RE:Helvidius 4

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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(Priscus) Sohn des C. Helvidius Priscus Nr. 3
Band VIII,1 (1912) S. 221222
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4) Helvidius (Priscus) — das Pränomen ist unbekannt, auch das Cognomen nirgends gesetzt — Sohn des C. Helvidius, Priscus (Nr. 3) aus erster Ehe (Plin. ep. IX 13, 3; vgl. Suet. Dom. 10), noch vor 56 n. Chr. geboren, da sich der Vater (s. daselbst e) vor diesem Jahre zum zweitenmale verheiratete. Plin. ep. IX 13, 3 wird er consularis genannt, ist also, da er unter den ordinarii nicht vorkommt, suffectus gewesen; vielleicht, wie Mommsen Ind. zu Keils Plin. ep. 412 bemerkt, des J. 87, wo in den Arvalacten 10.–22. Sept. ein Priscus angeführt ist. Klein Fast. cons. 47, vgl. Pros. imp. R. a. a. O. Nach dem Consulat wird H. kein Amt mehr angenommen haben; denn nach Plin. a. a. O. verbarg er sich metu temporum in ländlicher Abgeschiedenheit. Trotz dieser Vorsicht lud er den Zorn Domitians dadurch auf sich, daß er in einem dramatischen exodium unter der Maske des Paris und der Oenone angeblich auf dessen Ehescheidung von Domitia angespielt hatte. Er wurde deshalb im Senate angeklagt und zum Tode verurteilt. Suet. Dom. 10, vgl. Plin. ep. III 11, 3. Der eigentliche Grund hiefür wird natürlich der Wunsch Domitians gewesen sein, mit allen im Verdachte der Opposition stehenden Elementen aufzuräumen. Auch Herennius Senecio (s. d.) erlitt ja zu gleicher Zeit den Tod; vgl. Gsell Domitien 282. Ankläger war Publicius Certus, der den Kaiser durch Schmeichelei noch mehr gegen H. aufbrachte, Plin. ep. IX 13, 16; er und andere Senatoren legten selbst Hand an den Verurteilten, ebd. 2. Auf dieses Faktum spielt Tac. Agr. 45 an: mox (bald nach Agricolas Tod, d. i. nach 23. Aug. 93) nostrae duxere Helvidium in carcerem manus. Gsell a. a. O. H. war verheiratet mit der Anteia, Plin. ep. IX 13, 4f. (s. den Art. Anteius Nr. 5). Er hinterließ seiner Gattin zwei Töchter (Nr. 6) und einen Sohn, welcher nach dem Tode der Schwestern der einzig überlebende Sproß der berühmten Familie blieb. Plin. ep. IV 21, 3f., vgl. VII 19, 8. Deszendenten von ihm dürften sein: CIL VI 1530, vgl. add. p. 852 L. Valerius Helvidius Priscus Poblicola (nach Vermutung Borghesis Oeuvres VII 265) und L. Valerius Messalla Thrasea Priscus, Consul ordinarius des J. 196 (Vermutung Guarinis bei Borghesi a. a. О. VI 410); vgl. Mommsen Ind. zu Plin. ep. Pros. imp. Rom. a. а. О.

[222] Freundschaft verband den jüngeren Plinius mit H. (ep. IX 13, 2, vgl. III 11, 8), und er bewahrte auch dem Toten diese Neigung (ebd. IV 21, 3). Im J. 97 unternahm daher auch Plinius im Senate den Angriff auf den Delator Publicius Certus (ebd. IX 13; vgl. IV 21, 3. VII 19, 10) und veröffentlichte eine Ehrenrettung des H. (IX 13, 1 libros … de Helvidii ultione. VII 30, 4 libellos … de ultione Helvidii; vgl. IX 13, 14. 26. IV 21, 3), die auch jene denkwürdige Senatsverhandlung enthielt (IX 13, 23). Aus jener Lobschrift dürfte die Fügung nomen ingens paresque virtutes von Plin. ep. IX 13, 2 entnommen sein, die den Charakter des H. kennzeichnet.

Literatur: Prosop. imp. Rom. I 130 nr. 38. Mommsen Ind. zu Keils Plin. ep. Gsell Essai sur le règne de l'emp. Domitien (Paris 1894) 281f.

[Gaheis. ]