilunterschiede des Kratinos, Eupolis und Aristophanes, die wohl letzten Endes auf Dionysiades (s. o. S. 1208) beruht.

II. Anonymer Traktat περὶ κωμφδίας, nur im Estensis und der Aldina des Aristophanes er-10 halten (CGF I 6ff.), ein Auszug aus einem späten Kompendium der griechischen Literaturgeschichte. Nach einer kurzen Bemerkung über die Entstehung der K. werden nacheinander die drei Arten der K. charakterisiert, ihre Hauptvertreter aufgezählt und über jeden einzelnen von diesen kurze biographische Angaben gemacht, namentlich auch über die Zahl ihrer erhaltenen echten und unechten Stücke und ihrer Siege. Epicharm eröffnet die Liste der Dichter der ἀρχαία.

III. Anonyme Liste τῶν τῆς ἀρχαίας κωμφδίας ποιητῶν ὀνόματα καὶ δράματα, ebenfalls nur im Estensis und der Aldina erhalten (a. a. O. 10). Sieben Dichter der alten K. und die Zahl ihrer Stücke werden aufgezählt, die drei Großen fehlen.

IV. Auszüge aus Scholien zu Dionysios Thrax von Bekker Anekd. Gr. 744, 32–749, 26 herausgegeben (a. a. O. 10ff.). Ein Teil dieser Scholien deckt sich fast völlig mit einem anonymen Traktat περὶ τῆς κωμφδίας in einigen Aristophanes-Hss. (Laurentianus 6, Ambrosianus A), den Kaibel (a. a. O. 12f.) neben den entsprechenden Scholien abgedruckt hat. Hauptinhalt ist eine sehr breite, abgeschmackte, aber doch einiges Gute enthaltende Darstellung der Entstehung und Entwicklung der K.

V. Eine ebenfalls aus Dionysiosscholien, oder doch derselben Quelle wie sie, stammende Glosse des Etymologium Magnum über Entstehung von Tragödie und K. (a. a. O. 16).

VI. Zwei Doppeltraktate des Johannes Tzetzes περὶ κωμφδίας (a. a. O. 17ff.). Das erste Traktatenpaar (P a und P b bei Kaibel) ist in verschiedenen Handschriften überliefert und zuerst von Cramer Anecd. Par. I 3 aus einem Parisinus herausgegeben. Es ist namenlos, aber Kaibel hat aus dem zweiten Traktatenpaar (M a und M b) Tzetzes als Verfasser ermittelt. Die ersten elf Paragraphen von P a sind identisch mit Teilen der Dionysscholien (a. a. O. 12) und von Kaibel deshalb nicht nochmals abgedruckt, überhaupt bringt P a kaum etwas Neues, P b dagegen enthält im Eingang die wichtige Nachricht über die Begründung der Bibliothek von Alexandreia und die Verteilung der poetischen Gattungen auf die ersten Bearbeiter, sonst ist auch dieser Traktat breites Geschwätz voll ebensoviel Eitelkeit wie Unwissenheit, spärliche Weizenkörner sind dem leeren Stroh beigemengt. Das zweite Traktatenpaar Ma und M b steht nur in dem Ambrosianus C 222 ord. 6 inf. (A) und trägt Tzetzes' Namen. Es ist erheblich später verfaßt als das erste, dessen groteske Irrtümer es zum Teil verbessert, stimmt meist im wesentlichen mit ihm Überein, nur wird noch viel mehr billige Weisheit breitspurig aufgetischt, der Schluß von M b deckt sich vollkommen mit P b 33–39 und ist von Kaibel deshalb nicht wiederholt. Als VI a läßt Kaibel noch einen Abschnitt [1214] aus den Prolegomena des Tzetzes zu Lykophron folgen (a. a. O. 33f.).

VII, VIII und IX. Dieselbe Weisheit, die er in den prosaischen Traktaten verkündet, wiederholt der unermüdliche Schwätzer Tzetzes in drei poetischen, στίχοι περὶ διαφοράς ποιητῶν (VII a. a. O.340.), ἴαμβοι τεχνικοὶ περὶ κωμφδίας (VIII a. a. O. 400.) und περὶ τραγικῆς Λοίησεως (IX a. a. O. 430.). Diese poetischen Behandlungen sind älter als die Traktate M a, b.

X. Der bereits o. S. 1207 charakterisierte Tractatus Coislinianus (a. a. O. 500.).

XI. Das Kapitel de poematibus aus dem dritten Buch von Diomedes’ ars grammatica (a. a. O. 530.). Es enthält in dem Abschnitt über die K. die Definition des Theophrast und berücksichtigt die griechische wie die römische K. Die Textrezension dieses und der beiden folgenden Stücke rührt von F. Leo her.

XII. Die dem Terenzkommentar des Donat vorangestellte Einleitung (a. a. O. 620.). Der erste in sich zusammenhängende und in seiner Art gute Teil gehört dem Grammatiker Euanthius (s. o.-Bd. VI S. 847), an dessen Traktat de fabula eine wirre Masse verschiedenartiger Notizen angehängt ist. Strittig ist, ob das Kap. IV, hinter dem in der besten Hs. (Parisinus A) die neue Überschrift De comoedia steht, noch dem Euanthius gehört, was ich für richtig halte, oder ob der Euanthiuskom-mentar schon mit Kap. III abschließt. Obwohl Euanthius’ Kommentar in die römische K. einführen soll, bespricht er doch die griechische ziemlich ausführlich, und es ist bei ihm mehr aristotelischer Einfluß zu spüren als bei Tzetzes und den Dionysiosscholien; auch die anschließenden Notizen berücksichtigen zum Teil die griechische K.

XIII. Kurzer lateinischer Traktat aus dem von Usenet herausgegebenen (Rh. Mus. XXVIII 418) Liber glossarum (a. a. O. 72f.). Die K. geht nur i der erste Abschnitt an, der zweite behandelt entsprechend die Tragödie. Kaibel schließt an diese Traktatenreihe noch eine größere Zahl von Einzelstellen antiker Schriftsteller, die für Theorie und Geschichte der K. von Wert sind, und zwar XIV de comoedia Dorica, XV de comoediae Atticae primordiis, XVI varia de comoedia testimonia. Nicht an dieser Stelle mitgeteilt hat er die zahlreichen wichtigen Komikerartikel des Suidas, die man bequem zusammengestellt findet bei Meineke FCG I 5470. (vgl. Th. Wagner Symbolarum ad comic. Graec. hist. crit cap. quattuor, Leipzig 1905).

B. Die moderne Literatur.

Die erste zusammenfassende Behandlung aller Reste der griechischen K. mit Ausschluß der erhaltenen K. des Aristophanes gibt das ausgezeichnete Werk Meinekes Fragmenta comicorum Graecorum, fünf Bände (II und V in zwei Halbbände zerlegt), Berlin 1839–1857. Bd. I enthält die im einzelnen viel-) fach überholte, aber noch immer grundlegende Historia critica comicorum Graecorum, II 1 und 2 die Fragmente der alten K. (die Fragmente der dorischen K. sind nicht berücksichtigt, die des Aristophanes von Th. Bergk bearbeitet), III die der mittleren, IV die der neueren K. und die adespota, V 1 und 2 Nachträge und Verbesserungen von Meineke selbst und besonders von H. Jacobi, der auch den vollständigen, leider [1215] unzweckmäßig angelegten Wortindex verfaßt hat. Zu beachten neben Meineke sind auch die 1838 erschienenen Commentationes de reliquiis comoe-diae Att. ant. von Bergk. Meineke ließ 1847 seinem großen Werk eine Editio minor, nur die Fragmente mit ganz knappem Kommentar, folgen. Als Neubearbeitung von Meinekes Editio minor war zunächst geplant das Werk von Th. Kock Comicorum Atticorum fragmenta, drei Bände, Leipzig 1880–1888, es tritt jetzt aber mit dem Anspruch einer selbständigen Leistung auf. Da Kock die Dreiteilung der K. für eine späte Grammatikererfindung hält, gibt er in Bd. I antiquae comoediae fragmentât in II novae comoediae fragmenta pars I, das sind im wesentlichen die Dichter der μίση, dazu von der νέα Philemon und Diphilos, in III novae comoediae fragmenta pars II, comicorum inceftae aetatis fragmenta, fragmenta incertorum poetarum. Kocks Sammlung besitzt nicht die sicheren Fundamente wie die Meinekes, der Zuwachs an neuen Fragmenten im dritten Band beruht hauptsächlich auf seinem Glauben, es ließen sich aus den Schriftstellern der zweiten Sophistik, vor allen den Epistolographen, unschwer Verse der neuen K. herauslösen. Diese Theorie ist durch die neuen Papyrusfunde im allgemeinen nicht bestätigt worden, und aus Aristainetos, bei dem tatsächlich viele Menanderverse leicht verändert vorliegen, hat Kock nicht einen herzustellen vermocht. Wichtige Berichtigungen und Ergänzungen zu Kock gibt Nauck Mél. Grée. Rom. VI 1892, 53–180. Eine Fülle von Vorschlägen zur Textgestaltung, größtenteils wertlos, enthalten die Adversaria in Com. Gr. fragm. von Blaydes, 2 Teile, Halle 1890 und 1896, nützlicher sind van Herwerdens Collectanea crit. epicrit. exeg., Leyden 1903.

Von Kaibels neuer Sammlung aller Komikerfragmente ist nur der erste Faszikel des ersten Bandes Doriensium comoedia, mimi, phlyaces erschienen (Poet. Graec. Frgm. auct. de Wilamowitz-Moellendorff coll. et ed., vol. VI fase, prior, Com. Graec. fragm. vol. I fase, prior, Berolini 1899). Das neue, besonders durch die Papyri und den Berliner Photios (Reitzenstein Der Anfang des Lexikons des Photios, Leipzig 1907) hinzugekommene Material hat zusammengestellt Demiańczuk Supplementum comicum, Krakau 1912; sehr viel selbständiger ist die Arbeit von O. Schroeder Novae com. fragm. in pap. rep. exceptis Menandreis (in Lietzmanns Kl. Text. für Vorl. und Übg. nr. 135), Bonn 1915. Die Menanderpapyri sind ediert von Körte Menandrea², Leipzig 1912 (ed. maior und minor) und besser von Sudhaus Menandri reliquiae nuper repertae², Bonn 1914 (Lietzmanns Kl. Texte nr. 44–46).

Eine zusammenhängende Darstellung der griechischen K., die dem jetzigen Stande unseres Wissens entspricht, gibt es nicht, ganz veraltet ist Edélestand du Méril Hist. de la comédie ancienne, 2 Bde., Paris 1864–1869, besser Denis La comédie grecque, 2 Bd., Paris 1886, eine knappe Skizze gibt A. Körte Die griechische Komödie, Leipzig und Berlin 1914 (Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 400). Für die dorische K. war lange maßgebend das jetzt überholte Buch von Grysar De Doriensium comoedia quaestionea, Köln 1828, für die Komposition der alten attischen K. ist trotz mancher Übertreibungen von großer Bedeutung [1216] Zielinski Die Gliederung der altattischen Komödie, Leipzig 1885; auch desselben Verfassers Quaestiones comicae, Petersburg 1887, und Die Märchenkomödie in Athen, Petersburg 1885, sind wertvoll. Eingehende Untersuchungen über Stoff und Technik der neuen K. bietet Legrand Daos, Tableau de la com. gr. pendant la période dite nouvelle, Lyon-Paris 1910. Eine sehr breite Behandlung der Metrik der K. enthält das Werk von J. W. White The verse of greek comedy, London 1912. Zu vergleichen sind auch die Übersichten in Bursians Jahresbericht, zuletzt von C. v. Holzinger (1892–1901) in Bd. CXVI, A. Körte (1902–1909) in Bd. CLII, E. Wüst (bis 1914) in Bd. 174.

Namen und Ursprung.

Die richtige Herleitung des Namens K. gibt Aristoteles in der Poetik 3, 1448 a 37, K. ist der Gesang des Komos (s. d.), der im Dionysosdienst umherschwärmenden, des Gottes vollen Menge. Diese Etymologie ist nie ganz vergessen worden, sie erscheint περὶ κωμ. II 1 (S. 7 Kaibel), Etym. M. s. τραγωδία (S. 16 K.), Tzetz. proll. in Lycophr. (S. 34 K.) und περὶ διαφ. ποιή. 40 und 118 (S. 86 und 38 K.), Diomed. III 9, 2 (S. 58 K.), Euanth. de fab. I 3 (S. 62 K.), Liber Gloss. I 3 (S. 72 K.), aber überall steht sie an zweiter oder dritter Stelle und spielt bei der Entwicklungsgeschichte der K. keine Rolle. Daneben kennt Aristoteles bereits die falsche Ab-SOleitung von κώμη, aber er lehnt sie ab; a. a. O. sagt er die nisäi sehen und sizilischen Megarer erheben Anspruch auf die Erfindung der K. ποιούμενοι τὰ ὀνόματα ὀημεῖον, αὐτοὶ μὲν γὰρ κώμας τὰς περιοικίδας καλειν φασιν, Ἀθηναίους δὲ δήμους, ὡς κωμφδοῦς οὐκ ἀπὸ τὸν κωμάζειν 2εχθέντας ἀλλὰ τῆ κατὰ κώμας πλάνη ἀτιμαζομενοῦς ἐκ τὸν ἄοτεως. Trotz Aristoteles’ Ablehnung ist diese Erklärung der K. als Dorfgesang von Varro (bei Dion. III 9, 2, S. 58 K.) bevorzugt worden 40 und durch eine späte Poetik zur Vorherrschaft gelangt, sie wird an erster Stelle vorgetragen περὶ κωμ. 1 (S. 6 K.). Schol. in Dion. Thrac. (S. 11 K.), περὶ τῆς κωμ. (S. 12. 14. 15 K.). Etym. M. s. τραγωδία (S. 16 K.). Tzetz. Ma (S. 27 K.), proll. in Lycophr. (S. 34 K.); περὶ διαφ. ποιή. 115ff. (S. 38 K.). Diom. III 9, 2 (S. 58 K.). Euanth. de fab. I 3 (S. 62 K.). [‌Don.] de com. V 2 (S. 67 K.). Lib. Gloss. I 1, 3 (S. 72 K.). Daneben spielt in diesen späten Traktaten eine weitere Ab-50 leitung von κώμα, der Schlaf, eine ziemliche Rolle, weil die Landleute ihre Spottlieder angeblich nur nachts zur Schlafenszeit in der Stadt vorzutragen wagten, περὶ τῆς κωμ. (S. 14 K.). Schol. Dion. Thrac. (S. 15 K.). Etym. M. s. τραγωδία (S. 16 K.). Tzetz. proll. in Lycophr. (S. 34 K.); περὶ διαφ. ποιή. v. 32 und 115 (S. 35 und 38 K.). Noch törichter ist die nur bei Diom. m 9, 6 (S. 58f. K.) vorliegende Ableitung von Kos sunt qui velint Epicharmum in Co insula exsuhmtem primum hoc 60 carmen fréquentasse et sic a Coo comoediam dici.

Angeschlossen sei hier gleich ein zweiter Name für die K., τρνγφδία. Das Wort kommt zuerst bei Aristophanes in den Acharnern 499 und 500 vor, und ist dann ebenso wie τρνγψδός (Wesp. 650. 1537. Geryt. frg« 149, 9) und weitere Ableitungen (τρυγφδικός Acharn. 886, τρχτγφδοποιομονσική Thesm. sec. frg. 338) bei ihm beliebt, aber auch Eupolis hat es in dem neuen Demenpapyrus (Herm. [1217] XLVII 283, Iv 7 τρνγφδ[ίαν oder τρυγφδ[οῖς). Die Scholien zu Ar. Ach. 499 erklären κωμφδίαν* ἤτοι διὰ τδ τρύγα ἔπαθλον λαμβάνειν, τουτέστι νέον οἰνον, ἡ διὰ τὸ μὴ δντων πρωσωπείων τὴν à@X$v τρυγὶ χρίεσθαι τὰς ὄψεις (ebenso Suid. s. v., sehr ähnlich περὶ κωμ. 1 S. 7 K.). An sich bezeichnet τρύξ sowohl Most (s. Kratinos frg. 250, Arist. frg. 109) wie Hefe (Arist. Plut. 1085), und insofern ist die zweite Erklärung sprachlich möglich, wenn auch sachlich sehr unwahrscheinlich. Beide Herleitungen haben tatsächlich in der antiken Theorie von der Entstehung des Dramas eine gewisse Rolle gespielt. Trygodia gilt nicht nur als älterer Name für K. (περὶ κωμ. 1 S. 7 K.), sondern im Etym. M. s. τραγωδία (S. 16 K.) ist es eine ältere Bezeichnung für Tragödie und K. zusammen, ἔπει οὐπω διεκέκριτο τὰ τῆς ποιήαεως ἐκατέρας ἄλλ’ εἰς αὐτὴν ἐν ἤν τδ ἄθλον ἡ τρύξ, und Tzetzes περὶ διαφ. ποιή. 575. (S. 36 K.) wird auch das Satyrspiel unter dem Namen mitinbegriffen χρόνῳ διηρεθὴ δὲ κλησις εἰς τρία. Diese Theorie ist ziemlich alt, denn sie liegt schon bei Horat. ep. ad Pis. 276f. vor, dicitur et plaustris vexisse poemata Thespis quae canerent agerentque peruncti faecibus ora. Daß in alter Zeit τρυγωδία ein gangbarer Name für die K., oder gar alle dramatischen Gattungen gewesen sei, ist wohl schon durch Aristoteles’ Schweigen ausgeschlossen, Aristophanes hat ein scherzhaftes Zwillingswort zur τραγφδία gebildet, und da der Scherz gefiel, haben er und Eupolis ihn wiederholt; der klügelnden Gelehrsamkeit späterer Geschlechter blieb es Vorbehalten, den Scherz ernst zu nehmen.

Bezeichnet κωμῳδία den Sang des κῶμος, so leuchtet ein, daß der Name K. streng genommen nur für ein Drama mit Chor paßt, also den sizi-lischen und megarischen chorlosen Schwänken eigentlich nicht zusteht. In der Tat zeigt sich hier ein eigentümliches Schwanken von Aristoteles an. Seine Bemerkungen über die Entwicklung von Tragödie und K. Poet. 4f. sind durchaus auf Athen zugeschnitten, und· auch die späten Traktate wollen die Entstehung der attischen K. erklären, anderseits rechnet Aristoteles die Dramen des Epicharm zweifellos zur K. (poet. 3, 1448 a 30ff. 5, 1449 b 5), wie es schon vor ihm Platon (Theaet. 152 E) getan hatte, und bei dem guten Anonymus π. κωμ. (CGF I 7 Kaib.) eröffnet Epicharm die Reihe der Dichter der alten K. Dies erklärt sich daraus, daß Aristoteles im Grunde für die alte K. nur wenig Interesse hat, sie ist ihm nur eine Durchgangsstufe für die K. seiner Tage, in der der Chor zu einem lästigen Anhängsel herabgedrückt ist, tatsächlich empfindet er den Gesang des κώμος nicht mehr als maßgebend für die dramatische Gattung, und sobald man den Chor unberücksichtigt läßt, ist die Entwicklungslinie von Epicharm bis zur K. der aristotelischen Zeit leicht zu ziehen. Was Aristoteles über die Entstehung und erste Entwicklung der K. zu wissen glaubt, ist nicht allzu viel: Fest steht ihm (1449 a 9), daß sie ursprünglich ebenso wie die Tragödie ein Stegreifspiel war, hervorge-gangen ἀπὸ τῶν (ἐξαρχόντων) τὰ φαλλικά a ἔτι καὶ νῦν ἐν πολλοὺς τῶν πόλεων διαμένει νομιζόμενα. Im übrigen bekennt er nichts Genaues zu wissen (a. a. O. 1449 a 38) ἡ θ κωμφδία διὰ τδ μὴ ἀπουδάζεσθαι ἴξ ἀρχῆς ἔλαθεν* καὶ γὰρ χορόν [1218] Komödie (Name, Ursprung) 1218 κωμφδῶν ὀψὲ ποτὲ δ θρχων ἔδωκεν, ἄλλ* εὐελονταὶ ἡ σαν. ἤδη δὲ σχήματά τινὰ αὐτῆς ἔχουσης οἱ λεγόμενοί αὐτῆς ποιηταὶ μνημονεύονται, τις δὲ πρόσωπα ἀπέδωκεν ἡ προλόγους ἡ πλήθη ὑποκριτῶν καὶ ὄσα τοιαῦτα, ἠγνόηται. τὸ δὲ μύθους ποιεῖν Ἐπίχαρμος καὶ Φόρμις- τὸ μὲν (οὐν) (fehlt in R.) ἐξ ἀρχῆς ἐκ Σικελίας ἤλθε, τῶν δὲ Ἀθήνησιν Κράτης πρώτος ἤρξεν ἀφέμενος τῆς ἰαμβικῆς ἰδέας καθόλου ποιεῖν λόγους καὶ μύθους. Dazu 10 kommt noch die Erwähnung der nicht anerkannten, aber auch nicht ausdrücklich abgelehnten Ansprüche der Dorer auf Erfindung der K. (3, 1447 b 31) τῆς μὲν γὰρ κωμφδίας (ἀντιποιούνται) οἱ Μεγαρεῖς οἱ τε ἔντανθα ὡς ἐπὶ τῆς παρ’ αὐτοῖς δημοκρατίας γενομένης καὶ οἱ ἐκ Σικελίας, ἐκεῖθεν γὰρ ἤν Ἐπίχαρμος ὁ ποιητῆς πολλφ πρότερος ὧν Χιωνίδου καὶ Μάγνητος. Ein klares Bild der ältesten Entwicklung läßt sich aus diesen Angaben nicht gewinnen, vor allem bleibt unklar, wie Ari-20 stoteles sich die Entstehung des eigentlich Dramatischen aus den Phallosliedern denkt, und welche Bedeutung er der ἰαμβικὴ ἰδέα beimißt, die nach 1449 b 8 der Entwicklung geschlossener Fabeln im Wege steht. Die nacharistotelische Poetik hat nun die Entwicklung der K, ganz einseitig gerade auf die ἰαμβικὴ ἰδέα aufgebaut und mit ihr die falsche Ableitung des Namens von κώμη derart verquickt, daß dadurch die für Aristoteles selbstverständliche Verbindung mit dem Dionysoskult 30 ganz verloren geht. Nach einer im Kern schon Aristoteles bekannten (1448 a 38), uns besonders in den Scholien zu Dionysios Thrax und den aus ihnen geflossenen Traktaten vorliegenden Theorie (CGF I 12 K.), ziehen die von den Städtern gekränkten Bauern nachts in die Stadt und singen vor den Häusern ihrer Schädiger Rügelieder, das Volk erkennt dies als nützlich und zwingt die Landleute, ihre Lieder im Theater zu wiederholen; aus Angst beschmieren sich die Bauern dabei das 40 Gesicht mit Hefe, um unkenntlich zu sein. So töricht die Voraussetzung eines Theaters vor dem Drama und die Erklärung der Masken aus Beschmieren mit Hefe auch ist, in der Benützung volkstümlicher Rügelieder für die Entwicklungsgeschichte der K. liegt etwas Richtiges. Das κέρτομα βάζειν ψεύδεα #’ αἰμυλίους τε λόγους ist durch Hesiod. ὄρρ. 788f. als alter Volksbrauch an bestimmten Tagen erwiesen, und selbständige Rügelieder gegen mißfällige Gemeindeglieder sind 50 noch in der voll entwickelten alten K. zu finden; ein besonders lehrreiches Beispiel ist jetzt die Antode der Parabase in den Demen des Eupolis (Körte Herm. XLVII 292ff. Jensen ebd. LI 334ff.), vgl, auch Ode und Antode in der zweiten Parabase der Ritter 1263S. 1290ÏÏ.; Ach. 1250S.; FrÖ. 420ff.

Von den bei Aristoteles erwähnten Phallos-sängern der späteren Zeit gibt uns eine Vorstellung Semos von Delos ἐν τῶ περὶ παιάνων bei Athen. 60 XIV 622 a-d, der das Auftreten der ἰθύφαλλοι und φαλλοφόροι in den Theatern seiner Zeit beschreibt, eine dritte Gruppe, die später ἴαμβοι genannten αὐτοκάβδαλοι, aber nicht mehr aus eigener Anschauung zu kennen scheint. Ithyphal-len und Phallophoren haben eine bestimmte Tracht, erstere auch προσωπεία, μεθυόντων und Kranze, letztere nur dicke Kränze aus Laub und Blumen. Außer der Anrufung des Bakchos in einfachen [1219] Liedern wird bei den Phallophoren auch die Verspottung der Anwesenden aßt [äv] προέλοιντο erwähnt. Ein dramatisches Element ist weder bei Ithyphallen noch bei Phallophoren kenntlich, es sind rein lyrische Chöre (vgl. Denis La com. gr. 118). Aus älterer Zeit lernen wir einen ἐξάρχων des Phallosliedes kennen in Aristophanes’ Achar-nern, wo Dikaiopolis die ländlichen Dionysien feiert und v. 263Ö. ein kräftiges Lied auf den gewaltigen Φαλης singt. Wichtig ist, daß diesem 10 Lied der persönliche Spott nicht ganz fehlt (270), es fehlt ihm dagegen der einfallende Chor. Es muß scharf betont werden, daß sich in dem, was wir über die antiken φαλλικά wissen, auch nicht die leiseste Spur eines rituellen Dramas findet, aus dem Cornford (The origine of atticcomedy, London 1914), unter starker Verwertung moderner makedonischer Karnevalsbräuche (Dawkins Journ. heU. Stud. XXVI 1906, 191), das Werden und die Komposition der alten attischen K. herzuleiten ver- 20 sucht hat. Daß ein Zusammenhang zwischen den makedonischen Karnevalspielen und dem alten thra-kischen Dionysoskult besteht, ist wohl anzunehmen, aber über die Entstehung der attischen K. geben sie uns keinen Aufschluß. Auch die Benutzung ethnologischen Vergleichsmaterials, das mit Griechenland in keinem unmittelbaren Zusammenhang steht, verspricht nur bei sehr vorsichtiger Verwertung einigermaßen sichere Ergebnisse, und an dieser Vorsicht lassen es Reich in seinem groß 30 angelegten Werke Der Mimus (bes. S. 476H.) und Preuß (N. Jahrb. XVIII 1906, 161fi.) vielfach fehlen. Hervorheben möchte ich aus dem von Preuß beigebrachten amerikanischen Material (S. 190H.), daß sich an die scheußlichen Zauberhandlungen bei den Festen der Mexikaner, Hopi und anderer amerikanischer Stämme vielfach ganz profane mimische Szenen, von den maskierten Trägern der Geisterrollen ausgeführt, anschließen.

Zu einer über die Angaben der antiken Schrift- 40 steiler hinausgehenden Einsicht in die Entstehung und erste Entwicklung der attischen K. verhelfen einmal die bildliche griechische Überlieferung und zweitens die genaue Beobachtung der Komposition und Versformen in der entwickelten K. Das bildliche Material haben von verschiedenen Ausgangspunkten aus Poppel reu ter (De comoediae Atticae primordiis, Berlin 1893) und ich (Arch. Stud. zur alten K., Arch. Jahrb. VIII 1893, 61) verwertet. Poppelreuter wies auf vorpersischen sf. Vasen 50 die Darstellung vermummter, von Flötenspielern geleiteter Chöre nach. Die Choreuten tragen zweimal phantastische Vogelkleidung (Br. Mus.), darüber einmal (Berl. Mus. nr. 1830) weite Mäntel, auf einer andern Vase (Berl. Mus. nr. 1697) sind sie als Pferde ausstaffiert und tragen geharnischte Reiter auf den Schultern. Hier haben wir also wechselnd vermummte Chöre mit Tiermasken aus einer der literarischen Entwicklung der K. vorangehenden Zeit. Durchaus abweichend ist die äußere Erschei- 60 nung der komischen Schauspieler, deren Darstellungen in Tonfiguren und auf einer Petersburger Vase (C. R. 1870/71 Taf. VI 1) ich sammelte. Aus zahlreichen Anspielungen des Aristophanes geht hervor, daß seine Schauspieler einen sichtbaren Phallos trugen; die von mir S. 66B. beigebrachten Belege lassen sich noch vermehren (Ach. 592; Wol. 653; Frie. 142; Lys. 863). Wenn Aristophanes [1220] von seiner K. Wol. 537ff. rühmt, ὡς δὲ σώφρων ἐστὶ φύσει σκέψασύΡ, ἤτις πρώτα μὲν ὄνδεν ἤλθε ραψαμένη σκυτινον καόειμένον ἐρυθρὸν ἐξ ἄκρον παχυ, τοῖς παιδιου ἴν ἡ γέλως, so ist der Ton auf καθειμένον zu legen, der sichtbare Phallos ist auch für die Wolken (v. 653) nachzuweisen, die relative Dezenz besteht in der bei den Tonfiguren sehr häufigen Aufbindung des Gliedes. Die Petersburger Vase und mehr als 100 Tonfiguren lehren, daß außer dem hängenden oder aufgebundenen Phallos eine dicke Auspolsterung von Bauch und Gesäß zum Kostüm der komischen Schauspieler gehört (wohl die beste Darstellung eines komischen Schauspielers ist eine Berliner Tonfigur 6823, s. A. Körte Die griech. Kom., Titelbild). Diese Auspolsterung ist so unerläßlich, daß sie auch bei den älteren Darstellungen komischer Schauspieler in Frauenrollen ausnahmslos erscheint, Diese burlesk-obszöne Tracht hält sich nach Ausweis sehr zahlreicher unteritalischer Vasen (Heydemann Arch. Jahrb. I 260ff.) bei den italischen Phlyaken noch ungleich zäher als in Athen, wo sie wohl kaum die Mitte des 4. Jhdts. überdauert haben wird. Auf den unteritalischen Vasen erscheint aber der Phlyax im Kostüm mit Phallos, Dickbauch und gewaltigem Hinterteil mehrfach als Genosse des ganz ideal gezeichneten Gottes Dionysos (bei Heidemann E, Z, 1, y, z), er stürmt im Thiasos einher zwischen attischer Kunst entlehnten Satyrn und Bakchen (B bei Heyd.) oder reitet auf einem großen Fisch (ß bei Heyd.). Daraus geht hervor, daß dämonische Dio-nysosbegleiter mit den von der Bühnentracht nachgeahmten Eigentümlichkeiten der Phantasie der Dorer Großgriechenlands noch im 4. und 3. Jhdt. durchaus geläufig waren; entsprechende Figuren finden sich auch auf einem boiotischen, den Kabi-rionvasen verwandten Krater .(Athen. Mitt. XIX 1894, 346). In den attischen Darstellungen des dionysischen Thiasos gibt es solche phallischen Dickbäuche nicht, hier herrschen unumschränkt die schlanken Silene-Satyrn mit Pferdeschwanz und Pferdeohren. Dagegen werden in der korinthischen Vasenmalerei die fehlenden Silene durch dickbäuchige Tänzer vertreten, die auch zuweilen phallisch sind (gesammelt von Fränkel Rh. Mus. LXVII 95). Ihr dionysischer Charakter wird gesichert durch einen von G. Löschcke veröffentlichten korinthischen Amphoriskos (Athen. Mitt. XIX Taf. VIII 510), auf dem solche phallischen Dickbäuche an der Rückführung des Hephaistos in den Olymp beteiligt sind. Daß auch auf einem von Dümmler (Ann. d. Inst. 1885 Taf. D. E) veröffentlichten Krater nicht menschliche Possenreißer, sondern mythische Kobolde in einer possenhaften Szene dargestellt sind, muß ich gegen Fränkel (a. a. O. lOOff.) aufrecht erhalten, denn unzweifelhaft tragen die beiden Burschen rechts natürliche, nicht künstliche Phalloi und Bäuche, und so wird auch die Verbindung des einen Namens 'Ὄμ(β)ρικος mit der Glosse (Bekker Anekd. Gr. I 225, 2) ol δὲ *Όμβρικος ὕπδ Ἀλικαρτάσεων Βάκχος der von Fränkel vorgeschla-genen Deutung als Sklavenname ,der Umbrer‘ vorzuziehen sein. Diese dickbäuchigen dionysischen Tänzer finden sich zwar ganz vereinzelt auch auf chalkidischen und spartanisch-kyrenischen Vasen (s. Fränkel 94), ihre eigentliche Domäne aber sind [1221] die korinthischen Vasen, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß man sich im 7. und 6. Jhdt. in Korinth den Thiasos des Gottes rein menschengestaltig mit dicken Bäuchen, Hinterteilen und Phalloi gedacht hat; ein Versuch von Heinz Schnabel (Kordax, München 1910), diese Dickbäuche statt an Dionysos an Artemis Orthia anzuknüpfen, ist durchaus verfehlt (s. DLZ 1910, 2787f. Jahresber. CLII 235f.).

Mithin darf als erwiesen gelten: Die Schauspieler der alten attischen K. haben in ihrer Tracht die körperlichen Eigentümlichkeiten peloponnesi-scher Dionysosbegleiter, die dem attischen Thiasos durchaus fremd waren, treu bewahrt. Sie sind aus dem Peloponnes zu dem echt attischen, in wechselnder, meist tiergestaltiger Vermummung auftretenden Chor hinzugekommen, und aus der Verbindung dieser beiden ursprünglich voneinander ganz unabhängigem, niemals völlig miteinander verschmolzenen Bestandteile erwächst die alte attische K. (vgl. Bethe Proleg. zur Gesch. des Theat. im Altert. 48ff.). Bevor ich das Zusammenwachsen beider Bestandteile in Athen verfolge, sei der eine von ihnen, die dorischen Schwänke behandelt.

Dorische Komödie.

Im strengen Wortsinn gibt es keine dorische K., denn nirgends können wir in dramatischen Spielen der Dorer einen singenden κώμος nachweisen, aber die Beibehaltung des Wortes scheint mir unschädlich. In Sparta und andern dorischen Landschaften, aber auch in Theben, haben sich lange Zeit kunstloseVolkspossen lebendig erhalten, über die uns der Lakone Sosibios bei Athen. XIV 621 d-f wertvolle Aufschlüsse gibt. Ihre Träger hießen in Sparta δικηλισταί, in Sikyon φαλλοφόροι, in Italien φλύακεςsub1λsub anderwärts σοφιοταί, in Theben εὐελονταί (dies ist wohl die Erklärung eines ausgefallenen epichorischen Namens). Als Beispiel der spartanischen Dikelistenposse erwähnt Sosibios, es ahme einer ἐν εὐτελεὶ λεξεί Obstdiebe oder einen ausländischen Arzt nach. Genaueres wissen wir von diesen dorischen Lokalpossen nur über die italischen Phlyaken (s. den Art. Phlyakes), die uns durch zahlreiche Vasenbilder (s. Heydemann Arch. Jahrb. I 2605.) ziemlich gut bekannt sind und es durch Bhinton (s. Bd. I A S. 843f.) um 300 zu einer gewissen literarischen Geltung brachten. Einem andern Zweige, der megarischen Posse, erkennen die alten attischen Komiker selbst durch die Art, wie sie sie ablehnen, einen Einfluß auf die attische K. zu. Schon einer der ältesten attischen Komiker Ekphantides (s. o. Bd. V S. 2214) erklärt frg. 2 αἰσχννομαὶ τὸ δράμα Μεγαρικὸν ποεῖν, Eupolis nennt in den Prospaltiern (frg. 244 K.) einen gemeinen Scherz (einen Furz, wie ich Rh. Mus. LX 1905, 414 gezeigt habe) ein σκώμμ' ἄσελγες καὶ Μεγαρικόν, Aristophanes läßt Ach. 738 den Me-garer seinen Einfall, die eignen Töchter als Schweinchen zu verkaufen, als Μεγαρικὰ τις μαχανά bezeichnen, und im Prolog der Wespen kündigt Xan* thias den Zuschauern an, sie sollten nichts gar zu Großes erwarten (v. 57) μηδ' ἄδ γέλωτα Μεγαρόδεν κεκλεμμένον. Hier wird dann der aus Megara gestohlene Scherz durch Nüsse werfende Sklaven und den ums Mahl geprellten Herakles erläutert und v. 65f. versichert, das Stück sei νμῶν μὲν ἀδτῶν συχὶ δεζιωτερον, κωμερδίας δὲ φορτικῆς σοφώτερον. Durchweg bezeichnen die attischen Komiker [1222] also mit megarisch eine derbe, niedere Art der Komik (φόρτος), die zu verachten sie vorgeben, deren erprobte Wirkung auf den harmloseren Teil der Zuschauer sie aber nur zu gern benutzen. Zielinskis Versuche (Gliederung 2405.; Quaest. com. 345.), in Athen neben der eigentlich attischen eine in Tracht und Wesen verschiedene dorische, aus Megara eingedrungene K. zu erweisen, sind verfehlt (s. Arch. Jahrb. VIII 1904, 635.), die alte attische K. ist durchaus einheitlich, aber der φόρτος ist allerdings mit den megarischen Possenreißern nach Athen gekommen und ein unausscheidbarer Bestandteil der alten attischen K. geworden. Die nichtaristotelische poetische Theorie hat den Einfluß der megarischen K. auf die attische anerkannt und in der Person des Susarion verkörpert, die merkwürdige Wandlungen durchge-macht hat (die Zeugnisse über ihn bei Kaibel CGF I 77, wo aber das älteste, Marrn. Par. ep. 39, fehlt). Unter seinem Namen werden mehrfach fünf Verse zitiert, in denen er die Weisheit, daß die Frauen ein unentbehrliches Übel seien, verkündet und sich als νίὸς Φιλίνον Μεγαρόθεν Τριποδίσκιος vorstellt. Dieser Vers, der ihn zum Megarer macht, paßt schlecht zu dem attischen Dialekt der Verse, die ἀκούετε λεφ beginnen, und fehlt bei verschiedenen Gewährsmännern (Stob. ecl. IV 22, 68 = flor. 69, 2 Mein. Diomed. S. 58 Kaib.). Da nun Susarion schon Marrn. Par. ep. 39, wo er zwischen 580 und 562 v. Chr. angesetzt und ausdrücklich Erfinder der K. genannt wird (ebenso Clem. Alex, ström. I 16, 79), Ikarier, also Athener heißt, hält Kaibel den ihn zum Megarer stempelnden Vers für eine in die gefälschten Verse eingedrungene Interpolation. Ich glaube, daß Susarion trotz des nichtmegarischen Dialekts der Verse ursprünglich als Megarer erfunden ist, denn sein Name ist durchaus unattisch. Megarer und Erfinder der K. nennt ihn ausdrücklich auch das gelehrte Scholion zu Arist. Eth. Nik. IV 6, 1123a 21 (p. 186, 13 Heylb.). Da die megarischen Possen Stegreifspiele blieben und niemals literaturfähig wurden, konnte die spätere Zeit weder megarische Dichter kennen, noch etwas von der Art der Stücke wissen, was über die Anspielungen der attischen Komiker hinausging. So bleibt auch für uns die megarische Posse nur in den allgemeinsten Umrissen erkennbar. Auch die meist entschieden bejahte Frage (s. Zielinski Quaest. com. 375. 50Dieterich Pulcinella 385. Reich Mimus I 2, 5045.), ob die megarische und die andern ihr nächstverwandten dorischen Possen Typen-K. gewesen seien, läßt sich meines Erachtens nicht sicher beantworten, wenn man den Begri5 der Typen-K. scharf faßt. Zum Wesen der echten TypenΚ., wie wir sie im Altertum in der Atellane, in neuerer Zeit in der italienischen Commedia dell’ arte und den deutschen Hanswurst-, Kasperle- und Hänneschespielen haben, gehört es, daß eine oder 60 mehrere komische Figuren in Stücken des verschiedensten Inhalts unter gleichem Namen immer wieder auftreten. Eine Atellane ohne Maccua, Bucco, Pappus und Dossennus ist so undenkbar wie eine Hännescheposse ohne Hännesche, Tunnes und Maritzebill, wenn auch nicht immer alle Typen zusammen auftreten müssen; die AteUanentitel (s. o. Bd. II S. 1918) Maccua copo, Maccus eiul, Maccua miles, Maccus virgo, Bucco adoptatua. [1223] Bucco auctoratus, hirnea Pappi, sponsa Pappi führen da eine beredte Sprache, und genau so wird das Köllsche Hännesche auch etwa in den Freischütz oder die Reise um die Welt in 80 Tagen eingefügt. Etwas durchaus anderes ist es, daß jede ausgebildete K. gewisse Lieblingsfiguren hat, die griechische den gefräßigen Herakles (der aber immer in dem ihm zugehörigen Sagenkreis verbleibt), den frechen Diener, den hungrigen Parasiten, den prahlerischen Soldaten, den großmäuligen Koch, die moderne etwa den leichtsinnigen Ehemann, die böse Schwiegermutter, das täppische Dienstmädchen. Feste Figuren im Sinne der Typen-K. lassen sich im Altertum meines Erachtens außerhalb Italiens nicht mit Sicherheit nachweisen, am ersten käme noch Sizilien in Betracht. Daß der Fresser Maison, den Polemon in einer gelehrten Auseinandersetzung bei Athen. XIV 689 c ausdrücklich dem sizilischen, nicht dem nisäischen Megara zuweist, eine typische Figur im Sinne des Maccus oder Bucco war, ist möglich, aber nicht erweislich, und die ganze übrige von Zielinski (ä. a. O. 70) zusammengestellte Liste schwebt völlig in der Luft. Sicher ist, daß die 35 bekannten Titel Epicharms so wenig eine Hindeutung auf Typen-K. zeigen, wie die Hunderte von Titeln der attischen K.

Zum literarischen Kunstwerk ausgebaut hat die dorische Posse Epichann (s. o. Bd. VI S. 34ff.), der nach Aristoteles (poet. 3, 1447 a 33) aus dem sizilischen Megara stammte, der aber in dem mächtig aufblühenden Syrakus der Deinomeniden den rechten Boden für seine Kunst fand. Ihm und dem für uns schattenhaft bleibenden Phormis spricht Aristoteles (poet. 5, 1449 b 5) die Erfindung der geschlossenen Handlung, das μύθους ποιεῖν zu, und der Anonymus περὶ κωμ. 4 (CGF I 7 Kaib.) rühmt von ihm οὐτος πρώτος τὴν κωμωδίαν διερριμμενην ἀνεκτήσατο πολλὰ προσφιλοτεχνησας. Aristoteles ist geneigt, ihn früh an- · zusetzen, poet. 3, 1448 a 38 heißt er πολυ πρότερος ὧν Χιωνίδου καὶ Μάγνητος, und Hippobotos bei Diog. Laert. I 42 rechnet ihn zu den 7 Weisen, aber die für uns und wohl auch für die Alten allein kenntliche Periode seiner Tätigkeit fällt in seine letzte Jahre, in das Syrakus der Deinomeniden. Indem ich für die Einzelheiten auf den ausführlichen Artikel Kaibels (s. o. Bd. VI S. 34ff.) verweise, bringe ich hier nur zur Sprache, was für die Gesamtentwicklung * der K. von Bedeutung ist, und was ich etwas anders beurteile als Kaibel. Stofflich bevorzugt Epicharm die Mythentravestie, von den 35 bekannten Titeln sind 18 sicher mythisch, oft ist die Anlehnung an das Epos oder alte Hymnendichtung deutlich (Κύκλωψ, Κωμασταὶ ἡ Ἤφαιστος, Ὀδυσσεῦς ἀντόμολος, Ὀδυσσεῦς ναυαγός, Σειρήνες, Σφίγξ, Τρώες, Φιλοκτήτας), andere Mythen scheinen nicht durch ältere Dichtung vermittelt zu sein (z. B. Βάκχαι, Βονσειρις, Λω( νυσοί, *Ήβας γάμος, Ἠρακλῆς ὁ ἐπὶ τὸν ζωστήρα, Ἠρακλῆς ὁ παρ Φόλω). Neben den mythischen stehen ein paar allegorische Titel Bä καὶ Θάλασσα, Λόγος καὶ Λογίνα vielleicht auch Μήνες, einen viel breiteren Raum aber nehmen Titel ein, die eine realistische Darstellung des täglichen Lebens erkennen lassen (z. B. Ἠγρωστῖνος, Ἀρπαγαί, Ἐπινίκιος, Θεαροί, ΜεγαρΙς, Ὄρονα, Σ,ορεν- [1224] ὄντες, Συτρά). Unter den Fragmenten befinden sich keine lyrischen Maße und auch sonst nichts, was auf einen stehenden' Chor hindeutete, wenn auch z. B. die Musen in der nach ihnen benannten zweiten Bearbeitung von Ἤβας γάμος gelegentlich gesungen haben mögen. Mit dem Fehlen des Chors steht in engem Zusammenhang der geringe Um* fang der Stücke Epicharms. Wenn Apollodoros (Porphyr. vit. Plot. 24) die 35 Stücke in zehn 10 Büchern herausgab, kommen auf das Buch 3½ Stücke, die einzelnen können also nur 400 bis höchstens 500 Verse umfaßt haben (s. Birt Ant. Buchwesen 446. 496, vgl, auch die Notiz aus dem Liber glossarum CGF I 72 Kaib.), In die Komposition der Dramen gestatten naturgemäß Titel und Fragmente nur geringen Einblick. Sicher verfehlt ist der Versuch Sieckmanns (De com. Att. prim., Göttingen 1906, 160., vgl. Sueß Berl. philol. Wochenschr. 1907, 1377 und Jahresber. CLII 233), den Agon als die Normalform der K. Epicharme zu erweisen. Freilich enthalten Stücke wie Γὰ καὶ Θάλασσα, Λόγος καὶ Λογινά einen Redestreit, zu dessen formaler Durchführung im Schema des späteren attischen Agons fehlt aber ein Hauptfaktor, der Chor. Genau so gut wie die Streitszenen, in denen zwei gleichwertige Gegner eine allgemeine These verhandeln, lassen sich bei Epicharm die episodischen Szenen der alten attischen K. erkennen, in denen eine Hauptfigur eine 30 Reihe von Nebenfiguren nacheinander mit Mund und Faust abtut, vgl. bcs. frg. 170, das durch den Berliner Theaitetkommentar (Berl. Klass. Texte II col. 71, 12) wesentlich besser verständlich geworden ist, und daneben steht drittens die Mythentravestie, deren Hauptzweck die Darstellung einer Iustigen Geschichte vom Fresser Herakles oder dem schlauen Odysseus ist. Mehr ergeben die Fragmente für die Szenenführung im einzelnen, und da zeigt Epicharm einen erstaunlichen Reichtum von Mitteln, 40 er hat reflektierende Monologe (frg. 85 und 99), Botenberichte (frg. 21 und 42ff.) und einen überaus belebten Dialog, der auch Personenwechsel im Vers durchaus nicht scheut (s. frg. 124. 125, 148. 149. 170, 171); einmal (frg, 6) scheint sogar ein Dreigespräch, vorzukommen. Dieselbe Reife der Kunst bekunden Sprache und Metrik. Den heimischen Dialekt stark zu stilisieren zwang ihn schon die Travestie des Epos. Mit großer sprachschöpferischer Kraft erfindet er eine Fülle von schmüeken-50 den Beiwörtern in epischem Stil (s. besonders die frg. 42–71 aus Ἤβας γάμος), ebenso sicher trifft er die schlichte Rede des einfachen Mannes (s. frg. 35. 148), und die spitzfindigsten dialektischen Untersuchungen weiß er klar zu entwickeln, besonders in den ihm mit Unrecht abgesprochenen Fragmenten 170–173 (s. Jahresber. CLII 231); auch Wortspiele verschmäht er nicht (frg. 87. 149). Unter den Metren fehlen durchaus die lyrischen Maße, einmal findet sich ein heroischer Hexameter (frg. 123), aus einem anapästischen System stammt frg. 101. Der anapästische Tetrameter, in dem er nach Heph. ench. VIII 3 (p. 25 Cons.) ganze Stücke, Χ,ορευοντες und Ἐπινίκιος, verfaßte, ist in den erhaltenen Fragmenten nicht gerade häufig vertreten (frg. 109. 111. 114. 152), er ist durch Epicharm in die Literatur eingeführt und dann von der attischen K. übernommen worden. Aber auch die beiden andern Hauptmaße der K., [1225] der Jambische Trimeter und der trochäische Tetrameter haben durch Epicharm, der sie den ionischen Iambographen entnahm, die für die K. maßgebende Gestalt erhalten. J. Kanz (De tetrametro tro-chaico, Gießen 1913, 40ff.) hat treffend ausgeführt, daß Epicharms Tetrameter von dem der ionischen Iambographen und dem des Aischylos stark abweicht, dagegen mit dem der attischen Komiker übereinstimmt, und das gleiche gilt auch von dem iambischen Trimeter (s. Pasquali Accad. dei Line. XVI 3, 79ff.), dessen Brechung durch Personenwechsel (Antilabe) die attische K* ebenfalls von Epicharm übernahm (s. v. Salis De Doriens. lud. in com. Att. vest., Basel 1905, 37f.). Diesem geradezu bestimmenden Einfluß Epicharms auf die àttische K. in der Behandlung der wichtigsten Versformen entspricht eine starke Einwirkung auf Stoffwahl, Titel und viele Einzelheiten der attischen K. (s. v, S ali s cap. II). Auch einige ihrer späteren Lieblingsfiguren scheint die attische K. dem sizili-schen Dichter zu verdanken. Zwar der gefräßige Herakles war Gemeingut aller dorischen Possen (s. v. Salis 29f.) und brauchte nicht durch Epicharm den Athenern vermittelt zu werden, aber den Parasiten hat er zuerst geprägt (frg. 34f.), und dasselbe gilt wohl auch von dessen späterem Kumpanen, dem bramarbasierenden Soldaten. Freilich ist dieser in den erhaltenen Fragmenten nicht nachweisbar, aber H. Wysk (Die Gestalt des Soldaten in der griechisch-römischen Komödie, noch ungedruckt) hat treffend beobachtet, daß der Typus des prahlerischen Soldaten uns im Lamachos der Acharner bereits ganz ausgebildet vorliegt und im 5. Jhdt. in Athen, wo es keine Berufssoldaten gab, schwerlich entstanden sein kann, während das Söldnerwesen in Syrakus unter den Deino-meniden den geeigneten Nährboden für seine Schöpfung abgab.

Die wichtigsten Unterschiede der K. Epicharms von der attischen sind nächst dem Fehlen des Chors das Fehlen allen persönlich politischen Spotts und das Zurücktreten des phallischen Elements, der Zote; wenngleich obszöne Witze nicht gänzlich unter den Fragmenten fehlen (s. v. Salis 12ff.). Die K. Epicharms ist in ihrer Art so fertig, zeigt so gar nichts Primitives, Anfängerhaftee, daß sie schwerlich durch ihn allein aus der megarischen Posse zu dieser Kunsthöhe entwickelt worden ist, aber von seinen Vorgängern und Rivalen wissen wir nichts als die Namen Phormis (oder Phonnos, s. CGF I 148 Kaib.) und Deinolochos (s. o. Bd. IV S. 2393). Letzterer heißt bei Suidas (s. v.) Sohn oder Schüler des Epicharm, bei Aelian. nah an. VI 51 sein ἀνταγωνιστές, zu diesem Verhältnis würde Suidas’ Ansatz auf Ol. 73 (488–484) passen, aber die Titel θΙθαία, ü/wC«'‘ç, Κωμφόοτραγφδια, Μήδεια, Τήλεφος weisen auf erheblich jüngere Zeit.

Es scheint, daß die Blüte der K. in Syrakus nur sehr kurz gewesen ist, wie die Blüte der Stadt überhaupt. In gewisser Weise treten wohl an die Stelle von Epicharms Dramen die Mimen Sophrons, auf die ich hier nicht eingehe, weil äe keine dramatische, sondern rezitierte Poesie sind (s. den Art. Mi mus). Auch für den spätesten Sprößling der dorischen Posse, die Phlyakenposse Rhintons, verweise ich auf die Sonderait. Phlyakes und Rhin ton (s. Bd. I A S. 843L). [1226]

Die alte attische Komödie.

A. Die vorklassische Zeit.

Die komischen Spiele Athens haben sich im Kult des in Athen älteren Dionysos ἤ» Λίμναις, an dessen Fest. den Διονύσια τὰ ἐπὶ Ληναίῳ entwickelt, wie die Tragödie im Kult des jüngeren Eleuthereus an den Διονύσια τὰ ἐν ἄστει, An diesem zuerst von Bergk (Rh. Mus. XXXIV 305) aufgestellten, dann von Bethe (Prolog, zur Gesch. des Theat. im Alt 1018ff.) eingehend begründeten Satz ist festzuhalten, wenn auch manche von Bethes Beweisgründen durch neue Funde widerlegt sind. Nur die Entstehung in verschiedenen Kulten und an verschiedenen Festen erklärt es, daß sich in derselben Stadt aus den dionysischen Chören zwei in Bau und Charakter so scharf geschiedene Kunstgattungen entwickeln konnten, wie K. und Tragödie es sind. An den städtischen Dionysien tritt die K. zurück, noch 329 gibt es an ihnen keinen Agon 20 der komischen Schauspieler (s. Wilhelm Urk. dram. Auff. in Ath. 28), während die tragischen Schauspieler seit 449 ihren Agon haben, die erste Aufführung einer παλαιὸ τραγφδία ist hier schon 386 erfolgt (Wilhelm Arch. Jahresh. X 1907, 39), die einer παλα«ὰ κωμφδία erst 339 (Wilhelm Urk. 28), umgekehrt fällt die erste nachweisbare Tragödienaufführung an den Lenäen ins J. 420 (Wilhelm Urk. 52), und es treten im J. 419 nur zwei, 418 drei Tragiker mit je einem 30 Stück auf. Allerdings wissen wir jetzt, daß auch der K. staatliche Chöre an den städtischen Dionysien viel früher gewährt wurden als an den Lenäen, wo die staatlich aufgezeichneten Dichter erst ums J. 440 einsetzen (s. E. Capps Am. journ. of philol. XXVIII 186), aber das ist kein Gegenbeweis gegen das höhere Alter der komischen Spiele an den Lenäen; diese haben hier an ihrer alten Heimstätte nur länger die alte Aufführungsart durch ἐθελονταί bewahrt, und um die Frei-40 willigenchöre kümmerte sich der Staat nicht, trug also auch die Sieger nicht in das Archiv ein. Nach Aristoteles (poet. 5) begann der Staat überhaupt erst spät sich um die K. zu kümmern καὶ γὰρ χορὸν κωμφδων ὀψὲ ποτὲ ὁ ἄρχων ἔδωκεν (1449 b 1). Diese unbestimmte Angabe, vereinigt mit der andern (poet. 3, 1448 a 33), Epicharm sei πολλφ πρότερος Χιωνίδον καὶ Μάγνητος, führte zu dem subjektiv berechtigten Schluß (v. Wilamowitz Herm. IX 335 und XXI 613), staatliche 50K.-Chöre seien erst 465 oder noch später eingerichtet worden. Seit es jedoch Capps (The introd. of com. into the city Dion., Chic. 1903), Kaibel und Wilhelm (Urk. dram. Auff. 169ß. und 7ff.) gelungen ist, die Zeilenzahl der Kolumnen in den sog. Fasten festzustellen, ist es sicher, daß Magnes schon 472 einen Sieg an den städtischen Dionysien errang. Magnes steht aber in der Liste der Dionysiensieger (Urk. 107) erst an sechster Stelle, der staatliche K.-Agon ist also erheblich vor 60472 eingerichtet worden, und da kommt dann die lange verschmähte Angabe des Suidag (s. Χια· νίδης) zu Ehren ΧιωνΙδης Ἀθηναίος, κωμικὸς τῆς ἀρχαίας κωμφδίας, ὅν καὶ λέγονσι πρωταγωνιστήν (d. Î. ἀρχηγέτην) γενέσθαι τθς ἀρχαῖας κωμφδίας, διδάσκει? δ* ἔτεσιν ἡ' πρὸ τῶν Περσικῶν. Da als Jahr der Περσικά, wie v. Wilamowitz (Gött. Gel. Anz. 1906, 61) und Capps (Am. Journ. of Phil. XXVIII 86) hervorgehoben [1227] haben, das Archontat des Kalliades 480/79 gerechnet wird, ist bei inklusiver Zählung das achte Jahr davor 487/6, und auf 486 als Anfangsjahr der staatlichen K.-Agone an den Dionysien war Capps auch auf Grund der Kolumnenberechnung der Fasten gekommen. Es kann also als sicher gelten, daß an den städtischen Dionysien des J. 486 zum erstenmal ein staatlicher K.-Agon stattfand, in dem Chionides siegte. Viel mehr als die dem Archiv entnommene Tatsache, daß er der 1 erste Sieger in staatlichen komischen Agonen war, wußte wohl schon Aristoteles nicht über Chionides (s. o. Bd. III S. 2285L), die unter seinem Namen überlieferten Titel und Fragmente sind teils sicher unecht, teils verdächtig. Noch schemenhafter sind drei andere Komiker, die Suidas (s. Ἐπίχαρμος) gleichzeitig mit Epicharms syrakusanischer Tätigkeit im J, 484 in Athen auftreten läßt, Euetes, Euxenides und Myllos. Euetes (s. o. Bd. VI S. 988) f war nach Ausweis der tragischen Siegerliste (Urk. i 102) vielmehr ein Tragiker, dessen einziger Sieg zwischen Aischylos und Polyphrasmon fällt. Sein Name ist also wenigstens nicht erfunden, sondern gehört wirklich einem Dichter dieser Zeit, nur keinem Komiker, und das macht wahrscheinlich, daß auch der nur hier genannte Euxenides (s. o. Bd. VI S. 1537) eine historische Persönlichkeit war, der dritte im Bunde Myllos wird dagegen mit v. Wilamowitz (Herm. IX 338f., dagegen Wilhelm Urk. 247) für eine komische Figur i nach Art des Maison zu halten sein, da der Name ,der Schieler' bedeutet (Eustath. Il. 906, 53); gerade er Wird auch von Diomedes (p. 58 Kaib.) neben Susarion und Magnes unter den primi comici und mehrfach bei den Paroemiographen (die Stellen bei Meineke Hist. crit. 26) genannt. Viel besser zu fassen ist dann der von Aristoteles mit Chionides zusammen genannte Magnes. Wie erwähnt, siegt er im J. 472 an den städtischen Dionysien, am selben Fest. das Aischylos’ Persern den Sieg -brachte (Urk. 18). Er ist auch der älteste Komiker, dessen Name (an sechster Stelle) in der Liste der komischen Dionysiensieger mit Sicherheit ergänzt werden kann (Ürk. 107). Er steht hier mit der von keinem andern Komiker wieder erreichten Zahl von elf Siegen verzeichnet, und dieselbe Zahl gibt ihm der treffliche Anonymus περὶ κωμ. (S. 7 Kaib.). Dieser fügt hinzu τῶν δὲ δραμάτων ἄντον ὀνδέν σώζεται, τὰ δὲ ἐπιφερόμενά ἐστιν ἐννέα. Wir kennen gerade neun Titel unter seinem Namen (s. Magnes), haben aus fünf Stücken sieben Fragmente, die zum Teil (frg. 1 und 2) ausdrücklich als ἀναφερόμενα εἰς Μάγνητα zitiert werden, sichere Reste besaß also das spätere Altertum von ihm nicht. Dagegen hat Aristophanes, wohl aus Büchern oder mündlicher Tradition, eine lebendige Vorstellung von ihm und setzt ihm δς κλειστὰ χορῶν τῶν ἀντιπάλων νίκης ἔστησε τρόπαια ein schönes Denkmal in der Parabase der Ritter (520ff.). Ausdrücklich bezeugt Aristophanes, daß die Gunst des Publikums ihm im Alter verloren ging 524f. οὐκ ἐζήρκεσεν, ἀλλὰ τελευτῶν ἐπὶ γήρως, ου γὰρ ἔῳ’ ἤβης, ἐζεβλήθη πρεσβύτης ὧν, δτὶ τοῦ σκώπτειν ἀπελείφθη. Dieser vorklassischen Periode der alten K. gehören noch an vielleicht Alkimenes, nur von Suidas erwähnt (s. o. Bd. I S. 1541) und von Wilhelm, in der Dionysienliste (ürk. 107) zwei Plätze hinter Magnes mit einem Sieg ergänzt [1228] (Ἄλκιμε]νη[ς] I), sicher Euphronios (s. o. Bd. VI S. 1220), der in der Literatur keine Spuren hinterlassen hat, aber nach den Fasten (Urk. 18) im J. 458 siegte und mit diesem einen Sieg in der Dionysienliste (Urk, 107) vier Stellen hinter Magnes, zwei vor Kratinos verzeichnet steht (Ἐνφρόν]ιος I ergänzt von Oehmichen), endlich Ekphantides (s. o. Bd. V S. 2214L), dessen Name mit vier Siegen in der Dionysienliste (Urk. 107) zwischen Euphronios und Kratinos erscheint (Ἐκφαν]τίδης IIII). Ihn nennt der gelehrte Scholiast zu Arist. Eth. Nik. IV, 6 (p. 186, 17 Heylb.) παλαβότατος ποιητῆς τῶν ἀρχαίων, und er wird in der Tat der älteste Komiker gewesen sein, von dem man im späteren Altertum ein Stück besaß. Die fünf erhaltenen Fragmente scheinen alle in das einzig mit Namen angeführte Stück Ἐάτυροι zu gehören. Er fühlt sich bereits über die megarische K. erhaben (frg. 2), wird aber seinerseits von Kratinos als abgestandener Wein (καπνίας Krat. frg. 334) verspottet; da ihn trotz seiner beträchtlichen Erfolge kein Komiker außer Kratinos nennt, wird seine Laufbahn jedenfalls vor Beginn des peloponnesischen Kriegs abgeschlossen gewesen sein. Hiergegen spricht auch nicht die Verspottung eines Androkles (frg. 4), denn der von ihm und Telekleides in den Hesiodoi (frg. 15) als βαλλαντιοτόμος, von Kratinos in den Seriphiern (frg, 263) als δοῦλος καὶ πτωχός angegriffene Androkles ist schwerlich identisch mit dem 411 ermordeten Gegner des Alkibiades (s. Pros. Att. 870), auf den z. B. Arist. Wesp. 1187 geht. Sehr auffallend ist, daß Aristoteles Pol. VIII 6, 1341 a 36 einen πίναξ ὅν ἀνέθηκε Θράσιππος Ἐκφαντίδη χορηγήσας als Beleg für die Verbreitung des Flötenspiels unter den freien Athenern ἔτι τε πρότερον καὶ μετὰ τὰ Μηδικά erwähnt, denn der durch das Weihgeschenk verherrlichte Sieg kann frühestens 457 fallen; bei der großen Seltenheit des Namens ist gleichwohl nicht daran zu zweifeln, daß Aristoteles den Komiker Ekphantides meint.

Da Aristoteles (poet. 5, 1440 b 7) das καθόλου ποιεῖν λόγοῦς καὶ μύθους in Athen erst dem Krates zuspricht, wird es der Generation des Magnes, Ekphantides usw. noch nicht gelungen sein, die Spottlieder des Chors mit den Schwänken der Schauspieler zu einer festen Einheit zu verbinden; diese Verbindung, soweit sie überhaupt möglich war, durchgeführt zu haben, ist das Verdienst der 50 folgenden Komikergeneration, an deren Spitze Kratinos steht (über die Schwierigkeit, daß Aristoteles a. a. O. nicht Kratinos, sondern Krates nennt, s. den Art. Krates).

B. Die klassische Zeit der alten Komödie.

1. Die äußeren Bedingungen.

Seit 440 oder ein paar Jahre früher (s. Capps Amer. Journ. of Phil. XXVIII 186f.) finden regelmäßig zweimal im Jahr staatliche K.-Agone statt, an den Lenäen im Gamelion (Bekker Anekd. Gr. 235, 7), 60d. i. Januar-Februar, und an den städtischen oder großen (so Arist. πολ. MA 56, 4, andere Belege bei A. Mommsen Feste der Stadt Athen 429) Dionysien im Elaphebolion (Bekker Anecd. Gr. 235, 8), d. i. März-April, Die Zahl der wetteifernden Dichter und Chore gibt Aristoteles πολ. MA 56, 3 für die städtischen Dionysien auf fünf an. Diese Zahl wird bestätigt für die J. 440–431 durch die von mir (Rh, Mus. LX 1905, 444ff.) auf [1229] Kallimachos* »Μ *wà χρέους τ$ν ἄπ¹ ἀρχῆς γενσμενων διδασκάλων zurückgeführte lömiihe Inschrift IG XIV 1097, für das J. 388 durch die Hyp. IV zu AristophanesPlutos (freilich kann der Pintos ebenso gut an den Lenäen wie an den städtischen Dionysien aufgeführt sein), für das Ende des 4. Jhdts. und die Folgezeit durch die didaskalischen Inschriften (Urk. 43ß.); ganz am Ausgang der komischen Spiele in den J. 183 und 181 kommen sogar sechs Dichter vor (s. Wil-1C heim Urk.72). Gerade in der Zeit der höchsten Blüte der altem K. war aber die Zahl nach Ausweis der Hypotheseis zu Aristophanes’ Wolken V, Frieden I und Vögel II auf drei beschränkt, offenbar aus Sparsamkeitsgründen wegen des Kriegs, Für die Lenäen gibt Aristoteles πολ ὕΛ 57, 1 die Zahl der Konkurrenten nicht an, da wir aber die Dreizahl in der Zeit des peloponnesischen Kriegs (Hyp. zu Aristoph. Acharnern, Rittern, Wespen, Fröschen), die Fünfzahl Anfang des 21 3. Jhdts. in einer didaskalischen Inschrift (Urk. 52) bezeugt finden, so läßt sich kaum bezweifeln, daß die Zahl der Bewerber auch an den Lenäen normalerweise fünf betrug, zur Zeit des peloponnesischen Krieges aber auf drei beschränkt war. Die Choregen wurden in der älteren Zeit vom Archon bzw. König aus allen Athenern bestimmt, in Aristoteles’ Zeit durch die Phylen gestellt (πολ , 56, 2). In der Zeit der größten Kriegsnot 406/5 wurde nach Aristoteles (im Schot Arist. 3 Frö. 404) für Tragödie und K. an den Dionysien die Synchoregie eingeführt. Ob diese Maßregel auch für die Lenäen galt, bleibt unsicher. Allerdings pflegt Aristoteles mit dioww« ohne Zusatz die städtischen zu bezeichnen (κολ. Ἀθ. 56, 3 und 5; vgl. Capps Am. Journ. of philol. XVII 322), aber die Stelle bei Lysias XXI 4 darf nicht gegen die Synchoregie an den Lenäen verwendet werden, denn der dort erwähnte Sieg des Dichters Kephisodoros (s. o. Bd. XI S. 227) vom J. 402 ge- 4 hört, wie Jachmann (De Arist. didasc. 14n.) nachgewiesen hat, an die Dionysien, obwohl der Chorege aus begreiflichen Gründen von seinem Mitchoregen nichts sagt. Die Synchoregie bestand nach Ausweis einer eleusinischen Choregeninschrift (IG II 5, 1280b, vgl. Jachmann 13) noch401, war aber 398 bereits abgeschafft, wie das von Wilhelm wiedergefundene Bruchstück der Fasten (Arch. Jahresh. X 35ff.) lehrt. Wer ein Stück zur Aufführung bringen wollte, mußte von ' dem das Fest leitenden Beamten einen Chor erbitten, χοοόν atrelv (Ar. Ritt. 513). Spielleiter ist für die städtischen Dionysien der Archon (Arist. πολ, Ἀθ. 56. 5). für die Lenäen der König (Arist. πολ. X‘. 57. 1), es ist also nicht zu bezweifeln, daß die Zuteilung der Chöre an die Dichter für die Lenäen durch den König erfolgte, was meist übersehen wird. Da die Bestellung der Choregen von Aristoteles (πολ, M, 56, 3) unter den ersten Amtshandlungen des Archon angeführt wird, liegt der Gedanke nahe, daß auch die Dichter gleich zu Beginn des Amtsjahres ihre Stücke einreichen mußten (Rohde Rh. Mus. XXXVIII 261, 2 = Kl. Schr. II 392, 1). Gleichwohl ist diese Annahme unzutreffend, denn Ruppel (Konzeption und Ausarbeitung der Arist. Kom., Gießen 1913) hat nachgewiesen, daß selbst die Grundlagen der Stücke des Aristophanes, die Hauptumrisse der [1230] Handlung, mehrfach Ereignisse aus dem neuen Amtsjahr zur Voraussetzung haben, und daß die Ausarbeitung den Dichter oft bis kaum 2 Monate vor dem Fest beschäftigte; der Wunsch, möglichst aktuell zu wirken, war sicherlich der Grund dieser späten Fertigstellung. Ob die Dichter mit dem zuständigen Beamten erst nach Vollendung ihrer K., selbs wenn sich diese hinauszog, in Verbindung traten, oder sich auf ihren dichterischen Namen hin vor Abschluß des Stückes um einen Chor bemühten, läßt sich nicht ausmachen; vermutlich wird beides vorgekommen sein. Nicht unwichtig ist die Frage, ob derselbe Didaskalos am selben Fest zwei Stücke zur Aufführung bringen konnte. Im 4. und 3. Jhdt. ist das sicher geschehen, Anaxandrides siegt nach dem neuen Bruchstück der Fasten (Wilhelm Arch. Jahresh. X 39) 375 an den Dionysien und wird nach IG XIV 1098 (s. Rh, Mus. LX 430) am selben Fest) Dritter, Diodoros, der Bruder des Diphilos, erhält an den Lenäen des J. 286 den zweiten und dritten Platz (Urk, 52), im 2. Jhdt. scheint ein unbekannter Dichter sogar am gleichen Fest mit drei Stücken aufgetreten zu sein (Urk. 84); die kolossale Fruchtbarkeit mancher Dichter der mittleren und _ neuen K. wie Antiphanes, Alexis, Eubulos, Menan-' der ist selbst bei der Aufführung mancher Stücke außerhalb Athens (s. Rh. Mus. LX 4313.) gar nicht zu erklären, wenn sie nicht ziemlich oft mit 0 zwei Stücken am selben Fest konkurrierten. Naturgemäß wird das in Zeiten starker Produktion und besonders während der Beschränkung der Stücke auf die Dieizahl seltener vorgekommen sein als später, aber wir finden es auch für das J. 422 bezeugt durch die vielumstrittene Didaskalie der Wespen. In der von Leo (Rh. Mus. XXXIII 4043.) hergestellten Form lautet sie ἐδιδάχθη hd ἄρχοντος Ἀμεενίου Ôià Φιλωνίδου εἰς Arpaio καὶ ἐνικὰ πρώτος; β' ἤν Φιλωνίδης Προάγωνι, Λεύκων Πρέοβεσι γ'. Mag Philonides neben Aristo-phanes’ Wespen ein eigenes Stück Proagon (so Kaibel o. Bd. II S. 978) auf die Bühne gebracht, oder, was ich mit v. Wilamowitz (Anal. Eur. 153) und Kock (CAF I 510) für sicher halte, auch den Proagon von Aristophanes zur Einstudierung erhalten haben, auf jeden Fall trat er am selben Fest als Didaskalos zweier K. auf, wenn man nicht mit Petersen (Jahrb. f. Philol. LXXXV 663) und Jachmann die tadellosen Worte διὰ Φιλωνίδου hinauswirft, was mir unerlaubt scheint.

Der Dichter hatte die Freiheit, sein Werk nicht selbst einzustudieren (ôiôàwe»'), sondern einem Mittelsmann zur Einstudierung zu übergeben. Auffallend oft hat das Aristophanes getan. Nicht nur seine drei ersten Stücke Daitales (427), Babylonier (426) und Acharner (425) ließ er durch Kallistratos (s. o. Bd. X S. 1797) aufführen, demselben Mittelsmann übergab er 414 die Vögel, 411 dieLysi-60 strate, ferner dem Philonides 422 die Wespen und den Proagon, 414 den Amphiaraos, 405 die Frosche, endlich am Abend seines Lebens (Plut. hyp. IV) seinem Sohne Araros den Kokalos (487) und den Aiolosikon. In den Rittern 5123. begründet Aristo-phanes den Verzicht auf das eigene διδάσκει mit jugendlicher Bescheidenheit, da er aber dies Verfahren sein ganzes Leben hindurch fortsetzte, wird der Hauptgrund ein selbstempfundener Mangel an [1231] Regiebegabung gewesen sein. Fremde Didaskaloi benutzten von den Komikern gelegentlich auch Eupolis (s. o. Bd. VI S, 12305.), der nach Athen. V 216 d im J. 420 seinen Autolykos durch Demostratos (s. o. Bd. V S. 191 Nr. 11), und Anaxan-drides, der nach IG XIV 1098 (s. Rh. Mus. LX 430) im J. 349 die Ἄπροικοι durch Dioxippos oder Anaxippos aufführen ließ. Ob auch Platon seine Stücke andern διδάσκαλοι übergab (frg. 99 K., vgl. Meineke Hist. crit. 162. Rohde Kl. Schr. 10 II 426, 1), scheint mir unsicher; jedenfalls kann er es nicht dm πενίαν getan haben, denn die Abgabe der Stücke an einen andern διδάσκαλος bedeutete einen materiellen Verlust für den Dichter. Von den Tragikern hat Aphareus nach [‌Plut.] vit. X or. 839 c dasselbe Verfahren oft angewendet. Der häufige Verzicht auf das διδάσκειν fiel bei Aristophanes den Zeitgenossen auf, nach Schol. Plat. apol. 19 C und vit. Arist. XI (p. XXVII Dübn.) verspotteten ihn Aristonymos (s. o. Bd. II 20 S. 968, 8) im Ἤλιος ριγῶν, Sannyrion im Γέλως und Ameipsias (s. o. Bd. I S' 1819), er sei (wie Herakles) τετράδι γεγονώς, διότι τὸν βίον κατέτριψεν ἐτέροις πονῶν. Aus dieser Stelle folgt, daß der staatliche Sold, den alle konkurrierenden Dichter erhielten (Ar. Frö. 367 mit Schol. Schol. Ar. Ekkl. 102. Hes. s. μισθός) dem einstudierenden Mittelsmann zufiel. Von großer Bedeutung ist nun die vielerörterte Frage, wie weit der Dichter überhaupt hinter dem Mittelsmann verschwand. 80 Da steht zunächst jetzt fest, daß in die staatlichen Listen der Didaskalos, nicht der wirkliche Dichter eingetragen wurde, denn in dem wiedergefundenen Bruchstück der Fasten (Wilhelm Arch. Jahresh. X 39) ist für das J. 387 Araros als Sieger verzeichnet, der damals seines Vaters Kokalos auf die Bühne brachte (Ar. Plut. hyp. IV) und nach Suidas mit eigenen Stücken erst in der 101.01. (375–372) auftrat. Schon im Altertum haben einzelne Erklärer (Schol. Ach. 654; Wesp. 1284) die weitere Folgerung gezogen, daß Kallistratos für den Verfasser der ersten Stücke galt und gelten sollte, so daß alle Stellen der Acharner, in denen von dem Dichter gesprochen wird, auf Kallistratos bezogen werden müßten. Diese Ansicht ist von einer Reihe moderner Gelehrter verteidigt worden, am entschiedensten von Briel (De Callistrato et Philonide, Berlin 1887) und zuletzt von Roemer (Stud. zu Arist. und den alt. Erklär, dess., Leipzig 1902, 1195.), sie ist aber unhaltbar (s. Kaibel o. Bd. II 50 S. 973L). Läßt man der Didaskalie der Wespen die Worte θὰ Φιλωνίδον, so ist die Sache entschieden, denn daß in deren Parabase 10175. der Dichter von seinen eigenen früheren Stücken spricht, obwohl Philonides διδάσκαλος ist, kann niemand bezweifeln. Aber selbst wenn man die Wespen ausscheidet, zeigen die Parabasen der Ritter (5125.) und Wolken (5285.) ganz klar, daß Aristophanes den Zuschauern als Verfasser der ersten durch Kallistratos aufgeführten Stücke be- 60 kannt war. Kallistratos oder Philonides empfingen den staatlichen Dichtersold, und die staatlichen Listen verzeichneten Καλλίστρατος (Φιλωνίδης) ἐδίόασκε, damit war ihr Anteil an den Stücken abgeschlossen, Mitwelt und Nachwelt sahen in Aristophanes den Dichter. Auch auf die Siegerlisten darf man nicht, wie Wilhelm (Urk. bes. 1115.) und ich (Jahreeber. CLII 226) es getan haben, [1232] die Praxis der Fasten einfach übertragen. Oellacher hat (Zur Chronol. der altatt. Kom. 485.; vgl. auch Capps Amer. Journ. of Philol. XXVIII 1940.) zutreffend ausgeführt, daß in den Fasten, in denen Phylen und Choregen stets, die Dichter der lyrischen Chöre nie genannt werden, das staatliche Interesse viel stärker hervortritt als das literarische, während die Siegerlisten ausschließlich literarhistorischen Interessen dienen. Er hat aber weiter den positiven Nachweis gebracht, daß in den Siegerfisten der Dichter, nicht der Didaskalos verzeichnet steht: Von Aphareus sagt der vorzüglich unterrichtete [‌Plut.] vit. X or. 839 d ἐν ἔτεσιν εἰκοσιοκτω διδασκαλίας ἀστικάς καθηκεν ἐξ, καὶ δις ἐνίκησε διὰ Διονυσίου καθείς, καὶ δὶ’ ἐτέρων ἐτέρας δὺο Ληναίκας, Aphareus hat also als διδάσκαλος überhaupt keine Dionysiensiege errungen, gleichwohl steht er in der Liste der tragischen Sieger an den Dionysien (Urk. 101) hinter Theodektes mit zwei Siegen eingetragen (Μφαλρεύς II), das sind eben die διὰ Διονυσίου gewonnenen. Diese Erkenntnis ist von erheblicher Bedeutung für die Herstellung der Siegerlisten der Komiker.

Der Gott verlangte alljährlich für seine Feste neue Stücke, und eine Ausnahme, wie sie für die Tragödien des Aischylos nach dessen Tode κοινφ ψηφίσματι (Schol. Ar. Ach. 10, s. o. Bd. I S. 1070) bewilligt wurde, ist für keinen Komiker nachweisbar. Von dem Beschluß, der den toten Aischylos als Mitbewerber neben lebenden Rivalen zuließ, scharf zu scheiden ist die außer Wettbewerb stattfindende Wiederaufführung alter Stücke, die an den städtischen Dionysien für die Tragödie schon 386 (Wilhelm Arch. Jahresh. X 39), für die Komiker erst 339 (Urk. 28) eingeführt wurde. Nur von einem einzigen siegreichen Stück ist uns Wiederaufführung bezeugt, von den Fröschen des Aristophanes. In der Hyp. I heißt es οὐτω δὲ ἐθαυμάσθη τὸ δράμα διὰ τὴν ἐν αὐτῶ παράβασιν ὥστε καί. ἀνεδιδάχθη, ὡς φησὶ Δικαίαρχος. Allerdings ist schwer ein geeigneter Zeitpunkt für diese Wiederaufführung ausfindig zu machen. Droysen (Des Arist. Werke II³ 239) und Rohde (Kl. Schr. 424) vermuten, an den Dionysien desselben Jahres, aber für dies Fest mußten Dichter und Choregen doch zur Zeit der Lenäen längst bestimmt sein, im nächsten Jahr war Athen belagert und an Feier der Lenäen und Dionysien schwerlich zu denken, nach dem völligen Zusammenbruch der attischen Macht aber konnten die Frösche kaum unverändert gespielt werden. So scheint mir noch am glaublichsten, daß die Wiederholung unmittelbar an die Aufführung, als Zusatz zu den Lenäen, angeschlossen wurde. Sonst konnten die Dichter nur Stücke, die nicht gefallen hatten, in umgearbeiteter Form wieder zur Aufführung bringen. Der älteste bezeugte Fall der Art ist wohl die IG XIV 1098 a (Rh. Mus. LX 440) verzeichnete Neuaufführung der Στερροί des Telekleides. Das einzige sichere erhaltene Beispiel der Neubearbeitung eines erfolglosen Stückes zum Zweck der Wiederaufführung sind die Wolken des Aristophanes, deren Umarbeitung der Dichter nicht zu Ende führte (s. o. Bd. II S. 976L). Unsicher ist es, ob der erhaltene zweite Plutos eine Neubearbeitung des 20 Jahre früher aufgeführten (Schol. Plut. 173) ersten Plutos war. Für Neubearbeitung [1233] spricht, daß nach einem im Schol. Blut. 115 aus dem ersten Plutos mitgeteilten Vers (der sowohl bei Bergk-Meineke als bei Kock und Hall u. Geldart lehlt und von K. Ludwig Plut. Arist. utram rec. vet. Grammat. dixerint priorem, Jena 1888, 91 mit Unrecht für unecht erklärt wird), τῆς συμφοράς τούτης σὲ παύσειν ἤς ἔχεις, auch in dem älteren Stück der Gott blind erschien und von seiner Blindheit geheilt wurde, jedenfalls müßte aber die Umarbeitung sehr einschneidend gewesen sein. Alle anderen Versuche, erhaltene Stücke des Aristophanes als Umarbeitungen zu erweisen, sind verfehlt.

Wie weit die Dichter in älterer Zeit darauf rechnen konnten, in Athen gegebene Stücke bei nichtstaatlichen szenischen Spielen an den ländlichen Dionysien in den größeren Gemeinden Attikas wieder aufzuführen (s. Rohde Kl. Schr. II 424), entzieht sich unserer Kenntnis; für die Mitte des 4. Jhdts. bezeugt Aischines I 157 K.-Aufführungen an den ländlichen Dionysien in Kollytos. Aufführungen außerhalb Attikas kamen für die Dichter der alten K. kaum in Betracht, um so stärker aber für die der mittleren und neuen (s. Rh. Mus. LX 431ff.).

Zu den äußeren Bedingungen der K.-Aufführungen gehört auch die Frage, ob und wie weit der Staat die Freiheit der K. im Spott zu zügeln versucht hat (s. F. Leo Quaest. Aristoph., Bonn 1873, US. Keck Quaest. Arist., Halle 1876, 12ff. und H. Luebke Observ. crit. in hist. vet. Graec. com., Berlin 1883). Die Dichter der alten K. selbst haben eine völlig unbeschränkte Freiheit des persönlichen Spotts stets für ihr gutes, ja heiliges Recht gehalten (s. bes. Arist. Frö. 367f.), und dies mit unsern Begriffen von Staatswesen schwer vereinbare unbedingte Beleidigungsrecht erklärt sich aus der historischen Entwicklung der attischen K.; waren doch die alten Rügelieder einer ihrer Grundbestandteile. Aber was in den kleinen Verhältnissen des vorpersischen Athen bei anspruchslosen Stegreifpossen unbedenklich gewesen war, bekam ein anderes Gesicht, als die K. sich zu einer Kunstgattung entwickelte, die nicht nur bei der Aufführung auf viele Tausende aus dem ganzen attischen Reich wirkte, sondern über das Fest hinaus in Buchform fortlebte. Die rücksichtslose Verspottung aller attischen Machthaber mußte deren Ansehen vornehmlich bei den athenischen Untertanen untergraben, und es ist daher sehr begreiflich, daß Führer des Volks die Spottfreiheit der K. zu beschränken versucht haben. Zuverlässige Kunde haben wir nur von einem Volksbeschluß, der zur Zeit des gefährlichen samischen Aufstandes gewiß nicht ohne Perikies’ Billigung, vermutlich auf seine Anregung hin gefaßt wurde (s. Müller-Strübing Arist. und die hist. Kritik 43). Wir lesen Schol. Ar. Ach. 67 ἔπ' Εὐθυμένοῦς ἄρχοντος (437/6). οὐτος ὁ ἄρχων ἔῳ' ὅν κατελύθη τὸ ψήφισμα τὸ περὶ τὸν μὴ κωμωδεῖν, γραφέν ἐπὶ Μορυχίδου (440/39). ἴσχνσε δὲ ἐκείνον τε τὸν ἐνιαυτὸν καὶ δυὸ τοὺς ἐξῆς ἐπὶ Γλαυκίνον (439/8) τε καὶ Θεόδωρόν (438/7) μεθ οὓς ἐπὶ Εὐθυμένους κατελύθη. Diese den Stempel der Urkundlichkeit tragende Nachricht ist nicht so aufzufassen, als seien in den J. 439–437 überhaupt keine K. aufgeführt worden, das wird widerlegt durch IG XIV 1097, wo K. aus den J. 439 und 437 verzeichnet [1234] stehen (so schon Bergk Conim. de rell. com. Att. aht 142f.). Es kann hier also κωμφδεῖν nur heißen verspotten, was es ja auch schon in der alten K. (s. Ar. Ach. 631; FrÖ. 368. Phryn. frg. 26) heißt, und es scheint mir durchaus nicht nötig, mit Kaibel (CGF I 80) ὀνομαστί vor κωμφδεῖν einzuschieben, denn die Wirkung des Spottes blieb die gleiche, wenn der Name des angegriffenen Staatsmannes durch einen durchsichtigen Decknamen ersetzt wurde - oder hat irgend ein Zuschauer hinter dem Paphlagon der Ritter den Kleon, hinter dem Marikas des Eupolis den Hyperboles verkannt? Außer diesem ersten schon nach drei Jahren aufgegebenen Gesetz gegen die K.-Freiheit wissen unsere Scholien und Traktate über die K. noch von mehreren andern zu berichten. Die nächste dieser Maßregeln, die sog. Lex Antimachea, ist lediglich aus falscher Interpretation einer Aristophanesstelle herausgesponnen (s. Luebke 10ff.). Zu den Versen Ar. Ach. 1150ff. Ἀντίμαχον τὸν Ψακάδος τὸν Συγγραφή, τὸν μελέων ποητήν, ὡς μὲν ἄπλω λόγῳ κακώς ἐξολέσειεν ὁ Ζευς* δς y' ἐμὲ τὸν τλήμονα Ἀήναια χορηγῶν ἀπέλυα’ ἄδειπνον haben wir in R das Scholion φασί. γὰρ αὐτὸν γράψαι ψήφισμα ὥστε τοὺς χοροὺς μηδὲν ἐκ τῶν χορηγῶν λαμβάνειν, in andern Hss. (anscheinend A und Γ), zu denen Suidas (s. Ἀντίμαχος ὁ ψεκάδος) tritt, lesen wir ἐδόκει δὲ ὁ Ἀντίμαχος ὄθτος ψήφισμα πεποιηκέναι, μὴ δεῖν κωμφδεῖν ἐξ ὀνόματος, καὶ ἐπὶ τούτῳ πολλοὶ τῶν ποιητῶν ου προσήλθον ληψόμενοι τὸν χορόν (so Suidas, καιρόν die Scholien) καὶ δήλον ὅτι πολλοὶ τῶν χορευτῶν ἐπείνων. Die Sinnlosigkeit des R-Scholions liegt auf der Hand, ein Beschluß, daß die Choreuten vom Choregen nichts erhalten sollten, würde die Institution der Choregie aufheben, aber auch die ausführliche zweite Fassung, die neuerdings wieder von Starkie (S. 224 seiner Acharnerausgabe) als Didymeisch und daher wertvoll verteidigt worden ist, verdient keinen Glauben. Die Wurzel aller Mißverständnisse ist, daß Aristophanes’ Worte auf den Chor statt auf den Dichter bezogen sind, die Teilnehmer des bei den vorigen Lenäen um das Festmahl geprellten Chors konnten doch gar nicht identisch sein mit den Choreuten, die diesmal den Chor bilden. Der Dichter spricht also in erster Linie von sich selbst, wenn auch sein Chor damals natürlich dasselbe Schicksal gehabt hat. Antimachos hatte als Chorege das übliche (s. Plat. symp. 236 C) Festmahl für die Beteiligten nicht gegeben. Im wesentlichen zutreffend sagt ein anderer Scholiast ol δὲ λέγουσιν, ὅτι ποιητῆς ὧν καλός (etwa κακός?) χορηγῶν ποτὲ μικρολόγως τοῖς χορευταῖς ἐχρήσατο. Irgendein Gelehrter nun, vielleicht Didymos, verstand des Dichters Worte falsch, suchte einen Grund für die Nahrungslosigkeit der Choreuten und fand ihn darin, daß Antimachos durch ein Gesetz mittelbar die Choreuten an der Ausübung ihres Berufs gehindert habe. Ganz töricht setzt er dabei voraus, es habe im Arstophanischen Athen einen Stand berufsmäßiger Choreuten gegeben, die hungern mußten, wenn die Dichter sie nicht beschäftigten. Diese Vorstellung von dem Hungern der Choreuten infolge gesetzlicher Beschränkung der K.-Freiheit spukt auch bei Platonios π. διαφ. κωμ. 6 (CGF I 4 Kaib.). Man hat verschiedentlich versucht, von der Lex Antimachea wenigstens etwas zu retten. [1235] Leo (a. a. 0, 39) nahm an, es sei durch sie verboten gewesen ne nomen magistratus aperte et con-tumeliose nominaretur, Keck (a. a. O. 10) will das Verbot noch weiter dahin beschränken, daß die amtierenden Beamten (ἀρχαὶ κλαρωτά; καὶ χειροτονηταί, vgl. Schol. Ar. Ach. 378) nicht mit ihrem wahren Namen hätten handelnd auf die Bühne gebracht werden dürfen. Diese Versuche finden eine scheinbare Stütze in zwei Scholien zu Wolk. 31 und Frö. 501, wo ein gesetzliches Verbot τὸν ἄρχοντα κωμωδεῖν vorausgesetzt wird, aber diese Scholien sind geradezu Musterstücke verlogener Scheingelehrsamkeit und ohne jeden Wert (s, Luebke 12). Leos Hypothese wird schon durch Ar, Ritt. 976; Wolk. 586H. widerlegt, das von Keck vorausgesetzte Gesetz wäre praktisch ohne die geringste Bedeutung gewesen, die Lex Antimachea ist nichts als eine schlechte Interpretenfabel, und die Spottfreiheit der K. unterlag nach Ausweis der Aristophanischen Stücke in den J. 425–421 keinerlei gesetzlichen Beschränkungen (vgl. auch [‌Xen.] πολ. Ἄθ. 2, 18). Dagegen scheint um 415 Syrakosios in der Tat einen Vorstoß gegen die Freiheit des Komikerspotta gemacht zu haben. Zu Ar. Vög. 1297, wo Syrakosios als κίττα bezeichnet wird, bemerkt ein Scholion δοκεὶ δὲ καὶ ψήφισμα τεθεικέναι μὴ κωμφδεῖσθαι ὀνομαστὶ τινά, ὡς Φρύνιχος ἐν Μονοτρόπῳ φησί' ψώρ’ ἔχε Συρακόσιον ἐπιφανῆς γὰρ αὐτφ καὶ μέγα τύχοι. ἀφείλετο γὰρ κωμφδεῖν οὐς ἐπεθὺ· μουν, διὸ πικρότερον αὐτῶ προσφερονταί. Obwohl eine voll befriedigende Herstellung des Phrynichoszitats bisher leider nicht gelungen ist (die von Usener bei Leo (a. a. O. 23) versuchten Päone im Anfang vertragen sich nicht mit den Anapästen am Schluß, die Kock I 378 unbe-greiflicherweise für Zufall hält, Kaibel wollte Bruchstücke zweier anapästischer Tetrameter annehmen, ψώρα δὲ Συρακόσιον und ἀφείλετο - ἔπεθνμονν), so ist doch sicher, daß der Dichter in dem 414 aufgeführten Monotropos (Ar. Vög. hyp. I) Syrakosios die Krätze an den Hals wünscht, weil er ihn gehindert habe zu verspotten, wen er wolle. Dazu kommt, daß Eupolis in dem neuen Antepirrema der 412 aufgeführten Demen (Herm. XLVII 283ÏÏ.) eine Beeinträchtigung der τρυγφδ[ιά durch den in diesem Teil der Parabase angegriffenen Politiker erwähnt, und daß für dessen Identifizierung mit Syrakosios auch ein von Dübner fortgelassener Teil des R-Scholions zu VÖ. 1297 spricht (s. a. a. O. 300). Daß also Syrakosios etwas gegen die K. unternommen hat, ist sicher, aber was für Bestimmungen er durchsetzte, wissen wir nicht; die K. dieser Jahre Vögel (414), Demen (412), Lysistrate (411) verzichten durchaus nicht auf das ὄνομαοτι κωμωδεῖν. In dieselbe Zeit etwa fällt das angebliche Vorgehen des Alkibiades gegen Eupolis wegen der Bapten. Obwohl diese Fabel schon von Eratosthenes (Cic. ad Att. VI 1, 18) widerlegt war, lebt sie unausrottbar fort (Platon, π. διαφ, κωμ. 4 p. 4 Kaib. Schol. Aristid. III 444 Dind.), an die persönliche Bestrafung des Eupolis wird weiter noch ein Dekret des Alkibiades angeschlossen, μηκέτι φανερως ἄλλα συμβολικώς κωμωδεῖν, und das ist dann der Anlaß zum Wandel der alten K. in die mittlere (Tzetz. p. 20 und 28 Kaib.). Daß ein Gesetz gegen die Spottfreiheit das Ende der alten K. herbeiführte, ist [1236] schon die Meinung des Horaz ep. ad Pis. 2828. sed in vitium libertas excidit et vim dignam lege regi: lex est accepta chorusque turpitur obiicuit sublato iure nocendi, und der Aristcphanesvita (XI p. XXVIII Düb.), fraglich bleibt nur, ob Horaz dies Gesetz von Alkibiades gegeben dachte, oder später. In dem Scholion zu Ar. Frö. 404, das aus Aristoteles über die Synchoregie so Wertvolles berichtet, heißt es nämlich weiter χρόνῳ θ ὕστερον ου πολλω τινὶ καὶ καθάπαξ περιεῖλε Κινησίας τὰς χορηγίας · ἐξ ὅν καὶ Στράττις ἐν τῶ εἰς αὐτὸν δράματι ἔφη- ,σκηνὴ μὲν (ἤδε) τοῦ χοροκτόνου (θεου) Κινησίου' (so von Co bet vortrefflich unter Hinweis auf Soph. El. 6 hergestellt). Auch dies angebliche Gesetz beruht auf einem durchsichtigen Mißverständnis, Kinesias wurde von Strattis offenbar Chormörder genannt, weil seine neumodischen Dithyramben die Chöre sehr ermüdeten; es ist auch für einen Aristophanes-20 exegeten ein starkes Stück, bald nach den Fröschen den Komödienchor abschaöen zu lassen, denn er mußte doch mindestens wissen, daß die 392 aufgeführten Ekklesiazusen noch Chöre haben; den Plutos wird der Mann freilich ins J. 408 gesetzt haben. Das Ergebnis ist also: Nach dem ersten, nur drei Jahre in Kraft gewesenen Gesetz gegen das κωμφδεῖν vom J. 440/39 ist anscheinend um 415 ein Einschränkungsversuch des Syrakosios ohne sichtbare Wirkung erfolgt, alle weiteren 30 Nachrichten der Scholien und Traktate sind nachweislich falsch. Die alte K. ist nicht infolge gesetzlicher Eingriffe zu Grunde gegangen, sie ist langsam abgestorben, nachdem ihr durch den Sturz des attischen Reichs ihr Mutterboden, die alte attische Demokratie mit ihren leidenschaftlichen politischen Kämpfen genommen war.

Scharf zu scheiden von allgemeinen gesetzlichen Maßregeln gegen die Spottfreiheit der K. sind gerichtliche Klagen gegen einzelne Dichter, die in 40 einem bestimmten Stück die Interessen des Staats verletzt hatten. Genauer unterrichtet sind wir über ein solches Vorgehen des Kleon gegen Aristo-phanes. Als der Dichter 426 an den städtischen Dionysien in Gegenwart der Gesandten aus den Bundesstädten (Ar. Ach. 504) in den Babyloniern die Bündner als gebrandmarkte, gefesselte Sklaven (frg. 64. 65. 88. 97) auf die Bühne gebracht und die Erpressungen attischer Demagogen (frg. 70. 71) gerügt hatte, belangte ihn Kleon beim Rat 50 (Ar. Ach. 379) wegen Beleidigung des Volkes (Ar. Ach. 631, vgl. Schol. Ar. Ach. 378 und O. P. VI 856 Z. 25ff., dazu Jahresber. CLII 269), und wie Aristophanes selbst berichtet (Ar. Ach. 379ff.), entging er der Verurteilung nur mit knapper Not. Vielleicht liegt eine ähnliche Klage des Alkibiades gegen Eupolis wegen der Bapten den oben erwähnten Fabeln zugrunde.

Die Zahl der Dichter der alten K. war groß und ihre Produktion reich. Obwohl ein sehr er-60 heblicher Teil der Stücke früh verloren ging - selbst von den drei Klassikern wurde nicht alles gerettet (Ar. Ach. hyp. I; Frie. hyp. III) und von den kleineren Geistern blieben vielfach nur einzelne Stücke erhalten (Eh. Mus. LX 436f. 440), von manchen gar nichts -, gibt doch der Anonymus λ, κωμ, 3 (CGF I 7 Kaib.) die Zahl der nach Alexandreia gelangten K. σὺν τοῖς ψευδεπιγράφοις auf 365 an. Als hervorragendste Dichter zählt der [1237] Anonymus a. a. O. auf Epicharm, Magnes, Kratinos, Krates, Pherekrates, Phrynichos, Eupolis, Aristophanes, der laterculus Estensis (CGF I 10 Kaib.) nennt Theopompos, Strattis, Pherekrates, Krates, Platon, Telekleides, Phrynichos, es fehlen also gerade die drei Klassiker. Die Abgrenzung der Dichter der alten K. gegen die der mittleren bleibt natürlich unsicher und willkürlich, Suidas ist geneigt, die Grenzen der alten K. sehr weit auszudehnen, und Meineke folgt ihm darin ' (Hist. crit. 271 läßt er die mittlere um Ol. 96 = 395 beginnen). Rechnet man alle Dichter zur alten K., deren Tätigkeit noch während des peloponnesischen Krieges begonnen hat, so ergibt sich etwa folgende Liste von 41 Namen: Amei-psias, Apollophanes, Archippos, Aristomenes, Ari-stonymos, Aristophanes, Arkesilaos (?), Autocrates, Chionides, Diokles, Ekphantides, Euphronios, Eupolis, Hermippos, Kallias, Kantharos, Kephi-sodoros(?), Krates, Kratinos, Leukon, Lykis,Lysip-pos, Magnes, Menandros (?), Menekrates (s. Jahres-ber. CLII 237), Metagenes, Myrtilos, Nikophon, Pherekrates, Philonides, Philyllios, Phrynichos, Platon, Polyzelos, Sannyrion, Strattis, Telekleides, Theopompos, Thugenides (s. Jahresber. CLII 237), Xenophilos, Xenophon. Nicht wenige der aufgezählten Dichter werden noch lange im 4. Jhdt. gewirkt haben. Die Siegerliste verzeichnete für die städtischen Dionysien von 486 bis etwa 404 mindestens 32 Namen (s. Capps Amer. Journ. of philol. XXVIII 195), in der Lenäenliste darf man anscheinend 25 Namen der alten K. zurechnen (s. Wilhelm Urk. 107 und 123). Eine Scheidung der Dichter der alten K. in eine erste und eine zweite Generation hat man bei Suidas erkennen wollen. Er sagt von Aristomenes κωμικὸς τῶν ἐπιδευτέρων τῆς ἀρχαίας κωμφδίας, οἱ ἤσαν ἐπὶ τῶν Πελοποννησιακῶν ὀλυμπιάδι πζ'sub)λsub und ähnlich von Phrynichos κωμικὸς τῶν ἐπιδευτέρων τῆς ἀρχαίας κωμωδίας, ἐδίδαζε γονν τὸ πρώτον ἐπὶ πζ' (überliefert πς') ὀλυμπιάδος. Aber so sehr die beigefügte Zeitangabe und der ähnliche Gebrauch bei Suidas s. Νικόστρατος für die rein zeitliche Auffassung des nur bei Suidas vorkommenden Wortes ἔπιδευτερος zu sprechen scheinen (Meineke Hist. crit. 211 und Kaibel o. Bd. II S. 949), kann man doch Aristomenes unmöglich zu der jüngeren Generation der Dichter der alten K. rechnen, denn er steht in der Lenäenliste mit zwei Siegen vor Kratinos, als dritter der ganzen Liste verzeichnet. Entweder hat sich also Suidas’ Gewährsmann durch die in der Tat auffallende Tatsache täuschen lassen, daß Aristomenes noch 488 seinen Admetos aufführen ließ (Ar. Plu. hyp. IV), oder es liegt in ἔπιδευτερος doch ein Werturteil ,zweiten Ranges* (so Bergk Griech. Lit. Gesch. IV 95 Anm.), das freilich Phrynichos gegenüber hart erscheint.

2. Stoffe und Titel.

Als charakteristischer Stoffkreis der alten K, hat stets der politischpersönliche Spott gegolten, das σκώπτειν καὶ στρατηγοὺς καὶ δικαστείς τοὺς κακώς δικάζοντας καὶ τῶν πολιτῶν τίνος ἡ φιλάργυρους ἡ συζώντας ἀσελγείς (Platon, π. δ. κωμ. 1 S. 3 Kaib.). Wie einst die ἐθελονταί in ihren Rügeliedern alle Verstimmungen des Volkes über Personen und Zustände zum Ausdruck brachten, so fühlen sich die komischen Dichter als Vertreter des Volksgewissens [1238] und betrachten es als ihr Recht und ihre Pflicht, alle mißliebigen Persönlichkeiten und Einrichtungen mit rücksichtslosem Spott zu verfolgen. Die Dichter haben keine bestimmte Parteistellung, sie sind nicht konservativ oder agrarisch, wie noch neuerdings wieder M. Croiset (Aristophane et les partis à Athènes, Paris 1906) behauptet hat, aber sie stehen dem politischen Leben und Treiben auch nicht innerlich gleichgültig gegenüber, wie 10 W. Süß (Aristophanes und die Nachwelt 1955.) annimmt', sie haben die ehrliche Überzeugung, durch ihren Spott dem Besten ihres Vaterlandes zu dienen und zugleich ihr Volk zu erziehen (s. Arist. Ach. 6555.; Ritt. 5095.; Wesp. 10295.; Frie. 7485.; Frö. 6865.). Aristophanes, den wir ja allein genauer kennen, hat keine politischen Überzeugungen, aber er wird von politischen Stimmungen stark bewegt, und diese Stimmungen wechseln bei ihm wie bei der großen Masse des Volkes.Wie jede politische Satire ist die K. stets in Opposition gegen die jeweiligen Machthaber, sie empfindet die Mängel der Gegenwart lebhaft und verherrlicht im Gegensatz zu ihr die gute alte Zeit, deren Bild sich ständig verschiebt. Bei Kra-tinos finden wir Kimon gepriesen (frg.l) und Peri-kles scharf angegriSen (Dionysalexandros, Nemesis frg. 111, Thrakerinnen frg. 71, Chirones frg. 240f., ohne Titel frg. 300), ebenso heftig bekämpft Telekleides (frg. 42–44) den Perikies auf der Höheseiner Macht, im Beginn des peloponnesischen Kriegs wird Perikies* vorsichtige Kriegsführung verspottet und Kleons Schneidigkeit gelobt (Her-mippos frg. 46), nach Perikies’ Tode ist Kleon bis an sein Ende der von den Komikern am schärfsten befehdete Mann (s. Aristophanes’Babylonier, Acharner, Ritter, Wespen, Eupolis’ Goldenes Zeitalter, Platon frg. 107 und 216) und die Herbeiführung des friedens politisches Ideal der K. (s. Aristophanes’ Acharner, Landleute, Frieden), dann wird 40 Hyperbolos besonders bekämpft (Eupolis’ Marikas, Hermippos’ Brotweiber, Platons Hyperbolos), auch AJkibiades viel angegri5en (Aristophanes’ Triphaies, Pherekrates frg. 155, Eupolis frg. 158). Am meisten politisches Interesse und Verständnis scheint von allen Dichtern der alten K. Eupolis gehabt zu haben (vgl. die feinen Urteile frg. 91. 94. 95. 205. 208. 216. 217), seine Demen, die unmittelbar nach der sizilischen Katastrophe (s. Herm. XLVII 296) die großen Staatsmänner der Vorzeitals Retter des Vaterlandes heraufbeschwören, waren wohl die bedeutendste politische K. aller Zeiten.

Der Spott der K. beschränkt sich durchaus nicht auf politische Zustände und Personen, alle Geistesrichtungen und ihre Träger, die das allgemeine Interesse erregen, beschäftigen auch die Komiker, vornehmlich Philosophen, Dichter und Musiker, und auch auf diesem kulturellen Gebiet verteidigt die K. die gute alte Zeit gegen mächtig eindringende neue Strömungen. Schon Kratinos hat die Naturphilosophie des Hippon in den ἸΊανόπται angegriflen (frg. 155), die eindrucksvolle Gestalt des Sokrates steht nicht nur im Mittelpunkt von Aristophanes’ Wolken, auch in dem gleichzeitig mit (Uesen aufgeführten (Ar. Wolk, hyp. V) Konnos des Ameipsiaa, in dem ein χοροὶ φροντιστῶν (Athen. V 218 c) erschien, tritt Sokrates bedeutsam hervor, und in den zwei Jahre jüngeren Schmeichlern des Eupolis finden wir ihn [1239] (frg. 361) neben Protagoras (frg. 146 a. b. 147) im Hause des Kailias. Von den Tragikern hat keiner die K. so stärk beschäftigt wie Euripides. Aristo-phanes verfolgt ihn von den Acharnern bis zu den Fröschen immer wieder mit giftigem Spott und mußte sich schon von Kratinos (frg. 307) sagen lassen, daß er viel Ähnlichkeit, mit dem angegriffenen Dichter habe (seine Verteidigung dagegen Ar. frg. 471). Das Motiv des Wettkampfs der Tragiker als Hauptinhalt einer K. hat vielleicht schon vor Aristophanes’ Fröschen Phere-krates in den Κραπάταλλοι benutzt, wo frg. 94 Aischylos ganz ähnliche Worte von seiner Kunst gebraucht, wie Aristophanes Frö. 1004, auch in den gleichzeitig mit den Fröschen aufgeführten Musen des Phrynichos (Ar. Frö. hyp. I) kommt eine Abstimmung vor (frg. 32) und wird des Sophokles mit höchstem Lobe gedacht. Wie weit die nach Dichtern benannten Stücke des Kratinos Ἀρχίλοχοι und des Telekleides HaloÖot literarischen Inhalt hatten, läßt sich nicht sagen, sicher ist aber, daß Archilochos in ersterem selbst auftrat (frg. 6). Von Musikern ist Konnos, der Lehrer des Sokrates, von Ameipsias und Phrynichos zum Titelheld ganzer K. gemacht worden (CAF I 671 und 371), der vielverspottete Kinesias (s. Ar. Vög. 1377; Frö. 1437. Gerytades frg. 149. Plat. frg. 184) von Strattis (CAF I 715). Eine leidenschaftliche Bekämpfung der modernen Musik enthält der oft Pherekrates zugeschriebene Chiron (CAF I 187), aber dies Stück wurde schon im Altertum angezweifelt und von manchen einem Rhythmiker Nikomachos zugeteilt (Athen. VIII 364 a), es stammt wohl erst aus dem 4. Jhdt. und war nicht für die Bühne bestimmt (v. Wilamowitz Thimotheos’ Perser 74).

In allen Stücken, deren Hauptinhalt die Verspottung von Menschen, Einrichtungen, Zuständen „und Zeitströmungen ist, erfinden die Dichter ihre Handlung vollkommen frei und legen auf deren Geschlossenheit geringen Wert (s. u. S. 1253). Ziemlich das gleiche gilt von den Märchen-K., in denen der politisch-persönliche Spott zurücktritt gegenüber der phantastischen Ausmalung märchenhafter Zustände (Zielinski Die Märchenkomödie in Athen, Jahresbericht der deutschen Schulen zu St. Annen, St. Petersburg 1885). Wenn die Dichter das Glück eines Lebens ohne Arbeit und Sklaven mit selbsttätigen Geräten und gebraten in den Mund fliegenden Lerchen schildern, wie Kratinos in den Πλοῦτοι (CAF I 62), Krates in den Θηρία (CAF I 133), Telekleides in den Ἄμφικτνονες (CAF I 209), Pherekrates in den Μεταλίῆς (CAF I 174) und den Περσαί (CAF I 181), Aristophanes in den Ταγηνισταί (CAF I 516), oder wenn sie Menschen in eine phantastische Tierwelt versetzen, wie Aristophanes in den Vögeln, Eupolis in den Ziegen (CAF I 258), Archippos in den Fischen (CAF I 681), so gab ihnen das Märchen wohl gewisse Grundzüge an die Hand, aber die eigentliche Handlung blieb ihnen zu erfinden. Übrigens darf man politische und Märchen-K. keineswegs so scharf scheiden, wie es Zielinski getan hat, die Grenzen sind durchaus fließend, und z. B. die Vögel sind bei aller märchenhafter Phantastik doch auch voll politischen und persönlichen Spottes.

Neben den bisher geschilderten für die alte K. besonders charakteristischen Stoffen bleiben aber [1240] auch die von der sizilischen L des Epicharm gepflegten Gattungen, die Mythentravestie und die realistische Schilderung des täglichen Lebens, in Athen immer lebendig, wenn sie auch im 5. Jhdt. der politisch-persönlichen K. gegenüber zurucktreten. Die spätere antike Theorie hat das verkannt und will Stücke wie Kratinos’ Ὄδυοσης und AristophanesΑἰολοσίκων nur als Übergang zur mittleren K. gelten lassen (Platon, π, δ. κωμ. 5-7, S. 4 Kaib.). Der unglückliche Gedanke, die Unterdrückung der Spottfreiheit habe zur Abschaffung des Chors geführt, bestimmt Platonios auch, den genannten Stücken die Parabasen und Chorlieder abzusprechen a. a. O. 7 τοιοῦτος οὐν ἐστιν δ τῆς μέοης κωμφδίας τύπος οἰὸς ἔατιν δ Αἰολοαίκων Ἀριστοφάνους καὶ οἱ Ὀδυσσεῖς Κρατίνου καὶ πλειστὰ τῶν παλαιῶν δραμάτων οὐτὲ χορικὰ οὐτὲ παραβάσεις ἔχοντα, Wir sind gerade über die Ὀδυσσῆς durch die Fragmente recht gut unter-20richtet (vgl. Kaibel Herm. XXX 74ff.) und können mit Sicherheit erkennen, daß dies frühe Stücke ganz in der Art Epicharms die Geschichte der Überlistung Polyphems durch den schlauen Laertiaden mit behaglichem Humor (s. frg. 136. 141. 143) erzählte, und daß ihm die Chorlieder durchaus nicht fehlten (frg. 144. 145), ein Vers läßt sich sogar mit großer Wahrscheinlichkeit der Parabase zuweisen (frg. 146s vgl. Crusius Philol. XLVII 37). Stücke von der Art der Ὄδνσσης sind bei den Hauptvertretern der ἀρχαία viel zahlreicher als gewöhnlich angenommen wird, als Mythentravestien sind unter Kratinos¹ K. mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit anzusehen Βούσειρις, Διονυσαλέξανδρος, Διόνυσοι, Νέμεσις, Ὄδνσσης, Σερίφιοι (unsicher), supνλsupΩραί, und es ist schwerlich Zufall, daß die Titel Βούσειρις und Διόννσοι auch für Epicharm bezeugt sind. Von den 40 echten Stücken des Aristophanes gehören zehn Ἀνάγνρος, Αἰολοσίκων (a' und ß’), Δαίδαλος, Δαναῖδες, Δράματα ἡ Κένταυρος, Κώκαλος, Λήμνιαι, Πολύιδος, Φοίνισσαι in diese Klasse, und keineswegs alle stammen aus den letzten Jahren des Dichters, die Δράματα sind nach Schol. Ar. Wesp. 60 vor 422 aufgeführt; vonden zehn Stücken des Hermippos sind vier Ἀγαμέμνων, Ἀθήνας γοναί, Εὐρώπη (?), Κέρκωπες als Mythentravestien kenntlich, von Kallias nenne ich Ἀταλάντη und Κύκλωπες, von Pherekrates Μυρμηκάνθρω· ποί, von Phrynichos Κρόνος, und unter den K.Platons treten die mythischen. Titel so stark hervor (Ἄδωνις, Δαίδαλος, Εὐρώπη, Ζευς κακοὺ· μένος, Ἰω, Λάιος, Μενέλεως, Νὺξ μακρά, Ξάνται ἡ Κέρκωπες), daß dieser von Suidas mit Recht Zeitgenosse des Aristophanes, Phrynichos, Eupolis und Pherekrates genannte Dichter in den Dio-nysiosscholien (ÇGF I 1, 15 Kaib.) einziger Vertreter der μέση ist. Von den namhaften Dichtern der ἀρχαία haben anscheinend nur Krates, Telekleides und Eupolis die Mythentravestie gar nichtgepflegt. Zu beachten bleibt, daß die Mythentravestie insofern einen Wandel durchmacht, als sie mehr und mehr die Mythen in der Gestalt benutzt, die ihnen die Tragödie gegeben, so daß sie zur Verulkung bestimmter Dichterwerke wird; das gilt besonders von den späteren Stücken des Aristophanes und setzt sich in der mittleren K. fort. Übrigens fehlt auch in den Mythentravestien der persönliche und politische Spott nicht ganz, [1241] Anspielungen auf Zeitgenossen werden unbekümmert den Göttern und Heroen jn den Mund gelegt, und die Hypothesis zu Kratinos* Dionysalexandros (O. P. IV 663; vgl. Jahresber. CLII 254) hat uns gelehrt, daß auch eine rein mythische Handlung bösartigen politischen Spott in sich bergen kann. Die Inhaltserzählung bewegt sich ganz auf dem Boden des harmlosen Götterulks, und doch hören wir am Schluß κωμφδέῖται θ ἐν τῷ δράματι Περικλῆς μάλα πιθανώς δ? ἐμφάοεως ὡς ἐπαγειοχώς τοῖς Λθηναίοις τὸν πόλεμον (vgl. bes. Thieme Quaest. com; adPericl. pertin. cap. tria, Leipz. 1908, 20ff.).

Erheblich schwächer als die Mythentravestie ist in der alten K. das andere Stoffgebiet Epicharms, die realistische Schilderung des täglichen Lebens, vertreten, aber Spuren seiner Pflege sind doch nachweisbar. Am wichtigsten sind hier die nach Hetären benannten Stücke des Pherekrates Θάλαττα (mit dem Nebentitel Ἐπιλήσμονες), Κοριαννω, wohl auch Πετάλη und vielleicht Δονλοδιδάοκαλος. In der Korianno waren nach frg. 71–73 Vater und Sohn Nebenbuhler bei derselben Hetäre, und die Schilderung, wie Korianno aus dem Bade kommt, einen kräftigen Frühtrunk nimmt (frg. 69. 70), einen anspruchsvollen Liebhaber bewirtet (frg. 67. 68), erinnern an Epicharm und Menander zugleich. Daß ähnliche realistische Sittenschilderungen sich schon bei Krates fanden, dessen Schauspieler und Nachahmer Pherekrates von dem Anonymus π. κωμ. 8 (S. 9 Kaib.) genannt wird, ist sehr möglich, aber aus den Fragmenten nicht zu erweisen. Verwandt mit Pherekrates* Sittenschilderung ist Phrynichos’ Versuch einer Charakter-K, in seinem Μονότροπος, der im J. 414 beim attischen Publikum keinen Anklang fand (Ar. Vö. hyp. I).

In der Titelbildung bevorzugt die alte K. ganz ausgesprochen die Pluralform, die 5 bekannten Titel des Telekleides sind sämtlich pluralisch, unter den 8 Titeln des Krates ist nur 1 (Λαμία) singularisch, unter den 28 überlieferten Titeln des Kratinos finden sich 6, unter den 14 echten des Eupolis 4, unter den 10 des Hermippos 2, unter den 40 echten des Aristophanes schon 17 Singularbildungen. Das ist zum Teil bedingt durch die Neigung, die Stücke nach dem Chor zu benennen (von den 11 erhaltenen K. des Aristophanes heißen z. B. 8 nach dem Chor), aber man darf nicht etwa alle pluralischen Namen aus Chören erklären, wie das früher meist geschah. Kratinos hat allerdings in den Χίρωνες einen Chor von Chironen zu bilden gewagt (frg. 235), aber in den Ὀδνσσῆς trat sicher nur der eine Odysseus auf, während seine Gefährten den Chor bildeten, und für die Χλεοβονλῖναι bezeugt Diog. Laert. I 89 ausdrücklich Κλεοβουλίνην ...ῆς μεμνηταὶ καὶ Χρατῖνος ἐν τῶ ὄμωννμῳ δράματι, πληθνντικως ἐπιγράψας. v. Wilamowitz hat mehrfach (z. B. Herakl. I¹ 55 Anm. 14 und 124) ausgeführt, daß der Pluralis in älteren Titeln oft statt einer Ableitung steht, wie auch bei Städtenamen z. B. Φίλιπποι. So bedeuten Ὀδνθῆς, ΪΔρχίλοχοι, Χλεοβονλῖναι, Ἠοίοδοι Κ. von Odysseus, Archilochos, Kleobuline, Heaiodos. Im einzelnen Falle ist die Entscheidung, ob ein pluralischer Titel als Ableitung oder als wirklicher Plural zu fassen sei, nicht immer leicht, so wollte v. Wilamowitz (Arist. u. Athen I [1242] 179, 84) auch die Δήμοι des Eupolis als Volks-K. verstehen, aber der neue Papyrus hat gezeigt, daß der Chor von Landgemeinden den Titel bestimmt hat (Herm. XLVII 305). Die Titel sind in der älteren Zeit meist so allgemein gehalten, daß sie Schlüsse auf den Inhalt kaum gestatten. Das gilt besonders von den nach dem Chor benannten, niemand könnte aus den Titeln Acharner, Ritter, Wolken, Wespen auch nur die allgemeinsten Umrisse 10 der Handlung erraten, und der Titel Frösche ist geradezu irreführend, denn der Froschchor tritt ja nur in einer kurzen Episode auf. Mehr verraten die Titel mancher Mythenparodien wie Buseiris, Danaiden, Agamemnon, Athenas Geburt usw. Die Benennung nach den angegriffenen Hauptpersonen ist anfangs nicht üblich, Aristophanes nennt sein Stück nicht Kleon, sondern Ritter, Eupolis setzt 4*21 (Schol. Ar. Wolk. 552) für Hyperboles den Spottnamen Marikas, aber im nächsten Jahr 20 (Athen. V 216 d) benennt er sein Stück nach dem angegriffenen Autolykos, bald folgt der Hyperbolos des Platon, und beiden voran ging der 423 aufgeführte Konnos des Ameipsias (Ar. Wol. hyp. V), vielleicht auch der des Phrynichos. Auch die Hetärenstücke des Pherekrates scheinen nach lebenden Zeitgenossinnen benannt zu sein (Breitenbach De genere quodam titul. com. Att., Basel 1908, 130. und 114ff.).

3. Komposition.

Für die Kenntnis der Komposition der alten K. sind wir fast ganz auf die elf erhaltenen Stücke des Aristophanes angewiesen, nur vereinzelt gestatten die Fragmente Rückschlüsse auf die Komposition anderer Stücke.

Das eigentümlichste und deshalb auch schon im Altertum besonders beachtete Kompositionsglied der alten K. ist die Parabase, die Hauptleistung des Chors, welche den Zusammenhang der Handlung keck durchbricht und teilweise zur persönlichen Auseinandersetzung des Dichters mit 40 seinen Zuschauern wird (vgl. Agthe Die Parabase, Altona 1886. Westphal Griech. Metr.² 313ff. J. W. White The verse of greek com. § 668f. [vgl. jetzt auch W. Kranz N. Jahrb. XLIV 1919, 167ff.]). Die Teile der Parabase werden im wesentlichen übereinstimmend und zutreffend aufgeführt von Hephaistion π. ποιημ. 8 (S. 72 Consbr.), Poll. IV 112 und Schol. Ar. Wol. 518, arg verkehrt ist die Auseinandersetzung des Tzetzes (Pb 30 S. 21 f. Kaib.). Die vollständige Parabase hat sieben Teile, 50 die ersten drei κομμάτων, παράβασις, μακράν sind astrophisch (ἀπολελνμένα Heph.) und gehören eng zusammen, die andern vier στροφή (oder φάή), ἐπίρρημα, ἀντίστροφος (oder ἀντφδή), ἄντε· πίρρημα sind strophisch gegliedert (κατὰ σχέσιν γεγραμμενά Heph.) und bilden zusammen eine epirrematische Syzygie. Das Kommation (den Namen belegt Hephaistion mit einem Fragment des Eupolis 362) ist eine kurze Aufforderung, die Parabase zu beginnen, προκήρυγμα τῆς παραβάσεων heißt es Schot Ar. Wesp. 1009; es enthält oft eine Verabschiedung der Schauspieler (Ritt. 498; Wol. 510; Wesp. 1009; Frie. 729), daneben mitunter die Aufforderung an den Chor, sich aus-zukleiden (Ach. 627) oder τὰ σκεύη abzulegen (Frie. 729). Die metrische Form des Kommation wechselt sehr: In den Rittern (498–506) besteht es aus zwei anapaestischen Systemen, in den Wolken (510–517) und Wespen (1009–1014) aus [1243] Anapaesten und lyrischen Maßen, rein in lyrischen Maßen gehalten ist das der Vögel (676–684), im Frieden (729–733) folgt auf vier anapaestische Tetrameter ein trochäischer Tetrameter zur Abgrenzung gegen die Anapaeste der eigentlichen Parabase, diese Abgrenzung fehlt in den Acharnern (627f.), wo den Anapaesten der eigentlichen Parabase einfach zwei einleitende Verse derselben Art vorangehen, und in den Thesmophoriazusen ist das Kommation zu einem einzigen, nicht einmal durch starke Interpunktion vom Folgenden geschiedenen Einleitungsvers (785) zusammengeschrumpft. Unter den Fragmenten gehört Eupolis frg. 362 sicher, Pherekrates ffg. 79 (aus Korianno) wahrscheinlich zu Kommatien in lyrischen Maßen.

Die Parabase im engeren Sinne (17 ὄμωνυμως τῷ γένει καλούμενη παράβασις Heph.) besteht in der Regel aus Anapaesten und wird deshalb oft einfach ol ἀνάπαιστοι .genannt (Ach. 627; Ritt. 504; Frie. 735; Vö. 684). Von den erhaltenen Stücken haben nur die Wolken Eupolideen statt der Anapaeste (518–562), aber die Fragmente lehren, daß die Anwendung anderer Maße keineswegs selten war. Parabasen in Eupolideen hatten wahrscheinlich Kratinos* Μαλθακοί (frg. 98, doch ist die Zugehörigkeit zur Parabase unsicher), Pherekrates* Αὐτόμολοι (frg. 29) und Δονλοδιδάσκαλος (frg. 47), sicher desselben Dichters Ἰπνός (frg. 64) und das Stück, aus dem frg. 191 stammt, ferner Eupolis’ Βάπται (frg. 78) und Δήμοι (fro. 120), Aristophanes Ἀνάγνρος (frg. 54. 55), Platons Παιδάριον (frg. 92) und vielleicht sein Ὑπέρβολος (frg. 169); dazu kommen noch die Adespota frg. 53–55 (CAF III 409). Die nahe verwandten Kratineen finden wir bei Kratinos in unbekannten Stücken (frg. 324 a. b. c und 327) und wohl auch in den Ὄδυσσης (frg. 146), ferner in Eupolis* Ἀστράτευτοι (frg. 37. 38). Wiederum nächst verwandt ist der choriambisch-iambische Tetrametcr, in dem die Parabasen von Aristophanes’ Amphiaraos (frg. 30. 31) und Eupolis’ Κόλακες (frg. 159 und 361; s. u. S. 1244) abgefaßt waren, und vielleicht gehört auch das frg. 290, das Hephaistion 16, 4 aus Eupolis’ Χρυσουν γένος als ἐπιωνικὸν πολυσχημάτιστον mitteilt, in die Parabase. Für sich allein stehen der rein ionische Tetrameter des Phrynichos frg. 70 und die paeonischen Tetrameter in Aristophanes* zweiten Thesmophoriazusen frg. 333, deren Zugehörigkeit zur Parabase möglich, aber in beiden Fällen unsicher ist. Wir können also gegen 20 Parabasen in nichtanapaestischen Tetrametern feststellen. Alle diese Verse, mit Ausnahme der beiden letzten, sind Verbindungen volkstümlicher choriambischer Dimeter (s. v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1902, 882ff.) mit all den Freiheiten, die wir besonders durch den Berliner Korinnapapyrus (Berl. Klass. Texte V 2, 19ß.) kennen gelernt haben, es ist daher sehr wahrscheinlich, daß sie keineswegs ein jüngerer Ersatz der Anapaeste sind, sondern, daß umgekehrt die aus Sizilien übernommenen ana-paestischen Tetrameier (s. O. S. 1224) ältere Lang-verse aus volkstümlichen Dimetern allmählich verdrängt haben. Dafür spricht auch, daß sich im Kommation solche Dimeter auch vor anapaestischer Parabase (Vögel) finden. In Aristophanes‘ älteren Stücken bis zum Frieden einschließlich hängt der Inhalt der Parabase mit der Fabel des Stücks gar [1244] nicht zusammen, der Chor wahrt auch kaum seine Maske, er ist einfach Sprachrohr des Dichters, der sich mit dem Publikum und mit seinem Rivalen auseinandersetzt. Das gleiche Bild zeigt Kratinos’ Dionysalexandros, wenn ich in der Oxyrhynchos-hypothesis col. I 8 πυωνοιή richtig in περὶ τῶν ποιητῶν aufgelöst habe (Herm. XXXIX 484). In den beiden letzten eigentlichen Parabasen, die wir von Aristophanes haben, denen der Vögel (685–722) und der Thesmophoriazusen (785–813) ist dagegen weder vom Dichter noch von literarischen Fragen die Rede, der Chor wahrt streng seine Maske und trägt Ausführungen vor, die mit dem Inhalt des Stücks eng Zusammenhängen. Vielleicht ist die Parabase der Κόλακες des Eupolis vom J. 421 das älteste Beispiel dieser neuen Art. In frg. 159 schildern die Schmeichler ihr Leben, das Fragment wirkt ganz wie ein Epirrema und ist auch von Bergk (Comm. de rell. com. 340) und 20 Kock (CAF I 302) für ein solches erklärt worden, da aber das Maß dieses Fragments in der sicheren Parabase von Aristophanes’ Amphiraraos (frg. 30. 31) wiederkehrt, und da die Art der Thesmophoria-zusenparabase durchaus mit ihm übereinstimmt, glaube ich es doch als eigentliche Parabase in Anspruch nehmen zu sollen. Als die Parabase ihre alte Aufgabe der persönlichen Auseinandersetzung des Dichters mit den Zuschauern einbüßte und epirrematischen Ton annahm, verlor sie ihre Daseinsberechtigung als gesondertes Glied neben den Epirremen und starb rasch ab. Daß die alte Parabase seit dem Nikiasfrieden aus der Mode gekommen war, deutet wohl Aristophanes in der letzten Parabase alten Stils, die wir von ihm kennen, der des Amphiaraos, mit den Worten an frg. 30 οἰδὰ μὲν ἀρχαιὸν τὶ δρῶν κουχὶ λεληθ ἐμαυτόν. Das überhaupt letzte Beispiel einer persönlich-literarischen Parabase enthalten wohl die Βάκχαι des Lysippos (frg, 4), falls ich sie auf Grund der römischen Inschrift IG XIV 1097 richtig nach 409 angesetzt habe (Rh. Mus. LX 435ff., dagegen Capps Class. Phil. I 207S.).

Der dritte Teil der Parabase ist das Makron, Schol. Ar. Ach. 659; Wol. 518; Wesp. 1051 auch Pnigos genannt, ein strettaartiger Anhang zur eigentlichen Parabase. Hephaistion a. a. O. (und ähnlich Poli. a. a. O.) betont, dieser sog. lange Teil sei eigentlich gar nicht lang ἄλλα καὶ διὰ τὸ ἄπνενστι λέγεσθαι ἐδόκει εἶναι μακρότερον. Das Makron besteht bei Aristophanes stets aus einem anapaestischen System von wechselnder Länge, in den Rittern, wo es von der Parabase nicht einmal durch Satzschluß getrennt ist, umfaßt es nur 7 Metren (547–550), steigt aber in den Vögeln (723–736) auf 27, in den Thesmophoriazusen (814–829) auf 30 Metren. Der in Eupolideen gehaltenen Parabase der Wolken fehlt das Makron, daß aber Parabasen in ionisch-iambischen Langversen sehr wohl durch ein Makron in choriambischen Dimetern abgeschlossen werden konnten, zeigt frg. 96 der Κραπάταλλοι des Pherekrates, das Bergk (Comment. de rell. com. 301) als ein solches Makron erkannte.

Diese drei astrophischen, in sich eng zusammen* hangenden Teile der Parabase kommen in keinem Stuck mehr als einmal vor, sie fehlen der Lysistrate, wo die scharfe Scheidung der Halbchöre ihre Vereinigung zu einem idealen Sprecher unmöglich machte, und den drei jüngsten Stücken, [1245] Fröschen, Ekklesiazusen, Plutos; doch wirken in den Fröschen die Anapaeste 354–371 fast wie eine von dem strophisch gegliederten Teil (675–736) losgelöste Parabase ohne Kommation und Makron.

Die zweite strophisch gegliederte Hälfte der Parabase besteht aus einem Paar von Gesängen mit i’edesmal folgender Spruchrede. Das Lied heißt bei lephaistion μέλος (bzw. ἀντίστροφον), bei Pollux στροφή (bzw. ἀντίστροφος), in den Aristophanes-scholien στροφή - ἀντίστροφος (Schol. Wol. 518; 1 VÖg. 1058) oder φδή - ἀντωδή (Schol. Wol. 518; Vög. 1058; FrÖ. 675); auch Tzetzes a. a. O. gebraucht στροφή und φδή nebeneinander, und da jedes der beiden Lieder aus mehreren Strophen bestehen kann, wie der Demenpapyrus gelehrt hat (s. Jensen Herm. LI 355), empfiehlt es sich, lieber die Bezeichnung Ode und Antode zu gebrauchen. Ode und Antode enthalten bei Aristophanes meist in gehobenem Ton und kunstvoller metrischer Form Anrufungen der Götter 2 (Ritt. 551–564 und 581–594; Wol. 563–574 und 594–606) und der Muse (Ach. 665–675; Frie, 775–795 und 796–816; Vög. 737–751 und 769–784; Frö. 675–685) oder eine Selbstverherrlichung des Chors (Ach. 692–701; Wesp. 1061–1070 und 1090–1110), Spott gegen einzelne Persönlichkeiten wird mitunter eingemischt (Frie. 781–795 und 801–814; FrÖ. 679–685 und 706–716), ist aber nur in der Antode der Frösche einziger Inhalt, unmittelbarer Anschluß an das € vorangegangene Epirrema findet sich nur in der Antode der Acharner (692–701). Eine Sonderstellung nimmt die Lyθistrate ein: Hier besteht die Parabase unter Fortfall der astrophischen Teile aus zwei aneinander anschließenden epirrematischen Syzygien, und in beiden sind sowohl Ode wie Antode aus der dramatischen Situation geborene Kampflieder der Greise (614–625 und 659–670) und Frauen (636–647 und 675–685). Dieser Versuch, die Parabase eng in die dramatische Handlung zu verflechten, entgegen ihrem eigentlichen Wesen, berührt sich mit dem, was ich oben über die Parabase der Vögel und Thesmophoriazusen bemerkt habe, er ist anscheinend niemals wiederholt worden. In den Thesmophoriazusen fehlen der Parabase Ode und Antode. Einen von Aristophanes abweichenden, vermutlich älteren Typus der Ode-Antode haben wir in der Parabase der Demen kennen gelernt (s. Herm. XLVII 293 und LI 355), hier besteht die zur guten Hälfte erhaltene Antode aus mehr als zwei, wohl sicher vier, ganz einfachen jambischen Strophen zu je 20 Metren (zuerst erkannt von Wüst Woch. f. klass. Philol. 1913, 943), deren einziger Inhalt die Verspottung einer Reihe mißliebiger Persönlichkeiten ist; ähnlich werden wir uns die Rügelieder der vorliterarischen K. denken dürfen.

Epirrema und Antepirrema haben untereinander stets gleiche Verszahl und bestehen fast ausnahmslos aus trochäischen Tetrametern (Poll. IV 112, Ausnahme in Nebenparabase s. u.); den Thesmophoriazusen fehlt das Antepirrema, dem Frieden Epirrema und Antepirrema. Die Zahl der Verse beträgt meist 16 (Ach., Ritt., Vög., Theem.), auch für das Antepirrema der Demen ist diese Zahl wahrscheinlich,(s. Jensen a. a. O. 335), 20 Tetrameter haben die Epirreme der Wolken, Wespen und Frösche, je 10 die beiden [1246] Paare der Lysistrate. Der Inhalt der aristophanischen Epirreme ist sehr mannigfaltig, er gibt in ihnen politische Ratschläge (FrÖ. 686–705 und 718–737), bringt Klagen über politische und soziale Verhältnisse vor (Ach. 676–691 und 703–718; Ritt. 565–580; Wol. 575–594 und und 607–626; Thesm. 830–845), erläutert die Maske des Chors (Wesp. 1071–1090 und 1102- 1121), malt die durch den Stoff angeregten 0 märchenhaften Vorstellungen aus (Vög. 753- 768 und 785–800), verherrlicht auch einmal die Leistungen der Ritterpferde (Ritt. 595–610). Am engsten mit der Handlung verknüpft sind wieder die Epirreme der Lysistrate (626–635. 648–657. 672–681. 696–705). Persönlicher Spott wird in die allgemeineren Betrachtungen wohl gelegentlich eingemiseht (bes. in den Wolken und Vögeln), aber in den Hauptparabasen des Ari-stophanes ist niemals ein ganzes Epirrema ausίθ schließlich Scheltrede gegen einen einzelnen Mann, wie das neue Antepirrema der Demen des Eupolis (s. Herm. XLVII 297f.). Daß Eupolis auch hier die ältere Art treuer bewahrt hat, wird durch den Umstand wahrscheinlich gemacht, daß solche Seheltrede gegen einen einzelnen in der nach dem glaubwürdigen Zeugnis des Scholions zu Ritt. 1291 von Eupolis verfaßten Nebenparabase der Ritter (s. Kirchhoff Herm. XIII 287ff.) wiederkehrt. Deutlich können wir in den elf erhaltenen Stücken 10 des Aristophanes die allmähliche Verkümmerung der Parabase beobachten: Alle sieben kanonischen Teile weisen nur Acharner, Ritter, Wespen und Vögel auf, den Wolken fehlt das Makron, dem Frieden die Epirreme, der Lysistrate und den Fröschen die drei astrophischen Teile, den Thesmo-phoriazusen Ode, Antode und Antepirrema. Ekklesiazusen und Plutos haben gar keine Parabase mehr, höchstens könnte man in den Ekklesiazusen die kurz vor der Aufführung (v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1903, 454) eingelegten acht Tetrameter an die Preisrichter (1155–1162) als letzten schwachen Nachklang einer Parabase bezeichnen. Der strophisch gegliederte Teil der Parabase, die epirrematische Syzygie, kommt in einer ganzen Reihe von Stücken des Aristophanes hinter der Parabase noch einmal vor, und für diese zweiten Syzygien ist der meines Erachtens nicht glückliche Name Nebenparabase üblich geworden (vgl. Zielinski Gliederung 175ff.). Der Dichter 50 selbst gebraucht in ihnen niemals das in den eigentlichen Parabasen so beliebte (Ar. Ach. 629; Ritt. 506; Frie. 735; Thesm. 785. Plat. frg. 92) Wort παραβαίνεις und zutreffend sagt ein Vene-tusscholion zu Vög. 1058 εἰώθασι μετὰ τὴν τελείαν παράβασιν ἐπιρρηματικὴν ποιεῖσθαι συζυγίαν ὤσπερ καὶ ἐν Ἴππενσι πεποιηκενθ aber in der Regel reden die Scholien in diesen Fällen von Parabase (Schol. Ritt. 1274; Wolk. 554 und 1115; Wesp. 1265; Frie. 1127). Solche epirrematischen Syzygien finden sich in den Rittern (1264–1315), Wespen (1296–1291), Frieden (1127–2287), Vögeln (1058 –1117). In den Wolken ist von einer bei der Umarbeitung geplanten Syzygie nur ein Epirrema (1115–1130) fertig geworden, die der Wespen hat schon im Altertum die Antode und einen Vers des Antepirrema eingebüßt (s. Schol. 1272 und v, Wilamowitz S.-Ber.Akad.Bert 1911, 508); in den Acharnern zerlegt man das päonische Lied [1247] 971–999 meines Erachtens mit Unrecht in Ode und Epirrema, die voneinander nicht einmal durch Satzschluß geschieden wären, schon das Scholion zu 971 wendet sich dagegen. Obwohl diese Syzygien im allgemeinen mit denen der Hauptparabasen in Umfang, Form und Inhalt übereinstimmen, haben einige doch Besonderheiten: Im Frieden ist den Epirremen ein pnigosartiges Schwänzchen (1156–1158 und 1188–1190) angehängt, das Zielinski (a. a. O. 176) mit Unrecht gegen die antike Überlieferung und alle bekannten Beispiele in das legitime Schema der Parabase einfügt, in den Wespen folgt auf die trochäische Ode 1266–1274 ein Epirrema (1275 –1283) aus acht paonischen Tetrametern, das durch einen trochäischen Tetrameter abgeschlossen wird; päonische Tetrameter scheint auch Eupolis in den Κόλακες frg. 160 im Epirrema einer Parabase angewendet zu haben; vgl. auch Arist. frg. 333. Inhaltlich ist zu bemerken, daß das Epirrema der Wespen eine Scheltrede gegen die Söhne des Automenes ist, während das Epirrema der Wolken und das Antepirrema der Vögel (1102–1117) Ansprachen an die Preisrichter sind.

Umstritten sind die ursprüngliche Stellung und die Vortragsart der Parabase. In den erhaltenen K. steht die Parabase meist etwa in der Mitte (ziemlich stark nach hinten verschoben in den Wespen), und während manche Gelehrte diesen Platz für den ursprünglichen halten (s. Westphal Griech. Metrik² II 313. Mazon Essai sur la comp. des com. d’Arist. 174f.), sehen andere (Zielinski Gliederung 186. Kaibel o. Bd. II S. 987) in der Parabase den ursprünglichen Epilog, wieder andere (v. Wilamowitz Kultur der Geg. I, Abt. VIII³ 87f. und Poppelreuter De com, Att. prim. 32ff.) den ursprünglichen Beginn des komischen Spiels. Letztere Ansicht scheint mir die richtige. Für die alte Stellung am Schluß scheint die Tatsache zu sprechen, daß in manchen K. die eigentliche Handlung vor der Parabase abge-. schlossen ist (Acharner, Wespen, Frieden), in der Mehrzahl der Stücke ist das aber nicht der Fall (Ritter, Wolken, Vögel, Lysistrate, Thesmo-phoriazusen), in den Fröschen beginnt der wichtigste Teil der Handlung sogar erst nach ihr. Ferner hat besonders Zielinski die angebliche Ablegung der Kostüme vor der Parabase für die Schlußstellung geltend gemacht, aber diese beruht auf falscher Interpretation. Das thoiwat (Ach. 627) oder Abgeben der σκεύη (Frie. 729) soll die Choreuten nur zu lebhaften Tanzbewegungen befähigen und bedeutet nicht die Umwandlung in gewöhnliche Bürger¹, in der Lysistrate, die gar keine eigentliche Parabase hat, ist es Vorbereitung zù dem drohenden Handgemenge (615. 637. 662. 686), und in den Thesmophoriazusen findet sich dieselbe Aufforderung (656 τῶν θ ἰματίων ἀποόύσας) in einer Chorpartie, die mit der Parabase gar nichts zu tun hat (s. Poppelreuter De com. Att. prim. 34f.). Epirrematischen Syzygien gönnen der Parabase wohl folgen, aber nicht ihr vorangehen, das entscheidet meines Erachtens gegen deren ursprünglichen Epilogcharakter. Die epirrematische Syzygie, die Verbindung von Rügelied und Scheltrede, ist die ursprünglich mit dem Spiel der Possenreißer gar nicht verbundene eigentliche Leistung des attischen Chors, sie kann mehrfach [1248] wiederholt werden, aber nur der ersten Syzygie geht die eigentliche παράβασις, die persönliche Wendung an die Zuschauer voran.

Was Hephaistion, Pollux und die Aristophanes-scholien (bes. Frie. 733 = Suid. s. παράβασις) über die Vortragsweise der Parabase mitteilen, hat wenig Wert, zum Teil ist es einem Schol. Frie. 733 mitgeteilten Fragment aus Platons Παιδάριο? (frg. 92) entnommen. Pollux nennt das Makron ein 10 μελύδριον ἀπνευστὶ ἀδόμενον, Hephaistion spricht von ἀπνευστὶ λέγεσθαι, und entscheidend ist, daß die Dichter selbst von der mit dem Makron untrennbar vereinigten Parabase im engeren Sinne immer wieder das Wort λεγειν gebrauchen (s. Ar. Ach. 629; Ritt. 507; Wol. 518; Frie. 733; Thesm, 785. Plat. frg. 92). Die astrophisehen Stücke der Parabase wurden also zweifellos vom Führer des Gesamtchors gesprochen (s. Westphal a. a. O. 313). Ebenso sicher ist wohl, daß 20 Ode und Antode von den Halbchören gesungen wurden (s. Zielinski a. a. O. 265f.), während Epirrema und Antepirrema von den betreffenden Halbchorführern gesprochen wurden. Westphal (a. a. O. 314) behauptet zwar für die Epirreme Gesangsvortrag, aber dem steht nicht nur der Name ἐπίρρημα, der ja spät sein könnte, entgegen, sondern Versform und Ton der Epirreme; auch gebraucht Aristophanes von ihnen mehrfach das Wort λεγειν (Vög. 1084. 1102; Frö. 690 φάναι). Die Tatsache, daß e i n Chorführer in der eigentlichen Parabase den ganzen Chor vertritt, widerlegt Zielinskis (a. a. O. 249ff.) von Kaibel (o. Bd. II S. 980) gebilligte Hypothese, daß die Antichorie, die Gegenüberstellung zweier Halbchöre, der ursprünglichen K. eigen sei; das einzige Stück mit ausgesprochener Antichorie, die Lysi-strate, ist eben deshalb zur Bildung einer eigentlichen Parabase unfähig.

Ein anderes für die alte K. sehr wichtiges Kompositionsglied ist der Agon. Im Altertum nicht beachtet ist es zuerst von Westphal (Griech. Metrik² 402) kurz gewürdigt und dann von Zielinski in seiner Gliederung der altattischen K. eingehend und scharfsinnig behandelt worden. Die Gewaltsamkeit, mit der Zielinski das erkannte Kompisitionsschema allen Werken der alten K.· aufzwingen will, ist zwar nicht ohne üble Folgen geblieben (auch Mazons feines Buch Essai sur la comp. des com. d’Aristophane, Paris 501904, krankt an ihr, vgl. dagegen Suess Rh. Mus. LXIII 12ff.), aber gleichwohl bedeutet seine Würdigung des Agons wohl den stärksten Fortschritt, den die Betrachtung der Komposition der alten K. in der Neuzeit gemacht hat. Den von ihm glücklich geprägten Namen Agon entnahm Zielinski Aristophanes selbst (Wesp. 533; FrÖ. 883), wenn auch der Dichter ihn kaum als terminus technicus empfunden haben wird. Zielinski stellt für den Agon in Anlehnung an die alte Terminologie für die Teile der Parabase folgendes Schema auf:

I. Ode, V. Antode,
II. Katakeleusmos, VI. Antikatakeleusmos,
III. Epirrema, VII. Antepirrema,
IV. Pnigos, VIII. Antipnigos,
IX. Sphragis.

Von diesen Teilen ist die Sphragis am wenigsten fest, denn dies Schlußglied, ein Urteil des Chors in wenigen Versen, findet sich eigentlich [1249] nur in drei der acht vollständigen Agone (Wesp. 725–728; Ritt. I 457–459; Vög. 627–628); nach dem Hauptagon der Ritter wirkt ein prosaisch abgefaßter Schwur des Chors immerhin ähnlich (941), in der Lysistrate sollen je drei Trimeter der beiden unversöhnten Parteien die Funktion der Sphragis erfüllen (608–613), aber der Agon schließt Trimeter aus, und die erwähnten Verse sind wie die ähnlicher der Acharner (620–625) die Überleitung zur Parabase. Die übrigen acht ' Teile bilden in der Tat ein festes Schema. Die Ode (und Antode) ist ein auf den bevorstehenden Streit bezügliches Lied des Chors. Dies Lied kann durch gesprochene Langverse der Parteien, von Zielinski mesodische Tetrameter genannt, unterbrochen werden (Wespen, Ritter I), und die Zahl dieser Tetrameter ist auffallenderweise im Agon der Ritter in Ode und Antode verschieden (314–321 = 391–396).

Der Katakeleusmos (und Antikatakeleusmos) enthält die Aufforderung des Chors an die Parteien, den Agon zu beginnen und ist unweigerlich in zwei Versen der gleichen Art abgefaßt wie das folgende Epirrema. Keine unmittelbare Aufforderung zum Reden finden wir nur im Anti-katakeleusmos des ersten Agons der Ritter (407f.), wo die beiden Verse inhaltlich zur Antode gehören.

Epirrema und Antepirrema bestehen stets aus Langversen, und zwar können beide in anapästischen (Wespen, Vögel, Lysistrate) oder beide in jambischen (Ritter I 335fL; Wolken II 1353ß.) Tetrametern verfaßt sein, es kann aber auch das Epirrema in dem einen, das Antepirrema im andern dieser beiden Maße gehalten sein (Ritter II 763–823. 840–910; Wolken II 961 –1008. 1036–1088; Frösche 907–970. 1006 –1076), Epirrema und Antepirrema sind nicht an die gleiche Verszahl gebunden. Das Übliche ist, daß im Epirrema der eine Gegner seine These oder seine Person verteidigt, während im Antepirrema der andere dasselbe tut, dabei hat der Unterliegende das erste Wort; so ist z. B. im II. oder Hauptagon der Wolken im Epirrema der δίκαιος λόγος, im Antepirrema der ἄδικος λόγος Sprecher, in den Fröschen spricht erst Euripides, dann Aischylos. Niemals aber behält ein Redner ein ganzes Epirrema hindurch ohne Unterbrechung das Wort, öfter geht auch der Dichter von der Zuteilung je eines Epirrems an beide Gegner ab: In beiden Agonen der Ritter sind die beiden Kämpfer an Epirrema und Antepirrema ziemlich gleichmäßig beteiligt, in der Lysistrate ist die Titelheldin in beiden Epirremen Hauptsprecherin, und in den Vögeln hat Peithetairos keinen eigentlichen Gegner mehr, er belehrt nur noch in Epirrema und Antepirrema die mißtrauischen Vögel, hier liegt also im Grunde gar kein Streit vor. Noch bunter wird das Ansehen der Epirreme dadurch, daß an ihnen meist (nur in beiden Agonen der Wolken und dem der Wespen nicht) noch eine dritte Person beteiligt ist, der Bomolochos, dessen Bedeutung besondere Suess (Rh. Mus. LXIII 12ff.) hervorgehoben hat. Er ist nicht unmittelbar an dem Streit interessiert, wenn auch mitunter der einen Partei befreundet, und seine Aufgabe ist, die Ausführungen der Streitenden durch Zwischenbemerkungen, meist faule Witze, zu unterbrechen. Diese Rolle des Spaßmachers [1250] spielen in den Agonen der Ritter I Demosthenes, II Demos, in den Vögeln Euelpides, in der Lyei-strate Kalonike, in den Fröschen Dionysos. Der Chor dagegen greift in die Epirreme nicht ein, entgegenstiende Personenangaben der Handschriften im I. Agon der Ritter und dem der Vögel sind zu ändern (Zielinski 117ff.). Die Epirreme haben also eine große Fülle wechselnder Formen, niemals gleichen sie denen der Parabase.

Pnigos und Antipnigos sind, wie das gleichnamige Glied der Parabase ein Anhang der Anapäste ist, Anhängsel an die Epirreme, in denen die Gegner in beschleunigtem Tempo ihre letzten Trümpfe auszuspielen pflegen. Sie sind stets im Versgesehlecht des zugehörigen Epirrems gehalten, also anapästische oder jambische Systeme. Häufig gehören sie ganz einem Sprecher (Wesp.; Vög.; Ekkles.; Wol. I Pnig. 1009–1028, II Pnig. 1386–1390), häufiger sind sie auf zwei (Ritt. II; 20 Frö.; Wol. I Antipn. 1089–1104, II Antipn. 1445 –1451; Lys. Pnig. 532–538, s. Suess a. a. O. 15ff.) oder gar drei (Ritt. I; Lys. Antipn. 599–607; Plut. 598–618) Sprecher verteilt.

Die Formen des Agons sind weniger leicht zu fassen als die der Parabase, weil sie veränderlicher sind, aber die Grundlinien stehen doch fest: Zweimaliger Gesang des Chors, zweimalige Aufforderung des Chorführers zum Sprechen, zweimalige lange Streitrede in anapästischen oder iambischen 30 Langversen mit Abschluß durch ein System desselben Versgeschlechts.

Vollständige Agone finden sich bei Aristopha-nes acht, Wespen, Vögel, Lysistrate, Frösche haben je einen, Ritter und Wolken je zwei. Dazu kommen zwei verkümmerte Agone in den Ekklesiazusen und dem Plutos, denen beiden das im Grunde Wichtigste, die epirrematische Gliederung fehlt; in den Ekklesiazusen 571–710 haben wir Ode, Katakeleusmos, Epirrema, Pnigos, die Gegen-40 stücke fehlen, im Plutos 487–618 ist auch die Ode fortgefallen, nur Katakeleusmos, Epirrema, Pnigos übrig geblieben. Diese Verkümmerung des Agons in den beiden jüngsten Stücken entspricht der schon im Frieden einsetzenden Verkümmerung der Parabase und würde durchaus nicht hindern, den Agon mit Zielinski (a. O. 33) für einen unvermeidlichen Bestandteil der altattischen Gedanken-K.‘ anzusehen. Aber die Unvermeidlichkeit des Agons für die alte K. wird widerlegt durch 50 die Tatsache, daß unsere älteste und altertümlichste K., die Acharner, ferner der Frieden und die Thesmophoriazusen keinen Agon enthalten. Zielinskis verzweifelte Bemühungen, dies Fehlen durch Annahme von Bearbeitungen der Acharner und Thesmophoriazusen und durch Stempelung des Friedens zum Weihefestspiel zu erklären, sind ebenso hoffnungslos gescheitert, wie die Versuche in den Acharnern und Frieden doch einen Agon zu entdecken, der nur aus besondern politischen Grün-60 den nicht die übliche Form habe (Mazon 24ff. 86ff., dagegen gut Suess 26ff.). So bleibt der Agon ein sehr wichtiges, aber nicht das ausschlaggebende Element für den Bau der alten attischen K. Der Versuch Sieckmanns (De com. Att. prim., Gott. 1906, 16ff.), ihn als die Grundform der K. Epicharms zu erweisen, ist schon deshalb verfehlt, weil Epieharm keinen Chor hatte (s. Suess Berl. philol. Wochenschr. 1907, 1377ff.), ich möchte [1251] im Agon vielmehr den ersten attischen Versuch sehen, Chor und Schauspieler in eine engere Verbindung zu bringen, und glaube nicht, daß, wie Sieckmann will, die Parabase ihre epi Trema, tische Gliederung dem Agon verdankt, sondern umgekehrt, daß der epirrematische Bau der Parabase dem Agon zum Muster diente (s. Jahresber. CLII 243f.).

Ein weiteres für den Bau der alten K. sehr wichtiges Element sind die Gruppen locker aneinander gereihter Episoden, deren Bedeutung zuerst Poppelreuter gewürdigt und deren formale Bedingungen dann besonders Sieck-mann (a. a. O.) und Suess (Rh. Mus. LXIII 12ff.) genauer untersucht haben. In den meisten Aristophanischen Stücken finden wir Gruppen von Szenen, in denen eine komische Hauptperson eine Reihe anderer Figuren, die sich mit Wünschen oder Drohungen an sie herandrängen, der Reihe nach mit Worten und Prügeln abtut. Die einzelnen Widersacher haben miteinander nichts zu schaffen, ihre Reihe kann beliebig verlängert oder verkürzt werden, von einem Fortschritt der Handlung ist keine Rede. Diese Technik ist für niedere volkstümliche Komik charakteristisch und lebt noch heute in unsern Kasperlespielen. Diese Szenen haben meist (Acharner, Wespen, Frieden, Vögel) ihren Platz hinter der Parabase und malen den Zustand aus, der durch den Abschluß der Haupthandlung erreicht ist, nur in den Vögeln setzt hinter den Episoden die Handlung noch einmal kräftig ein. An sich kann der Dichter solche Episodenreihen aber auch an andern Stellen des Stückes anbringen, in den Fröschen haben wir im wesentlichen gleichartige Szenen vor der Parabase, und auch die Euripidesepisode in den Acharnern (397 –489), die Begegnungen des Trygaios mit Hermes (Frie. 180–235) und Polemos (236–300) stehen ihnen nahe, wenn auch hier die Beziehung zur Handlung besser gewahrt ist. Sehr wichtig ist nun, daß, wie besonders Sieckmann und Mazon beobachtet haben, in allem Formalen die epirrematisch gegliederten Agone und mit ihnen eng zusammenhängende Szenengruppen, die Mazon scènes de bataille nennt, auf der einen Seite, die burlesken Episoden auf der andern scharf geschieden sind. In jenen herrscht der Langvers, und der Chor ist eng mit der Handlung verbunden, in diesen herrscht der iambische Trimeter, der Chor ist unbeteiligt und singt zwischen den Szenen Stasima. Nur in Trimeterszenen treten neue Personen auf, weil der Agon seiner Natur nach auf die beiden Kämpfer und den beide ironisierenden Spaßmacher beschränkt ist, nur in ihnen finden sich Einlagen von Versen anderer Gattung, anapästische Systeme, Skolien, Monodien, Orakel. Dem Chor und seinem Führer ist der Trimeter ursprünglich so fremd, daß meist, sobald der Chorführer in Trimeterszenen eingreift, Langverse einsetzen (s. Frie. 427. 508. 556; Vög. 658; Lys. 467; Thesm. 381; Ekkles. 514); allerdings gilt das Gesetz, daß der Chorführer die Trimeter meidet, auch für die älteren Stücke des Aristo-phanes nicht so unbedingt wie Sieckmann meint (s. Jahresber. CLII 241f.). Dies Nebeneinander zweier verschiedener Kompositionsarten mit verschiedenen metrischen Formen spiegelt wohl verschiedene Stufen der ersten Entwicklung [1252] der K. wieder: Die burlesken Trimeterszenen sind der Niederschlag einer Zeit, als der attische Chor unverbunden und unvermittelt zwischen den Possen der dorischen Spaßmacher seine Liedchen sang, die Agonszenen, und was sich ihnen anschließt, bedeuten den ersten Versuch, Chor und Schauspieler organisch zu verbinden.

Noch an drei bedeutungsvollen Stellen der K. läßt sich die Ausbildung fester typischer Formen beobachten. Am deutlichsten am Schluß, in der Exodos (s. W. Süss Rh. Mus. LXV 450 und W. Kunst Studien zur griech.-röm. K.). Alle Stücke mit Ausnahme der Wolken, denen die Neubearbeitung in der Verbrennung der Grüblerbude einen fast tragischen Abschluß gab, und der Thesmophoriazusen, wo nach dem Davonlaufen der Schauspieler (1209. 1225) der Chor ziemlich nüchtern erklärt, der Scherz sei aus 1228 ὤσθ’ ὤρα δὴ 'ἄτι βαδίζειν οἰκαδ¹ ἔκαστη enden mit dem jubelnden Abzug des Chors und der Hauptperson. Bald geht es zur Hochzeit (Frieden, Vögel, ähnlich auch Lysistrate) bald zum Festmahl und Trinkgelage (Acharner, Ritter, wo der Schluß freilich fehlt, Ekklesiazusen, kaum anders Wespen), oder es wird der siegende Tragiker zum Reich des Lichts, der Gott des Reichtums an seinen alten Wohnsitz zurückgeleitet, immer ist es ein Komos, ein Schwarm freudig bewegter Menschen, die sich ganz dem Rausch der Lust hingeben. Nirgends ist die Aristophanische K. ihrem Namen treuer als in diesen Schlußszenen.

Viel weniger gleichmäßig und fest umrissen ist das Bild der Parodos, der Einzugsszene des Chors. Eine Parodos wurde erst nötig, als die Parabase ihre ursprüngliche Bedeutung als Eröffnung des Spiels (s. o. S. 1247f.) eingebüßt hatte. Durchgängig erfolgt der Einzug des Chors ziemlich spat, nachdem die Zuschauer über Voraussetzungen und Ziel des Stücks bereits aufgeklärt 40 sind und die Handlung in vollem Gange ist. Der Chor greift bei seinem Erscheinen sofort mehr oder minder lebhaft in die Handlung ein und nimmt in den älteren Stücken für oder gegen den (oder einen der) Schauspieler entschieden Partei (Acharner, Ritter, Wespen, Frieden, Vögel, Lysistrate), daraus entwickeln sich dann die, oft zum Agon überleitenden Kampfszenen (Acharner, Ritter, Wespen, Vögel, Lysistrate), die von lebhaften Rhythmen beherrscht zu sein pflegen.

Typischer ist wieder das Bild des Prologos, des Teils vor dem Erscheinen des Chors. In ihm spielt, wie Suess (Rh. Mus. LXIII 12ff.) gut gezeigt hat, der Bomolochos die Hauptrolle. Allein (Acharner, Wolken, wo der schlafende Pheidippides zunächst nicht zu rechnen ist) oder häufiger mit einem Gefährten (Ritter, Wespen, Frieden, Vögel, Frösche) gibt er die Exposition, in den älteren Stücken meist mit direkter Wendung an die Zuschauer (Ritt. 36ff.; Wesp. 54ff.; Frie. 43ff.; Vög.30ff.). Diese, die Illusion absichtlich durchbrechende Anrede der Zuschauer im Beginn des Spiels ist bis auf den heutigen Tag in der Volksposse (Kasperle- und Hänneschentheater) beliebt und ein sicheres Zeugnis, daß man die Einwirkung der Tragödie auf den K.-Prolog nicht überschätzen darf, wie es Frantz (De com. Att. prologis, Straßb. 1891) tut. Daß eine solche Beeinflussung jedoch stattfand, scheint mir im Gegensatz [1253] zu Suess (a. a, O. 13) sicher, sie ist ganz unverkennbar in dem tragisch stilisierten Ein* gangsmonolog der Ekklesiazusen, aber auch schon in den Prologen der Acharner, Wolken, Thesmophoriazusen zu spüren.

So lassen sich eine ganze Reihe von Bausteinen, die für den Bau der alten K. wichtig sind, in den Stücken des Aristophanes erkennen, Parabase, Agon, burleske Trimeterszenen, Schlußkomos, Paro-dos, Prolog, aber ein aussichtsloses Beginnen, an 1 dem neuerdings wieder Mazon (a. a. O. 170ff.), Navarre (Rev. des Ét. anc. XIII Ifi.) und Romagnoli (Stud, Ital. di filol. dass. XIII 83H.) gescheitert sind (s. Jahresber. CLII 284f. und OLXXIV 107f.), ist es, aus diesen Elementen nun ein Normalschema der Aristophanischen K. herstellen zu wollen. Der Dichter schaltet mit den überkommenen Elementen durchaus frei, kraft seiner dichterischen Genialität. Er kann ein ganzes Stück unter Verzicht auf die burlesken Episodenreihen wesentlich auf die Form des wiederholten Agons aufbauen (Ritter), er kann umgekehrt den Agon ganz beiseite lassen und den episodischen Szenen einen breiten Raum gönnen (Acharner, Frieden), er kann beide Kompositionsarten verbinden (Wespen, Vögel, Frösche), er kann den Schwerpunkt des Stückes vor die Parabase legen (Acharner, Wespen, Frieden), er kann die Handlung hinter der Parabase von neuem aufnehmen (Ritter, Wolken, Vogel), oder sogar das i Hauptgewicht des Stücks in den Teil nach der Parabase verschieben (Frösche), alles ganz wie es ihm beliebt. Ein Element, das bei den modernen Analysen der alten K. meist zu kurz kommt (auch bei Suess a. a. O.), ist die Handlung. Die Tatsache, daß Aristophanes auf ein gleichmäßiges planvolles Fortschreiten der Handlung namentlich in den früheren Stücken, aber auch in den Fröschen, geringen Wert legt, ist ja offenkundig, aber ebenso unbestritten ist es, daß er sich von Anfang an be- müht, seine komischen Ideen in Handlung umzusetzen, und daß ihm die Durchführung der Handlung immer wichtiger wird. Schon Kratinos, der Aischylos der K. (Anon. π. κωμ. 6, CGFI 7 Kaib.), hatte sich bemüht, seinen frei erfundenen Stücken Handlung zu geben, aber wir werden es Platonios π. δίαῳ. κωμ. CGF I 6 Kaib.) gern glauben, daß ihm dies nur unvollkommen glückte ἔνατοχος δὲ ὧν ἐν ταῖς ἐπιβολαῖς τῶν δραμάτων καὶ διασκευαῖς εἰτὰ προιῶν καὶ διαοπῶν τὰς ὑποθέοείζ οὐκ ἀκοΛούθως πληροὶ τὰ δράματα. Aristophanes führt Kratinos' Werk fort. Auch auf Stücke wie Acharner, Wespen, Frieden trifft Platonios’ Urteil über den älteren Komiker noch zu, aber der Dichter macht immer neue Versuche, die bunte Masse der Kompositionselemente enger zu verschmelzen. In den Rittern gelingt ihm die Einheitlichkeit schon ziemlich gut, aber auf Kosten der Mannigfaltigkeit, in den Vögeln endlich glückt es ihm, den ganzen Reichtum überkommener Motive und Formen für eine bis zum Schluß spannende einheitliche Handlung anszunutzen, aber er muß dabei dem eigentlichen Wesen der Parabase Gewalt antun. In den späteren Stücken, etwa mit Ausnahme der in vièler Hinsicht altertümlichen Frösche, läßt er die alten komischen Kompositionselemente, Parabase und Agon, verkümmern und erzielt dafür eine geschlossenere Handlung. In den Mythenparodien [1254] war, wie wir aus den Fragmenten der Ὀδυσοῆς und der Hypothesis des Διονυοαλίξανδρος sehen, die Handlung schon bei Kratinos viel entwickelter, hier war sie dem Dichter ja schon durch Epos oder Mythos in den Hauptzügen gegeben, und je häufiger die K. sich in ihren Travestien an die Tragödie anschloß, um so stärker mußte auch deren Art, die Handlung zu führen, den Bau der K. beeinflussen. Dieser Einfluß griS von den Tra-0 vestien auch auf die K. mit frei erfundener Handlung über und ist bei Aristophanes zuerst in den Thesmophoriazusen stark zu spüren.

4. Metrik und Sprache.

Die alte attische K. hat ihre gesprochenen Hauptverse, den ana-pästischen und trochäischen Tetrameter sowie den iambischen Trimeter, der sizilischen K. Epicharms entnommen (s. o. S. 1224f.). Die ältere Generation bis etwa zum Beginn des peloponnesischen Kriegs folgt dem sizilischen Dichter, wie Pasquali SO (Acad, dei Line. XVI 3, 79ß.) beobachtet hat, im Bau des iambischen Trimeters auch insofern, als sie, soweit die Fragmente ein Urteil gestatten, den Anapäst im Versinnern auf Eigennamen beschränkt. Wichtig ist, daß sie von ihm die volle Freiheit des Personenwechsels, auch des mehrfachen, in den gesprochenen Versen übernommen hat. Nicht bei Epicharm nachweisbar ist von den häufigeren Sprechversen der alten K. nur der für den Agon so wichtige (s. o. S. 1249) iambische Tetrameter. JO Auffallend ist, daß sich auch päonische Tetrameter als gesprochene Verse finden (Ar. Wesp. 1275S., wohl auch frg. 333 und Eup. frg. 160; s. o. S. 1247; falsch White The verse of greek com. § 439), Weniger auffallend, weil aus parodischen Absichten erklärlich, ist die Verwendung des daktylischen Hexameters im Dialog, nicht nur einzeln oder in kleinen Gruppen (s. White § 3463.), sondern in ganzen Szenen (Ar. Frie. 1063–1114 und 1270–1283), wo dann ein- oder mehrmaliger 40 (Frie. 1066) Personenwechsel ebenso unbedenklich zugelassen wird wie in den andern Sprechversen. Uber den unabsehbaren Reichtum von melischen Versen der alten K. unterrichtet jetzt bequem das Buch von White The verse of greek comedy. Es gibt kaum eine Versart, von den einfachsten bis zu den künstlichsten, die nicht in der K. vorkäme, sei es zur Parodie, sei es zu eigenen Zwecken. Hervorzuheben ist die starke Bevorzugung päonischer Strophen, die namentlich Aristophanes' älteren Stücken eigen ist. Die metrisch-rhythmische Kunst des Aristophanes steht der der Tragiker durchaus nicht nach, als ein Glanzstück nenne ich die Her-beirufung der Vögel durch den Wiedehopf (Vög. 227–262), aber in der Reponsion erlaubt er sich Freiheiten, die in der Tragödie unerhört sind. Wie v. Wilamowitz wiederholt (zuletzt S.-Ber. Akad. Berl. 1911, 526ff.) nachgewiesen hat, entsprechen sich nicht selten nur die Anfänge von Strophe und Gegenstrophe genau, während die 60 Schlüsse ganz verschieden gestaltet sind, eine Tatsache, die in den Ausgaben durch gewaltsame Textänderungen verschleiert zu werden pflegt.

Die Sprache der alten K. hat wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit stets Bewunderung erregt, ganz vereinzelt steht der scharfe Tadel Plutarchs Arist. et Menan. comp. 1, 853 B. Den Attizisten der Kaiserzeit gilt sie als eine Hauptquelle für die Kenntnis des reinen Attisch, [1255] und dieser Wertschätzung verdanken wir die Erhaltung des lange Zeit stark zurückgedrängten Aristophanes (s. Herrn. XLVII 276f.) und eines großen Teils der Fragmente. Wenn der extreme Purist Phrynichos (Phot. bibl. cod. 158) die Dichter der alten K. auch nicht in den engsten Kreis der Auserwählten (Platon, Demosthenes, der Sokra-tiker Aischines) aufnimmt ov w οὐδ’ αὐτὸς ὁ Μωμος καταμεμψαιτό, so rechnet er doch Ἀρστοφάνην μετὰ τοῦ οἰκείου, ἐν οἷς ἄττικιζονσι, χορου 1 zu den κανόνες εἰλικρινοὺς καὶ καθαρου καὶ ἀττικου λόγου , Und zwar macht er da einen scharfen Schnitt, nur die alte K. ist mustergültig, schon Dichter der mittleren, wie Alkaios (Ecl. 225 Lobeck), Antiphanes (Ecl. 333), Eubulos (Ecl, 338) und besonders Alexis (Ecl. 242. 339. 373) werden abgelehnt, und gar über Menander schüttet der eifrige Pedant die volle Schale seines Zorns immer wieder aus (bes. Ecl. 418 und 433 πόθεν Μένανδρος ὑνσσύρας τὸν τοσούτων ὀνομάτων συρφετόν 2 αἰσχύνεις τὴν πάτριον φωνήν;) der Unterschied in der Sprache der alten K. von der neuen trat also für scharfe Ohren sehr deutlich hervor. Wenn Phrynichos die Mustergültigkeit des Aristophanes und seiner Genossen auf die Teile ἐν οἷς ἀττικίζονσι beschränkt, so ist das ein für seine Zwecke sehr nötiger Zusatz, denn bei weitem nicht jedes Wort der alten K. ist attisch. Zunächst benutzt Aristophanes wie jede Volksposse sehr gern fremde Dialekte, die an sich auf sein Publikum komisch ί wirken, sei es daß er Vertreter anderer griechischer Stämme auftreten läßt, Megarer (Ach, 729ff.), Boioter (Ach. 8605.), Lakedaimonier (Lys. 815. und 9805.), oder radebrechende Barbaren vorführt (Ach. 1005.; Vög. 15725.; Thesm. 10015.), sei es, daß er nur einzelne Sätze in anderem Dialekt einmischt (Frie. 47). Sodann sind alle Chorlieder, der Geschichte des Chorgesangs entsprechend, durchsetzt mit in Laut- und Formbildung nichtattischen Elementen (s. Hoffmann Gesch. der -griech. Sprache² 1345.), auch in den Anapästen sind nichtattische Formen häufiger als in den iam-bischen und trochäischen Versen (Hoffmann 135f.). Weiter aber zwingt die von der alten K. so virtuos gehandhabte Parodie beständig zur Aufnahme von Wörtern und Formen aus der epischen, lyrischen und tragischen Poesie (s. Rutherford The New Phrynichos 325. = Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 3835. E. W. Hope The language of parody, Baltimore 1906). In der Annahme parodischer Absichten bei Anwendung weniger gebräuchlicher Formen geht allerdings Rutherford mitunter zu weit, unleugbar hat Aristophanes auch aus metrischen Gründen mitunter Formen gewählt, die der attischen Umgangsprache wenig oder gar nicht geläufig waren (s. Hoffmann 1295. Sachtschal De com. Graec. serm. metro accomm., Breslau 1908); daß gewisse Formen dem metrischen Zwang ihre Anwendung verdanken, erkennt selbst Phrynichos (Ecl. 158 s. ol ἤρως) an. Endlich finden sich bei Aristophanes auch einzelne Wörter, wie das vom dorischen τυννος abgeleitete τυννοντος (Ach. 369; Ritt. 1220; Wol. 392. 878; Thesm. 745; Frö. 139) oder σιδάρεος für eine byzantinische Münze (Wol. 249; vgl. Plat. frg. 96), die aus andern Dialekten wohl in die Volkssprache, aber nicht in die Schriftsprache Athens Übernommen worden sind (Hoffmann [1256] 129). Nach Vornahme dieser nicht unerheblichen Abstriche bleibt aber bestehen, daß wir die lebendige attische Sprache in keiner Literaturgat-tung so rein und so reich vor uns haben wie in der alten K., besonders bei Aristophanes. Erstaunlich groß ist die Fülle der attischen Wörter, die wir nur aus der alten K. kennen (s. JungiusDe vocab. ant. com. att. quae apud soi. com. aut omn. inveniuntur aut pecul. notione praed. oceur-0 runt, Utrecht 1897). Das erklärt sich zum Teil aus dem Stoff, die Komiker hatten ungleich mehr Anlaß als die Redner, Historiker und Philosophen, die Fülle der Gegenstände des täglichen Lebens in Haus und Küche, Markt und Feld, die Ausdrücke für Nahrung, Kleidung, Handwerk, Landbau, Tierwelt zu erwähnen, und das Gebiet der Zote im weitesten Sinne ist ihre eigenste Domäne. Dazu kommt aber die fast schrankenlose Freiheit in der Bildung neuer Wörter und Formen, die vielfach 10 Neigungen der niederen Volkssprache entgegenkommt z. B. in der Vorliebe für Deminutive und für desiderative Verben, wie μαβτιγιαν, οἰβυλλιάν, σκοτοβινιάν, χεζητιάν, auch wohl für kühne Komparativformen wie ἀπτότατο?, ὀπτότατος, προτεραίτερος, γαστρίατερος. Der Dichter kann zu jedem Maskulinum ein Femininum bilden, wie μαγείραινα, κηρνκαινά, Ἰχθυοπώλαινα, ὀκρατηγίς, συκοφάντρία, er ist unbeschränkt in der Neubildung denominativer Verben wie αἰγιάζειν, δημίζειν, λυδίθζεινsub1λsub ψηνίζειν, oder Analogiebildungen zu Patro-nymen wie μισθαρχίδης, ἀπονδαρχίδης, στρατωνίδης, vor allem aber ist die Phantasie der alten Komiker unerschöpflich in der Schaffung neuer Komposita, von den einfachsten bis zu Wortungeheuern wie μελισιδωναφρυνιχήρατα (Ar. Wesp. 220), ὈΛερμαγοραίολεκθολαχανοπώλιδες (Ar. Lys. 457) oder dem 79 Silben zahlenden Festgericht am Schluß der Ekklesiazusen (1169ff.). Eigennamen werden mit größter Freiheit zur Bildung von neuen Namen (Διοννααλεξανδρος, ἌΙολοσΙκων), von Substantiven (κομηταμυνίας), Adjektiven (μισολάμαχος, πολεμολαμαχαῖκός), Adverbien (κομψευριπικώζ) und Verben (ἐνριθδαριστοφανίζειν, μελλοvixiäv) benutzt.

Die mittlere Komödie.

Ob die Scheidung einer mittleren K. von der alten und neuen berechtigt und zweckmäßig sei, ist in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. bezweifelt worden. Fielitz lehnte in seiner Dissertation De com. Att. bipartite, Bonn 501866 diese Scheidung als eine Grammatikererfindung hadrianischer Zeit, von der die gute antike Gelehrsamkeit nichts wisse, ab, und Kock stimmte ihm in der Einleitung des zweiten Bandes seiner CAF S. 12f. rückhaltlos zu, bezeichnete diesen Band auch ausdrücklich als novae comoediae fragmenta pars 1. Gegen Kock und seinen Gewährsmann Fielitz haben sofort Crusius (PhiloL XLVI 606) und Kaibel (Herm. XXIV 57ff.) die Existenzberechtigung der mittleren 60 K, nachdrücklich verteidigt, und neuerdings hat Ph. Legrandin seinem Daos (S. 4ff.) der Frage noch einmal eine gründliche Untersuchung gewidmet. Richtig ist, daß nicht überall von einer mittleren K. die Rede ist, wo alte und neue K. einander gegenüber gestellt werden. Abgesehen von Aristoteles, der die via von der μίση gar nicht scheiden konnte, weil die Wirksamkeit Menanders, des Meisters der via, erst nach seinem Tode beginnt, [1257] und der naturgemäß die K. seiner Zeit als χαινή der παλαω. gegenüberstellt (Eth. Nik. IV 14, 1128 a 22), finden wir die μίση nicht berücksichtigt bei Vell. Patercul. I 16, 3. Quintil. inst. or. X 1? 65–72. Dion. or. XVm 6. Plut. quaest. conv. VII 8, 8 (712 A), Tzetz. (Pa, 17f. Kaib.). Velleius, Quintilian, Dion und Plutarch hatten keinen Anlaß, die μέση zu erwähnen, da sie nur Höhepunkte der Literatur anführen, und keiner der Dichter der mittleren K. es zum Range eines anerkannten Klassikers gebracht hat, und wenn Tzetzes die Blüte der alten K. in die Zeit des peloponnesischen Kriegs, die der neuen unter Alexander setzt, so muß doch auch für ihn oder seine Quelle etwas zwischen diesen Zeitpunkten gelegen haben; vielleicht kann man also in dem vorangehenden Satz .καὶ πάλιν καθ ἐτέραν διαίρεσιν τῆς κωμωδίας τὸ μὲν ἐστιν ἀρχαῖον, τὸ δὲ νέον, τδ δὲ μέσον die drei letzten von Meineke und Kaibel gestrichenen Worte ruhig stehen lassen, wenn auch Tzetzes von der μέση nichts zu sagen weiß. Fielitz hat richtig beobachtet, daß die erhaltenen Autoren, welche die μέση nennen, M. Antoninus εἰς ἐαυτόν XI 6 (Stich), Apuleius fior. III 16 (wo Philemon der mittleren K. beigezählt wird), Pollux Athenaios, Platonios, der Anonymus π, κ. 2 (S. 7 Kaib.), der tractatus Coislinianus (S. 53 Kaib.), die Dionysiosscholien (S. 15 Kaib.), Suidas, alle jünger sind als Hadrian, aber das gilt nicht von ihren Quellen, Der Athen. XI 482 c genannte Antiochos von Alexandreia, der περὶ τῶν ἐν τῆ μέση κωμωδίῳ κωμωδουμένων ποιμτῶν schrieb, läßt sich leider nicht sicher datieren (s. Steinhausen Κωμφδούμενοι 491.), aber seine Ansetzung in die Zeit der blühenden alexandrinischen Philologie ist wahrscheinlich, auch Schol. Arist. Plut. 515 wird schwerlich nachdidymeisch sein. Daß in Hadrianischer Zeit irgendwelche Grammatiker den Mut zu einer Neueinteilung der K. gehabt und diese durchgesetzt hätten, widerspricht allem, was wir vom Betrieb der antiken Philologie wissen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Dreiteilung der K. aus hellenistischer Zeit stammt und von den Autoren der Kaiserzeit einfach übernommen wurde, schon bei Horat. sat. H 3, 11 erkennt v. Wilamowitz Eur. Her. I¹ 134, 21 mit Recht die Dreiteilung vorausgesetzt. Die von Kaibel (Herm. XXIV 560.) angenommene perga-menische Zweiteilung neben der alexandrinischen Dreiteilung scheint mir unbeweisbar und wenig glaublich. Hätte es in den führenden Grammatikerschulen einen Gegensatz in der Einteilung der K. gegeben, so müßte man erwarten, Dichter der μέση auch als Dichter der νέα zitiert zu finden, das ist aber nicht der Fall. Wenn nach Athen. XIV 662 f Dorotheos von Askalon eine Untersuchung schrieb Περὶ Ἀντιφάνους καὶ περὶ τῆς παρὰ τοῖς νεωτέροις κωμικοῖς ματτυης, so folgt daraus mit nichten, daß er Antiphanes zur νέα rechnete, und die von Fielitz (a. a. O. 46f.) stark betonte Tatsache, daß Harpokration s. ὄρνιΦευτης Nikostratos als Dichter der νέα nennt, während er nach Apollodor (Schol. Plat. apol. 19 C) Sohn des Aristophanee war, hat sich einfach aufgeklärt, seit wir in der Lenäenliste (Wilhelm Urk. 123) einen Nikostratos zwei Stellen hinter Diphiloe, fünf hinter Menander verzeichnet sehen, der von dem Dichter der μέση (Breitenbach [1258] De genere quodam fit. corn. Att. 44f.) zu scheiden ist.

Auch über den Sinn der Bezeichnung, mittlere K., bestehen Zweifel, v. Wilamowitz (Eur. Her. I¹ 134, 21 und De tribus carm. lat., Ind. schol. Gott. 1893/4, 24) meint, die Scheidung sei ursprünglich nur begrifflich, nicht zeitlich gewesen, weil Platon (Horat. sat. II 3, 11. Schol. Dion, p. 15 Kalb.) so gut wie Alexis zu ihr gerechnet werde. Ich glaube mit Legrand (Daos 5ff,)) daß von vornherein die zeitliche Scheidung neben der begrifflichen einherging, Platon, dessen Stoffe zum Teil, freilich nur zum Teil, dem Lieblingsgebiet der μέση angehören, reichte weit genug ins 4. Jhdt. hinab, um auch zeitlich seine Zurechnung zu ihr allenfalls zu rechtfertigen (doch wird er auch zur ἀρχαία gezählt, s. Dion. Prus. or. XXXIII 9. Lat. Est. S. 10 Kaib. Tzetz. Pb 25 S. 21 Kaib.; Ma 16 S. 28 Kaib.; Prolog, ad Lyc. S. 34 Kaib.; 20 στιχ. π, διαφ. not. 84), und Alexis hat bei seiner ungewöhnlich langen Lebensdauer zwar die ganze Blüte der νέα mit durchlebt (s. o. Bd. I S. 1468), aber er hatte bei ihrem Beginn schon eine lange erfolgreiche Dichterlaufbahn hinter sich, an den Dionysien siegt er 347 (Wilhelm Urk. 25) und in der Lenäenliste (Wilhelm Urk. 123) steht er 15 Stellen vorMenander, 18 vor Diphilos. Wenn selbst Kratinos’ Odysses bei Platonios περὶ διαφ. κωμ. 7 (S. 4 Kaib.) der μέση zugeteilt sind, so ist 30 das ein Verlegenheitsausweg des Grammatikers, der dies Stück nicht mit seiner Definition der ἀρχαία vereinigen konnte. Mit dem selbstverständlichen Vorbehalt, daß eine neue Stilart in der Dichtung nicht plötzlich an Stelle einer andern tritt, daß sie sich allmählich durchsetzt, und die alte anfangs noch neben ihr mit schwindender Kraft fortlebt, wird man die Dauer der μέση vom Ende des peloponnesischen Kriegs bis zum Aufkommen Menanders, also rund 400–320 ansetzen dürfen. 40 Wichtiger aber als die zeitliche ist die stilistische Abgrenzung der μέση gegen die politische K. des Aristophanes einerseits und die Charakter-K. des Menander anderseits, auch hier sind die Grenzen nicht immer scharf zu ziehen. Die antiken Traktate von Platonios bis Tzetzes geben sehr wenig aus, denn ihnen liegt, wie Kaibel (Abh. Gott. Ges. N. F. II 4, 1898, 49) gezeigt hat, eine sehr alte Theorie zugrunde, die Menanders K. noch nicht berücksichtigte, also nur wie Aristoteles die K. des 50 5. der des 4. Jhdts. entgegenstellte, so daß die eigentliche νέα in den Traktaten nur oberflächlich angeflickt ist. Als ein Hauptunterschied der μέση von der ἀρχαία gilt seit Platonios π. διαφ. κωμ. (S. 4 Kaib.) der Fortfall des Chors, aber in dieser Form ist der Satz falsch, die attische K. hat den Chor niemals ganz abschütteln können, weil er der ideale Repräsentant der Gemeinde im Dio-nysosdienst, der offizielle Träger des Sieges war (s. N. Jahrb. ΣΠ 1900, 81ff.): Aischines I 157 er-60 wähnt eine K.-Aufführung im J. 345, in der ein Schauspieler zum Chor in Anapästen spricht. Aristoteles (Pol. III 3, 1276 b 4) setzt den Chor in seiner Zeit für die K. so gut wie für die Tragödie voraus, inschriftlich kennen wir K.-Chöre aus der ernten Häflte des 3. Jhdts. in Delos (Bull. hell. XIV 1890, 396 vom J. 279) und Delphi (Wescher-Foucart Inscr. de Delphes 3–6) und die Papyri bestätigen immer von neuem, daß [1259] auch die K. Menanders Chore, wenn auch noch so locker eingefügte, besaß (Körte Henn. XLIII 39ff. und 2991 Leo ebd. 166S. und 3081). Richtig aber ist, daß die fortschreitende Verkümmerung des Chors für die ganze Komposition der μέση von großer Bedeutung wurde. Diese Verkümmerung ist in Aristophanes’ Ekklesiazusen, wenn man sie mit den 13 Jahre älteren Fröschen vergleicht, schon weit fortgeschritten und im Plutos ist in der Tat nur noch ein Schatten des 10 alten Chors vorhanden: Er zieht 257ff. mit iambi-schen Tetrametern ein und singt dann ein parodisches Duett mit Karion (290–315), in dem der Schauspieler die Führung hat. Weitere Chorlieder sind im Text nicht erhalten, der Chor spricht nur einige Trimeter zu Chremylos (328–331), eröffnet den Agon der Penia mit dem Katakeleusmos (487f.), begrüßt Karion nach der Heilung des Plutos mit zwei Trimetern (631f.) und einigen Dochmien (637 und 639f.), richtet noch einmal 20 zwei Trimeter an eine Alte (962f.) und schließt das Stück mit zwei anapästischen Tetrametern (12CSf.), seine ganze RoÜe beträgt noch nicht 50 Verse, darunter nur 13 gesungene. Tatsächlich war der Anteil des Chors an der Aufführung größer, denn wir finden nach v, 321. 626. 770. 958 die Notiz χορου, oder χομμάτιον χορου (770), und vor v. 321 wird eine Leistung des Chors durch Karion (316f.) ausdrücklich angekündigt. Diese Notiz χορου findet sich zuerst Ar. Wol. 888 und 3( wird hier die Bedeutung haben, daß ein von dem Dichter bei der zweiten Bearbeitung geplantes Chorlied nicht ausgeführt worden ist. In den Ekklesiazusen 729 und 876 hat sie dann den gleichen Sinn wie im Plutos, d. h. der Chor hat hier bei der Aufführung ein Lied gesungen, das eine für die Handlung vorausgesetzte Zeitlücke überbrückt (s. bes. Plut. 626), aber der Dichter legte keinen Wert darauf, dies ἐμβόλιμον mitzuteilen. Da der Glaube unausrottbar scheint (v. W1 - 4i lamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1918, 745), in diesen Fällen habe der Chor wortlos zur Flöte getanzt, möchte ich noch einmal (s. Herm. XLIII 40f. und Legrand Daos 425f.) betonen, daß es für wortlose Chortänze im Drama kein antikes Zeugnis gibt, daß Platon Legg. II 654 B sagt χορεία γὲ μὴν QVlº Tf καλsupθ Φθὴ supτλsup° ξὺνολὸν ἴστιν, daß nach Philodem (π. μονά. S. 70 ed. Kemke) der Tanz im Drama früher wegfiel als der Gesang, und daß auch die gedruckten Texte altfranzösischer 5 Farcen nicht selten den Vermerk ,ils chantent‘, ,un chanson pour dire adieu¹ enthalten, ohne daß die Liedtexte mitgeteilt werden. Die Übung, die wir im Plutos finden, die ἐμβόλιμα des Chors bei der Buchausgabe fortzulassen und nur durch die Notiz χορου anzudeuten, ist von den späteren Dichtern dauernd beibehalten worden. Was wir früher nur aus einer verwirrten Notiz der Aristo-phanesvita (XI in Dübners Ausgabe der Aristo-phanesscholien) und einer noch unklareren Bemer- ( kung desEuanthius de com. (S. 64f,Kaib.) schließen konnten, haben jetzt eine Fülle von Papyri für Menander und andere Komiker bestätigt, und auch für die nachklassische Tragödie haben die Papyri zwei Beispiele der gleichen Art ergeben (s. Arch. f. Pap. V 1918, 570).

Im Plutos ist bereits im wesentlichen der für die μίση charakteristische Standpunkt der Chorbehandlung [1260] erreicht, Lieder des Chore werden nur ausnahmsweise in die Buchausgabe aufgenommen, aber der Chor ist noch mit der Handlung verbunden und sein Führer greift gelegentlich mit ein paar Versen in sie ein. Von großem Werte ist es, daß wir genau dieselbe Chorverwendung in einem neuen Berliner Papyrus des 3. Jhdts. v. Chr. finden, den der Herausgeber v. Wilamowitz (S.-Ber. Akad. Berl. 1918, 746) mit großer Wahrscheinlichkeit Alexis zuweist; der v. 18 mit ἄνδρες angeredete Chor beteiligt sich v. 24f. an der Handlung, und auf einem kleinen gesonderten Fetzen derselben Handschrift steht die Notiz χο]ρου. Das verbindet Aristophanes* Plutos noch fester mit der μέση. Wenn der Chor noch in die Handlung einbezogen ist (vgl. auch Timokles frg. 25 und Henio-chos frg. 5), hat es der Dichter in der Hand, auch einmal ein Chorlied nach alter Art zu gestalten und bei der Buchausgabe mit zu veröffentlichen. Schon Meineke hat Hist. crit. 302 einige in lyrischen Maßen gehaltene Fragmente der μέση für Chorlieder in Anspruch genommen, besonders frg. 104 und 105 K. aus den θτεφανοπώλιδες des Eubulos, die in der Tat für einen Chor von Kranzhändlerinnen vorzüglich passen, ferner frg. 12 und 13 K. aus der Kirke des Anaxilas, die auch aus einer Monodie stammen können, und das stark verderbte lange frg. 4 aus dem Φιλευριπίδης des Axionikos, dessen Zuweisung an den Chor noch) unsicherer ist. Ganz sicher einem Chor von Boio-tern gehören die Eupolideen aus dem Trophonios des Alexis frg. 237, die aber gesprochen sein werden und in ihrem Schluß v. ὁ γυμνούθθ αὐτοὺς θάττον ἄπαντες unmittelbar an die alten Parabasen erinnern. Aber das sind offenbar Ausnahmen, als Regel wird man annehmen dürfen, daß der Chor in der μέση zwar noch an der Handlung schwach beteiligt ist, daß aber der Dichter nichts Rechtes mehr mit ihm anzufangen weiß und auf seine ein-3 gelegten Lieder keinen Wert mehr legt. Das Entscheidende ist, der Chor hat vollständig aufgehört, Mundstück des Dichters und Hauptträger der Ἰαμβικὴ ἰδέα zu sein.

Aristoteles hebt besonders zwei Unterschiede der K. seiner Zeit, also der ausgereiften mittleren K., von der ἀρχαία hervor. Erstens ist sie anständiger, gesitteter geworden: Bei der Bestimmung des εὐτράπελος, desjenigen, der im Scherz die rechte Mitte hält zwischen dem Possenreißer 0 (βωμολόχος) und dem Scherzen unzugänglichen Griesgram (ἄγριος καὶ σκληρός) sagt er Eth. Nicona. IV 14, 1128 a 20 ἡ τοῦ ἐλευθερίου παιδιὰ διαφέρει τῆς τοῦ ἀνδραποδώδους, καὶ αυ τοῦ πεπαιδευμένου καὶ ἀπαίδευτου, ἴδοι Ô’ ἄν τις καὶ ἐκ τῶν κωμωδιῶν τῶν παλαιῶν καὶ τῶν καινῶν · τοῖς μὲν γὰρ ἤν γελοῖον ἡ αἰσχρολογία, τοῖς δὲ μάλλον ἡ ὑπόνοια · διαφέρει δ¹ ου μικρὸν ταῦτα πρὸς εὐσχημοσύνην. Der Zusammenhang zeigt, daß hier αἰσχρολογία den grob verletzenden Scherz, JO der die Zote nicht ausschließt, bezeichnet, und die Fragmente der μέση bestätigen Aristoteles’ Urteil. Von der urwüchsigen dionysischen Derbheit, mit der die alte K. auch die niedrigsten Mittel der Komik, vor allen die grobe Zote, zu verwenden liebt, macht sich die K. im 4. Jhdt, allmählich frei, sicherlich haben in Aristoteles* Zeit die komischen Schauspieler die alten dionysischen Requisiten Phallos und Dickbauch längst abgelegt. [1261] Weniger unbedingte Geltung hat die andere von Aristoteles betonte Verschiedenheit. Er hebt Poet. 9, 1451 b 5 hervor, die Poesie sei philosophischer als die Geschichte ὶ μὲν γὰρ ποίησις μάλλον τὰ καθόλου, ἡ δ* Ἰστορία νὰ καθ ἔκαστον λέγει, ἐστιν δὲ καθόλου μὲν, τῷ ποίῳ τὰ ποιά Sma συμβαίνει λέγειν ἡ πράττειν κατὰ τὸ εἰκδς ἡ τδ ἀναγκαῖον, ου στοχάζεται ἡ ποίησις ὀνόματα ἐπιτιθεμένη, τδ δὲ καθ ἔκαστον, τὶ Ἀλκιβιάδης ἔπραξεν ἡ τὶ ἔπαθεν. ἐπὶ μὲν ὄθν τῆς κωμφδίας ἤδη τούτο Κ δήλον γέγονεν · συστήσαντες γὰρ τδν μνθον ôta τῶν εἰκότων οὐτω τδ τυχόντα ὀνόματα ἐπιτιθέασιν καὶ οὐχ ὤσπερ οἱ ἴαμβοποιοι περὶ τδν καθ ἔκαστον ποιοῦσιν. ἐπὶ δὲ τῆς τραγωδίας τῶν γενομένων ὀνομάτων ἀντέχονται. Die Entwicklung von der persönlichen scharfen Verspottung des einzelnen lebenden Menschen zu der unpersönlichen Darstellung typischer Menschenklassen hat die griechische K, ja allerdings durchgemacht, aber sie. war in Aristoteles’ Zeit noch nicht ganz so 2 weit gediehen, wie man nach seinen Worten annehmen sollte. Auf den persönlichen Spott hat die μέση anscheinend sehr viel langsamer verzichten gelernt als auf die Zote. Platon hält es in den Gesetzen XI 935 E noch für nötig, mit sehr strengen Bestimmungen gegen das κωμφδειν einzuschreiten, Isokrates beklagt es 355 in der Rede π. εἰρήνης 14, daß wirkliche Redefreiheit von der herrschenden Demokratie nur den schlechten Demagogen in der Volksversammlung ἐν δὲ τῷ ὑεάτρῳ S τοῖς κωμφδιδασκάλοις gewährt werde, Aischines erwähnt I 157 im J. 345 persönliche sehr scharfe Angriffe in der K. wie etwas ganz Gewöhnliches. Dazu stimmen durchaus die Fragmente: Legrand (Daos 29, 1) stellt eine Liste von 124 Fragmenten der μέση zusammen, die teils harmlose, teils scharfe Angriffe auf Zeitgenossen enthalten; von Timokles, der in der Lenäenliste nur zwei Stellen vor Menander steht, kennen wir 19 Fragmente mit persönlichem Spott unter 42 Überhaupt bekannten. Zu beachten ist, daß Einzelangriffe sich sehr oft auch in den Mythentravestien finden (s. Anaxan-drides frg. 34. 45; Eubulos frg. 11; Philetairos frg. 2. 3; Kratinos frg. 8; Alexis frg. 135. 136. 157. 236; Timokles frg. 7. 12. 14–17. 30). Ganz besonders deutlich drückt sich das Fortleben der persönlichen Verspottung in den Titeln der μέση aus, Stücke, die nach lebenden Zeitgenossen benannt sind (s. o. S. 1242), werden nach 404 nicht seltener sondern häufiger als sie es zur Zeit des peloponne-sischen Kriegs waren. Breitenbach, der dieser Art der Titelgebung eine sehr sorgfältige und umsichtige Untersuchung gewidmet hat, berechnet (a. a. O. 171), daß in der alten K. etwa jedes elfte, in der mittleren jedes siebente Stück mit einem Eigennamen benannt sei, der einem lebenden Zeitgenossen gehöre, oder gehören könne; Sicherheit ist natürlich oft nicht zu gewinnen. Aber gerade diese Titel zeigen auch den starken inneren Abstand der μέση von der ἀρχαία. Nur ein einziger Titel des 4. Jhdts., der Δρωπίδης des Alexis (s. Breitenbach 47), läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen politisch hervortretenden Athener beziehen, bei ein paar andern (Antiphanes* ΛεπτινΙσκος, HeniochosΠολύευκτος, Philetairos* Κέφαλος) ißt solche Beziehung möglich, aber unsicher. Auswärtige Machthaber kommen zweimal vor, Eubulos schrieb einen Διονύσιος, [1262] Mnesimachos einen Φίλιππος und in beiden Fällen ist die Beziehung auf die Herrscher von Syrakus und Makedonien deutlich (s. Breitenbach 31L 365.). Der einzige Philosoph, nach dem ein K. benannt wird, ist Platon (Aristophon), auf Dichter ist kein Titel mit einiger Wahrscheinlichkeit zu beziehen (Breitenbach 46. 54), die Mehrzahl der Titelhelden sind, soweit die Namen für uns überhaupt etwas besagen, Lebemänner (wwl-) λος (?) des Nikostratos oder Philetairos, Ὀρεσταντοκλείδης des Timokles), Parasiten (Ἀνδροκλῆς des Sophilos, Μοσχίων des Kailikrates, Φοινικίδης des Straton), Köche (Νηρεύς des Anaxandrides und Anaxilas) und vor allem Hetären (Arrêta des Eunikos und Antiphanes, Κλεψύδρα des Eubulos, Νάννιον desselben Dichters, Νέαιρα des Timokles, Νεοττίς des Antiphanes, Eubulos und Anaxilas, Ὀπώρα des Alexis, Πλαγγῶν des Eubulos, Χρυσίς des Antiphanes). Diese Bevorzugung großer Kur-0 tisanen in den Titeln der Stücke ist sehr charakteristisch für das gründlich materiell gewordene athenische Publikum des 4. Jhdts. Vom Staat und seinen Führern mag man im Theater nichts hören, aber für Schlemmer und Schmarotzer, Fischhändler und Köche, vor allem aber für die gefeierten Hetären und ihre Opfer herrscht das lebhafteste Interesse. Die im 5. Jhdt. so leidenschaftlich ausgefochtenen Kämpfe über Poesie und Musik treten ebenfalls neben Essen, Trinken, Lieben ganz zurück, verhältnismäßig starke Berücksichtigung finden dagegen Platon samt seiner Schule und die Pythagoreer (Helm Lucian und Menipp 3755.).

Während also der persönliche Spott in der μέση zwar nicht verschwindet, aber an Umfang und innerer Bedeutung stark zurückgeht, treten zwei andere Sto5kreise, die seit Epicharm der K. geläufig, aber von der ἀρχαία nur nebenbei gepflegt waren (s. O. S. 1240f.), die Mythentravestie und die realistische Schilderung des täglichen 10 Lebens, nunmehr in den Vordergrund. In der Regel gelten die mythologischen Stücke als das eigenste Stoffgebiet der μέση (Grauert Rh. Mus. II 1828, 505. und 4995.), aber die Titel dieser Art nehmen doch keinen so breiten Raum unter den Werken der Dichter ein, wie man meist annimmt. Bei Eubulos betragen sie 27 von 55 bekannten Titeln, bei Anaxandrides 15 von 42, bei Anaxilas etwa 7 von 20, bei Antiphanes nur 26 von 134 (allerdings werden in dieser Gesamtzahl 50 auch Stücke des jüngeren Antiphanes stecken, s. Wilhelm Urk. 555.) bei Alexis, dessen Wirksamkeit freilich die Blütezeit der νέα mitumfaßt, gar nur 14 von rund 140. Unter diesen mythologischen Stücken muß man wiederum zwei Klassen unterscheiden: Die einen behandeln Sto5e, die der Tragödie fremd sind, parodieren also den Mythos direkt, dahin gehören z. B. von Antiphanes Ἀνθρωπογονία (O. P. III 427), Ἀσκληπιός, Ἀφροδίτης γοναί, Βούσειρις, Γανυμήδης, θεογονία, 6Q Κύκλωψ, von Eubulos Ἀγχίσης, Ἀμάλθεια, Γανυμήδης, Δευκαλίων, Κέρκωπες, von Alexis Λίνος, Σκίρων, Τροφώνιος, ferner die zahlreichen Stücke über Göttergeburten, deren Reihe HermipposἌθηνας γοναί eröffnet hatten, so Ἀρτέμιδος καὶ Ἀπόλλωνος γοναί (Philiskos), Ἀφροδίτης γοναί (Antiphanes, Philiskos), Διονύσου γοναί (Anaxandrides), Διδς γοναί (Philiskos), Ἔρμου γοναί (Philiskos), Πανδς γοναί (Araros, Philiskos). Die andere, [1263] umfangreichere Gruppe entnimmt den Mythos der Tragödie, travestiert also bestimmte Stück« der Tragiker, besonders des im 4. Jhdt. lebendigsten Tragikers Euripides. Wenn auch selten bestimmt erkannt werden kann, ob sich eine K. an eine gleichnamige Tragödie anschließt, so verdient doch Beachtung, daß folgende 20 Titel des Euripides bei Dichtern der μέση wiederkehren: .Αίολος (Antiphanes, Eriphos), àixij«iç (Antiphanes), Ἄλκμεων (Amphis, Mnesimachos), Ἀντιόπη (Eubulos), Αὐγή 1 (Eubulos), Βάκχαι (Antiphanes), Βελλεροφόντης (Eubulos), Γλαύκος (Anaxilas, Antiphanes, Eubulos), 'Ἐλένη (Alexis, Anaxandrides), Ἐρεχθεύς (Anaxandrides), Θησεύς (Anaxandrides), Ἰξίων (Eubulos), 7ων (Eubulos), Μελέαγρος (Antiphanes, Philetairos), Μήδεια (Antiphanes, Eubulos), Οἰδίπους (Eubulos), Οἰνόμαος (Antiphanes, Eubulos), Ὀρέστης (Alexis), Πρωτεσίλαος. (Anaxandrides), Φόίνιξ (Eubulos), Einige dieser Titel kommen auch bei Sophokles vor, und wenigstens bei Oidipus ist ί wohl seine Benutzung wahrscheinlich, von Euripides nicht bearbeitete Stoffe des Sophokles finden sich folgende 8 Ἀθάμας (Amphis, Antiphanes), Δαίδαλος (Eubulos oder Philippos), Θαμύρας (Antiphanes), Μίνως (Antiphanes), Ναυσικάα (Eubulos), Προκρις (Eubulos), Τηρεῦς (Anaxandrides, Philetairos), Twδάρεως (Alexis, Sophilos), nur für Aischylos bezeugt sind die 4 Titel θὰ ἐπὶ Θήβας (Alexis, Amphis), Εὐρώπη (Eubulos), Καλλιστω (Alkaios, Amphis), Νηρηῖδες (Anaxandrides). Die fortgesetzte Be- « schäftigung mit der Tragödie, das παρατραγφδεῖν, wirkte auf Sprache, Darstellung und Bau der K. außerordentlich stark ein, die ethischen Betrachtungen und scharf geschliffenen Sentenzen, an denen besonders Antiphanes (z. B, frg. 53. 94. Kl. 167. 238) und Anaxandrides (frg. 4. 17. 52. 53. 64) reich sind, zeigen euripideische Schulung, und Antiphanes weiß z. B. im Aiolos (frg. 18) einen heiklen Gegenstand mit einer Dezenz zu behandeln, die der alten K. ganz fremd war.

Was die Komiker in den mythologischen Stücken von den Tragikern gelernt hatten, kommt nun auch der realistischen Darstellung des täglichen Lebens zugute, die allmählich immer ausgesprochener zum Hauptstoff der μέση wird. In welcher Art die Dichter der mittleren K. dem täglichen Leben dramatische Stoffe abzugewinnen suchten, sei an den Titeln des Antiphanes kurz erläutert (s. o. Bd. I S. 2519f.). Sehr gern benennt er seine Stücke nach Handwerkern und anderen Berufen, SO finden wir Ἄκεστρια, Ἀλείπτρια, Αὐλητῆς, Αὐλητρίς, Ζωγράφος, Ἠνίοχος, Ἰατρός, Ἰππείς, Καρίνη, Κηπουρός, Κιθαριστῆς, Κιθαρωδός, Κυαφεύς, Κοροπλάθος, Μητραγύρτης, Προβατευς, Στρατιώτης, Τριταγωνιστῆς, dieser Gruppe stehen auch θζων, Μέτοικος, Μύστις nahe. Dann liebt er Ethnika, griechische und barbarische, ἈΙγύπτιοι, Ἀρκάς, Βοιωτίς, Βυζάντιος, Δηλία, Δωδωνίς, Ἐπιδαύριρς, Ἐφεσία, Ζακύνθιος, Κάρες, Κορινθία, Λευκάδιος, Λυδός, Ποντικός, Σκύθαι, Τυρρηνός. Ferner finden wir Verwandtschaftsbezeichnungen Ἀδελφαί, Δίδυμοι, Ἐπίκληρος, Ὀμοπάτριοι, Πρόγονοι, denen ich Φιλομήτωρ und Φιλοπάτωρ anschließe. Zahlreich sind die Benennungen nach Charakter, Gemötsstimmung, Lebenswandel wie Ἀγροίκος, Ἀντερώσα, Ἄποκαρτερων, Ἄσωτοι, Ἀδτου ἔρων, Δυσέρωτες, Δύσπρατος, Κυβενταί, Μισοπσνηρος, Μοιχοί, Οἰωνιστῆς, Παιδεραστῆς, [1264] Παράσηος, Auf Ausnutzung des Verwechslungsmotivs deuten hin die Titel Αὐλητρίς ἡ Δίδυμαι, Δίδυμοι, Δθλάσιοι, Ὄμοιοι, Ὀμώνυμοι. Seltener sind Benennungen nach einem Ding oder Vorgang wie Ἀργυρίου ἀφανισμός, Γάμος, Εὐπλοιά, Μνήματα, Μυλῶν, Ὑδρία, auch die später so beliebte Andeutung der Handlung durch ein Partizipium ist noch ziemlich selten Ἀκοντιζόμενη, Ἄλιευο* μένη, Ἀνασφζόμενοι, Ἄρπαζομενη, Παρεκδιδομενή. 0 Diese bei Antiphanes zu beobachtenden Gruppen kehren bei allen Dichtern der μέση ähnlich wieder.

In allen diesen Stücken aus dem täglichen Leben ist die Erfindung einer geschlossenen, spannenden Handlung eine Hauptaufgabe des Dichters. Er fühlt sich in dieser Hinsicht durchaus als Rivale der Tragiker, wie Antiphanes in einem wichtigen Fragment der Ποίησις eingehend ausführt (irg. 191): Der Tragiker hat es gut, weil die Zuschauer den Mythus kennen und sich ein Zerschneiden des 10 Knotens durch den Maschinengott gefallen lassen, v. 17: ἠμίν δὲ ταὺτ οὐκ ἐστιν, ἀλλὰ πάντα δεὶ εὐρείν, ὀνόματα καινά, τὰ διφκημένα πρότερον, τὰ νῦν παρόντα, τὴν καταστροφήν, τὴν εἰσβολήν, ἄν ἐν τὶ τούτων παραλίπη ἤρεμης τις ἡ Φείδων τις, ἐκσυρίττεται · Πηλεὶ δὲ ταντ' ἔξεστι καὶ Τευ' κρφ ποεῖν. Trotz der Dürftigkeit unseres Materials läßt sich der Einfluß der Tragödie auf Bau und Motive der K. mit frei erfundener realistischer Handlung noch deutlich erkennen. Vor allem ver-10 dankt die K. der Euripideischen Tragödie das Liebesmotiv, das der alten K. genau so fremd ist wie der ältesten Tragödie. Erst Euripides hatte die Beziehungen der Geschlechter zueinander für das Drama verwertet. Er schildert die sündhafte Liebe der verheirateten Frau zu einem fremden Mann im Hippolytos und der Stheneboia, die Eifersucht der verratenen Gattin in der Medeia, den Haß der kinderlosen Frau gegen den unehelichen Sohn des Gatten im Ion, er führte in der Helena 40 die Wiedervereinigung lange getrennter, treuer Gatten vor. Dabei hatte er namentlich in seinen späten Stücken das Seelenleben der heroischen Welt dem der attischen Gesellschaft seiner Zeit bereits so angenähert, daß die Übertragung solcher Stoffe in die bürgerliche Sphäre für die Komiker sehr nahe lag. Einen wie breiten Raum das Liebes-motiv in der μέση einnahm, entzieht sich unserer Kenntnis, aber daß es eine wichtige Rolle spielte, ist sicher. Erstens zeigen Titel wie Ἀντερῶν (Ana-50 xandrides), Ἀντέρως (Epikrates), Ἀντερώσα (Antiphanes, Nikostratos), Δνσέρωτες (Antiphanes) die Liebe" als beherrschendes Motiv ganzer Stücke. Ferner können K., die nach Mädchen aus fremden Städten und Ländern benannt sind, wie die Βοιωτίς, Δηλία, Δωδωνίς, Ἐφεσία, Κορινθία des Antiphanes, die Ἀχαιίς, Βρεττία, Κυιδία, Λενκαδία, Λημνία, Μιλησία, Ὀλυνδία des Alexis ebensowenig ohne Liebe ausgekommen sein, wie die gleichartigen Stücke der neuen K. Ἀνδρία, Περινθία usw. Vor allem aber finden wir in Plau-tus’ Persa, der von v. Wilamowitz (De tribus carm. lat., Ind. schol. Gott 1893/94, 13ff.) mit Sicherheit auf ein vor Alexanders Perserkriegen geschriebenes, also der mittleren K. angehöriges Original zurückgeführt worden ist (M. Meyer De Plauti Persa, comm. philol. Jen. VM 181fL hat vergebens wiedersprochen), die Liebesintrige bereits auf die Sklavenwelt übertragen und mit solcher [1265] Freiheit gehandhabt, daß man sieht, sie war schon längst auf der Bühne heimisch. Daß die μέση auch andere Mittel der dramatischen Technik, vor allen den Anagnorismos und die für ihn nötigen Voraussetzungen aus der Tragödie aufnahm, ist für die Travestien selbstverständlich - für Aristo-phanes’ Kokalos auch ausdrücklich durch die elfte Duebnersche Vita bezeugt - und für die Stücke aus dem bürgerlichen Leben auch anzunehmen, aber aus unserm dürftigen Material nicht zu er-1 weisen (s. P. Hofmann De anagnorismo, Breslau 1910, 58). Auch das schon in Aristophanes’ Thes-mophoriazusen 689S, (s. Schol. zu 717) benutzte tragische Motiv der Flucht zum Altar findet sich in dem neuen Alexispapyrus (S.-Ber. Akad. Berl. 1918, 744).

Die metrischen Formen der μέση sind sehr viel ärmer und eintöniger als die der ἀρχαία, was ja schon durch die Verkümmerung des Chors bedingt wurde (Meineke Hist. crit. 296ff.). Neben i dem iambischen Trimeter behauptet sich der tro-chäische Tetrameter als Sprechvers, vereinzelt kommt auch der iambische Tetrameter vor (Anti-phanes frg. 25. 300. Anaxandrides frg. 34. Anaxilas frg. 39), dagegen ist der anapästische Tetrameter nicht nachzuweisen; schon deshalb muß Menekrates (s. o. S. 1237), von dem im Berl. Photios 145, 3 ein anapästischer Tetrameter erhalten ist, der alten K. zugeteilt werden. Gar nicht selten kommen anapästische Systeme, zum ί Teil von gewaltiger Ausdehnung vor (Antiph. frg. 90. 91. 132, 133. 172. Anaxandr. frg. 41. Eubul. frg. 63. Ephipp. frg. 5. 12. Anaxil. frg. 18. Epikr. frg. 11. Alexis frg. 162. Mnesim. frg. 4), die fast ausnahmlos eine Aufzählung kulinarischer Genüsse enthalten. Daktylische Hexameter finden sich stichisch gebraucht öfter, besonders in Rätseln und Orakeln (Antiph. frg. 194. 196, Anaxandr. frg. 50, Eub. frg. 28. 107. 108, Kratin. frg. 8, Alexis frg. 22. 260), ein elegisches Distichon einmal (Antiph. frg. 149), Hexameter mit kürzeren anderen Gliedern dazwischen zweimal (Eub. frg. 35 und 139). Die upolideen (Alexis frg. 237) und die Reste melischer Strophen habe ich oben schon angeführt (S. 1260).

Wie die Metren, so ist auch die Sprache der μίση im Vergleich zur ἀρχαία schlicht und arm geworden. Die Anmut und Feinheit ist geblieben, aber die sprudelnde Schöpferkraft, die sich in kühnen Neubildungen nicht genug tun kann, ist versiegt. Ergötzlich ist die Parodie des modernen Dithyrambenstils Antiph. frg. 52, auch das παρατραγωόεῖν ist manchmal sehr fein (Antiph. frg. 1. 105. 217). Beachtung verdient, daß man schon auf reinattische Ausdrücke Wert zu legen beginnt (Antiph. frg. 97). Die Zahl der Dichter der μίση wird von dem Anonymus π. κωμ, 12 (S. 9 Kaib.) auf 57, die ihrer Stücke auf 607 (so E., 617 Aid.) angegeben. Meineke (Hist. crit. 271) wollte für χθ schreiben ὤιζ) weil Athenaios VIII 336 d mehr als 800 Stücke der μίση gelesen zu haben behauptet'. Trotz Kaibels Bedenken halte ich Meinekes Änderung für richtig, denn die Summe der für die drei fruchtbarsten Dichter Antiphanes, Eubulos, Alexis überlieferten Stückzahlen übersteigt bereits 607, und Athenaios wird die ihm bekannte Zahl des Gesamtbestandes im Auge gehabt haben. Die Fruchtbarkeit einzelner [1266] Dichter ist ungeheuerlich groß, für Antiphanes gibt Suidas s. v. 365 oder 280 (die höhere Zahl erklärt sich vielleicht aus Einrechnung der Stücke des jüngeren Antiphanes, s. o. S. 1262), der Anonymes π. κωμ. 13 (S, 9 Kaib.) 260, für Alexis Suid. s. v. 245, für Eubulos Suid. s. v. 104 an, wir kennen von diesen Dichtern noch 134, 130 und 55 Titel. Bei dieser erstaunlichen Produktion ist es ganz ausgeschlossen, daß die Dichter alle ihre Werke in Athen zur Aufführung brachten; hätte Antiphanes, der nach Suidas s. v. 74 Jahre alt wurde, 54 Jahre lang an jedem attischen Dionysos-fest je zwei Stücke aufführen lassen, was er nachweislich nicht getan hat und was ja auch eine unerhörte Bevorzugung bedeuten würde, so wären damit doch erst 216 Stücke untergebracht. Er und Alexis müssen also einen beträchtlichen Teil ihrer K. außerhalb Athens haben aufführen, oder in Buchform haben erscheinen lassen, was wiederum eine starke Abweichung von der alten K. bedeutet; die K. beginnt eben panhellenisch zu werden so gut wie die Tragödie. Damit hängt zusammen, daß auch unter den Dichtern Nichtathener auftreten, für Anaxilas macht der Name nichtattische Herkunft wahrscheinlich (s. aber Pros. Att. 813f.), Alexis ist nach Suidas s. v. in Thurioi geboren (s. o. Bd. I S. 1468), Anaxandrides ebenfalls nach Suid. s. v. und Athen. IX 374 b in Kamiros auf Rhodos, nach andern (Suid.) in Kolophon; auch SO Antiphanes, den der Anonymus Athener nennt, galt manchen als Nichtathener (Suid. s. v.; s. o. Bd. I S. 2519). Die Überfülle der Produktion wurde dadurch erleichtert, ja vielleicht ermöglicht, daß die Dichter ihre eigenen älteren Stücke, aber auch die ihrer Genossen stark ausplünderten (s. S. K a n De iteratis apud poe. ant. et med. com. Att., Gießen 1909, 52ff.). Noch unser dürftiges Material enthält Beispiele in ziemlich größer Zaid, daß längere oder kürzere Versreihen aus einer K.in eine andere desselben Dichters, oder auch eines Rivalen übernommen wurden, ja ganze Stücke des Alexis waren eigentlich nur Neubearbeitungen von Stücken des Antiphanes (s. Athen. III 127 b. XV 671 d), so daß Zweifel auftauchen konnten, wem von beiden die vorliegende Fassung gehöre (Athen. III 123 b. XIII 572 b. c); so erklärt es sich auch, daß nicht weniger als 18 Titel des Antiphanes bei Alexis wiederkehren (Kann 69f.). Rechnet man alle Dichter zur μίση, für die eine Tätigkeit vor 403/2 nicht nachweisbar ist und die anderseits in der Lenäenliste vor Menander stehen, so erhält man etwa folgende Liste von 51 Namen: Alexis, Alkaios, Alkenor, Amphis, Anaxandrides, Anaxilas, Antidotos, Antiphanes, Araros, Aristophon, Athe-nokles, Augeas, Axionikos, Choregos, Demetrios, Demonikos, Dionysios, Dioxippos, Dromon, Ephip-pos, Epigenes, Epikrates, Epilykos, Eriphos, Eubulos, Eunikos, Euphanes, Euthykles, Heniochos, Herakleides, Kailikrates, Klearchos, Kratinos II, 60 Mnesimachos, Nausikrates, Nikoehares, Nikostra-tos, Ophelion, Philetairos, Philippos, Philiskos, Philonikos, Prokleides, Pyres (?), Sophilos, Sosi-patros, Sotades, Straton (?), Theophilos, Timokles, Timotheos, Xenarchos. Die Lenäenliste enthält für diesen Zeitraum 32 Namen.

Die neue Komödie.

Während wir früher die neue K. nur aus den oft redit freien römischen Bearbeitungen des Piautus und Terenz und den für [1267] die dramatische Technik wenig ergiebigen Fragmenten kannten, haben wir durch die neuen Pa-rusfunde große Teile Menandrischer Stücke (s. Kl. Texte für Vorl. und Üb. 44–46: Menandr. teil, nup. rep. iterum ed. S. Sudhaus Bonn 1914 und Menandrea ex pap. et membr. vet. it. ed. A.. Körte, Leipzig 1912) und auch erhebliche Reste anderer für uns namenloser Dichter (s. Kl. Texte f. Vorl, und Üb. 135: Novae com. fragm. in pap. rep. ed. O. Schroeder, Bonn 1915) wiedergewonnen und aus ihnen ein wesentlich klareres Bild der νέα erhalten. Dies neue Material ist großenteils bereits berücksichtigt in dem eingehenden, feinsinnigen Buch von Legrand Daos, tableau de la com. gr. pendant la pér. dite nouvelle, Lyon-Paris 1910.

Die Grenze der neuen K, gegen die mittlere ist ebensowenig ganz scharf zu ziehen wie die der mittleren gegen die alte. Einen zeitlichen Ansatz gibt nur Tzetzes (Pa 14 S, 17 Kaib.) ἡ μὲν νέα ἐπὶ Ἀλεξάνδρου v) und dieser Ansatz wird meist wiederholt (auch von Legrand, der a. a. O. 10 das J. 330 als Grenze setzt), obwohl er sich nicht damit verträgt, daß allgemein Menander als der Hauptvertreter der νέα angesehen wird (Plut. quaest. conv. VII 8, 3. Quintil. inst. or. X 1, 69. Plat. π. διαφ. κωμ. 13, S. 5 Kaib. Schol. Dion. Thr. S. 10. 14. 15 Kaib. Euanth. II 6 S. 64 Kaib.). Menander (s. d.) brachte aber sicher sein erstes Stück erst nach Alexanders Tode 321 (s. Anon. π. κωμ. 17 S. 9 Kaib.) auf die Bühne. Nun sind freilich Philemon, der oft (Quintil. inst. or. X 1, 72. Tzetz. Ma 17 S. 28 K.; Pb 25 S. 21 K.; στιχ. π. διαφ. ποιή. 87) und Diphilos, der mitunter (Vell. Pat. I 16. Diom. IX 4 S. 58 Kaib.) neben Menander als Klassiker der neuen K. erscheint, beide älter als Menander, Philemon war spätestens 360, vermutlich ein paar Jahre früher geboren, führte um 841 seinen Λιθογλύφος auf (s. Th. Wagner Symbol, ad com. gr. hist. crit. cap. quatt., Leipzig 1905, 27) und errang seinen ersten Dionysiensieg 327 (Marrn. Par. B 7, S. 194 Jac.), und Diphilos scheint zwischen ihm und Menander dem Alter nach etwa in der Mitte zu stehen (s. Berl, philol. Wochenschr. 1906, 900ff.), aber den Anstoß zur Ausbildung des neuen K.-Stils müssen wir, dem antiken Urteil folgend, Menander zuschreiben, und so erscheint es geratener, den Anfang der νέα erst rund 320 anzusetzen. Es verdient immerhin Beachtung, daß bei Apuleius Flor. III 16 Philemon mediae comoediae scriptor genannt wird, seine älteren Stücke werden noch den Stil der μέση gezeigt haben. An Dauer hat die neue K. die beiden älteren Epochen übertroffen, denn wenn auch ihre Blütezeit kaum erheblich über die Mitte des 3. Jhdts. hinabreichen dürfte, sind doch in Athen bis zur Mitte des 2. Jhdts., freilich mit Unterbrechungen, neue K. aufgeführt worden, die den Stil der menandrischen K. beibehalten haben werden (Wilhelm Urk. 69ff.).

Die neue K. führt die von der mittleren begonnene Entwicklung fort, indem sie immer bewußter alles Dionysische und Phantastische abstößt. In erster Linie trifft das den Chor. Hatte die μέση ihn noch locker mit der Handlung verbunden und gelegentlich in sie eingreifen lassen (s. o. S. 1260), so wird er in der νέα so gut wie ganz von ihr losgelöst (Legrand Daos 422ff. [1268] Bethe S.-Ber. Säehs. Gee. der Wiss. 1908, 2098.

Leo Henn. XLIÏI 165ß. 308fi.; Plaut. Forsch.² 227, 3). Der Regel nach scheint er wieder zu dem geworden zu sein, was er in den Anfängen der K. war, zum κώμος, einem Schwann dionysisch ausgelassener Jünglinge. Dreimal (Alei. frg. 107. Men. Perik. 71f., Petersburger Fragm. der Epitrep. 335.) finden wir sein Auftreten durch die Bemerkung eines Schauspielers angekündigt, es nahe eine Schar angetrunkener Jünglinge, denen man besser aus dem Wege gehe. Diese Bemerkung, die nur das Abtreten der Schauspieler begründen soll, ist offenbar konventionell und wird letzten Endes auf Euripides Phoin. 196f. zuriickgehen. Sie steht in der Perikeiromene und den Epitrepontes sicher vor dem ersten Auftreten des Chors, spätere Lieder (Epitr. 201. 584 Sud.²; Her. 55; Sam. 270; vgl. Pap. d. Soc. It. I 126 v. 45. Schroeder Nov. com. fr. in pap. rep. S. 26, 37) werden einfach durch die Notiz χορον angezeigt, ohne daß die Schauspieler von der Chorleistung die geringste Notiz nehmen; die ἐμβόλιμα füllen einen Zwischenakt ohne jede Berührung mit der Handlung, der Chor ist gleichsam unpersönlich geworden und deshalb auch im Personenverzeichms des Heros nicht mitaufgeführt. In den erhaltenen Originalen der νεά finden wir keinen Ansatz, den Chor in die Handlung eingreifen zu lassen, wie es in dem neuen Alexispapyrus (v. Wilamowitz S.-Ber. 30 Akad. Berl. 1918, 743ff.) geschieht; meine Versuche, ihn auch bei Menander mit der Handlung zu verbinden (Herm. XLIII 2995.) waren verfehlt. Freilich reicht unser Material an Originalen nicht aus, um zu bestreiten, daß auch in der neuen K. gelegentlich der Chor in persönlicher Maske mit der Handlung verknüpft auftreten konnte, und in den römischen Bearbeitungen finden sich tatsächlich Spuren, daß auch Diphilos und Menander mitunter die Art der mittleren K. beibehielten: Im 40 Original von Plautus’ Rudens hat Diphilos, wohl weil der Aphroditetempel am Meer bei Kyrene kein passender Platz für einen κώμος war, den Chor als Fischer eingeführt (Plaut. Rud. 2905.) und auch ein paar Worte mit einem Schauspieler wechseln lassen (3105.), denn daß die Piscatores eine Neuerung des Plautus sind, ist ganz unwahrscheinlich. Unsicher ist die Vermutung von Leo (Der Monolog im Drama, Abh. d. Gott. Ges. N. F. X 5 S. 59, 2) und Koehler (De Heaut. Terent. 5Q compos., Leipzig 1908, 24, 1), daß in Menanders Heautontimorumenos die Dienerinnen der Bacchis den Chor gebildet und nach v. 409 und v. 748 den Zwischenakt ausgefüllt hätten. Skutsch (Henn. XLVII 1415.) und Flickinger (Class. philol. VII 245.) haben in Terenz’ Heautontimorumenos nach v. 170 ein Menandrisches χορου entdeckt, was ich für richtig halte, und Flickinger nimmt deshalb in diesem Stück sogar einen doppelten Chor, erst Gäste der Chremes, dann Mägde der 60 Bacchis, beide äußerlich in die Handlung einbezogen, an; diese Doppelung des Chors in verschiedenen Kostümen sàeint mir bedenklich, und Flickingers Versuch, ähnliches in den Epitrepontes nachzuweisen, ist sicher verfehlt. Immerhin ist die Möglichkeit, daß Menander im Heauton-timorumenos den Chor persönlicher gestaltet hatte, als in den auf Papyrus erhaltenen Stücken, zuzugeben. Aber vereinzelte Ausnahmen würden an [1269] der Regel nichts ändern, daß der Chor in der neuen K. jede Beziehung zur Handlung verloren hat, keine dem Stück angepaßte Maske trägt, gar nicht in das Personenverzeichnis aufgenommen und nur zur Füllung der Zwischenakte benutzt wird. Ob er nach dem ersten Aufzug dem weiteren Spiel als unbeteiligter und unbeachteter Zuschauer beiwohnt, wie Bethe annimmt (a. a. O. 222), oder verschwindet, sobald die Handlung neu beginnt, und wieder erscheint, wenn der Akt aus ist (so Legrand 425), läßt sich bisher nicht entscheiden, glaublicher scheint mir Legrands Ansicht. Ob in Menanders Zeit eine Einteilung des Stücks in die von Horaz, ep ad. Pis. 189 geforderten fünf Akte durch viermaliges Singen des Chors Regel gewesen ist, bleibt vorläufig ebenfalls unsicher (s. Körte Menandrea²- XXIV), dreimal ist jetzt die Notiz χορου in den Epitrepontes nachweisbar. Zu betonen ist, daß die Bühne bei Menander nicht selten leer wird, ohne daß der Chor singt (die 2 Stellen gesammelt bei R. Graf Szen. Unters, zu Men., Gießen 1914, 49ff.).

Ähnlich wie mit dem Chor steht es in der νέα mit dem persönlichen Spott. Es finden sich in ihr allerdings gelegentlich Spitzen gegen Zeitgenossen (eine Liste gibt Legrand Daos 29, 1), meist sind es schon von den Dichtern der μέση verspottete Schlemmer und Parasiten, auch die Philosophen werden mitunter angeulkt, von Philemon sogar in einer ganzen K. Φιλόσοφοι (s. bes. frg. 85 ί und 146, außerdem Menander frg. 117. 249. Baton frg. 8), aber nur sehr selten wagt man sich an einen auswärtigen Machthaber (Philem. frg. 144. Men. frg. 21–23), und ganz vereinzelt stehen die scharfen Angriffe des Philippides gegen den attischen Demagogen Stratokies, den Schmeichler des Demetrios Poliorketes (frg. 25.31), und des Arche-dikos gegen Demosthenes’ Neffen Demochtfres (frg. 4). Menander scheint solche persönlichen Ausfälle nur in seinen ältesten Stücken (z. B. Orge · frg. 363–365; Samia v. 258 und 261; Methe frg, 319. 320) gebracht zu haben. So kommen auch noch einige nach lebenden Zeitgenossen benannte Stücke vor, aber die Zahl der sicheren Beispiele ist sehr klein: Das interessanteste ist die Amastris des Diphilos, benannt nach der Nichte des Dareios, Begründerin der pontischen Stadt Amastris (Amasra; ß. o. Bd. I S. 1750), einer Fürstin, die eher einer Tragödie als einer K. als Titelheldin hätte dienen sollen. Von Diphilos ist ferner sicher Synoris nach einer lebenden Hetäre (Breitenbach 138f.), wahrscheinlich Telesias nach einem zeitgenössischen Parasiten benannt (Breitenbach 51f.). Anaiippos nannte ein Stück über den Fresser Damippos nach dessen Beinamen Κεραυνός (frg. 3), Poseidippos eine K. Areinoe doch wohl nach der Frau des Philadelphos (Breitenbach 112), und als später Nachzügler erscheint in der Zeit Antiochos’ d. Gr. der nach einem gleichzeitigen Historiker benannte Mnesipto-lemos des Epinikos(Breitenbach 41f.). Sonst muß man sich hüten, Titel, die an sich attischen Männern oder Hetären gehören könnten, auf bestimmte lebende Personen zu beziehen, denn für die neue K. gilt wirklich Aristoteles' Satz (poet 9, 1451 b 12) συστθσαντβς γὰρ τὸν μύθον ôw τῶν βῖχότων οὐτω τὰ τυχόντα, ὀνόματα ἰπιτιθίασιν καὶ Ὄθχ ὤσπερ οἱ Ἴαμβοποιοι περὶ τὸν καθ ἔκαστον [1270] ποιονσιν. Menandera Thais, das berühmte Muster der klugen, gewissenlosen Hetäre, hat mit der Geliebten Alexanders und späteren Frau des Ptolemaios nichts gemein als den Namen (Breitenbach 139f.), auch Philemons Neaira kann nicht nach der bekannten von Timokles um 340 im gleichnamigen Stück verspotteten Hetäre benannt sein, denn in frg. 47 wird eine von Seleukos den Athenern geschenkte Tigerin erwähnt (Breiten-Obach 137). Daß auch für die Hetären jetzt Typen an Stelle der realen Persönlichkeiten treten, ist ein sehr wichtiger Unterschied der νέα von der μέση. Auch die in der mittleren K. so beliebten mythologischen oder legendarischen Stücke werden nun selten; eine auch manches Unsichere oder Falsche enthaltende Liste gibt Legrand Daos 39. Am häufigsten finden wir sie bei Diphilos Ἀνάγυρος, δαναῖδες, Ἐκάτη, Ἠρακλῆς, Θησεύς, Λήμνιαι, Πεδιάδες, Σαπφω, von Philemon scheinen mir 10 nur Μνρμιδόνες und Παλαμήδης, von Menander Τροφώνιος und vielleicht Δάρδανος hierher zu gehören. Zu beachten ist, daß scheinbar mythologische Namen täuschen können, so kann Δάρδανος auch Sklavenname sein (Breitenbach 11 Anm. 16) und der von Legrand mitaufgeführte Ἤρως des Menander ist ein rein bürgerliches Stück, was auch von dem gleichnamigen des Diphilos und den Ἤρωες des Philemon gelten wird. Von den Titeln der Komiker zweiten Ranges seien JO angeführt Ἀμφιάρεως (Apollodoros von Karystos, Philippides), Θεῶν ἀγορά (Euphron), Μοῦσαι (Euphron), Μύρμηξ (? Poseidippos), Πάν (Timo-stratos), Σίσυφος (Apollodoros von Gela).

Die erdrückende Mehrzahl aller Stücke behandelt Stoffe aus dem bürgerlichen Leben, und in deren Titelgebung kehren ganz dieselben Gruppen wieder, die sich schon bei Antiphanes beobachten ließen (s. o. S. 1263L). Von 90 bekannten Titeln Menanders enthalten 19 Berufstypen, wie Ἄλιεις, ‘0 Γεωργός, Δημιουργός, Ἠνίοχος, 10 Bezeichnungen des Familienstandes wie Ἀδελφοί, Δίδυμαι, ἐπίκληρος, Ὀμοπάτριοι, 14 Ethnika wie Ἀνδρία, Βοιωτία, Ἠφέσιος, Θετταλή, 10 Charaktertypen wie Ἄπιστος, Δεισιδαιμων, Δύσκολος, Κόλαξ, 14 Partizipien, die die Handlung andeuten, wie Ἀνατιθέμενη, Δίς ἐξαπατῶν, Ἐμπιμπραμένη, Ἐπιτρέποντας, 11 Dinge oder Abstrakte wie Ἀσπίς, Δακτύλιος, Θησαυρός, Μέθη, Ὀργή, 6 Namen wie Ἀφροδίσιον, Θαις, Θρασυλέων. Unter den 61 be-50 kannten Titeln des Philemon finden sich 14 nach Berufen, 5 nach Familienstand, 8 Ethnika, 7 Charaktertypen, 9 die Handlung andeutende Partizipien, 7 Dinge, 2 nichtmythische Namen, unter den 57 des Diphilos 9 Berufe, 7 Verwandtschaftsnamen, 3 Ethnika, 3 Charaktertypen, 9 die Handlung bezeichnende Partizipien, 9 Dinge, 5 nichtmythische Namen. Dieselben Titel kehren bei den verschiedenen Dichtern immer wieder, Philemon hat 12 Titel mit Menander genau oder fast genau 60 gemein, Diphilos 8, beide untereinander 7. Aus den besser bekannten Stucken sieht man, daß auf den Titel sehr wenig ankommt, der Heros heißt nach dem Prologsprecher, die Epitrepontes nach einer Episode.

Dies Hauptgebiet der neuen K. hat Theophrast allein im Auge, wenn er (Diom. III 9, 1 8. 57 K.) die K. definiert κωμερδία ἐστιν Ἰδιωτικῶν ἀραγμάτων ἀκίνδυνος περιοχή. Das Liebesmotiv gewinnt [1271] jetzt unbestritten die zentrale Stellung im Gefüge der Handlung, jede K. muß unweigerlich mit der Vereinigung oder Wiedervereinigung eines oder mehrerer Liebespaare schließen. Die einzigen Ausnahmen von dieser Konvention, von der die K. bis auf Hauptmanns Biberpelz nicht wieder Iosgekommen ist, sind die Originale von Plautus’ Captivi und Trinummus. Genuß und Besitz sind die einzigen Triebfedern, die diese heruntergekommene Spießbürgergesellschaft bewegen.

Außerordentlich groß ist der schon bei der μέση zu beobachtende (s. o. S, 1264) Einfluß der Euripideischen Tragödie auf Voraussetzungen und Bau der bürgerlichen K. (Leo Plaut. Forsch.² bes. 1575. und E. Sehrt De Men. Eur. imitatore, Gießen 1912). Das hat man schon im Altertum beobachtet. Satyros sagt im Leben des Euripides (O. P. IX 1176 frg. 39 col. VII, der Anfang von Leo ergänzt) ἄς ἐν ταις κωμωδίαις ὀρώμεν γιγνομένας στάσεις ἄνδρι] πρὸς γυναίκα καὶ πατρὶ πρὸς υἰὸν καὶ Φεράποντι πρὸς δεσπότην, ἡ τὰ κατὰ τὰς περιπέτειας, βιασμοὺς παρθένων, ὑποβολάς παιδιῶν, ἄναγνωρισμους διὰ τε δακτυλίων καὶ διὰ δεραίων · ταῦτα γὰρ ἔστι δηπου τὰ συνέχοντα τὴν νεωτέραν κωμφδίαν, ὰ πρὸς ἄκρον ἤγαγεν Εὐριπίδης, und Quintilian bemerkt inst. or. X 1, 69 über Menander (Euripidem) admiratus maxime est, ut saepe testatur, et secutus, quamquam in opere diverso.

Für die Tragödie war z. B. die Aussetzung neugeborener Kinder eine bequeme oft durch den Mythus gegebene Voraussetzung, die zur Herbeiführung der so beliebten Erkennungsszenen ausgenutzt werden konnte. Sie wird von der K. ins Bürgerliche übertragen und allmählich als Hebel für die Handlung fast unentbehrlich. Menander benutzt dies konventionelle Motiv in verschiedener Form in allen vier K. aus Aphroditopolis (Heros, Epitrepontes, Perikeiromene, Samierin), aber man darf daraus für die Häufigkeit der Kindesaussetzungen im menandrischen Athen nicht zu weitgehende Schlüsse ziehen, eben weil es ein konventioneller Hebel für die Handlung ist, etwa wie der Ehebruch für den modernen Pariser Schwank. Daß die Erkennungsszenen als der Tragödie entlehnt empfunden wurden, beweist die ganz tragische Stilisierung des einzigen im Original erhaltenen Anagnorisraos in der Perikeiromene (v. 3385.; vgl. Ber. d. Sächs. Ges. der Wiss. LX 1908, 169f.). Auch die mittelbare Veranlassung zur Kindesaussetzung, die Vergewaltigung eines Mädchens durch einen trunkenen Jüngling bei einem nächtlichen Fest (Epitrepontes, Original von Plautus’ Cistellaria), hat in der Schändung der Augen durch den trunkenen Herakles (s. Nauck TGF² 436f.) ein Euripideisches Vorbild. Ebenso stammt das oben (S. 1265) erwähnte Motiv der Flucht zum Altar, das wir bei Menander in der Perin-thia (Körte Menandr. S. 133), bei Diphilos (Original des Rudens) und bei Philemon (Original der Mostellaria) finden, aus der Tragödie (F. Schmidt De Supplicum ad aram confug. part, scen., Königsberg 1911). Wie weit die neue K. in der Über: nähme tragischer Motive gehen konnte, lehrt die Schiedsgerichtsszene der Epitrepontes, die ganz auf einer Szene der Alope des Euripides beruht (Fieehl Herm. XLIII 311); die reife Kunst des Menander zeigt sich hier in der Verarbeitung und [1272] Vertiefung des tragischen Vorbilds auf bewundernswerter Höhe (s. Menandrea XXVI). Auch darin möchte ich einen Einfluß der späteren Tragödie erkennen, deren Stoßkreis sich auf eine Heine Zahl immer wieder behandelter Mythen beschränkte, daß dem Komiker, zum wenigsten Menander, an der Erfindung neuer Grundmotive wenig zu liegen scheint, nicht das Was sondern das Wie interessiert ihn. Die konventionelle Handlung ist ihm nur 10 der Kanevas, auf den er mit kunstreicher Hand die bunte Fülle scharf und lebenswahr gezeichneter Charaktere stickt. Eine eingehendere Betrachtung der auf peripatetischer Grundlage beruhenden Charakterisierungskunst Menanders muß dem Art. Menander vorbehalten bleiben, ebenso die Würdigung seiner inneren Überlegenheit über die enge Philisterwelt, die er darstellt. Unmittelbar der Euripideischen Tragödie entstammen endlich die Prolog-Götter und Personifikationen, die sich oft in der neuen K. finden (Leo Plaut. Forsch.² 188ff.). Wir haben bei Menander ἄγνοια (Peri-keiromene), Ἤρως θεός (im Stück gleichen Namens), Τύχη (unbekanntes Stück, aber wohl sicher Menander. Pap. Soc. It. II 126 v. 1–20), „Ελεγχος (frg. 545), bei Philemon Ἀήρ (frg. 91), bei unbekannten Dichtern Φόβος (frg. ad. 154) und Διόνυσος (Schroeder Nov. com. fr. in pap. rep. 7 S. 53ff.). Freilich zeigt die Art, wie Menander nach einer dialogischen Eingangszene (Heros, Perikeiromene, Pap. Soc. It. II 126, Original der Cistellaria) den Prologsprecher das Publikum direkt anreden läßt, daß die νεά mit der ἀρχαία nicht weniger eng zusammenhängt als mit der Euripideischen Tragödie, denn diese Durchbrechung der Illusion nach einleitendem Dialog entspricht der Art des Aristophanischen Prologs (s. o. S. 1252) Auch eine andere wichtige Besonderheit der νία, das Beiseitesprechen (Legrand Daos 416Π. Schaffner De aversum loquendi ratione in 40 com. gr., Gießen 1911), das der Tragödie so gut wie unbekannt ist (Schaffner 7ff.), stammt unmittelbar von der Freiheit des alten βωμολόχος, jederzeit unter Durchbrechung der Illusion die Zuschauer anzureden, her, wie Schaffner (21S.) naehgewiesen hat. Bei der Ausbildung der hiermit verwandten, in der neuen K. so sehr beliebten Monologe ist neben der von Leo (Der Monolog 38ff.) mit Recht betonten Ausschaltung des Chors, dessen Anwesenheit die Entwicklung des tragi-50 sehen Monologs trotz glänzender Anfänge hinderte, wiederum die Gewohnheit des βωμολόχος, sich den Zuschauern gegenüber frei auszusprechen, von Bedeutung gewesen. Daß auch die Schlußszenen der νεά, die wir bisher leider fast nur aus den römischen Bearbeitungen kennen (die Papyri der Epi-trepontes und der Perikeiromene brechen allerdings kurz vor dem Schluß ab), ganz deutliche Zusammenhänge mit dem Schlußkomos der Aristophanischen K. zeigen, hat Suess (Rh. Mus. LXV 60 450ff.) treffend ausgeführt.

Die Metra der neuen K. (Meineke Hist. crit. 441 ff.) sind noch einfacher als die der mittleren (s. o. S. 1265). Von den Sprechversen der ἀρχαία ist nun auch der iambische Tetrameter aufgegeben, neben dem Trimeter behauptet sich nur der trochäische Tetrameter in ganzen Szenen (Men. Perik. 77–163; Sam. 202–270); zu beachten ist, daß sich unter den etwa 770 bekannten [1273]

xxx

Die Sprache der neuen K. gilt den Attizisten nicht als mustergültig, ganz allgemein erklärt Phrynichos (344 Lob.) τὸ δὲ ἐργοδοτεῖν παρὰ τινὶ τῶν νεφτέρων κωμφδῶν, οἷς καὶ ἀντόῖς ου πειστέον. An sich wäre es nicht wunderbar, wenn wirklich die Reinheit der attischen Sprache in der νέα gelitten hätte, denn ihre namhafteren Dichter stammen fast alle nicht aus Athen, Philemon aus Soloi in Kilikien (Strab. XIV 671) oder aus Syra- 40 kus (Anon. π. κωμ, 16, S. 9 Kaib. Suid. s, Φιλ.), Diphilos aus Sinope (Anon. π. κωμ. 18, S. 10 Kaib., s. seinen Grabstein, Wilhelm Urk. 60 = IG H 3343), Poseidippos aus Kassandreia (Suid. s. v. und Steph. Byz. s. Κασάνδρεια), der ältere Apollo-doros aus Gela (Suid. s. v.), der jüngere aus Karystos (s. E. Krause De Apollodoris com., Berlin 1903, 17ff.). Aber der Stern der νέα (wie er Schol. Dion. Thr. S. 15 Kaib. heißt) Menander ist Vollblutathener, λαμπρὸς καὶ βῖῳ καὶ γένει 5( (Ἄηοη. π. κωμ. 17 S. 9 Kaib.), und gerade gegen seine Sprache richten sich Phrynichos¹ Angriffe mit besonderer Heftigkeit (s. bes. 418. 433. 440 Lob.), ja selbst der weitherzigere Pollux will ihn nur sehr bedingt gelten lassen III 29 τουτω 3ὲ τῷ ὀνόματι ὅν πάνν τετριμμένο) κέχρηται Μένανδρος, φ ἄει μὲν ὅν χρηστέον ὡς οὐκ ἀκριβώς Ἤλληνικῳ bit δὲ τῶν ἀκατονομάοτων πιστευτέον · ὧν γὰρ γενῶν ἡ πραγμάτων ἡ κτημάτων ὀνόματα παρ’ ἄλλοις ὄδκ ἔστι, ταντὰ ἀγαπητὸν ἄν εἰὴ καί 6( παρὰ τούτον λαβείν. Diese Abneigung der Atti-zisten gegen Menander erklärt sich daraus, daß er eben die lebendige Sprache seiner Zeit schrieb und daher manche Wörter und Formen brachte, die der ἀρχαία noch fremd waren, dagegen später in der κοινή fortlebten. Es kann keinem Zweifd unterliegen, daß Menander ein ebenso vollgültiger Vertreter der guten attischen Sprache für die [1274] Wende des 4. und 9. Jhdts. ist, wie Aristophane» für den Ausgang des 5. Jhdts. (Chr. Bruhn Über den Wortschatz des Menander, Kiel 1910 und D. Bl. Durham The vocabulary of Menander, Princeton Un. 1913). Die begeisterten Lobsprüche, die Plutarch (comp. Arist. et Men. 2, 853 E und quaest. conv. VII 8, 3, 712 B) gerade der Sprache Menanders spendet, sind voll begründet. Sie ist von unnachahmlicher Natürlichkeit, Kraft und Frische. Steht sie auch der des Aristophanes an schöpferischer Macht und Fülle nach, so übertrifft sie sie durch die Fähigkeit, sich jeder Situation und jedem Charakter aufs feinste anzupassen, Μένανδρος οὐτως ἔδειξε τὴν λέξιν, ὥστε πάση καὶ φύσει καὶ διαθέσει καὶ ἠλικίῳ σύμμετρον εἶναι sagt Plutarch (comp. Arist. et Men. 2) mit Recht. Sein Dialog ist stets gesprochene Rede, keine Buchsprache, wie Demetrios π. ἔρμ. 193 von ihm im Gegensatz zu Philemon hervorhebt, δω τούτο δὲ καὶ Μένανδρον ὑποκρίνονται λελυμένον ἐν τοῖς πλείστοις, Φιλήμονα δὲ ἀναγινώσκουσιν.

Im Anschluß an die Sprache sei auch die Namengebung der neuen K. kurz berührt (K. Gatzert De nova com, quaest. onomatolog., Gießen 1913). An Stelle der freierfundenen redenden Namen, wie sie Aristophanes wenigstens für die Hauptpersonen liebt, waren schon in der mittleren K. gangbare attische getreten, die durch ihre Verbreitung eine Beziehung auf einzelne lebende Träger ausschlossen (s. Antiph. frg. 191); vorbereitet war das schon in der alten K. in den Namen von Nebenpersonen (Gatzert 4ff.). In der neuen K. bildet sich nun ein nicht allzu großer Kreis von Namen heraus, die immer wieder verwendet werden und eine gewisse typische Geltung gewinnen; daß Moschion für Jünglinge, Glykera und Pamphile für Liebhaberinnen geeignete Namen sind, sieht man leicht ein, aber warum z. B. Lâches ausschließlich für Väter, Myrrine für Mütter, »der gute attische Name Sosias ausschließlich für Sklaven gebraucht werden, ist nicht ohne weiteres klar. Für den Dichter war der konventionelle Name bequem, weil er sofort bestimmte Vorstellungen über den Träger bei den Zuschauern erweckte.

Auch die Hauptvertreter der νέα sind von großer Fruchtbarkeit, wenn auch keiner die Stückzahlen des Antiphanes und Alexis (s. o. S. 1266) erreicht. Menander schrieb in etwa 30 Jahren) nach Apollodor (frg. 77 Jac.) 105, nach Suidas und dem Anon. π. κωμ. 17 (S. 9 Kaib.) 108, nach andern (bei Gell. XVII 4, 4) 105, Philemon, bei ungewöhnlich langen Leben, nach Snidas gegen 90, nach dem Anon. π. κωμ. 16 und Diodor (ΧΧΓΠ 7) 97, Diphilos nach dem Anon. π. κωμ. 18 (S. 10 Kaib.) 100 Stücke. Mindestens bei Menander muß man, wie bei Antiphanes und Alexis (s. o. S. 1266) annehmen, daß er einen nicht unbeträchtlichen Teil außerhalb Athens aufführen ließ, oder zunächst) als Buch herausgab. Die überreiche Produktion führte zu starken Wiederholungen und Entlehnungen, Caecilius von Kaleakte behauptet (frg. 164 Ofenloch) δλον ὄραμα ἐξ ἀρχῆς εἰς τέλος Μντιφάνοῦς τὸν ὌΙωνιστην μεταγράφαι τὸν Μένανδρου εἰς τὸν Ἀεισιδαίμονα, und schon Aristophanes von Byzanz schrieb nach Porphyrios bei Euseb. praep. ev. X 3, 12 eine Schrift παράλληλοι Μένανδρου re καὶ ἄφ* ὧν Ἴκλεψεν ἐκλογαί. Nicht selten [1275] arbeiten auch die Dichter ältere Stücke um, so Menander die ΠερινθΙά zur Ἀνδρία (s. Herm. XLIV 309ff.), Diphilos (Athen. XI 496 f) den Αἰρησιτείχης zum Εὐνουχος Στρατιώτης, Der Anon π. κωμ, 15 (S. 9 Kaib.) gibt die Gesamtzahl der Dichter auf 64 an und nennt als ἀξιολογώτατοι τούτων Φιλήμων, Μένανδρος, Δίφιλος, Φιλιππίδης, ἸΙοαείδιππος, Ἀπολλόδωρος, dieselben Namen, aber ohne Poseidippos stehen im Laterculus Coislinianus (Usenet Dion. Hal. librorum de 1 imitât, rell. 130).

Die nachstehende Liste enthält 74 Namen, darunter sind aber nicht wenige nur aus Inschriften bekannte, die sicher zum Teil nie literarische Geltung gehabt haben; einige, wie Nikon, Philostepha-nos, Poliochos, Sosikrates könnten auch zur μέση gehört haben. Ich bin mir bewußt, das inschrift-liche Material nicht erschöpft zu haben. Agathenor, Agathokles, Alexandros, Amendas, Anaxippos, Antiphon, Apollodoros von Gela, Apollodoros von Kary- 2 stos, Archedikos, Archikles, Aristokrates, Ariston, Athenion, Baton, Biottos, Chairion, Charikleides, Damoxenos, Demetrios 11, Demonikos, Demophilos, Dexikrates, Diodoros, Diomedes, Dionysios 11, Diophantos, Diphilos, Echetos (?), Epigenes 11, Epikrates 11, Epinikos, Euangelos, Eudoxos, Eumedes, Euphron, Hegesippos, Hipparchos, Iolaos, Kallia-des, Kriton, Krobylos, Laines, Lampytos, Laon, Lynkeus, Machon, Menandros, Nikarchos, Nikode-mos, Nikolaos, Nikomachos, Nikon, Nikostratos 11, * Novios, Paramonos, Philemon I, 11, III, Philippides, Philokies, Philostephanos, Phoinikides, Poliochos, Poseidippos, Satyrion, Simylos, Sogenes, Sosikrates, Sosippos, Stephanos, Theognetos, Timostratos, Timoxenos, Xenon.

Die römische Komödie.

Da es sich hier um eine weniger reiche und weniger organische Entwicklung handelt, so kann ich mich kurz fassen und ein für allemal auf die Einzelartikel verweisen, besonders auf Atellana, Mimus und Togata. Die Literaturangaben außer in den Werken von Teuffel und Schanz auch in Haulers Vorrede zur Ausgabe des Phormio (1913).

1. Die äußeren Bedingungen.

Die K. kam dadurch nach Rom, daß man die musischen Agone der Griechen übernehmen wollte. Die Nachricht in Cassiodors Chronik (p. 128 M. zum J. 239 statt 240) ludis Romanis primum tragoedia et comoedia a L. Livio ad scaenam data kann richtig sein, wenn sie auch ungenau sein mag: dann wären an den Ludi Romani regelmäßig Tragödien und K. aufgeführt worden. Da wir nur acht komische Didaskalieen besitzen, so können wir über die Häufigkeit der K. an den einzelnen Ludi wenig sagen: an den Romani ist J. 161 Terenz' Phormio aufgeführt worden, an den Plebeii J. 200 der Stichus, an den Megalenses Andria, Hecyra, Hautontim. und Eunuchus. Die Adelphoe sind an den Leichenspielen des L. Aemilius Paulus gegeben; hier haben die persönlichen Beziehungen des Dichters zu den Söhnen des Paulus den Ausschlag gegeben. Die Aufführungen von K. an den Spielen werden noch längere Zeit regelmäßig gewesen sein, und zeitweise hat man vielleicht nach dem Vorbilde der Griechen neben der νέα eine παλαιά gegeben: so kamen um die Mitte des 2. Jhdts. v. Chr. plautinische und anscheinend [1276] auch terenzische Stücke auf die Bühne, und Terenz betont, daß die seinigen novae seien (Haut 29. 34. 43). Leo Anal. Plaut II 20. Pie Aufführungen von K. haben bis in den Anfang der Kaiserzeit gedauert, sind aber allmählich eingeschlafen; die von Friedländer Sittengesch. Πθ 632 beigebrachten Zeugnisse beweisen für Aufführung lateinischer K. nichts. Die Zeugnisse des Plin. ep. VI 21, 3 ( Vergilius Romanus) scripsit comoedias Menanarum aliasque aetatis eiusdem aemulatus: licet has inter Plautinas Terentianasque numeres. Iuv. 1, 3 inpune ergo mihi recitaverit ille togatas? OLE 97, 2 (hadrianische Zeit) Menandri paucas vorti scite fabulas et ip-3U8 etiam sedulo finxi novas gehen gewiß nicht auf aufgeführte Stücke. Die Illustrationen der Terenzhandschriften, die Kenntnis der Bühnenpraxis verraten, können (nach Robert Die Masken der neueren attischen K., Halle 1911, 108) auf das 1. Jhdt. v. Chr zurückgehen. Also wird die K. etwa nach der Blüte des Mimus von der Bühne verschwunden sein.

Das fertige Stück verkaufte der Dichter wohl meist an den Dominus gregis: als solchen kennen wir aus plautinischer Zeit T. Publilius Pellio, aus terenzischer L. Ambivius Turpio und L. Katilius aus Praeneste. Ambivius sagt Hec. prol. 56: tu Iubeat scribere aliis mihique ut discere novas expédiât posthac pretio emptas meo. Damit steht in wirklichem oder scheinbaren Widerspruch Eun. prol. 19: quam nunc acturi sumus Menandri Eunuchum postquam aediles emerunt, perfecit sibi ut inspiciundi esset copia, wonach die spielleitenden Beamten dem Dichter das Stück abkaufen; vgl. Ovid. Trist II 507 scaena est lucrosa poetae tantaque non parvo crimina praetor emit. Donat zu Hec. 56 sucht beides zu vereinigen: aestimatione a me facta, quantum aediles durent, et proinde me périclitante, si abiecta fabula a me ipso pretium, quod poetae numeraverint, re-pétant. Das beruht gewiß auf Kombination; wahrscheinlich kauften die Aedilen das Stück vom Dominus und bezahlten für jede Aufführung (Dziatzko Rh. Mus. XLIX 562, anders W. Meyer Quaest. Terentianae, Leipz. 1902, 69). Daß der Erfolg des Stückes die Einnahme erhöhte, sagt Suet. vit. Ter. 29, 8 R.: Eunuchus quidem bis die (deinceps Ritschl) acta est meruitque pretium, quantum nulla antea cuiusquam comoedia i. e. octo milia nummum (vgl. Donat. ebd. 35, 11): die Sache ist möglich, wenn auch die Angabe ungenau sein mag. Sonst vgl. noch Hec. prol. 5 (zur zweiten Aufführung gedichtet) nunc (nachdem das Stück das erstemal nicht zu Ende gespielt worden war) haec planest pro nova, et is qui scripsit hanc ob eam rem noluit Herum referre, ut Herum posset vendere, was verständlich wäre, wenn die Negation zu ob eam rem gehören könnte: ,das Stück erscheint heute wie 60 ein neues (als habe noch keine Aufführung statt-gefunden), der Dichter wollte es nicht zu dem Zwecke wieder auf die Bühne bringen, das Honorar nochmals zu verdienen⁴.

Im übrigen muß man in Betracht ziehen, daß in Rom die sakrale Gebundenheit des Spieles, die wir aus Griechenland kennen, fortfiel, also auch die Zahl der Schauspieler nicht beschränkt war (Warnecke o. Bd. VIII S. 2116). Die erhaltenen [1277] K. erfordern zwischen drei ùnd mindestens sieben, Teuffel § 16, 4. Der Chor war schon in der neueren Zeit dazu verwendet worden, Embolima zu singen, und diesem Zweck dient der einzige in der römischen K. vorkommende, der Eischerchor im Endens, Über die Funktionen des Choragus s. Reisch o. Bd. III S. 2406.

2. Der Bau der Stücke.

Wenn auch natürlich die römischen K. ihre Struktur von den griechischen Vorbildern erhalten, so zeigen doch die Palliatae Eigenheiten, die sich teils aus der Kontamination, teils aus dem metrischen Bau ergeben. Was jene anbelangt, so ist festzuhalten, daß contaminare ursprünglich nicht zusammenschweißen, sondern antasten bedeutet: Luscius Lanuvinus macht dem Terenz den Verwurf, daß er multos contaminasse Oraecas, dum facit paucas Latinas (Haut. 17), und Terenz beruft sich für sein Verfahren auf seine Vorgänger Naevius, Plautus und Ennius (Andr. 18) und gibt bei der 20 Andria an, daß er Menanders Perinthia in die Andtia, bei den Adelphoe, daß er eine Szene aus Diphilos in das Menanderstück hineingearbeitet habe. Ebenso hat er in den Eunuch zwei Rollen aus dem Kolax übertragen. Das ist alles, was uns überliefert ist; von hier aus hat man auch bei Plautus in weitem Umfange Kontamination angenommen, indem man von den unleugbar vorhandenen Widersprüchen und Inkonsequenzen ausging. Neuerdings ist man darin vorsichtiger geworden und hat den possenhaften Charakter der Stücke in Betracht gezogen, der eine strenge Folgerichtigkeit nicht erforderte. Vgl. Schwering Hb. Jahrb. XXXVII 167.

Wichtiger ist der metrisch-musikalische Unterschied. In der neueren K. herrschen der iambische Trimeter und der trochäische Tetrameter, neben denen andere Maße nur ganz vereinzelt vorkamen, die Musik war ziemlich auf die Zwischenakte beschränkt, die nicht organisch mit den 4 Stücken zusammenhingen. An die Stelle dieser Einfachheit setzen die römischen Komiker eine reiche Buntheit, indem sie außer den jambischen Senaren und trochaischen Septenaren auch andere iambische und trochäische Langverse für die Dialogszenen verwenden; doch ergeben die Beischriften C und DV in den Plautus-Hss., daß nur die Senarszenen als Deverbium galten, also ohne musikalische Begleitung waren (Reisch o. Bd. III S. 1495. Wissowa o. Bd. V S. 1232). In Terenz-Hss. fand sich nach Donat. praef. Ad. 5, 3 auch das Zeichen M. M. C., d h. mutatis modie canticum, für die eigentlich lyrischen Szenen. Außerdem aber ersetzten sie Trimeter- und Tetrameterszenen der Originale durch Arien, die sich in lyrischen Maßen bewegten, und machten so aus dem Lustspiel ein Singspiel. Man darf vermuten, daß es unter Anlehnung an die mit Couplets ausgestattete Volksposse geschah. Die verwendeten Maße sind außer Anapästen namentlich Kretiker, Bakcheen und das variable Kolon Reizianum; das diese ohne jede Responsion gebauten Lieder beherrschende Prinzip ist der Wechsel des Versmaßes, wo ein Sinnesabschnitt eintritt (Der zuletzt von Sudhaus gemachte Versuch, eine strophische Gliederung der plautiniscben Cantica nachzuweisen, ist mißlungen, vgl. Leo Gött Anz. 1911, 65. Dasselbe [1278] gilt von den älteren Versuchen Conradts und Meissners für die terenzischen Cantica.) Boch weicht liier Terenz erheblich von Plantas ab: er baut Seine Cantica im eigentlichen Sinne meist aus rasch wechselnden trochäischen und jambischen Versen und schafft Ruhepunkte durch Dimeter (Klauseln); eigentlich lyrische Maße hat er nur zweimal in der Andria und einmal in den Adelphoe angewendet. Dafür läßt er aber in den stichisch gebauten Szenen das Versmaß öfter wechseln. Ob diese Reform von ihm selbst ausging, ist schwer zu sagen; sie hängt mit seinem Bestreben, den menandrischen Kunstcharakter wiederzugeben, zusammen. Die stichisch gebauten Cantica, z. B. die vielen kein gehobenes Ethos zeigenden Szenen in trochäischen Septenaren, sind natürlich nicht wie die eigentlich lyrischen Szenen gesungen, sondern melodramatisch vorgetragen worden.

Die musikalische Begleitung wurde in den uns bekannten Fällen von einem Sklaven des Dominus gregis (bei Plautus Marcipor Oppi, bei Terenz Flaccus Claudi) gesetzt und wohl auch ausgeführt. Die terenzischen Didaskalieen machen nähere Angaben über die benutzten Flöten und erwähnen tibiae pares oder impares oder duae dextrae oder Sarranae (v. Jan o. Bd. II S. 2421); zum Haut, heißt es: acta primum tibis im· paribus, deinde duabus dextris.

Von einer Einteilung in fünf Akte reden die) Grammatiker (Teuffel § 16, 7); in den griechischen Stücken war sie kaum streng durchgeführt. Dort war der Aktschluß durch das Auftreten des Chores kenntlich; da dieser in den römischen Stücken fortfiel und an seiner Stelle (immer?) die Flöte blies (Pseud. 573: tibicen vos interibi hic delectaverit), so müssen wir das Eintreten des Aktschlusses aus dem Leerbleiben der Bühne erschließen (Donat. Arg. Andr. 38, 21), wobei völlige Sicherheit nicht zu erzielen ist. Der Versuch von Keym De fab. Terenti in actus dividendis, Gießen 1911, alle Terenzstücke in drei Akte abzuteilen, ist mißlungen.

3. Geschichte der Komödie.

Man begann naturgemäß damit, Stücke der neueren K. zu übertragen; diese Gattung wurde später von den Grammatikern nach dem griechischen Kostüm palliata genannt. Über die zwei K. des Livius läßt sich nichts sagen; kenntlicher ist Naevius, der nicht nur keck römische Anspielungen einlegt, sondern seinen Hariolus in Italien spielen läßt, d. h. die erste Togata dichtet. Plautus behält diese römischen Anspielungen bei, die den künstlerischen Charakter des Originals zerstören; unter seinen Vorbildern sind die klassischen Dichter der neueren K., Menander, Diphilos, Philemon, reichlich vertreten, aber er berücksichtigt auch mindere und jüngere Dichter, wie den obskuren Demophilos. Caecilius schlägt mit seiner Vorliebe für Menander die Brücke zu Terenz, der die Ausgeglichenheit seiner Originale auch in der Sprache zu erreichen sucht; er stützt sich bereits auf einen kleinen Kreis von vornehmen Kennern und setzt sich unter ihrem Beifall mit seinem Rivalen Luscius Lannvinus auseinander. Mit Tarpilius (f 103) ist die wirkliche Geschichte der Palliata zu Ende. Zu einer wahren Volkstümlichkeit hatte sie es wohl nie gebracht, und nun machte ihr die Togata noch den Boden streitig. [1279] Einen Kanon der Palliatendichter stellte Volcacius Sedigitus in seinem Lehrgedicht de poetis auf; er nennt sie dort in der Reihenfolge Caecilius, Plautus, Naevius, Licinius, Atilius, Terentius, Turpilius, Trabea, Luscius, Ennius. Sie soll ein ästhetisches Urteil enthalten, dessen Begründung uns gleichgültig sein kann. Auch Urteile, wie das des Varro sat. 399B.: in arffumentis Caeeilius posait palmam, in ethesin Terentius, in sermonibus Plautus haben nur bedingten Wert, da sie griechischen Kunsturteilen nachgebildet sind und keine Rücksicht darauf nehmen, daß die Römer in der Hauptsache Übersetzer und Bearbeiter sind.

[Kroll. ]
Schluß des Einundzwanzigsten Halbbandes
Nachträge und Berichtigungen.