RE:Laios 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Labdakide, Vater des Oedipus
Band XII,1 (1924) S. 467512
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Laios. 1) [...] [468] [469] [470] [471] [472] [473] [474] [475] [476] [477] [478] [479] [480] [481] [482] [483] [484] [485] [486] [487] [488] [489] [490] [491] [492] [493] [494] [495] [496] [497] [498] [499] [500] [501] [502] [503] [504] [505] [506] [507] [508] [509] [510] [511] [512] 1) Der Labdakide, Vater des Oidipus.

A. Literatur. Stoll Myth. Lex., nur zur schnellen Orientierung; Einzelheiten viel genauer bei Höfer ebd. s. Oidipus. Bethe The-ban. Heldenlieder. Gruppe Griech. Myth., s. d. Register H 1803, umfassende Heranziehung des Materials. Robert Oidipus, 2 Bde. 1915, ganz unentbehrlich; das Material mit vollkommenster Gründlichkeit verarbeitet; danach knapp Preller-Robert Griech. Myth. II 130–133. 876–899, vielfach zu modifizieren, falls die unten [468] Laios (Quellen) 4bo-

folgenden Ausstellungen richtig sind. Die beste mir bekannt gewordene Kritik von Roberts Oid. ist die von Nilsson Gott. Gel. Anz. 1922, 36–46, der ebenfalls Oidipus als Kultfigur ablehnt und ihn für eine Sagenfigur hält. So ist auch L. zu behandeln.

B. Quellen. Gruppe 501–503.

a) Literarische. Bei Homer fehlt der Name L. nur zufällig; daß die Oidipussage 10 wenigstens dem Verfasser der Nekyia bekannt war, beweist Od. XI 271. Robert I 108–112’ rechnet diese Stelle zu den drei, die nach seiner zwar sehr verlockenden, aber doch nicht ganz beweisbaren Ansicht die Oidipussage in kretisch-mykenische Zeit hinaufrücken, s. u. C a. Welche Rolle L. im thebanischen Heide 1 i e d e spielte, ob er schon da durch paid-erastisehes Verhältnis zu Chrysippos die Erbschuld seines Geschlechts auf sich lud, wüßten 20 wir, obwohl direkte Zeugnisse fehlen, wenn das Peisandrosscholion Eur. Phoin. 1760 den Inhalt der Oidipodia wiedergäbe. Diese Ansicht Bethes 5ff. wurde lange und vielfach gebilligt, aber nicht mit Recht, s. u. C z. Wir wissen also über L. im Epos, auch in A n t i -machos’ Thebais, nichts Bestimmtes; über einzelne Vermutungen s. u. (ein Fragment aus Antimachos’ Av über die Rosse des L. Schol. Eur_ Phoin. 44, s. u. Cu ö).

30 Unsere ältesten Zeugnisse neben dem Drama stammen aus Pindar ὌΙ. II 38 und Pherekydes frg. 4 = Schol. Eur. Phoin. 53 und frg. 47a = Schol. Eur. Phoin. 39; sie sind knapp.

So bleibt das Drama unsere Hauptquelle, die aber nur schwer und mit Vorsicht benutzt werden kann: schwer, weil die Hauptstücke über L. nicht erhalten sind, mit Vorsicht, weil die Tragiker den Stoff der Oidipussage vielfach umgestalteten.

40 Aischylos* Sieben gehörten zu einer 467 aufgeführten Trilogie L. (ganz dürftige Reste Nauck TGF2 39, 12H.), Oidipus, Sieben; Satyrspiel Sphinx, Auf Wiedergewinnung des Inhalts der verlorenen Dramen verzichtete noch v. Wilamowitz Aischylos Interpret. 97; aber Versuch einer Rekonstruktion bei Robert I 252ff.; über die Verteilung des Stoffs auf die drei Stücke 272ff.; über den L. 269. 278ff. Der Hauptinhalt des Stücks war Ljs Tod; es enthielt 50 aber nach Robert auch die Besiegung der Sphinx und schloß mit Oidipus’ Vermählung; kein Kausalkonnex zwischen Sphinx und L. oder gar seinen Handlungen und Sünden; Bedenken dagegen s. u. Überblick über die ganze Trilogie und ihren Aufbau 282f.

Über L. bei Sophokles Tycho v. Wilamowitz Dram. Techn. d. Soph. 73, 1. 74, 1. R o b e r 1 1 284ff.

Über Euripides Christ-Schmid 60 Gesch. gr. Lit. I⁶ 369ff. Über den Oidipus Gruppe 521, 4 (die Vase auch bei Höfer 705/6). Robert I305ff.: über (Oinomaos, Chrysippos], Phoinissai Gruppe 502. Robert I 396ff. Die Phoinissai .drängen die ganze Labda-kidensage, die Aischylos in einer Trilogie behandelt hatte, in eine Tragödie zusammen. Ferner verknüpfte Euripides die Geschichte der Labdakiden mit der des zweiten durch seine Ver- [469] 469 Laios (Quellen)

brechen berühmten Sagengeschlechts, der Pclo-piden, wobei er sich freilich darauf beschränken mußte, den Ahnherrn des Geschlechts, seine Schuld und Strafe vorzuführen..... Das blinde Werkzeug dieser Strafe ist L., der sich selbst dadurch eine Schuld auflädt, für die nicht nur er selbst, sondern auch sein Geschlecht zu büßen hat‘. Die Verbindung der beiden Sagenkomplexe läßt Robert Euripides dadurch (erstmalig?, s. u. C e) schaffen, daß bei ihm L. den 1 Chrysippos, Sohn des Pelops, raubt, den in alter Sage Zeus geraubt habe. Fragmente bei Nauck TGF²: des Oidipus 532 nr. 540–557; des Chrysippos 632 nr. 839–844; namentlich genannt wird in ihnen L. nicht. Ungeheurer Einfluß der Phoinissai auf die Nachwelt: Robert I 451. Die Phoinissenscholien (Dindorf s Ausgabe III 1863 durch die von Schwartz I 1887 nicht völlig entbehrlich) sind unsere Hauptquelle für verlorene Überlieferung über L.; sie zeigen auch, wie die von Robert aufgeworfenen Aufbau- und Motivierungsfragen auch von alten Gelehrten eifrig und zum Teil nicht ohne Glück behandelt wurden. Die u. oft zu zitierende Wolfenbütteler Hypothesis der Phoinissai, die außer im Guelpherb. auch im Baroccianus in Oxford steht, mit den Worten 'Ἀρπασθείσης Εὐρώπης beginnend, steht bei Dindorf 5ff.; in Naucks Eur. in der Bibl. Teubn. II³ 392, 28 unter Ἀριστοφάνους γραμμ. ὕπσθ. 4. Absatz; bei ' Schwartz fehlt sie.

Was die Komiker Platon in seinem L., Kock CAF I 617, Strattis im Chrysippos, Kock I 726 und was Diogenes von Sinop e im Chrysippos und Oidipus, Nauck TGF³ 808 von L. berichteten, wissen wir nicht: bei der parodistischen Art der Behandlung in diesen Stücken wäre es mythologisch wohl belanglos. Über Meietos’ Drama Οἰδιπόδεια Kock CAF I 505, 438. Robert I 491.

In der alexandrinischen Pleias finden wir Lykophron mit einer Tragödie L. (Suid. s. Aux.), von der nichts erhalten ist, und Sosi-phanes, s. u. Ca. Cm; andre Tragiker Robert I 491–493.

Nicht unwichtig ist eine Notiz aus L y s i -machos’ von Alexandreia Θηβαικὰ παράδοξα über die Sphinx als L.s Tochter, s. u. CI: die Umgestaltung der Sage dauert an.

Um Christi Geburt erzählte Nikolaos von Damaskos, MüllerFHG III 365f., die Oidipussage zum Teil abweichend von den früheren, so auch betreffs L. In der Frage, inwieweit er damit junge Umgestaltung der sich auch in seiner Zeit lebendig fortentwickelnden Sage bietet oder ältere, uns sonst verlorene Züge bewahrt hat, entscheidet sich R o b e r t I 93. 553f. für Kontaminationen aus Sophokles und Euripides mit Ergänzung des dort Gebotenen aus älteren Quellen; aus diesen Motivierung von Oidipus’ Auszug, s. u. C a, und der Mord des L. am Laphystion, s. u. Cs δ; auch die Version, die L.ß Verbannung nicht kennt, ist vielleicht alt, s. u. Cd a. E.; dagegen über Möglichkeit jüngeren Sagenguts CeÔ a. E.

Über die Oidipussage bei den Mythogra-p h e n und deren Quellen Gruppe 502f. und sehr handlich Robert I 511 ff. [470] Laios ueiien; * ί v

Von den Lateinern, Gruppe 502f. Robert ῖ 451, schrieb A c c i u s Chrysippus und Phoenissae, Ribbeck TRF³ 196f. 2«; Röm. Trag. 444. Robert II 140, 22; Seneca Oedipus (über L. 2480. 276ff. Beschreibung der Mordstelle, s. u. Cs??. 623–658. 865–783) und Phoenissae. Statius ließ in der Thebais den Schatten des L. auftreten, Gruppe 760, 8; über seine Quelle, nicht Antimachos, Wentzel .0 o. Bd. I S. 2434, 42; anders Gruppe 503 (der aber Bethes Hypothese eines großen mytho-graphisehen Handbuchs Bursians Jahresb. CLXXXVI 1921, 296f. bezweifelt und z. B für die auch uns wichtige Stelle Diod. IV 64 auf-gibt). Aus diesen lateinischen Werken und auch aus Cicero Tusc. IV 71 (Liebe des L. zu Chrysippus); de fato 30 gewinnen wir für unsere Kenntnis des L. nichts.

Wichtig ist, daß die Byzantiner, soweit 10 sie nicht als Gelehrte früheres Gut einfach weitergeben, von L. und Oidipus wesentlich anders berichten als die Tragiker, daß also die Sage sich auch in der Spätzeit selbständig fort-entwickelte, s. u. C z.

Parallelen zur Oidipussage bei Neugriechen und außergriechischen Völkern stellte sehr dankenswert Höfer 743–746 zusammen. Daraus, daß dort manchmal, 746, 30, der Vatermord fehlt, wird man schwer-30 lieh schließen dürfen, es sei hier in einer Unterströmung (die es gerade in der Oidipussage gibt, Robert I 147), eine Fassung der Sage in die Neuzeit bezw. zu anderen Völkern gelangt, die L. gar nicht kannte.

b) Die Kunstdenkmäler sind hier nicht nach der Entstehungszeit geordnet, weil das praktisch nichts ergibt, sondern zwecks besserer Übersichtlichkeit nach dem Gange der L.-Sage. Die wichtigen jetzt alle bequem bei 40 R o b e r t; daneben sind hier andere Abbildungen und Literatur nur in Auswahl zitiert.

1. Krater der Sammlung Pulszky in Pest, Robert I 409 Abb. 57, Raub des Chrysippos; nach Robert nicht lange nach der Aufführung von Euripides’ Chr. gemalt; die Darstellung ermöglicht Schlüsse auf den Inhalt dieses Stücks und seine Beliebtheit. 2. Apulische Prachtamphora in Berlin, Furtwängler Vasensammi. im Antiquarium nr. 8239. Gerhard 50 Apul. Vasenb. VI. Overbeck Bildw. z. theb. u. troian. Sagenkr. Taf. 11. Robert I 405 Abb. 56 nach neuer Zeichnung. Raub des Chrysippos nach Euripides’ Chr. Furtwänglers Zweifel an der Deutung O. Müllers ist unberechtigt; er hat den Eros übersehen. 3. Apulische Amphora (Robert: Krater) in Neapel, Heydemann Vasensammi, des Mus. naz. in Neapel nr. 1769. Overbeck a. a. O. Taf. I 2. Robert I 405 Abb. 55 nach neuer Zeichnung. 00 Darstellung und Quelle wie nr, 2. 3a. Die apulische Pelike, Bull. 1840, 188 nr. 9. Overbeck S. 10 nr. 3, Raub des Chrysippos (?) und 3 b den Aryballos, ehemals in Dr. Brauns Besitz. L., Chrysippos, links Pan, rechts Aphrodite auf Herme gelehnt und der Pädagog, Gerhard Apulische Vasenbilder Text 7, 7, konnte ich nicht identifizieren. 4. Cista Barberini, Rom, Museo der Villa Papa Giulio. Helbig-Amelung [471] 4H

Laios (Quellen)

Führer nr. 1768a. Della Seta Museo di Villa Giulia 445. Robert I 403 Abb. 54. (a) Raub des Chrysippos. (b) L. empfängt von Apollon das Orakel (Eur. Phoin. 17ff.), Bethe 14, 19. Zweifel von Helbig-Amelung und D e 11 a S e t a an der Deutung von a durch oben 2. [3.] widerlegt, aber auch ihre Zweifel an der von b unberechtigt, Robert II 135, 15. Zur Deutung auch noch Robert I 409. 5. Sarkophagdeckel in Rom, Lateran, Beηndori 1 Schöne Ant. Bildw. d. Lat. nr. 387. Helbig-Amelung Führer nr. 1202. Robert I 562 Abb. 72. Sieben Szenen aus der Oidipussage, davon uns angehend: (a) L. bittet Apollon um Nachkommenschaft; (b) L., der gegen die Mahnung des Gottes ein Kind gezeugt hat, sitzt, über das drohende Unheil nachsinnend, auf einem Felsen; gegen Höfers Deutung 712, 55 Robert II 178; (c) L. von Oidipus getötet. »Beinahe durchweg im Anschluß an Eur. Phoin.* 2 Helbig, aber ,nach Mythographenart... die Szenen ... ausgewählt und aneinandergereiht..., dieselbe Mischung euripideischer und sopho-kleischer Motive wie bei Apollodor und Hygin... der Künstler hat die Lücken in der Erzählung der euripideischen lokaste aus Sophokles’ erstem Oidipusergänzt*, Robert I 561. 563. 6.Vasenfragment aus Adria, dort im Museo Bocchi, Schöne Antichità del M. B. di A. tav. I nr. 404. R o b er t I 288 Abb. 47. L. von 31 Oidipus getötet (nebenbei: interessant die Sonnenschirme der Pferde). Erhalten von Oidipus nur die Beischrift . ἼΔΙΓΟΔΗΣ und die Keule, die er zornig um den Kopf wirbelt; ihn bedroht mit erhobenem Stock, in ein Fell gehüllt, auf dem Haupte una specie di pileo (Schöne; oder vielleicht eine Kynë), also in Hirtentracht (Robert), der Herold θΙΚΩΝ. Dahinter das stutzende Zweigespann des L.: dieser selbst fehlt jetzt; als Lokalgöttin des Parnassos und der4( phokischen Schiste ist die Muse ΚΑΛΛ1ΟΓΛ anwesend (an Kalliope, Tochter des Nykteus, s. u., Ioann. Antioch. Müller FHG IV frg. 8 ist nicht zu denken). Deutung nach Robert Apophoreton f. d. XLVII. Versamml. deutscn. Philol. 1903, 103; verfehlt Höfer 736, 54; auffällig allerdings der Name Sikon, Robert Apoph. 104f., da der Herold sonst anders heißt; die QuHIp des Bildes ist trotzdem Sophokles.

Robert I 287f. – Grund für das Fehlen 50 sonstiger Abbildungen der Mordszene nicht nur die Seltenheit von Bildwerken zum thebanischen Sagenkreis überhaupt. Gruppe 503, sondern das Fehlen von direkten Darstellungen der Szene in der Tragödie und vielleicht schon im Epos. Overbeck 60.

Unrichtig wurden früher einbezeEon: a) Etruskische Aschenkiste im Museum in Volterra. L. von Oidipus getötet?. Inghirami Mon. Etr. I 66. O v e r b c c k 61 nr. 74; s. aber B r u n - 60 Körte Urne Etr. II Taf. 43, 6 (Oinomaos und Pelops), b) Desgl. im Museum in Liverpool, Michaelis Anc. Marbl. in Gr. Brit. 426 nr. 12. L. von Oidipus getötet, jedoch diese Deutungvon Michaelis mit ? versehen, nach G. Körte eher Tod des Hippolytos, c) Violette antike Paste in Berlin, Overbeck Taf. II 10. Reinach Pierres gravées pL 80 (Gravelle II 88), zweifelnd [472] 'Laios (die Sage).'

472

von 0 v e r b e c k 60 nr. 73 und von Reinach 82 (zu II 88) auf den Mord des L. bezogen; aber es fehlt der Wagen und L.s Begleiter, und es stört eine Säule, auf der eine Sphinx? d) Amphora Beugnot, jetzt Paris, Bibl. nat., de Ridder Cat. d. vases p. de la B. n. II 372. Robert I 73 Abb. 22; nach früherer Deutung, Höfer 709, 59, Übergabe des Oidipus durch L. an den Hirten Euphorbos; aber s. R o b e r t. e) Schatten Odes ΛΑΙος auf einem Karlsruher Fragment einer Unterweltsvase, Robert I 390 Abb. 53, aber s. Robert II 131, 15. 17.

C. Die Sage. Eine Darstellung nach den einzelnen Schichten der Entwicklung in Epos, Drama usw., wie sie Robert vorbildlich für die Oidipussage im ganzen gegeben hat, ist für L. bei den Lücken der Überlieferung nicht recht möglich und für lexikalische Zwecke wohl auch nicht praktisch. Zugrundegelegt wurde also die 0 Reihenfolge der Ereignisse im Leben des L., obwohl Roberts Buch grundlegend zeigt, wie falsch diese frühere Art, mythologische Artikel zu verfassen, ist: sie ergibt Verwirrung, indem Züge, die aus verschiedenen Zeiten stammen, ineinander verwoben werden; andererseits reißt sie die aus Einzeltatsachen für die einzelnen Schichten zu ziehenden Schlüsse auseinander. Zur Vermeidung solcher Unklarheiten wurde jeweils zugefügt, was sich kritisch zu den ein-I zelnen Punkten sagen läßt. Über Peisandros und die Byzantiner s. am Schlüße dieses Abschnitts.

Für die Opposition gegen Robert, die ich hie und da versucht habe, ist zu beachten: sie ist nicht so leicht, wie sie zu sein scheint, wenn man den einen oder anderen Punkt horausgreift. Vielmehr baut sich bei Robert das Ganze wundervoll auf. eines greift immer logisch ins andere. Man tut also gut, außer den jeweils zitierten Stellen aus Roberts Buch immer I wenigstens dessen III. Kapitel zu beachten. Mit Unrecht scheint mir Robert als Tatsachen zu behandeln, was an sich gewiß möglich, aber nicht hinreichend bewiesen ist. L. und Oidipus seien ursprünglich Götter gewesen, I 1ff.: die Oidipussage reiche bis ins 2. Jahrtausend. I 108: die älteste Fassung einer Sage sei in der Regel auf eine Stadt oder eine Landschaft eng beschränkt, I 71. 74.

a) Abstammung. L. hat semitisches Blut in den Adern: er ist Abkömmling des Phoinikers Kadmos. Den Stammbaum Kadmos-Polydoros-Labdakos-L. kennt schon Herod. V 59. Soph. O. T. 267L Eur. Phoin. 5ff. Paus. IX 5, 3f. Hyg. fab. 76. Wolfenbütteier hyp. Eur. Phoin.

6. 15. Schol. Pind. ὌΙ. II 70f. Über Kadmos hinaus führen den Stammbaum so weiter, daß er durch lo oder Zeus wieder mit der griechischen Welt verbunden wird, Schol. Eur. Phoin. 158. 291. Lact. Plac. ad Stat. Theb. III 286. Gegensatz zwischen den ansässigen Sparten und den eingewanderten Labdakiden bei Sophokles. Ro bert I 335ff.. bei Sosiphanes (alexandrinische Pleias)? Robert I 494: Bedenken dagegen bei Bruhn N. Jahrb. XXXIX 567. Stammbaum der Verwandtschaft mit Xykteus, s. u.. uitd Amphion Robert II 133, 3, mit diesen und dem von L. geraubten Chrysippos Gruppe 509. Eine Mutter des L. wird nie genannt. [473] 473 Laios (die Sage)

Nach R o b e r t II 6, 30. I 59, dem Kunst Philol. Wochenschr. XLI 1150 zustimmte, war L. nicht von Anfang an Sohn des Labdakos, der eine spätere Schöpfung sei. Dessen Namen leitet Robert von dem des Buchstabens Labda (A) her [so wie sicher der Name von Kypselos’ Mutter Labda zu erklären ist; sie heißt ,L‘, d. h. ,die mit einem zu kurzen Bein⁴]. Ist diese Erklärung, wie anzunehmen, richtig, so ist L.s Vater eine ziemlich junge Figur, nicht älter als die Rezeption des phoinikischen Alphabets (und vielleicht nicht in Boiotien geschaffen, wo man das Labda unseres Wissens V schrieb, sondern nach Robert I 60. Preller-Robert II 131. 878, 1 in Ionien). Deutlich nach seinem Enkel Oidipus, dem Schwellfuß, ist aber damit Labdakos, der Hinkende, nicht erfunden. Dieser Annahme Roberts steht entgegen, daß Oidipus gar nicht hinkte; er hatte nur nach der Auffindung geschwollene Füße. Roberts (I 64) »aber die Füße blieben ihm geschwollen sein Leben lang⁴ ist literarisch und bildlich meines Wissens nicht bezeugt, und mit einem solchen Leiden konnte sich Oidipus nicht durch Tapferkeit auszeichnen, Apollod. III 50. Hyg. fab. 67. Kennmittel beim Anagnorismos waren nur die Narben der Durchbohrung, nicht die Schwellung, Hyg. fab. 67. Ebensowenig braucht man aus dem Tatbestände mit Robert zu folgern, L. sei einst nicht Sohn des Labdakos gewesen; sondern, wenn Labdakos nach 1000 (Rezeption des phoinikischen Alphabets) erfunden wurde, so kann auch sein Sohn L. erst in dieser Zeit entstanden sein (als alter Orakelgott ist er nicht zu fassen, s. u. Cx). Und dies ist für die Namen des Labdakidenstammes im allgemeinen deswegen wahrscheinlich, weil sie wohl alle rein griechisch sind. Für hohes Alter der Oidipussage spricht allerdings, daß nach Phere-kydes frg. 48 = Schol. Eur. Phoin. 53 Kinder des Oidipus von Minyern erschlagen werden; dagegen aber, daß noch zu Hesiods Zeit in Boiotien wenigstens der Zug der Sieben gegen Theben nicht populär war, Robert I 114. Und Phoiniker konnte die Sage sich in Theben wohl erst dann ansiedeln lassen, als in Boiotien die Macht der Träger der kretisch-mykenischen Kultur gebrochen war.

b) Die mythische Chronologie. Gruppe 514. 3. Herod. V 59f. verbindet mit L. und Oidipus mehr oder weniger feste chronologische Vorstellungen. Nach Paus. IX 5, 13ff. war L.s Ururenkel Tisamenos bei Beginn des troi-schen Kriegs minderjährig; L. gehört also in die 4. Generation, nach Tzetz. Exeg. Riad. 22, 4 Herm. in die 3. Generation vor dem troischen Kriege. In die Generation vor Herakles fällt er nach Soph. O. K., wo der Greis Oidipus Zeitgenosse von Herakles’ Zeitgenossen Theseus ist. Nach Schol. Pind. ὌΙ. II 70f. dachte man sich Oidipus um 925, fünfzehn Generationen vor Theron von Akragas. Zur Chronologie bei Malalas Robert II 171, 30.

c) Die Heimat des L. ist in unserer Überlieferung immer Theben. Über die Herkunft aus Eleon s. u. C x. L. hat keine Beziehungen zu Kreta, s. L. Nr. 2. Daß Oidipus bei Palaiph. IV (VII) nicht Thebaner, sondern Korinthier ist, be- [474] Laios (aie »age; 4/4

weist nichts für seines Vaters L. Heimat, da Palaiphatos die Sage willkürlich änderte, s. u. k.

d) Die Jugend. Im Alter von einem Jahre verlor L. den Vater. Dem Kindlein entriß die Herrschaft, oder es übernahm die Vormundschaft (nicht klar Apollod. III 40 ἀφείλετο, aber ἔως ὄντος ἤν παῖς; eindeutig Paus. IX 5, 5: ἐπετρόπευσε), ein Bruder von L.s Urgroßvater mütterlicherseits Nykteus, Lykos. Das ist ein 10 auffälliger Zug. In der Quelle des Apollodoros, nach Robert I 397f. EuripidesChrysippos, und des Pausanias werden also die Verwandtschaftsverhältnisse genau angegeben gewesen und es muß motiviert worden sein, warum nicht der Großvater oder der Urgroßvater großväterlicher- oder -mütterlicherseits, sondern ausgerechnet ein Bruder des letzteren eintrat. Auffällig ist auch, daß Apollodoros und Pausanias wissen, Labdakos sei jung gestorben, Apollodoros 20 auch den Grund seines Todes. Die Vorgeschichte des Labdakidenhauses wird also erzählt gewesen sein. Sehr alt mag andrerseits der Stammbaum bis Lykos hinauf nicht sein; ,die alte Sage kennt höchstens drei Generationen, meist nur zwei*, Robert I 60. Das würde etwa auf Euripides führen. Aber so sicher wie Robert möchte ich diesen als Quelle nicht annehmen, weil es nicht sicher ist, daß erst Euripides die Chrysipposepisode in die Oidipussage einbezog 30 (s. d. nächsten Abschn.), worauf Roberts ganze Beweisführung basiert; auch kennt z. B. vier Generationen von Arkeisios bis Telemachos schon die Odyssee XVI 118.

Nach 20jähriger Regierung wurde Lykos mit seiner Gattin Dirke von Amphion und Zethos ermordet, der nunmehr rechtliche Prätendent L. aber verjagt, Apollod. III 44. Hyg. fab. 9. Oder L. wurde von Freunden der Familie des Kadmos, als Amphion und Zethos den Vormund Lykos 40 bekriegten, ihren Nachstellungen entzogen, Paus. IX 5, 6. Diese Versionen scheinen erfunden zu sein, um L.s späteren Aufenthalt in Elis zu motivieren. Aber die Erfindung ist ungeschickt; bei näherem Zusehen passen zwei Züge der Chrys-ippossage nicht dazu, s. u. (Damit, daß sie ungeschickt ist, ist noch nicht gesagt, daß sie jung ist!). Oder Lykos verliert die Herrschaft, L. wird König. Erst unter seiner Regierung töten Amphion und Zethos den Lykos und die 50 Dirke wegen ihrer Frevel an Antiope; L. verzeiht ihnen und schenkt ihnen die Häuser des Lykos und Nykteus als Entgelt für erlittene Unbill und zum Lohne für tapferes Eintreten für die Mutter, Nikol. Dam. frg. 14. Müller FHG III 365. Diese Version setzt also die Verbannung (nicht deswegen auch die Chrysipposepisode!) nicht voraus: Stützen für sie finden wir im nächsten Abschnitt in zwei Umständen, Chrysippos Aufenthalt in Theben und Pelops’ Krieg mit L. 60 θ) Der Raub desChrysippos. Bethe 13ff. Der verbannte L. lebte in der Peloponnes bei Pelops als Gast, verliebte sich in dessen Sohn Chrysippos, den er im ἀοματοδοομεῖν unterrichtete, und entführte ihn, Apollod. III 44.

Den Raub des Chrysippos, nicht aber die Verbannung des L. und deswegen seinen Aufenthalt am Hofe in Elis kennt die hyp. Aisch. Sieben, hyp. Eur. Phoin. 244, 4 Schw. Wolfenb. hyp. 6, [475] 475 Laios (die Sage)

16 Dd.; dort lernt L. den Chrysippos, wie es scheint, auf einer Vergnügungsreise in der Peloponnes (Robert II 135, 13) kennen. Diese Fassung hält Bethe 13 vermutungsweise für die des Epos, die Motivierung des Aufenthalts in Elis durch Verknüpfung mit der thebanischen Königsliste für später; vgl. u.

Nach Hyg. fab. 85 (vgl. 271 ludis· über diese Stelle s. u.) raubte L. den Chrysippos bei den nemeïschen Spielen. Nach Gruppe 508, 2 a. E. dachte sich deswegen die Sage Pelops [nicht in Elis, sondern] um Phleius und Sikyon herrschend; daraus folgert Gruppe das von ihm auch aus anderen Gründen angenommene Alter des Chrysipposmotivs in der Oidipussage. Das scheint mir nicht richtig; die Sage konnte sehr wohl den thebanischen Königssohn mit dem Sohne des Herrschers von Elis die Spiele b e -suchen lassen. Auch daß der Zug, daß der Raub bei den nemeïschen Spielen stattfindet, an sich als alte Ansetzung erscheine, wie Gruppe will, wird sich nicht erweisen lassen; warum kann ihn denn nicht ein Späterer lediglich zur Verlebendigung seiner Erzählung zugefügt haben? – Ebensowenig kann ich Robert (II 133, 2) beistimmen, wenn er eine Art Beleg dafür, ursprünglich habe nicht L., sondern Zeus den Chrysippos entführt, s. u., gerade in dem Raube an den nemeïschen Spielen findet: der Gott habe den Knaben an seinem eigenen, ihm gefeierten Feste geraubt. Das ist wohl zu künstlich. Auch steht ihm Hygins ausdrückliches Zeugnis entgegen: Laius ... rapuit, eine Schwierigkeit, die freilich für Robert deswegen nicht existiert, weil er bei Hyginus eine Kontamination der Praxilla- (s. u.) und der späteren, Version findet, wofür allerdings Hyg. 271 Ο ΖΕΎ2 ludis (s. u.) spricht.

L. nahm den geraubten Chrysippos mit sich nach Theben, Athen. XIII 603a. Wolfenb. hyp. Eur. Phoin. 6, 19 Dd. Es ist zu beachten, daß das zu der Version von der Verbannung nicht paßt; als Verbannter konnte L. nicht, wann es ihm beliebte, also gerade zur Zeit des Raubs, als er Pelops’ Zorn entgehen wollte, nach Hause zurückkehren. – Daß L. das Verhältnis zu Chrysippos noch nach der Heirat mit lokaste fortsetzte, so daß diese seine Enthaltung vom Beischlaf in seiner Paiderastie begründet findet und seine Berufung auf das Orakel für eine Ausrede hält, Schol. Eur. Phoin. 21, ist mit Robert II 135, 16 nur als Grammatikereinfall zu fassen, s. u. k.

Pelops verfluchte den Räuber seines Sohnes, er solle kinderlos bleiben oder durch seinen Sohn sterben, hyp. Eur. Phoin. 244, 9 Schw. Wolfenb. hyp. 6, 22 Dd; ohne die Alternative, nur ἐξ οἰκείας φονευθηναὶ γονῆς, hyp. Aisch. Sieben. Nach Schol. Eur. Phoin. 66 Dd. sollte der Fluch durch Generationen wirken, und es wird dadurch motiviert, weshalb auch der un schuldige Oidipus leidet; vgl. Aisch. Sieben 745.

Von den späteren Schicksalen des Chrysippos. worüber verschieden berichtet wird, gehen uns hier nur die Versionen an, die ihn mit L. in Verbindung bringen: er wird ihm im Kriege von Pelops wieder abgênommen [NB. L. ist also, da er Krieg führen kann, kein Flüchtling!] , stirbt aber durch Atreus und Thyestes auf Be- [476] Laios (die Sage) 476

treiben Hippodameias [seiner Stiefmutter], Hyg. fab. 85, vgl. Thuk. I 9; oder Pelops verzeiht dem L. θd τὸν ἔρωτα; Chrysippos soll von Hippo-dameia beseitigt, die Schuld am Morde aber auf L. geschoben werden; doch der sterbende Chrysippos rechtfertigt L., ,Dositheos) Müller FHG VI 402, 7 = Ps.-Plut. KL Parall. 33 p. 313 Bern., worüber unten (aus Eur. Chrys.?); oder als Chrysippos schon tot ist, beschuldigt ein Orakelspruch 10 den L., ihn geraubt zu haben, Tzetz. chil. I 422;

dies wohl wertlose Konfusion von Tzetzes.

Im allgemeinen liegt der Raub des Chrysippos in der Jugend des L., [als er in der Verbannung lebte, und] vor der Rückkehr nach Theben, wo er dann den Oidipus zeugte. So ist auch auf der Cista Barberini, oben B b 4, L. beim Raube unbärtig und jung, als er dagegen Apollon wegen des ausgebliebenen Kindersegens fragt, älter und bärtig dargestellt. Nach dem 20 im übrigen z. T. korrupten Schob Eur. Phoin. 26; vgl. ebd. 66 Dd. erzählten aber einige, als L. den Chrysippos raubte, sei [der also schon erwachsene] Oidipus, der als untergeschobener Sohn Hippodameias in Elis lebte, dem Geraubten zu Hilfe gekommen (weil er den Chrysippos ebenfalls liebte, Schob 66), und habe L. erschlagen [also offenbar in Elis, nicht an einer Schiste in Mittelgriechenland]; lokaste sei zur Bestattung des Toten herbeigekommen, und Oidipus habe 30 ihr bei dieser Gelegenheit beigewohnt; über diese yon der Vulgata ganz abweichende Version scharfsinnig Robert I 506–508, über den Unwert solcher Umgestaltungen der Sage I 494. II 61, 10.

Die Liebe des L, zu Chrysippos sonst in der Literatur: bei Plat. leg. VIII 836 b erscheint sie als etwas ganz Bekanntes; nach Schob Plat. 330 Bekk. = K o c k CAF 505, 438 war sie das schon zur Zeit des Aristophanes. Cic. Tusc. IV 40 71 setzt sie als nach Euripides ebenfalls bekannt voraus. Dion Chrysost. X 24. Nach Aelian. hist. an. VI 15, vgl. var. hist. XIII 5 hatte Euripides [im Chrysippos] L. als Erfinder der Knabenliebe behandelt; wohl dagegen opponiert Plut. Peb 19. Athen. XIII 602L schreibt diese Erfindung nach Timaios den Kretern oder nach anderen dem L. zu; ähnlich außer L, dem Thraker Thamyris oder dem Kreter Talon oder Italienern Suid. s. Θάμνοις. Manche Griechen schoben also die Erfindung 50 der Paiderastie Nichtgrieohen zu, Preller Rh. Mus. N. F. IV 1846, 401. Andere betonten freilich, daß L. als Erfinder der Paiderastie unter den Menschen eine Parallele in Zeus mit Gany-medes als Erfinder dieser Leidenschaft unter den Göttern habe, hypoth. Aisch. Sieben. Wolfenb. hyp. Eur. Phoin. 6, 20.

Nach Praxilla von Sikyon bei Athen. XIII 603a wurde Chrysippos nicht von L., sondern von Zeus geraubt. Wenn nun aber nach Schob 60 Eur. Phoin. 26. 66 Dd. Oidipus den Chrysippos liebte, so schien für ὑπὸ Διός die Änderung ὕπ ὌΙθποδος geradezu gefordert zu werden, Stoll 1800, 61. Gruppe 1427, 3. Indes diese Konjektur V a 1 c k e n a e r s ist falsch, da sich noch andere, wenn auch indirekte Belege für einen Gott oder sogar für Zeus als Räuber des Chrysippos finden, die v. Wilamowitz Ind. lect. Gryphisw. 1888/1. 13 aufspürte: Clem. Alex. [477] 47? Laios (die Sage)

Protr. II 33, 5 S. 28 P. 1 p. 24 Staeh.; danach Arnob. adv. nat. IV 26 a. E. Firmic. de err. pr, rel. XII 2 (28, 6 Ziegl.), der zwar den Raub nicht direkt bezeugt, aber Chrysippos als Götterliebling nennt, und nach glänzender Emendation Hyg. fab. 271 (OEEYE statt ΘΕΣΕΥΣ) der mit Recht Bethe o. Bd. III S. 2499, 26, wo auch über Schneidewins Vermutung zu der Sagenform bei Praxilla, und Robert II 133, 2 folgen. Kritik der Überlieferung bei Praxilla s. u.

Ob das Chrysipposmotiv mit der Oidipussage ursprünglich verbunden war oder ob es ihr erst später angegliedert ist und wann und durch wen, ist strittig. Bethe 12, 17 wollte diese mythologische Neuerung dem Verfasser der Oidipodie zuschreiben. Gruppe 508, 2 bezeichnete das als nicht unwahrscheinlich und schloß aus mancherlei Gründen, deren einen wir freilich schon anfechtbar fanden (Raub bei den ne-meïschen Spielen), dieser Zug gehöre zu den ältesten der Sage. Welcker und G. Hermann dachten sich Chrysippos auch bei Aischy-los vorkommend, Robert II 101, 62. Dagegen hatte Schneidewin Philol. III 1848, 351 erst Euripides als Erfinder des Motivs vermutet, weil noch bei Pindar und Aischylos der Fluch im Geschlechte des L. nicht mit dem Frevel an Chrysippos, sondern mit dem Ungehorsam gegen das Verbot des Apollon begründet werde. Dem schloß sich mit Geist, Progr. Büdingen 1880 (gute Arbeit, viel Literaturangaben), durchaus Robert I 155ff. 396. II 101, 62 an. Uns wird sich Chrysippos mit Oidipus als wahrscheinlich schon im Epos, wenn auch nicht gerade in der Oidipodie, verbunden ergeben.

Auf Praxilla kann man sich in dieser Frage nicht berufen und aus ihr schließen, zu ihrer Zeit sei der Raub des Chrysippos durch L. noch nicht bekannt gewesen. Denn wir wissen von ihrem Gedichte sonst gar nichts, insonderheit nicht, ob es die zu ihrer Zeit allgemein verbreitete Version über den Raub des Chrysippos enthielt oder nur eine (nemeische) Lokalsage, Robert I 396, oder eine eigenmächtige Abänderung der zu ihrer Zeit schon bestehenden Vulgata von L.s Chrysipposraub durch Praxilla; d. h, was Robert von Euripides voraussetzt, er habe die ältere bestehende Sage eigenmächtig geändert, kann zum mindesten auch durch Praxilla aus demselben Grunde oder im Anschluß an eine lokal eng begrenzte Sage geschehen sein und also schon zu Praxillas Zeit die Sage vom Raube des Chrysippos durch L. als Vulgata bestanden haben, die dann Euripides einfach benutzt hätte.

Wenig hilft in dieser Frage auch Aischylos. Welche Rolle Chrysippos in seinem L. spielte, wissen wir nicht: es ist nur eine recht unsichere Vermutung ex silentio, er sei im L. gar nicht vorgekommen, weil von ihm nichts überliefert wird: denn überliefert sind von dem Drama überhaupt nur zwei Worte. Robert II 101, 62, wo auch Literatur, will freilich mit früheren aus Sieben 742ff. folgern, Chrysippos habe bei Aischv-los überhaupt gefehlt.

So erwägenswert nun seine Argumente und die Geists 3 an sich und insonderheit dann sind, wenn man philologische Akribie walten [478] Balos vue sage;

läßt: aischyleische Chorlieder sind nicht für Philologen gedichtet, sondern für Hörer im antiken Theater, die aufs tiefste ergriffen waren und nicht jedes Wort in poetischer Sprache aufs schärfste preßten. Der Chor will ja nicht in historischer Treue Punkt für Punkt berichten (so Geis t), sondern von der alten Schuld, die im Labdakidenhause schon im dritten Gliede wütet, singen. Der erste Frevler war L., der 10 gegen Apollons dreimaliges Verbot einen Sohn zeugte; ob er das als Strafe für einen anderen Frevel, den an Chrysippos, tat, brauchte der Chor nicht zu sagen. Gesetzt, der Chrysippos-frevel kam bei Aischylos vor. hätte ein antiker Hörer die Stelle des Chorliedes als fehlerhaft oder unschön wegen einer Lücke in der Erzählung getadelt, weil Chrysippos nicht erwähnt war? Hätte er nicht, falls er ja diese Lücke empfand, sie sogleich in seiner Phantasie er-20 gänzt? Gleiches gilt von der Interpretation von βφζειν πόλ iv durch Schneidewin, s. u. h; dem Wortsinne nach haben Schneidewin und Robert recht, aber die Phantasie des Hörers, die die [Vulgata der] Oidipussage kannte, interpretierte sicher sogleich anders. Oder: G e i s t hat zunächst recht, wenn er mit S u s e m i h 1 darauf hinweist, es sei sonderbar, daß sich L, dann den Groll zweier Götter, des Apollon wegen Ungehorsams und der Hera wegen des Chrysip-30 posfrevels, zugezogen habe. Aber das ist alles so gesucht, so ausgeklügelt, und der antike Mensch, sofern er nicht alexandrinischer Grammatiker war, klügelte doch nicht über seinen Sagen?

Robert I 166 wird zu seiner Ansicht wesentlich durch eingehende Analyse des im übrigen erst unten im Absch. z zu besprechenden Peisandrosscholions Eur. Phoin. 1760 veranlaßt. Er findet in der Sage, wie sie das 40 Scholion gibt, eine heillose Konfusion, die dadurch entstanden sei, daß zwei zeitlich weit auseinanderliegende und völlig heterogene Ereignisse, der Raub des Chrysippos und das Auftreten der Sphinx, in Kausalkonnex gebracht seien; solche Konfusion könne ein Grammatiker-einfall, es könne aber kein Gedicht, geschweige denn ein Epos die Vorlage dafür sein. Meines Erachtens ist aber die folgende Fassung der Sage schon im Epos und damit Verbindung der 50 Chrysippos- mit der Oidipussage schon vor (und dann also auch bei) Aischylos möglich (in die Erzählung sei der Versuch, Roberts Bedenken I 150ff. zu widerlegen, gleich eingeflochten):

L. lernte als Verbannter oder (wahrscheinlicher, s. o.) als junger König oder Königssohn auf einer Reise in der Peloponnes, vor seiner Ehe mit lokaste. Chrysippos kennen und raubte ihn. Bestraft wurde er dafür, als er heiratete. Robert meint, das sei nicht sehr logisch; als 60er durch die Verheiratung wieder in die Bahnen der Sitte einlenkte, habe der Groll der Hera γαμοστόλος doch gemildert werden oder erlöschen müssen: auch sei es absurd, daß Hera mit der Strafe ein Jahr warte. Aber es ist doch sehr wirkungsvoll, daß ein Frevel gegen die Gesetze der Ehe gerade in der Ehe des Frevlers bestraft wird: das betonten schon Welcker Aisch. Tril. 354. Preller-Ple w Grioch. Myth. II [479] 479 Laios (die Sage)

347 (durch den eignen Sohn für das am Sohne eines anderen begangene Verbrechen bestraft). Overbeck Bildw. z. theb. Sagenkr. 4, 13 (eines der tiefsten, gerade der Tragödie völlig angemessenen sittlichen Motive). Die Strafe beruhte darin, daß auf Grund des Pelopsfluchs der Ehe zunächst der Kindersegen fehlte. Wenn also Kobert den Groll Heras wenigstens gemildert zu sehen wünscht: sehr hoch ist ja anfänglich auch L.s Strafe nicht – vielleicht auch aus dem Grunde, weil nach griechischen Anschauungen auch das Verbrechen nicht eben allzugroß war; L. selbst erleidet nichts. Erst wenn er weiter frevelt, wenn er ein ihm bei der Frage nach dem Grunde des mangelnden Kindersegens gegebenes Orakel mißachtet (über einen hier vorliegenden Widerspruch, den aber nur nachgrübelnder Verstand findet, s. u. h.), soll die Strafe wesentlich härter sein und er durch Sohnes Hand fallen; über diese Alternative im Orakel s. u. h. L. begeht nun auch den zweiten Frevel, den der Zeugung trotz des Apollonorakels. Richtig urteilt darüber meines Erachtens Gruppe 508, 2:, Beide Motive schließen sich ... nicht aus, sondern setzen dieselbe sinnliche Begehrlichkeit des L. voraus? Der Bestrafung für den zweiten Frevel will L. durch Aussetzung des Kindes entgehen; aber damit sind die Götter nicht zufrieden. Das finde ich begreiflich; Robert nennt es absurd, daß nach der versuchten Versöhnung Heras durch die Aussetzung des Oidipus noch eine weitere Bestrafung (durch die Sphinx) stattfindet; warum? Nun liegt es im Wesen der für den zweiten Frevel von dem Orakel ausgesetzten Strafe, daß sie erst spät eintreten kann; denn ein drei- oder auch ein zehnjähriger Oidipus konnte den Vater nicht töten. Also kommt die Sphinx nicht sogleich und wütet nicht 18 Jahre und verschlingt nicht 6280 Thebaner; auch nur die Möglichkeit einer solchen Absurdität konstruiert Robert I 156. 166 künstlich. Vielmehr vergehen etwa 20 Jahre. Jetzt erst erscheint die Sphinx. Das ist in unseren Quellen teils nicht motiviert, Diod. IV 64, 3; nur dies hält Robert für richtig; denn sie zum Schicksale des L. in Beziehung zu setzen habe man erst später versucht, was aber nur Schwierigkeiten ergebe. Nach andern aber wird sie von Göttern gesandt, von Dionysos nach Lykos περὶ Θηβῶν frg. 4 c, Müller FHG IV 657, von Hera nach Apollod. III 52. Dion v. Prusa XI 8; von dieser natürlich wegen des Ehefrevels. Bei Eur. Phoin. 47. Apollod. a. a. O.. wohl auch bei Hyg. fab. 67, erscheint sie nun zwar erst nach L.s Tode unter Kreons Regentschaft; aber Robert I 281 gibt zu, man könne sich auch eine Version denken, sie sei schon zu L.s Lebzeiten aufgetreten (so bei den Byzantinern, s. Abschn. z). Und darauf führt das Peisandros-scholion in der Tat. Nun zieht also L. aus, nicht, um der Hera nach seinen schlechten Erfahrungen mit der Aussetzung des Oidipus ein zweites Opfer zu bringen, Robert I 166 – obwohl das doch durchaus verständlich wäre –, sondern um irgendein Apollonorakel um Abwehr gegen die Würgerin zu befragen, etwa das von Thespiai nach E. Maass, Robert I 91. Oidipus zieht gleichzeitig aus, um seine Eltern zu [480] Laios (die Sage) 480

suchen. Das ist daraus zu erschließen, daß im Peisandrosscholion fehlt; dieses gibt nur die von der Vulgata abweichenden Züge an, und das dort Fehlende entsprach also der Vulgata. Unterwegs wird L. erschlagen. Robert findet am Verfahren Heras weiter auffällig, daß die von ihr geschickte Sphinx nicht den Schuldigen, L., straft, sondern die Thebaner, weil sie den König wegen seiner perversen Leidenschaft nicht ver-10 jagt hatten. Er hält das für eine Nachahmung des Eingangs des sophokleischen O. T., und falls das alles schon im Epos gestanden haben solle, dort für unpassend; denn im Epos hätten die Untertanen nicht die Pflicht oder das Recht gehabt, am sittlichen Wandel des Königs Zensur zu üben. Das ist eine feine Beobachtung. Aber wenn wir die Motivierung, warum die Sphinx Unschuldige frißt, beseitigen, so brauchen wir noch nicht die Tatsache, daß sie das tat, zu eli-20 minieren. Denn in der alten Sage leiden oft Unschuldige für den Schuldigen, Gruppe 1012L; so für Odysseus’ Leichtsinn die Gefährten beim Kyklopen, für der Gefährten Leichtsinn auf der Heliosinsel Odysseus im darauf folgenden Schiffbruch. Die Sphinx wütet nun auch nach L.s Tode. Robert fragt I 157, warum Hera sie nicht wieder verschwinden ließ, als L. tot und sein Verbrechen also gesühnt war. Aber sie bleibt einfach deswegen, weil der Dichter sie später 30 noch brauchte, um zu begründen, warum Oidi-pus den Thron erhielt. Dieser hatte zunächst die erbeuteten Rosse oder Maulesel des L. dem Poly-bos als Dank für seine Erziehung in die Peloponnes gebracht, s. u. u ö. Kreon bot, da L. nicht wiederkehrte und die Sphinx weiter würgte, die Herrschaft und lokastes Hand aus. Oidipus, der davon hört, kehrt zurück usw.

Dieser Rekonstruktionsversuch hat die Schwierigkeit, daß die beiden Züge, die Sphinx er-40 scheine schon bei L.s Lebzeiten und dieser ziehe aus, um ein Mittel gegen sie zu erfahren, sich nur bei Peisandros finden (Byzantiner s. Abschnitt z). Aber heillose Konfusion bietet er, wie ich meine, nicht, und Roberts Bedenken lassen sich meines Erachtens alle zerstreuen. Allzu logische Motivierung will ja Robert I 64 selbst nicht im Epos erwarten; so ist in der Odyssee unerklärt, warum Odysseus schon vor dem troischen Kriege als König herrscht, wäh-50 rend sein Vater Laertes noch rüstig, etwa ein Fünfziger, ist. Nach Robert hatte ferner das alte Epos keine Orakel, deren eines unsere Rekonstruktion voraussetzt, sondern an ihrer Stelle Seher und Traumdeuter wie Kalchas und Tei-resias. Aber Peisandros' Dichtung war ja nicht älter als Od. VIII 80, wo Delphoi als Orakel bekannt ist.

So kategorisch wie Robert I 396 möchte ich also die Verbindung der Chrysippos- mit der 60 Oidipussage nicht erst dem Euripides zusprechen, sondern es an sich für möglich und nach dem Peisandrosscholion für sehr wahrscheinlich halten, daß sie schon in einem älteren Epos vorlag. Dann würde eventuell auch entfallen, was R o -h e r t I 397 über die Art sagt, wie erst Euripides L.s Aufenthalt in Pisa motiviert habe; aber dieser Einzelzug der Chrysippossage könnte allerdings, wie wir sahen, auch euripideisch und [481] 481 Laios (die Sage)

Apollod. III 40f. aus EuripidesChrysippos entnommen sein. Lykos’ 20jährige Herrschaft hätte Euripides dann erfunden (Robert I 399), weil er dadurch für L. gerade das Alter erhielt, das er für den Liebhaber des Chrysippos brauchte.

Wie ist nunmehr Euripides’ Chrysippos, in dem natürlich L. eine bedeutende Rolle spielte, zu rekonstruieren? v. Wilamowitz Ind. lect. Gött. 1893, 9 hatte dazu ,Dositheos‘ bei Ps.-Plut, s. o., benutzt; das lehnt Robert I 410–412 ab und stützt sich vielmehr auf Apollodor, auf das Peisandrosscholion, als dessen Quelle er nicht den Epiker, sondern einen Logographen Peisandros ansieht, und auf die oben genannten bildlichen Darstellungen des Chrysippos-raubes. In seiner Ablehnung des Dositheosberichts als Quelle für die Rekonstruktion von Eur. Chrys., I 412, fällt auf: kann man sicher sagen, der Zug, Pelops habe dem L. θὰ τὸν ἔρωτα verziehen und ihn als Liebhaber seines Sohnes an seinem Hofe weiterleben lassen, sei uneuri-pideisch? Das ist wohl mehr Ansichtssache; es kommt ganz darauf an, wie das etwa Euripides dargestellt hätte, und das wissen wir nicht. R o -b e r t meint ferner, nach der Fassung bei Dosi-theos habe nicht die Knabenliebe, sondern das Motiv der bösen Stiefmutter (Hippodameia) im Mittelpunkte des Dramas stehen müssen; das erstere sei jedoch für den euripideischen Chrysippos bezeugt. Aber Aelian. hist. an. VI 15 sagt nur, Euripides habe L. als Erfinder der Knabenliebe bezeichnet, nicht, diese habe im Mittelpunkte des Dramas gestanden. So ist uns entscheidend für die Ablehnung des Dositheosberichts als Quelle für die Rekonstruktion des euripideischen Chrysippos erst Roberts Argument I 400, wonach, falls die Dositheosversion die Fabel des Dramas gäbe, dann ja zwischen dem Chrysippos und den Phoinissen des Dichters kein Kausalkonnex bestünde; denn nach Dosi-theos erlangte L. Pelops’ Verzeihung und war an Chrysippos’ Tod unschuldig. Es wäre gekünstelt zu sagen, wenn auch Pelops dem L. verzieh, habe ihm doch Hera gamostolos weiter gezürnt, und das habe den fehlenden Kausalnexus gegeben; nach der Version bei Peisandros mit dem Selbstmorde des Chrysippos wegen der ihm angetanen Schande ergibt er sich in der Tat ungezwungener. über die weitere Rolle des L. im Chrysippos nach Roberts Rekonstruktion auf Grund der Fragmente s. I 412f.

f) Königsherrschaft. Nach dem Tode Amphions (den er im Chrysippos des Euripides in Pisa erfuhr? Robert Ϊ 413) wurde L. König von Theben, Apollod. III 48. Paus. IX 5, 7, und

g) heiratete Menoikeus’ Tochter. Diese heißt Epikaste bei Homer, ,der gesuchten Altertümelei verdächtig' (Robert I 497) bei Paus. IX 26, 3, gelehrt Schol. Eur. Phoin. 12, auffällig aber noch bei Nikol. Dam. frg. 15; so oder lokaste bei Apollod«; lokaste in der Vulgata: schon bei Pherek. frg. 4 = Schol. Eur. Phoin. 53. Soph.. Eur. passim. Diod. IV 64 (dort Kreons Tochter). Paus. IX 5, 10. Hyg. fab. 66 und so bis zu den Mvth. Lat. I 15L 34. I 204 p. 64, 10. II 78, 31. II 230, 1. Aber

nach Epimenides frg. 6 = Müller FHG IV 404, 6 = Schol. Eur. Phoin. 13 heiratete L.

Pauly-Wissowa-Kroll XII [482] Laios (die Sage) 482

Eurykleia, Ekphas’ Tochter, und erzeugte mit ihr den Oidipus,

nach anderen ebd, zwei Frauen, Eurykleia und Epikaste, mit der er den Oidipus zeugte.

Also war entweder vor den Tragikern die Überlieferung nicht einheitlich, oder zwei der drei Namen beruhen auf Verwechslung oder willkürlicher Umtaufe. Das vermutet Robert, und zwar gleich für fünf Namen der Gattin des 10 L. Er erschließt I 108–111 außer den genannten noch Euryganeia als L.s Gattin in der Oidi-podie und Astymedusa, Sthenelos’ Tochter (vgl. I 116) in einem anderen Gedichte. Diese beiden werden zwar nur als Gattinnen des Oidipus nach der Ehe mit lokaste bezeugt, nicht aber als seine Mütter und folglich nicht als Gattinnen des L.: Euryganeia nach der Oidipodie und dem Bilde des Onasias in Plataiai, Paus. IX 5, 11, Astymedusa Schob Hom. II. IV 376; oder nach Phere-20 kydes frg. 48 = Schob Eur. Phoin. 53 heiratete Oidipus lokaste, dann Euryganeia, dann Astymedusa. Robert vermutet jedoch, eine Scheußlichkeit wie die, daß Oidipus nach dem Selbstmord Epikastes eine zweite Ehe eingegang'en sein soll, habe nie in einem griechischen Epos gestanden. Die zweiten Gattinnen seien nur durch falsche Interpretationen von ἄφαρ Od. XI 274 entstanden; vgl. Gruppe 524, 3. Ursprünglich seien es nur andere Namen der ersten 30 Gattin (des Oidipus, also = seiner Mutter = der Gattin des L.) gewesen. Es seien nämlich Euryganeia, Epikaste, lokaste, Eurykleia, Astymedusa nur verschiedene Bezeichnungen für dieselbe Figur, die ursprünglich die Mutter Erde war. Der Prozeß, daß man zwei verschiedene Namen derselben Gattin des Oidipus für die Namen zweier sich folgenden Gattinnen gehalten habe, wiederhole sich mit Eurykleia–Epikaste bei L.

40 Diese Zurückführung der fünf Namen auf eine Figur kann aber nicht als sicher gelten, da Roberts Deutung der Mutterehe in der Oidipussage I 14f. nur Hypothese ist. Man vermißt eine Erklärung, warum die Griechen, wenn sie die Mutter Erde in ein sterbliche Figur umwandelten, ihr nicht einen Namen gaben, sondern gleich fünf, darunter »poetische Dutzendnamen*. die die ursprüngliche Bedeutung der Trägerin nicht erraten lassen, oder einen Namen wie 50 .Stadtverwalterin⁴, der dem Wesen der Mutter Erde wenig entspricht. Näher liegt es doch, die Schwankung wie so viele andere aus mündlicher Weitergabe der dabei willkürlicher Veränderung sehr ausgesetzten Sage zu erklären; so auch Nilsson 39.

h) Ein Orakel verbot dem L., Kinder zu zeugen, da er durch seinen Sohn umkommen werde, Apollod. III 48. Nach Welcker stammt das Orakel aus der Oidipodie, nach Bethe 15 60 aus Euripides und letztlich (161f.) aus der Thebais: Gruppe 520, 2 enthält sich des Urteils. Für uns sind die ältesten erhaltenen Zeugnisse (über die Unmöglichkeit, aus ihrer Übereinstimmung auf ältere Quelle zu schließen. Gruppe 502) Pind. Ob II 70. Pind. paian. frg. 68 = Schob Ob II 70d, der sagt, Oidipus habe einen delphischen Spruch erfüllt, als er L. erschlug; Aisch. Sieben 748, wozu Robert T [483] 483 Laios (die Sage)

66. 253, und vielleicht ein Orakelbuch schon des 5. Jhdts., s. u. x. Auf den ersten Blick überzeugend, aber doch wohl nicht mit Recht liest Robert aus Aischylosθυψ)κοντὰ γέννας ἄτερ σφζειν πάλιν eine andere Fassung des Orakels heraus als die später überlieferte; während die spätere Überlieferung sagt (s. u.): »verzichte auf Nachkommen, oder du gehst zugrunde*, stehe bei Aischylos ,... oder der Staat geht zugrunde¹. Aber wenn L. durch Sohneshand stirbt, L.s Sohn aber und dessen Söhne weiter freveln, so ist das schließlich auch zum Verderben Thebens, ebenso wie das Wüten der Sphinx; heißen also die zitierten Worte frei übersetzt: ,verzichte auf Nachkommen zu (deinem – oder deines Hauses, Bur. Phoin. 20, ja zu) des ganzen Staates Wohl*, so ist das kein Widerspruch zu der späteren Überlieferung. Da diese Auffassung wenigstens möglich ist, so möchte ich auf die Roberts nicht mit ihm den weitgehenden Schluß gründen, Aischylos habe die Drohung der Ermordung durch den eigenen Sohn ganz eliminiert (I 253). Freilich ist das einer der Fälle, auf die sich die Vorbemerkung zu diesem Abschnitt bezieht: Roberts Deutung des Orakels bei Aischylos ist in seiner ganzen Deutung der Tendenz der Trilogie verankert und dadurch mit begründet. – Dreimal warnte das Orakel den L. nach Aisch. Sieben 746, und zwar dreimal dasselbe Orakel, Robert II 94, 3 mit Opposition gegen frühere andere Auffassungen. Die Seltsamkeit, die v. Wilamowitz Aisch. Interpretationen 95f. in der dreimaligen Befragung des Orakels findet, erledigt sich vielleicht dadurch, daß bei Aischylos von einer ἠδονή des L. nicht die Rede ist; ἀβονλίαι ist, vielleicht anders zu deuten (s. u. k); oder so wie der gleich zu nennende Widerspruch: es ist keiner, da ihn niemand merkt. – Nach. Eur. Phoin. 12ff., danach Diod. IV 64, 1. hyp. Aisch. Sieben war die Ehe erst lange kinderlos geblieben; erst auf L.s Bitte um Kindersegen widerriet Phoibos die Zeugung. Darin liegt, wenn wir ganz logisch interpretieren, wieder eine Seltsamkeit. Blieb die Ehe lange kinderlos, erhoffte aber L. Kindersegen und erbat ihn, als er ausblieb, von Apollon, so hat L. die Zeugung doch versucht, aber vergebens; er war also zeugungsunfähig (zur Strafe für den Chrysipposfrevel). Apollons Orakel aber, μὴ ἄπειρε κτλ. (s. u.) verbot ihm ja wenn nicht ehelichen Umgang, so doch die Zeugung; das war, wenn L. impotent war, doch überflüssig. Hier wird ersichtlich, daß allzuscharfe Interpretation auf Abwege führt; denn wenn diesen unleugbar (wohl schon bei Peisandros, s. o.) vorhandenen Widerspruch weder Euripides noch Roberts Spürsinn und nur der von v. Wilamowitz einen ähnlichen merkte, so ist er in praxi für die Sage nicht vorhanden. Über eine andere große Seltsamkeit, wonach in Lysimachosθηβαῖκα παράδοξα dem L. zwar ehelicher Verkehr mit lokaste verboten war, er aber mit Kebsweibern Söhne hat, wonach also lokaste für den Chrysipposfrevel bestraft wird, nicht der Schuldige, L., s. Robert I 497. Das ist wohl ein alter Zug aus einer Zeit, als der Verkehr mit Kebsweibern als selbstverständlich galt. L. war da für den Chrysipposfrevel nicht mit Verlust [484] Laios (die Sage) 484

der Freuden des Geschlechtsgenusses bestraft, sondern mit Verlust legitimen Kindersegens, auch dies namentlich nach den Anschauungen alter Zeit (Ahnenkultl) eine empfindliche Strafe.

Von späteren geben das Orakel Apollons in indirekter Rede, dem Inhalte nach Soph. O. T. 713f.; O. K. 970, direkt in iambischer Fassung Eur. Phoin. 18, danach Lukian Ζευς ἔλεγχ. 13. hyp. Aisch. Sieben. Schol. Arist. Ran. 1216 (der 10 erste Teil auch Schol. Pind. Ol. II 65c; lückenhaft auch Schol. Aisch. Sieben 728): μὴ σπείρε τέκνων ἄλοκα δαιμόνων ßtq · εἰ γὰρ τεκνώσεις παῖδθ ἀποκτενεὶ σ’ ὁ φύς; danach in Prosa Diod. IV 64, 1. Hyg. fab. 66. Dion Chrysost. X 24, in freier Umgestaltung; ähnlich, verquickt mit dem Anfang der hexametrischen Fassung (s. u.) Zenob. II 68 (Leutsch Par. gr. I 50). Daraus, daß hier wie bei Aischylos βίρ vorkommt, möchte ich nicht schließen, Aischylos und Euripides 20 hätten dieselbe Fassung des Orakels vor sich gehabt; aber man kann die Übereinstimmung wenigstens anmerken. Hier ist also von dem Chrysipposfrevel und dem Fluche des Pelops keine Rede, auch erscheint zunächst (doch s. u.) die Möglichkeit offengelassen, daß L. dem Orakel gehorcht und dadurch weiterer Strafe entgeht.

Eine hexametrische Fassung schließlich ist in doppelter Form überliefert, in 3 oder 5 Versen (zu welcher die bei Mnaseas, Δελφικῶν χρησμῶν 30 συναγωγή Schol. Pind. Ol. II 70d = Müller FHG III 157 frg. 47 gehört, ist nicht klar). Die drei Verse Anth. Pal. XIV 67 besagen, daß die törichte Bitte um Kindersegen erfüllt werden wird; also wird keine Möglichkeit offen gelassen, daß L. einem Verbote gehorcht, ja, das Verbot wird gar nicht ausgesprochen. Erfüllt werden wird sie aber um den Preis, daß L. sein Leben verliert; so sei eç πεπρωμένον (NB. nicht: das sei die Strafe für den Chrysipposfrevell). Die 40 Fassung in fünf Hexametern dagegen, hypp. Soph. O. T. Eur. Phoin. 10 Dd.; 243, 14 Schw. Wol-fenb. hyp. 6,26Dd. Schol. Arist. Ran. 1216 nimmt Kindersegen für L. und seinen deswegen erfolgenden Tod ebenfalls als bestimmt an, motiviert aber diese Schicksalsbestimmung (μόρος) ausdrücklich mit dem Willen des Zeus, der damit Pelops’ Fluch erfülle.

Eine vierte Fassung, Myth. Lat. II 230, ut omn es Klio s... necaret; nam a liber i s suis 50 ... ist bedeutungslos.

Die drei Fassungen (iamb.; – drei – fünf Hex.) stellen aber nicht auch drei Varianten dar. Die zweite, die der Anth. Pal., scheidet aus. Dort hinkt ὡς γὰρ ἔνευσα nach und ist ein Widerspruch gegen das Vorige; wenn das Geschick des L. πεπρωμένον, also von der Aisa verhängt ist, kann Apollon nicht von sich sagen, e r habe es verhängt (er hat es nur zu verkünden, Robert I 282). Vielmehr ist diese 60 Fassung nur eine Verkürzung der dritten dergestalt, daß jemand das Walten Apollons einschalten wollte; ungeschickt verwandelte er dabei das vorher organische ὡς γὰρ ἔνευσε | Ζευς in ... ἔνενσα. Daß aber auch die erste Fassung, die iambische, der dritten nicht widerspricht, erläutert feinsinnig Robert I 400; sie erwähnt zwar den Frevel an Chrysippos nicht, aber nicht, weil sie ihn nicht kennt, sondern [485] 485 Laios (die Sage)

weil ihn lokaste aus anderem Grunde verschweigt. Wir fügen hinzu, daß auch sie die Möglichkeit, daß L. dem Verbote gehorcht, nicht offen läßt, denn dann hieße es ἄν γὰρ τεκνώσης.

Das Orakel lautete also dem Sinne nach: Zeuge nicht gegen der Götter (Eur.) oder gegen Zeus’ (5 Hexam.) Willen – Zeus hier als Vertreter des Götterwillens und der Ordnung überhaupt; denn wenn (wie zu erwarten: εἰ) du das tust, ist es zum Schaden für dich, für dem Haus (Eur.), ja für den ganzen Staat (Aisch.), weil dann die bisher aufgeschobene härtere Strafe für den Chrysipposfrevel eintritt. Nicht richtig also Stoll 1801, 8ff.: Quelle des Unglücks in der Familie des Labdakos sei entweder der Fluch des Pelops oder der Ungehorsam gegen das Orakel, richtig Welcker Aisch. Tril, Prom. 355: fortgesetzte Schuld des L., und Gruppe, der zwar 520 nach der Überlieferung angibt: statt des Frevels gegen Pelops oder neben ihm..., aber 508, 2 ausdrücklich bemerkt: beide Motive schließen sich übrigens nicht aus. In der Tat war ja Pelops’ Fluch nach der Vulgata ausdrücklich zweigeteilt, hyp. Eur. Phoin. 244, 9: ...μὴ παώοποιηβαι · el ὄε τοντὸ γένηται....

Fraglich ist nun dasAlterdieserVul-gata. Nach Bethe 15 stammt der Pelopsfluch aus der Oidipodie. Nach Robert I 282 liegt es der alten Sage gänzlich fern, das πε· πρωμένον, den Willen der Aisa, dadurch zu motivieren, daß man es als Strafe für menschliche Verfehlungen auffaßt; das geschehe erst unter sophistischer Reflexion. Danach spricht Robert die Vulgata des Orakels mit dem Pelopsfluch dem Aischylos ab; dort werde L. nur wegen Ungehorsams gegen das Orakel bestraft (s. o.). Der Hinweis auf die Sophisten klingt bestechend. Zu beachten ist aber: wenn erst Sophistenreflexion πεπρωμενον und Frevel in Beziehung setzte, so muß man, um die Auffassung in vorsophistischer Zeit zu rekonstruieren, diese Beziehung tilgen, nicht aber, wie Robert tut, auch gleich den Frevel, d. h. in unserem Falle das Chrysipposmotiv bei Aischylos. Dieses kann dagewesen sein; Aischylos würde es mit dem Pelopsfluche nur nicht ausdrücklich als Motivierung des πεπρωμενον gefaßt haben. Wohl aber konnte er, mit Ausschaltung der Aisa, rein menschlich das Unglück des L. mit dem Frevel an Chrysippos motivieren. Denn daß menschliche Leiden als Strafe für menschliche Verfehlungen (nicht: für Frevel, die als πεπρωμενον begangen sind; das ist der Unterschied!) aufzufassen seien, ist ein so naheliegender Gedanke, daß er den Griechen schon vor der Sophistik kam; die Odyssee motiviert die Leiden des Helden mit dem Frevel an Poly-phemos.

Wir sehen also die Fassungen in 3 und 5 Hexametern, insofern sie die Aisa einbeziehen, mit Robert als jung an, wie alt sonst aber das Orakel, dem Sinne nach, als nicht ermittelbar; auf den Pelopsfluch kann es schon in alter Zeit Bezug genommen haben. Während wir es also für möglich (nicht: für erwiesen) halten, das Orakel habe im wesentlichen immer denselben Sinn gehabt, stellt Robert I 66–70 [486] Laios (die Sage) 486

die Fassungen in ihrer Abwandlung zusammen, wie er sie rekonstruiert:

Älteste Fassung: das Kind, das du, L., erzeugen wirst oder erzeugt hast, wird den Vater töten;

Epos: unbekannt;

Aischylos: das Kind wird den Staat zugrunde richten. Genauer Robert I 252–254. 282f. II 101, 62. Der Vatermord fehlt. Bedenken dato gegen s. o. Orakel in Form einer Warnung: s. u.;

Sophokles O. T., danach wohl Schot Hom. Od. XI 271. Hyg. fab. 66 (76 bei Robert II 204 ist irrig). Lact. Plac. ad Stat. Theb. I 61. Anth. Pal. XIV 67, hier jedoch ,in den Schluß-versen mit Beziehung auf Euripides; schon deswegen spätes Machwerk⁴; Bedenken dagegen s. o.: das Kind wird den Vater töten. Keine Warnung; die Geburt des Kindes unabänderlich. Hier allein ist nach Robert die älteste Fassung nach Form 20 und Inhalt unverfälscht erhalten, s. u.; – Sophokles O. K.: ähnlich wie Euripides;

Euripides, danach Apollodoros, vollständiger Diodor: das Kind wird den Vater töten und dem ganzen Hause blutiges Verderben bringen; dies Verderben Konsequenz des dem L. erteilten Schicksalsspruchs; Warnung wie bei Aischylos, wohl von dort übernommen;

nur einmal, bei Nikol. Dam., mit Einbeziehung der Mutterehe;

30 nur Mutterehe, nicht Vatermord bei Malalas.

Die Warnung, die wir schon als der ältesten Fassung eigentümlich vermuteten, steht nun zwar nicht bei Soph. O. T. 713f., und dort lesen wir nach Robert die echteste Fassung des Orakels. Aber gerade da brauchte sie nicht zu stehen. Es kommt lokaste nur darauf an, das Trügerische der Orakel zu erweisen; daß das eine Orakel, von dem sie ausgeht, eine Alternative enthielt, war für diesen Beweis wenig wichtig. 40 Die Hauptsache ist ihr, daß L. nach dem Orakel von seinem Sohn erschlagen werden sollte [falls er einen habe], und daß dies nach ihrer Ansicht sicher nicht eingetroffen ist. Das ,falls er einen habe⁴ konnte sie in diesem Zusammenhang leicht unterdrücken. Ganz ähnlich Soph. O. K. 970. Beispielsweise kann auch Schol. Hom. Od. XI 271. Nikol. Dam. frg. 15 die Alternative kennen, sie aber um der Knappheit willen nicht erwähnen.

50 Ober den Verkünder des Orakels s. d. nächsten Abschnitt.

i) Delphoi in der Sage. Zum ersten Male tritt uns Delphoi in der Oidipussage urkundlich bei Pind. Ol. II 38 entgegen (nach Robert I 252 bei Aischylos; aber Pind. Ol. II ist 476 geschrieben, 9 Jahre vor Aischylos’ Trilogie). Man nimmt an, z. B. Preller-Plew Gr. Myth. II 346; vorsichtiger Gruppe 520, 2, es sei in der Oidipussage nicht ursprünglich, 60 sondern habe sich erst hereingedrängt. Robert behandelt diese Ansicht oft und begründet sie mit Einzelheiten, so I 68–70 mit dem unten zu besprechenden Auftreten des Teiresias, an dessen Stelle er erst später Delphoi getreten sein lassen will; I 92 mit der Lokalisierung des Vatermords an der phokischen Schiste, ,einem weiteren Schachzug des delphischen Orakels, den Mythos immer mehr in seinen Bann zu ziehen⁴; I 95f. [487] 487 Laios (die Sage)

mit der Tatsache, daß Oidipus, als er seine Eltern suchte, ursprünglich gar nicht nach Del-phoi gegangen zu sein scheint; wenn er später nach einer freilich unkontrollierbaren Überlieferung Schob Eur. Phoin. 33 auszog, um Apollon Dank für seine Erziehung bei Polybos abzustatten, so sei das in Delphoi erfunden; später habe ebendasselbe Delphoi dafür eingesetzt, er sei ausgezogen, um Apollon wegen der Eltern zu befragen, I 99–101; anderes I 102–104. 11

Diese Ansicht ist aus allgemeinen Gründen zunächst glaublich, mit Einzelheiten aber vielleicht nicht recht zu erhärten. Delphoi tritt als Orakel bei Homer noch kaum hervor; es erstarkte erst später. Da mußte der Priesterschaft daran liegen zu zeigen, ihr Gott habe die großen Ereignisse im thebischen Königshause vorausgewußt und dabei eingegriffen. Dagegen darf man nicht einwenden, Apollon habe sich ja dann, namentlich in der sophokleischen Version, R o - 2 bert I 100, vgl. u., aber auch sonst, zum intellektuellen Urheber der Greuel gemacht, da er sie nicht verhinderte; soweit hat die Logik der Frommen zu keiner Zeit gereicht, und damit werden die Priester gerechnet haben.

Nicht dafür darf man aber Teiresias¹ Auftreten geltend machen. Nach Robert I 68–70 verkündete das im vorigen Abschnitt besprochene Orakel ursprünglich nicht der delphische Apollon und überhaupt nicht Apollon; wenn dieser je der t Verkünder des Orakels gewesen wäre, habe es für einen Thebaner der des Ismenions in Theben sein müssen. Apollon könne also in der Sage erst auftreten, als sich Delphoi in diese einge-drängt habe; die alte Zeit kenne als Verkünder der Zukunft nicht Orakel, sondern nur Traumdeuter oder Wahrsager. So habe also ursprünglich Teiresias dem L. auf Grund eines Traumes oder eines anderen τέρας die Zukunft verkündigt; vgl. I 107, 1. Nach dem Eindringen des-delphischen Orakels stehe er in Sophokles’ O. T. neben diesem wie eine Dublette. Daß etwa umgekehrt Delphoi in der Sage alt und Teiresias später eingedrungen sei, sei unmöglich. Aber (a) wir wissen wohl nicht, ob, als die Orakel allmählich in Griechenland aufkamen, das Ismenion einmal den Vorrang vor Delphoi hatte; war aber bei der allmählichen Erstarkung der Orakelstätten Delphoi immer einen Schritt voraus, so würde es sich erklären, warum ein thebischer König dieses Orakel statt des heimischen im Ismenion bevorzugte,- (b) in Soph. O. T. 278ff. ist Teiresias¹ Auftreten so gut motiviert, daß der Seher nicht als eine Dublette zu dem Gotte zu gelten braucht: Phoibos’ Spruch ist dunkel, also muß Teiresias helfen. – Gar nicht kann man die phokische Schiste geltend machen, s. u. t.

Beweisend wurde am ehesten bleiben, daß Oidipus vielleicht ursprünglich, als er auszog, gar nicht nach Delphoi ging, s. u. q. Immerhin ist zu erwägen, ob nicht Delphoi, statt sich in die Sage hineingedrängt zu haben, vielmehr hineingedrängt wurde. Es entstehen nämlich durch sein Auftreten in der Sage »Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten, deren kein antiker Dichter Herr geworden ist‘, Robert I 99. 101. Für gar so groß wie Robert braucht man sie nun zwar wohl nicht zu halten; die Schwierigkeiten [488] Laios (die Sage) 488

in der euripideischen Fassung konnte ein Grammatiker lösen, und nicht übel, über die bei Sophokles konnte der Dichter selbst das Publikum hinwegtäuschen, oder sie waren gar nicht da, s. u. v ß. Immerhin, sie sind z u m T e i 1 da; wenn sich aber Delphoi eindrängte,, hätten die klugen Geistlichen die Sache doch gewiß nach allen Seiten erwogen und eine Version gesucht, in der die Anstöße fehlten (anders Robert I) 38). So ist zu fragen, ob nicht bei der im Volksbewußtsein immer wachsenden Bedeutung Del-phois nicht die Priesterschaft, sondern die. Volkssage Apollon in die Sage hineingedrängt hat.

k) Zeugung des Oidipus. Trotz der Warnung des Gottes wohnte L. der Gattin bei, was bei Aisch. Sieben 750 mit κρατηθείς ἐκ φίλων ἀβουλίαν begründet wird. Diese schwierigen Worte werden verschieden erklärt (s. auch das Schol. zu d. St.): Omit Schuld lokastes, Schneidewin Gott. Gel. Anz. 1850, 174. Geist a. a. O.; mit Lüsternheit des L. unter Berufung auf Eur. Phoin. 21, B e t h e 162. v.Wilamowitz Aisch. Interpret. 95, s. o. h; mit Mißtrauen des L. gegen das Orakel, Robe r t I 253, sehr scharfsinnig, aber vielleicht allzu scharfsinnig; auch Wollust konnte doch der Grund der ἀβονλίαι des L. sein, seines Nichtnachdenkens. Das möchte ich vorziehen, weil dann keine Diskrepanz gegenüber Euripides vorliegt tO (Robert preßt vielleicht βονλαί als .Erwägung¹ zu sehr; ἄπιστος 842 nicht »mißtrauisch⁴, sondern ,ungehorsam⁴). Denn jedenfalls bei diesem unterlag L. der Lüsternheit (qöovfi δούς) im Weinrausche; danach Wolfenb. hyp. 7, 3fL; Rausch auch bei Apollod. ἼΙΪ 48. Schol. Arist. Ach. 242, Nach Eur. Phoin. 13ff., danach Diod. IV 64, war die Ehe erst lange kinderlos, nach dem ganzen Zusammenhänge nicht, weil sich L., dem Orakel (das er noch gar nicht kannte) gehorsam, 10 des Beischlafs enthielt, sondern als Strafe für den Chrysipposfrevel (s. o. h); erst später erhielt L. den Spruch; ihm versuchte er nach hyp. Aisch. Sieben einige Zeit lang gehorsam zu sein [das schaltet diese hyp. zwischen Eur. Phoin. 20 und 21 ein], erlag aber dann im Rausche der Lüsternheit. – Ein kluger Grammatiker kam auf die überflüssige Frage, warum lokaste den Beischlaf nicht verhinderte, und beantwortete sie ungeschickt, Schol. Eur. Phoin. 21. Robert 50 II 135, 16 (s. o. e).

Daß Oidipus bei Palaiphatos Korinthier und nicht Sohn des L. ist, ist ohne Bedeutung, s. o. c, Robert I 505.; über den Unwert dieser Paradoxa I 494. Gar nichts kann ich mit der Angabe Schol. Eur. Phoin. 26 Schw. anfangen, nach einigen sei Oidipus Sohn des Helios gewesen, Robert II 16, 111. I 506. Aus Palaiphatos möchte ich sie nicht ableiten; dessen Angabe wird man doch als offenbare Nachlässigkeit 60 oder Eigenmächtigkeit sogleich erkannt und jedenfalls nicht dahin weiter ausgebaut haben, der Korinthier Oidipus sei Sohn des in Korinth hochverehrten Helios. Über einen Οἰδίπους τις, d. h. obwohl Besieger der Sphinx doch nicht Sohn des L., im Schol. Eur. Phoin. 26a.E.,nach Robert vielleicht aus Sokrates von Argos, s. Robert I 495f. 506.

Abgesehen von solchen abwegigen Überliefe- [489] 48V.


naios (aie sage;

rungen schließt Robert I 11. II 6, 27, vgl. v. Wilamowitz Herm. XXXIV 77. Preller-Robert II 1, 131 auf Grund mythologischer Erwägungen, wie L. ursprünglich nicht Labdakos* Sohn, so solle er ursprünglich auch nicht Oidipus’ Vater gewesen sein. Erst als der Oidipusmythos in seinem Entwicklungsgänge einen Vater des Oidipus gebraucht habe, habe man den ihm eigentlich wesensgleichen L. dafür ausersehen. Die Trennung des L. von Oidipus begründet Robert damit, daß er Oidipus ursprünglich nach Eteonos-Skarphe versetzt, L. ursprünglich nach Eleon, s. u. Ec. Aber die Ansetzung des Oidipus in Eteonos bleibt sehr zweifelhaft, weil die Quelle, Arizelos, Robert I 1, nicht beurteilt werden kann. Die Ansetzung des L. als Orakelgott von Eleon beruht nur auf wahrscheinlich schwindelhaften Orakeln, s. u. x. Es ist also kein Grund, L. und Oidipus ursprünglich getrennt an verschiedenen Orten anzusetzen und sie mit Robert I 69 dann beide von Theben usurpiert werden zu lassen.

Weiteres über L. und Oidipus s. u. off.

1) Andere Kinder des L. Manche gaben dem L. außer dem Sohne Oidipus noch die Sphinx als Tochter, Lysimachos frg. 5, Müller FHG III 336 aus Schol. Eur. Phoin. 26 a. E.; als νόθη, also nicht als echte Schwester des Oidipus, Paus. IX 26, 3, der auch noch unechte Söhne des L. kennt. Dadurch würden sich, namentlich wenn die Sphinx echte Schwester des Oidipus war, dessen Frevel noch steigern; er hätte nicht nur den Vater erschlagen und die Mutter geehelicht, sondern wäre auch der Urheber des Todes seiner Schwester. Da die Tragiker sich diesen Greuel entgehen lassen, so wird er nach ihnen erdacht sein. In der Tat weist der Verlauf der Sage, wie ihn aus der an sich nicht klaren Pausaniasstelle Robert I 496–498 geschickt erschließt, diese unter die Paradoxo-graphie. Mythologisch ist sie also wertlos, R o -b e r 1 1 494, wertvoll aber insofern, als sie zeigt, daß sich die Sage auch in hellenistischer Zeit weiterbildete.

m) Mord des Schwiegervaters. Nichts anzufangen ist mit Schol. Eur. Phoin. 1010, wonach der Tragiker Sosiphanes L. [seinen Schwiegervater] Menoikeus erschlagen ließ; Vermutungen dazu Robert I 493f.

n) Erbschaft von Kadmos. Im Besitze des L. befanden sich Tischgeräte, die schon dem Kadmos gehört hatten, dann auf Oidipus übergingen und bei dessen Fluche gegen seine Söhne eine Rolle spielten, Athen. XI 465e, inhaltlich für uns unwesentlich, aber wichtig als eines der beiden erhaltenen Fragmente der Thehais, Robert I 169. Dagegen ist erst spät erfunden die Sage von einem dem Kadmos gegebenen Orakel, dessen Kenntnis die Herrschaft über Theben vermittelt und das L. der Sphinx mitteilt, s. Abschnitt 1 und x.

o) Ursprünglicher Name des Oidipus. Die ältere Überlieferung kennt keinen Namen des trotz der Warnung Apollons von L. gezeugten Sohnes: Oidipus wurde dieser ja erst von den Pflegeeltern genannt. Bei den Byzantinern aber gibt ihm L. einen Namen, s. u. x.

p) Aussetzung des Oidipus. L. [490] Laios (aie sage)

4V

setzte den Sohn aus, um dem Tode, der ihm durch ihn drohte, zu entgehen; nach Robert I 254 bei Aischylos, um den Staat zu retten, worüber o. h. Über die Art der Aussetzung gibt es zwei Versionen, Robert I 70fL

Die Vulgata verlegt sie auf den K i t h a i -ron: Amphora Beugnot (o. Bd), der älteste Beleg; dort zwar der Kithairon nicht bezeugt, aber sicher ist nicht die unten zu besprechende zweite 10 Version gemeint. Soph. O. T. 1026–1035. 1133–1145. Eur. Phoin. 24–31. Apollod. III 49. Wolfenb. hyp. Eur. Phoin. 7, 8 Dd. Robert I 72ff. 252ff. Nach Arist. Frösche lil90f. Aisch. frg. 122 Nauck = Schol. Arist. Wesp. 289. Robert I 255ff. 278 fand die Aussetzung in Aischylos* L. wohl im Winter statt, und das Kind lag in einem Topf; Bedenken dagegen bei Bruhn N. Jahrb. XXXIX 566. Die Durchbohrung der Füße ist nach Robert I 62 nur 20 ersonnen, um später den Anagnorismos zu ermöglichen. Anders motiviert sie Schol. Eur. Phoin. 26 (Anfang nur mit Schwartz’ Verbesserungen lesbar, nicht bei D i n d o r f). Danach wäre Tötung unfromm gewesen, aber L. verstümmelt das Kind, damit, falls jemand es finde, er es doch nicht aufnehme. Ich kann das nicht für so abgeschmackt halten wie Robert I 62. II 27, 10. Die Frage, warum L. das Kind, von dem ihm der Tod drohte, wenn er es schon 30 einmal aussetzte, nicht lieber gleich tötete, liegt modernen unbefangenen Menschen, denen man die Sage erzählt, nahe, und ebenso nahe mußte sie späteren Griechen liegen, denen Aussetzung und der ihr zugrunde liegende Gedanke: Tötung, aber ohne direkte Mordschuld, nicht mehr recht geläufig war. Aber auch für die Zeit, die Kinder noch aussetzte, ist die Erklärung nicht schlecht; auch nicht die, warum Oidipus trotzdem gerettet wurde, Schol. Eur. Phoin. 28, oder wie die 40 Königin sich entschließen konnte, ein verstümmeltes Kind unterzuschieben, ebd. 31. Sicher sind das nur Erklärungen, die die Grammatiker im Unterricht auf Fragen kluger Schüler gaben und von sich aus ersannen, nicht aus älterer Quelle geschöpfte; aber eine solche hätte sie auch nicht besser geben können.

Eine kritische Prüfung der Kithaironversion gibt Robert I 72–80. Sie steht für uns zuerst bei Sophokles und Euripides, mit kleinen Varian-50 ten. Daß sie nicht dem Epos angehört haben könne, erweist Robert verblüffend, aber bei näherem Zusehen doch nicht überzeugend damit, im Epos sei Herdenraub an der Tagesordnung gewesen; also hätten die Könige von Sikyon und Korinth ihre Herden nicht über den Isthmos auf den Kithairon geschickt, wo dann die Hirten das ausgesetzte Kind fanden. Aber im Epos raubte man doch nicht stets Herden; es müssen sich auch benachbarte Könige denken lassen, die sich 60 nicht bestehlen. So besitzt Odysseus große Herden auf dem Festlande, wo er sie doch nicht unmittelbar schützen konnte. Darin hat Robert recht, daß schwerlich je ein Dichter fingiert habe, Polybos’ Reich habe den Kithairon ganz oder teilweise mit umfaßt. Solche Fiktion ist aber auch gar nicht nötig. Wenn je grübelnder Verstand fragte, wie Polybos’ Hirten auf den Kithairon kamen, so antwortete die Großmutter. [491] 491 Laios (die Sage)

die die Geschichte erzählte, oder der Lehrer in der Sophoklesstunde dem wißbegierigen Frager: weil da gute Weideplätze waren. Schwerlich war der Neugierige dann so vorwitzig, weiter zu fragen: Aber hatte Polybos nicht auch in der Peloponnes gute Weide? Die Antwort hätte mit Fug und Recht gelautet: Es war eben so, wie ich erzählt habet Basta! Auch der, der die Sage allerursprünglichst erdachte, stellte doch so überscharfsinnige Erwägungen nicht an. Er ' mußte das Oidipuskind aus Boiotien wegbringen; das geschah durch fremde Hirten, und das genügte. Robert kommt zu seiner Deutung, die, wie ich meine, das Wesen der Sage verkennt, nur deswegen, weil er Oidipus in der ältesten Fassung der Sage in Boiotien aufwachsen und es durch die Hirten des Polybos erst später motiviert sehen will, wie Oidipus in die Peloponnes gelangte. Aber die Jugend des Oidipus in Boiotien ist uns nicht damit erwiesen, daß der alte Mythos sich am besten in den Grenzen einer und derselben Landschaft halte. Und die alte Sage motivierte nicht aufs allerlogischste. Daß sie viele Freiheit in der Einzelerfindung hatte, zeigt Roberts sehr hübscher Nachweis einer vor-sophokleischen Version auf der Amphora Beug-not, wonach nicht Hirten, sondern ein junger Edelmann das Kind auf dem Kithairon fand. Gewiß ist in Roberts Deduktionen alles sehr schön und geschlossen, aber es ist allzu logisch, logischer beinahe, als selbst ein Dramatiker hätte kombinieren müssen, nicht so, wie die Volkssage dichtete. Und wie diese tätig war, zeigt eben die Amphora Beugnot.

Dafür, daß Oidipus nicht in der Peloponnes aufwuchs, sondern in Boiotien auf einem Königsoder Hirtenhofe, und daß ihn also auh auf der Amphora Beugnot der Edelmann zu einem boi-otischen König bringt, führt Robert I 76f. allerdings zwei weitere Zeugnisse an: Schob Eur. Phoin. 28 Πόλυβος τύραννος καὶ αὐτὸς ἐν ἐτέρω μέρει τῆς Βοιωτίας. Etym. genuin. 207, 41 Πόλυβος ... ἐπέκτιαε Πλαταιάς. Auch Zenob. ΤΙ 68 gehört hierher. Aber das sind doch recht unkontrollierbare Nachrichten, die ebensogut eine bloße erklügelte Antwort eines Grammatikers auf die Frage darstellen können, warum Polybos seine Herden auf dem Kithairon weiden ließ; ebenso dann Lact. Plac. ad Stat. Theb. I 64. Myth. Vat. II 230. Auch die Datierung der Gründung Plataiais .nach der deukalionischen Flut* klingt gekünstelt. Und diese Verwerfung dieser Zeugnisse dünkt mir richtiger als Roberts Auffassung. Denn wenn die ältere Sage Oidipus’ Jugend nach Boiotien verlegt hatte, welchen Grund hätte die jüngere oder die von Robert vermutungsweise auch hier herangezogene delphische Priesterschaft gehabt, sie in die Peloponnes zu verlegen, da doch ,die Verpflanzung keineswegs auf dem Wege der einfachen Sagenentwicklung liegt*? Roberts Antwort darauf: enge Beziehungen zwischen Delphoi und Sikyon, ist zu farblos.

Unklar ist mir die Aussetzung in Sikyon bei Bethe 1; in dem Schob Hom. Od. XI 271, aus dem er anführt: ἐκτίθηοι Σικνώνι, liest D i n -dorf: ἐκτίθηαι. Σικυώνιοι δὲ ἰπποφορβοὶ àvaλαβόντες .... [492] Laios (die Sage) 492

Nach der anderen Version ließ L. das Kind in einem Kasten ins Meer werfen, Hyg. fab. 66. Schol. Eur. Phoin. 26. Diese Version war nicht so unpopulär, wie sie uns, da sie in unserer Überlieferung bei den Tragikern fehlt, zu sein scheint, denn sie ist auf einem homerischen Becher dargestellt, Höfer 705 Abb. 1. Gruppe 521, 4. R o b e r t I 326 Abb. 49. Nach Gruppe stammt sie in diesen Belegen wahr-10 seheinlich aus Euripides; zuversichtlicher nimmt dies mit Pottier Robert I 70 an, der aber ebd. Bethe zugibt, sie sei an sich weit älter als Euripides, vielleicht schon episch. Was Robert I 71 vermutet, L. habe das Kästchen mit dem Kinde ursprünglich nicht in den korinthischen Meerbusen, sondern in den Euripos werfen lassen, kann aus folgenden Gründen nicht als sicher gelten: es ist nur ein Postulat, die Oidipussage habe sich ursprünglich nur auf 20 boiotischem Gebiete bewegt; und wenn der korinthische Meerbusen, obzwar in der Luftlinie näher an Theben gelegen, doch durch die Küstengebirge mehr von ihm getrennt ist, so bot das ja eine größere Sicherheit, daß das Kind, falls jemand den Kasten auffischte, nicht nach Theben zurückkehrte. Nur auf Grund des Postulats aber und der anfechtbaren geographischen Erwägungen kommt Robert auf ein drittes Argument, den mit dem sikyonisch-korinthischen 30 identischen Polybos von Anthedon. Die ursprüngliche Identität mag von Höfer richtig behauptet sein; aber daß die Oidipussage jemals bewußt mit diesem Polybos als einem Anthedonier zu tun gehabt habe, ist doch nirgends bezeugt.

Nach dem Schol. Eur. Phoin. 26 gab es weiter eine Fassung, nach der das ins Meer geworfene Kind von Hippodameia in Elis aufgefunden und als eigenes auferzogen wurde, Robert I 507.

40 Der Bericht bei Dion Chrysost. X 24, wonach L. den Oidipus nicht aussetzte, sondern aufzog, nach dem weiteren Texte aber doch ausgesetzt hat, ist konfus und für uns wertlos. Verbesserungsvorschläge in Cr Ausgabe von Empe-rius. Robert ἼΓ 101, 65 hält den Text für intakt und verzweifelt an der Erklärung. (Vielleicht heißt ἔθοεψε nicht ,zog [bei sich! auf', sondern nur ,ließ am Leben* und οὐκ Sv ἐξέθηκεν ,[dann] hätte er gar nicht auszusetzen brau-50chen‘; dann hätte Arnim die Überlieferung mit Recht belassen.)

Nach Robert I 60f. sind beide Versionen, die der Aussetzung auf dem Kithairon und auf dem Meere und auch die Erziehung des Oidipus fern von der Heimat kein ursprünglicher Zug der Sage (natürlich ganz abgesehen von der Konfusion bei Dion), sondern erst bei der Vermenschlichung des ursprünglich göttlichen Oidipus dazu erdacht worden: erst diese habe es mit sich 60 gebracht, daß Oidipus den Vater unwissentlich erschlagen mußte, wozu die Aussetzung erfunden wurde. Früher nämlich erschlug er ihn rite wie der alte Jahresgott den neuen. Erst als der Mvthos auf menschlichen Boden verpflanzt wurde, sei diese heilige Natursymbolik zum Verbrechen geworden, das man wenigstens zu einem unwissentlichen gemacht habe, um Oidipus nicht zu einem moralischen Scheusal zu stempeln. [493] 493 Laios (die Sage}})

Aber die Deutung des Vatermords als ein Erschlagen des alten Jahresgottes ist nicht sicher; vielmehr kann man ja Roberts Beweisführung umdrehen: wenn der neue Jahresgott den alten wissentlich erschlägt, Oidipus aber seinen Vater, soweit wir zurückkommen können, stets unwissentlich, so folgt, L. und Oidipus seien eben deswegen nicht für Jahresgötter zu halten.

q) Reise des L. und Oidipus, ihre Gründe und Ziele. Im beginnenden Greisenalter, Soph. O. T. 742, begegnet auf einer Reise L. dem Oidipus und wird von ihm erschlagen.

Weswegen L. bei Aischylos a u s z o g und wohin, Robert I 97. 258. 278, ist nicht überliefert. Da bei ihm der Mord an der potnischen Schiste stattfand, war eine besondere Motivierung des Auszugs schließlich nicht nötig; nach dem Theben ganz nahen Potniai konnte L. aus verschiedenen Anlässen gelangen. Doch vermutet Robert I 97, auch bei Aischylos sei der Auszug mit der Suche nach dem ausgesetzten Kinde motiviert gewesen; das Motiv, daß der Vater nach dem Sohne und der Sohn nach dem Vater forsche, sei so glücklich und habe in den germanischen und persischen Sagen so schlagende Parallelen, daß es in der Oidipussage wohl alt, wo nicht ursprünglich sei. Nähere Motivierung I 278f. Als Reiseziel ist, da die potnische Schiste südlich von Theben liegt, Delphoi bei Aischylos ausgeschlossen; L. zog nach dem Ki-thairon, wo er das Kind hatte aussetzen lassen.

Bei Soph. O. T. 114 zog L. als θεωρός nach Delphoi; danach Nikol. Dam. Doch ist dies nach Bruhn z. d. St. (Robert I 96) nicht als wahrer Grund anzunehmen, sondern als Vorspiegelung Kreons. Der wahre Grund war auch hier die Suche nach dem Kinde.

Bei Eur. Phoin. 36, danach Diod. IV 64, 2. Wolfenb. hyp. Eur. Phoin. 7, 19 Dd. Zenob. II 68 (Leutsch Par. gr. I 51), ist dies direkt angegeben und bei Hyg. fab. 67 mit M. Schmidts Ergänzung wie Schol. Eur. Phoin. 36 vortrefflich motiviert, Robert I 96f. Die Motivierung des Auszugs in Euripides* Oidipus ist unklar. R o b e r t I 330f.

Aus Peisandros erschlossen wir eine Version, nach der L. auszog, um irgendwo (nicht in Delphoi) ein Mittel gegen die Sphinx zu erfahren, die schon zu seinen Lebzeiten erschienen war. Bezeugt ist das freilich nirgends, und das Erscheinen der Sphinx vor L.s Tod und deswegen L.s Reise (nach Delphoi) ist irrig (außer wenn man an die Byzantiner denkt, s. u. z.) von Preller-PIew Gr. Myth. II 348 in die Darstellung der ,gewöhnlichen Erzählung von L.‘ aufgenommen worden. Im Gegenteil, noch Zenob. II 65 (Leutsch Par. gr. I 49) kennt die Version, erst nach L.s Tode seien die Boiotier in große Not gekommen.

Bei Lact. Plac. ad Stat Theb. II 64 reist L. zu einem Gastfreunde in Phokis, Naubolus (der ihn dann weiter nach Delphoi begleitet, s. u.).

Grund und Ziel der Reise des Oidipus. Bei Nikol. Dam. zieht Oidipus ἐπὶ θήτησιν ἴππων nach Orchomenos. Obwohl Nikolaos ein später Zeuge ist, s. o. Ba, will Ro -bert I 81 f. hier einen älteren Zug erkennen, da Rosseraub älteren Zeitverhältnissen gut ent- [494] Laios (die Sage) 494

spreche. Sonst wird als Grund der Reise des Oidipus angegeben: Schol. Hom. Od. XI 271 ἔπιζητων τοὺς γονέας, Robert I 93, wobei aber Delphoi als Reiseziel nicht selbstverständlich ist, Robert I 95; vielmehr wird ausdrücklich Theben angegeben; ferner Schol. Eur. Phoin. 33: Reiseziel Delphoi, Grund Fra τροφεία ἀποδίδῳ Ἀπόλλωνι, Robert I 95. – Bei Aischylos ist Motivierung seines Auszugs und sein Reiseziel 10 unbekannt, Robert I 258. Bei Soph. O. T. 788.

Apollod. III 51. Hyg. fab. 67. Wolfenb. hyp. 7, 15ff. Dd. kommt er von Delphoi, wo er nach seinen Eltern gefragt hat (und reist nach Theben, Zenob. II 68). Nach Robert I 95 hat sich Delphoi schon vor Sophokles hineingeschoben; aber dieser scheine der erste zu sein, der Oidipus wirklich nach Delphoi gelangen und den Mord erst auf dem Rückwege vollführt werden ließ. Bei Eur. Phoin. 34. Diod. IV 64, 2. Lact. 20 Plac. ad Stat. Theb. VII 344 reist Oidipus nach Delphoi, um nach seinen Eltern zu fragen; in Euripides* Oidipus ist die Sache unklar, R o -b er t I 331.

r) Das Treffen am Dreiweg. Das Ziel der beiden Reisen zu kennen ist nach Robert wichtig, weil man erst dann die Entstehung des Streites zwischen Vater und Sohn beurteilen könne. Robert Apophor.(o. Bb6) 1903,110–112.

Zunächst stellt man sich, unbewußt unter dem 30 Eindruck der am meisten bekannten sophoklei-schen Version, die Sache so vor, daß die beiden Reisenden einander begegnen und Oidipus nicht ausweichen will; sie haben also dann ein verschiedenes Reiseziel. Begegnung ist überliefert Soph. O. T. 802ff. συνηντίαζον (die Begegnung geschieht nicht am Dreiwege, sondern nur in dessen Nähe, v. 801; der Dreiweg an sich spielt keine Rolle). Diod. IV 64, 2 ἀπαντησάντων. Apollod. III 51 ὀνντυγχάνεί κατὰ τινὰ ἀτενήν 40 ἄδον (also kein Dreiweg! Trötzdem von Robert II 32, 51 vermutungsweise auf Soph. O. T. 1399 στενωπὸς ἐν τριπλαῖς ὀδοῖς zurückgeführt). Schol. Pind. Ol. II 65c ἐν ὄδῳ περιτυχόντα. Wolfenb. hyp. 7, 18 Dd. ὑπήντησ,ςν. Hyg. fab. 67 obviam iret. Besonders schwierig wird die Begegnung, wenn beide Reisende fahren wie bei Apollodoros, der dies auch mit besonderer Absichtlichkeit hervorzuheben scheint (für Aischylos kann es aius τροχήλατον τρίοδον Schol. Soph. O. T. 733 50 vielleicht erschlossen werden) und wenn der Weg ein eingehauenes Gleis hat, s. u.

Hiermit wird aber der Dreiweg noch nicht erklärt, der als Mordstelle ja oft ausdrücklich hervorgehoben wird. Bei einfacher Begegnung zweier Wanderer mit verschiedenem Reiseziel wäre das überflüssig, ja sogar, wenn Oidipus zu Fuß war, störend; denn er hätte ja durch einfaches Hinübertreten auf den dritten Weg das Ausweichen besonders leicht gehabt. Vielmehr 60 müßte es sich bei dem Dreiweg wenigstens in der ursprünglichen Fassung der Sage, als man die Schiste noch richtig auffaßte, nicht um ein Ausweichen gehandelt haben, sondern darum, ob Vater oder Sohn an der Stelle, wo zwei Wege in einen dritten einmündeten, auf diesem dritten den Vortritt haben sollte; beide hatten also dann dasselbe Reiseziel. So Eur. Phoin. 39 ξυνάπτετον πόδα εἰς ταντόν ... ὀχιοτῆς ὀδου (was das [495] 495 Laios (die Sage)

Schob M zu 38 Dd. [fehlt bei Schw.] mit συναπαντώσιν ἀλλήλοις also falsch erklärt), Robert im Apophoreton. Seine Ausführungen dort sind wichtig; ohne sie sind die im Oidipus nicht recht klar. Er will in der nachdrücklichen Betonung der Schiste das Rudiment einer älteren Sagenform sehen. Auf Grund eingehender Erwägungen und Nachprüfung der Verhältnisse an den einzelnen Schisten, s. d. nächsten Abschn., kommt er I 85 zu dem Resultate, die phokische Schiste passe für Sophokles und Euripides, während nach 1 91 für Aischylos verwickelte Verhältnisse angenommen werden müßten, s. u. sa.

Aber ist das nicht schärfer durchdacht, als es je ein antiker Hörer, Leser oder Regisseur tat? Auch die sich bildende Sage, Robert I 90, wird hierin keine absolute Exaktheit verlangt haben. Den Hinweis von € u r t i u s Ges. Abh. I 21 auf die Schwierigkeit des Aus weichens von Wagen auf Wegen mit Gleisen sieht Robert Apoph. 110 als ein bleibendes Verdienst an. Ich möchte ihm kaum Bedeutung beimessen; Gleiswege waren doch wohl so häufig und typisch nicht, daß man sie als Grundlage für die Verwicklung einer Sage nehmen konnte. Dies taten ja auch Sophokles und Euripides nicht, bei denen Oidipus zu Fuß wandert, wodurch der Gleisweg seine Bedeutung verliert. Daß ferner der Dreiweg später nur Rudiment in der Fabel blieb, hält Robert I 258 selbst für möglich; dann hätte man sich also später bei seiner Erwähnung die von ihm dargelegten Schwierigkeiten nicht mehr klar gemacht. Ich glaube, man hat das in Roberts Weise überhaupt nie getan. Vielmehr wird man vom Dreiweg nur deswegen erzählt haben, weil eine solche Stelle wegen des ihr im Volksbewußtsein anhaftenden ‘Unheimlichen für den grausen Vatermord besonders geeignet erschien. Oder man verfiel auf ihn, weil er für den Anagnorismos wichtig war. Erinnerte sich Oidipus, einmal einen Alten erschlagen zu haben, so konnte er doch noch zweifeln, ob dieser Mord mit dem ihm in Theben geschilderten des L. identisch sei; der Mord aber eines Alten gerade an einem Dreiweg ist beweisend, und so führt bei Soph. O. T. 800, wie Bruhn im Kommentar richtig bemerkt, τριπλῆς die Entdeckung herbei. Das wären einfache und natürliche Lösungen, s. u. s ά und t; freilich hängt es, ob man sie billigen will, von der prinzipiellen Frage ab, ob in der Sage alles bis aufs Tüpfelchen durchdacht gewesen sein soll, s. u. v a.

s) Die Mordstelle, Höfer 713f., war nach der Vulgata eine ὀχιατὴ ὀδός in Phokis. Eleon als Mordstelle erschließt aus schwachem Indicium Robert I 80f.; s. aber u. sy und x. Überliefert sind folgende Stellen:

a) Eine boiotische Schiste bei P o t -niai, Aischylos nach Schob Soph. O. T. 733 = Nauck TGF² nr. 173 (aus Aischylos’ Oidipus. nach v. Wilamowitz Aisch. Interpret. 97 vielleicht auch aus dem L.). Potniai liegt nach Kiepert Neuer Atlas v. Hellas, Berl. 1872. Karte V an der Straße von Theben nach Plataiai und zwar dicht südlich von Theben, weit nördlich vom Kithairon: nach Baedeker Griech.⁵ 177 war es eine Vorstadt von Theben (mit der Kithaironschiste. s. u. ß. darf man also die pot- [496] Laios (die Sage) 496

nische wohl nicht gleichsetzen). Man sieht bei Kiepert absolut nicht, wie eine Schiste bei Potniai habe liegen, d. h. nach welchen Städten größere Wege hätten abzweigen können. Um die Gabelung des Wegs von Theben nach dem Ki-thairon mit dem nach der Peloponnes (G r u p p_e 521) kann es sich nicht handeln; beide Wege sind identisch (abzweigen kann vom Wege nach der Peloponnes über den Kithairon höchstens ein 10 anderer nach Attika, auch über den Kithairon.

Dafür, daß das erst in Potniai, nicht schon in Theben geschah, ist keine Handhabe; heute ist die Gabelung an der Stelle des Elektrischen Tors in Theben selbst, Baedekers Griechen!? Karte zu 174). Auch Robert I 91 muß, um bei Potniai eine Schiste zu finden, zu einem Richtweg seine Zuflucht nehmen. Ist der Mangel einer geographisch nachweisbaren Schiste bei Potniai vielleicht ein Hinweis darauf, die Schiste 20 sei nur in dem Absehn, r a. E. dargelegten Sinne zu fassen?

Wohin bei Aischylos L. zog, woher Oidipus kam und wohin er zog, wird in dem Fragment nicht gesagt. Vermutungen: für L. o. q, nach dem Kithairon; für Oidipus Robert I 91: von Anthedon nach Plataiai, uns unannehmbar, da wir Erziehung des Oidipus in Boiotien nicht für erwiesen erachten.

Die potnische Schiste ist für uns die älteste 30 datierbare Lokalisierung des Mords. Allgemein, z. B. bei v. W i 1 a m o w i t z Aisch. Interpret. 97, gilt sie als die auch in der Sage älteste. A priori wäre freilich auch denkbar, daß Sophokles die ältere Version vertritt, die Aischylos willkürlich geändert habe. Aber nach eingehender Untersuchung I 82. 92, vgl. 107. 258, stimmt Robert der allgemein geteilten Ansicht bei; dem Morde an der polnischen Schiste sei der an der phokischen erst nachgebildet. Mir scheinen frei-40 lieh diese Deduktionen allzu scharfsinnig, s. d. vorigen Absehn. a. E. Statt die Lokalisierung an dieser Schiste für die älteste anzusehen, möchte ich sie zunächst als zeitlich (weil vielleicht willkürliche Neuerung des Aischylos) nicht fixierbar und geographisch nicht erläuterbar betrachten; weiteres s. u. t.

Analyse des Aischylosfragments bei Robert I 273. 278. – Kein Grab ies L. an der polnischen Schiste, s. u. v ß.

50 ß) Auf eine ebenfalls boiotische Schiste, aber weiter südlich von Theben, am Kithairon, führt im Peisandrosscholion zu Eur. Phoin. 1760 die Stelle p. 414, 20. 22 Schwartz, falls dort, wie in dubio allerdings anzunehmen, überhaupt eine klare geographische Vorstellung zugrunde liegt. Nach Peisandros hat L. mit lokaste auf dem Kithairon irgendwelche Opfer dargebracht. Beim Rückwege kommen sie an ,die‘ Schiste; dort erzählt Oidipus der lokaste, 60 ,hier‘ (so nach dem ganzen Zusammenhang, s. u.) habe er einst einen Mann erschlagen, seines Gürtels beraubt und begraben. Soweit richtig Höfer 713, 64. Dieser schließt aber dann weiter auf die potnische Schiste, während die Erzählung des Oidipus und folglich die Mordstelle wegen κατήρχετο wohl weiter südlich, noch am Abhang des Gebirges, zu denken ist. So auch Robert I 161: .von der Höhe des Kithairon [497] 497


Laios (die bage)

herabsteigend⁴, der aber vorher das doppelte τὸν τόπον gekünstelt auf zwei verschiedene Orte bezieht; τῆς σχιστῆς ὀδου gehört nicht zu ὑπομνήσεις, wozu τοῦ φόνου zu ergänzen ist, sondern ist genet. epexegeticus zu ἐκείνον τὸν τόπον: ,als sie an jene Stelle, (nämlich) die Schiste, kamen, erinnerte sich Oidipus (des Mordes) und zeigte der lokaste die Stelle⁴. Auch das Bedenken Roberts I 165 überzeugt nicht (den Einwand, den dort Robert gegen die Gleichung: Schiste bei Peisandros = potnische Schiste macht, beziehe ich auf die Kithairon-schiste, weil ich diese von der potnischen trenne. Von den später sichtbaren Gräbern ist bei Peisandros nicht die Rede): wenn auch später Σχιστὴ ὀδός beinahe Eigennamen geworden war und als solcher immer die phokische Schiste bezeichnete, so ist doch dies Mißverständnis im Peisandrosscholion Z. 15. 22 durch Κιθαιρωνί Z. 20 unmöglich (freilich ist Bethe 8 zuzugeben, daß der Leser wegen ἀπέτρεπεν τῆς ἐπὶ Ἀπόλλωνα ὀδου und wegen der später allgemein üblichen Ansetzung der Schiste in Photis bei ἐν V °Xt0Tfi θΦ zunächst an die phokische Schiste denkt; aber er wird das dann korrigieren).

Woher und wohin Oidipus bei dieser Begegnung zog, ist in dem Scholion nicht gesagt. Aus ὑποστρέψας, seil, nach Korinth, folgt aber wenigstens, daß er vor dem Morde von Süden nach Norden zog. Nicht aber folgt, das Apollonorakel, falls er zu einem solchen ging, sei nicht das in Delphoi gewesen, sondern ein boiotieches; denn er vollbrachte ja den Mord unterwegs (daß er zu einem Orakel ging, ist übrigens nicht ausdrücklich gesagt. Tat er es, so setzte das der Scholiast als bekannt voraus und erwähnte es deshalb nicht; das tut er auch sonst in allen Dingen, in denen Peisandros von der Vulgata nicht abwich, und so erklärt sich wohl ungezwungen das von Robert vielfach getadelte, demnach aber nur scheinbare Ungeschick der Erzählung).

Auf die Kithaironschiste scheinen auch die Worte τὴν ἐπὶ – ὀδόν Schob Eur. Phoin. 38 Dd. 37 Schw) hinzuweisen, falls sie nicht überhaupt sinnlos sind und von einem Scholiasten herrühren, der nur mit geographischen Namen, nicht aber mit geographischen Begriffen operierte. Dort ist zwar Phokis ausdrücklich genannt. Aber das paßt nicht; es muß nach σχίζει τὴν eine Lücke (,.... · τινες δὲ τὴν ἐπὶ Βοιωτίαν κτλ') bezw. eine sinnlose Zusammenziehung vorliegen. Denn in Phokis kann es einen Dreiweg, der sich (nordwärts) nach Boiotien, -speziell (καί) Theben, (südwestlich über Megaris) nach Korinth, (südöstlich) nach Attika spaltet, nicht geben, sondern nur am Kithairon. Ähnlich Bethe 170, 16, der aber nicht an die kithaironische. sondern an die potnische Schiste denkt; vgl. Robert II 32, 49.

Weder auf die potnische Schiste noch, was an sich geographisch näher läge, auf die kithaironische wird man es beziehen dürfen, daß Damasistratos von Plataiai den L. fand und begrub (s. u.). sondern wohl nur auf die phokische. Denn fand er die Leiche nahe bei Theben, so hätte er sie, da er als König von Plataiai den König von Theben doch sicher kannte, zwecks [498] Laios (die sage)

498

ehrenvoller Bestattung nach Theben gebracht; ganz anders freilich mit Schneidewin Bethe 169.

γ) Auf eine Mordstelle im Nordosten von Theben, beim Proitidischen Tore auf dem Wege nach Chalkis, weist nur eine ganz schwache Spur, die ὈΙδιποδία κρήνη, Paus. IX 18, 5, in der sich Oidipus nach dem Morde das Blut des Vaters abwusch. Das ist aber wohl 10 keine Stütze einer anderweit zu supponierenden Ansetzung der Mordstelle an der Straße nach Anthedon, wie R o b e r 11 80 will, da nach ihm Oidipus vielleicht einst am Hofe des Polybos von Anthedon aufwuchs. Noch viel unwahrscheinlicher ist, daß Pausanias hier eine Erinnerung an die ,weit vor aller poetischen Ausmalung zurückliegende Zeit* erhalten hat, in der L. in Eleon, d. h. zwischen Theben und dem Euripos, als Jahresgott geopfert wurde. Es handelt sich 20 wohl nur um billige Ciceroniweisheit.

Ô) Nach Nikol. Dam. frg. 15 = Müller FHG III 366 lag die Mordstelle am L a p h y -s t i n, einem Berge westlich von Koroneia, also auch von Theben, aber noch in Boiotien (falsch über die Lage des Laphystion Müller a. a. O.: inter Orchomenum et Lebadeam, paucis stadiis a Lebadea distans siehe die große Karte in Baedekers Griechenl.⁵). Oidipus zieht vom Süden nach Norden, nach Orchomenos; ihm be-30 gegnet L., der mit Epikaste als θεωρός westwärts von Theben nach Delphoi zieht. Von einer Schiste ist hier keine Rede und brauchte es auch nicht zu sein. Epikaste begräbt L. und den mit ihm gefallenen Herold an der Mordstelle. – Über Gruppe 503, 2 s. Robert I 77 und unten Abschn. Ed. Analyse der Überlieferung und Kritik früherer Ansichten über sie bei Robert I 81f., o. Ba. Zu erwägen ist noch folgendes. Bei Nikol. Dam. und bei Späteren könnte eine 40 gewisse Sucht vorliegen, die Sage um jeden Preis anders zu erzählen als Frühere; man wollte sich wohl damit als modernen Menschen aufspielen, der die Sache natürlich besser weiß als Ältere. So wird man auf das Laphystion verfallen sein; es ist von jeher unheimlich gewesen und soll es mit seinen Waldungen und Wölfen z. T. heute noch sein. Dann würde hier keine ältere Quelle vorliegen.

r) Die Vulgata verlegte die Schiste oder doch 50 die Mordstelle auf Grund von Soph. O. T. 729ff. 1398. Eur. Phoin. 38 nach Phokis: Diod. IV 64, 2. Apollod. III 51. Schob Eur. Phoin. 38 Dd. 37 Schw. (der Rest des Scholions gehört nicht hierher, s. o. unter ß a. E.). Schob Pind. Ol. II 65c. Lact. Plac. ad Stat. Theb. II 64 (konfus: Phocis ergo Boeotia est). VII 344. Vase aus Adria, o. B b 6. Diese Version sieht man als jung und von Delphoi hervorgerufen an. Robert I 92, ersteres ohne zureichenden Grund, 60 letzteres sicher mit Unrecht, s. d. Abschn. t.

Bei Apollodoros ist von keiner Schiste die Rede, sondern nur von einem engen Wege, auf dem Oidipus dem L. begegnet, s. o. r; auch das Pindarscholion kennt keine Schiste. Aber sonst dachte man allgemein an eine solche, und zwar an einer ganz bestimmten Stelle, so daß Σχιστὴ ὀδός beinahe Eigennamen wurde, und wo man den Reisenden L.s Grab zeigte, Paus. X 5, 3; [499] 499 Laios (die Sage)

dazu Hitzig-Blümners KommentarS.638. Gruppe 886, 1. Robert I 92; nach diesem, war es ursprünglich ein Ἐρμαῖος λόφος, ein Kultmal für Hermes, das man später als Grab des L. deutete. Über das Alter dieses Grabes s. t a. E.

Diese Stelle wiederzufinden haben sich neuere Reisende bemüht, aber lange ohne Erfolg, s. Hitzig-Blümner a. a. O. Robert I 84. Bürchner u. Bd. ΠΑ8.435f., der aber wohl nicht 10 mit Recht auf Schot Eur. Phoin. 38 verweist, s. o. s ß, Bei Robert ein Kärtchen, auf dem freilich gerade die entscheidenden Legenden Σταυροδρόμιον τὸν Μέγα und Στενή fehlen; das Stav-rodromi liegt an der Kreuzung des westlichen Wegs nach Ambrysos mit denen nach Delphoi und Daulia, der Eingang zur Steni an der des östlichen Wegs nach Ambrysos mit denen nach Delphoi und Panopeus-Chaironeia; II 32f., 55. 56. 59. Das Schwanken der Reisenden rührt 20 daher, daß Spuren des von Pausanias beschriebenen Grabes nicht mehr da sind. Robert entscheidet sich glaublich für das Stavrodromi in den Versionen bei Sophokles und Euripides, in denen Oidipus zu Fuß geht; für die Version bei Aischylos und Apollodor, wo er fährt, paßt nach ihm nur die Schiste bei Potniai; dies für uns nicht erwiesen, s. o. r.

ζ) Mordstelle und Grab in Elis, Schot Eur. Phoin. 26, s. o. e. 30

) Die Angaben bei Seneca Oed. 276ff. sind im einzelnen wertlos, ,der Gipfel des Barock⁴, Robert II 33, 58. Seneca arbeitet nur mit Namen, nicht mit klaren geographischen Vorstellungen. Aber in anderem Sinne ist er sehr wertvoll. Denn Oed. 772 ist dann ein schönes Beispiel dafür, daß ,die phokische Schiste⁴ manchen zwar ein fester Begriff der Sage war, ohne daß man aber an einen geographisch wirklich genau festzulegendein Ort dachte. 40

t) Kritik der Überlieferung über die Schiste n. Wie war es möglich, daß man diese so verschieden ansetzte? Offenbar, weil die alte Sage keine bestimmte Schiste genannt hatte, so daß die einzelnen Dichter Freiheit hatten. Das bestärkt uns in der Ansicht, der Dreiweg sei nicht mit bestimmten lokalen Rücksichten, sondern nur ganz allgemein als unheimliche Stätte genannt worden, s. o. r. Lokale Erwägungen könnten dann die einzelnen Dichter 50 angestellt haben, um ihre Einzelansetzungen glaublicher zu machen. Für uns aber erledigt sich die Frage, welche Schiste die älteste in der Sage genannte gewesen sei, und ob speziell die polnische: die älteste Sage nannte eben überhaupt keine bestimmte. Ganz anders freilich Robert I 83. 92. Uns gilt mangels genauer Überlieferung die polnische Schiste als von Aischylos ebenso willkürlich (aus uns unbekannten, für die aischyleische Dichtung bestimmen- 60 len Gründen) gewählt wie die anderen. Daß sie die Theben am nächsten liegende ist, beweist nichts für ihr Alter.

Auf die phokische Schiste kam nach Bethe 163 später der Dichter, der das pythische Orakel in den Sagenkreis einführte. Als möglich sehen wir nach dem unter i a. E. Gesagten neben der Tätigkeit eines einzelnen auch eine Umgestaltung [500] Laios (die Sage) 500

der Volkssage an, weil im V 1 k s bewußtseiu Delphoi immer mehr Bedeutung gewann. Kaum aber scheint eine Umgestaltung durch die Tätigkeit der delphischen Priesterschaft anzunehmen, wie Robert I 92 will; nicht glaublich auch Bethe 163: ,hiedurch* (durch die Verlegung des Mords nach Phokis) ,wurde die Macht und die Strenge des delphischen Apollon augenfällig*. Ganz im Gegenteil! Das Ansehen eines Orakels wächst doch nicht dadurch, daß seine Sprüche in seiner Nähe in Erfüllung gehen. Viel eher hätte der delphischen Priesterschaft daran liegen müssen, zu zeigen, die Macht ihres Gottes wirke auch an fernen Stätten.

Den Sieg über die anderen Schisten in der Vulgata erlangte die phokische durch Sophokles und Euripides.

Wenn nun die Volkssage eine Schiste in Phokis nannte, so mag doch ,die phokische Schiste* ein für die Sage zwar fester, geographisch aber trotzdem mehr oder weniger unkontrollierbarer Begriff geblieben sein, wie früher ,die‘ Schiste im allgemeinen; so noch bei Seneca. Mögen sie Sophokles und Euripides am Stavrodromi festgelegt haben: die, die nach ihnen die Sage hörten, machten sich sicherlich selten so genaue Vorstellungen wie sie. Zu der Festlegung kamen die Tragiker dadurch, daß s i e allerdings bei der Sache sich etwas Bestimmtes denken mußten; aber das taten nicht auch ihre oder spätere Hörer. Kaum aber werden Sophokles und Euripides durch einen am Stavrodromi befindlichen Steinhaufen dazu gekommen sein, den man schon zu ihrer Zeit, ja (Robert Apoph. 111) lange vor Sophokles als Grab des L. gedeutet hatte; anders freilich Robert I 103.107. Das geschah wohl erst in der Kaiserzeit bei Ausdehnung des Reisebetriebs, als die Touristen für die Mühe ihrer Reise an historischen Stätten nun auch etwas sehen wollten, wie etwa heute viele Reisende das Fenster des hl. Paulus in Damaskus.

u) Einzelheiten des Zusammentreffens notierten Höfer 714, 18–58 (aber Schob Eur. Phoin. 1760 nicht aus der Oidipodie, s. o. Ba) und Gruppe 521, 8, der trotz einzelner Abweichungen eine gewisse Konstanz erkennt, die auf eine einheitliche Quelle zurückzugehen scheine – ob mit Recht? Wichtiger scheint es darauf hinzuweisen, daß die einzelnen die Sache frei wiedererzählten und dabei u n -willkürlich änderten, fortließen oder zudichteten. Das tut auch heute noch jeder Mensch, der antike Sagen, z. B. in einer Gymnasialseita, erzählt, sofern er nämlich nicht bloß »auswendig⁴ Gelerntes hersagt, sondern innerlich, mit dem Herzen dabei ist. Großer Wert ist aber auf solche Abänderungen nicht zu legen. Daher unterdrücke ich die ursprünglich hierüber geschriebenen Abschnitte

a) Der Name des Kutschers und Herolds des L.: Robert I 105f. II 37, 85–87 und

ß) Zahl der Begleiter des L. und des Oidipus, in denen die Darlegung ohnehin allzusehr ins einzelne gehen müßte, und zeige, was ich sagen möchte, an

y) L.s Tod. Über die Volkssage s. Robert I 99; vielleicht sei in ihr L. von Oidipus schwer [501] öOI Laios (die öage)

gereizt worden, noch schwerer als bei Sophokles. Über die Szene bei Peisandros s. Robert Ï 159. im aischyleischen Oidipus schilderte den Tod des L. das frg. 173, Robert I 273. Die älteste ausführliche Schilderung ist bei Sophokles O. T. 1140. 800fl. erhalten; L. reizt Oidipus, indem er mit dem Kentron nach ihm sticht (schlägt); Oidipus schlägt L. mit der Keule, so daß er rücklings aus dem Wagen stürzt. In Eur. Phoin. 41 treten L.s Füllen nur zufällig die Spanne des Oidipus blutig; dieser ist allein der Schuldige und fordert durch sein stolzes Verhalten L. heraus, Robert I 99. Bei Diod. IV 64, 2 reizt L. den Oidipus durch stolze Worte (während bei Eur. Phoin. 39 der Kutscher, bei Hyg. fab. 67 die Trabanten des L. dem Oidipus befehlen auszuweichen). Bei Apollod. III 51 ist der Hauptschuldige Polyphonies, der, als Oidipus nicht ausw'eichen will, eines von dessen Rossen tötet. Nach Hyg. fab. 67 überfährt L, absichtlich Oidipus’ Fuß; Oidipus reißt [nicht, wie bei Soph.: schlägt] L. vom Wagen, Robert I 321. 546.

Diese Quisquilien also hab ich absichlich zusammengestellt, um an einem Beispiel zu zeigen, daß es Quisquilien sind. Quellenforschung kann man damit nicht treiben, etwa mit einer Gruppierung· Oidipus der Schuldige – Oidipus der Gereizte. Bei diesen kleinen Abweichungen sind zu viel Zufälligkeiten der Phantasie des einzelnen mit im Spiele, sogar bei Apollod. und Hyg., die ja ihre Quellen nicht mit der Gründlichkeit unserer Gelehrten ausschrieben. Wichtiger ist vielleicht folgendes.

Ô) Oidipus’ Beute. Hom. Od. XI 273 besagt schwerlich, wie Bethe 7. Gruppe 522, 2 wollen, Oidipus habe den toten L. der Waffen beraubt. Im Peisandrosscholion steht allerdings Ähnliches, s. u.; aber ἐξεναρίζειν kann auch ,töten* heißen, und in der ganz knappen Angabe der Nekyia kommt es gar nicht auf Einzelheiten wie Waffenraub an, sondern nur auf Vatermord und Mutterehe.

Daß im Peisandrosscholion Oidipus das Wehrgehenk des Ermordeten an sich nimmt und dann sogar trägt, bezeichnet Robert I 161, vgl. 508 mit Recht als ungeschickt, denn daran hätte ja lokaste den Mörder ihres ersten Gatten erkennen müssen. S. aber u. z.

Bei Antimachos in der Lyde frg. 34 = Schob Eur. Phoin. 44 und bei Eur. Phoin. 44 schenkt Oidipus die erbeuteten Rosse des L. dem Poly-bos; bei Nikol. Dam. dessen Maulesel; Robert T 82. 95. Das ist also eine von der sophokleischen Version ganz abweichende Fassung: Oidipus kehrt danach nach dem Morde in die Peloponnes zurück. Er kann also nicht in Delphoi das Orakel erhalten haben, er werde seinen Vater töten, auf Grund dessen er ja die Rückkehr zu seinem vermeintlichen Vater Polybos vermied: und so ist es in der Tat bei Euripides. Nach Robert I 99 ist bei diesem die Rückkehr in die Peloponnes erst durch das Eintreten Delphois in die Sage veranlaßt. Da bei ihm Oidipus L. auf dem Hinwege nach Delphoi erschlägt, habe er nach dem Morde umkehren müssen; denn wäre er danach nach Delphoi gekommen, so hätte er dort die Wahrheit erfahren, wodurch die Mutter- [502] baios (aie cage) ouz

ehe unmöglich geworden wäre. Um die Kückkehr in die Peloponnes wenigstens einigermaßen zu motivieren, habe Euripides das wahrscheinlich alte Sagenmotiv von der Schenkung der Beutepferde an Polybos wieder aufgenommen.

e) Tod Epikastes. Nach Schol. Eur. Phoin. 26 tötete Oidipus außer dem Vater auch die Mutter, Robert I 506, aber schwerlich zusammen mit L., mit dem sie reiste; dann hätte 10 die ganze weitere Erzählung gegen die Vulgata umgestaltet; werden müssen, weil dann die Mutterehe unmöglich wurde. Diese eliminierten aber nicht einmal die Byzantiner, die den Greuel des Vatermords beseitigten, s. u. z. Viel richtiger dünkt mir Koberts zweiter Vorschlag, die Notiz des Scholions beziehe sich auf eine Fassung, nach der Oidipus die Mutter beim Ana-gnorismos tötete.

‘) Vergewaltigung Epikastes, 20 Schol. Eur. Phoin. 26. Sehr auffällig, ja fast widersinnig ist es, daß bei Nikol. Dam. frg. 15 Epikaste bei der Ermordung des L. zugegen ist; auch dann ist ja die spätere Ehe mit Oidipus kaum möglich, Gruppe 521, 8 (Kobert äußert sich hierzu nicht). An eine Vergewaltigung Epikastes unmittelbar nach dem Morde, wie Gruppe zweifelnd vorschlägt, kann Nikol. Dam. nicht gedacht haben, denn er betont gerade das Gegenteil; diese seine auffälligen 30 Worte, die man nicht erwartet, sind vielleicht Opposition gegen die freilich sonst ganz andersartige Version in dem genannten Scholion, wonach Oidipus der lokaste nach dem Begräbnis des L. (sic) beiwohnt. – Diese Version würde dadurch nicht an Härte verlieren, daß auch bei Aischylos und Sophokles zwischen Mord und Hochzeit der zeitliche Abstand ganz gering sein soll, R o -bert I 98. 281; denn diese Dichter hätten das verdeckt; für Sophokles aber s. d. Abschn. v 40 am Ende.

) Nach dem Morde trank in Aischylos’ L. Oidipus von dem Blute des Vaters und spie es wieder aus, ein Brauch, der gegen Blutrache sichern sollte; so nach dem Etym. Genuin. Reitzenstein Ind. lect. Rost. 1890/1, 4. v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 440, 1; Aisch. Interpr. 97. R o b e r t I 279. II 100L, 58f.

v) L.s Bestattung. Ereignisse nach seinem Tode, a) Bestattet werden lassen 50 Apollod. III 52. Paus. X 5, 4 L. durch den König von Plataiai, Damasistratos. Aus welcher Quelle sie das haben (Bethe 169: vielleicht Amphiaraoslied) und wie Damasistratos an die Mordstelle (doch wohl nicht die potnische, sondern die phokische Schiste, s. o. s a. E.) kam, ist unbekannt. In den Versionen von anderen Mordstellen wird L. entweder an der Stätte seines Todes begraben: phokische. Kithaironschiste. Laphystion, Elis; oder es ist vom Begräbnis 60 nichts überliefert: potnische Schiste. Proitiden-tor. Ohne Beleg nimmt Stoll 1801, 65 ein Grab des L. bei Potniai an, irrig nach Apollo-doros ein solches bei Plataiai E s c h e r o. Bd. IV 8. 2038. Über das Aussehen des Grabes an der phokischen Schiste s. Abschn. s e.

Eine feierliche Bestattung in Theben, von der die Überlieferung ebenfalls nichts weiß, erschließt Robert T 83 aus den Leichenspielen [503] 508 Laios (die Sage}})

für L., Apollod. III 209; dort kommt Minos Sohn Androgeos ἐπὶ τὸν Λάιου ἀγώνα. Und zwar will Robert I 107 diese Version für ein sehr altes Stadium der Sage in Anspruch nehmen, I 259 für Aischylos, weil dieser den Mord an der polnischen Schiste, also in unmittelbarer Nähe Thebens vor sich gehen ließ; und dann ist allerdings Bestattung des Königs in Theben wahrscheinlich. Aber aus Apollodor ist sie wohl nicht zu erschließen, wenigstens wenn dieser, was er sonst tut, sich an die mythische Chronologie hielt; denn zur Zeit des Minos, eines Zeitgenossen des Theseus und des gealterten Oidipus (Soph. O. K.), war L. längst tot, und es findet also der ἀθῶν nicht bei der feierlichen Bestattung des eben Ermordeten statt. Vielmehr muß es sich in der sonderbaren Angabe bei Apollodoros etwa um eine (jährliche?) Erinnerungsfeier an L. handeln; diese könnte übrigens auch bei einem Kenotaphion stattgefunden haben.

ß) In den Ereignissen nach L.s Tode findet Robert I 102–104 bei Sophokles Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüche: Warum forschte man den Mördern des L. nicht nach? Warum nicht seiner Leiche? Wie konnte Oidipus König und Gatte lokastes werden, ehe man in Theben Sicheres über L.s Tod wußte? Die beiden ersten Fragen kann ich nun freilich bei Soph. O. T. 128–131, vgl. Schob Eur. Phoin. 44, nicht ungenügend beantwortet finden. Aber Soph. O. T. 759 liegt allerdings eine Unklarheit vor: als der einzige überlebende Augenzeuge des Mords nach Theben kam und dort L.s Tod meldete, durfte er Oidipus noch nicht als König finden; nach der Meldung mußte doch das Königreich und lokastes Hand erst ausgeboten werden. Oder umgekehrt (wie es Robert ausdrückt): Oidipus wurde König und lokastes Gatte, ehe man in Theben etwas Sicheres über L.s Tod erfahren hatte. Aber ich meine auch hier nicht, Sophokles könne sich ,die Sache keinesfalls genau überlegt haben', wie auch v. Wilamowitz Dram. Technik d. Soph. 73, 1 will. Der Begleiter des L. ist schon während des Streites zwischen Vater und Sohn entflohen (118f.). Ganz Sicheres konnte er also vom Tode des L. nicht melden, sondern nur. dieser sei überfallen worden; das tut er 737. Sicherheit darüber erlangt er erst, als Kreon oder wer sonst darüber zu verfügen hatte, den Thron ausbot. Das geschah erst einige Zeit nach der Rückkehr des Zeugen, als man auf Grund von dessen Meldung und aus dem Umstande, daß L. nicht wiederkehrte, geschlossen hatte, er sei tot. Dann wurde Oidipus König und lokastes Gatte. Diese sagt nun 758f. ,seitdem (der Zeuge) von dort (der Mordstelle) zurückgekehrt war und (als er dann später] sah, du seiest König und L. sei [also sicher] tot, [also du sein Mörder], bat er, aufs Land geschickt zu werden*. Das ist also nicht .keinesfalls genau überlegt*, sondern höchstens eine ,kleine Inkorrektheit* (Bruhn z. d. St.); die aufgeregte lokaste drückt sich nicht ganz korrekt aus, insofern ,dann später* fehlt. Aufstechen und als Fehler ansehen kann das nur ein Philolog; nie hätte das ein Mensch im antiken Theater getan, der beim Hören der Stelle ebenso aufgeregt war wie lokaste. und [504] Wos (die cage) 504

auch Sophokles hätte deswegen einen Fehler hier nicht zugegeben. Der Widerspruch zwischen 758f. und 736, den Robert I 104 findet, liegt also gar nicht vor. Damit fällt die ,unüberwindliche Schwierigkeit nach dem Eingreifen Delphis⁴ und die Verpflichtung für Sophokles, uns ,über diese Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten hinwegzutäuschen⁴; auch die Tatsache, daß »zwischen der Ermordung des L. und der neuen 10 Ehe seiner Gattin bei Sophokles nur wenige Tage liegen, streng genommen nur ein einziger⁴, R o -bert I 281.

w) DenErinyen des L. und Oidipus errichteten nach Herod. IV 149 die Aigeiden, ein vornehmes Geschlecht in Sparta, ein Heiligtum. Sie verfielen darauf, weil sie sich von Theben ableiteten, vgl. Gruppe 158 (für den Namen L. in der Aigeidenfamilie finde ich aber keinen Beleg; Gruppe meint Laias). 516. Ausführ-20 lieh Robert I 12f. 565ff., der die Gründung als recht alt ansieht. In Theben wirkten die Erinyen des L. und des Oidipus noch gegen Polyneikes’ Urenkel, Paus. IX 5, 15. Robert II 6, 33.

Der Schatten des L. wird bei Stat. Theb. I 295. IV 406–495 aus der Unterwelt zitiert und befragt, wie auch in Senecas Oedipus, Gruppe 532, 3.

x) Sehr merkwürdig sind die Λάιου χρησμοί, auf Grund deren Antichares aus 30 Eleon in Boiotien dem Dorieus rät, Herakleia in Sizilien zu gründen, Herod. V 43; denn es läßt sich sonst gar keine Überlieferung finden oder erschließen, die dazu berechtigte, L. als Orakelgott anzusehen. So ist es richtiger, die Λάιου χρησμοί nicht als ,von L.⁴, sondern als ,dem L. gegebene⁴ oder ,den L. betreffende Orakel⁴ zu fassen, wofür Stein im Kommentar zu der Stelle Parallelen bringt; auch Eur. Phoin. 1611 sind ἀραὶ Λάιον nicht ,der von L. ausgesprochene*, 40 sondern ,der an L. haftende Fluch⁴ (des Pelops).

v. W i 1 a m o w i t z Herm. XXXIV 76f. (zu Soph. O. T. 906 Λάιον θέσφατα); S.-Ber. Akad. Berl. 1903, 440; Aisch. Interpret. 96, 2 denkt an ein Orakelbuch, in dem das berühmte, dem L. gegebene Orakel (s. o. h), vielleicht am Anfang stand, so daß es ihm den Namen gegeben habe; dann vielleicht auch das Kadmosorakel, Schob Eur. Phoin. 638, das Paus. IX 26, 3 meint und das in der Familie des Kadmos eine besondere 50 Rolle spielte (s. o. n). ,Einen homonymen alten Propheten L. oder den König als Propheten wollen wir nicht erfinden? Das tut jedoch Robert I lOf. II 6, 27, vgl. II 106, 39, der ,von L. gegebene Orakel⁴ übersetzt und einzig auf Grund des sprachlich nicht eindeutigen Ausdrucks Λάιον χρησμοί und trotz des Mangels aller anderen Belege L. zu einem chthonischen Orakelgotte macht, der in Eleon einen Kult besaß. Von Eleon aus habe Theben den L wie den 60 Oidipus von Eteonos aus usurpiert, jedoch nicht mehr als Kult-, sondern nur als Sagenfigur. Ich halte das für eine ganz unsichere Grundlage eines so weitreichenden Schlusses und vermutete Woch. f. klass. Phil. XXXIII 267, es habe sich bei dem Orakel des wandernden χρησμολόγος um einen Schwindel gehandelt. Das ist auch deswegen wahrscheinlich, weil bei Herodot Dorieus dem Orakel, das ihm Antichares vermittelte, nicht [505] 505 Laios (die Sage)

traut; er fragt in derselben Sache nochmal in Delphoi an« Also wird Antichares dem Orakel, um es ehrwürdiger zu machen, einfach einen alten Namen der Sage angehangen haben. Tat er das, so brauchte er ihn übrigens nicht als den eines Orakelgottes zu meinen, sondern JL-OrakeT sollte nur einen unbestimmt ehrwürdigen Sinn haben, gleichviel ob von oder dem L. gegebene Orakel; oder meinte er ihn so, so brauchte deswegen der Orakelgott noch keiner aus Antichares’ Heimat 1 gewesen zu sein. Nicht recht passen will schließlich bei Roberts Ansicht, daß man den Gott von Eleon, L; zum Vater des Gottes von Eteonos, Oidipus, gemacht haben soll, während der Epo-nymos von Eleon, Eleonos, gerade umgekehrt Sohn des Eponymos von Eteonos sein sollte. Es mag Beispiele für Umdrehungen der Art geben, Robert II 6, 30; aber beweisender wäre es schon, wenn eine solche gerade hier nicht vorläge. – Gegen v. Wilamowitz’ an sich viel ί ansprechendere Ansicht möchte ich sagen: wie ,von L. gegebene Orakel; so sind außer dem einen besprochenen auch andere, dem L. gegebene* oder ,den L. betreffende Orakel· nicht bekannt. Denn Paus. IX 26, 3. Robert I 497, betrifft ein solches Orakel nicht, sondern nur ein dem L. bekanntes. Daß eine Sammlung von Orakeln, die e i n dem L. gegebenes enthielt, daher ,Λάιον χρηαμ ὁ i betitelt werden konnte, hätte mit Parallelen erläutert werden sollen. – Entnahm aber » Antichares sein Orakel wirklich einem solchen Buche, so enthielt dieses doch auch nur fingiertes Gut. L. als Orakelgott in Eleon gilt uns somit als nicht erwiesen. Den in der genannten Rezension von mir geäußerten Widerspruch fand ich auch bei anderen Beurteilen! des Buches, namentlich bei Waser DLZ 1919 1. Febr. (besonders kühn in diesem ganzen feinen Hypothesengespinst .... Herod. V 43; gar zu viel herausgeholt aus der einen Stelle⁴).

y) Zur Charakteristik des L., für seine Stellung zu seinem Volke (was für die Etymologie des Namens wichtig werden könnte, θ u. F), zu seinem Hause haben wir keine Überlieferung; mitissimus Stat. Theb. VII 355 ist nichtssagend. Nichts beweist für die Charakteristik sein Verhalten im Streite mit Oidipus, s. o. uy; denn gegenüber den Zeugnissen für L.s hochfahrendes oder gar rohes (Hyg. fab. 67) Wesen steht das des Euripides, nach dem Oidipus der Schuldige war. Wir wissen aber nicht, wer hier das Ältere bezw. Echtere bietet oder ob das keine dieser Versionen tut, weil eine ältere Überlieferung darüber gar nicht vorhanden war (eine andere Möglichkeit Robert I 99), so daß also die Dichter hier Freiheit hatten zu erfinden, wie sie wollten. Dasselbe gilt davon, daß L.s Diener an ihm gehangen zu haben scheinen, da sie nach der Entdeckung des Vatermordes durch Oidipus diesen blendeten, Eur. Oid. frg. 541 Nauck² aus Schob Eur. Phoin. 61. Gruppe 525, 9, wo Literatur. Robert I 306ff. Denn die Diener konnten aus Anhänglichkeit an L. so handeln, aber auch auf bloßen Befehl Kreons, oder wenn aus Anhänglichkeit, so kann hier Euripides aus dem oben angegebenen Grunde frei erfunden haben; und das ist wie bei der Schilderung der Streitszene das Wahrscheinliche. [506] Laios (die öage) öOö

In der alten -Sage bezw. im Epos scheint also L. etwa die Rolle gespielt zu haben wie Laertes in der Odyssee, d. h. sein Stammbaum war zwar genau angegeben (s. o. d), näher charakterisiert war er aber nicht.

z) A n h a n g. Von der im wesentlichen durch die Tragiker bestimmten Vulgata weichen vielfach ab das Peisandrosscholion (s. o. e) und die Byzantiner.

0 Höchst bedeutsam ist das Schot Eur. Phoin. 1760, das mit doppeltem Zeugnis: ἰστορεὶ Πείσανδρος, ὅτι...; ταῦτα φησὶ Πείσανδρος seine Quelle angibt. Sein Inhalt ist folgender [in eckigen Klammern gebe ich erläuternde Zusätze zum Texte des Scholions, in runden das, was sicher Zusatz des Scholiasten zu Peisandros* Texte ist]: Senderin [des Unglücks im Labdakiden-hause, speziell] der Sphinx war Ἤρα γαμοστόλος [die uns sonst in dieser Sage oder bei anderen !0 nie begegnet]. Sie zürnt den Thebanern, weil sie L. wegen seiner perversen Liebe zu Chrysippos nicht bestraft haben. (Das Aussehen der Sphinx. Ihre Opfer. L. ist der erste Vertreter der Knabenliebe.) Chrysippos hat sich aus Scham ermordet; L. ist deswegen den Göttern verhaßt. Das weiß Teiresias als Seher, und als L., [der sich unterdessen mit lokaste verheiratet hat], einmal zu Apollon [nicht: nach Delphoi; das steht nicht da und ist wegen des Folgenden auch nicht zu 50 erschließen] reisen will [weshalb, wird nicht gesagt; zu vermuten ist: um ein Mittel gegen die Sphinx zu erfragen], empfiehlt er vielmehr Opfer für Hera [unrichtig Robert I 155. 161 ,das kann, wie die Worte dastehen, nur bedeuten, Teiresias fürchte von einer Reise Gefahren für den König'; denn für einen θεοστνγῆς ist man nicht so besorgt; vielmehr befürchtet er weitere Gefahren für die Stadt durch die Sphinx, wenn deren Senderin nicht versöhnt wird]; doch wird 40 sein Rat nicht beachtet. Auf dem Wege zum

Apollonorakel [,in Delphoi⁴ steht wiederum nicht dal Irrig Robert I 155] wird L, an ,der Schiste erschlagen. [,An ,der* Schiste* heißt nicht, wie mit Bethe 8 der, der über die verschiedenen Schisten als Philolog Bescheid weiß, wegen des Apollonorakels sofort denkt, ,an der phokischen Schiste*, denn diese kann wegen des Folgenden Peisandros nicht gemeint haben. Vielmehr heißt es für den antiken Hörer wohl ,an 50 der Schiste, die, wie ja alle wissen, in der Oidi-pussage eine Rolle spielt*, zunächst ohne nähere geographische Definierung]. Mit ihm fällt sein Kutscher. Oidipus begräbt sie an der Mordstelle mit ihren Gewändern, behält aber das Wehr-gehenk des L. für sich und trägt es [fortan]; dann kehrt er um zu Polybos [war also vorher auf dem Wege nach Norden] und schenkt diesem L.s Wagen. [Für die Einzelheiten des Zusammentreffens ist wichtig, daß selbst Robert T 60 159 hier nicht Kontamination aus Sophokles und

Euripides, sondern eine von beiden Tragikern unabhängige Ausmalung des Vorgangs findet.] Dann [kommt er wieder nach Boiotien, wohl weil L.s Reich und lokastes Hand ausgeboten worden waren], löst das Rätsel der Sphinx, [wird König] und heiratet die Mutter. Später hat er einmal mit lokaste auf dem Kithairon gewisse [also nicht die von Teiresias früher empfohlenen an [507] wi Laios (die Sage)

Hera] Opfer dargebracht; auf der Rückfahrt kommen ,sie an jenen Platz, [nämlich] die Schiste*, [die also nördlich des Kithairons lag]; da erinnert sich Oidipus [des Mords], zeigt lokaste den Platz und das Wehrgehenk [höchst auffällig, s. u.], erzählt von der Tat usw. ,Das sagt Peisandros/

In diesem Scholion fand Bethe einen in sich geschlossenen Inhalt; es gebe den der Oidi-podie wieder, und zwar durch Vermittlung des Grammatikers Peisandros. Diese Annahme wurde lange und vielfach geteilt, so von Höfer 713, 25; mit ,wahrscheinlich* von Gruppe 524, 3, der aber 501 die Möglichkeit offen läßt, in Peis-andros nicht mit Bethe und Maass einen Grammatiker, sondern einen Epiker zu sehen. Robert schießlich behandelt I 149–167 das Scholion ausführlich. Statt geschlossenen Inhalts sieht er in ihm heillose Konfusion (I 157), Flickwerk aus allen möglichen Lappen (I 163) und hält das Ganze jedenfalls nicht für geeignet zur Rekonstruktion der Oidipodie (1167). In Peisandros, dessen Fragmente er II 63, 22 zusammenstellt, sieht er mit gewissem Vorbehalte einen Logographen. Doch ,braucht, ja darf kaum die ganze Erzählung in dem Scholion auf Peisandros bezogen werden*; ,ταῦτα φησὶ Πείσανδρος besagt nur, daß ein einzelner im vorhergehenden berichteter Zug auf Peisandros zurückgeht oder richtiger bei ihm vorkam* (I 167); dies Urteil nach den Resultaten von Schwartz Jahrb. f. Philol. XII Suppl. B 437fL

Die Frage ist deswegen schwierig, weil wir nicht wissen, wer und wes Geistes Kind Peisandros war. Bekannt sind aus Suidas zwei (nicht drei) Träger des Namens, beides Epiker, einer etwa des 6. Jhdts. v. Chr., der eine Herakleia schrieb und unter dessen Namen noch andere Gedichte gingen, die die Gelehrten ihm absprachen; ferner unter Alexander Severus ein -Verfasser von Ἠρωικοὶ ὑεογαμίαι und 'Ἰστορία ποικίλη, Christ-Schmid Gesch. d. gr. Lit. I⁶ 136. Π⁵ 515, wo unser Scholion dem zweiten Träger des Namens zugesprochen wird. Über einen Logographen Peisandros ist nichts bekannt. Die unter dem Namen Peisandros überlieferten Fragmente edierte Dübner als Anhang zu LehrsHesiod. Didot 1862, 5–12, aber ohne zuverlässige Sichtung auf die beiden Peisan-droi. Wüßten wir aber, welcher der unsrige ist, 1 so ist nach Roberts Zweifeln noch fraglich, wieviel ihm von unserem Scholion gehört. Sicher nicht dessen ganzer Text; in ihm stecken offenbare Zusätze, oben in () , von dem Scholiasten selbst. Aber sonst scheint Robert, trotz der Ergebnisse von Schwartz, mit der Behauptung, nur ein einzelner Zug der ganzen langen Erzählung sei bei Peisandros vorgekommen, angesichts des doppelten Zeugnisses doch zu weit zu gehen, ebenso in der Annahme der Kon- € fusion. Ich meine, die oben unter e versuchte Rekonstruktion enthalte keine solche und ebensowenig die eben gegebene genauere Inhaltsangabe des Scholions; daß dieses mit dem Erscheinen der Sphinx beginnt, die wir in der Rekonstruktion erst nach 20jähriger Regierung des L. erscheinen ließen, rührt einfach daher, daß das Scholion zu den Worten ὃς μόνος Σφιγγός ver- [508] Laios (die Sage) 508 faßt wurde. Höchst auffällig (,einfach lächerlich¹, Robert I 63) bleibt allerdings, daß lokaste an dem Wehrgehenk nicht schon längst vor der Erzählung des Oidipus den Mörder erkannt hat, Robert I 161. 508. Das diskreditiert aber nicht den Dichter Peisandros, denn auch der beschränkteste Dichter hätte merken müssen, daß das nicht paßt; sondern nur den Berichterstatter, den Scholiasten, der mit καί 10 φορῶν ,und trug es fortan* Unsinn berichtet. Daß an sich das Wehrgehenk den Anagnorismos herbeiführen konnte, ist doch sehr glaublich.

Gar nichts beweist Aelian. hist. an. VI 15, wonach Euripides und die φήμη L. als ersten Paiderasten nennen, verglichen mit πρώτος θὲ ὁ Λ. τὸν ἀθέμιτον ἔρωτα τούτον ἔσχε des Scho-lions. Darin findet Robert II 141, 25 einen neuen eklatanten Beweis dafür, daß die Chrys-ipposgeschichte auf Euripides zurückgeht. Aber 20 Ailian und das Schol. besagen, Euripides habe L. als ersten Vertreter der Paiderastie bezeichnet, nicht, er habe als erster ihn so bezeichnet, und alle, die dasselbe tun, müßten von Euripides abhängen. Vielmehr kann der literarisch erste eben Peisandros gewesen sein. Außerdem gehen wahrscheinlich die fraglichen Worte des Scho-lions nicht auf Peisandros zurück, sondern sind Antwort des Scholiasten auf die beliebte (Hyg. fab. 225, besonders 173f.) Schulfrage Quis quid 30 invenerit. Dann beweisen sie gar nichts für die Quelle der Chrysipposgeschichte im Peisandros-scholion.

Ohne Bedenken wird man Robert (I 167) zugeben, daß wir gar keine Handhabe besitzen, das Scholion auf die Oidipodie zurückzuführen; dieser Nachweis ist sein Verdienst. Aber warum nicht doch auf einen Peisandros? Da nun in späterer Zeit die phokische Schiste beinahe kanonisch war, so wäre der Epiker unter Alexander 40 Severus mit der Kithaironschiste kaum hervorgetreten. Also möchte ich die unter e gegebene Rekonstruktion dem älteren Peisandros zuschreiben. Dafür spricht, daß die Fabel hier so einfach ist: noch nicht die künstliche Verwicklung mit Anagnorismos durch einen Begleiter des L., der identisch ist mit dem Hirten, der einst Oidipus aussetzte, sondern Entdeckung auf Grund einer Erzählung des Oidipus selbst und eines Waffenstücks.

j0 Die Byzantiner weichen in anderem Sinne von der Vulgata ab als Peisandros: Malalas p. 49ff. Bonn. Ioannes Antioch. frg, 8, Müller FHG IV. Kedrenos ähnlich, aber weniger wortreich; die Texte handlich bei Robert II 168f-Suid. s. Οἰδίπουςθ II 1260 Bernh. L. stammt hier aus der Familie des Amphion und Zethos, also gerade derer, die ihn in der älteren Vulgata vertrieben. Er hat einen Sohn Ἰώκκας (Malal.; Ἴοκας Kedr.; Ἰόκαστος Apost. III 1 bei Leutsch) 0 Par. gr. II 289; danach kaum mit Valckenaer bei Malal. und Kedr. zu ändern, sondern dort Kurzform). Mit einem Heere bekämpft L. die Sphinx, ein Frauenzimmer, das nach dem Tode ihres Mannes Haupt einer Räuberbande geworden ist, vergebens. lokkas, der als Oidipus bei einem Hirten in Boiotien aufgewachsen war. macht sich mit einer Schar Bauern gegen sie auf und tötet sie mit List. Die Thebaner wollen [509] ouv juaios (uniiKaeruoerueierungj

ihn als ihren Retter zum König machen. L., der das verhindern will, sendet ein Heer gegen ihn und fällt im Bürgerkriege durch einen Pfeilschuß oder bei Ioann. Ant. von einem Steine getroffen, aber nicht durch Sohnes Hand. lokaste, die auf die Königswürde nicht verzichten will, heiratet deswegen Oidipus usw.

Zur Kritik dieser Überlieferung Robert I 68. 75. 501–505. Es ist klar, daß Malalas oder seine Quelle bewußt von der durch die Tragiker geschaffenen Vulgata abweicht, unklar, auf welcher Grundlage das geschieht, ob nämlich hier alte Parallelüberlieferung vorliegt, die in klassischer Zeit eine Unterströmung darstellte und in byzantinischer Zeit zutage trat, oder ob sich die byzantinische Version erst später, bis zum 6. Jhdt., bildete und welche Tendenzen man dabei verfolgte. An etwa tausend Jahre ältere Überlieferung könnte man bei der von Robert für die ältere Sage erschlossenen Erziehung des Oidipus in Boiotien oder dem von uns dem älteren Peisandros zugeschriebenen Erscheinen der Sphinx noch bei L.s Lebzeiten denken. Aber es ist kaum denkbar, daß, während die Gebildeten die durch die Tragiker geschaffene Vulgata annahmen, sich in der Erzählung beim Volke so alte Tradition gehalten haben sollte; sie hätte sich ja doch bei mündlicher Weitergabe wohl von selbst umgeformt. Daß die Byzantiner den ehemaligen Namen des Oidipus kennen, weist nicht auf alte Quellen; in diesen wird L. das Kind, das er aussetzen hieß, schwerlich erst benannt haben, Robert I 502. Für bewußte späte Umformung durch die Byzantiner spricht aber, daß man deren Tendenzen noch erkennt: sie ist klärlich rationalistisch bei der Sphinx; das Fehlen der Chrysipposepisode soll erziehlich Paidera-stisches vom Volke fernhalten; aus moralisierender Tendenz wird auch das Gräßliche des Vatermords beseitigt sein. Warum blieb dann die Mutterehe? Man fand wohl keinen Weg, auch sie zu beseitigen, mochte aber deswegen auf die immer noch sehr populäre Geschichte nicht verzichten. Also gab man sie weiter, rationalisiert und moralisiert, so gut es ging. So bietet die byzantinische Version einen wertvollen Beitrag für selbständiges Weiterleben der altgriechischen Sage.

D. Die Kritik der Überlieferung hätte (a) festzustellen, was in der überlieferten Sagenform älter und jünger, was eigentlicher Bestandteil der Sage war und was zwecks dichterischer Wirkung hinzugefügt wurde; (b) zu versuchen, mit Hilfe der ältesten Teile das Wesen des L. zu ergründen; dazu könnte auch die Etymologie des Namens L. helfen. Indes ist die Aufgabe b aus drei Gründen unlösbar: weil die Aufgabe a nicht völlig lösbar ist; weil das Wesen des L. nur im Zusammenhänge der gesamten Oidipussage ergründet werden kann, wir aber auch über das eigentliche Wesen des Oidipus nicht Sicheres wissen; weil die Etymologie des Namens L. unklar bleibt (s. d. Abschn. F). Was sich im einzelnen kritisch zu der Überlieferung sagen läßt, wurde deswegen in Abschn. C bemerkt; frühere Ansichten über das Wesen des L. s. im nächsten Abschn.

E. DieeigentlicheBedeutung des [510] juuiuö (eigeubi. Deaeuiuugj diu

L. als mythologische Figur. Parallelfiguren. Vgl. d. vorigen Abschn.

a) Nichts vermag ich darüber zu ermitteln auf Grund von v. Wilamowitz’ Ansicht Herm. XXXIV 77f., der Boioterfürst L e i -tos der Ilias sei ein Doppelgänger des L. Sie wird von Robert II 6, 27 gebilligt. Wir erfahren aber von diesem L. aus der Ilias oder von Späteren keine charakteristischen Züge; inson-10 derheit fällt er nicht von Sohnes Hand. v. W i -lamowitz stellt ihn zu L. nur auf Grund der Etymologie; wie ist das möglich?

b) Nach Preller-Plew Griech. Myth. II² 343 wird L., der Sommer, der Volksfreund (s. d. Abschn. F) und Gatte der Erde, von seinem Sohne Oidipus, dem Winter, erschlagen; der Sohn befruchtet dann seine Mutter. Das ist eine der besseren Deutungen ihrer Art; man könnte die Etymologie G r u p p e s 503, 2 von lokaste 20 hinzufügen: ,die durch Heilmittel berühmte*; denn die winterlich befruchtete Erde heilt die Gebrechen des im Winter leidenden Menschen. Aber warum heißt der Winter Schwellfuß? Was bedeutet Epikaste? Wo bleibt bei dieser Deutung der Brudermord des Eteokles und Poly-neikes? Das und anderes führt dazu, auch diese natursymbolische Deutung, wie so viele andere, zu verwerfen. Immerhin bleibt sie erwägenswerter als die folgenden.

30 c) Höfer 741ff. hält Oidipus für einen chthonischen Heros und L. für ein Wesen wie Hades. Aber welchen Grund sollte man zu der Sage gehabt haben, ein Sohn des Hades erschlage diesen und heirate seine Mutter? Demgegenüber ist es doch unwichtig und nur zufälliges Zusammentreffen, daß es in Potniai, der supponiert ursprünglichen Stelle des Vatermords, chthonisehe Kulte gab und was sonst derart Höfer noch hervorhebt. Eher befriedigt 40 H Ö f e r s Vorschlag, Oidipus mit Zeus (Chtho-nios), also den erschlagenen L. mit Kronos gleichzusetzen. Aber Zeus stürzte seinen Vater, tötete ihn jedoch nicht, und er heiratete seine Schwester, nicht seine Mutter; das war kein Frevel so wie die Mutterehe.

d) Energischer ist G r u p p e s Deutung 503. 2 abzuweisen. lokaste ,steht der Zeusgattin Io nahe*. Also stünde lokastes Gatte L. dem Gatten Ios, Zeus, nahe. Züge dieser Verwandtschaft fin-50 det Gruppe darin, das L. nach einer Version, oben C s δ (sie ist freilich recht unkontrollierbar), am Laphystion begraben lag, einem auch(!) dem Zeus geweihten Heiligtum, und darin, daß Chrysippos sonst von L., nach einer Version aber, oben C e, von Zeus geraubt wurde. Ist also L. irgendwie dem Zeus, lokaste irgendwie der Io gleichzusetzen, so muß dem Sohne des L. und der lokaste ein Sohn des Zeus [man vermutet weiter: ,und Ios*; so folgert aber Gruppe 60 nicht] entsprechen, der fußleidend ausgesetzt wird: Hephaistos (504). In dieser Gleichsetzung ist der Raub des Chrysippos durch L. oder Zeus freilich auffällig. Aber die Überlieferung bei Praxilla ist ganz unkontrollierbar; wir wissen nicht, ob sie nicht altes Sagengut (Raub des Chrysippos durch L.) eigenmächtig änderte: daß vor Euripides Zeus allgemein für den Räuber des Chrysippos gehalten wurde, gilt uns nicht [511] 511 Lalos (eigentl Bedeutung)

als erwiesen, oben Ce. Alles andere bei Gruppe ist künstlich. Wenn lokaste und Io äußerlich ähnliche Namen haben, brauchen sie doch nicht im Grunde identische Figuren zu sein! Oidipus ward heil geboren und erst infolge seiner Aussetzung fußleidend, und zwar an beiden Füßen, aber das Leiden verschwand später; Hephaistos ward lahm geboren, aber nur an einem Fuße, erst deswegen ausgesetzt und trug das Leiden beständig. War etwa der lakedaimonische König 10 Agesilaos wegen seines Namens eine Hypostase des Hades als Ἀγησίλαος, Volksversammler, oder weil er an einem Fuße lahm war, des Hephaistos?? Dieser heiratete auch seine Mutter nicht; um diese Parallele zu schaffen, muß Gruppe ihn mit dem ägyptischen Seth-Typhon gleichsetzen, dem das Nilpferd heilig war; denn dieses tötete seinen Vater und heiratete seine Mutter. Auf Grund solchen Materials schließt Gruppe: ,danach können die Tötung des L. und Oidipus’ 20 Mutterehe mit gutem Grunde zu den ältesten, legendarischen Bestandteilen des Mythos gerechnet werden⁴. Ich sehe keinen guten Grund.

Anhang zu d. In der Oidipussage liegt das Motiv vom Sohne vor, der auszieht, um seinen Vater zu suchen. Die parallele Odysseus-Telegonossage kann man vergleichen, darf aber nicht mit Gruppe 715, 5 besonders enge Verwandtschaft finden, denn Telegonos heiratet zwar die Gattin seines Vaters (Penelope), aber 30 nicht seine Mutter (Kirke) wie Oidipus die lokaste.

Auch die Parallele zwischen L. und Katreus, Gruppe ebd., paßt nicht recht. Katreus soll nach dem Orakel nicht von seinem Sohne, sondern wenigstens nach Apollod. III 12 von einem seiner Kinder (anders freilich Diod. V 59, 1) getötet werden, und nach dem Vaternîord heiratet der Sohn nicht die Mutter.

e) Robert hält L. für einen c h t h o -n i s c h e n, in Eleon verehrten Gott, der dort 40 Orakel gab. L. ist also mit seinem Sohne wesensgleich; auch Oidipus ist ein chthonischer, ein Jahresgott. Dieser tötet, um selbst König zu werden, den eigenen Vater wie Zeus den Kronos, Robert I 58. Jährlich erschlägt nun Oidipus den L., jährlich vermählt er sich der Mutter/ Gegengründe s. o. C k. C x,

f) Man wird vielleicht den Vorschlag lächerlich finden, zu erwägen, ob nicht die Oidipussage einen historischen Hintergrund 50 hat. In der Überzeugung, man habe einen Mythos vor sich, hat man das noch nicht getan. Aber vielleicht kommt man damit weiter als mit den nicht recht greifbaren chthonischen Göttern, die man bisher ermittelte: oder wenn nicht, so muß man doch alles wenigstens erwägen, was im Bereiche der Möglichkeit liegt. Es fehlt so sehr alles Wunderbare in der Oidipussage, wie es etwa in der Perseussage oder in der Odyssee bei der Ermordung so vieler Freier durch wenige 6( Kämpfer vorliegt. Warum sollen nicht einst im thebischen Königshaus Vatermord, Mutterehe, Brudermord vorgekommen sein – vielleicht zuerst getrennt, während die Greuel durch Kausalkonnex erst später kumuliert wurden? Wie eine Ehe mit der Mutter und Anagnorismos durch ein Zeichen am Leibe des Sohnes tatsächlich vorkommen kann, zeigt höchst lehrreich Robert [512] Laios δῖ2

II 28, H an einem Beispiel des 18. Jhdts. aus Paris.

F. Von der Etymologie des Namens L. zur Ergründung seines Wesens auszugehen empfiehlt sich nicht, da die vorgebrachten Deutungen alle unsicher sind. Wir behandeln sie daher erst hier, weil sich aus dem oben Gesagten zugleich die Unsicherheit der Deutungen ohne weiteres ergibt. Literatur bei Höfer 742, 48ff. Gruppe 503, 2 a. E.

Mit Eustath. 862, 56, zu λήιον ,grüne Saat*, ist nichts anzufangen. Am häufigsten wird Zusammenhang mit λαός angenommen, an sich richtig, s. u. Aber L. = Δήμιος, Schwenck, Benseler Wb. d. Eigenn. (heodo*), Curtius, v. Wilamowitz Herm. XXXIV 77 (,Publius*; danach Robert I 11) befriedigt inhaltlich nicht; denn in der Zeit, als die Sage entstand, nannte man keinen König ,volksfreundlich*; als solcher wird L. auch nicht charakterisiert, s. o. Cy. Ebensowenig ist Δήμιος in übertragenem Sinne annehmbar (Tümpel); auf solche vereinzelte und unkontrollierbare Notizen wie die des Lysimachos, Schol. Eur. Phoin. 26 a. E., darf man keine Schlüsse bauen. Höfers Deutung, der ,Volkliche‘ = Hades als Ἀγησίλαος, der große Volksversammler, wäre an sich annehmbar, aber die des Oidipus als eines chthonischen Heros, die sie voraussetzt, ist nicht sicher. Benselers zweite Deutung, ,Drossel; gehört nicht hierher, sondern bezieht sich auf L. Nr. 2. Dem Wesen des L. käme am nächsten der von Welcker Aisch. Tril. 355, 18 vorgeschlagene Zusammenhang mit λαχνός »wollüstig, geil·; denn L. vergeht sich aus Geilheit zweimal, mit Chrysippos (der durch diese Etymologie als alter Bestandteil der Sage gestützt würde) und in der Trunkenheit mit lokaste. Aber abgesehen davon, daß man diese Zeugnisse für seine Geilheit z. T. für sekundär hält, ist das sprachlich unmöglich (S t r e i t b e r g brieflich; dessen Güte verdanke ich auch das Folgende). Vielmehr ist Λ. ein Kurzname etwa zu Aaiανδρος Ἀγέλαιοςθ Fick-Bechtel Personenn. 183. 429. Da aber der Vollname nicht bekannt ist, kann man den Kurznamen nicht deuten.

G. L. in der Kunst s. o. Abschn. Bb.

[Lamer. ]